Animation der Mondphasen – daneben sind auchErdnähe und Erdferne als Größenschwankung undLibration als „Torkeln“ zu erkennen
AlsMondphasen bezeichnet man die wechselnden Lichtgestalten desMondes. Sie entstehen durch die perspektivische Lageänderung seinerTag-Nacht-Grenze relativ zurErde während seines Erdumlaufes. Gebräuchlich ist die Einteilung invier Viertel von je ungefähr einerWoche Länge. Ein gesamterMondphasenzyklus von einemNeumond zum folgenden Neumond wird auchLunation genannt und dauert im Mittel etwa 29,53 Tage.
Im Phasenzyklus folgt nach Neumond zunehmender Mond, nachVollmond abnehmender Mond.
Hauptphasen des Zyklus sind neben Neumond (Leerphase) und Vollmond (Vollphase) auch die beiden Halbphasen (zunehmender beziehungsweise abnehmender Halbmond).
Bei Halbmond (Dichotomie) ist die Hälfte (50 %) der sonnenbeschienenen Mondoberfläche sichtbar.Astronomen beziehen sich auf Teilungen des vollen Zyklus des Mondes, wenn sie die zunehmende Halbphase EndeErstes Viertel, die abnehmende Halbphase BeginnLetztes Viertel nennen.
Während des ersten Zyklusviertels ist der zunehmende Mond amAbendhimmel beziehungsweise in der ersten Nachthälfte zu sehen, während des letzten Viertels der abnehmende Mond in der zweiten Nachthälfte bzw. amMorgenhimmel.
Nur während des ersten und des letzten Viertels des Phasenzyklus erscheint der Erdtrabant alsMondsichel. Wenn sie nach Neumond erstmals als ganz schmale Sichel am Abendhimmel sichtbar wird, spricht man vomNeulicht, bei ihrer letzten Sichtbarkeit am Morgenhimmel vor Neumond vomAltlicht.
Jede der vier mittleren Mondphasen dauert im Durchschnitt etwa sieben Tage (ungefähr 7,38 Tage), doch diese Dauer kann sich um etwa ±11 % verändern, abhängig von der wechselnden Entfernung des Mondes zur Erde – also zwischen Apogäum (fernster Punkt) und Perigäum (nächster Punkt).
Die Anzahl der Tage seit dem letzten Neumond wird als Mondalter bezeichnet[1]. Ein vollständiger Zyklus der Mondphasen wird Lunation genannt.[2]
Das ungefähre Alter und die Phase des Mondes für ein beliebiges Datum lassen sich berechnen, indem man die Anzahl der Tage seit einem bekannten Neumond (zum Beispiel dem 1. Januar 1900 oder dem 11. August 1999) bestimmt und diese Zahl durch die durchschnittliche Länge eines synodischen Monats (29,53059 Tage)[3] teilt. Der Rest dieser Division entspricht dem Mondalter. Diese Methode geht von einer vollkommen kreisförmigen Umlaufbahn aus und berücksichtigt nicht die genaue Zeit des Neumonds, weshalb die Ergebnisse um einige Stunden abweichen können. Je weiter das gewählte Datum vom Referenzdatum entfernt ist, desto ungenauer werden die Resultate.
Diese vereinfachte Berechnung eignet sich für allgemeine oder dekorative Zwecke, etwa für Mondphasenuhren. Für präzisere Anwendungen, bei denen das Apogäum und das Perigäum des Mondes berücksichtigt werden müssen, sind komplexere Methoden erforderlich.
