DerMohr alsWappenbild wurde neben Türken und Heiden seitFriedrich III. (HRR) in dieHeraldik eingeführt und wird als einegemeine Figur bezeichnet. DerMohr ist in vielenWappenschilden und imOberwappen vertreten, ist in jüngerer Zeit aber wiederholt auch zum Gegenstand politischer Diskussionen geworden.
Dargestellt werden eine menschliche Figur oder Teile davon, besonders der Kopf. Gewählt wird die schwarzeFarbgebung zur Kennzeichnung eines dunkelhäutigen Menschen. Männliche und weibliche Personen werden ins Wappen genommen, und diese erhalten oft blonde, also goldene, aber auch kurze schwarze stark gelockte Haare. Sie können gekrönt sein und beispielsweise imOberwappen alsGecken oder imRumpf erscheinen. In vielen Fällen war der Mohr ein Symbol des HeiligenMauritius, unter anderem Schutzheiliger des Heeres und der Waffenschmiede, dessenPatrozinium im Mittelalter viele Kirchen geweiht waren. Es stehen aber in manchen Fällen auch spezifische Sagen, Legenden oder historische Begebenheiten hinter dem Wappensymbol.
Bereits ein alter Wappenschild der schwäbischen Linie derGrafen von Kirchberg zeigt eine gekrönte Frauengestalt (Jungfrau) mit vermutlich dreiblütiger Blume (Rose, Lilie oder Distel) in der Hand,[1] die zu dieser Zeit als Symbol derTrinität steht, weshalb ein Bezug zuMaria möglich erscheint. Auf einem Siegel des Grafen Konrads von Kirchberg auf einer Urkunde des Klosters Wiblingen aus dem Jahr 1313 hält die gekrönte Jungfrau eine Kugel in der rechten Hand. 1355 wird sie in derZürcher Wappenrolle erstmals farbig als Mohrin dargestellt.[2]
Bei den Kirchbergern erhält die Mohrin spätestens ab dem 15. Jahrhundert statt eines „schwarzen Huts“ eine Bischofsmütze, zunächst anstelle der Krone auf dem Kopf, dann in die Hand. Dies hat allem Anschein nachEberhard von Kirchberg veranlasst, nachdem er 1407 Bischof von Augsburg geworden war.
1488 wirdIllertissen durch KaiserFriedrich III. ein Wappen in Anlehnung an das der damaligen Ortsherren, der Grafen von Kirchberg, verliehen. Dieses zeigte eine schwarz gekleidete Mohrin mit einer schwarzen Bischofsmütze auf dem Kopf, in der Rechten einen grünen Zweig mit drei Blättern, hier wohl allerdings mit drei Disteln. Die Grafen von Kirchberg starben 1520 aus, bald darauf erhielt Illertissen das Wappen der neuen Grundherrn.
Nachdem dieFugger 1507 die Grafschaft Kirchberg und der Herrschaften Weißenhorn, Wullenstetten, Pfaffenhausen und Resten der früheren Grafschaft Marstetten erworben hatten, zeigt auch das Wappen der Grafen Fugger von Kirchberg undWeißenhorn die Kirchberger Mohrin mit Mitra.[3][4][5]
Eine Frau mitMitra zeigt auch noch das Wappen von:Oberkirchberg seit mindestens 1555[6] (aber noch nicht als Mohrin),Unterkirchberg, die aus diesen beiden Ortsteilen gebildete GemeindeIllerkirchberg und desLandkreises Neu-Ulm.
Vor dem Wappen von Illertissen (1488) hatte KaiserFriedrich III. noch weitere Wappen mit einer Mohrin zuerkannt.
Bereits am 17. Dezember 1442 hatte Friedrich dem Innsbrucker Sigmund Rukenhauser ein Wappenschild verliehen, auf dem „ain swarcze Morin bisz an die prust mit ainem gelben geflochten zopphen“[8] abgebildet war. Am 5. Juli 1471 stellte er zu Regensburg dem Georg Swab von Burgbernheim einen Wappenbrief aus. Sowohl im Schild als auch am Helm findet sich das Brustbild einer Mohrin.[9] Am 28. Februar 1472 gab er ein Wappenschild an Claus Newffer, auf der „ain barhawbte morin, becleidt in weyss habende in ir yeder hand auch ein aufrecht gelb salczschewfl und umb ir hawbt ein gepundn fliegen pinden, blab und weysz“[10] zu sehen war. Am 10. März desselben Jahres erhielten Sebald Schreyer und sein Vater Hanns Schreyer ein Wappenschild mit einer „morin on fusz und on arm, in swarcz becleidet vorn mit dreyen gelben gesperren gelben gurtl gollir harpannt einem swarczn geflochten zopfen und gelben ringlein in den oren.“[11] 1487 erhalten noch Hans und Lorenz Mordeisen ein Mohrenwappen.[12]
Noch heute relevant ist das von Kaiser Friedrich III. 1470 an die frühere StadtMöhringen an der Donau verliehene Wappen. Seit 1973 ist Möhringen ein Stadtteil vonTuttlingen. Angeblich machten die Möhringer im 19. Jahrhundert daraus eine weibliche Figur, die Mohrin, die im Volksmund in Anlehnung an den Ortsnamen als „Möhrin“ bezeichnet wird. Aber im Blick auf Friedrich III. ist es möglich, dass es sich auch ursprünglich um eine Mohrin handelte. In Erz gegossen ziert sie in Lebensgröße auch den Hechtbrunnen in der Ortsmitte.
