


Zwangsarbeit in der Zeit des Nationalsozialismus war Arbeit, die zwischen 1933 und 1945 von deutschen Dienststellen und Betrieben mit nicht-wirtschaftlichem Zwang und unter Androhung von Strafe insbesondere von ausländischen Arbeitskräften verlangt wurde. Von der Zwangsarbeit begrifflich abzugrenzen sind die Arbeitspflichten der deutschen Zivilbevölkerung (Reichsarbeitsdienst,Dienstverpflichtung,Landjahr), die unter völlig anderen Bedingungen stattfanden,[1][2] sowie der Zusammenschluss der deutschen Betriebe und Verwaltungen in derDeutschen Arbeitsfront.
ImnationalsozialistischenDeutschen Reich und in den von derWehrmacht imZweiten Weltkrieg besetzten Gebieten wurden mehr als zwanzig Millionen Menschen der Zwangsarbeit unterworfen.[3] In vielen Ländern wird hierfür der AusdruckTotaleinsatz beziehungsweiseTotaleinsatz im Reich verwendet.
Die Zwangsarbeit in derZeit des Nationalsozialismus ist eine europaweite Erfahrung ohne Beispiel.[4] „Überall wurden Zwangsarbeiter eingesetzt – in Rüstungsbetrieben ebenso wie auf Baustellen, in der Landwirtschaft, im Handwerk oder in Privathaushalten. Jeder aus der Bevölkerung ist ihnen begegnet – ob als Besatzungssoldat in Polen oder als Bäuerin in Thüringen.“[5]Mit keinem anderennationalsozialistischen Verbrechen waren derart viele Menschen persönlich konfrontiert – als Opfer, Täter oder Zuschauer.[6] Ab Januar 1942 wurden die ersten „Ostarbeiter“ mit Zügen ins Deutsche Reichdeportiert. Zwangsarbeit wurde ebenfalls in den nationalsozialistischenKonzentrationslagern im Kriegsverlauf immer umfangreicher als eine Form derAusbeutung und Vernichtung derHäftlinge eingesetzt.
Im Juni 1956 wurde in der Bundesrepublik Deutschland das „Bundesgesetz zur Entschädigung für Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung“ (Bundesentschädigungsgesetz) verabschiedet. Es sprach Verfolgten, denen in der Zeit vom 30. Januar 1933 bis zum 8. Mai 1945 die Freiheit entzogen worden war, eine Entschädigung zu. Der Freiheitsentziehung gleichgestellt war Zwangsarbeit unter haftähnlichen Bedingungen (§ 43 Abs. 3 BEG). Im Ausland lebende sowie nicht rassistisch oder politisch Verfolgte waren aber weitgehend von Leistungen ausgeschlossen. Im parallel abgeschlossenenLondoner Schuldenabkommen wurden die Entschädigungen ausländischer Zwangsarbeiter rechtlich alsReparationen definiert und auf den Abschluss eines endgültigen Friedensvertrages verschoben.
Durch Globalabkommen mit Einzelstaaten sahen Regierung und Wirtschaft die Verantwortung Deutschlands und der deutschen Wirtschaft als erfüllt an.[7]
Im Jahr 2000 hat derDeutsche Bundestag dieStiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ eingerichtet, die symbolische Entschädigungsleistungen für ehemalige ausländische Zwangsarbeiter sowieSinti und Roma bereitstellte, die im Bundesentschädigungsgesetz nicht berücksichtigt worden waren.[8]
Unfreie Arbeit vornehmlich ausländischer Arbeitskräfte war Bestandteil derWirtschaft imNationalsozialismus.[9]
Ziele derZwangsarbeit nach Kriegsbeginn waren vor allem:

DieNationalsozialisten inhaftierten beginnend ab 1933 willkürlich politische Gegner und später auch „Asoziale“,Landfahrer,Homosexuelle und angeblich „rassisch minderwertige“Juden,[10]Sinti und Roma (sogenannte „Zigeuner“) undZeugen Jehovas (sogenannteBibelforscher) in Arbeitslagern.Die Bezeichnungen der Lager waren euphemistisch und je nach Zweck und Zuständigkeit auch im Zeitablauf unterschiedlich.[11] Die ersten größeren Konzentrationslager wie dasKZ Dachau und dasKZ Oranienburg wurden ursprünglich „Schutzhaftlager“ genannt. In fast allenKonzentrationslagern,Arbeitslagern undUmerziehungslagern war harte Zwangsarbeit, willkürlicheMisshandlung und teilweiseVernichtung durch Arbeit an der Tagesordnung.
In derAktion „Arbeitsscheu Reich“ wurden bereits im April und Juni 1938 mehr als 10.000 sogenannteAsoziale durch Polizeidienststellen zur Zwangsarbeit in Konzentrationslager verschleppt.
Ab 1938 wurden reichsdeutsche Juden, nachdem ihnen durch Berufsverbote die freiwillige Aufnahmemöglichkeit von Arbeit eingeschränkt worden war, auch außerhalb des Lagersystems durch dieZentrale Dienststelle für Juden zumgeschlossenen Arbeitseinsatz gezwungen. Dadurch sollte der Auswanderungsdruck auf sie erhöht werden.[12]
Mit demÜberfall auf Polen 1939 begannen die Besatzer mit der Einrichtung von jüdischen„Wohnbezirken“/Ghettos im besetzten Polen. Die Einwohner wurden zur Arbeit verpflichtet, die wie alle Dinge des täglichen Lebens über die neu eingerichtetenJudenräte organisiert wurde. Zur Kennzeichnung der jüdischen Polen wurde 1939 erstmals eine weiße Binde mit demJudenstern eingeführt.[13][14]
Im Januar 1942 befahl Göring mit Erlass vom 19. Dezember 1941 dieOstanwerbung und unterstellte alle Bewohner der besetzten Ostgebiete der öffentlichen Arbeitspflicht, da der Übergang zu einemAbnutzungskrieg zu einem dramatischen Arbeitskräftemangel in Deutschland geführt hatte. DieAnwerbung sollte in größtem Umfang in derUkraine,Belarus und anderen besetzten sowjetischen Gebieten erfolgen und vormalige ideologische und volkstumspolitische Erwägungen gerieten in den Hintergrund.[15]
Die deutsche Kriegswirtschaft, Industrie und Landwirtschaft wären ohne das Millionenheer deportierter Fremdarbeiter und Kriegsgefangener zusammengebrochen; deren Zahl stieg von 1,2 Millionen im Jahr 1941 auf 7,8 Millionen im Jahr 1944 – davon knapp fünf Millionen Menschen aus der Ukraine, Belarus und Polen.[16]

In der nationalsozialistischen Zeit wurden die folgenden Personengruppen als Zwangsarbeiter herangezogen:[17]
Für deren Arbeitsverhältnisse war charakteristisch, dass es rechtlich durch den Arbeiter nicht aufzulösen war, dass der Arbeiter keinen Einfluss auf die Umstände seines Arbeitseinsatzes hatte und dass die Sterblichkeit aufgrund der überhöhten Arbeitsbelastung, der schlechten Versorgung und der menschenunwürdigen Behandlung erhöht war.
