Movatterモバイル変換


[0]ホーム

URL:


Zum Inhalt springen
WikipediaDie freie Enzyklopädie
Suche

Neonazismus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet vonNeonazi)
Neonazis marschieren mit Plakaten desHitler-StellvertretersRudolf Heß

Neonazismus (altgriechischνέοςnéos, deutsch‚neu, jung‘ undNazismus)[1] steht im engeren Sinne für die Wiederaufnahme und Verbreitungnationalsozialistischen Gedankenguts imdeutschsprachigen Raum nach demZweiten Weltkrieg und dem Ende derNS-Diktatur. Auch in anderen Ländern, namentlich in denUSA wurden nach 1945 nationalsozialistische Ideen aufgegriffen und das NS-Regime verherrlicht. Vertreter des Neonazismus werdenNeonazis genannt; der Begriff steht im Gegensatz zu „Altnazis“ (auchAlt-PG, „Parteigenosse“), also den Trägern der nationalsozialistischenIdeologie, die diese bereits während der nationalsozialistischen Herrschaft vertreten hatten, den umgangssprachlich „Ewiggestrigen“.

Geschichte

Deutschland

Neonazis bei einer Demonstration inMünchen
Teile der Neonaziszene treten alsSkinheads in Erscheinung
Neonazis alsAutonome Nationalisten imSchwarzen Block mit antikapitalistischen und nationalsozialistischen Parolen
Neonazi-Mahnwache anlässlich des Jahrestags derbedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht 1945. Die Neonazis halten dieFlagge des Iran, dieFlagge Deutschlands, dieFlagge Schlesiens, die Flagge derJungen Nationaldemokraten sowie dieFlagge Palästinas.

Bis in die 1970er Jahre war die in Parteien wie derSRP oder derNPD organisierterechtsextreme Szene in derBundesrepublik Deutschland im Wesentlichen von sogenanntenAltnazis bestimmt, die schon während derZeit des Nationalsozialismus Anhänger desselben gewesen waren. Seit Ende der 1970er Jahre wird das Bild dieser Szene jedoch überwiegend von Nachgeborenen bestimmt, die keine eigenen Erfahrungen mehr mit der NS-Diktatur und demZweiten Weltkrieg gemacht, sondern sich die Ansichten der Altnazis meist kritiklos angeeignet haben. Sie unterscheiden sich von diesen in der Regel auch durch eine erheblich höhereGewaltbereitschaft.[2]

Die Neonazis (in ihren Grundüberzeugungen sind sie den Altnazis gleichzusetzen) zeichnen sich im Allgemeinen durch ihre extremeFremdenfeindlichkeit aus.Juden undAusländer – insbesondereAsylbewerber undtürkischstämmige Einwanderer, aber auchDeutsche mitMigrationshintergrund – dienen nebenpolitisch Linken aller Art alsFeindbild. Die Neonazis beabsichtigen gemäß der Ideologie desvölkischen Nationalismus die Schaffung einesethnisch homogenenNationalstaats, in dem weder die deutschen Juden, noch von Ausländern abstammende oder eingebürgerte Deutsche Platz hätten. Die Ablehnung vonMinderheiten wirdsozialdarwinistisch begründet und drückt sich im Hass auf gesellschaftliche Randgruppen wieBehinderte,Homosexuelle und sozial Schwache – z. B.Obdachlose – aus. Ein großer Teil der Neonazis leugnet oder relativiert die Verbrechen des Nationalsozialismus, speziell denHolocaust.