Damit verwandt ist wohl auch das frühere, bis 1977 geltende Wappen des benachbarten OrtesSeitingen.
Wolffskeel’scher Mohr: Das Wappen der AdelsfamilieWolffskeel zeigt einen nach links schreitenden Mohren mit drei roten Rosen. Es erscheint erstmals beim Würzburger FürstbischofWolfram Wolfskeel von Grumbach (1322–1333).Der Tradition nach handelt es sich um den hl.Mauritius.
Die Grabsteine Bischofs Wolframs und seines NeffenOtto II. von Wolfskeel († 1345)[13], der ihm 1333 als Bischof von Würzburg nachfolgte, sind imWürzburger Dom zu sehen. Sein Wappen trägt zwei Mohren, einen, der nach rechts, einen, der nach links schreitet.
Zwei weitere Grabsteine befinden sich heute im Mainfränkischen Museum:
Grumbach’scher Mohr: DieGrumbachs sind gleichen Ursprungs mit den Wolfskeels und führten anfangs auch das gleiche Wappen.
So findet sich auch der Mohr im Wappen und somit auf dem Zeremonienschwert und auf Münzen des Würzburger FürstbischofsJohann III. von Grumbach (Bischof von 1455 bis 1466).[16][17]Als die Wolfskeels eine Wappenänderung forderten, um sich von den ihnen bald unbeliebten Grumbachs unterscheiden zu können, legte derrömisch-deutsche KönigMaximilian I. 1492 fest, dass der Mohr der Grumbacher nach links, der Mohr der Wolfskeels nach rechts schreiten soll.
Das Mohrenwappen findet sich auch auf den zumeist vonRiemenschneider gefertigten Grabmälern folgender Grumbacher Adeliger:
Auch einige andere Ortswappen ehemaliger Besitzungen der Wolffskeels und Grumbachs zeigen daher einen derartigen Mohren.
Davon abhängig ist zum Beispiel derMohr vonUettingen und derMohr vonUnterpleichfeld. Er ist ebenfalls im Wappen des Unterpleichfelder OrtsteilsBurggrumbach zu sehen.
Bis 1974 befand sich der Wolffskeel’sche Mohr auch im Wappen desLandkreises Würzburg
Freisinger Mohr: Auch dasBistum Freising und derLandkreis Freising tragen einen „Mohren“ im Wappen[22]. Der gekrönte Afrikaner („caput aethiopis“) erschien zum ersten Mal 1284 im Wappen des BischofsEmicho Wildgraf von Wittelsbach (1283–1311). Der Titel „Wildgraf von Wittelsbach“ verdeckt, dass er väterlicherseits von denKyrburgern und über seine Großmutter von denKirchbergern abstammt. Bereits sein OnkelKonrad war Bischof von Freising († 1278), so dass ein Bezug zum Kirchberger Wappen naheliegt.
Der Legende nach wurde aber bereits vorherigen Bischöfen, insbesondere BischofOtto von Freising (1112–1158) im Zuge seiner Teilnahme amZweiten Kreuzzug, der Mohr im Wappen verliehen. Otto war Sohn des heiligenBabenbergersLeopold III., Markgraf von Österreich, und der Tochter KaiserHeinrichs IV.,Agnes von Waiblingen, und somit Enkel Kaiser Heinrichs IV. und Onkel KaiserFriedrich Barbarossas. Seine erste Ausbildung erhielt er im ChorherrenstiftKlosterneuburg, das sein Vater 1114 gegründet hatte. Im Jahr 1126 wurde er von diesem zum Propst des Stiftes ernannt, weshalb ein Bezug zumVerduner Altar mit derKönigin von Saba möglich erscheint. Ende des 15. Jahrhunderts ordnete man ihm auf einer Klosterneuburger Wandmalerei selbstverständlich einen Mohren zu. 1586 weist der MalerStephan Andreas Mayr ihm dann ein Wappen mit zwei Mohren zu.[23] Auch dieses Bild befindet sich in Klosterneuburg.
Nach einer verbreiteten Interpretation entstand der Mohr aber aus der Fehldeutung einer Darstellung, auf der eigentlich einfach ein gekröntes Haupt dargestellt war, mit dem Bischof Emicho dieReichsunmittelbarkeit seines Gebiets anzeigen wollte. Denkbar ist, dass es sich eigentlich um ein Porträt desRudolf von Habsburg oder von Emicho selbst handelte. Eine weitere mögliche Herleitung ist der Bezug auf eine Stelle in derApostelgeschichte, wo ein äthiopischerKämmerer von demApostel Philippus getauft wird (Apg. 8,26).
In kolorierter Fassung wurde er dann im Jahr 1316 – eindeutig als „Mohr“ – auf dem Deckblatt des Haus- und Notizbuches von BischofKonrad III. (1314–1322) abgebildet. 1340 findet er sich in derZürcher Wappenrolle bereits unter den Bistumswappen. Bis zur Auflösung desHochstifts Freising im Jahr 1803 stand er dauerhaft im Wappen der Bischöfe von Freising. Ab 1846 durfte das neueErzbistum München-Freising den Mohren wieder im Wappen tragen.