Zum Teil wird auch zwischen dem Einsatzort (nach Deutschland und Ausland) und der Art der Sammelunterkunft (Gefängnis, KZ, Ghetto, Arbeitslager etc.) unterschieden. Da Zwangsarbeiter häufig deportiert und verlegt wurden, führen diese Gruppierungen vermehrt zu Doppelzählungen.

Nicht selten wird die Meinung vertreten, dass Kriegsgefangene keine Zwangsarbeiter gewesen seien. Diese Position lässt sich so nicht aufrechterhalten. Hier ist differenziert zu prüfen, inwieweit die bestehenden völkerrechtlichen Normen – dieHaager Landkriegsordnung von 1907 und dieGenfer Konvention von 1929 – beim Arbeitseinsatz von Kriegsgefangenen beachtet wurden. Das Deutsche Reich verstieß hier massiv gegen dasVölkerrecht; die Behandlung der verschiedenen Nationalitäten der Kriegsgefangenen war an der Rassenhierarchie derNS-Ideologie ausgerichtet. Kriegsgefangenen, vor allem aus Polen und der Sowjetunion, sowieitalienischen Militärinternierten wurden die geltenden völkerrechtlichen Normen vorenthalten.Dies gilt auch in Bezug auf deren Arbeitseinsatz. Eingeschränkt beachtet wurde aus gewissen außenpolitischen Rücksichtnahmen das Völkerrecht gegenüberfranzösischen Kriegsgefangenen. Um die einengenden völkerrechtlichen Bestimmungen beim Arbeitseinsatz von Kriegsgefangenen zu umgehen, wurden viele Kriegsgefangenengruppen formal in den Zivilstatus versetzt. Davon betroffen waren u. a. die polnischen und ein Teil der französischen Kriegsgefangenen. War diese Umwandlung in den Zivilstatus bei anderen Nationalitäten nicht möglich oder gewollt, wurden die Gefangenen der Leistungsernährung unterworfen, d. i. die Koppelung der Lebensmittelration an die individuelle Arbeitsleistung.
Dies betraf insbesondere die circa 5,7 Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen, von denen etwa 3,3 Millionen in deutscher Gefangenschaft umkamen. Nach dem Massensterben im Winter 1941/42 wurden sie umfassend als Zwangsarbeiter eingesetzt. Im Oktober 1942 leisteten 487.000 gefangene Rotarmisten Zwangsarbeit innerhalb der Grenzen des Deutschen Reiches, bis Januar 1945 waren es 750.000. Sie wurden in den verschiedensten Bereichen eingesetzt, vor allem in der Landwirtschaft, der Rüstungsindustrie sowie im Bergbau.[18] Einzig gegenüber den angloamerikanischen Kriegsgefangenen wurden weitgehend die bestehenden völkerrechtlichen Bestimmungen eingehalten. Insofern ist davon auszugehen, dass Kriegsgefangene, die zur Arbeit eingesetzt wurden – außer der letztgenannten Gruppe – im völkerrechtlichen Sinne Zwangsarbeit verrichteten.[19]
| Arbeitskräftegruppe | Sterblichkeit (pro Jahr)[20] |
|---|---|
| Deutsche Arbeiter | 4 ‰ |
| Dänische Arbeiter | 4 ‰ |
| Italienische Arbeiter (1938–42) | 3 ‰ |
| Niederländische Arbeiter | 10 ‰ |
| Belgische Kriegsgefangene | 6 ‰ |
| Britische Kriegsgefangene | 8 ‰ |
| Französische Kriegsgefangene | 8 ‰ |
| Italienische Kriegsgefangene (1943–45) | 40 ‰ |
| Sowjetische Kriegsgefangene[21] | ≈1000 ‰ |
| KZ-Häftlinge[21] | ≈1000 ‰ |

Der massenhafteAusländer-Einsatz in Deutschland war für denNS-Staat von einem grundsätzlichen Widerspruch gekennzeichnet: Einerseits machte dieKriegswirtschaft es dringend notwendig, Zwangsarbeiter als Ersatz für die millionenfach eingezogenen deutschen Männer zu verwenden, insbesondere nach dem Scheitern der zunächst erfolgreichenBlitzkriegstrategie und der dann immer größer werdenden deutschen Verluste. Andererseits widersprach es derNS-Ideologie,Fremdvölkische in Deutschland zu beschäftigen.Man fürchtete um die „Blutreinheit“ des deutschen Volkes und sah in der massenhaften Beschäftigung vonfeindlichen Ausländern im Reichsicherheitspolitische Gefahren. Dieser Widerspruch führte zur Ausgrenzung derFremdvölkischen imDeutschen Reich und zu mit harten Strafen bedrohten Umgangsverboten, wie sie dieVerordnung zur Ergänzung der Strafvorschriften zum Schutz der Wehrkraft des Deutschen Volkes festlegte. Insbesondere waren davon die alsrassisch minderwertig verachteten Menschen aus Polen und noch stärker die aus der Sowjetunion betroffen.„Die von dem NS-Regime erlassenerassistische Hierarchie (in Bezug auf die Zwangsarbeitenden)stimmte dabei weitgehend mit der populärenVorurteilsstruktur der deutschen Bevölkerung überein.“
Mit denPolen-Erlassen und später mit den noch schärferen Ostarbeitererlassen wurden die Zwangsarbeiter aus dem Osten von der deutschen Bevölkerung isoliert. Zur Verhinderung der Spionage aber auch derFraternisierung (sog. „Rassenschande“) durften Zwangsarbeiter nicht am gesellschaftlichen Leben mit Deutschen teilnehmen. Für die männlichen Zwangsarbeiter wurden spezielle Bordelle für „fremdvölkische Arbeiter“ errichtet.[22]
Der Zugang zu Luftschutzbunkern wurde Kriegsgefangenen, Ostarbeitern und Polen ab 1942 grundsätzlich untersagt. Andere Nichtdeutsche durften nur in die Bunker, wenn diese nicht von der Zivilbevölkerung in Anspruch genommen wurden.[23]
Ostarbeiterinnen waren bei industriellen Unternehmen begehrt, da sie leicht lenkbar und ihre Vergütungen niedrig waren und zudem die Schutzbestimmungen des Sozialversicherungsgesetzes für Frauen für diese nicht galten. Diese jungen Frauen waren auch oft schutzlos den sexuellen Nachstellungen von Lagerleitern, deutschen Vorgesetzten und ihren Landsleuten ausgesetzt.[24]