DasBundesamt für Verfassungsschutz registrierte Ende 2017 mit rund 6000 Neonazis ca. 1000 mehr als noch im Jahr 2009.[3] Die Zahl der gewaltorientierten Rechtsextremisten wurde auf 12700 (Zunahme gegenüber Vorjahr: 5 %) geschätzt. Eine Studie derBertelsmann Stiftung kommt im Januar 2021 zu dem Ergebnis, dass knapp acht Prozent aller Wahlberechtigten in Deutschland manifest rechtsextreme Einstellungen vertreten. Bei populistisch eingestellten Wählern ist der Anteil jedoch mehr als doppelt so hoch und bei den Anhängern derAfD sogar fast viermal so hoch. Mehr als die Hälfte der AfD-Wählerschaft ist latent oder manifest rechtsextrem eingestellt.[4]

Viele Neonazis vertreten ihre Ansichten aktiv undgewalttätig. Seit Anfang der 1990er-Jahre kommt es in Deutschland vermehrt zu Anschlägen auf Asylbewerberwohnheime und Politiker, zu Übergriffen auf Ausländer und zu Demonstrationen, bei denen gewaltsame Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten und der Polizei zur Tagesordnung gehören.

Zwischen 2000 und 2007 verübte die neonazistische TerrorgruppeNationalsozialistischer Untergrund neunMorde an Migranten, den Mord an der PolizistinMichèle Kiesewetter und mehrere Bombenanschläge, darunter denNagelbombenanschlag in Köln.

Nationalrevolutionäre Strömung

Neben den Neonazis formieren sich zusehends „nationalrevolutionäre“ Kräfte im Umfeld des rechtsextremen Spektrums. Diese fallen durch eine stärkere theoretische Ausrichtung auf und orientieren sich teilweise an den VorbildernErnst Niekisch undKarl Otto Paetel und insgesamt an einem „Sozialrevolutionären Nationalismus“. Bekannt wurden diese Gruppierungen und Zirkel durch Zeitschriften wie „Junges Forum“ (etwa Anfang der 1970er-Jahre) und „Wir selbst“. Aus diesen Zirkeln gingen Gruppen wie die „Nationalrevolutionäre Koordination“ hervor. Man ist insgesamt bemüht, sich offiziell vom „Dritten Reich“ abzugrenzen, und formuliert eigene Theorien. Im Mittelpunkt stehen hierbei derEthnopluralismus und einAntikapitalismus mit teilweise stark antimodernen Ideologiemomenten. LautVerfassungsschutzberichten verzeichnen derartige Projekte zurzeit einen starken Zulauf, stellen aber immer noch eine verschwindende Minderheit innerhalb der rechtsextremen Szene dar. Zu den wichtigsten Publikationen zählt unter anderem der „Fahnenträger“, eine nach ihrem Selbstverständnissozialrevolutionäre undnationalistische Zeitschrift. Hinzu zählt man auch die Internetseiten „Die Kommenden“ und „Dritte Front“. Diese seien angeblich Vorreiter einer sich neu abzeichnenden „NationalrevolutionärenBewegung“.

Frauen im Rechtsextremismus

Hauptartikel:Frauen im deutschen Rechtsextremismus

Traditionell vertreten Neonazismus und Rechtsextremisten ein sehr chauvinistisches und sexistisches Geschlechterrollenbild: Während die Frau für die Kindererziehung und das Haus zuständig ist, ist der Mann der Ernährer der Familie und derjenige, der für die Existenz kämpft. Dieses Bild modernisierte sich in den letzten 20 Jahren und Frauen kommt inzwischen eine strategische Schlüsselrolle innerhalb der rechten bzw. neonazistischen Szene zu. Einerseits unterwandern sie gezielt die demokratische Alltagskultur, vor allem in sozialen Berufen, wie dem Kindergarten oder als hilfsbereite Elternvertreterinnen und Kommunalpolitikerinnen, um unauffällig gesellschaftliche Akzeptanz zu bekommen. Andererseits werden sie, trotz ihrer ideologischen Festigung und aktionistischen Ausrichtung, noch immer als Anhängsel ihrer männlichen Pendants angesehen, was ihrer Rolle und ihrer Einstellung nicht gerecht wird.[5][6]

USA

Teilnehmer der„Unite-the-Right“-Demonstranten in Charlottesville am 12. August 2017 mit derKriegsflagge der Konföderierten, derGadsden flag und derHakenkreuzflagge