Aufgrund der Libration des Mondes ist es manchmal möglich, etwas mehr als den vollen Mond zu sehen (bis zu etwa 101 %) oder einen kleinen Teil seiner Rückseite (bis zu etwa 5 %).[4]
Während der Bewegung des Mondes um die Erde ändert sich der Winkel, der im gedachten Dreieck Erde-Mond-Sonne von den Verbindungslinien Erde-Mond und Erde-Sonne aufgespannt wird, die sogenannteElongation des Mondes.[5] Für einen Beobachter auf der Erde verändert sich damit die Perspektive, mit der er den Mond sieht. Dies zeigt sich an der veränderten Lage derTag-Nacht-Grenze auf der erdzugewandten Seite und damit als Änderung der Lichtgestalt des Mondes am Himmel über der Erde. Beim Durchlaufen des Mondphasenzyklus ab Neumond nimmt diePhase, als der Anteil der von der Sonne beleuchteten und gleichzeitig von der Erde aus sichtbaren Mondoberfläche, zunächst zu und anschließend wieder ab.
Gegenstück der Elongation ist derPhasenwinkel des Mondes, der im gedachten Dreieck Erde-Mond-Sonne von den Verbindungslinien Mond-Sonne und Mond-Erde aufgespannt wird. So erscheint beispielsweise bei zunehmendem Halbmond genau eine Hälfte beleuchtet, da der Phasenwinkel genau 90° beträgt. Zu dieser Phase ist auch die Elongation mit etwa 89,85° nahezu ein rechter Winkel. Der dritte Winkel im gedachten Dreieck ist jener, unter dem der Abstand Erde-Mond einem Beobachter auf der Sonne erschiene – maximal, bei Halbmond, etwa 0,15°. Weil die Distanz der Sonne zur Erde wie auch zum Mond fast vierhundertmal größer ist als die Distanz zwischen Erde und Mond, sähe er aus dieser Perspektive beide nun in einemWinkelabstand von etwa 9′Bogenminuten, ihre sonnenzugewandte Seite voll beschienen.[6]
Das Erde-Mond-System mit Blick auf die Nordhalbkugeln …
Der Mond wird fast ununterbrochen von der Sonne beschienen. Da er nicht selbst leuchtet, ist somit stets nur seine von der Sonne beschienene Hälfte hell. Abhängig von der Position des Mondes aufseiner Umlaufbahn um die Erde, sieht ein irdischer Beobachter unterschiedlich viel von dieser beleuchteten Hälfte. Die so im Laufe einer Lunation zustandekommenden scheinbaren Beleuchtungsphasen des Mondes nennt man im Einzelnen:
… und der Mond von der Nordhalbkugel der Erde aus gesehen
So erscheint der Mond im Laufe einer Lunation einem Beobachter auf der Erde. Die in derAstronomie übliche Zählung beginnt mit dem Neumond (1). Die Sichelform des Mondes im ersten (2) und letzten Viertel (8) ergibt sich aus dem Umstand, dass der Mond annähernd kugelförmig ist und deshalb die Tag-Nacht-Grenze um so stärker gekrümmt erscheint, je näher sie dem Rand des Umrisses der erdzugewandten Seite des Mondes kommt. Die Ausrichtung der Mondsicheln in der Abbildung gilt für die höherenBreiten der Nordhalbkugel der Erde. Auf der Südhalbkugel sind die Verhältnisse umgekehrt, während in Äquatornähe die Mondsichel liegend oder hängend erscheint.
Ein kompletter Zyklus von Neumond zu Neumond kommt nur während eines synodischen Monats zustande. Während eines einfachen vollen Erdumlaufs (siderischer Monat, durchschnittliche Dauer 27,32 Tage) erreicht der Mond wegen der Bewegung der Erde auf ihrer Sonnenumlaufbahn nicht die gleiche Stellung zur Sonne wie zu Beginn des Umlaufs.
Legende
A: Erde B: Erdmond C: Umlaufrichtung des Mondes D: Mondbahn um die Erde E: Sonnenstrahlen Anmerkung: Die Größenverhältnisse der Objekte auf den Grafiken und deren Abstände zueinander entsprechen nicht den natürlichen Verhältnissen.
Der Mond ist eine passive Lichtquelle, er streut das Licht der aktivenLichtquelle Sonne.