1942 war neben 1945 die Versorgungslage der Zwangsarbeiter mit Lebensmitteln in Deutschland am kritischsten. In dieser Zeit verhungerten die meisten Zwangsarbeiter, da das Reichsministerium für Ernährung ihre Rationen drastisch kürzte. „Es war der Nahrungsmangel, weswegen die Zwangsarbeiter sogar dann noch in so großer Zahl umgebracht wurden, als sie bereits dringend für die Kriegsproduktion benötigt worden wären.“ Ab Ende 1942 stabilisierte sich die Lage wieder; die Rationen wurden allgemein erhöht, imWehrwirtschafts- und Rüstungsamt imOberkommando der Wehrmacht galt die Devise: „Es ist ein Trugschluß, daß man mit 200 ungenügend ernährten Menschen dieselbe Arbeitsleistung vollbringen könne wie mit 100 Vollernährten. Im Gegenteil: die 100 Vollernährten schaffen weit mehr, und ihr Einsatz ist wesentlich rationeller.“[25]
Die Rationen der „Ostarbeiter“ wurden auf dem Papier jenen ungenügenden Rationen derSowjetischen Kriegsgefangenen angepasst; lagen somit bewusst unter jenen nachinternationalen Abmachungen und führten zu Fehl- und Mangelernährung und zu undokumentierten Todesfällen mit dieser Ursache. Die Diskriminierung der Ostarbeiter war neben den verringerten Rationen im Weiteren auch in der Unterbringung und den ihnen verweigerten Freiräumen frappant (Zitat nach Historikerkommission 2002).[26]
Theoretisch wurde bei der Entlohnung «von den Lohnsätzen vergleichbarer deutscher Arbeiter» ausgegangen, doch wurden die Löhne stark besteuert, sowieKost und Logis und weitere Kosten abgezogen. Bei den „Ostarbeitern“ wurde eine Abgabe für die Arbeitgeber eingeführt, diese «Ostarbeiterabgabe» entsprach der Lohndifferenz zu deutschen Arbeitern und sollte Entlassungen von deutschen Arbeitern zugunsten billiger Ostarbeiter verhindern. Die stets in geschlossenen Barackenlagern untergebrachten Ostarbeiter erhielten oft ein nur in ihrem Lager gültiges Lagergeld. Die Arbeitgeber durften für die Unterbringung der Ostarbeiter im Lager 1,50 RM abziehen.[27] Auch Kriegsgefangene erhielten nur Lagergeld, während der eigentliche Lohn ans Stammlager ging.[26]
Anfangs wurden schwangere Frauen aus Polen und der Sowjetunion noch in ihre Heimat zurückgeschickt. Ende 1942 vereinbarten Himmler und Sauckel, dass „gutrassige Kinder“ den Frauen entzogen und in besonderen Heimen als Deutsche erzogen werden sollten. „Schlechtrassige“ Kinder sollten in Kindersammelstätten zusammengefasst werden, für die eine „hochtrabende Bezeichnung“ einzuführen sei. In der Folge wurden zahlreiche sogenannteAusländerkinder-Pflegestätten eingerichtet, in denen die Kinder systematisch vernachlässigt wurden und deshalb zahlreich starben.[28] Ab Frühjahr 1943 kam es außerdem zu vielenZwangsabtreibungen.
Kurz vor dem Zusammenbruch Deutschlands kam es 1945 zu einer Häufung an Gewalttaten, den sogenannten Endphaseverbrechen, die sich auch gegen Zwangsarbeiter richteten. Konzentrationslager wurden aufTodesmärschen von KZ-Häftlingen geräumt, wobei zurückbleibende Häftlinge ermordet wurden. Zwangsarbeiter wurden aus Angst vor deren Rache oder Zeugenaussagen ermordet sowie Dokumente und Beweise vernichtet.
Ab 1943 wurde durch das Hauptquartier der Alliierten Streitkräfte (Supreme Headquarters Allied Expeditionary Force, SHAEF) die Situation der Inhaftierten und Zwangsarbeiter untersucht. Zum Kriegsende mündete dies in dieUnited Nations Relief and Rehabilitation Administration (UNRRA) und im Juni 1947 in dieInternational Refugee Organization (IRO) als deren Nachfolgeorganisation. Daraus entstand der Internationale Suchdienst inBad Arolsen, bei dem der Verbleib vermisster Personen erfragt werden kann.
Die befreiten Inhaftierten und Zwangsarbeiter wurden alsDisplaced Persons durch die Alliierten inDP-Lagern untergebracht und durch dieUnited Nations Relief and Rehabilitation Administration (UNRRA) bzw. die NachfolgeorganisationInternationale Flüchtlingsorganisation (IRO), dasJoint Distribution Committee (JDC) und viele weitere Organisationen versorgt und betreut. In den ersten Monaten starben noch zahlreiche displaced Persons, da ihr Gesundheitszustand bei der Befreiung schlecht und die Versorgung mit Lebensmitteln, warmer Kleidung und Medikamenten durch die Alliierten mangelhaft war. Nach der Veröffentlichung desHarrison-Report besserten sich die Zustände.
Leichen ausMassengräbern wurden exhumiert, identifiziert und einzeln bestattet. Zeugen wurden befragt, Beweise und Dokumente festgehalten. Die im Rahmen derAusländersuchaktion der UNRRA gewonnenen Erkenntnisse über Arbeits-, Konzentrationslager und Arbeitsstellen (ohne Kriegsgefangenenlager und Gebiet der Sowjetzone) wurden 1949 erstmals imCatalogue of Camps and Prisons (kurz: CCP) veröffentlicht.[29]
Die Repatriierung der befreiten sowjetischen und polnischen Zwangsarbeiter gestaltete sich wegen ihrer Anzahl, der Verwüstungen in ihren Heimatländern und der politischen Umbrüche (Westverschiebung Polens, Ausbreitung kommunistischer Zwangsregime) schwierig. Teilweise wurden die Zwangsarbeiter in ihren Heimatländern fälschlich alsKollaborateure verfolgt und sogar hingerichtet.ImGesetz über die Rechtsstellungheimatloser Ausländer im Bundesgebiet (HAuslG) von 1951 wurden fremde Staatsangehörige und Staatenlose, die sich noch immer aufgrund von Verschleppung oder Flucht im Geltungsbereich des Grundgesetzes befanden, durch Antisdiskriminierungs- und Gleichstellungsvorschriften geschützt.[30] Das letzte DP-Lager (Föhrenwald) konnte erst 1957 geschlossen werden.


DieReichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung organisierte ab 1938 im Rahmen eines geheimen Erlasses die systematische Erfassung und Rekrutierung von reichsdeutschen Juden zur Zwangsarbeit.[12]
Zivilarbeiter und Kriegsgefangene aus Polen und Frankreich wurden zunächst über die Arbeitseinsatzabteilungen desReichsarbeitsministeriums eingesetzt. Im Jahr 1942 wurde mitFritz Sauckel auf dem neu geschaffenen Posten des „Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz“ eine zentrale Stelle geschaffen, die mit der Unterstellung zahlreicher Reichsbehörden in den besetzten Gebieten und einem Netz von Rekrutierungskommissionen rasch, effektiv und brutal wirkte. Der Rest des Reichsarbeitsministeriums wurde zur Rumpfbehörde.[31]
| eingesetzt in | Mitarbeiter der Arbeitseinsatzverwaltung Februar 1944[32] | ||
|---|---|---|---|
| Männer | Frauen | ||
| Frankreich | 864 | N/A | |
| Nordfrankreich/Belgien | 258 | N/A | |
| Niederlande | 100 oder 109 | N/A | |
| Norwegen | 024 | N/A | |
| Ostgebiete | 998 | N/A | |
| Serbien und Griechenland | 018 | N/A | |
| Böhmen und Mähren | 016 | N/A | |
| Italien | 217 | N/A | |
| Generalgouvernement | 541 | N/A | |
| Sonstige | 048 | N/A | |
Die Ärzte waren je nach Funktion unterschiedlich in den Komplex der Zwangsarbeit im Dritten Reich und den besetzten Gebieten eingebunden. Sie waren alsKZ-Ärzte oderAmtsärzte für die Arbeitstauglichkeitsprüfung, für dieEntwesung, für die Einhaltung gesundheitlicher Arbeitsstandards, für die Einweisung ins Krankenhaus oder die Krankenstation usw. verantwortlich. Arbeitsunfähigen Zwangsarbeitern wurde unter demEuphemismusDiätkost die knappe Nahrung weiter gekürzt. DerLagerarzt war bei Strafen zu hören. Bei Zwangsarbeiterinnen wurden teilweise Zwangssterilisationen und Zwangsabtreibungen aus rassistischen und arbeitsökonomischen Gründen vorgenommen.[33]
Im medizinischen Sektor selbst wurden Zwangsarbeiter in staatlichen, privaten und kirchlichen Krankenhäusern, Lazaretten, Pflege- und Erholungsheimen als kriegswichtig eingesetzt. Zu Lehr- und Forschungszwecken wurde von der Universität Göttingen um verstärkte Zuweisung von schwangeren fremdvölkischen Zwangsarbeiterinnen gebeten.[34][35]

DieDeutsche Reichsbahn führte die Transporte der Zwangsarbeiter aus Osteuropa nach Deutschland und der Juden, Sinti und Roma in die Konzentrationslager Polens in Viehwaggons und Güterzügen durch und beschäftigte selbst zahlreiche Zwangsarbeiter.[36]
Für die Unterbringung der zivilen Fremdarbeiter warenArbeitsamt,Deutsche Arbeitsfront und dieGewerbeaufsicht zuständig.[37]
DieWehrmacht nutzte die vorgefundene Zivilbevölkerung in den eroberten Gebieten zu Räum- undSchanzarbeiten. Die Kriegsgefangenen wurden inKriegsgefangenenlager gebracht. Dort wurden sie dann ausStammlagern nach den Anforderungslisten der Arbeitsämter in Gruppen, den sogenannten Außenlagern, Außenkommandos, Zechen und Betrieben aller Art zur Verfügung gestellt. Ab 1943 wurde die arbeitsfähige Zivilbevölkerung bei drohenden Gebietsverlusten im Rahmen derARLZ-Maßnahmen nach Dringlichkeitsstufen (1. Bergbau- und Metallfacharbeiter, 2. Fach- und Spezialarbeiter, 3. Landwirtschaft und 4. sonstige) deportiert.[38] 1944 beteiligte sich die Wehrmacht an der sogenanntenHeuaktion, dabei wurden tausende von elternlosen Kindern unter fünfzehn in Weißrussland gefangen und nach Deutschland zur Zwangsarbeit bei der Organisation Todt und denJunkers Flugzeug- und Motorenwerke deportiert. In denMunitionsanstalten der Wehrmacht wurdenFremdarbeiter eingesetzt.
Neben deutschen Großunternehmen, wie z. B.Friedrich Krupp AG,Daimler-Benz,Dynamit Nobel,Friedrich Flick, dieQuandt-Gruppe undIG Farben[8] (die dieBuna-Werke mit den Häftlingen desKZ Auschwitz III Monowitz errichteten), sowie zahlreichen mittelständischen Unternehmen, nutzten auch schillernde Unternehmensgründer wieOskar Schindler[39] undWalter Többens Zwangsarbeiter im In- und besetzten Ausland.
DieSS stellte das Verwaltungs- und Bewachungspersonal der Konzentrationslager und zugehöriger Außenlager und Kommandos. Sie gründete eigene Wirtschaftsbetriebe zur Ausbeutung der Gefangenen u. a. dieDeutsche Erd- und Steinwerke GmbH (DEST), die 1940 in denDeutschen Wirtschaftsbetrieben (DWB) aufgingen. DasSS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt verwaltete ab 1942 zentral diese Wirtschaftsbetriebe, in denen mehr als 40.000 Konzentrationslagerhäftlinge arbeiteten.
DieDienststelle Schmelt errichtete in Schlesien und dem Sudetenland ein System von bis zu 177 Arbeitslagern mit zeitweilig 50.000 hauptsächlich jüdisch-polnischen Zwangsarbeitern (sogenannte „Schmelt-Juden“) für den Bau der Reichsautobahn Berlin–Breslau–Krakau und den Einsatz in der Industrie.

