Musikwissenschaft, auchMusikologie („Musiklehre“), ist eineWissenschaft, die sich mit allen Aspekten derMusik und des Musizierens befasst. Sie betrachtet die Musik aus der Sicht aller relevanten Disziplinen; dazu gehörenkultur-,sozial-,struktur- undnaturwissenschaftliche Ansätze.
Gegenstand der Musikwissenschaft sind dabei sämtliche Ausprägungen von Musik, ihreTheorie, ihreProduktion undRezeption, ihre Funktionen und Wirkungen sowie ihre Erscheinungsweisen vomakustischen Ausgangsmaterial bis zum komplexenmusikalischen Einzelwerk.[1]
Wissenschaftler auf dem Gebiet der Musikwissenschaft werdenMusikwissenschaftler oderMusikwissenschafter genannt.
Guido Adler (1855–1941), ein österreichischer Musikwissenschaftler, der das Fach Musikwissenschaft systematisch durchdachte und dieWiener Musikwissenschaft begründete
Die Musikwissenschaft erfuhr nach 1945 eine Ausdifferenzierung, die eine Gliederung in Teildisziplinen notwendig machte. Glen Haydon[2] (1896–1966) undFriedrich Blume (1893–1975) befürworteten eine Dreigliederung:
Musikethnologie, auch Ethnomusikologie, heute vorzugsweise Vergleichende Musikwissenschaft genannt.
Diese Dreigliederung löste die vonGuido Adler (1855–1941) geprägte Zweiteilung in Historische und Systematische Musikwissenschaft ab. Musikethnologie zählte Adler zum Bereich der Systematischen Musikwissenschaft. Weitere Einteilungen waren die fünfgliedrige Einteilung (Historische, Systematische, Musikethnologische, Musiksoziologische und Angewandte Musikwissenschaft) vonHans-Heinz Dräger (1909–1968) sowie die viergliedrige Einteilung (Systematische Musikwissenschaft, Musikgeschichte, Musikalische Volks- und Völkerkunde sowie Landes- und Gesellschaftskundliche Musikforschung) vonWalter Wiora (1907–1997).
Der Gegenstandsbereich derhistorischen Musikwissenschaft ist Musik und Geschichte. Man verwendet die Quellenforschung, Notenkunde und Notentextanalyse, um Sachverhalte der Vergangenheit aufzudecken. Die historische Musikwissenschaft will Quellen verfügbar machen, durchMusikphilologie erschließen, durchhermeneutische Prozesse verstehen und sie interpretieren.
Erst seit den 1960er Jahren wendet man sich der Musik des 20. Jahrhunderts zu. Vor allem die Geschichte der Europäischen Musik (Kunstmusik) hat sie zum Inhalt. Sie hat verschiedene Teilgebiete:
DieMusikphilologie beschäftigt sich mit Quellenforschung,Textkritik und wissenschaftlicherEdition von Musik. Musikphilologische Methoden schließen zunehmend digitale Methoden ein, vor allem in Bezug auf Modellierung und Musikkodierung sowie auf die Datenvisualisierung. Hauptgegenstand der Musikphilologie ist seit ihrer Begründung im 19. Jahrhundert die notenschriftliche Überlieferung. Analoge und digitale Klangdokumente, aber auch beispielsweiseKlavierrollen geraten zunehmend in den Blick der Musikphilologie als Grundlagenforschung.
DieIkonografie wertet musikbezogene Bilddarstellungen als Quellen aus, um Erkenntnisse über Musikausübung und -anschauung, Instrumente, über Personen und soziale Zusammenhänge zu gewinnen.
DieAufführungspraxis versucht, die jeweilige Realisierung von Notentexten im räumlich-akustischen, klanglichen,besetzungs- und spieltechnischen Kontext zu erschließen. Sie schafft die Grundlagen für diehistorische Aufführungspraxis, die eine werk- oder epochengetreue Wiedergabe anstrebt.
DieInterpretationsforschung fragt nach den Prozessen des Vermittelns und Deutensmusikalischer Werke, sowohl in sprachlicher (hermeneutischer) als auch musikalischer (performativer) Form.
DieNotationskunde erforscht die Aufzeichnung von Musik, wobei im Zentrum ihres Interesses die Übertragung von Werken in eine zeitgenössischeNotationsform steht.
DieBiografik, im 19. Jahrhundert eines der hauptsächlichen Forschungsfelder in den Kulturwissenschaften, beschreibt das Leben von Personen, deren Schaffen bedeutsam für die Musikgeschichte ist.
DieTerminologie deutet und definiert Fachbegriffe, die der Beschreibung von Musik und der Kommunikation über sie dienen. Sie zielt auf die sachliche Klärung und trägt zur allgemeinen Verständigung über Fragen der Musik bei.
DieStilkunde untersucht analog zu anderen Kulturwissenschaften Merkmale von Musik, die über einzelne Werke hinaus Gültigkeit besitzen, umepochen- undgenrespezifische Eigenheiten herauszuarbeiten bzw. einen Personal-, Gruppen-, Gattungs-, Regional- oder Nationalstil zu charakterisieren.
Aus dem ursprünglichen Konzept von Adler (1885) (Stichwort: „Gesetzesmäßigkeiten“) sowie der heutigen internationalen Wissenschaftspraxis geht hervor, dass Gegenstand der systematischen Musikwissenschaft nicht in erster Linie spezifische Erscheinungsformen der Musik wie Stücke, Werke, Aufführungen, Traditionen, Gattungen, Komponisten, Stile, Perioden usw., sondern eher die Musik an sich und musikalische Phänomene im Allgemeinen sind. Um abstrakte, allgemeine Aussagen über Musik zu ermöglichen ist eine „systematische“ Vorgehensweise nötig (Beispiele:Erkenntnistheorie,Logik,Klassifikation,Messung,Empirik, statistische Analyse,Modellierung,Vorhersage). Die Systematische Musikwissenschaft ist in folgende Einzeldisziplinen gegliedert:
Diemusikalische Akustik untersucht die physikalischen Grundlagen des Schalls, der von Klangerzeugern ausgehend und unterraumakustischen Bedingungen unterschiedlich wahrgenommen wird.[3]
DieMusikphysiologie beschäftigt sich einerseits als Stimm- und Gehörphysiologie mit denphysiologischen Gegebenheiten von Bau und Funktion des menschlichenStimm- bzw. Hörapparates (Ohr,Hörnerv,Cortex), andererseits untersucht sie als Physiologie des InstrumentalspielsMuskelaufbau undMotorik bei der musikalischen Tätigkeit sowie die psychophysiologischen Vorgänge beim Musizieren. Ihre Ergebnisse fließen gleichermaßen in Musiktherapie wie in musikpädagogische Lehre ein.[4]
Die Ton- oder Hörpsychologie befasst sich als eigenständiges Teilgebiet der allgemeinen Musikpsychologie mit psychologischen Vorgängen derauditiven Wahrnehmung,psychoakustischen Erscheinungen und den Bedingungen, unter denenReize aufgenommen, verarbeitet und beantwortet werden.