In denUSA gibt es eine weitverzweigte Szene von Neonazis im Rahmen derWhite-Supremacy-Bewegung. 1959 gründeteGeorge Lincoln Rockwell (1918–1967) dieWorld Union of Free Enterprise National Socialists, die kurz darauf inAmerican Nazi Party (ANP) umbenannt wurde. Sie vertrittrassistische,antisemitische undantikommunistische Positionen. 1983 wurde die Partei inNew Order umbenannt. Die ANP verbreitete dieVerschwörungstheorie, jüdische Kommunisten würdenAfroamerikaner dazu verlocken, weiße Frauen zu vergewaltigen undRassenunruhen zu beginnen. Mitglieder der Partei griffen in den 1960er Jahren Demonstranten an, die gegen denVietnam-Krieg protestierten, und agitierten gegen dieBürgerrechtsbewegung. Bei Aktionen gegen die Wohnungsbau-KampagneMartin Luther Kings 1966 prägten sie den dasSchlagwortWhite Power“. Zu den Mitgliedern der ANP gehörte auchDavid Duke (* 1950), der Anführer einer Organisation desKu-Klux-Klans. DasFBI bekämpfte diese Partei erfolgreich mitCOINTELPRO-Methoden.[7]

Nach dem Tod des Gründers 1967 radikalisierte sich die ANP weiter und rief zu einerRevolution auf. In ihrem Umkreis entstand in den 1970er Jahren die militanteNational Socialist Liberation Front, in der die bekannten RechtsextremistenJames Mason (* 1952) undWilliam Luther Pierce (1933–2002) aktiv waren.[8] Mason gilt als Vordenker derrechtsterroristischenAtomwaffen Division. Pierce veröffentlichte 1978 den RomanThe Turner Diaries, der einen blutigen Bürgerkrieg in den USA schildert. Das Buch war Inspiration für die RechtsterroristenTimothy McVeigh undThe Order, eine neonazistische Gruppierung, die dieBundesregierung der Vereinigten Staaten als „Zionist Occupied Government“, das heißt eine von Juden kontrollierteMarionettenregierung,delegitimiert.[9]

1972 gründete der deutschstämmige TeenagerGary Lauck (* 1953) inLincoln (Nebraska) dieNSDAP-Aufbauorganisation, mit der er die Neugründung einer nationalsozialistischen Partei in Deutschland vorbereiten will. Lauck verbreitet in Printmedien und im Internet neonazistische Propaganda undHolocaustleugnung und vertreibt per Versandhandel NS-Devotionalien.[10] Im amerikanischen Recht wird derMeinungsfreiheit, die im1. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten festgeschrieben ist, ein hoher Stellenwert beigemessen, was Neonazis vergleichsweise weiten Spielraum verschafft. Ein Beispiel dafür ist der Erfolg der National Socialist Party of America, einer Abspaltung der ANP, vor demObersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten 1977: Der Partei war von den Behörden des StaatesIllinois verboten worden, einen Marsch durch die KleinstadtSkokie zu veranstalten, wo zahlreiche Holocaustüberlebende wohnten. Dagegen klagte sie mit Unterstützung derAmerican Civil Liberties Union und bekam schließlich recht.[11]

Die meisten amerikanischen Neonazis sind indes nicht in einer Partei organisiert, sondern nach dem Prinzip desführerlosen Widerstands. Dies wurde vonLouis Beam (* 1946) entwickelt, der sich im Umfeld des Ku-Klux-Klans bewegt. Zum führerlosen Widerstand rechnen militante Neonazi-Gruppierungen wieWhite Aryan Resistance, dieHammerskins oder dieAryan Nations, die derChristian-Identity-Bewegung nahestehen. Beam war der erste amerikanische Neonazi, der elektronische Medien zur Verbreitung seiner Hasspropaganda nutzte.[12]