AuchSebastian MünstersCosmographie Universalis mit einem Freisinger Stadtbild von 1550 trägt ein Wappen, das in zwei Wappenvierteln Mohren zeigt, allerdings mit zwei unterschiedlichen Gesichtern.[24]
Zahlreiche Städte und Orte, die früher dem Hochstift Freising angehörten, haben Wappen mit dem „Freisinger Mohr“.
Das Mittenwalder Wappen ist insofern von besonderem Interesse, als es in der Frühform ein Frontalporträt eines Mohrenkopfes bietet. Es wurde 1407 durch den Freisinger BischofBerthold von Wehingen verliehen.
Zusätzlich inNiederösterreich:
VieleFreisinger Bischöfe haben den Mohren in ihr Wappen übernommen, zum Beispiel:
Beim Mohrenlöwen handelt es sich um eine zweiteilige fiktive Wappenfigur, bei der der Oberkörper eines Mohren mit dem Hinterleib eines Löwen zusammengesetzt ist. Der Mohr ist dabei vom Freisinger Wappen abhängig.
Lauinger Mohr: InLauingen (Schwaben) findet sich bereits ein altes Siegel von 1270 im Stadtarchiv, das einen Männerkopf mit langem Haupthaar, Bart und Bügelkrone zeigt, wobei es sich einer Tradition nach umFriedrich Barbarossa handeln soll. 1451 wendet sich der seither mehrmals veränderte Kopf nach rechts ins Profil. Dabei ist erstmals deutlich ein Mohrenkopf mit Halskette, Ohrring und Mauerkrone zu erkennen. Lauingen ist neben Eisenberg auch die Stadt, die gerne alsMohrenstadt bezeichnet wird.
Eine im Hofturm der Stadt Lauingen abgemalte Sage berichtet dagegen für das 10. Jahrhundert:Zur Zeit, als die Heiden oder Hunnen bis nach Schwaben vorgedrungen waren, rückte ihnen der Kaiser mit seinem Heere entgegen und lagerte sich unweit der Donau zwischen Lauingen und dem Schloß Faimingen. Nach mehreren vergeblichen Anfällen von beiden Seiten kamen endlich Christen und Heiden überein, den Streit durch einen Zweikampf entscheiden zu lassen. Der Kaiser wählte den Marschall von Calatin (Pappenheim) zu seinem Kämpfer, der den Auftrag freudig übernahm und nachsann, wie er den Sieg gewiß erringen möchte. Indem trat ein unbekannter Mann zu ihm und sprach: „Was sinnst du? Ich sage dir, daß du nicht für den Kaiser fechten sollst, sondern ein Schuster aus Henfwil (später Lauingen) ist dazu ausersehen.“ Der Calatin versetzte: „Wer bist du? Wie dürfte ich die Ehre dieses Kampfes von mir ablehnen?“ – „Ich bin Georg, Christi Held“, sprach der Unbekannte, „und zum Wahrzeichen nimm meinen Däumling.“ Mit diesen Worten zog er den Däumling von der Hand und gab ihn dem Marschall, welcher ungesäumt damit zum Kaiser ging und den ganzen Vorfall erzählte. Hierauf wurde beschlossen, daß der Schuster gegen den Heiden streiten sollte. Der Schuster übernahm es und besiegte glücklich den Feind. Da gab ihm der Kaiser die Wahl von drei Gnaden sich auszubitten. Der Schuster bat erstens um eine Wiese in der Nähe von Lauingen, daß diese der Stadt als Gemeingut gegeben würde. Zweitens, daß die Stadt mitrotem Wachs siegeln dürfte (welches sonst keinem mittelbaren Ort verstattet war). Drittens, daß die Herrn von Calatin eine Mohrin als Helmkleinod führen dürften. Alles wurde ihm bewilligt und der Daumen St. Georgs sorgfältig von den Pappenheimern aufbewahrt, die eine Hälfte in Gold gefaßt zu Kaisheim, die andre zu Pappenheim.[38]
Diese Sage legt nahe, dass es sich beim Lauinger Mohren ebenfalls um eine Mohrin handelt und das Wappen in direkter Verbindung zum Pappenheimer Wappen steht. Bereits in der Schwäbischen Chronik vonMartin Crusius aus den Jahren 1595/96 wird berichtet, dass KaiserOtto I. damals den schwarzen Mohrenkopf der Calatinen ins Wappen von Lauingen gesetzt habe und den Calatinen nur eine Mohrin zu führen erlaubt haben soll.
DieWeingartner Liederhandschrift aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts weist dem MinnesängerHeinrich von Morungen († um 1220 inLeipzig) ein Mohrenwappen zu. Dieser könnte identisch sein mit dem inThüringen bezeugtenHendricus de Morungen, der dem niederenRittertum angehörte und vermutlich von der BurgMorungen beiSangerhausen stammte.
Das Stadtwappen vonPappenheim zeigt einen Mohrenkopf mit gekräuseltem Haar und einer Stirnbinde. DiePappenheimer Marschälle haben diese Figur in ihre Helmzier aufgenommen. Auf den ältesten (1251) Siegeln der Marschälle[39] findet sich das Haupt wahrscheinlich desHieron II. von Syrakus. Eine Münze mit diesem Männerkopf aus vorchristlicher Zeit diente wohl als Vorbild. Sie trägt auf einem Stadtsiegel 1335 eine Stirnbinde. Aufgrund einer ungenauen Reproduktion sei aus der ursprünglichen Darstellung, die als Kaiserkopf genommen wurde, und da dessen Farben schwarz auf Gold waren, ein Mohrenkopf geworden, so auf einem Siegel 1378, wobei auf dem recht fratzenhaften Gesicht eine hohe dreizackige Krone sitzt.[40]
Interessant ist, dass diesem Kopf im 15. Jahrhundert – in Übereinstimmung mit der oben beim gekrönten Mohren von Lauingen erwähnten Sage[38] – ein weiblicher Oberkörper beigefügt wird, der im 16. Jahrhundert einenZopf oder zwei abstehende Zöpfe hat und später eine Mohrin wird.