Der von der Sonne beschienene Anteil der Mondoberfläche erscheint hell.
Nicht von der Sonne beschienene Anteile der Oberfläche auf der erdzugewandten Seite des Mondes können dennoch sichtbar werden. Denn die Tagseite der Erde reflektiert Sonnenlicht alsErdschein ins All, das auch den Mond erreicht; es wird von dort als sogenanntesaschgraues Mondlicht teilweise wieder zurückgeworfen. Daher ist für einen Beobachter auf der Erde oft nicht nur die beispielsweise sichelförmige Lichtgestalt der Mondphase zu sehen, sondern daneben, viel schwächer, auch die restliche erdzugewandte Oberfläche. Diese ist selbst beiMondfinsternissen noch sichtbar, da das dieErdatmosphäre passierende Sonnenlichtgebrochen wird. Insbesondere langwellige Anteile erreichen daher den Vollmond auch noch im Erdschatten, sodass er, verdunkelt, nun kupferfarbig erscheint.
Die Zeiten für denMondaufgang und Untergang variieren mit den Phasen und (geringfügiger) mit der Jahreszeit. Details sind wegen der Neigung derMondbahnebene zu jener der Erde sowie wegen der geneigten Erdachse kompliziert. Außerdem sind die Abweichungen zwischen der tatsächlichen Sonnenzeit und der Zeitzone, in der sich der Beobachter befindet, zu beachten, insbesondere während der Gültigkeit derSommerzeit:
Bei Neumond geht der Mond in etwa zusammen mit der Sonne am Morgen auf und am Abend unter. Danach findet der Auf- und Untergang von Tag zu Tag durchschnittlich ca. 50 Minuten später statt.
Im ersten Viertel geht der Mond gegen Mittag auf und gegen Mitternacht unter.
Bei Vollmond geht er in der Abenddämmerung auf und in der Morgendämmerung unter und ist die ganze Nacht sichtbar (im Sommer ca. 8 Stunden, im Winter bis zu 16 Stunden).
Im letzten Viertel geht er gegen Mitternacht auf und gegen Mittag unter.
Zunehmender Mond mit 23 Prozent sichtbarer Oberfläche,[9] etwa 4 Tage 16 Stunden nach Neumond aufgenommen am 13. Oktober 2018 am Nachthimmel in Berlin. Eine Viertelstunde vor Untergang steht die Mondsichel nur noch wenige Grad über dem Horizont, weshalb sie, ähnlich wie die tiefstehende Sonne, rötlich erscheint (vgl. → Rayleigh-Streuung).
Im Wandel der Mondphasen wird die irdische Nacht sehr unterschiedlich aufgehellt, und die Astronomen müssen bei Beobachtungen mit optischen Teleskopen die hellen „Mondnächte“ rund umVollmond meist aussparen.
Zu Neumond wird die erdzugewandte Seite des Mondes nicht von der Sonne beschienen, ist also dunkel und geht – überdeckt vom atmosphärischenHimmelsblau – nahe der Sonne mit dieser auf und unter. Sichtbar ist der Neumond nur, wenn eineSonnenfinsternis auftritt, alle paar Jahre am gleichenStandort.
Die sehr schmaleNeulichtsichel steht der Sonne noch so nahe, dass sie nur kurz nach Sonnenuntergang zu sehen sein kann. Einige Tage nach Neumond steht die zunehmende Mondsichel dann abends so hoch, dass sie auch nach Ende derastronomischen Dämmerung über dem Horizont am Nachthimmel beobachtet werden kann. Eine Woche nach Neumond kann der Halbmond schon am gesamten Nachmittag sichtbar sein und scheint die halbe Nacht bis zu seinem Untergang gegen Mitternacht.