DieMusiktherapie untersucht die Möglichkeiten der Nutzung der Musik zur Verbesserung der Gesundheit und zur Heilung von Krankheiten.[6]
DieMusiksoziologie untersucht mit Hilfesoziologischer Methoden die Beziehungen zwischen Musik undGesellschaft sowie den in ihr vorhandenenInstitutionen, um kausale Zusammenhänge der wechselseitigen Beeinflussung zu erkennen. Gegenstände dieser Teildisziplin sind das musikalische Schaffen und seineRezeption, die mit den Mitteln derSozialwissenschaft analysiert werden. Die häufige Überschneidung mit anderen Wissenschaften ergibt eine Verflechtung zu anderen Teildisziplinen, z. B. zur Musikpsychologie beisozialpsychologischen Fragestellungen oder zurEthnosoziologie bei Gegenständen außerhalb des westlich-europäischen Kulturraums.[7]
DieMusikphilosophie als Element der Systematik und bestimmend für ihre geisteswissenschaftliche Ausrichtung untersucht die Frage nach demWesen der Musik. Nebenontologischen undästhetischen Aspekten der anderen musikwissenschaftlichen Teilbereiche reflektiert sie Form, Sinn, Bedeutung und kommunikative Strukturen der Musik zunehmend mitsemiotischen Mitteln.[8]
DieMusikästhetik beschäftigt sich mit den Grundlagen der sinnlichen Erkenntnis der Musik, desSchönen in der Musik sowie dem Verstehen und Bewerten von Musik vor dem Hintergrund ihres jeweiligen historischen Kontextes. Ursprünglich ein Teilgebiet der Philosophie, etablierte sich die Musikästhetik mit Theodor W. Adorno auch als Teilgebiet auch innerhalb der Musikwissenschaft.[9]
Allerdings ist diese Untergliederung der Systematischen Musikwissenschaft umstritten:Roland Eberlein und andere verstehen die musikalische Akustik, die Musikphysiologie, die Hörpsychologie, die Musikpsychologie und die Musiksoziologie nicht als Teildisziplinen der Systematischen Musikwissenschaft, sondern als Teile derPhysiologie, derAkustik,Psychologie undSoziologie, welche von der Systematischen Musikwissenschaft rezipiert und mit Erkenntnissen der Historischen Musikwissenschaft oder Musikethnologie in Verbindung gebracht werden, um Theorien erstellen zu können, mit denen Aspekte von Musik erklärt werden können.[10] Da dafür die Systeme beschrieben werden müssen, welche die jeweilige Musik hervorbringen, schlugJobst Fricke vor, den möglicherweise missverständlichen Namen „Systematische Musikwissenschaft“ in „Systemische Musikwissenschaft“ zu ändern.[11]
Für eine Systematische Musikwissenschaft, die mit dem Forschungsansatz derKognitionswissenschaft nach einer Theorie der Musik sucht, gebraucht im deutschsprachigen RaumUwe Seifert die Bezeichnung „Kognitive Musikwissenschaft“.[12] Bei diesem Ansatz steht die Erforschung der neurologischen und neurovegetativen Wirkungen von Musik im Mittelpunkt. Die Kognitive Musikwissenschaft stützt sich in weit höherem Maß als die Musikpsychologie auf Methoden derNeurobiologie,Kognitions- undComputerwissenschaften.[13]
Musikethnologie, Ethnomusikologie und Vergleichende Musikwissenschaft
SeitJaap Kunst 1950 das englische Wortethnomusicology einführte, wurden im Deutschen die BegriffeMusikethnologie oderEthnomusikologie neben der BezeichnungVergleichende Musikwissenschaft angewandt. Das Fachgebiet beschäftigt sich mit Musik außerhalb der westlichenKunstmusik.
Übrig bleibt dieeuropäischeVolksmusik, die Musik der außereuropäischenNaturvölker und die Musikkulturen, die nicht vom europäischenAbendland abhängig sind, wie zum Beispiel die asiatische Kultur.
Historische und systematische Aspekte sind hier streng mit eingegliedert. Die Abkapslung des dritten Zweiges ist jedoch wichtig, da hier die verschiedenen Kulturen verschiedene Anforderungen stellen. So gibt es nicht in jeder Kultur den Begriff der „Musik“. Und wo fängt für die Wissenschaft „Musik“ überhaupt an? Oft bringt hier nur dieFeldforschung die Wissenschaft voran, wo das tägliche Leben der Menschen in möglichst unveränderter Form beobachtet wird. Die wichtigsten Forschungsbereiche sind:
Diepopuläre Musik wird von derPopularmusikforschung behandelt. Während sie früher eher der Musikethnologie zugerechnet wurde, ist sie heute entweder eigenständig oder Teil der Systematischen Musikwissenschaft.
Der in der hellenistischen Antike entwickelte Lehrplan basierte auf den beiden Säulen Musiké und Gymnastik, welche die Bildung des Geistes und des Körpers vermitteln sollten.[14] Deshalb nahm das Unterrichtsfach Musiké, das sich spätestens seitPlaton auch mit mathematisch-musikwissenschaftlichen Fragen befasste, in seiner ursprünglichen und weit gefassten Bedeutung einen bevorzugten Platz im antiken Bildungswesen ein. Auch die aus dieser Tradition hervorgegangenears musica wandte sich Themenfeldern zu, die heute den Fächern Musikwissenschaft bzw. einem speziellen Forschungszweig derMusiktheorie zugeordnet werden. In der mittelalterlich-universitären Ausbildung wurde der ars musica – als einer der vier mathematischen Künste (Quadrivium) der septemartes liberales – jedoch lediglich der Platz eines propädeutischen Faches derPhilosophie zugewiesen. Letztere galt wiederum seit dem Mittelalter alsancilla theologiae und nahm als untere Fakultät gegenüber der höchsten Theologischen Fakultät nur eine dienende Funktion im christlich-abendländischen Bildungswesen ein. Das blieb nicht ohne Folgen für die ars musica, die sich gegenüber der Theologie mit einschlägigen Bibelzitaten hinsichtlich ihrer geistesgeschichtlichen Relevanz zu rechtfertigen versuchte.Eine endgültige Emanzipation der Philosophischen gegenüber den Theologischen Fakultäten fand erst in der Epoche der Aufklärung ab etwa 1740 statt,[15] wobei die Musik inzwischen aus dem Kanon der universitären Ausbildung herausgefallen war.[16]
Lorenz Christoph MizlersCorrespondierende Societät der musicalischen Wissenschaften (1738–1761) gilt als erste musikwissenschaftliche Gesellschaft. Mizler war mit seinen von 1736 bis 1742 gehaltenen Vorlesungen an der Leipziger Universität der erste Hochschullehrer, der nach dem Verfall der ars-musica-Tradition das Fach Musikwissenschaft gemäß einem von ihm vorgelegten Lehrplan an einer Universität unterrichtete.[17] Es war seine erklärte Absicht, „die musikalischen Wissenschaften, so wohl was die Historie anbelanget, als auch was aus der Weltweisheit, Mathematik, Redekunst und Poesie dazu gehöret, so viel als möglich ist, in vollkommenen Stand zu setzen.“[18] In der Folgezeit knüpfte die jetzt wieder an den Philosophischen Fakultäten betriebene Musikwissenschaft nicht mehr an deredlen Music-Kunst Würde (Werckmeister 1691) des antiken Musikbegriffs an, sondern wandte sich vornehmlich anderen Aufgabenfeldern zu.
