Der Ort Navarrenx liegt am FlussGave d’Oloron im eher flachen Norden der historischen ProvinzBéarn in einer Höhe von ca.125 m. Die StadtPau befindet sich gut 40 km (Fahrtstrecke) östlich; die StadtOrthez liegt gut 22 km nördlich. Das Klima ist gemäßigt; der reichliche Regen (ca. 995 mm/Jahr) fällt übers Jahr verteilt.[1]
Trotz derReblauskrise im Weinbau Ende des 19. und derMechanisierung der Landwirtschaft in der Mitte des 20. Jahrhunderts ist die Einwohnerzahl der Gemeinde annähernd konstant geblieben.
Ein großer Teil der Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft, in der Vieh- und Pferdezucht, sowie im Tourismus. Bei den landwirtschaftlichen Produkten dominiert der Maisanbau. Die FirmaSociété 3F – Cigares Navarre stellt als einzige in Frankreich Zigarren mit dem LabelPuros her.[2][3] In der Gemeinde sind 306 Firmen (Stand März 2015) registriert, welche im Durchschnitt zwei Angestellte haben.[4]
Der Name Navarrenx bezieht sich auf dasKönigreich Navarra, nahe dessen Grenze sich die Ansiedlung befand. Die erste schriftliche Erwähnung findet der Ort im Jahr 1078 anlässlich einer Vereinbarung zur Beseitigung von Schäden zwischen den Herrschern von Béarn undSoule. Im Jahr 1188 wird eine steinerne Brücke über den Gave d’Oloron gebaut und der Ort erhält das Marktrecht. Die heute noch vorhandene Brücke stammt aus dem 13. Jahrhundert, allerdings ist der damals entstandene Wehrturm über der Brücke nicht mehr vorhanden. Anfang des 14. Jahrhunderts wurde Navarrenx zurBastide ausgebaut, was noch heute an den schachbrettartigen Straßenverläufen und dem zentralen Platz zu erkennen ist. Im Jahr 1523 wurde die Stadt durch die TruppenPhilibert de Chalons eingenommen und die Befestigungsanlagen wurden zerstört.
Navarrenx – Festungsbrunnen(puits)
Im 16. Jahrhundert ließ der König vonNavarra die Stadt neu gestalten und nach dem Vorbild der toskanischen StadtLucca zu einerZitadelle ausbauen. Diese Mauern sind noch heute erhalten und umschließen den gesamten Stadtkern. In den Monaten März bis Juli 1569 bewies die Zitadelle ihre Wirksamkeit, denn in ihr verteidigten sich dieHugenotten gegen französische Truppen, bis das Entsatzheer desGrafen Montgomery eintraf. Anlässlich der Vereinigung des Königreichs Navarra und des Béarn unter französischer Hoheit besuchteLouis XIII. im Jahr 1620 den Ort. In der Kirche wurde zu diesem Anlass eine römisch-katholische Messe zelebriert. Es ist der gleiche Ort, an dem sich die Großmutter des Königs,Jeanne d’Albret, am Ostersonntag 1563 öffentlich zumCalvinismus bekannte. Der König nutzte diesen Besuch, um die verbliebenen Schätze der Könige von Navarra an sich zu bringen.
Im Jahr 1814 verteidigen napoleonische Truppen unterGeneral Soult die Zitadelle gegen Truppen vonArthur Wellesley. Im Jahr 1871 wurde die Zitadelle außer Dienst gestellt und die Garnison aufgelöst. Als Aufseher über die Munition in der Festung ist für einen unbekannten ZeitraumIsaac de Portau genannt.[5]
Vor dem Bau der Brücke in Navarrenx konnte die Gave d’Oloron von denJakobspilgern nur mit dem Boot oder bei günstigem Wasserstand durch eineFurt beiCharre überwunden werden. Lange Zeit gab es in der Nähe der Süd-Kommandantur einHospiz zur Betreuung der Pilger. Heute gibt es mehrere Pilgerherbergen im Ort.
Der Ortskern ist noch mit den Festungsmauern(remparts) aus dem 16. Jahrhundert umgeben. Erst im späten 19. Jahrhundert wurde die Festung aufgegeben und die beiden TorePorte de France undPorte des Mousquetaires wurden abgetragen, um einen freien Zugang zur Stadt zu erhalten. DiePorte Saint Antoine von 1645, Richtung Gave d’Oloron, ist bis heute erhalten.
Weitere erhaltene Bauwerke der Festung sind derPulverturm, der Kasernenplatz, der militärische Brunnen, gotische Häuser am Rathausplatz sowie dasArsenal.
Die KircheSaint-Germain d’Auxerre ist dem hl.Germanus von Auxerre geweiht und stammt aus dem 16. Jahrhundert. DerGlockenturm(clocher) schließt mit einer – in der Region eher seltenen – Haube mitLaternenaufsatz. Die beiden Seitenschiffe wurden erst im Jahr 1862 hinzugefügt.
Catherine de Bourbon (1559–1604), die jüngere Schwester des französischen KönigsHeinrich IV. Aufgrund der Kriegsvorbereitungen des Königreichs Navarra gegen dieKatholische Liga musste sich Katharina 1585 nach Navarrenx, dem einzigen befestigten Platz des Fürstentums, begeben.
Francis Jammes (1868–1938), Schriftsteller. Er war eng mit Navarrenx verbunden, wo seine Mutter herstammte und wo seine Eltern heirateten.
Mady Mesplé (1931–2020),Sopranistin. Seit einigen Jahren führte sie eine Meisterklasse in Navarrenx und war Ehrenpräsidentin des Verbandes derAssociation des Pierres Lyriques, dessen Aufgabe die Förderung derOper im Béarn ist.
Bettina Forst:Französischer Jakobsweg. Von Le Puy-en-Velay nach Roncesvalles. Alle Etappen – mit Varianten und Höhenprofilen (=Rother Wanderführer). Bergverlag Rother, München (recte: Ottobrunn) 2007,ISBN 978-3-7633-4350-8.
Bert Teklenborg:Radwandern entlang des Jakobswegs. Vom Rhein an das westliche Ende Europas. (Radwanderreiseführer, Routenplaner). 3., überarbeitete Auflage. Verlagsanstalt Tyrolia, Innsbruck 2007,ISBN 978-3-7022-2626-8.