DieKariben nannten die InselAlliouagana (Land des Dornenbusches).Christoph Kolumbus, dessen Expedition die Insel 1493 auf seiner zweiten Reise nach Amerika sichtete, benannte sie nach demKloster Montserrat inKatalonien (Spanien). Montserrat bedeutet auf Katalanisch so viel wie „gesägter Berg“.[3][4]
Rund 290 m vor der Nordküste liegt die winzige (weniger als 1000 Quadratmeter messende) FelseninselLittle Redonda (nicht zu verwechseln mit der etwa 21 Kilometer nordwestlich gelegenen, zuAntigua und Barbuda gehörenden InselRedonda).
AlsVulkaninsel besteht sie im Wesentlichen aus drei vulkanischen Massiven: den Silver Hills im Norden, den Centre Hills in der Mitte und denSoufrière Hills im Süden.[8] Die vulkanischen Komplexe werden von Norden nach Süden jünger. So waren die Silver Hills vor 2,6 bis 1,2 Millionen Jahren aktiv, die Centre Hills vor 950.000 bis 450.000 Jahren und der noch aktive Soufrière-Hills-Vulkan entstand vor etwa 175.000 Jahren. Die Reste der alten vulkanischen Zentren Silver Hills und Centre Hills prägen noch als bis zu 741 Meter (Katy Hill) hohe und steile Hügel das innere Landschaftsbild der Insel. Die Flanken der altenvulkanischen Dome sind von weichen vulkanischen Sedimentablagerungen bedeckt (Asche,Tuffe,Bims, Ablagerungen vonSchutt- und Schlammströmen).[9][10]
Die zwei vulkanischen Massive Centre Hills und Soufrière Hills sind durch das Belham Valley getrennt. Das Belham Valley ist das Oberflächenabbild einer in Nordwest-Südost-Richtung verlaufendenStörung, die submarin in die RichtungenGuadeloupe undRedonda ihre Fortsetzungen findet.[11] Über das Belham Valley wird zudem ein Großteil des ablaufenden Regenwassers von den Bergen ins Meer geleitet.[12] Seit Beginn der letzten Eruption desSoufrière Hills Volcano im Jahr 1995 wurde das Belham Valley mit mehr als 12 MeternSediment vonLaharen undpyroklastischen Strömen aufgefüllt.
Geowissenschaftler datieren die letzteEruption auf Montserrat auf das 16. Jahrhundert, folglich auf vor der Besiedlung der Insel durch Europäer. Die erste historisch dokumentierte Eruption ist somit gleichzeitig auch die jüngste Aktivitätsphase der Insel: nach 370-jähriger Pause kündigtenErdbebenschwärme ab 1992 den bevorstehenden Ausbruch des Soufrière-Hills-Vulkans an.[13] Seit 1995 ist der Vulkan aktiv und hat im Laufe der Eruption einen großen Teil der Insel inklusive der HauptstadtPlymouth verwüstet. Die Aktivität des Vulkans erfolgte zunächst nach einem zyklischen Muster von zwei- bis dreijährigen Phasen hoher Eruptionsaktivität (vulkanianische Eruptionen,pyroklastische Ströme und Aufbau einesLavadoms) im Wechsel mit drei- bis vierjährigen Perioden von vulkanischer Inaktivität an der Oberfläche, aber anhaltender Bodendeformation durch erneuten Druckaufbau im Erdinneren.[14] Ein partieller Domkollaps im Jahr 2010 markiert die letzte eruptive Aktivität (Stand Juni 2020).Geodätische Messungen zeugen aber von weiterer Druckzunahme in denMagmakammern.[15]
Aufgrund des Vulkanausbruchs sind zwei Drittel der Insel und ein Umkreis von zehn Seemeilen um den südlichen Teil der Insel alsSperrgebiet ausgewiesen. Ein Befahren der Küstengewässer ist riskant, da keine aktuellen Seekarten vorliegen. Wenn es die vulkanische Aktivität zulässt, werden Führungen in das Sperrgebiet der Insel angeboten. Weitere Informationen über den Vulkan, dessen Überwachung und die aktuelle Gefahrenlage können beim Montserrat Volcano Observatory (MVO) eingeholt werden (Besichtigung möglich).
In Montserrat herrscht tropischesKlima mitTemperaturen zwischen 23 und 30 °C.Niederschlag fällt während des ganzen Jahres, welches sich jedoch in Regenzeit (Juli–November) und Trockenperiode (Februar–April) untergliedert. 70 Prozent der jährlichen Grundwassererneuerung findet im Zeitraum zwischen Juli und Dezember statt.[12] Die Westseite der Insel und die Centre Hills haben ein regenreiches Mikroklima und daher üppigentropischen Regenwald. Im Gegensatz dazu sind die nördlichen Silver Hills und die Ostküste der Insel von einem ariden Mikroklima geprägt und mehrheitlich von trockenen Dornenbüschen bewachsen.[16]
Es wurden drei Amphibienarten beschrieben (allesamt Frosch-Arten), sowie 15 Reptilienarten, darunter Schildkröten, Eidechsen und Iguanas. Viele sind vom Aussterben bedroht.