Die Organisation Todt war eine Organisation zur Durchführung von Schutz-, Rüstungs- und Infrastrukturmaßnahmen im Einflussbereich des Dritten Reiches. Sie griff bei ihren Bauprojekten in zunehmendem Maße auf Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge zurück. Im Jahr 1944 verfügte sie über 1.360.000 Arbeitskräfte. Ihr größtes Bauprojekt, der Atlantikwall, erstreckte sich von der Mündung derGironde bis zumNordkap. Im Osten wurden Verkehrswege, wie dieDurchgangsstraße IV auchStraße der SS genannt von Berlin in den Kaukasus,[40] mit zehntausenden von Zwangsarbeitern errichtet.
„Aus Belgien kamen bis Sommer 1941 zunächst 189.000 Arbeiter/innen freiwillig nach Deutschland. Nach der Einführung der allgemeinen Arbeitspflicht im Oktober 1942 folgten ihnen bis 1945 rund 200.000 weitere unter Zwang.“
In Hamburg-St.-Pauli wurden nach Chinas Kriegserklärung gegen Deutschland Chinesen aus ihren Wohnungen verschleppt und u. a. im Hamburger Hafen als Zwangsarbeiter eingesetzt.[41]
In Deutschland wurden während des Zweiten Weltkrieges nach Abstimmung mit derVichy-Regierung Franzosen zur Arbeit in Industrie, Handel und Landwirtschaft in unterschiedlicher Weise rekrutiert. Von den 1,6 Millionen französischen Kriegsgefangenen aus der Zeit von Mai/Juni 1940 waren am Kriegsende immer noch eine Million Personen als Arbeitskräfte in Deutschland eingesetzt. Als Zivilarbeiter wurden 850.000 bis 922.000 (freiwillige, dienstverpflichtete und Zwangsarbeiter) eingesetzt. Zu Zivilarbeitern wurden 200.000 Kriegsgefangene 1943 umgestuft.[42]
Auf Kreta wurden 20.000 verpflichtet, für die Besatzungsbehörden zu arbeiten, zum großen Teil unter harten Bedingungen in den Bergwerken, weitere 100.000 wurden von der Wehrmacht dienstverpflichtet, darunter ab 1943 auch 16-Jährige. Nach Deutschland wurden 23.000 Personen angeworben, anschließend weitere 12.000 als Zwangsarbeiter und 1.000 als Kriegsgefangene.[43] Daraus ergibt sich eine Zahl von 155.000 Personen.
Darunter waren ab Sommer 1943 etwa 600.000 italienischeMilitärinternierte (IMI). Den IMI wurde der für Kriegsgefangene geltende Schutz verweigert, ab Herbst 1944 wurden die meisten in ein Zivilarbeitsverhältnis überführt.[44]
Der 1941 nach demBalkanfeldzug neu gebildeteUnabhängige Staat Kroatien beließ orthodoxe Soldaten in der deutschen Kriegsgefangenschaft und deportierte serbische Frauen und Männer aus Kroatien zur Zwangsarbeit nach Deutschland in Ostarbeiterlager. „Serben“ galten der Wehrmacht als potentielle Widerstandskämpfer und die regierendeUstascha nutzte eine Praxis stillerethnischer Säuberung.[45]
Die Anzahl der niederländischen Zwangsarbeiter wurde 1966 rückblickend auf etwa 395.000 geschätzt,[46] seit 1979 geht man von mehr als 500.000 aus.[47]Etwa 50.000 von ihnen starben. Die größte Razzia fand inRotterdam am 10. und 11. November 1944 statt.[48] Bei dieser Razzia wurden 50.000 Männer verhaftet, von denen 40.000 zum Arbeitseinsatz nach Deutschland geschickt wurden und 10.000 Zwangsarbeit im Osten der Niederlande leisten mussten.

Für den Arbeitskräftebedarf derdeutschen Besatzungsmacht in Norwegen für den Bau von Befestigungsanlagen, für riesige industrielle Bauvorhaben zur Nutzung der Wasserkraft, Aluminiumproduktion für die Luftrüstung, den Ausbau derReichsstraße 50 und derPolarbahn wurden nicht genügend einheimische Arbeiter gefunden. Von September 1941 an wurden insgesamt 102.000 sowjetische und polnische Kriegsgefangene nach Norwegen verschifft, hinzu kamen 4.000 Partisanen aus Kroatien und Serbien. Im Februar 1943 führten die Deutschen eine allgemeine Arbeitspflicht für Männer zwischen 18 und 55 Jahren und Frauen zwischen 21 und 40 Jahren ein.[49]
Etwa 13.000 sowjetische, 2.600 jugoslawische und 160 polnische Gefangene starben in Norwegen durch Exekutionen oder als Folge von systematischer Unterversorgung, Misshandlung, Erschöpfung und an Krankheiten. Diese Zahl übersteigt die Gesamtzahl an zivilen und militärischen Opfern Norwegens im Zweiten Weltkrieg. Einige der berüchtigten Kriegsgefangenenlager in Nordnorwegen glichen Todeslagern.[50][51]
Die Zahl polnischer Zwangsarbeiter stieg von Oktober 1939 bis Beginn des Jahres 1940 auf 300.000 an. Nahezu 90 Prozent wurden in der Landwirtschaft eingesetzt.[52] Insgesamt wurden in Deutschland 2,2 Millionen Polen, im „Warthegau“ 1,1 Millionen Polen und in den polnischen Ghettos mindestens 700.000 Juden als Zwangsarbeiter festgehalten.[43]
Im Zeitraum 1939 bis 1945 leisteten insgesamt ca. 1,6 Millionen polnische Zivilisten und ca. 300.000 polnische Kriegsgefangene in Deutschland Zwangsarbeit.[53]
Für die (südostpolnischen) Gemeinden und Städte wurden Quoten an Zwangsarbeitern festgesetzt. Nach Aussage einer Zeitzeugin dauerte der Transport mit Kutsche, LKW und Zug vom polnischen Heimatort nach Deutschland etwa zwei Wochen. Das zuständige deutsche Arbeitsamt verteilte die Zwangsarbeiter auf ihre Einsatzstellen.Je nach Menschlichkeit und Gelegenheit der deutschen Arbeitgeber hatten die Zwangsarbeiter Freiheiten oder wurden ausgegrenzt und sehr schlecht behandelt. In Süddeutschland wurden die Zwangsarbeiter nach Einmarsch der Franzosen in einem Lager untergebracht. Nach einem Dreivierteljahr durften sie im Zug nach Polen zurückkehren.[54]
Opfer sogenannter Sonderbehandlungen, z. B. nach intimen Kontakten mit Deutschen konnten im Rahmen derPolenerlasse oderPolenstrafrechtsverordnung ohne weitere Gerichtsverhandlung getötet werden.