Zur starken Lichtwirkung um die Zeit des Vollmondes tragen vier Effekte bei:
Ein Beobachter auf der Erde sieht nun eine vollständig von Sonne beschienene Oberfläche des Mondes leuchten, also die maximale Lichtgestalt der Mondscheibe während eines Phasenzyklus. Dabei hängt derRaumwinkel der Vollmondscheibe auf derHimmelskugel von der jeweiligen Monddistanz ab. InErdnähe stehend erscheint der Mond größer und scheint heller als in Erdferne.
Die Rückstrahlung (Albedo) des Mondes ist nun am stärksten, aus irdischer Perspektive sind die an Unebenheiten der Mondoberfläche geworfenen Schatten dem Blick entzogen, da der Einfallswinkel des auftreffenden Sonnenlichts nahezu dem Betrachtungswinkel entspricht. Dagegen scheint der Halbmond mit nur etwa 1/9 der Vollmondhelligkeit.[10]
Der Mond erreicht nun seinen Höchststand (Kulmination) um Mitternacht, im sonst dunkelsten Teil der Nacht. Bei höherem Mondstand trifft dasMondlicht in steilerem Winkel auf die Erdoberfläche, dieLichtstromdichte ist daher größer und die atmosphärische Streuung des Lichts geringer.
Der Vollmond ist dieganze Nacht über sichtbar und löst sich bei Auf- und Untergang geradewegs mit der Sonne ab.
Ein hochstehender Vollmond, der imWinter häufiger vorkommt, beleuchtet bei klarem Himmel die Erde sogar auf Meereshöhe einige Stunden so hell, dass mit demdunkel-adaptierten menschlichen Auge Farben wahrgenommen werden können, etwa eine Wiese grün erscheint. DieBeleuchtungsstärke beträgt dann bis 0,25 Lux, das 250-fache einer sternklaren Neumondnacht (0,001 Lux).
Je mehr man sich ohne künstliche Lichtquellen (Stadt, elektrischer Strom, Beleuchtung von Fahrzeug und Straße, verborgen durch Berge, Vegetation, ohne Feuer) aufhält, bewegt oder lebt, desto stärker wird man als Sehender von Mondlicht – abhängig von Mondphasen und Bewölkung – in seinen Möglichkeiten nachts beeinflusst. Auf einer einsamen Straße, ohne Schattenwurf von Bäumen, hat man bei Vollmond Sicht, die eigentlich zum Laufen und (einsamen) Radfahren ausreicht und zwar gleichmäßig hell bis zum Horizont. Straßenbeleuchtung und Fahrradlicht ist mit etwa 10 lx oder mehr zumindest 40-mal so hell, doch nur im ausgeleuchteten Bereich. Solche Beleuchtungen lassen daneben die Ausleuchtung der Ferne durch Mondlicht weitgehend verblassen.
In zahlreichen Büchern wird ein Zusammenhang zwischen Mondphasen und verschiedenen Lebenssituationen hergestellt. So soll der Stand des Mondes unter anderem Einfluss auf Unfallhäufigkeit, Komplikationen bei Operationen und Geburten oder auf dasHaarwachstum haben. Für keine derartige Behauptung konnten Studien Belege finden, sie gelten daher alswiderlegt.[11][12]
Insbesondere der angebliche Mondphasenzyklus von 28 Tagen (tatsächlich gut 29,5 Tage) beeinflusst seit über hundert Jahren im deutschsprachigen Raum die Vorstellung von „Biorhythmen“, die sich auf alle Lebensbereiche auswirken sollen.[13] Verbreitet ist vor allem die Meinung, dass ein Zusammenhang zwischen den Mondphasen und der Schlafqualität bestehe. Die Gesamt-Studienlage gilt in diesem Bereich allerdings als dünn und nicht belastbar.[14] Hartnäckig hält sich auch die Überzeugung, dass sich die angebliche durchschnittliche Dauer desMenstruationszyklus der menschlichen Frau von behaupteten 28 Tagen mit dem Mondphasenzyklus von angeblich ebenfalls 28 Tagen erklären ließe. Dabei ist in derGynäkologie seit Langem bekannt, dass der Zyklus schon bei gesunden Frauen zwischen 23 und 35 Tagen schwanken kann.[15] Diese Theorie vermag auch nicht zu erklären, warum die Menstruationszyklen bei den diversen Säugetieren unterschiedlich lang sind und ihre Dauer auch im Durchschnitt stark vom Mondphasenzyklus abweicht.