Auch die Mohrin im Wappen vonGräfenthal geht auf die Reichserbmarschälle von Pappenheim zurück, denen von 1438 bis 1621 die Grundherrschaft zustand.[41]
Außer bei den Pappenheimern sowie einigen Patriziergeschlechtern findet sich auch noch bei weiteren Wappen ein Mohr oder eine Mohrin in der Helmzier. Sehr häufig wird dies durch die zugehörigen Wappensagen mit einer Mohrenprinzessin in Verbindung gebracht.
DasStammwappen dieses westfälischenUradelsgeschlechts zeigt einen Mohrenrumpf mit roter Spitzmütze.
Der Wappenschild derEbersteiner wird seit etwa dem 15. Jahrhundert geziert von einem offenen Turnierhelm, der wiederum eine weiß bekleidete, goldgekrönte und mit einer weißen Kopfbinde (Zindelbinde) nach orientalischer Art versehene Mohrin ohne Arme als Helmaufsatz trägt. Mitunter wurde die Auffassung vertreten, dieses Element rühre von einer im Zuge der Kreuzzüge gefangen genommenen Mohrenprinzessin her. Da die Ebersteiner seit 1303 als Marschalle des Hochstifts Würzburger Vasallen waren, reichten auch sie einem Aufruf folgend das Wappen 1540 an ihren Lehenhof ein. Dennoch findet sich wie schon vor 1540 auch später – vor allem in derGehofener Linie – noch statt der weißen Kopfbinde ein Zopf oder sogar wehende Haare und statt des weißen Kleides ein blaues.[42]
Im Oberwappen dieser Stadt befindet sich ein Mohr; ebenfalls mit Kopfbinde. Das geht aufdie Sage um gestohlenen Schmuck zurück.
Das AdelsgeschlechtLoeben ist ein altes schlesisches Adelsgeschlecht. Erstmals urkundlich erwähnt wird das Geschlecht im Jahre 1253. Die Wappensage berichtet, die Familie habe bereits im Jahre 733 ihr Wappen von der MohrenköniginPelusa vonMeroe erhalten.[43]
Prittwitz ist der Name eines alten, sehr weit verzweigtenschlesischenAdelsgeschlechts. Es wird im Jahr 1283 urkundlich erstmals erwähnt. Nach der Wappensage handelt es sich um eine Mohrenprinzessin.
Das schlesisch-sächsischen AdelsgeschlechtSack – mitunter auchSäcke genannt – führt im Helm des Wappens das Brustbild einer nackten Mohren-Jungfrau, die über ihren langen Haaren einen Kranz aus roten und weißen Rosen trägt.[44] Der vonJohann Sinapius überlieferte Wappensage zufolge sollen sie„von dem Stamm-Vater, einem streitbaren Deutschen Soldaten, der vor alten Zeiten unter einem Könige in Spanien im Kriege wieder die Mohren bey eingefallenem Proviant-Mangel ein gut Theil Lebens-Mittel in Säcken glücklich erbeutet, die Säcke und das Mohren-Bild ins Wappen, auch nachmahls den Geschlechts-Namen de Sacco oder von Sack daher überkommen haben.“
Das Stammwappen des österreichischen AdelsgeschlechtesKuefstein aus dem Jahr 1599 zeigt in rotem Feld einen nackten Mohren mit Goldkrone und Schwert auf einem goldenen Hügel stehend. Dazu in der Helmzier ein Mohr zwischen zwei geteilten Adlerflügeln. Dies wird auch im späteren Grafenwappen beibehalten. Das Wappen wird mit der Teilnahme an einem Kreuzzug in Verbindung gebracht, was jedoch nicht quellenmäßig belegt ist.
InNeuhof an der Zenn ist die Wappenfigur alsschwarzerWilder Mann definiert und war zwischenzeitlichSchildhalter.
Das AdelsgeschlechtSeydewitz gehört zummeißnischenUradel und wird 1299 urkundlich erwähnt. Das älteste bekannte Wappen zeigt bereits die drei Mohren.[45] In der thüringischen Linie findet sich 1497 im Siegel von Michel von Seydewitz auf Crostewitz im Helm der Kopf und Hals eines Mohren im Profil. Als Hintergrund wird der hl. Mauritius vermutet.[46]
Das Wappen derervon Saalhausen zeigt einen Drachenkopf an dessen Hinterhaupt ein Mohrengesicht abgebildet ist. Es ist das wohl einzige Wappen in deutschen Landen, bei dem eine Doppelköpfigkeit von Fabelwesen und Mensch dargestellt ist. Es sei nach der Anekdote, ein Vorfahre habe im Mohrenland seinen Herrn vor einem Drachenangriff geschützt, entstanden.[47]
Schauensteiner Mohr: In der ersten erhaltenen farbigen Zeichnung des Wappens vonSchauenstein (Oberfranken) aus dem Jahr 1581 ist der vorher schon traditionelle Mann schwarz und hält einen kleinen roten Stein empor. Es ist eindeutig ein Bergmann mit einem Erzbrocken in der Hand, um den Ortsnamen zu verbildlichen: ein zur Schau gestellter Stein. Seit 1692 wird der Bergmann nun als Mohr fehlgedeutet. Ab 1812 ist der Mann nackt dargestellt mit einem Stück Fleisch in der Hand, es gibt auch Abbildungen, auf denen der Mohr einen Spiegel hält.
