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Modenarr

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„Junger Stutzer“ (15. Jh.)

AlsModenarr, altertümlich auchStutzer,Fant,Laffe[1] oderGeck, wird ein Mensch bezeichnet, der mit übertriebener,affektiert wirkenderEleganzsozialeAufmerksamkeit erzielen will.

Wortgeschichte

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DerAdelung um 1800 sagt überStutzer:

„Von stutzen, in Kleidern prangen, ist Stutzer, derjenige, welcher andere seines Standes in zierlichen Kleidern zu übertreffen sucht.“[2]

GeorgesKleines deutsch-lateinisches Handwörterbuch von 1910 gibt knapp: „Stutzer,homo elegans od.elegantior (der in seiner Kleidung etc. wählerisch ist)“[3] und fügt an: „bellus homunculus (ein nettes Kerlchen)“.

Geck, im Mittelalter noch ‚Narr‘ im Sinne ‚Spaßmacher‘, so beimGecken in der Heraldik, wird hingegen von Adelung mit „ein alberner, thörichter Mensch, ein Narr“[4] definiert, bei Pierer um 1860 „ein Narr, der seine vermeinten Ansprüche auf Vorzüge vor Anderen zur Schau trägt, sich aber dadurch lächerlich macht“,[5] aberStutzer schon als „ein Mensch, welcher sich mit übertriebener Sorgfalt u. Zierlichkeit kleidet, sich gern putzt; Modenarr, Geck“[6] weitgehend bedeutungsgleich –putzen hier im alten Sinne ‚schmücken‘, vergleiche „Kopfputz“.

DerBrockhaus von 1837 etwa – in der Tradition des „erbaulichen und der Bildung dienlichen“[7] –Conversationslexikons definiert:

„Stutzer bezeichnet einen eitlen Menschen, welcher sich besonders durch eine der neuesten Mode angemessene, ja dieselbe übertreibende Kleidung auszuzeichnen sucht. Zwar unterscheidet sich der Stutzer noch dadurch von dem Gecken, daß seine Eitelkeit nicht zur Widerwärtigkeit wird, sich auf die Kleidung beschränkt und in der Übertreibung der Mode nicht geschmacklos sich zeigt, doch verräth er mit seiner Eitelkeit immer einen schwachen, unausgebildeten oder verkehrten Verstand, und wird mit Recht von dem Verständigen belächelt.“[8]

Meyers Großes Konversations-Lexikon von 1907 verweist das WortStutzer schon nur mehr auf das SchlagwortGeck und führt dort aus: „Geck, ursprünglich Narr und in diesem Sinne noch jetzt am Rhein für Faschingsnarr [heute:Jeck, Anm.], dann im übertragenen Sinne Modenarr, Stutzer.“[9]

Das noch ältere deutsche WortFant steht zuinfans ‚Knabe‘[10], wie auch viele der historischen Ausdrücke eng mit Jugendbegriffen verbunden sind, und – offen oder unterstellt – auch in RichtungHomosexualität zielen.

Kulturgeschichte

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Pantalone

In derCommedia dell’arte findet sich als prototypischer selbstverliebte Modenarr derPantalone (nicht sicher von ‚Hose‘).

Das Meyersche Lexikon gibt um die Jahrhundertwende:

„Seitdem Paris auf dem Gebiete der Mode, insbes. der modischen Kleidung, tonangebend geworden, hat es eine Reihe von Geckentypen geschaffen, die, den Charakter ihrer Zeit widerspiegelnd, für den Kulturhistoriker interessant sind: Denmignons Heinrichs III. folgten unterHeinrich IV. undLudwig XIII. diemuguets, unterLudwig XIV. dieraffinés undpetits-maîtres. Das sittenlose Zeitalter derRegentschaft sowie der KönigeLudwig XV. undLudwig XVI. charakterisierten dieroués,musqués undmirliflors, die unter demDirektorium und ersten Kaiserreich abgelöst wurden durch diemuscadius,merveilleux, incroyables undpetits-sucrés. Im ZeitalterLudwigs XVIII. undKarls X. herrschen diegandins,werthers undlions. Die in den 1840er Jahren beginnende Anglomanie wird gekennzeichnet durch diedandys undfashionables, denen unter demzweiten Kaiserreich diepetits-crevés u.cocodès, nach 1870 diegommeux,petits-gras,vibrions etc. folgten. Das moderne Geckentum Deutschlands fand seinen Vertreter in dem Wiener »Gigerl«.“[9]

Moderne Ausdrücke, wenngleich mit unterschiedlicherKonnotation, sind im FranzösischenBeau (‚Schönling‘, heute eher im SinnePlayboy), im ÖsterreichischenFeschak und im FlämischenManneken, dem später im Französischen verwendetenMannequin. Eine neuere Bezeichnung mit etwas anderem Bedeutungsgehalt (nämlich nicht nur auf Mode bezogen, sondern allgemein ein angeberisches, selbstdarstellendes Verhalten bezeichnend) ist der BegriffPoser. Ebenfalls zu nennen und wiederum rein auf den Bereich der Mode begrenzt ist hierStyler.

Siehe auch

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Literatur

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Einzelnachweise

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  1. Laffe. Duden.de
  2. Johann Christoph Adelung:Stutzer, der. In:Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart. 2. Auflage.Band 4:Seb–Z. Breitkopf, Leipzig 1801,S. 491 (Digitalisat.zeno.org). 
  3. Karl Ernst Georges:Stutzer. In:Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch. 8., verbesserte und vermehrte Auflage.Band :. Hahnsche Buchhandlung, Hannover,Sp. 2251 (Digitalisat.zeno.org). 
  4. Johann Christoph Adelung:Gêck, der. [2]. In:Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart. 2. Auflage.Band 2:F–L. Breitkopf, Leipzig 1796,S. 459–460 (Digitalisat.zeno.org). 
  5. Geck. 1). In:Heinrich August Pierer,Julius Löbe (Hrsg.):Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit. 4. Auflage.Band 7:Gascognisches Meer–Hannok. Altenburg 1859,S. 37 (Digitalisat.zeno.org). 
  6. Stutzer. 4). In:Heinrich August Pierer,Julius Löbe (Hrsg.):Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit. 4. Auflage.Band 17:Stückgießerei–Türkische Regenkugel. Altenburg 1863,S. 20 (Digitalisat.zeno.org). 
  7. „… im wahren Sinne des Worts ein »Handbuch zur Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse und zur Unterhaltung« …“Vorwort. In:Brockhaus’ Kleines Konversations-Lexikon. 1. Auflage.Band 1:A–E. Brockhaus, Leipzig 1837,S. V5–VII7 (Digitalisat.zeno.org). 
  8. Stutzer. In:Brockhaus’ Kleines Konversations-Lexikon. 1. Auflage.Band 4:S–Z. Brockhaus, Leipzig 1841,S. 324 (Digitalisat.zeno.org). 
  9. abGeck. In:Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage.Band 7:Franzensbad–Glashaus. Bibliographisches Institut, Leipzig / Wien 1907,S. 423 (Digitalisat.zeno.org – Artikel verweist auf Tafel »Kostüme III«, Fig. 12). 
  10. Johann Christoph Adelung:Fänt, der. In:Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart. 2. Auflage.Band 2:F–L. Breitkopf, Leipzig 1796,S. 41 (Digitalisat.zeno.org). 
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