Entstehung der Gezeitenkräfte durch den Mond: Gezeitenkräfte an der Erdoberfläche als Summe aus derGravitationskraft des Mondes und der durch dieRevolution der Erde um dasBaryzentrum verursachtenZentrifugalkraft. Bezugssystem ist die Erde.
Irrtümlicherweise werden dieGezeiten sehr häufig allein der Gravitation des Mondes zugeschrieben. Die 3-phasig veränderliche Meereshöhe erklärt sich vielmehr aus dem Zusammenspiel von der Gravitation des Mondes plus der Zentrifugalkraft des gemeinsamen Erd-Mond-Massenmittelpunkts, desBaryzentrums, und der Gravitation der Sonne.
DieGezeiten werden durch die Gravitation vor allem des nahen Mondes ausgelöst, der, bedingt durch seine Eigenbewegung, in 29,53 Tagen die Erde einmal weniger oft scheinbar umkreist, als es die Sonne tut. Während eines scheinbaren Mondumlaufs von 24h 49min wird Wasser bei Mondhöchststand einmal zur Flutwelle zusammengezogen (Die tatsächliche ausgebildete Flutwelle läuft als Strömungsvorgang demgegenüber allerdings zeitversetzt um den Äquator der Erde, staut sich an Küsten, schwappt in Verengungen hoch und resoniert stellenweise).
Zentrifugalkraft durch die Bewegung um den Erde-Mond-Massenmittelpunkt
Erde und Mond kreisen um ihren gemeinsamen Schwerpunkt – nicht maßstabsgetreue Illustration
Das Erde-Mond-System besitzt einen gemeinsamen Massenmittelpunkt (Baryzentrum). Dieser liegt auf der Verbindungslinie der Mittelpunkte von Erde und Mond, aufgrund der sehr viel größeren Masse der Erde allerdings imInneren des Erdkörpers. Auf der dem Mond abgewandten Seite wirken den Erdanziehungskräften höhere Zentrifugalkräfte entgegen. Die flüssigen und gasförmigen Elemente werden deshalb „abgeschleudert“. Aus dem Zusammenspiel der Gravitation des Mondes und des Baryzentrums erklärt sich die 2-Phasigkeit (24h 49min) / 2.
Auch die Gravitation der Sonne beeinflusstEbbe undFlut und macht sich bemerkbar in Schwankungen desTidenhubs mit halbmonatlicher Periode (etwa 14,8 Tage). Sowohl zu Vollmond wie auch zu Neumond stehen Mond und Sonne zur Erde auf gleicher Linie, sodass beide Himmelskörper gleichsinnig wirken und es daher zum verstärkten Tidenhub derSpringtide kommt. Dagegen ist der schwächere Tidenhub derNipptide Folge der bei zunehmendem wie bei abnehmendem Halbmond auftretenden Stellung von Mond und Sonne, die dann in Bezug auf die Erde einen rechten Winkel bilden.
Die von Springtide über Nipptide zu Springtide zyklisch auftretenden Tidenhubschwankungen spiegeln den gravitativen Gezeiteneinfluss der Sonne wider. Die Periodenlänge entspricht einer Hälfte des Mondphasenzyklus während einerLunation. Sie folgen dessen Hauptphasen – wegen der unterschiedlich verzögert eintreffenden Gezeitenwelle – mit einem gewissen zeitlichen Versatz (Springverspätung bzw. Nippverspätung), der bei Voraussagen zu berücksichtigen ist. Die Schwankungen in Tidenstieg und Tidenfall werden durch Wirkungen meteorologischer Veränderungen, z. B. von Windstärke und -richtung, überformt.