Rolf Hochhuth hat über das Schicksal polnischer Zwangsarbeiter im Südwesten Deutschlands,Brombach bei Lörrach, den collagenartigen RomanEine Liebe in Deutschland verfasst, der vonAndrzej Wajdaverfilmt wurde.
Seit Ende 1941 wurden zwischen 22 und 27 Millionen Sowjetbürger als Zwangsarbeiter in den besetzten Gebieten und im Deutschen Reich eingesetzt.[43]
Im Spätsommer 1944 waren etwa ein Viertel der Arbeitskräfte in der gesamten deutschen Wirtschaft Zwangsarbeiter, Anfang 1945 stellten Ausländer ein Drittel der gesamten Arbeitskräfte in der Landwirtschaft. Etwa die Hälfte von ihnen waren Mädchen und Frauen.
Aus dem Ausland wurden nach Deutschland zur Zwangsarbeit verschleppt:[55]
| Herkunftsland | Anzahl 1939 bis 1945 | Zwangsarbeiter per Aug/Sep 1944 | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Gesamt | Zivil | Kriegsgefangene | Gesamt | Zivil | Kriegsgefangene | |
| Sowjetunion | 4.725.000 | 2.775.000 | 1.950.000 | 2.758.312 | 2.126.753 | 631.559 |
| Polen | 1.900.000 | 1.600.000 | 0.300.000 | 1.688.080 | 1.659.764 | 028.316 |
| Frankreich | 2.335.000 | 1.050.000 | 1.285.000 | 1.254.749 | 0.654.782 | 599.967 |
| Italien | 1.455.000 | 0.960.000 | 0.495.000 | 0.585.337 | 0.158.099 | 427.238 |
| Belgien | 0.440.000 | 0.375.000 | 0.065.000 | 0.253.648 | 0.203.262 | 050.386 |
| Niederlande | 0.475.000 | 0.475.000 | – | 0.270.304 | 0.270.304 | – |
| Tschechien | 0.355.000 | 0.355.000 | – | 0.280.273 | 0.280.273 | – |
| Serbien | 0.210.000 | N/A | N/A | 0.037.607 | 0.037.607 | – |
| Kroatien | 0.100.000 | 0.100.000 | – | 0.060.153 | 0.060.153 | – |
| Slowakei | 0.100.000 | 0.100.000 | – | 0.037.607 | 0.037.607 | – |
| Dänemark | 0.080.000 | 0.080.000 | – | 0.015.970 | 0.015.970 | – |
| Baltikum | 0.075.000 | 0.075.000 | – | 0.044.799 | 0.044.799 | – |
| Ungarn | 0.045.000 | 0.045.000 | – | 0.024.263 | 0.24.263 | – |
| Sonstige | 0.440.000 | 0.440.000 | – | 0.199.437 | 0.199.437 | – |
Für den Einsatz außerhalb des Reichsgebietes existieren keine seriösen Zahlen. Sie dürften nach Ansicht der MilitärhistorikerMichael Epkenhans undJohn Zimmermann um ein Vielfaches höher liegen als die etwa 13,5 Millionen ausländischen Arbeitskräfte auf dem Gebiet desGroßdeutschen Reiches.[56]
Nach den Vorschriften zurAuflockerung, Räumung, Lähmung und Zerstörung vor der militärischen Räumung besetzter Gebiete hatte dieWehrmacht, kurz,ARLZ-Maßnahmen auch die Deportation der örtlichen Zivilbevölkerung in die Zwangsarbeit im Reichsgebiet durchzuführen. Das wurde auch alsGreifaktionen bezeichnet.[57][58]
Zwangsarbeiter wurden in allen Bereichen eingesetzt, in der Landwirtschaft, im Handwerk, für die Kirche, in der Industrie, besonders der Rüstungsindustrie, im staatlichen Sektor und bei der SS. So war dasSiemenslager Ravensbrück ein Teil des Lagerkomplexes des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück, das von demReichsluftfahrtministerium,Siemens & Halske und der SS errichtet wurde. Weibliche Häftlinge mussten dort Zwangsarbeit für kriegswichtige Erzeugnisse von Siemens & Halske leisten.
Die Zwangsarbeit reichte sogar bis in die Familien, wo junge Frauen aus Osteuropa als Haushaltshilfen und Kindermädchen eingesetzt wurden.[59]In der bäuerlichenLandwirtschaft des Dritten Reiches war die Ernährungssituation für die Zwangsarbeiter besser und auch die Vorschriften der Ostarbeitererlasse konnten dort nicht vollständig umgesetzt werden.[60]
Im kriegswichtigen Bergbau wurden in großem Umfang Zwangsarbeiter eingesetzt. In den Höchstzeiten des Zwangseinsatzes im Sommer 1944 waren es reichsweit um die 430.000 Zivilarbeiter und Kriegsgefangene. Davon waren allein 120.000 sowjetische Gefangene, „Ostarbeiter“ und italienische Militärinternierte im Ruhrbergbau beschäftigt.[61]Weiterhin arbeiten an der RuhrKroaten (14.434),Galizier (11.299) undDänen (1535).[62] Einige Quellen sprechen von über 350.000 Zwangsarbeitern auf den dortigen Zechen,[63] bei etlichen Betrieben bestanden über 45 % der Belegschaft aus zur Arbeit gezwungenen Menschen.
Zwangsarbeiter wurden beim Bau von Militäranlagen eingesetzt. Die bekanntesten Großprojekte waren derWestwall, derAtlantikwall, dieU-Boot-Bunker, Luftschutzanlagen und dieUntertageverlagerung von kriegswichtigen Industrieteilen (siehe auchKZ Mittelbau-Dora).
Nach Luftangriffen wurden Zwangsarbeiter zur Brandlöschung, Trümmerbeseitigung, Leichenbergung, Hilfe bei der Beisetzung und zur Beseitigung der Schäden herangezogen.