Als universitäre Disziplin sah sich die Musikwissenschaft in der Zeit derWeimarer Republik zunehmend in die Ecke gedrängt. Sie wurde konfrontiert mit Vorwürfen des „Elitarismus“ und eines „Elfenbeinturm-Daseins“.[19]Darüber hinaus musste sie ihre Nützlichkeit für die Gesellschaft unter Beweis stellen und eine „aktivere Rolle in der Gesellschaft spielen.“[19] Besonders die Doppelerfahrung zahlreicher Musikwissenschaftler als Akademiker im Hochschulbetrieb als auch Praktiker im Bereich der Musik bzw. der Musikerziehung, war für diese Legitimation von besonderer Bedeutung und ermöglichte auf lange Sicht in einigen Fällen einen nahtlosen Übergang in das nationalsozialistische System.[19]
Die Musikwissenschaft war 1918 zu Beginn der Weimarer Republik eine relativ junge akademische Disziplin, jedoch waren es die Vorarbeiten von namhaften Musikwissenschaftlern der ersten Generation wie z. B.Hermann Kretzschmar,Guido Adler,Erich von Hornbostel,Curt Sachs und vielen anderen, die Pionierarbeit auf den Gebieten der Historischen, Systematischen und Vergleichenden Musikwissenschaft leisteten. So hatten „deutsche und österreichische Wissenschaftler in Forschung und Methodologie bahnbrechend gewirkt.“[20] Die sogenannten „Denkmäler deutscher Tonkunst“ galten in der Spätphase der wilhelminischen Epoche als Prestigeprojekt, um einerseits den Wert der deutschen Musik zu belegen und gleichzeitig die Musikwissenschaft als akademisches Fach zu legitimieren und deren Nützlichkeit für die Bevölkerung unter Beweis zu stellen. Als „‚Erzieher‘ hatten sie die Aufgabe, das deutsche Volk über sein musikalisches Erbe und seine musikalische Stärke aufzuklären.“[19] Trotz all dieser Bemühungen konnte die Musikwissenschaft während der Weimarer Republik nie eine bedeutsame kulturpolitische Position einnehmen.
Noch immer nicht vollständig erforscht ist die Rolle der Musikwissenschaft imNationalsozialismus und im sogenanntenDritten Reich. Nach der Zwangsentlassung jüdischer Wissenschaftler übernahmen vielerorts überzeugte NSDAP-Mitglieder oder Gesinnungsgenossen die Institute und führten sie als willige Kunstvollstrecker im Sinne des Regimes. So fälschte etwa der MusikwissenschaftlerWolfgang Boetticher als Mitarbeiter im Sonderstab Musik imEinsatzstab Reichsleiter Rosenberg angebliche Briefe vonSchumann anMendelssohn im Sinne dernationalsozialistischen Ideologie. Die MusikwissenschaftlerTheophil Stengel undHerbert Gerigk veröffentlichten das rassistischeLexikon der Juden in der Musik. Seit 1914 überzog derAntisemitismus in Deutschland auch das WerkGeorg Friedrich Händels, indem seine Oratorien von Musikwissenschaftlern „arisiert“ wurden:Israel in Egypt wurde inMongolensturm umbenannt, undJudas Maccabaeus – zunächst inDer Feldherr umfirmiert – kam von 1933 bis 1945 nur noch unter dem TitelWilhelm von Nassau zur Aufführung.
Auch deutsche Musikverlage brachten musikhistorische Schriften auf den Markt, welche die Stimmung dieser Zeit verstärkten. 1939 verlegteBreitkopf & Härtel, siebzig Jahre nach ihrem Ersterscheinen,Richard Wagners antisemitische SchriftDas Judenthum in der Musik.[21]
Grundsätzlich spricht Richard Wagner jüdischen Künstlern jede Form von Originalität ab: Juden mögen ihr Handwerk virtuos beherrschen, das Ergebnis werde aber immer Täuschung, ja Lüge sein.
Bei der Eröffnung der Musikwissenschaftliche Tagung 1938, der größten Musiktagung desnationalsozialistischen Deutschlands, behauptete PropagandaministerJoseph Goebbels, dass Musik die ruhmreichste Kunst des deutschen Erbes sei. Es war zugleich die erste für die Öffentlichkeit sichtbare musikwissenschaftliche Tagung im NS-Staat.
Robert Lach war ein Mitglied der„Bärenhöhle“, einerantisemitischen universitären Geheimclique.[24] In einem Brief aus dem Jahr 1933 schreibt er: „Wer hätte vor drei Jahren zu hoffen gewagt, dass die Macht des Judentums so plötzlich und schnell gebrochen werden würde, wie dies Gottlob jetzt wenigstens in Deutschland … der Fall ist.“ Lach verzögerte zudem aufgrund rassistischer Motive die Ernennung vonEgon Wellesz. Gleichzeitig lehnte erPaul Nettl als Gutachter ab, weil dieser ein „Volljude von reinstem Schlage“ gewesen sei.
Friedrich Blume hielt 1938 bei den erstenReichsmusiktagen das GrundsatzreferatMusik und Rasse – Grundlagen einer musikalischen Rasseforschung.
Heinrich Besseler, Mitglied derSA und derNSDAP, forderte bei den Musiktagen derHitlerjugend in Erfurt, „daß die Musikpflege der Universität vom Geist des neuenHJ-Liedes durchdrungen werden müsse“.[25]
Werner Danckert wurde 1937 Mitglied derNSDAP und Professor an derMusikhochschule Weimar.[26] Sodann arbeitete Danckert auch als Mitarbeiter derHauptstelle Musik imAmt Rosenberg. An denReichsmusiktagen in Düsseldorf 1938[27] hielt er einen Vortrag überVolkstum, Stammesart, Rasse im Lichte der Volkstumsforschung.[26] 1939 publizierte er das BuchDie ältesten Spuren germanischer Volksmusik.[26] 1943 erhielt er als Nachfolger vonHerbert Birtner einen Lehrstuhl in Graz und eine apl. Professur in Berlin.[26]
Fritz Bose habilitierte sich 1939 mit der Arbeit „Klangstile als Rassenmerkmale“.
Rudolf Gerber, der in derZeit des Nationalsozialismus bereits 1935 mit einem Aufsatz über dieAufgaben der Musikwissenschaft imDritten Reich in derZeitschrift für Musik hervorgetreten war,[29] wurde auf Antrag vom 17. Oktober 1937 rückwirkend zum 1. Mai 1937 in dieNSDAP aufgenommen (Mitgliedsnummer 5.863.193). Auf der Musikwissenschaftlichen Tagung im Rahmen derReichsmusiktage hielt er am 26. Mai 1938 einen Vortrag überVolkstum und Rasse in der Persönlichkeit und Kunst vonJohannes Brahms.
Von 1935 bis 1942 warMax Seiffert Direktor des Staatlichen Instituts für deutsche Musikforschung, das er bereits seit 1921 kommissarisch als „Fürstliches Forschungsinstitut für Musikwissenschaft“ inBückeburg geleitet hatte. Sein Nachfolger wurdeHans Albrecht, der das Institut bis zu dessen Schließung 1944 leitete. In den Jahren des Dritten Reichs erlebte das Institut einen Aufschwung, da die meisten Musikwissenschaftler, soweit sie nicht emigriert waren, bereitwillig den Nationalsozialismus unterstützten. Zuvor war Albrecht imReichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, wo er bis 1939 Referent in der Abteilung X (Musik) war.[33]
Der MusikwissenschaftlerPeter Raabe sorgte als Präsident derReichsmusikkammer dafür, dass Vertreter der modernen Musik und vor allem die „nichtarischen“ Musiker entweder erst gar nicht in die RMK aufgenommen oder entlassen wurden. Das bedeutete für die betroffenen Musiker ein existenzbedrohendes Berufsverbot, weil eine Mitgliedschaft in der RMK Voraussetzung für eine Tätigkeit als Künstler war. Insgesamt sind mehr als 3000 von Raabe persönlich unterzeichnete Berufsverbote bekannt. Er war gegen die „Negermusik“ und die moderne Musik einesAlban Berg undArnold Schönberg.[37]
Um musikwissenschaftliche Bücher nach 1945 weiter verkaufen zu können, mussten Passagen mit NS-Ideologie überklebt odergeschwärzt werden. Hier zu sehen in derGeschichte der deutschen Musik vonJoseph Müller-Blattau: Auf der rechten Seite hat der Verlag 1947 Passagen überklebt und ein Wort geschwärzt.