zunehmender Mond bei einer Elongation von 11° (links) und 14° (rechts) (ohne Bildbearbeitung)
Vor allem die erste Sichtung des zunehmenden Mondes (dasNeulicht) hat für einige Religionen eine besondere kalendarische und religiöse Bedeutung für den Monatsbeginn, dessen Ausrufung bzw. Bestätigung durchPriester wahrgenommen wird. ImIslam bestimmtHilal den Beginn und das Ende desRamadan; imJudentum bestimmt die erste Sichtung den Beginn des neuen Monats (Rosch Chodesch) und das „immerwiederkehrende Werden und Vergehen“.[16]
Theoretisch könnte der Mond am selben Tag vom selbenterrestrischen Ort aus als dünne Sichel des abnehmenden Monds vor Sonnenaufgang und als zunehmendeMondsichel kurz nach Sonnenuntergang sichtbar sein, wenn der Neumond in die Mittagszeit fällt. Innerhalb von 12 Stunden durchwandert der Mond einen Winkel von ca. 6° (d. h. eineElongation von ±3°) um das Sonnenzentrum. ImBabylonischen Talmud gibt es eine (dort umstrittene) Behauptung, dass „zwei Leute den Mond morgens im Osten und abends im Westen“ gesehen hätten.[17][18] Aus der Antike und dem Mittelalter gibt es weitere Behauptungen solcher Ereignisse, die zwar „öfter erörtert, aber nicht wirklich beobachtet worden“ seien.[19]
André Danjon postulierte 1936 eine untere Grenze von 7° (sog.Danjon-Limit), weil der Schatten der Mondberge das Sonnenlicht verdeckt; eine neuere Studie geht von mindestens 5° aus.[20] Auf Basis der physikalischen Eigenschaften des Auges und der Helligkeit der Dämmerung sowie praktischen Messungen belegte eine arabische Studie, dass die erste Sichtbarkeit des wachsenden Monds mit bloßem Auge bei einer Elongation von 7,6° (d. h. 14,95 Stunden nach Neumond) auf einerMeereshöhe des Beobachtungspunkts von 2.200 m möglich ist.[21] Eine Studie desIslamic Crescent Oberservation Project (ICOP) auf Basis von 737 Sichtungen ergab einen Grenzwert von 6,4°.[22]
Mit technischen Hilfsmitteln (Refraktor,Digitalkamera undBildverarbeitung) sowie einem hochliegenden Beobachtungspunkt (1782 m in denAlpen) wurde am 15. Juni 2007 die erste Sichtbarkeit der wachsenden Mondsichel 2,7 Stunden und 3,5 Stunden nach dem geozentrischen Neumond nachgewiesen.[23][24] Am 3. Juli 2008 wurde sie mit Hilfe einer Digitalkamera an derVolkssternwarte München (550 m) für einen Zeitpunkt sieben Stunden nach Neumond belegt.[25]
Eine ältere deutsche Merkregel für die Lichtfigur der Mondphasen basiert auf derdeutschen Schreibschrift: Beim Schreiben des Buchstabensa beginnt man mit einem nach links gewölbten Bogen. Dieser zeigt die Orientierung der schmalen Sichel desabnehmenden Mondes, wie sie von einem Beobachter auf der Nordhalbkugel der Erde gesehen wird. Dasz der Schreibschrift wird dagegen mit einem nach rechts gewölbten Bogen begonnen und steht für denzunehmenden Mond.
abnehmend
zunehmend
Eine lateinische Merkregel lautetluna mentitur (übersetzt: „der Mond lügt“) mit ähnlichem Bezug auf Buchstabenformen: die Mondsichel zeigt uns beim Abnehmen einC wiecrescens (‚zunehmend‘), und sie zeigt uns beim Zunehmen einD wiedecrescens (‚abnehmend‘).
