Neil Armstrong kam 1930 auf einer Farm, zehn Kilometer vonWapakoneta (Ohio) entfernt, zur Welt. Sein Vater Stephen Armstrong war staatlicher Rechnungsprüfer, seine Mutter Viola Engel, Tochter des deutschen Auswanderers Martin August Engel, war Hausfrau. Friedrich Kötter, einer von Armstrongs Urgroßvätern, stammte ausLadbergen im heutigenNordrhein-Westfalen.[2]
Seit seiner Jugend, als erPfadfinder bei denBoy Scouts of America war, faszinierte ihn dieFliegerei. Er baute Modellflugzeuge, bekamFlugstunden und erhielt schließlich an seinem 16. Geburtstag, damit noch vor dem Auto, eine Pilotenlizenz.[3] Nach derHigh School nahm er 1947 mit Hilfe eines Stipendiums derUS-Marine an derPurdue University ein Studium auf, um Flugzeugingenieur zu werden. Er hatte drei Semester absolviert, als ihn die Navy im Januar 1949 zum Militärdienst einzog und nachFlorida entsandte. InPensacola wurde er zum Kampfpiloten ausgebildet.
Navy-Pilot
Neil Armstrong als Offizier der US Navy im Range eines Ensign (1952)
Armstrong nahm ab 1950 amKoreakrieg teil. Er gehörte demFighter Squadron 51 (VF-51) an und war mit 20 Jahren das jüngste Mitglied der Einheit, die auf dem FlugzeugträgerEssex stationiert war. Von dort flog er mit seiner einsitzigenF9F „Panther“ insgesamt 78 Einsätze. Die meiste Zeit unternahm erAufklärungsflüge.Am 3. September 1951 wurde sein Flugzeug im Tiefflug durch ein quer über ein tiefes Tal gespanntes Seil beschädigt. Ein Teil der Tragfläche wurde dabei abgeschnitten, so dass eine normale Landung nicht mehr möglich war. Armstrong flog zum Flugplatz vonPohang, der unter US-amerikanischer Kontrolle stand, und katapultierte sich mit demSchleudersitz heraus.
Im Frühjahr des Jahres 1952 kehrte Armstrong von seinem Kriegseinsatz in die USA zurück und verließ die Navy im August desselben Jahres. Er setzte sein Studium an der Purdue University fort und erhielt im Januar 1955 denBachelor in Luftfahrttechnik.
NASA-Testpilot
Armstrong als NASA-Testpilot mit derX-15 (9. Dezember 1960[4])
An der HSFS erprobte Armstrong (neben vielen anderen Flugzeugtypen) die RaketenflugzeugeBell X-1 undNorth American X-15. Seine eigentliche Aufgabe war, die getesteten Flugzeuge konstruktiv zu verbessern: „Our principal responsibility was engineering work.“[5]
Zehn Jahre nachdemChuck Yeager mit der X-1 erstmals dieSchallmauer durchbrochen hatte, flog Armstrong mit der „Glamorous Glennis“. Im November 1960 hatte er seinen Jungfernflug auf der X-15. Die höchste Geschwindigkeit, die er auf dieser Maschine erreichte, warMach 5,74 (6419 km/h) im Juli 1962. Außerdem war Armstrong zwischen November 1960 bis zu seinem Wechsel ins Raumfahrtprogramm 1962 einer der für dieX-20 vorgesehenen Piloten. Daneben belegte er Studienkurse in Luft- und Raumfahrttechnik an derUniversität von Südkalifornien (Graduate Studies).
Armstrong gehörte zu den neun Testpiloten, die im Juni 1958 von derUS-Luftwaffe für das Projekt „Man In Space Soonest“ (MISS) ausgewählt wurden, die erste US-amerikanische Astronautengruppe. Das MISS-Projekt wurde jedoch kurz darauf abgesagt, als die NASA gegründet wurde und alle Aktivitäten der US-amerikanischen Weltraumfahrt übernahm. Als NASA-Testpilot amNASA Flight Research Center in Edwards, Kalifornien flog Armstrong viele bahnbrechende Hochgeschwindigkeitsflugzeuge einschließlich der über 7000 km/h schnellenX-15. Er flog dabei über 200 verschiedene Flugzeugtypen vom Jet über Raketenflugzeuge und Hubschrauber bis zu Gleitflugzeugen.[6]
NASA-Astronaut
Für die erste Astronautengruppe (Mercury Seven), die von der NASA ausgewählt wurde, kam Armstrong nicht in Frage, da er zu diesem Zeitpunkt bereits wieder Zivilist war und nur Militärangehörige für diese Gruppe ausgewählt werden durften.
Bei der zweiten Astronautengruppe kam er jedoch zum Zug und wurde am 17. September 1962 mit acht anderen zukünftigen Raumfahrern der Öffentlichkeit vorgestellt. In der ersten Zeit als Astronaut übernahm er für dasGemini-Programm als Spezialgebiet dieSimulatoren.