Nachdem neonazistische Hassgruppen seit derÄra Reagan an Publizität verloren hatten, änderte sich das mit derPräsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2008, die erstmals einen Afroamerikaner zumPräsidenten machte. Neonazis wurden nun Teil einer rechten Sammlungsbewegung, die von denRepublikanern bis nach Rechtsaußen reicht. Sie wird zusammengehalten durchpopulistische Ablehnung der so genanntenEliten, Abstiegsängste und Verschwörungstheorien wie die derBirther, die nicht glauben, dassBarack Obama einNatural born citizen ist, und deshalb die Rechtmäßigkeit seiner Wahl bestreiten.[13] Das Internet begünstigt diese Entwicklung, wo die so genannteAlt-Right sich in Websites wieStormfront, Netzwerken wieGab, diversenReddits und Sub-Reddits austauscht.[14]

Die ganze Breite dieser Koalition zeigten dieDemonstrationen in Charlottesville 2017, bei denen eine Gegendemonstrantin über den Haufen gefahren und getötet wurde. PräsidentDonald Trump bescheinigte den Teilnehmern dennoch, es seien „some very fine people“ unter ihnen gewesen.[15] Laut Andrew Anglin, dem Redakteur der rechtsextremen WebsiteThe Daily Stormer, engagierten sich viele Neonazis im Wahlkampf zu denPräsidentschaftswahlen 2020 für Trump.[16] AmSturm auf das Kapitol in Washington 2021, bei dem rechte und rechtsextreme Gruppen versuchten, dieförmliche Bestätigung des Sieges vonJoe Biden durch denKongress zu verhindern, nahmen auch Neonazis teil.[17]

Großbritannien

InGroßbritannien berufen sich viele Neonazis aufArnold Leese von derImperial Fascist League, der während des Kriegs im Gefängnis gesessen hatte. Bereits 1945 verbreitete er in seinem BuchThe Jewish War of Survival die Verschwörungstheorie, „die Juden“ hätten den Zweiten Weltkrieg nicht nur angefangen, sondern auch gewonnen, weil ihre Position in der Welt durch die Ausschaltung Deutschlands international stark verbessert worden sei. Leese förderte und beeinflusste mehrere andere britische Neonazis mit ähnlichen Ansichten wie Colin Jordan, der einen innerjüdischen Zwist zwischen Israel und der Sowjetunion herbeifabulierte: DerKalte Krieg machte eine Rekalibrierung der These von der jüdischen Weltverschwörung notwendig. 1960 trat Jordan derBritish National Party (BNP) bei, die sich die „Liberation of Britain from the Coloured Invasion and Jewish Domination“ („Befreiung Britanniens von der Invasion derFarbigen und der jüdischen Herrschaft“) zum Ziel setzte. 1961 verfasste Jordan eine Sonderausgabe der ZeitschriftCombat, in der er als einer der ersten Briten den Holocaust leugnete. Auch behauptete er, es seien umgekehrt die Juden, die die Deutschen ausrotten wollten. 1962 gründete Jordan mit John Tyndall dasNational Socialist Movement, das sich uneingeschränkt positiv auf Hitler bezog und Kontakte zu Neonazis in den USA und weltweit aufbaute.[18]

Die gewalttätige GruppierungCombat 18 (Kampf 18 – die Ziffern beziehen sich auf den ersten und den achten Buchstaben des Alphabets, als die Initialen Adolf Hitlers) wurde 1992 alsSaalschutz für Veranstaltungen der BNP gegründet, mit deren als zu wenig radikal empfundenen Führung sie bald in Konflikt gerieten. Combat 18 begann gemeinsam mit Hooligans asiatischstämmige Menschen zu verprügeln, die sich im Mai 2001 inOldham imGroßraum Manchester wehrten: Eine große Straßenschlacht war die Folge. Danach ging die Gewalt wieder zurück.[19]

In weiteren Staaten

Patriot der Ukraine, Kiew, 13. April 2014

In fast allen europäischen Ländern gibt es Gruppierungen, die dem Neo-Nationalsozialismus zuzuordnen sind. Diefremdenfeindlichen,antisemitischen und sozialdarwinistischen Ansichten dieser Neonazis entsprechen in jeweils abgewandelter Form denen der deutschen Gruppierungen. So sind US-amerikanische Neonazis in der Regel durch Hass aufSchwarze,Latinos,Asiaten und Juden gekennzeichnet und vertreten die Ansicht, die „weiße Rasse“ der „Arier“ müsse „rein“ erhalten werden.[20]

