Mulchen

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Dieser Artikel beschreibt den Prozess des Mulchens; zu dem entsprechenden Arbeitsgerät sieheMulcher. Zu der chilenischen Stadt bitte unterMulchén schauen.
Mulch ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum deutschen Linguist sieheRudolf Mulch und zum deutschen Politiker sieheLothar Mulch.
Zwei Reihen gemulchte Himbeeren, dritte Reihe rechts ungemulcht

AlsMulchen (mittelhochdeutsch mul ‚zerfallende Erde‘, ‚Staub‘; sieheMull) oderSchlegeln wird inGartenbau undLandwirtschaft das klein- oder großflächige Bedecken desBodens mitunverrotteten organischen Materialien (Mulch) bezeichnet. Als Mulchen in der Landwirtschaft oder in der Landschaftspflege sowie dem Gartenbau auf größeren Flächen bezeichnet man auch das Abmähen mit gleichzeitigem Zerkleinern des Mulchgutes durch Sichel- oder Schlegelmulcher. Mulchen ist ein wichtiger Beitrag zur langfristigenBodenfruchtbarkeit undBodengare.

Unverrottete organische Materialien, die in Gewässernsedimentieren, werden alsMulm bezeichnet, die Ablagerungen dann alsMudde(n).

Inhaltsverzeichnis

Herkunft und Bedeutung des Wortes Mulchen

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Das heutzutage gebrauchte Wort „Mulch“ ist eine zeitgenössische Entlehnung (spätes 20. Jahrhundert) aus dem Englischen (mulch ‚unverrottetes organisches Material‘).

Es gibt jedoch auch ein seit dem 16. Jahrhundert belegtes Adjektivmulsch, das in einigenoberdeutschen Dialekten ‚angefault‘, ‚weich‘ bedeutet (auch in der Gestaltmölsch, molsch, melsch). Der Wortstamm ist auf die gleiche Wurzel wie „mahlen“ und „mild“ zurückzuführen (vgl.französischmou/molle,griechischμαλακόςmalakos ‚weich‘ undheth.malisku- ‚schwach, leicht‚ unbedeutend‘).

Die fachsprachliche Definition von Mulch ist „Bodenbedeckung zur Förderung der Gare“.

C/N-Verhältnis

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Mulch wird früher oder später biologisch abgebaut, er wird zersetzt und dient so als Dünger. Bei der Auswahl der Materialien ist dabei wichtig, ein ausgeglichenes Verhältnis von Kohlenstoff und Stickstoff (C/N-Verhältnis) sicherzustellen. Bei einem C/N-Verhältnis über 25 : 1 tritt eine Hemmung der Zersetzungstätigkeit durchMikroorganismen ein, weil nicht genügend Stickstoff zurEiweiß­bildung zur Verfügung steht.[1]

Bei Rindenmulch, der ein C/N-Verhältnis größer 60 : 1 aufweist[2], ist es wichtig, vor dem Ausbringen eineStickstoffausgleichsdüngung vorzunehmen. Diese Notwendigkeit beruht auf folgenden Vorgängen: Stickstoff ist einer derHauptnährstoffe für Pflanzen. Rindenmulch ist kohlenstoffreich und stickstoffarm und er ist schwer zersetzbar. Deswegen verbrauchen die Bodenorganismen in der Anfangsphase selbst viel von dem wenigen verfügbaren Stickstoff (aus derStickstofffixierung aus der Luft), um den Mulch abzubauen. Sie bauen ihn in ihre Körpermasse ein, um zu wachsen (Baustoffwechsel). So ist wenig für die Pflanzen verfügbar. Diese Festlegung von anorganischem Stickstoff an organische Stickstoffverbindungen heißtStickstoff-Immobilisierung. Sie wirkt der Stickstoff-Mineralisierung (Stickstofffixierung,Stickstoffnutzbarmachung) entgegen.[3]