Einsatz im Gemini-Programm
Im Februar 1965 wurde Armstrong als Ersatzmann fürGordon Cooper zum Kommandanten der MissionGemini 5 ernannt. Er kam nicht zum Einsatz, diente aber als Verbindungssprecher (Capcom). Nach Abschluss dieses Fluges wurde er als Kommandant des FlugesGemini 8 nominiert, der am 16. März 1966 begann. Armstrong war damit einer der wenigen Astronauten, denen die NASA bereits beim ersten Raumflug ein Kommando übertrug. Während dieser Mission koppelten er und sein PilotDavid Scott zum ersten Mal zwei Raumfahrzeuge im All aneinander, jedoch geriet Gemini 8 stark ins Taumeln. Die Astronauten brachten die Lage unter Kontrolle, die Mission wurde aber gekürzt. Das war das erste Mal, dass ein Raumflug vorzeitig beendet wurde.
Nach seiner Landung wurde Armstrong als Ersatz-Kommandant für den FlugGemini 11 im September 1966 eingeteilt. Bei der MissionGemini 9 im Juni 1966 diente Armstrong wieder als Capcom.
Weil Armstrong damit noch verhältnismäßig lang im Gemini-Programm eingebunden war, gehörte er nicht zu den sechs Kommandanten, die für die erstenApollo-Flüge nominiert wurden. Erst nach der Katastrophe vonApollo 1 und dem Tod vonGus Grissom im Januar 1967 rückte er nach und wurde im November 1967 zum Ersatzkommandanten des drittenbemannten Apollo-Flugs nominiert. Damit hatte er große Chancen, dem sechsten Flug als Kommandant vorzustehen. Weil damals noch nicht klar war, wie viele Apollo-Testflüge notwendig sein würden, stand damit auch noch nicht fest, ob das ein Flug mit einer Mondlandung sein würde. Die erste Mondlandung war frühestens für die fünfte bemannte Mission vorgesehen.
Verzögerungen bei der Entwicklung derMondlandefähre führten im Sommer 1968 zu einer Umplanung der Apollo-Flüge: der dritte bemannte Testflug (Mission E) wurde gestrichen, stattdessen wurde ein Mondflug ohne Mondfähre zwischen erstem und zweitem Testflug (Missionen C und D) eingefügt, der unter der BezeichnungApollo 8 durchgeführt wurde. Armstrong wurde somit Ersatzkommandant für den ersten bemannten Flug zum Mond. Wie üblich wurde die Ersatzmannschaft als Hauptmannschaft für den drittnächsten Flug,Apollo 11 eingeteilt. Bei einem Erfolg der nächsten beiden FlügeApollo 9 undApollo 10 wäre das der erste Versuch einer bemannten Mondlandung.
Die Nominierung Armstrongs als ersten Menschen, der seinen Fuß auf die Mondoberfläche setzen sollte, war also keineswegs von langer Hand vorbereitet. Wie er selbst schon 1966 in einem Interview sagte: Wer dieser Mensch ist, das entscheidet eine Art glücklicher Umstand (“who the person is is sort of happenstance”). Die Umplanung von Apollo 8, der Erfolg von Apollo 9 und Apollo 10 und auch der Tod Grissoms hatten dabei eine Rolle gespielt.
Die Mondlandung
Neil Armstrong betritt den Mond
Während des Trainings für die Mondlandung entging Armstrong am 6. Mai 1968 bei dem Absturz eines Mondlandungstrainingsgeräts (Lunar Landing Training Vehicle) nur knapp dem Tode. Bei derMondlandung mit seinem KollegenBuzz Aldrin am 20. Juli 1969 übernahm er die manuelle Steuerung derMondlandefähreEagle und lenkte sie von felsigem Gelände fort zu einer sicheren Landung um 20:17 Uhr (UTC). Seine ersten Worte vom Mond an die Bodenstation waren „Houston, Tranquility Base here. The Eagle has landed“.[7] Sechs Stunden später kletterte er in den frühen Morgenstunden des 21. Juli aus der Mondlandefähre. Neil Armstrong betrat am 21. Juli 1969 um 02:56:20 Uhr (UTC) als erster Mensch die Mondoberfläche. Dabei entstand einer der berühmtesten Versprecher der Geschichte: Armstrong hatte sich vorgenommen, die WorteThat’s one small step for a man, one giant leap for mankind (dt. „Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein riesiger Sprung für die Menschheit“) zu sprechen, versäumte jedoch aufgrund der Strapazen und der Aufregung die Aussprache eines einzigen Vokals (a) und gab dem Satz damit eine ungewollte Bedeutung:
“That’s one small step for man… one… giant leap for mankind. (anhörenⓘ/?)”