„Liegende“ Sichel des zunehmenden Mondes, wie sie nahe dem Erdäquator beobachtet werden kann (hier von der Südspitze Indiens aus, auf 9,5°nördlicher Breite)
Eine andere Merkregel verwendet die Zeichen „(“, als „Klammerauf“ für „abnehmend“, und „)“, „Klammerzu“ für „zunehmend“, deren Form jeweils die der Mondsichel wiedergibt. Auch die beiden mathematischen Symbole „<“ („kleiner als“; für „abnehmend“) und „>“ („größer als“; für „zunehmend“) eignen sich dafür.
Alle diese Merkregeln gelten in dieser Form nur in mittleren bis hohen nördlichen Breiten; in südlichen mittleren bis hohen Breiten gilt hingegen ihre Umkehrung. Zwischen denWendekreisen sind sie aufgrund der annähernd horizontalen Lage einer Mondsichel beim Auf- und Untergang nur schwer und jahreszeitenabhängig anwendbar.[26]
Sowohl in derAstronomie als auch in derAstrologie gibt esSymbole für die Mondphasen. Diese stellen die Phase als Piktogramm dar. Manchmal werden sie zusätzlich noch mitGesichtern verziert. Da sie europäischen Ursprungs sind, entsprechen sie dem Anblick des Mondes auf der nördlichen Hemisphäre. Auf der südlichen Hemisphäre sieht man den Mond umgekehrt stehen, wodurch die Symbole verwirren können.
Die landläufig bekannten Mondphasen sind von den Begriffennidsigend und obsigend zu unterscheiden. Diese aus demOberdeutschen stammenden Begriffe werden meist alssteigender undfallender Mond übersetzt. Gemeint ist damit, dass dieBahn des Mondes über den Himmel die eine Hälfte des Monats von Tag zu Tag immer höher zu verlaufen scheint, wohingegen während der anderen Monatshälfte das Gegenteil der Fall ist (tropischer Monat).
Die Mondphasen sind unabhängig vom aktuellen Abstand des Mondes zur Erde auf seinerUmlaufbahn. Die Zeitspanne zwischen zwei aufeinanderfolgenden Durchgängen des Mondes durch den erdnächsten Punkt, dasPerigäum, seiner annähernd elliptischen Bahn wird alsanomalistischer Monat bezeichnet und dauert etwa 27,55 Tage. Befindet sich der Mond zur Phase des Vollmonds nahe dem Perigäum, sprechen manche auch von einem „Supermond“.
Da die Dauer eines Monats imgregorianischen Kalender nicht der einessynodischen Monats von etwa 29,53 Tagen entspricht, sondern meistenfalls länger ist, kann innerhalb eines Kalendermonats ein zweites Mal ein Vollmond auftreten, der dann auch„Blue Moon“ genannt wird. Älter ist die Verwendung dieses englischen Ausdrucks als Bezeichnung für den dritten Vollmond in einer (astronomischen)Jahreszeit mit vier Vollmonden. Ähnliche Ereignisse mit Bezug auf den Neumond werden gelegentlich „Black Moon“ genannt.
Ein Vollmond während einer totalenKernschattenfinsternis wird wegen der Färbung auch als „Blutmond“ bezeichnet.
Als phasenabhängige Phänomene können amMondterminator bei einemMondalter von zirka 6,7 Tagen, also kurz vor dem Erreichen des ersten Mondviertels, die visuellen EffekteLunar X undLunar V beobachtet werden. Ebenfalls am Terminator lässt sich bei einem Mondalter von zirka 10,5 Tagen der sogenannteGoldene Henkel beobachten.
Alexander Angermann:Hat der Mond einen Einfluss auf den Operateur? Eine Untersuchung anhand von Hüft-TEP-Operationen. Aus der Orthopädischen Klinik und Poliklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München; Direktor: Volkmar Jansson, München 2011,DNB1014972477 (Dissertation zum Erwerb des Doktorgrades der Medizin an der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität zu München 2011, 58 SeitenVolltext online PDF, 61 Seiten, 1 MB).