Montserrat ist seit etwa 7000 Jahren besiedelt. Ab 400 v. Chr. wandertenArawak ein, die bis zur europäischen Landnahme die Bevölkerungsmehrheit stellten. Im 15. Jahrhundert wurden sie von den kriegerischenKariben unterworfen. Die Kultur der Arawak blieb jedoch dominant. 2016 konnten die erstenPetroglyphen auf der Insel entdeckt werden, deren Alter von Experten auf 1000 bis 1500 Jahre geschätzt wird. Weitere Untersuchungen sollen den Entstehungszeitpunkt genauer bestimmen und die mögliche Bedeutung der Zeichen klären.[22]
Christoph Kolumbus sichtete als erster Europäer die Insel am 3. November 1493 und nahm sie unter dem NamenSanta Maria de Montserrat, nach dem bekanntenKloster Montserrat im gleichnamigenGebirge inKatalonien (Spanien), für die spanische Krone in Besitz. Allerdings wurde die Insel Montserrat nie von Spaniern besiedelt.
Das Desinteresse der Spanier nutzten dieEngländer aus und gründeten 1632 eine erste Siedlung. Die Spannungen zwischenKatholiken undAnglikanern im Mutterland, die in denEnglischen Bürgerkrieg mündeten, hatten die Karibik erreicht. Dieirischen Bewohner der NachbarinselSt. Kitts wurden nach Montserrat umgesiedelt. Später kamen irische Einwanderer aus anderen britischen Kolonien Amerikas hinzu. Noch heute ist ein großer Teil der europäischstämmigen Bewohner irischer Abstammung.
1674 bildete Montserrat gemeinsam mitAntigua, St. Kitts undNevis eine Konföderation englischer Inselkolonien mit gemeinsamem Abgeordnetenhaus unter dem Gouverneur William Stapleton.[23]
Die Siedler bautenTabak,Zuckerrohr undBaumwolle an. Für die Arbeit auf den Feldern wurden westafrikanischeSklaven eingeführt. Deren Nachkommen bilden heute die Bevölkerungsmehrheit. 1838 wurde die Sklaverei abgeschafft.
Im September 1989 wurde die Insel vonHurrikan Hugo mit voller Wucht getroffen und stark zerstört.
Ein Großteil der Insel wurde durch eine Reihe von Ausbrüchen des Vulkans Soufrière Hills, die am 18. Juli 1995 begannen, verwüstet. Davon betroffen war auch der einzigeFlughafen Montserrats. 75 Prozent der Bevölkerung flohen von der Insel. Die HauptstadtPlymouth wurde 1997 wegen der Vulkanausbrüche offiziell aufgegeben. Ein Übergangsregierungssitz wurde inBrades am nordwestlichen Ende der Insel eingerichtet.
Im Februar 2005 wurde der Terminal des neuenFlughafens John A. Osborne auf der Nordhälfte der Insel vonPrinzessin Anne eingeweiht;[24] am 11. Juli 2005 wurde der Flughafen offiziell in Betrieb genommen.[25] InLittle Bay ist eine neue Hauptstadt in Bau.
DasParlament, die gesetzgebende Versammlung (Legislative Assembly), besteht aus 11 Mitgliedern. Wahlberechtigt (aktives Wahlrecht) sind Inselbürger ab 21 Jahren. Wählbar (passives Wahlrecht) sind Bürger, die auf Montserrat geboren wurden oder einen Elternteil oder Großelternteil haben, auf den dies zutrifft.[27]
Staatsoberhaupt ist der britische KönigCharles III. Er wird vertreten durch einen Gouverneur. Regierungschef der Insel ist derPremier von Montserrat, der Mitglied des Parlaments sein muss und vom Gouverneur ernannt wird, wenn er die Mehrheit des Parlaments hinter sich hat. Der Premier steht dem Kabinett vor, das aus drei weiteren Ministern sowie qua Amt dem Generalstaatsanwalt und dem „Financial Secretary“ besteht. Dem Kabinett unterstehen die Behörden der Insel.[28]
Die höchste juristische Instanz für Antigua und Barbuda ist derPrivy Council in London. In der regionalen Gerichtsbarkeit teilen sich das Land mit acht benachbarten Inselstaaten seit 1967 einen gemeinsamen Gerichtshof, denEastern Caribbean Supreme Court mit Sitz inCastries inSt. Lucia. Er besteht aus dem Obersten Gerichtshof (High Court of Justice), das u. a. Verfassungs- und Menschenrechtsfragen behandelt, sowie dem Berufungsgericht (Court of Appeal). Gebildet wird er aus einem vorsitzenden Richter (chief justice) und vier Berufungsrichtern (justices of appeal) am Hauptsitz sowie 19 Obersten Richtern (High Court judges), die in den neun Mitgliedstaaten residieren. Auf örtlicher Ebene bestehen die untersten Gerichte (magistrates’ courts), die einfache Fälle verhandeln.[29][30]
Die Gemeinden im Osten und Süden liegen in den Sperrzonen, die nach dem Ausbruch des Vulkans Soufrière Hills eingerichtet wurden, und bestehen nur nochde jure. Die gesamte Bevölkerung konzentriert sich imParish of Saint Peter im Nordwesten der Insel, wo auch der vorläufige Regierungssitz Brades liegt.