Einen „Mohren“ zeigt auch das Stadtwappen vonCoburg. Es handelt sich dabei mit großer Wahrscheinlichkeit um eine Darstellung des Stadtpatrons, des HeiligenMauritius, denn die älteste Kirche Coburgs ist zwischen 1150 und Anfang des 14. Jahrhunderts von einer Stephanskirche zurMorizkirche geworden.[48] Ab 1380 hatte dann auch ein Coburger Münzmeister als Meisterzeichen einen Mohrenkopf. 1430 wird der heilige Mauritius – wohl im Zuge derHussiteneinfälle – Schutzpatron der Stadt und ziert seither das Stadtwappen. 1493 taucht in alten Akten das erste Mal das Wort „Mohrenkopf“ auf, als ein Zinnmeister von der Stadt verpflichtet wurde, neben seinem Meisterzeichen seine Ware auch mit dem Mohrenkopf zu versehen. Aus dem Jahr 1521 stammt schließlich der älteste Abdruck des Stadtsiegels mit dem Mohrenkopf. 1575 wird er gemeinsam mit dem Löwen auf ein steinernes Schild des Coburger Rathauses gemeißelt.[49]
Am 30. April 1934[50] wurde dasStadtwappen durch die Nationalsozialisten entfernt und durch ein Wappen mitSchwert ersetzt.[51][52] Ab dem 6. August 1945 fand wieder das frühere Stadtwappen Verwendung,[53] das 1953 in seiner Form verändert und mit dieser Normierung rechtsverbindlich wurde.[54]
Heute gibt es die Ende des 19. Jahrhunderts angelegteMohrenstraße, von 1937 bis 1945 als Straße derSA bezeichnet, mit derMohrenbrücke.
„Coburger Mohr“ ist u. a. der Name einerTanzsportgarde des Coburger Faschings, außerdem sind ein CoburgerStadtmagazin und eineApotheke nach dem Mohren benannt.
Zwickauer Mohr: Auch vonZwickau ist der Stadtpatron der hl. Mauritius, nachdem er bereits 1212 als Patron der Stadtpfarrkirche erwähnt wird. Er ziert seit 1560 als Mohr das sogenannte „Große Wappen“ oder auch „Des Rates Ganzes“.
Der hl. Mauritius als Mohr findet sich auch im Wappen vonAken an der Elbe. Dies ergibt sich aus der engen Anbindung anMagdeburg, wovon Aken ab 1680 sogarImmediatstadt des Magdeburger Herzogtums war.
Sulzener Mohr: Im Stadtwappen vonBad Sulza aus dem Jahr 1907 findet sich der heilige Mauritius in Ritterrüstung, der beim Gemeindezusammenschluss mit Dorfsulza aus dem WappenStadtsulzas übernommen wurde. Im Unterschied zu vorher ist er als Mohr dargestellt. Der hl. Mauritius findet sich bereits im ältesten bekannten Siegel aus dem Jahre 1567 mit einer gefähnelten Lanze in der Hand. Aufnahme fand er wohl alsSchutzpatron derSalzsieder.
Förderstedt, heute Ortsteil der Stadt Staßfurt im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt, hatte im Gemeindewappen den heiligen Mauritius begleitet von einem gekreuzten silbernen Schlägel und Eisen. Er weist auf die Verbindung des Ortes zum Domkapitel Magdeburg hin und war schon in mittelalterlichen Gerichtssiegeln enthalten.
Das Stadtwappen vonKrautheim zeigt unter dem silbernenSchildhaupt mit drei grünen Lindenblättern im gespaltenen Schild vorn in Blau ein silbernesMühlrad und hinten den schwarzen Mohrenkopf in Gold, der den Stadtpatron Mauritius darstellt. Das Stadtpatrozinium rührt von der dem hl. Mauritius geweihten, 1140 erstmals erwähnten und zum Naumburger Moritzkloster gehörigen Kirche her.
Die zum 1. November 2011 gebildeteSamtgemeinde Bevensen-Ebstorf hat in das neue Wappen den hl. Mauritius als Mohr aufgenommen als Hinweis auf das Mitte des 12. Jahrhunderts gegründete und dem hl. Mauritius geweihteKloster Ebstorf.
Um 1361 wurde die Stadt Sandau von Kaiser Karl IV. verpflichtet, dem Erzstift Magdeburg den Huldigungseid zu leisten und dessen Wappen und Schutzpatron in das Siegel aufzunehmen, sieheWappen der Stadt Sandau (Elbe).
Seit Heinrich VII., Graf von Stolberg, seit 1323 Dompropst und Erwählter (zum Erzbischof) in Magdeburg, zeigt das Siegel der Pröbste im Allgemeinen den hl. Mauritius. Von dort aus gelangte der hl. Mauritius wohl auch in Siegel der mit demMagdeburger Domkapitel,Dompropstei und Erzstift verbundenen Ortschaften, nachweislich in Aken, Förderstedt und Sandau auch als „Magdeburger Mohr“ (um 1250) imMagdeburger Dom.