Kultur

Erkennungsmerkmale und Zeichen

Hauptartikel:Rechtsextreme Symbole und Zeichen

Neonazis ließen sich zwischen 1980 und 1993 immer häufiger an ihrem Erscheinungsbild erkennen. Dieses bestand aus dem Tragen vonBomberjacken (olivgrün oder schwarz), vor allem Jeans oder Flecktarnhosen und so genanntenSpringerstiefeln oder ähnlich aussehendenStahlkappenschuhen mit weißen Schnürsenkeln. Zudem rasierten sie sich den Kopf, was ihnen die BezeichnungSkinhead einbrachte, obgleich es sich bei den Skinheads eigentlich um eine ältere, nicht rechtsextreme Bewegung ausGroßbritannien handelt. Diese Erkennungsmerkmale kommen fast alle aus der Skinhead-Subkultur und hatten ursprünglich keine politische Bedeutung. Weiße Schnürsenkel etwa standen für die Vereinigung von weißen und schwarzen Jugendlichen in England oder wurden einfach nur der Optik wegen verwendet, ganz ohne rassistische Botschaft.

Seit denAusschreitungen in Rostock-Lichtenhagen im Jahr 1992 hat sich in der deutschen Bevölkerung die Toleranz gegenüber Rechtsradikalen erheblich verringert, so dass viele Neonazis dazu übergingen, sich nicht mehr deutlich sichtbar als solche zu erkennen zu geben. Sie ließen ihre Haare wieder wachsen und verzichteten auf ihre Bomberjacken- und Springerstiefel-Aufmachung. Stattdessen wechselten sie zu versteckten Erkennungsmerkmalen, die Szenefremden oft unbekannt sind. So verweisen Zahlen auf Buchstaben im Alphabet. Die „88“ steht z. B. für „HH“ und ist die kryptische Abkürzung für„Heil Hitler“. Die Zahl „18“ steht für „AH“ – „Adolf Hitler“. Zudem gibt es Hersteller von Markenbekleidung, wie z. B.Consdaple undThor Steinar, deren Produkte bevorzugt von der Neonazi-Szene getragen werden.

Es gibt auch in einigen anderen Jugendkulturen viele Neonazis, so zum Beispiel „National Socialist Black Metal“ (NSBM), deren Anhänger äußerlich meist kaum von anderen Anhängern vonBlack Metal zu unterscheiden sind (schwarze Kleidung, lange Haare, heidnische Symbole) und sich meist sehr stark über dasHeidentum definieren. Auch in derGabberszene gab es in den letzten Jahren immer mehr Neonazis.

Die politischen Drahtzieher pflegen oft einen anderen Kleidungsstil. Sie unterscheiden sich kaum von in gewöhnlichem Habit erscheinenden Personen (Bsp.Christian Worch,Siegfried Borchardt). Ferner gibt esAktivisten wieAxel Reitz (mittlerweile ausgestiegen) oderPhilipp Hasselbach, die in SA-ähnlichen Uniformen oder langen, schwarzen „Gestapo-Ledermänteln“ auftreten.

Seit etwa dem Jahr 2000 übernehmen Neonazis zunehmend ursprünglichlinke oderlinksradikale Symbolik und Outfits wie die derAutonomen-Bewegung und des „Schwarzen Blocks“ (Autonome Nationalisten). Sie kleiden sich teilweise ganz in Schwarz mit Kapuzenpulli, Basecap etc. Immer häufiger tragen deutsche Neonazis eineKufiya („Palituch“) als Bekenntnis gegenIsrael und Juden allgemein (siehe z. B. dieKader derFreien Kameradschaften wieThomas Gerlach).