Die Stickstoff-Immobilisierung und damit der Stickstoffmangel der Kulturpflanzen ist vorübergehend: Ist der Abbauprozess einmal in Gang gekommen, wird langsam Stickstoff abgebaut und der Stickstoffhaushalt gleicht sich wieder aus. Wenn am Ende die Mikroorganismen absterben, werden sie selbst zur Stickstoffquelle. Der gebundene Stickstoff wird mit dem Abbau der organischen Stoffe langfristig wieder freigesetzt.[4][5]

Damit die Pflanzen infolgedessen keinen Nährstoffmangel erleiden, muss der Stickstoff von außen zugeführt werden. Bewährt haben sich in Staudenpflanzungen Mengen von 50 bis 80 gHornspänen je Quadratmeter. Erst nach Verteilen dieses langsam und nachhaltig wirkenden organischen Düngers wird die Rindenmulchdecke in einer Stärke von 5 bis 8 cm aufgebracht. Es ist auch günstig, schwer zersetzbare Streu vorher zu kompostieren. Je reifer der Kompost, desto kleiner das Risiko einer Stickstoffimmobilisierung.[6]

Gibt es hingegen einen Stickstoff-Überschuss, ist das C/N-Verhältnis zu eng und es kann zu einer Bildung vonAmmoniak kommen, wodurch sich auch der pH-Wert für den Abbau ungünstig verschiebt. Ist dies der Fall, können z. B. Stroh oder Sägespäne beigemischt werden.

Mulchen im Gartenbau

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Rindenmulch (10 bis 40 mm; Kiefer)
Laub
Grasschnitt, Monate nach dem Auftragen
Beinwell, enthält auch Kalzium

Mulchen ist eine wichtige Technik im Rahmen derReihenmischkultur sowie derPermakultur.

ImGartenbau bezeichnet Mulchen eine spezielle Methode, die im Garten, in Parks und beim Obst- und Gemüsebau angewendet wird. Der offene Boden zwischen Gemüsepflanzen, Blumen, Sträuchern und Bäumen wird hierbei mitRasenschnitt,Laub, Blattwerk und ähnlichem bedeckt.

Funktion

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Schutz
Mulch hält bei Hitze den Boden länger kühl, und er erhält am Abend länger die Tageswärme. Dadurch wird dieVegetationsperiode verlängert. Auch der Feuchtigkeitsverlust des Bodens wird vermindert. Bei starkem Regen wird durch die Mulchschicht dieVerschlämmung und das Auswaschen des Bodens, bei WindWinderosion verhindert.
Nährstoffeintrag
Neben ihrer Schutzfunktion wird die Mulchschicht nach und nachkompostiert, und der entstehendeHumus wirkt als organischerDünger.Regenwürmer und andere Kleinlebewesen bringen das Mulchmaterial in tiefere Bodenschichten ein und wandeln es in wertvolle Pflanzennahrung um. Wichtig ist dafür, wie bei jeder Kompostierung, ein ausgeglichenes C/N-Verhältnis, siehe oben.
Unkrauthemmung
Durch den geringen Lichteinfall auf den Boden ist Unkrautwuchs auf der abgedeckten Fläche gebremst, aber nicht immer verhindert.

Material

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Ausgehend von der Bodenbeschaffenheit, der Bepflanzung, der Verfügbarkeit und der gewünschten Mulchfunktion wählt man das passende Material aus. Wird der Mulch bei der Gurkenaussaat wieder entfernt, ist beispielsweise das Kohlenstoff/Stickstoff Verhältnis egal. Mulch auf einem Spielplatz soll weich sein, aber sich nicht so schnell auflösen.