InLivland, z. B. inRiga und dem heutigenTallinn, gab es Niederlassungen der sogenannten „Compagnie der Schwarzen Häupter“ (kurz auchSchwarzhäuptergilde), eine frühe Abspaltung von unverheirateten Mitgliedern der „Großen Gilde“ (14. Jahrhundert). Der Patron der Schwarzhäuptergilde ist der hl. Mauritius. Die Gilde trug daher einen Mohren im Wappen. Andere deuten diesen Namen als Hinweis auf die Farbe des Kopfschutzes der gewappneten Kriegsknechte: der schwarzenSturmhaube, da die Schwarzhäupter auch gemeinsam zur Verteidigung ihrer Städte antraten.
DasSchwarzhäupterhaus in Riga (Gildenhaus) wurde durch die aufwändige Rekonstruktion in den 1990er Jahren bekannt, nachdem das im Jahr 1341 erbaute Gebäude, 600 Jahre später bei einem deutschen Angriff im Jahr 1941 zerstört wurde. An der Pforte des Hauses rechts steht im Blick auf Patron und Wappen ein Mohr.[55]Im Zuge desHitler-Stalin-Paktes von 1939 mussten die deutschstämmigen Schwarzhäupter Riga verlassen und haben heute ihren Sitz in der StadtBremen.
Mehringer Mohr: Das Adelsgeschlecht der Moringer scheint seit dem 8. Jahrhundert im Besitze vonMehring gewesen zu sein. Sie starben allerdings Mitte des 14. Jahrhunderts aus. Im Wappen trugen sie einen Mohren mit roter Kopfbedeckung.
Die Entstehung des Wappens ist dennoch umstritten. Der hier abgebildete Mohrenkopf deutet als Namensursprung auf einen „Mohren“ hin. Andererseits ist es durchaus möglich, dass das Gemeindewappen nur einesinnbildliche Abbildung des Namens widerspiegelt, nicht aber dessen Ursprung. So liegt auch die Vermutung nahe, dass Mehring auf den romanischen Personennamen „Marus“ oder „Morus“ zurückzuführen ist.Eine andere Mutmaßung geht dahin, dass ein arabischer Händler aus Nordafrika sich an der Stelle der heutigen Gemeinde Mehring niedergelassen haben könnte. Fundierte Quellen hierzu oder archäologischen Untersuchungen fehlen jedoch weiterhin. Untermauert werden könnte die Theorie allerdings dadurch, dass tatsächlich in dieser Zeit arabische Händler Handelsbeziehungen bis nach Europa unterhielten. Ob diese Kontakte aber bis nach Südostbayern reichten, ist fraglich. Meist wurden Güter wie z. B. Stoffe über Zwischenhändler, vornehmlich fahrende Kaufleute, in die Provinzen jenseits der Alpen verbracht.
Möhringer Mohr: Zeigte das Stadtteilwappen vonMöhringen bis 1942 einen ungekrönten Mohren, so fand sich ab 1957 darauf ein gekrönter Mohr.Das Wappen wurde wegen seinerrassistischen Konnotation kritisiert und 2023neu gestaltet ohne Mohr.[56]
Eisenberger Mohr: Der Eisenberger Mohr geht auf eine Sage über einen Mohren als Diener des Grafen vonEisenberg zurück, die sich sowohl in einer Standfigur am Marktplatz als auch im Wappen niederschlug, interessanterweise als „korsischer Mohr“ mit verbundenen Augen.[57] Mitunter wird Eisenberg ebenso wie die Stadt Lauingen daher auchMohrenstadt genannt.
Ober-Mörler Mohren: Die historisch exakte Herkunft der Mohren im Wappen vonOber-Mörlen ist nicht geklärt. Jedoch entstand das aktuelle Gemeindewappen auf Basis der Wappenfiguren (Sparren derHerren von Eppstein,Kurmainzer Rad und dem Mohren) einesGerichtssiegels aus dem Jahr 1716.ImCodex Laureshamensis, einem Kopialbuch des 12. Jahrhunderts, findet sich für das Jahr 790 die Bezeichnung „Moruller Marca“[58] was meist als „Mark des Mohren“ gedeutet wird. An das Wappen angelehnt tritt derMohr von Mörlau seit 1948 als Figur derOber-Mörler Fassenacht auf; in früheren Zeiten imDienerlivree (ähnlich dem ehemaligen Markenlogo„Sarotti-Mohr“), in den Jahren 2003 bis 2009 begleitete er in seinem „orientalischen“ Fantasie-Kostüm (siehe rechts) das jeweilige Ober-Mörler Prinzenpaar bei seinen offiziellen Auftritten.
Die Nürnberger PatrizierfamilieTucher von Simmelsdorf hatte sehr bald einen Mohren im Familienwappen, der auch zum Markenzeichen der mit ihr verbundenen Brauerei wurde. Wohl erstmals findet sich das Wappen im unteren Teil einer auf 1345 datierten, gestifteten Bartholomäus-Apostelfigur in der NürnbergerSebaldus-Kirche. Im Nürnberger Tucherschlösschen befindet sich eine Wappenscheibe von 1480 mit einem Mohr, der eine mit Rosetten besetzte rote Stirnbinde über einer merkwürdigen, unter dem Kinn gebundenen weißen Haube trägt.[59]
Die Tucher waren von kurz nach 1420 im Besitz des Schlosses vonHaimendorf, zu demRockenbrunn und die KapelleSt. Mauritius auf demMoritzberg in der Frankenalb gehörte. Die Kapelle hatte der Nürnberger PatrizierHerdegen Valzner 1419 errichten lassen. Der Besitz ging 1476 durch Heirat von Anna Tucher mit Sigmund Fürer an dieFürer von Haimendorf.[60] Am Jagdschloss in Rockenbrunn ist noch im Jahr 1653 ein Tucher-Wappen angebracht worden.