Die deutsche Geschichte aus derZeit des Nationalsozialismus ging auch nach 1945 in den Einrichtungen der Musikwissenschaft nicht spurlos vorbei. Nach demZweiten Weltkrieg bestimmten viele belastete Musikwissenschaftler den Musikdiskurs sowohl in derBundesrepublik als auch in derDeutschen Demokratischen Republik. Manche dieser Musikwissenschaftler waren zum Teil bis zum Ende des 20. Jahrhunderts publizistisch tätig.
Für die DDR galt nicht nur im Blick auf die Musikwissenschaft: „Auch wenn sich die DDR während ihrer gesamten Existenz in ihrer Herrschaftsideologie ununterbrochen als antifaschistischer Staat legitimierte, sah die Lebenswirklichkeit einer entnazifizierten Gesellschaft grundlegend anders aus. Die SED griff beim Aufbau ihres sozialistischen Staates auch auf Angehörige von nationalsozialistischen Organisationen zurück – und zwar in einem außerordentlich hohen Maße.“[38]
Dies prägte Biographien von Musikwissenschaftlern in beiden deutschen Staaten nach 1945, wie man an ausgewählten Lebensläufen zeigen kann:
Otto Emil Schumann veröffentlichte 1940 „Die Geschichte der deutschen Musik“; in den 1980er Jahren folgten Standardwerke wie „Der große Konzertführer“ und das „Handbuch der Klaviermusik“. Zu den von Otto Schumann auchnach dem Zweiten Weltkrieg geschmähten Komponisten gehörtenFelix Mendelssohn Bartholdy,Gustav Mahler,Paul Hindemith undArnold Schönberg.
AlsGösta Neuwirth Anfang der sechziger Jahre in Wien promovieren wollte und deshalb eine Arbeit zuFranz Schreker begann, wurde er vom Wiener Ordinarius für MusikwissenschaftErich Schenk mit den harschen Worten abgefertigt: „Mit Juden gebe ich mich nicht ab!“[39] AuchAnton Webern lehnte Schenk als Dissertationsthema ab. Nachweislich war Schenk seit den1930er-Jahren ausgeprägtantisemitisch eingestellt, eine Haltung, die er bis zu seinem Tod 1974 nicht korrigierte. Im Jahr 1950 wurde er zum Dekan der Philosophischen Fakultät gewählt und 1957 schließlich zum Rektor derUniversität Wien.
Wolfgang Boetticher, 1940 und 1941 beteiligt an der gewaltsamen Konfiszierung jüdischen Eigentums, lehrte bis 1998 an derGeorg-August-Universität Göttingen. Nach Ende desZweiten Weltkrieges wurde Boetticher 1948 Lehrbeauftragter inGöttingen, erhielt 1955 dort an der Universität eine Professur, wurde 1957 Direktor desMusikwissenschaftlichen Instituts Göttingen und war von 1972 bis 1974Dekan der Philosophischen Fakultät. An derKarls-Universität Prag hatte er 1963 eine Gastprofessur.
Hans Pischner, Musikwissenschaftler undCembalist, fand als zuletzt über Hundertjähriger äußerst konsequent einen sehr weiten und vielgestaltigen Weg vom Musiker im Nationalsozialismus[43] über die Funktionen des Opernintendanten und Kulturpolitikers in derDDR bis hin zum Mitglied des Zentralkomitees (ZK) derSED.[44] Er selbst gab in seiner Autobiografie zu, wie er das System während seiner Intendantenzeit geschickt manipulativ für sich nutzen konnte: „Ich kannte mich aus, konnte im allgemeinen meine Vorstellungen durchsetzen und wußte mir auch in komplizierten Situationen zu helfen. Wenn man es verstand, auf der Klaviatur der – auch untereinander nicht selten uneinigen – Apparate zu spielen, nicht zu viele Fragen zu stellen und damit unerwünschte Antworten zu provozieren, gab es Möglichkeiten, kunstfeindliche politische Strangulierungen zu unterlaufen, dem Gesinnungsterror zu entkommen.“[45]
Fritz Stein trat 1932 demvölkisch gesonnenen,antisemitischenKampfbund für deutsche Kultur bei. Nach der „Machtergreifung“ derNationalsozialisten wurde er Direktor derStaatlichen MusikhochschuleBerlin. Als Bedingung für die Annahme des Postens hatte er die fristlose Entlassung von jüdischen Musikern wieEmanuel Feuermann gefordert. Weitere Forderung zum „künstlerischen Neuaufbau“ waren die fristlosen Entlassungen vonLeonid Kreutzer und Ersatz durchCarl Adolf Martienssen.[48] Innerhalb desKampfbunds für Deutsche Kultur wurde Stein im Juli 1933 Reichsleiter der Fachgruppe Musik[49], sowie Referent für Kirchenmusik und Chorwesen. Bereits 1933 war er Präsidialrat derReichsmusikkammer. Im Mai 1933 war Fritz Stein als Leiter der „Interessengemeinschaft für das deutsche Chorgesangswesen“ mitverantwortlich für dieGleichschaltung aller Chöre, insbesondere der Arbeiterchöre unter einem Dachverband. In derNachkriegszeit wurde Fritz Stein Präsident desVerbands für evangelische Kirchenmusik.
Viele Biografien, die nach 1945 geschrieben worden sind, verschwiegen wesentliche Details der Zeit vor 1945. In Rudolf Gerbers Selbstdarstellung inMGG Band 4 (1955) verbarg er seine Tätigkeiten für die NSDAP und betonte, dass er seit 1938 Mitglied derAkademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt und seit 1952 Mitglied derAkademie der Wissenschaften in Göttingen war.
Andere Musikwissenschaftler fehlten im deutschsprachigen Raum, weil sie emigriert waren:Curt Sachs,Manfred Bukofzer,Mieczyslaw Kolinski,Otto Gombosi,Klaus Wachsmann,Hans Eppstein undAlfred Einstein gehörten dazu. Nach Europa blickte Einstein nach dem Krieg nur noch mit Argwohn: So lehnte er 1949 eine Einladung von der Freien Universität Berlin ab, weil er keine Sehnsucht nach einem „Besuch im Vierten Reich“ verspürte. Ebenso wies er im selben Jahr die Goldene Mozart-Medaille derInternationalen Stiftung Mozarteum Salzburg zurück, publizierte nicht mehr in Deutschland und verfolgte aufgebracht dieEntnazifizierungsprozesse von Musikern und Wissenschaftlern.
Hanoch Avenary emigrierte 1936 von Berlin nach Palästina und wurde zu einem der Pioniere der Musikwissenschaft inIsrael.
„Der vom Holocaust verursachte Verlust für die Musik ist eine Katastrophe, deren Ausmaß für immer unbekannt bleiben wird.[50]“
An manchen Instituten beginnt die systematischen Forschungsarbeit zum Thema „Musiker im Exil“. Die Arbeitsgruppe „Exilmusik“ (1985–2012) an derUniversität Hamburg unter Leitung vonPeter Petersen engagiert sich mit zahlreichen Forschungsprojekten, Konzerten, Ausstellungen, Tagungen und Buchpublikationen. 1993 erschien der vonHanns-Werner Heister,Claudia Maurer Zenck und Peter Petersen herausgegebene Band „Musik im Exil. Folgen des Nazismus für die internationale Musikkultur“. In Wien ist dasExilarte Zentrum an dermdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien angesiedelt.