Rechtsrock

Hauptartikel:Rechtsrock

Der erste Kontakt zur Szene geschieht meist über die Musik der Neonazis. Diese kann teils sehr balladenhaft sein (Frank Rennicke), meist wirkt sie jedoch aggressiv. Ursprünglich kommt der Rechtsrock (auchRAC genannt) aus England (Skrewdriver,No Remorse,Skullhead), seit den 1980er-Jahren steigt die Zahl der Neonazi-Bands auch in Deutschland stetig an. Seit Mitte/Ende der 1990er-Jahre erkennt die Szene das Rekrutierungspotential, das in der Musik liegt. Bekannte Bands nennen sichSturmwehr,Störkraft,Kraftschlag,Landser,Zillertaler Türkenjäger,Endstufe,Stahlgewitter,Oidoxie oderNoie Werte.

Es gibt jährlich Hunderte illegaler Konzerte. Per Mobiltelefon geben die Veranstalter die Orte der Konzerte erst in letzter Minute an die Besucher weiter. Diese stehen untereinander in Kontakt und werden dann dorthin gelotst. Vorab ist nur der ungefähre Standort bekannt, so dass sich alle in unmittelbarer Nähe befinden.

Kampfsport

An Bedeutung innerhalb der neonazistischen Szene gewinnt der Bereich desKampfsports, vor allemMixed Martial Arts sowieKickboxen. Rechte Kampfsportlabels treten als Sponsoren und Veranstalter von extrem rechten Kampfsportturnieren auf. In der Szene namhafte Events sind beispielsweise das TurnierKampf der Nibelungen (KdN) (von 2013 bis 2018 jährlich stattfindend) oder das 2018 wie auch 2019 durchgeführte „Tiwaz – Kampf der freien Männer“. Auch bei Musik- und Rednerveranstaltungen wie den beiden „Schild & Schwert“-Festivals 2018 im sächsischenOstritz (organisiert von dem stellvertretenden NPD-BundesvorsitzendenThorsten Heise) gab es Kampfsportdarbietungen. Solche Veranstaltungen dienen auch der Vernetzung innerhalb der Szene, der Rekrutierung neuer Kräfte, beispielsweise aus demHooligan-Milieu, sowie dem Verkauf indizierter Musik. Das Bundesinnenministerium geht davon aus, dass viele dieser Kampfsport-Besucher als Mobilisierungspotential für rechtsextremistische Demos zur Verfügung stehen; es sei auch zu befürchten, dass die Professionalisierung im Kampfsport ideologisch im Sinne einer Wehrhaftigkeit gegen „das System“ aufgeladen bzw. für Auseinandersetzungen auf der Straße mit dem politischen Gegner genutzt werde. Kampfsportgruppierungen mit politischer Ausrichtung wie die Labels „KdN“, „Wardon“, „Black Legion“ oder das Label „White Rex“ des russischstämmigen Hooligans Denis Nikitin (eigentlicher NameDenis Kapustin) stellen ihre eigenen Kampfsportler als Vorbilder in Sachen „Wille“, „Fleiß“ und „Disziplin“ dar und verstehen sie als Gegensatz zum „faulenden politischen System“ der „Versager“, „Heuchler“ und „Schwächlinge“.[21][22][23] Über verschiedene Kanäle auf sozialen Medien wird zudem für die Gründung vonActive Clubs geworben, die über Kampfsportangebote der Vernetzung und Stärkung der Szene dienen sollen.[24]

Ausstieg aus der Szene

Wer der Neonaziszene angehört, sich jedoch nicht mehr mit deren Zielen identifiziert und aussteigen will, steht oft vor erheblichen Problemen. Die meisten Neonazis haben außerhalb der Szene kaum noch soziale Kontakte, hinzu kommen eventuell Vorstrafen. Fehlende berufliche Kenntnisse erschweren oft eine Reintegration in die Mehrheitsgesellschaft. Manche Aussteiger fürchten auch Racheakte der alten Gesinnungsgenossen. Daher gibt es seit einigen Jahren Projekte, die Ausstiegswilligen Unterstützung anbieten, unter anderem die InitiativeExit Deutschland.