Die Nürnberger LandgemeindeSimmelsdorf, in dem die Tucher seit 1598 einen Stammsitz hatten, hat aufgrund der historischen Verbundenheit mit dieser Familie einen Mohren ins Wappen aufgenommen.
DieHolzschuher von Harrlach gehören auch zu den ältesten nachweisbaren Patrizierfamilien der Freien Reichsstadt Nürnberg und wurden 1228 erstmals urkundlich erwähnt. Sie führen einen Holzschuh im Wappen und einen rotgekleideten Mohren(rumpf) mit Spitzhut als Helmzier.
DiePatrizierfamilieHaller von Hallerstein gehörte zu den ältesten derFreien ReichsstadtNürnberg. Urkundlich 1293 erwähnt. Sie führen als Helmzier den Rumpf einer nackten Jungfrau (Maurin) mit langem schwarzem Zopf, fliegender silberner Stirnbinde und goldenen Ohrringen.
DiePömer von Diepoltsdorf waren eine Patrizierfamilie, die erstmals um 1286 urkundlich erwähnt wurde. Als Helmzier Mohr mit wehendem Kopftuch.
Das aus Siebenbürgen stammende, ehemalsvon Trauttenburg heißende, und vor 1225 in Nürnberg nachweisbare Patriziergeschlecht derSchürstab[61] zeigt eine Mohrin oder einen Mohren als Bischof.
Drei Mohren zeigt das Wappen vonStrullendorf. Sie stammen aus dem Wappen der Nürnberger Patrizierfamilie Tockler (auch Dockler oder Toggler geschrieben)[62], die wohl aus Bamberg stammten und dort noch den sogenannten Tocklerhof besaßen.
Die Herkunft derWinkler von Mohrenfels ist unklar. Sie sollen ursprünglich ausNürnberg stammen und wurden laut Familienüberlieferung mit Ulrich Winkler 1156 erstmals urkundlich erwähnt. Für die Nürnberger Herkunft spricht auch, dass sie mehrfach unter den Nürnberger Familien geführt werden, so zum Beispiel in der Egidienkirche inErlangen-Eltersdorf. Sie besaßen Güter in Zeckern,Hemhofen, Buch undUttenreuth. Seit 1722 besaßen sie auch das dortige Schloss, weshalb der Winklersche Mohr auf dem Felsen auch in das Wappen von Hemhofen aufgenommen worden ist.
Das Wappen der Patrizierfamilie Reitmoor in München zeigt seit dem 15./16. Jahrhundert einen nackten Mohr auf einem springenden Hirschen.[63]
Die Herren „Mohr vom Wald“ beiDaun nahmen um 1482 ein horizontal zweigeteiltes Wappen an, der obere Teil gold und schwarz geschacht, der untere gold. DasZimier war eine Mohrenbüste ohne Arme, gekleidet in den Farben des Schilds. Das Rittergeschlecht derer von Mohr von Wald geht auf das 12. Jahrhundert zurück, die sich ab 1241 nach ihren Besitzungen im Peterswald „de Walda“ nannten.[64] Als Wappenträger dieser Familie ist unter anderem der SpeyrerLothar Friedrich Mohr von Wald bekannt.
In der zwischen 1335 und 1345 entstandenenZürcher Wappenrolle kommen auf dem Schild selbst oder im Wappenzier insgesamt neun Mohren vor: das vonSchönegg, das vonGundelsdorf, das vonSenn (Send), das vonIttendorf, das vonMandach und das von Kirchberg (Kilchberg), das von Freising sowie zwei unbestimmte.[65]
In heutigen Wappen findet sich der Mohr in folgenden Gemeinden:
Zudem findet sich der Mohr im Wappen der BernerZunft zum Mohren. Aufgrund des kolonialen Hintergrundes gab es um dieses Wappen zuletzt Auseinandersetzungen in der Berner Lokalpolitik.[67]
Der Eichstätter FürstbischofRaymund Anton Graf von Strasoldo (1757–1781) hatte nach allgemeiner Deutung in zwei Vierteln seines Wappens das Brustbild einer Mohrin mit silberner Stirnbinde mit abflatternden Bändern sowie roten Ohrringen. Das Stammwappen derer von Strasoldo, Uradel aus der MarkgrafschaftFriaul, zeigt noch einen wachsenden Äthiopier mit kurzen und eine wachsende Äthiopierin mit langen Haaren. 1641/1673 kommt beim Äthiopier eine silberne Kopfbinde hinzu, dann auch bei der Äthiopierin.[68]
Bereits alte spanische Chroniken berichten davon, dassPeter I. in derSchlacht von Alcoraz viermaurische Könige enthaupten ließ. Entweder er selbst oder sein Nachfolger hätte diese Köpfe in seinen Wappenschild aufnehmen lassen, als Symbol für dieRückeroberung vier ehemals maurischer Gebiete.Spätestens 1281 führtePeter III., König von Aragon (Spanien), endgültig dieses Hoheitszeichen ein, das dann lange Zeit als Siegel verwendet wurde. Es handelt sich jeweils um einen weißen Schild mit dem roten St.-Georgs-Kreuz und den Köpfen von vier Mohren mit weißem Stirnband.