Es tun sich aber auch andere und neue Themen auf:Frauen in der Musik[51] ist ein in der Musikwissenschaft im Zuge derFrauenbewegung seit den 1970er Jahren verstärkt in den Blick gerücktes Begriffsfeld.[52]
Bis 1945 beschäftigte sich die Musikwissenschaft praktisch nicht mit derGegenwartsmusik; vielmehr spezialisierten sich die Fachvertreter vor allem auf einzelne ältere Epochen. Erst ab den 1960er Jahren wurde die Untersuchung der Musik des 20. Jahrhunderts in Angriff genommen. Für die Hinwendung insbesondere zur Neuen Musik warRudolf Stephan (1925–2019) von großer Bedeutung. Stephan sah die Musikgeschichte als Teil der allgemeinen Kunst- undKulturgeschichte.
Musikalische Quellen werden neu erschlossen durch Errichtung neuer Archive und Forschungsstellen. Im 1972 gegründetenHeinrich-Schütz-Archiv werden möglichst vollständig Kopien von allen Quellen des Komponisten gesammelt. Inzwischen nennt sich die Einrichtung inDresden mit einem deutlich erweiterten AuftragForschungsinstitut fürmitteldeutsche Musikgeschichte.
1992 kommt es zur Errichtung einesBrahms-Institutes inLübeck, um die Quellen zur Brahmsforschung zu sichern.
Das Sammeln und Dokumentieren vonKomponisten der Gegenwart macht sich eine Arbeitsgruppe von Musikwissenschaftlern seit 1992 zur Aufgabe.
Die Reihe neu gegründeter Fachgesellschaften hat die für die öffentliche Wahrnehmung der deutschen Musikwissenschaft seit der Nachkriegszeit so prägende Überblendung von Musikgeschichte, Philologie und musikalischer Analyse ausdifferenziert. Die methodische Vielfalt des Fachs wurde sichtbarer.[53]
Die bislang geltenden Grenzen empirisch-experimenteller und kulturwissenschaftlich-historischer, aber auchmusikethnologischer undpopularmusikologischer Forschung verschieben sich. Die Rolle vonMusikarchiven wird hinterfragt, dasmusikphilologische Arbeiten unterdigitalen Vorzeichen muss neu ausgerichtet werden. Es wird gefragt, ob angesichts der methodisch offenen Situation noch verbindliche Normen gelten, ob neueNormen und Normierungen entstehen oder ob sich die Transformationsprozesse außerhalb von Normen vollziehen.
Die Musikforschung des 21. Jahrhunderts „zeigt sich als fragende Disziplin, die vielfältige Anregungen aufgreift, aber auch mit großen Herausforderungen konfrontiert ist, etwa in Gestalt desAnthropozän und posthumanistischer Theorien. Hier bestehen gesellschaftliche undkulturpolitische Erwartungen an das Fach: Es geht darum, Musik und musikalische Praxen im Spiegel dieser Entwicklungen theoriegeleitet zu reflektieren.“[54]
Musikwissenschaftliche Seminare und Institute an Hochschulen (Auswahl)
Die Musikwissenschaft als akademische Disziplin ist seit dem19. Jahrhundert an Universitäten und Hochschulen angesiedelt. Dort geschieht Forschung,Reflexion und Lehre im Blick auf die Inhalte des Faches.
Das Musikwissenschaftliche Seminar der Universität Basel aus der Sicht vom Petersplatz
Musikwissenschaftliches Seminar der Universität Basel: diese Einrichtung wurde 1912 alsSeminar für Musikwissenschaft unter Federführung des ExtraordinariusKarl Nef gegründet. 1923 wurde das Institut mit der Berufung Nefs zum Ordinarius den anderen Instituten der Fakultät gleichgestellt.
dieHochschule für Musik Franz Liszt Weimar und dieFriedrich-Schiller-Universität Jena betreiben seit dem Jahr 2000 ein gemeinsames Institut für Musikwissenschaft Weimar-Jena in Kooperation. 1948 trat zu den obligatorischen musiktheoretischen und musikgeschichtlichen Begleitfächern an der Weimarer Hochschule das eigenständige Studienfach Musikwissenschaft.
dieHumboldt-Universität zu Berlin beherbergt eines der ältesten Institute für Musikwissenschaft. Das gegenwärtige Institut wurde 2009 gegründet und vereint die Fachgebiete Musikwissenschaft und Medienwissenschaft in der Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftlichen Fakultät.
dieMartin-Luther-Universität Halle-Wittenberg mit einem Institut für Musik, Medien- und Sprechwissenschaften, das Lehre und Forschung in den Fachgebieten Historische Musikwissenschaft, Systematische Musikwissenschaft sowie Musikethnologie abdeckt; die drei Fachgebiete werden jeweils durch eine eigene Professur repräsentiert und im Bachelor- und Masterstudium angeboten
Musikwissenschaft wird in der Regel nicht berufsspezifisch, sondern akademisch gelehrt. So befähigen die Abschlüsse im Idealfall für ein breites und sich ständig änderndes Betätigungsfeld. Die akademische Qualifizierung im Fach Musikwissenschaft beschränkt sich nicht auf die Universitäten und Musikhochschulen, sondern sie kann in sehr vielfältige Bereiche derBildung oder der Kultur- und Wissenschaftsverwaltung führen, ebenso zu Archiv- und Bibliothekswesen, Museum,Journalismus und Verlagswesen sowie zu Produktion und Management.
1977 hat die Musikhochschule Detmold in Kooperation mit derUniversität Paderborn ein gemeinsames Musikwissenschaftliches Seminar gegründet, in dem dasPromotionsrecht ausgeübt werden konnte. In den 1980er Jahren setzten weitere Musikhochschulen ihr eigenes Promotionsrecht in Gang, zunächst in West-Berlin, Hannover und Köln, inzwischen nahezu überall.
Mit derBologna-Reform haben sich über diePromotion hinaus auch zunehmend musikwissenschaftlicheBachelor- undMaster-Studiengänge sowohl an zahlreichen Musikhochschulen als auch an vielen Universitäten verbreitet.
Als eigenes wissenschaftliches Fach wurde die Musikwissenschaft nach und nach erst im 19. Jahrhundert geformt und ausgestaltet, so dass man die Begründer des modernen Faches ebenfalls erst ab dem 19. Jahrhundert finden und benennen kann.
Adolph Bernhard Marx wurde 1830 Musikprofessor derFriedrich-Wilhelms-Universität Berlin und 1832Universitätsmusikdirektor. Er war Gründungsmitglied des Berliner Tonkünstlervereins, des ersten Tonkünstler-Berufsverbands auf deutschem Boden. Marx erwarb sich als musikwissenschaftlicher Autor, als Verfasser einerBeethoven-Biografie, des BuchesGluck und die Oper und als Herausgeber der WerkeHändels undBachs Ansehen. Ein fundamentaler Beitrag zur Musiktheorie sind seine Definitionen derSonaten(haupt)satzform und ihrer Bestandteile. Der Begriff „Sonatenform“ als ideales, von Gattungskriterien (Sinfonie, Quartett etc.) abstrahiertes Modell erscheint in ausführlicher Beschreibung erstmals in seiner Kompositionslehre (Die Lehre von der musikalischen Komposition, Leipzig 1837–1847). Marx’ Kompositionslehre etablierte die Begriffe „Exposition“, „Hauptsatz“, „Modulationsteil“, „Seitensatz“ und „Schlussgruppe“. 1824 begründete er dieBerliner Allgemeine Musikalische Zeitung, die er bis 1830 herausgab.