„Das ist ein kleiner Schritt für den Menschen… ein… riesiger Sprung für die Menschheit.“
Armstrong räumte erst während eines Interviews für das BuchChariots for Apollo (1986) – nach vielen Jahren unterschiedlichster Berichte, Beweise und angeblicher Gegenbeweise – seinen Versprecher das erste Mal ein. Die gewaltige wissenschaftliche und kulturelle Bedeutung der ersten Mondlandung stellte seinen Versprecher jedoch in den Schatten, und obwohl er die vorgesehenen Zeilen nicht akkurat wiedergab, gehören sie zu den weltweit berühmtesten Worten, die je ein Mensch gesprochen hat.
Angeblich sprach Armstrong, bevor er in die Mondlandefähre zurückkehrte, noch den SatzGood Luck, Mr. Gorsky. Armstrong selbst dementierte diese moderne Sage bereits 1995.
1970 wurde Armstrong zum stellvertretenden Leiter desWashingtoner Aeronautikbüros der NASA befördert. Im gleichen Jahr erhielt er auch denMaster in Luft- und Raumfahrttechnik an derUniversity of Southern California und einen Ehrendoktor in Ingenieurwissenschaften von der Purdue-Universität. 1971 verließ er die Behörde. Nach seinem Ausscheiden aus der NASA lehrte er von 1971 bis 1979 als Professor für Luft- und Raumfahrttechnik an derUniversity of Cincinnati. Danach wechselte er in die Wirtschaft, wo er Aufsichtsratsmandate und Managementposten innehatte. Er wurde durch die Gründung eigener Firmen zum Millionär. Von 1985 bis 1986 war Armstrong in der nationalen Kommission für Raumfahrt und wurde 1986 als zweiter Vorsitzender in die Kommission zur Untersuchung derChallenger-Katastrophe berufen. 1989 trat er dem Direktorium von Thiokol bei, dem Hersteller derFeststoffbooster desSpace Shuttle.
Armstrong galt als starker Befürworter einer bemannten Mars-Mission. 2004 rief er die US-Amerikaner zu Rückhalt und Unterstützung des US-PräsidentenGeorge W. Bush für künftigeMond- undMars-Missionen der NASA auf.
2010 kritisierte er die Entscheidung PräsidentBarack Obamas, keine Menschen mehr zum Mond schicken zu wollen. In einem von ihm maßgeblich mit-initiierten offenen Brief an Obama äußern die Unterzeichner sich „sehr beunruhigt“, dass die USA ihre „hart errungene globale Führung in der Raumfahrttechnologie an andere Nationen abtreten“.[8]
Privat
Armstrong heiratete im Januar 1956 seine Studentenliebe Janet Shearon. Das Paar hatte zwei Söhne und eine Tochter, die aber bereits früh an einemdiffusen intrinsischen Ponsgliom erkrankte und im Alter von zwei Jahren letztlich an einer Lungenentzündung starb.[9] Janet Armstrong ließ sich 1994 nach langjähriger Trennung von ihrem Mann scheiden.[10][11] Im gleichen Jahr[12] heiratete er zum zweiten Mal, Carol Held Knight. Mit ihr lebte er zuletzt zurückgezogen in der Nähe vonCincinnati.
Am 7. August 2012 wurden vierStenosen in ArmstrongsHerzkranzgefäßen festgestellt, die eine sofortigeBypass-Operation nötig machten.[10][13][14] Neil Armstrong starb am 25. August 2012 mit 82 Jahren an den Folgen dieser Operation.[15]
Im Juli 2019 veröffentlichte die New York Times, dass die Hinterbliebenen Neil Armstrongs vom Krankenhaus 6 Millionen US$ als Entschädigung für Behandlungsfehler nach der Operation erhalten hatten.[16]
Besonderheiten und Rekorde
Erste Kopplung mit einem anderen Raumfahrzeug (Gemini 8)
Neil Armstrong und Michael Collins, 1969 von der brasilianischen Regierung ausgezeichnet.Walentina Tereschkowa verleiht Neil Armstrong eine Auszeichnung
1969:Freiheitsmedaille („The Presidential Medal of Freedom“), die höchste zivile Auszeichnung der USA.
2018 wurde der vonDamien Chazelle inszenierte HistorienfilmAufbruch zum Mond veröffentlicht, in dem Armstrong vonRyan Gosling dargestellt wird. Der Film fokussiert sich insbesondere auf die lange Vorlaufzeit der Mond-Mission.
Jay Barbree:Neil Armstrong – A Life of Flight. Thomas Dunne, New York 2015,ISBN 978-1-250-04071-8 (englisch).
James R. Hansen:First Man – The Life of Neil A. Armstrong. Simon & Schuster, New York 2018,ISBN 978-1-982110-47-5 (Amerikanische Originalausgabe).
James R. Hansen:Aufbruch zum Mond. Neil Armstrong – Die autorisierte Biografie. Wilhelm Heyne, München 2018,ISBN 978-3-453-60463-6 (Deutsche Erstausgabe mit 95 historischen Schwarz-Weiß-Fotos).[19]