Zwangsarbeiter wurden für die Sprengstoffproduktion beispielsweise in den WerkenKrümmel undDüneberg bei Geesthacht sowieWerk Tanne östlich von Clausthal-Zellerfeld eingesetzt.[64]
Zwangsarbeiter wurden von Afrika bis zum Nordkap und von der Bretagne bis Russland durch das Dritte Reich eingesetzt. Es gab allein im Reich etwa 20.000 Lager, die sich teilweise in Gaststätten, Kinos, Schulen, Scheunen, Kellern und auf Dachböden befanden und Zwangsarbeiter zum Alltagsbild in den Städten gehörten.[65]
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Angesichts der Gräueltaten in den von den Achsenmächten Deutschland, Japan und Italien besetzten Ländern wurde auf Initiative von neun Londoner Exilregierungen im Jahr 1943 dieUnited Nations War Crimes Commission (UNWCC) ins Leben gerufen. Der Auftrag bestand in der Beweissicherung, Zusammenstellung von Täterlisten, Berichten an die Regierungen und Strafprozessvorbereitungen zuKriegsverbrechen. Zu diesen Kriegsverbrechen zählte auch die Verschleppung,Versklavung, Misshandlung und Tötung von Zivilisten und Kriegsgefangenen in Arbeits- und Konzentrationslagern (Verbrechen gegen die Menschlichkeit).
ImNürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher wurden an 60 von 218 Verhandlungstagen Verbrechen im Zusammenhang mit Zwangsarbeit und Deportation erörtert. Der Einsatz von ausländischen Zwangsarbeitern in der Kriegsrüstung galt als Verstoß gegen die Haager Landkriegsordnung Art. 46 und 52.[66]DerGeneralbevollmächtigte für den ArbeitseinsatzFritz Sauckel wurde wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt und am 16. Oktober 1946 hingerichtet.
In neun der zwölfNürnberger Nachfolgeprozesse wurde insbesondere die Zusammenarbeit der großen Akteure aus Industrie, NS-Staat, Wehrmacht und NSDAP bei der Planung des Zwangsarbeitereinsatzes und der Ausbeutung der Zwangsarbeiter für wirtschaftspolitische Ziele während des Krieges im Mittelpunkt.[67] Es kam zu zahlreichen Verurteilungen wegenVersklavung, Misshandlung, Einschüchterung,Folterung und Ermordung der Zivilbevölkerung und wegen der planmäßigen Ausbeutung von Zwangsarbeitern und KZ-Gefangenen aus einzelnen Ländern.
Weitere bedeutende Prozesse waren dieRastatter Prozesse (u. a. zumKZ Natzweiler, KZ Dachau und Auschwitz), die FrankfurterAuschwitzprozesse, derKrakauer Auschwitzprozess, dieDachauer Prozesse, dieRavensbrück-Prozesse, derBergen-Belsen-Prozess, dieNeuengamme-Prozesse, Prozesse in der Sowjetunion durch denNKWD und Prozesse gegen Einzelpersonen wieEichmann-Prozess und in Warschau gegenRudolf Höß.
In Deutschland fand 1948 der Kamienna-Prozess und 1949 der Tschenstochau-Prozess in Leipzig wegen Zwangsarbeit bei der privatwirtschaftlichenHASAG statt. Es kam zu zahlreichen Verurteilungen.[68]

1953 wurde die IG-Farben imWollheim-Prozess zur Zahlung von 10.000 DM Schadensersatz, Schmerzensgeld und Arbeitslohn vor dem Frankfurter Landgericht verurteilt. Die IG-Farben legte Rechtsmittel dagegen ein. Nachdem sich dieJewish Claims Conference in die Musterklage eingeschaltet hatte, einigte man sich auf einen Globalvergleich, der die Zahlung von insgesamt 30 Millionen DM an mehrere tausend ehemalige Zwangsarbeiter der IG Farbenindustrie AG vorsah.[8]
ImBundesarchiv wurden Übersichten zu Zwangsarbeiterlagern während der NS-Zeit und der regionalen Archive erarbeitet.[69] Auskünfte zu Zwangsarbeitern, Verschleppten und Menschen in Konzentrationslagern während der Zeit des Nationalsozialismus (etwa 17 Millionen Menschen) gibt der Internationale Suchdienst Bad Arolsen, 34454 Bad Arolsen, Deutschland.[70] In Berlin besteht dasDokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit, das seit 2013 um Dauerausstellungen erweitert wurde.
DasOnline-Archiv „Zwangsarbeit 1939–1945“ präsentiert eine Sammlung digitaler Zeitzeugen-Berichte. Knapp 600 ehemalige Zwangsarbeiterinnen undZwangsarbeiter aus 27 Ländern erzählen inlebensgeschichtlichen Audio- und Video-Interviews ihr Schicksal. Damit erinnert das Archiv an die über zwanzig Millionen Menschen, die für das nationalsozialistische Deutschland Zwangsarbeit leisten mussten.[71]
Die Online-Anwendung „Lernen mit Interviews: Zwangsarbeit 1939–1945“[72] bereitet Lebensgeschichten ehemaliger Zwangsarbeiter für den Schulunterricht auf.
Das 1933 imKZ Börgermoor entstandene LiedWir sind die Moorsoldaten ging in den Kanon der Arbeiterlieder und der Friedensbewegung der Nachkriegszeit ein.[73]
1985 startete die Ausstellung „Das Geheimnis der Versöhnung heißt Erinnerung. Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene im Dritten Reich“ derKörber-Stiftung und wanderte acht Jahre durch Deutschland und verschieden europäische Staaten.[74] Bürgerschaftliche Ausstellungen stellten sich ab den 1990er Jahren klar staatlichen und firmenoffiziellen Konzeptionen entgegen, die auch aus Angst vor aufkommenden Entschädigungsfragen das Thema Zwangsarbeit bis dahin gemieden hatten.[75]Seit 2006 informiert dasDokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Berlin über das „System Zwangsarbeit“.[76] Es befindet sich auf einem Teil des einzigen noch weitgehend erhaltenen ehemaligen Zwangsarbeiterlagers Deutschlands inBerlin-Schöneweide. Das ehemalige Lager war einst eines von ca. 3.000 Sammelunterkünften für Zwangsarbeiter in Berlin.
Die WanderausstellungZwangsarbeit. Die Deutschen, die Zwangsarbeiter und der Krieg informiert seit 2010 an verschiedenen Orten zur Zwangsarbeit. Sie war inMoskau,Warschau,Prag undSteyr (Österreich) zu sehen. In Linz gibt es seit 2014 eine von dervoestalpine betriebene Dauerausstellung zum Thema Zwangsarbeit. Im Mittelpunkt stehen die Zwangsarbeiter der Reichswerke Hermann Göring in Linz, ihre Schicksale und Lebensgeschichten.