↑Im Scheitelpunkt dieses Winkels steht somit die Erde, vergleiche EintragElongation im Spektrum Online-Lexikon der Physik, abgerufen am 7. Dezember 2018.
↑Siehe hierzu: Jörg Mildenberger:Anton Trutmanns „Arzneibuch“. Teil 2:Wörterbuch. Band 5:W – Z (=Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 56.ISSN0344-6948). Königshausen & Neumann, Würzburg 1997, S. 2229.
↑Martin Luther:Sämmtliche Werke. Abtheilung 3:Exegetische deutsche Schriften. Band 10. Nach den ältesten Ausgaben kritisch und historisch bearbeitet von Johann Konrad Irmischer. Heyder, Erlangen 1847, S. 206.
↑Otto Struve, Beverly T. Lynds, Helen Pillans:Astronomie: Einführung in ihre Grundlagen. De Gruyter, 1967,ISBN 978-3-11-154310-9,S.119f. (books.google.com).
↑Elisabeth Raith-Paula, Petra Frank-Hermann, Günter Freundl, Thomas Strowitzki:Natürliche Familienplanung heute. (Modernes Zykluswissen für Beratung und Anwendung). 4., neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Springer, Heidelberg 2008,ISBN 978-3-540-73439-0, S. 131.
↑Reinhold Mayer (Hrsg.):Der Babylonische Talmud (Auswahl). Goldmann, München 1963,S.326.
↑Talmud.Band2, 1918,S.47 (englisch,wikisource.org [abgerufen am 4. Februar 2026] hebräisch:תַּלְמוּד. Übersetzt von Michael Levi Rodkinson):“It happened once that two witnesses came and said: We saw the moon in the eastern part of the heavens in the morning, and in the western part in the evening. R. Jo'hanan b. Nouri declared them to be false witnesses; but when they came to Yamnia, Rabbon Gamaliel received their evidence as valid.”
↑Franz Krojer:Astronomie der Spätantike, die Null und Aryabhata. Differenz-Verlag, München 2009,S.189–196 (Online [PDF;2,5MB; abgerufen am 3. Februar 2026]).
↑Amir Hasanzadeh:Study of Danjon limit in moon crescent sighting. In:Astrophys Space Sci.Band339. Springer, Juni 2012,S.211–221,doi:10.1007/s10509-012-1004-y (englisch).
↑A. Haq Sultan: Hijri Calendar & Lunar Visibility: Physical Approach. (PDF) August 2003, abgerufen am 5. Februar 2026 (englisch): „At site elevation of 2200 m, the crescent could be seen, if it’s elongation greater than or equal to 7.6 degrees.“
↑Mohammad Sh. Odeh:New Criterion for Lunar Crescent Visibility. In:Experimental Astronomy.Band18, 2005,S.39–64,doi:10.1007/s10686-005-9002-5 (englisch,researchgate.net [PDF; abgerufen am 6. Februar 2026]).
↑Ronald Stoyan, Martin Elsässer:Wer fotografiert die schmalste Mondsichel? Der große interstellarum-Foto-Wettbewerb. In:interstellarum.Band56. Oculum, Erlangen Februar 2008,S.34–37 (interstellarum.de [PDF; abgerufen am 13. Februar 2026]).
↑Mohammad Odeh, Yasin Mleaky, Martin Elsässer: Visibility of Rajab Crescent. International Astronomical Centeer, 8. Oktober 2008, abgerufen am 4. Februar 2026 (englisch, siehe Germany (Beobachtung an der Volkssternwarte München)): „The crescent [of 3 July 2008] was first captured at 10:38 UT+2, however, it was not very clear at that time whether this was really the crescent or not, thus another attempt was done at 11:51, and the crescent was clear then. More image processing later on confirmed that the crescent was really first captured at 10:38 UT+2“