Das Landeswappen der italienischen InselSardinien zeigt wie das aragonische Wappen vier maurische Köpfe. DasKönigreich Sardinien war seit dem 14. Jahrhundert ein aragonesisches Vizekönigreich, doch erst im 17. Jahrhundert wurde das ursprünglich aragonische Wappen durchPhilipp IV. von Spanien offiziell für Sardinien eingeführt, indem er es auf Münzen prägen ließ.
Das Landeswappen der französischen InselKorsika zeigt ebenfalls einen Kopf eines „Mohren“ oder Mauren (Testa Maura). Er wird in Verbindung gebracht mit dem Kampf gegen die sarazenischen Mauren im 9. und 10. Jahrhundert. Eine sagenhafte Gestalt des damaligen korsischen Widerstandes warUgo Colonna. Dieser soll auch den MohrenkönigNugalon bezwungen und danach alle heidnischen Korsen haben taufen lassen (Zwangstaufe). Diese maurische Herrschaft spiegelt sich in korsischen Ortsnamen wieCampomoro,Morosaglia,Morsiglia usw. wider. Schon bald darauf tauchte der Mohrenkopf in diversen Siegeln und Wappen auf. Doch erst1762 wurde der Mohrenkopf mit Stirnband vonPascal Paoli und der von ihm geleitetenConsulta zum offiziellen Wappen und Symbol für den Freiheitskampf der Korsen bestimmt. Der Legende nach geht dieses Symbol auf einen Kampf zwischen einem arabischen Herrscher, einem Mauren, und einem Korsen um dessen Verlobte zurück, die der Maure entführt hatte. Im Kampf blieb der Korse siegreich, und er schlug dem Mauren den Kopf ab, spießte ihn auf eine Lanze und reckte ihn hoch in den Himmel. Das Stirnband geht dagegen auf eine andere Legende zurück. Nach dem Sieg derPisaner undGenueser über die Mauren sollte ein maurischer Gefangener hingerichtet werden, dem dazu die Augen mit einem weißen Tuch verbunden wurden. Der Maure wollte aber sehenden Auges sterben und schob daher das Tuch hoch zur Stirn. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Fahne vom König von Aragon eingeführt wurde.
Vincentellu d’Istria, der für Aragon und gegen die pisanischen und genuesischen Besatzer kämpfte, brachte es bis zum Vize-König. Er wurde aber von den Besatzern geschlagen und in Genua hingerichtet; dennoch wird dieser Kampf heute als Beginn der korsischen Monarchiebewegung angesehen.
Als dann der deutsche BaronTheodor von Neuhoff sich am 12. März 1736 selbst zum ersten und einzigenKönig Korsikas machte, führte er bei seinem Triumphzug durch Korsika ein Porträt seiner Person mit, auf dem unten ein Wappen abgebildet war, das auf dem Schild den nach rechts gerichteten Kopf eines Mohren mit verbundenen Augen und einer Kette um den Hals zeigte.
Erst Paoli hat das Tuch als Zeichen der Freiheit zum Stirnband umfunktioniert und etwas später auch die Halskette weggenommen.[69]
Da sich die Puccis in ihrer Stammlinie auf dieSarazenen zurückführen, führen sie einen sogenannten „Mohrenkopf“ in ihrem Wappen. Besonders bekannt wurde dies durch das Kardinalswappen vonLorenzo Pucci im 16. Jahrhundert.
Auch das portugiesischeKönigreich Algarve führte zunächst zwei Mohren im Wappen, die den aragonesisch-sardinisch-korsischen Mohren ähnelten. Später wurden die Schwarzen in den Wappenfeldern jedoch durch mehr arabisch aussehende Mauren ersetzt. Auch in den einzelnen Wappen bzw. Flaggen mehrerer Orte der Algarve und im Wappen vonÉvora haben sich diese arabisch-berberischen Mauren-Köpfe bis heute erhalten, so inAlbufeira,Alcoutim,Aljezur,Benafim,Carvoeiro,Castro Marim,Estômbar,Lagoa,Loulé,Monchique,Olhão,Portimão,São Brás de Alportel,São Marcos da Serra,Silves,Tavira,Vila do Bispo,Vila Nova de Cacela undVila Real de Santo António.
Unter allenWappen der Kolonien Portugals wurde besonders das Wappen fürPortugiesisch-Guinea (das heutigeGuinea-Bissau) von dessen afrikanischen Bewohnern als eine Provokation angesehen, da es einen goldenen Stab enthielt, den Portugals König Alfons V. einst anlässlich der Inbesitznahme Guineas hatte anfertigen lassen. Als eigentliche Provokation wurde dabei empfunden, dass an der Spitze des Stabes ein (abgeschlagener) Mohrenkopf prangte.[70] Auch die Wappen vonBissau, der Hauptstadt der Kolonie, undFarim enthielten Darstellungen von Mohrenköpfen.
Die Wasserzeichenkartei Piccard, die der Datierung von mittelalterlichen Codices dient, kennt mehrere Mohrenköpfe
Heraldik