2024 wurde imGauforum Weimar in dem ehemals für die Behörde des Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz Sauckel vorgesehenen Bereich dasMuseum Zwangsarbeit im Nationalsozialismus eröffnet.
§ 43 Abs. 3 desBundesentschädigungsgesetzes (BEG) von 1956 stellte „Zwangsarbeit unter haftähnlichen Bedingungen“ einem entschädigungspflichtigen Freiheitsschaden gleich. Anspruchsberechtigt nach dem BEG waren jedoch nur Personen mit Wohnsitz oder dauerndem Aufenthalt in Deutschland (§ 4 BEG). Da 95 Prozent der früheren Zwangsarbeiter in Osteuropa lebten,[77] hatten sie keinen Zugang zu diesen Leistungen.
Die deutsche Industrie stand nach demZweiten Weltkrieg auf dem Standpunkt, sie habe sich der Vereinnahmung durch die NS-Diktatur nicht erwehren können und unter Zwang als „Agentur“ der NS-Regierung gehandelt. Damit seien Wiedergutmachungsansprüche Sache der Bundesrepublik Deutschland, des juristischen Nachfolgers des Deutschen Reiches. Außerdem lehnte man eineKollektivschuld ab.[78]
Durch öffentlichen Druck und drohende Gerichtsurteile erklärten sich einige Unternehmen bereit, auf freiwilliger Basis Zahlungen an Zwangsarbeiter oder deren Vertreter zu leisten. Dabei wurde größter Wert darauf gelegt, dass dies mit keinerlei Schuldeingeständnis oder Schadensersatzpflicht für zu geringe Bezahlung oder gesundheitliche Schäden der Zwangsarbeiter verbunden sei, dass die betroffenen Zwangsarbeiter aber ihrerseits kein Ansprüche mehr gegen das jeweilige Unternehmen geltend machen würden. Die Zahlungen gingen hauptsächlich über dieJewish Claims Conference, die zahlreiche Sammelklagen und PR-Aktionen organisierte. Die osteuropäischen Zwangsarbeiter hatten während desKalten Krieges keine Möglichkeit individuelle Ansprüche anzumelden und die westeuropäischen Regierungen hatten dies über bilaterale Verträge im Gegenzug zur Westeinbindung der Bundesrepublik ausgeschlossen.[79]
| Unternehmen | Jahr | Betrag in DM | Empfänger | Grund |
|---|---|---|---|---|
| I.G. Farbenindustrie AG | 1957 | 30 Mio. | jüdische und nicht-jüdische Zwangsarbeiter | Wollheim-Prozess in Frankfurt |
| Krupp-Konzern | 1959 | 10 Mio. | jüdische Zwangsarbeiter aus Konzentrationslagern | Abwendung einer Sammelklage in New York[80] |
| AEG-Telefunken | 1960 | 4 Mio. | Zwangsarbeiter | Vermeidung eines Präzedenzfalles aus Sammelklage |
| Siemens | 1962 | 7 Mio. | jüdische Zwangsarbeiter | Jewish Claims Conference legte firmen-internen Bericht von 1945 vor |
| Rheinmetall | 1966 | 2,5 Mio. | jüdische Zwangsarbeiter (nicht-jüdische lehnte das Unternehmen 1969 ab) | zur politischen Absicherung eines Waffengeschäftes mit den USA |
| Deutsche Bank für Flick-Konzern | 1986 | 5 Mio. | Zwangsarbeiter des Flick-Unternehmens Dynamit Nobel | zur politischen Absicherung des lukrativen Weiterverkaufs Dynamit Nobel durch Deutsche Bank |
| Daimler-Benz | 1988? | 20 Mio. | Förderung von Alten- und Pflegeheimen | unbekannt |
Im Jahr 2000 errichtete der Deutsche Bundestag die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, die einmalige Leistungen in Fällen erbringen sollte, die bis dahin von derdeutschen Wiedergutmachungspolitik nicht oder nicht angemessen berücksichtigt worden waren. Dies galt vordringlich für Sklaven- und Zwangsarbeiter, die in einem Konzentrationslager oder in einer anderen Haftstätte inhaftiert oder aus ihrem Heimatstaat in das Gebiet desDeutschen Reichs in den Grenzen von 1937 oder in ein vom Deutschen Reich besetztes Gebiet deportiert und zur Arbeit gezwungen worden waren.[81]
Kriegsgefangene wurden in§ 11 Abs. 3 EVZStiftG aus dem Kreis der Leistungsempfänger ausgeschlossen: „Kriegsgefangenschaft begründet keine Leistungsberechtigung.“ Damit waren italienischeMilitärinternierte und Kriegsgefangene von Zahlungen ausgeschlossen.[82]Am 20. Mai 2015 beschloss derDeutsche Bundestag, die noch lebenden früheren sowjetischen Kriegsgefangenen finanziell zu entschädigen.[83]In dem entsprechenden Beschluss heißt es: „Ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen soll ohne Anerkennung einer Rechtspflicht/eines Rechtsgrundes ein symbolischer finanzieller Anerkennungsbetrag gewährt werden.“[84][85][86]
Eine besondere Bedeutung haben die zahlreichen polnischen Opfer der NS-Zwangsarbeit. Noch vor der Stiftung, „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ wurde deshalb 1992 dieStiftung Polnisch-Deutsche Aussöhnung errichtet.[87]
DieDDR sah die aufgrund desPotsdamer Abkommens erbrachtendeutschen Reparationen, insbesondere die umfangreichenDemontagen auf dem Gebiet derSowjetischen Besatzungszone, als ausreichendeWiedergutmachung an. Individuelle Zahlungen wurden in der DDR nach politischer Opportunität erbracht[88] wie die Ehren- bzw. Hinterbliebenenpensionen an „Kämpfer gegen den Faschismus“ (800MDM mtl.) und „Verfolgte des Naziregimes“ (600MDM mtl.).
In Österreich wurde im Jahr 2000 zeitgleich mit der deutschen Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ derVersöhnungsfonds errichtet, der bis 2005 freiwillige Zahlungen an ehemalige Zwangsarbeiter des nationalsozialistischen Regimes auf dem Gebiet der heutigenRepublik Österreich erbrachte.[89][90]
Allgemein (Auswahl):
Regional (Auswahl):
Opfergruppen (Auswahl):
Zeitzeugenberichte (Auswahl):
Rechtliche Aspekte zur Entschädigungsfrage (Auswahl):