Friedrich Chrysander war der großeHändel-Forscher des 19. Jahrhunderts (Herausgabe der ersten Gesamtausgabe von Händels Werken und einer fragmentarischen mehrbändigen Biografie Händels). Chrysander hatte schon vor derVierteljahrsschrift für Musikwissenschaft andere maßgebliche Musikzeitschriften redigiert: Die LeipzigerAllgemeine musikalische Zeitung in den Jahren 1868 bis 1871 und 1875 bis 1882 sowie die in zwei Bänden (1863 und 1867) erschienenenJahrbücher für musikalische Wissenschaft, die als Vorläufer derVierteljahrsschrift anzusehen sind. Auch die Initiative zur Gründung derVierteljahrsschrift scheint von ihm ausgegangen zu sein, und er hatte nach längerer Vorbereitungszeit in dem Bach-Forscher und Berliner Musikprofessor Spitta wie in dem Prager Musikwissenschaftler Adler die geeigneten Partner gefunden, mit denen ein streng wissenschaftliches Periodikum zu gründen und zu leiten möglich war. Das Geflecht seiner Beziehungen und Korrespondenzen mit Musikern und Wissenschaftlern seiner Zeit war groß.
Gustav Jacobsthal gehörte zu den Musikhistorikern, die im ausgehenden 19. Jahrhundert dieMusik des Mittelalters wissenschaftlich erforschten und wieder zugänglich machten. 1872 wurde er an der neu gegründetenKaiser-Wilhelm-Universität Straßburghabilitiert und unterrichtete dort zunächst alsPrivatdozent für Geschichte und Theorie der Musik, 1875 alsaußerordentlicher, ab 1897 als einziger ordentlicher Professor für Musikwissenschaft imDeutschen Reich. Zur Vokalpolyphonie des 16. Jahrhunderts (Palestrinas weltliche Madrigale), zur Operngeschichte (sowohl Monteverdis L’Orfeo als auch Mozarts Kindheitsopern und Idomeneo) sowie zur Instrumentalmusik (Haydns, Mozarts und Beethovens Streichquartette; Carl Philipp Emanuel Bachs Württembergische Sonaten) hinterließ er Analysen.
Philipp Spitta[56] war ein fleißigerBach-Forscher. Ab 1875 wurde er Musikprofessor an der Berliner Universität und administrativer Direktor der Musikhochschule (an der SeiteJoseph Joachims als künstlerischem Leiter) inBerlin. Er begann als ausgebildeter und zunächst auch praktizierenderAltphilologe und wechselte dann zur Musikforschung mit ausgesprochenphilologischer Prägung. Er war ein sammel- und publikationsfreudiger Musikforscher mit einem breiten Blickfeld auf Gegenstände aus der Antike bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. In der Volkslied-Forschung war er engagiert. In der Leitung derVierteljahrsschrift für Musikwissenschaft war er federführend. Neben seiner Bach-Biographie wurde er durch eine Gesamtausgabe der OrgelwerkeDietrich Buxtehudes und der Werke vonHeinrich Schütz bekannt. Zusammen mitFriedrich Chrysander undGuido Adler gab er seit 1885 dieVierteljahrsschrift für Musikwissenschaft, erschienen in Leipzig, heraus. Philipp Spitta gilt heute als einer der Begründer der modernen Musikwissenschaft.
Guido Adler[57] stammte ausMähren und war ursprünglich juristisch ausgebildeter, dann in Musikwissenschaft promovierter und habilitierter Musikprofessor. Zuerst lehrte er ab 1885 in Prag, dann von 1898 bis 1927 auf dem Wiener Ordinariat als Nachfolger vonEduard Hanslick. Er führte die Periodisierung der Musikgeschichte nach Stilbegriffen in die Musikwissenschaft ein, entwickelte ihre Aufgabenstellung und Methodik, betätigte sich als Editor und gab nach seiner Emeritierung ein mehrbändiges Handbuch zur Musikgeschichte heraus, das seinen Prinzipien folgte.
Hermann Kretzschmar war von 1887 bis 1904 in Leipzig alsUniversitätsmusikdirektor tätig. Im Jahr 1890 wurde er zum außerordentlichen Professor ernannt. Er gründete 1890 die Leipziger Akademischen Konzerte, die er bis 1895 leitete. 1904 wurde er als ordentlicher Professor der Musik an die BerlinerFriedrich-Wilhelms-Universität berufen. Eines seiner Fachgebiete war dieHermeneutik im Blick auf das Verstehen von Musik.
Hugo Riemann gehört zu den markantesten und bedeutendsten Persönlichkeiten unter den Musikwissenschaftlern. 1901 wurde er zum außerordentlichen, 1905 zum planmäßigen Professor an derUniversität Leipzig berufen. Schließlich wurde er 1908 Direktor des von ihm gegründeten musikwissenschaftlichen Instituts (Collegium musicum). 1911 wurde Riemann in Leipzig Honorarprofessor und schließlich 1914 Direktor des von ihm gegründeten „Staatlich sächsischen Forschungsinstituts für Musikwissenschaft“. Seine größten Verdienste hat er errungen auf dem Gebiet derMusiktheorie. Zu fast allen Bereichen hat er wesentliche Beiträge geliefert, zu vielen musikalischen Fachbegriffen Abhandlungen geschrieben. Sein wohl bekanntestes Werk, dasRiemann Musiklexikon, ist bis heute ein anerkanntes Standardwerk.
Peter Wagner schuf Beiträge zur Erforschung des lateinischen einstimmigen liturgischen Gesangs (Gregorianik). 1927 wurde er 1. Präsident derInternationalen Gesellschaft für Musikwissenschaft. Er war Mitglied der Schwedischen Akademie der Tonkunst und der Deutschen Akademie in München. Aus Wagners Habilitationsschrift entstand das dreibändige Standardwerk zur ChoralforschungEinführung in die Gregorianischen Melodien. Seine wissenschaftlichen Choralforschungen galten als richtungsweisend.
Der Name vonFriedrich Ludwig ist eng verbunden mit der Erforschung und Neuentdeckung derMusik des Mittelalters im 20. Jahrhundert, insbesondere mit derKompositionstechnik derisorhythmischenMotette in derArs nova. Für ungefähr ein Jahrzehnt unternahm er zahlreiche Reisen durch Europa, die ihm zur Erforschung der Quellen mittelalterlicher Musik dienten. 1905habilitierte er sich und wurde Nachfolger des gleichzeitigemeritiertenGustav Jacobsthal, ab 1910 als Außerordentlicher Professor für Musikgeschichte. Nach dem Ende desErsten Weltkriegs wurde er aus dem nun zuFrankreich gehörenden Straßburg ausgewiesen. Ab 1920 war er Ordentlicher Professor an derGeorg-August-Universität Göttingen, derenRektor er 1929/30 wurde. Zu Ludwigs Leistungen zählen die Erforschung desOrganums, die Entzifferung der frühenQuadratnotation, die Entdeckung derModalrhythmik in einstimmigen Liedern des 13. Jahrhunderts, die systematische Darstellung derNotre-Dame-Epoche und der Motettenkompositionen derArs nova. Dabei übertrug er eine Vielzahlmehrstimmiger Werke bis ins 15. Jahrhundert hinein und publizierte sie in kritischen Editionen. Ludwig entdeckte das Kompositionsprinzip derIsorhythmie, deren Bezeichnung er auch prägte.