  • Grünschnitt: stickstoffhaltig, feuchtes Material kann faulen, gut mit kohlenstoffhaltigem Material wie Stroh, Laub kombinierbar. Unkraut und Pflanzenreste können unerwünschte Samen oder Pilze enthalten.
  • Mist, Kompost: stickstoffhaltig, zum Mischen. ReiferKompost ist eigentlich kein Mulch mehr, er ist fertiger Humus.
  • Stroh, Laub: kohlenstoffhaltig, pur für Gehölze und Bäume. Stroh kann Pestizide u. ä. enthalten, Laub von der Straße kann Schwermetalle enthalten.
  • Rindenmulch: kohlenstoffhaltig. In Staudenbeeten und unter Sträuchern setzt man auchRindenmulch aus zerkleinerter Rinde von Nadelbäumen, meistFichten ein. Das Material sollte ausreichend lange, d. h. mindestens drei Monate abgelagert sein, um sicherzustellen, dass diephytotoxisch wirksamen Inhaltsstoffe derRinde und des Baumharzes wieGerbstoffe undTannine bereits abgebaut wurden.
  • Sägespäne: sehr kohlenstoffhaltig, schwer zersetzbar
  • natürliches anorganisches Material:Kies oderSchotter eignet sich v. a. für Wege.Gesteinsmehl und Kalk dient nur der Düngung.
  • künstliches Material: In Gemüsekulturen und unter Topf- und Containerpflanzen verwendet man – im übertragenen Sinne der Abdeckung –biologisch abbaubaren Kunststoff und verschiedene Typen von konventionellen Kunststofffolien zum Mulchen. Der Feuchtigkeitsverlust ist sehr klein, der Boden wird aber auch kaum belüftet. SchwarzeMulchfolien ermöglichen die Erwärmung durch die Sonne. Vliese bieten mehr Luftzirkulation, sind aber lichtdurchlässiger.[7]
  • in der traditionellen Landwirtschaft in Trockengebieten werden oft Kies oder Steine als Mulch verwendet. Eine Analogie im Gartenbau stellt derKiesgarten dar.
  • Derzeit wird an aufspritzbaren Mulchschichten geforscht.[8]

Nachteile

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  • Ein Mulchbeet kann schlechtgehackt werden, ohne die Mulchschicht abzutragen.
  • Besonders auf schweren, lehmigen Böden behindert er die Erwärmung durch die Sonne.
  • Ein unerwünschter Nebeneffekt beim Mulchen ist auch, dass durch die organischen Gartenabfälle Schneckenbefall begünstigt werden kann, besonders bei dichtem, feuchtem Mulch wie frischem Grasschnitt. Ebenso führt dies mitunter zur Überdüngung und somit zur Artenarmut von insbesondere Grünland.
  • Mulchen soll unterlassen werden bei Böschungen, Bachufern, Straßenbegleitflächen oder Wiesen. Mulchen reduziert Artenvielfalt. Insekten, Schmetterlingsraupen, Schnecken, Kleinlebewesen wie Frösche, Schlangen, Eidechsen, bodenbrütende Vögel werden vernichtet und die Biodiversität stark verringert. Durch das Liegenlassen des Mulchgutes wird der Boden sukzessive überdüngt, die Vielfalt von Flora und Fauna geht verloren.[9]

Mulchen in der Landwirtschaft

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DieserSichelmulcher mäht und zerkleinert auch holziges Mähgut mit übereinanderliegenden Rotorblättern (hier herabhängend)
Mulchraupe mit Schlegelmulcher imNaturschutzgebiet Nordhelle
Ein handgeführter Schlegelmulcher, der mit Stahlrädern ausgestattet werden kann, sodass er die Traktion behält, wenn es sehr steil ist

In derLandwirtschaft oder großflächiger Gartenkultur wie auch derLandschaftspflege bezeichnet Mulchen auch dasAbmähen mit gleichzeitigem Zerkleinern des Mulchgutes. Dazu werden Sichel- oder Schlegelmulchgeräte verwendet, die es in verschiedener Ausführung zum Front-, Zwischenachs- und Heck-Anbau fürTraktoren oder auchEinachsschlepper gibt.

Vorteil gegenüber dem Mähen ist, dass auch gröbere und verholzte Pflanzen damit abgeschlegelt und zerkleinert werden können. Das Mulchgut bleibt – möglichst fein zerteilt – auf der Fläche liegen und verrottet dort wesentlich schneller als langstieliges Mähgut. So ist das Mulchen in der Landschaftspflege ein Ersatz dort, woMähen oder Beweidung nicht möglich sind, z. B. weil der Bewuchs zurFuttergewinnung unbrauchbar ist, oder die Entsorgung des Mähguts zu teuer wäre. Das Mulchen ist also ein Teil derBrachlandwirtschaft.