Bekannte Aussteiger

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Commons: Neo-Nationalsozialismus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Neonazi – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Begriffsdefinitionin Abgrenzung zum Begriff Rechtsextremismus des Niedersächsischen Innenministeriums
  2. Neonazis brüsten sich mit Exekutionsvideos. In:Spiegel Online.
  3. Bundesamt für Verfassungsschutz:Verfassungsschutzbericht 2017, abgerufen am 16. August 2018.
  4. Robert Vehrkamp,Rechtsextreme Einstellungen der Wähler:innen vor der Bundestagswahl 2021 Programm:Zukunft der Demokratie der Bertelsmann Stiftung, Januar 2021,ISSN 2197-5256
  5. Sandra Stalinski, Freundlich, unauffällig und unterschätzt (Memento vom 8. Mai 2014 imInternet Archive) Tagesschau.de am 6. Mai 2014
  6. Zschäpe ist nicht allein (Memento vom 9. August 2014 imInternet Archive) Markus Decker, FR-Online vom 5. Mai 2014.
  7. John Drabble:Neo-Nazis. In: Peter Knight (Hrsg.):Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. ABC Clio, Santa Barbara/Denver/London 2003, Band 2,ISBN 1-57607-813-2, S. 534.
  8. John Drabble:Neo-Nazis. In: Peter Knight (Hrsg.):Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. ABC Clio, Santa Barbara 2003, Band 2, S. 535.
  9. Matthias Quent, Jan Rathje:Von den Turner Diaries über Breivik bis zum NSU: Antisemitismus und rechter Terrorismus. In:Samuel Salzborn (Hrsg.):Antisemitismus seit 9/11. Ereignisse, Debatte, Kontroversen, Nomos, Baden-Baden 2019,ISBN 978-3-8487-5417-5, S. 165–178, hier S. 168.
  10. Thomas Grumke:Rechtsextremismus in den USA. Leske + Budrich, Opladen 2001,ISBN 3-8100-2868-1, S. 54–57;Juliane Wetzel:Lauck, Gary (Gerhard) Rex. In:Wolfgang Benz (Hrsg.):Handbuch des Antisemitismus. Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart, Band 2:Personen De Gruyter Saur, Berlin 2009,ISBN 978-3-598-44159-2, S. 458 f.
  11. Lynn Rapaport:The Holocaust in American Jewish life. In: Dana Evan Kaplan (Hrsg.):The Cambridge Companions to American Judaism. Cambridge University Press, Cambridge/New York/etc. 2005,ISBN 0-521-82204-1, S. 187–208, hier S. 199 und 207 mit Anm. 56; Steven J. Heyman:Hate Speech, Public Discourse, and the First Amendment. In: Ivan Hare, James Weinstein (Hrsg.):Extreme Speech and Democracy. Oxford University Press, Oxford/New York 2009,ISBN 978-0-19172-067-3, S. 158–181, hier S. 158.
  12. Thomas Grumke:Rechtsextremismus in den USA. Leske + Budrich, Opladen 2001, S. 85–91; Harvey W. Kushner:Aryan Nations. In: derselbe:Encyclopedia of Terrorism. Sage Publications, Thousand Oaks/London/Neu-Delhi 2003, S. 50 f.; Monika Schmidt:Christian Identity. In: Wolfgang Benz (Hrsg.):Handbuch des Antisemitismus. Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart. Bd. 5:Organisationen, Institutionen, Bewegungen. De Gruyter, Berlin 2012, S. 100.
  13. Volker Weiß:Rechtsextremismus: Vom Extrem zur Alternative? Ein Blick auf die rechtsextreme US-Szene.Bundeszentrale für politische Bildung, 28. Juli 2017.
  14. Ryan Scrivens, Tiana Gaudette, Maura Conway, Thomas J. Holt:Right-Wing Extremists’ Use of the Internet: Emerging Trends in the Empirical Literature. In: Barbara Perry, Jeff Gruenewald, Ryan Scrivens (Hrsg.):Right-Wing Extremism in Canada and the United States. Palgrave Macmillan, Basingstoke 2022,ISBN 978-3-030-99804-2, S. 355–380.