Curt Sachs hat sich 1919 an der Berliner Universität mit demHandbuch der Musikinstrumentenkundehabilitiert. Bereits 1913 erschien seinReallexicon der Musikinstrumente, das einflussreichste Lexikon über historische und weltweit verbreitete Musikinstrumente. Ab September 1920 wurde er Direktor derSammlung alter Musikinstrumente bei derStaatlichen akademischen Hochschule für Musik in Berlin-Charlottenburg. 1928 wurde er etatsmäßiger Professor an der Universität Berlin, seit 1926 lehrte er zusätzlich Instrumentenkunde an derStaatlichen Akademie für Kirchen- und Schulmusik in Berlin. Er bemühte sich intensiv, die umfangreiche Kollektion der Musikinstrumentensammlung der Öffentlichkeit und der Wissenschaft zugänglich zu machen. 1933 wurde Sachs alsJude von denNationalsozialisten seinesAmtes enthoben. Er emigrierte daraufhin in dieVereinigten Staaten. Dort lehrte er von 1937 bis 1953 an derNew York University und arbeitete außerdem für dieNew York Public Library und dasMetropolitan Museum of Art. Sein BuchThe history of musical instruments (1940) ist ein bedeutendes Werk zum Thema. Darin werden die Instrumente nach Kulturen und die europäischen Instrumente gesondert nach Kulturperioden eingeteilt.
DieGesellschaft für Musikforschung ist ein Fachverband der in Studium, Forschung und Lehre tätigen Musikwissenschaftler und Institute. Sie hat rund 1600 Mitglieder (Stand 2021). Sitz des Vereins istKassel (Hessen).[59] Die Gesellschaft wurde 1946 gegründet, nachdem es schon eine Vorgängerinstitution gegeben hatte.
DieInternational Musicological Society (IMS) (Deutsch: Internationale Gesellschaft für Musikwissenschaft) ist eine am 30. September 1927 inBasel gegründete Organisation für die internationale Koordination der Musikwissenschaft.
DieVierteljahrsschrift für Musikwissenschaft stellt eines der wichtigsten Zeugnisse dar für die Bemühungen der deutschsprachigen Musikwissenschaft, sich institutionell an den Universitäten zu festigen und publizistisch als fleißig arbeitendeKulturwissenschaft hervorzutreten. Der Anspruch eines ständigen Autorenkreises ist spürbar, offene und brennende Fragen der systematischen und historischen Musikforschung einer Lösung zuzuführen.
DasSchütz-Jahrbuch ist ein seit 1979 jährlich erscheinender Aufsatzband mit musikwissenschaftlichen Abhandlungen über die Musik und Musikkultur im 17. Jahrhundert, bevorzugt im Umkreis des KomponistenHeinrich Schütz. Die Beiträge werden zumeist in deutscher, vereinzelt auch in englischer Sprache veröffentlicht.
Seit 1984 erscheint das vonKlaus-Ernst Behne,Günter Kleinen undHelga de la Motte-Haber gegründete Jahrbuch Musikpsychologie. Es wird von der Deutschen Gesellschaft für Musikpsychologie (DGM) herausgegeben und erscheint seit 2018 als Online-First-Publikation mit Open-Access-Zugriff beim Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID).[60]
Musikbibliotheken mit SammlungsschwerpunktMusiktonträger undMusikalien sind wesentlich für die Arbeit in der Musikwissenschaft. Von den 24Musikhochschulen in Deutschland verfügen vor allem diejenigen über einen musikwissenschaftlichen Sammelschwerpunkt, die das Promotionsrecht besitzen.
Beispiele für große Musikbibliotheken und Institute mit entsprechenden Bibliotheken sind:
Richard Middleton:Studying Popular Music. Open University Press, Philadelphia 1990/2002 ,ISBN 0-335-15275-9.
Thomas Nußbaumer:Alfred Quellmalz und seine Südtiroler Feldforschungen (1940–1942): eine Studie zur musikalischen Volkskunde unter dem Nationalsozialismus. StudienVerlag, Innsbruck/Wien/München 2001,ISBN 3-7065-1517-2.
Richard Parncutt:Systematic musicology and the history and future of Western musical scholarship. In:Journal of Interdisciplinary Music Studies. Band 1, 2007, S. 1–32 (online, Abruf am 22. Oktober 2021).
Pamela M. Potter:Die deutscheste der Künste. Musikwissenschaft und Gesellschaft von der Weimarer Republik bis zum Ende des Dritten Reichs. Stuttgart 2000 (Zugleich Dissertation an der Yale University, 1998).
James W. Pruett, Thomas P. Slavens:Research guide to musicology. American Library Association, Chicago 1985,ISBN 0-8389-0331-2.
Hugo Riemann:Grundriß der Musikwissenschaft. 2. Auflage. Quelle & Meyer, Leipzig 1914.
Albrecht Schneider:Systematische Musikwissenschaft: Traditionen, Ansätze, Aufgaben. In:Systematische Musikwissenschaft. Band 1, 1993, Nr. 2., S. 145–180.
Rüdiger Schumacher:Systematische Musikwissenschaft. Universität zu Köln[63]
Nicole Schwindt-Gross:Musikwissenschaftliches Arbeiten. Hilfsmittel, Techniken, Aufgaben. 1992; 5. Auflage. Bärenreiter, Kassel u. a. 2003.
Uwe Seifert:Systematische Musiktheorie und Kognitionswissenschaft. Zur Grundlegung der kognitiven Musikwissenschaft. Orpheus Verlag für systematische Musikwissenschaft, Bonn 1993.
↑Glen Haydon:Introduction to Musicology: a survey of the fields, systematic & historical, of musical knowledge & research. 1941,ISBN 0-313-20429-2.
↑Donald E. Hall:Musikalische Akustik: Ein Handbuch. Schott-Verlag, Mainz 2008.ISBN 978-3-7957-8737-0
↑Wolfgang Ellermeier, Jürgen Hellbrück, Josef Schlittenlach:Physiologische und psychoakustische Grundlagen des Hörens. In:Stefan Weinzierl (Hrsg.):Akustische Grundlagen der Musik (=Handbuch der Systematischen Musikwissenschaft. Band 5). Laaber, Laaber 2014,ISBN 978-3-89007-699-7, S. 31–78.
↑Rosemarie Tüpker:Die therapeutische Nutzung von Musik: Musiktherapie. In: Helga de la Motte-Haber,Günther Rötter (Hrsg.):Musikpsychologie (=Handbuch der Systematischen Musikwissenschaft. Band 3). Laaber-Verlag, Laaber 2005,ISBN 3-89007-564-9, S. 339–356.
↑Helga de la Motte-Haber,Hans Neuhoff (Hrsg.):Musiksoziologie (=Handbuch der systematischen Musikwissenschaft. Band 4). Laaber-Verlag, Laaber 2007,ISBN 978-3-89007-565-5.
↑Richard Kleine:Musikphilosophie zur Einführung. Junius, Hamburg 2019.ISBN 978-3-88506-087-1.
↑Helga de la Motte-Haber (Hrsg.):Musikästhetik (=Handbuch der Systematischen Musikwissenschaft. Band 1). Laaber-Verlag, Laaber 2003,ISBN 978-3-89007-562-4.
↑Jobst Fricke, Systematische oder Systemische Musikwissenschaft? Systematische Musikwissenschaft 1/2, 1993, S. 181–194.
↑Uwe Seifert:Systematische Musiktheorie und Kognitionswissenschaft. Zur Grundlegung der kognitiven Musikwissenschaft. Orpheus Verlag für systematische Musikwissenschaft, Bonn 1993
↑Josef Dolch:Lehrplan des Abendlandes. Darmstadt 1982, S. 25ff. Plato betonte in Politeia (III. Buch), die „musische und gymnastische Bildung [als …] Grundsätze für Bildung und Erziehung“Quelle online.