Voraussetzung für den Erhalt von landwirtschaftlichen EU-Subventionen ist seit 2005, dass aus der Nutzung gefallene Acker- und Grünlandflächen vom Subventionsempfänger (landwirtschaftlicher Betrieb) durch Mulchen (bei Grünland auch Mähen mit Abräumen alle zwei Jahre) offen gehalten werden, also vor derVerbuschung geschützt werden. Das soll dafür sorgen, dass derzeit nicht rentabel bestellbare landwirtschaftliche Nutzflächen nicht nur bewirtschaftbar bleiben, sondern auch in ihrer Bodenqualität verbessert werden. Insbesondere für steile Flächen, die sich mit Traktoren und großen landwirtschaftlichen Maschinen nicht bearbeiten lassen oder deren Fläche überschaubar ist, kommen robuste Aufsitz-Schlegelmäher oder handgeführte Geräte zum Einsatz.

In den Offenhaltungsversuchen des Landes Baden-Württemberg werden die Auswirkungen des Mulchens von Grünlandflächen auf verschiedenen Standorten als Landschaftspflegemaßnahme seit 1975 untersucht und mit der Entwicklung bei ungestörter Sukzession verglichen.[10]

Siehe auch:Mulchsaat

Nachteile

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Die eingesetzten Maschinen führen zum Tod vieler Insekten und Kleintiere. Das Mähen mit dem Balkenmäher ist schonender. Zudem führt das Mulchen (im Gegensatz zum Mähen mit Abräumen) zur Nährstoffanreicherung, was viele aufMagerstandorte angewiesenen Blühpflanzen (mesophile Pflanzen) verdrängt.[11]

Literatur

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Weblinks

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Commons: Mulch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Ökologie. S. 608 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. Philipp Schönfeld:Organisch mulchen - Schritt für Schritt; Zeitschrift Flächenmanager 1/2014 (PDF-Datei)
  3. Eva Höhne:@1@2Vorlage:Toter Link/www.ufz.deEntwicklung eines mechanistischen Modells zur Simulation der frostbedingten N2O Emission aus Böden (Seite nicht mehr abrufbar.Suche in Webarchiven), S. 8, Martin-Luther-Universität Halle, 1981, abgerufen 2014.
  4. Björn König:Untersuchungen zur stofflichen Verwendung von extrahierter Fichtenrinde. Cuvillier Verlag, Göttingen, 2008,ISBN 978-3-86727-615-3, S. 41 (books.google.at, abgerufen 2014).
  5. Hans Joachim Fiedler:Böden und Bodenfunktionen in Ökosystemen, Landschaften und Ballungsgebieten, expert verlag, Renningen 2001,ISBN 3-8169-1875-1, S. 286, abgerufen 2014.
  6. J. G. Fuchs, J. Mayer und A. Berner:Einfluss von Kompost und Gärgut auf Pflanzenwachstum und -gesundheit: Potential und Grenzen inWerte – Wege – Wirkungen: Biolandbau im Spannungsfeld zwischen Ernährungssicherung, Markt und Klimawandel, Verlag Dr. Köster, Berlin 2009,ISBN 978-3-03736-033-0, S. 26ff abgerufen 2014.
  7. Dettmer Grünefeld:Das Mulchbuch: Praxis der Bodenbedeckung im Garten. 2010,ISBN 978-3-89566-218-8.
  8. David Eppenberger: Mulch spritzen statt verlegen. Schweizer Bauer, 25. Mai 2022, abgerufen am 26. Mai 2022. 
  9. Friedrich Buer:Mulchmäher – mit öffentlichem Geld und Technik gegen Artenvielfalt. (biologiemitbuer.blogspot.de, 16. Oktober 2016).
  10. Die Offenhaltungsversuche des Landes Baden-Württemberg., LEL Schwäbisch Gmünd.
  11. Bienenweidekatalog – Verbesserung der Bienenweide und des Artenschutzes, Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg, abgerufen am 22. Juni 2018
Normdaten (Sachbegriff):GND:7580658-7(lobid,OGND,AKS)
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