  15. Peter Bergen:Trump and His Generals: The Cost of Chaos. Penguin Random House, New York 2019,ISBN 978-0-525-52241-6, S. 155.
  16. Tanner Mirrlees:Trump and the Alt Right: The Mainstreaming of White Nationalism. In: Barbara Perry et al. (Hrsg.):Right-Wing Extremism in Canada and the United States. Palgrave Macmillan, Basingstoke 2022, S. 67–96, hier S. 82.
  17. Sabrina Tavernise, Matthew Rosenberg:These Are the Rioters Who Stormed the Nation’s Capitol.nytimes.com, 12. Mai 2021; Robert Evans:Woman Accused of Stealing Nancy Pelosi’s Laptop Appears in Video Making Nazi Salute.Bellingcat, 24. Februar 2021.
  18. Paul Jackson:Conspiracy Theories and Neo-Nazism in the Cultic Milieu. In: Asbjørn Dyrendal, David G. Robertson, Egil Asprem (Hrsg.):Handbook of Conspiracy Theory and Contemporary Religion. Brill, Boston/LeidenISBN 978-90-04-38150-6, S. 451–189, hier S. 469–474.
  19. Nigel Copsey:Contemporary British Fascism: The British National Party and its Quest for Legitimacy. Palgrave Macmillan, Basingstoke 2004,ISBN 978-1-4039-0214-6, S. 67 f. und 125–128.
  20. Auch in Russland gibt es Neonazis. In:Welt Online
  21. Robert Claus:Der extrem rechte Kampfsportboom. www.bpb.de, 5. November 2018
  22. Konrad Litschko:Rechtsextremer Kampfsport: Trainieren für den Umsturz. www.taz.de, 17. April 2019
  23. Verfassungsschutzbericht 2018. PDF, S. 48, 65 f., 76.
  24. Verfassungsschutzbericht Bayern 2024, S. 208
  25. „Ich marschiere für die Tiere“: Nazis und Tierschutz. 15. März 2013, abgerufen am 9. Mai 2022 (deutsch). 
  26. Ralf Petzold: Neonazi-Aussteiger wird auf Mallorca zum Auswanderer. 26. Januar 2021, abgerufen am 9. Mai 2022. 
  27. Stefan Mayr: Neonazi-Aussteiger Manuel Bauer – Deckname „Pistole“. In: sueddeutsche.de. 5. Dezember 2011, abgerufen am 7. Dezember 2014. 
  28. Ex-Neonazi: „Die alten Kameraden sehen mich als Verräter“. Abgerufen am 9. Mai 2022. 
  29. Rechte Armee Fraktion. In:Der Spiegel. 9. August 1987,ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 9. Mai 2022]). 
  30. Lausitzer Rundschau: Ein Aussteiger warnt vor der Neonazi-Szene. 12. Oktober 2011, abgerufen am 9. Mai 2022. 
  31. Christine Hewicker:Die Aussteigerin Autobiografie einer ehemaligen Rechtsextremistin. 1. überarbeitete Neuauflage Auflage. Hamburg 2021,ISBN 978-3-96971-060-9. 
  32. Rechtsextremismus in Deutschland: Ausstieg aus dem braunen Sumpf – wie ein Neonazi lernte, den Hass loszulassen. Abgerufen am 25. Januar 2022. 
  33. deutschlandfunk.de: Porträt - Johannes Kneifel: Skinhead, Mörder, Pastor. Abgerufen am 9. Mai 2022. 
  34. Michael Klarmann: "Menschenverachtung verrate ich gerne". Abgerufen am 9. Mai 2022. 
  35. Martin Lutz:Aussteiger: Von einem, der kein Neonazi mehr sein wollte. In:Die Welt. 2. Dezember 2013 (welt.de [abgerufen am 9. Mai 2022]). 
  36. Clemens Höges:Mit der Faust ins Gesicht. In:Der Spiegel.Nr. 9, 1994 (online). 
  37. Warum es bequem ist, ein Nazi zu sein. Abgerufen am 9. Mai 2022. 
Abgerufen von „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Neonazismus&oldid=264274823
Kategorien:

[8]ページ先頭

©2009-2026 Movatter.jp