Ursprünglich gab es noch eine vierte ParishSt. Patrick (heute Ostteil von St. Anthony).[32]
Die Verteidigung der Insel ist Aufgabe derbritischen Streitkräfte. Montserrat unterhält mit der 1899 gegründetenRoyal Montserrat Defence Force eine um die 20 Soldaten umfassende Freiwilligentruppe, die vor allem zeremonielle Aufgaben wahrnimmt.[33]
Die Wirtschaft Montserrats wurde von den Vulkanausbrüchen ab 1995 hart getroffen. Das nominale Bruttoinlandsprodukt, das 1994 bei etwa 73 Mio.US-Dollar gelegen hatte, sank bis 2001 auf weniger als die Hälfte dieses Werts. 2018 betrug das BIP nominal etwa 62 Mio. US-Dollar.[2] Die öffentliche Verwaltung generiert etwa ein Drittel der gesamten Wertschöpfung.[34] Aufstrebende Wirtschaftszweige sind geothermische und Solarenergie.[35]
Es herrschtLinksverkehr.Montserrat war nach der Zerstörung desW. H. Bramble Airport durch den Ausbruch der Soufrière Hills 1997 nur noch per Schiff oder Helikopter erreichbar, bis am 11. Juli 2005 der für ungefähr 18,5 Mio. US$ neu erbauteFlughafen John A. Osborne im Norden der Insel eröffnet wurde.
Der 17. September ist für die Bewohner Montserrats verbunden mit drei Katastrophen:[37]
Am 17. September 1965 zerschellte eine Boeing 707 auf dem Flug 292 der US-amerikanischen FluggesellschaftPan Am auf dem Weg von Martinique nach Antigua am Chances Peak. Dabei fanden 30 Menschen den Tod.[38]
Am 17. September 1989 traf Hurrikan Hugo die Insel mit voller Wucht, tötete 10 Bewohner und zerstörte 90 Prozent der Behausungen auf Montserrat. Die von ihm verursachten Schäden beliefen sich auf mindestens 260 Mio. US$.
Am 17. September 1996 ereignete sich die erste wirklich zerstörerische Explosion der neuzeitlichen Ausbruchsserie des Vulkans Soufrière Hills. Bei einem Domkollaps wurden große Mengen von Bims- und Gesteinsbrocken eruptiert.
Der 1954 auf Montserrat geborene MusikerArrow (eigentlich Alphonsus Celestine Edmund Cassell) nahm 1983 den SongHot Hot Hot auf, der zur heimlichen Nationalhymne von Montserrat wurde.
Ian Anderson, Frontmann der BandJethro Tull, verarbeitete Ereignisse in Montserrat im gleichnamigen Song auf seinem dritten Soloalbum („Secret language of birds“).
In Harris auf Montserrat wurde der Dichter und DramatikerE. A. Markham (1939–2008) geboren, der seit 1956 überwiegend in England lebte. Mit demCaribbean Theatre Workshop tourte er 1970–1971 durch die anglophone Karibik.
Montserrat ist eigenständiges Mitglied derFIFA und derCONCACAF und nimmt mit einerFußballnationalmannschaft an deren Wettbewerben teil. Meist kann die Nationalmannschaft die Spiele jedoch nicht für sich entscheiden und hat in der Vergangenheit schon häufiger zweistellig gegen die Nationalmannschaften der Nachbarinseln verloren. Entsprechend ist Montserrat in derFIFA-Weltrangliste meistens auf einer der letzten Positionen vorzufinden. Ein Porträt des Fußballs auf Montserrat bietet der DokumentarfilmThe Other Final. Er schildert das im Jahre 2002 parallel zum WM-Finale stattfindende Länderspiel gegen diebhutanische Fußballnationalmannschaft, den damaligen Vorletzten der FIFA-Weltrangliste. Montserrat verlor das Spiel in Bhutan mit 0:4.
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