Chatami studierteTheologie inGhom undPhilosophie inIsfahan und führt den Rang einesHodschatoleslam val-moslemin („Beweis des Islam und der Muslime“). Ab 1978 war er Direktor desIslamischen Zentrums Hamburg. Nach seiner Rückkehr nach Iran wurde er 1980 Abgeordneter desMadschles sowie 1981Minister für islamische Kultur und erwarb sich den Ruf eines gemäßigt islamischen Intellektuellen. Wegen Differenzen mit Radikalen trat er 1992 von seinem Amt zurück und wurde Direktor derNationalbibliothek inTeheran. Sein Nachfolger als Minister wurdeAli Laridschani.
Seinen überraschend eindeutigen Sieg bei denPräsidentschaftswahlen 1997 mit einem Stimmenanteil von 70 %[1] verdankte Chatami zu einem großen Teil den weiblichen und jungen Wählern, da er vor der Wahl versprochen hatte, deren Rechte deutlich zu stärken. Er war Kandidat der zweitstärksten ParteiDiener des Wiederaufbaus und schlug überraschend den FavoritenAli Akbar Nateq Nuri, einen radikalenMullah. Am 3. August übernahm er das Amt vonAli Akbar Hāschemi Rafsandschāni, der nach zwei Amtszeiten nicht mehr hatte kandidieren dürfen. Chatami stieß mit seinen Reformbestrebungen auf großen Widerstand der Religiöskonservativen und enttäuschte manche seiner Wähler. Dennoch wurde er bei denPräsidentenwahlen 2001 mit der deutlichen Mehrheit von 78,3 % wiedergewählt; sein direkter Gegner,Ahmad Tavakkoli, kam auf 15,9 %.
Chatami gilt als erster Reformer im Amt des Staatspräsidenten, da er seine Wahlkampagne aufRechtsstaatlichkeit,Demokratie undGleichberechtigung aufbaute. Diese Grundsätze führten zu Konflikten mit denislamistischen Kräften der iranischen Staatsführung.[2] In einem Gesetzesvorschlag zur Begrenzung der Macht desWächterrates berief er sich auf Artikel 113[3] der Verfassung der Islamischen Republik, in dem es heißt, der Staatspräsident sei nach demRevolutionsführer der ranghöchste Vertreter des Staates und habe neben der Führung der Exekutive die Aufgabe, die Einhaltung der Verfassung zu kontrollieren.[4] Der Wächterrat legte gegen diesen Gesetzesvorschlag jedoch Veto ein.
Am 8. Februar 2009 erklärte Chatami seine erneute Kandidatur zurWahl des iranischen Staatspräsidenten im Juni des Jahres.[5] Durch das Ansinnen seiner Anhänger aus dem Reformlager gedrängt, soll er geantwortet haben: „Man kann doch schlecht Nein sagen, wenn alle ein Ja wollen.“[6] Am 16. März 2009 gab er bekannt, dass er doch nicht als Kandidat antreten werde, dafür den gemäßigten KandidatenMir Hossein Mussawi unterstützen wolle,[7] um eine „Spaltung der Wählerschaft zu vermeiden“.[8]
Iranische Sicherheitskräfte vereitelten am 31. Mai einen Bombenanschlag auf eine iranische Passagiermaschine. Eine Viertelstunde nach dem Start der mit 131 Passagieren besetzten Maschine entdecktenFlugsicherheitsbegleiter einen selbstgebauten Sprengsatz in einer der Flugzeugtoiletten.[9] Unter den Passagieren sollte sich ursprünglich Chatami befinden. Dieser nahm jedoch aus unbekannten Gründen einen früheren Flug.[10]
2003 in Genf während der Pressekonferenz zumWSISChatami am 27. Februar 2004 inCaracas
In einem Interview mit derCNN-ReporterinChristiane Amanpour im Januar 1998 lobte Chatami die amerikanische Zivilisation und zollte „dem großen amerikanischen Volk“ seinen Respekt.[11] Für diese Äußerung wurde er später von der ZeitschriftDschomhuri-ye Eslami mit den Worten kritisiert: „Der Präsident hat alles gesagt, bis auf das, was er hätte sagen sollen.“
Bei einem Besuch inWeimar warb er am 12. Juli 2000 in einer Rede[12] für einen Dialog zwischenOrient undOkzident und „vor allen Dingen die Suche nach mitfühlendem und vertrauensvollem Kontakt“.[13] Auf seine Initiative hin riefen die Vereinten Nationen in der Generalversammlung vom 4. November 1998 das Jahr 2001 zumInternationalen Jahr des Dialoges der Kulturen aus.[14]
Im Mai 2003 versuchte Chatami, anscheinend in Absprache mit RevolutionsführerAli Chamenei, die stockenden Verhandlungen im Atomstreit aufzubrechen. Das als „Schweizer Memo“ bekannte Fax[15] des Schweizer BotschaftersTim Guldimann[16] – die Schweiz übernimmt seit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Iran und denVereinigten Staaten „gute Dienste“ – habe derUS-AußenministerColin Powell „im Weißen Haus nicht verkaufen“ können.[17]
Im Zusammenhang mit den Unruhen in der islamischen Welt nach derRegensburger Rede von PapstBenedikt XVI. gehörte Chatami zu den moderaten Stimmen. Er sprach sich dafür aus, „die Rede erst einmal zu lesen, ehe man sie kritisiert“.[19] Chatami wurde am 5. April 2007 von Benedikt XVI. unter ausdrücklicher Würdigung als „moderater Reformer“ in einer Privataudienz im Vatikan empfangen.[19]
Im Unterschied zu manch anderen iranischen Politikern und Geistlichen bestätigt Chatami denHolocaust als „absolute, historische Tatsache“.[20]
Chatamis Vater, derAjatollah Ruhollah Chatami, war ein hochrangiger Kleriker inYazd. Mohammad Chatami ist seit 1974 mit Zohreh Sadeghi, der Tochter eines Religionsgelehrten und Nichte vonMusa as-Sadr, verheiratet. Der Ehe entsprangen zwei Töchter und ein Sohn: Leila (geboren 1975, hat eine Professur in Mathematik), Narges (geboren 1982) und Emad (geboren 1988); zudem adoptierte die Familie den Sohn Mehdi.
Chatamis jüngerer Bruder,Mohammad-Reza Chatami, wurde als einer der Ersten für dasParlament der sechsten Wahlperiode gewählt, dabei erhielt er den Posten des stellvertretenden Madschles-Sprechers. Mohammad-Reza Chatami ist mitZahra Eshraghi, der EnkelinChomeinis, verheiratet, Führer einer reformistischen Partei und regimekritisch. Chatamis älterer Bruder, Ali Chatami, mit dem Diplomabschluss Wirtschaftsingenieurwesen ist Geschäftsmann. Chatamis ältere Schwester, Fatemeh Chatami, wurde 1999 in das Stadtparlament von Ardakan gewählt.
↑Orient und Okzident in Weimar. In: studien-von-zeitfragen.net. 12. Juli 2000, abgerufen am 24. August 2025 (Die Rede des iranischen Präsidenten Mohammed Chatami in Weimar).
↑Roland Bernecker:»Dialog zwischen den Kulturen«. Das Internationale Jahr 2001 der Vereinten Nationen. In:Kulturpolitische Mitteilungen.Band91,Nr.IV, 2000,S.30 (archive.org [PDF]).
↑Roadmap. (pdf) 4. Mai 2003, abgerufen am 24. August 2025 (englisch).