↑In diesem Jahr konnte der PhilosophChristian Wolff, der von der Theologischen Fakultät in Halle geächtet und 1723 vom preußischen KönigFriedrich Wilhelms I. seines Professoren-Amtes entbunden worden war, seine universitäre Unterrichtstätigkeit in Halle wieder aufnehmen.Erst ab diesem Zeitpunkt galt für die Philosophie und die ihr angeschlossenen Disziplinen die Freiheit der Lehre. Zum Prioritätenstreit vgl. Immanuel Kant: Der Streit der Facultäten in drei Abschnitten, Königsberg 1798 (Text online).
↑Mattheson berichtet, dass ein Leipziger Professor bei der Prüfung von 14 Kandidaten, welche die Würde eines Magisters der sieben freien Künste erwerben wollten, die Musik „als unwürdiges Glied, eigenmächtig und unchristlich“ fortließ (Johann Mattheson:Mithridat wider den Gift einer welschen Satyre genannt La musica, Hamburg 1749, S. 189Quelle online)
↑Lorenz Christoph Mizler: De usu atque praestantia Philosophiae in Theologia, Iurisprudentia, Medicina, breviter disserit, simulque Recitationes suas privatas indicat M. Laurentius Mizlerus, Leipzig 1736, S. 16: „Novam scholam musicam aperire constitui“ etc.Quelle online. Sein Vorlesungskonzept wird präziser beschrieben in „recitationes suas mathematicas philosophicas musicas de novo futur“ als Anhang zu der philosophischen Schrift Lorenz Christoph Mizler:De natura syllogismi, Leipzig 1742, S. 16(Quelle online).
↑abcdVgl. Potter, Pamela:Die deutscheste der Künste. Musikwissenschaft und Gesellschaft von der Weimarer Republik bis zum Ende des Dritten Reichs. Stuttgart 2000, S. 56.
↑Potter:Die deutscheste der Künste. Musikwissenschaft und Gesellschaft von der Weimarer Republik bis zum Ende des Dritten Reichs. S. 57.
↑Kurt Ehrenberg:Othenio Abel’s Lebensweg, unter Benützung autobiographischer Aufzeichnungen. Kurt Ehrenberg, Wien 1975, S. 85 f., ausgewertet beiKlaus Taschwer:Geheimsache Bärenhöhle. Wie ein antisemitisches Professorenkartell der Universität Wien nach 1918 jüdische und linke Forscherinnen und Forscher vertrieb. In: Regina Fritz,Grzegorz Rossoliński-Liebe, Jana Starek (Hrsg.):Alma mater antisemitica: Akademisches Milieu, Juden und Antisemitismus an den Universitäten Europas zwischen 1918 und 1939. Band 3, new academic press, Wien 2016, S. 221–242, hier S. 230 (online).
↑Zitat vonFred K. Prieberg, abgedruckt bei Ernst Klee,Kulturlexikon. S. 48.
↑abcdErnst Klee:Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007,ISBN 978-3-10-039326-5, S. 106.
↑Thomas Phleps:Ein stiller, verbissener und zäher Kampf um Stetigkeit – Musikwissenschaft in NS-Deutschland und ihre vergangenheitspolitische Bewältigung. In: Isolde v. Foerster et al. (Hrsg.), Musikforschung – Nationalsozialismus – Faschismus, Mainz 2001, S. 471–488.online Uni Giessen
↑Willem de Vries:Sonderstab Musik. Organisierte Plünderungen in Westeuropa 1940–45. Köln 1998
↑Joseph Wulf:Musik im Dritten Reich, 1983, S. 177–178.
↑Kurt Gudewill:Erinnerungen an die Semlersche Kapelle in Itzehoe und an Musiker aus dem Umkreis der Stadt. In:Steinburger Jahrbuch 31 (1987), S. 286–296, hier: S. 293.
↑Kurt Gudewill:Erinnerungen an die Semlersche Kapelle in Itzehoe und an Musiker aus dem Umkreis der Stadt. In:Steinburger Jahrbuch 31 (1987), S. 286–296, hier: S. 292.
↑Martin Gietzelt,Ulrich Pfeil:Dithmarschen im Dritten Reich 1933–1945. In: Verein für Dithmarscher Landeskunde (Hg.):Geschichte Dithmarschens. Boyens, Heide 2000,ISBN 3-8042-0859-2, S. 327–360, hier: S. 342.
↑Martin Thrun:Führung und Verwaltung. Heinz Drewes als Leiter der Musikabteilung des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda (1937–1944). In:Albrecht Riethmüller,Michael Custodis (Hrsg.):Die Reichsmusikkammer: Kunst im Bann der Nazi-Diktatur. Böhlau Verlag, Köln/Weimar/Wien 2015,ISBN 978-3-412-22394-6, S. 101–146, hier: S. 139, 141.
↑Fred K. Prieberg:Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945, Kiel 2004, CD-Rom-Lexikon, S. 7796
↑abErnst Klee:Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007,ISBN 978-3-10-039326-5, S. 669.
↑Ernst Klee:Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 670.
↑Raabe war 1932 zunächst angetan von der Aachener Aufführung von BergsWozzeck, 1938 widerrief er diese Auffassung: „Die Atonalität war eine Zeitkrankheit, der sehr begabte Künstler vorübergehend verfallen sind“ (Nina Okrassa:Peter Raabe. Dirigent, Musikschriftsteller und Präsident der Reichsmusikkammer (1872–1945), Böhlau Verlag, 2004,ISBN 3-412-09304-1 (Google Books, S. 101,308)).
↑Das Rasseproblem in der Musik. Entwurf zu einer Methodologie musikwissenschaftlicher Rasseforschung, Kallmeyer Verlag, Wolfenbüttel/Berlin 1939 und 1944
↑Matthias Braun:Kulturinsel und Machtinstrument: Die Akademie der Künste, die Partei und die Staatssicherheit. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2007, S. 375.Google-Books
↑Tasten, Taten, Träume. Musik und Politik zwischen Utopie und Realität. Autobiographie. Henschel Verlag, Berlin 2006, S. 143.
↑Ernst Klee:Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007,ISBN 978-3-10-039326-5, S. 417.
↑Josef Wulf: Kultur im Dritten Reich. Musik. 1989, S. 100, dort Wiedergabe des Schriftwechsels des Kampfbundes Deutscher Kultur mit Entlassungswünschen und Einstellungswünschen sowie Honorarfragen. Schreiben Steins für den Kampfbund vom 1. April 1933
↑Ernst Klee:Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 588.
↑Zitiert auf der Homepage des Abgeordnetenhauses von Berlin, Grußwort des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin, Ralf Wieland, anlässlich der Eröffnung des Louis-Lewandowski-Festivals am 20.12.2013 im Gemeindehaus der Jüdischen Gemeinde Berlin, abgerufen am 12. September 2022
↑Zum Hintergrund siehe: Sabine Doyé, Marion Heinz, Friederike Kuster (Hrsg.):Philosophische Geschlechtertheorien. Ausgewählte Texte von der Antike bis zur Gegenwart 2002.
↑Monatshefte für Musikgeschichte. Berlin, 1891 (google.com [abgerufen am 10. Februar 2022]).
↑Markus Stumpf, Herbert Posch,Oliver Rathkolb:Guido Adlers Erbe: Restitution und Erinnerung an der Universität Wien. V&R unipress GmbH, 2017,ISBN 978-3-7370-0721-4 (google.com [abgerufen am 10. Februar 2022]).