Microsoft Windows Me ist das letzte vonMicrosoft veröffentlichteBetriebssystem aus derWindows-9x-Linie, das aufMS-DOS aufsetzt.[1] Die AbkürzungMe steht fürMillennium Edition (Jahrtausend-Ausgabe).[2]
Ursprünglich sollteWindows 98 das letzte Betriebssystem der Windows-9x-Linie werden; ein Nachfolger vonWindows NT 5.0, dem späterenWindows 2000, sollte die NT- und 9x-Linien zusammenführen. Die Entwicklung von NT 5.0 war jedoch von massiven Verzögerungen betroffen, die auch die Veröffentlichung des Nachfolgers in weite Ferne rücken ließen.[3] Im März 1999 organisierte Microsoft seine Unternehmensstruktur neu und spaltete vom bisherigen Windows-Team, das mit der Entwicklung von Windows 2000 beschäftigt war, ein Entwicklerteam ab, das sich auf Windows für Heimanwender konzentrieren sollte. Die Öffentlichkeit interpretierte dies zunächst als Plan, eine Version von Windows 2000 für Heimanwender zu entwickeln, aber am 7. April 1999 kündigte Microsoft völlig überraschend an, nun doch einen Nachfolger von Windows 98 zu veröffentlichen, der unter der BezeichnungMillennium bekannt wurde.[4] Dieser plötzliche Umschwung hatte mehrere Gründe. Die Systemanforderungen von Windows 2000 galten weiterhin als zu hoch für Heimanwender, und die Hardware- und Softwareunterstützung war nicht so gut wie bei Windows 9x. Außerdem benötigte die Zielgruppe der Heimanwender nach Ansicht der Entwickler keine der erweiterten Funktionen von Windows 2000 wie etwa einenVerzeichnisdienst, die das Betriebssystem nur aufblähten.[5]
Kurz darauf versuchten die Entwickler, Ideen zu sammeln, die in das neue Produkt einfließen könnten. Diese resultierten in der ersten Vorversion des Betriebssystems, das am 23. Juli 1999 präsentiert wurde. Die Ziele, die sich das Entwicklerteam setzte, waren eine bessere Multimediaunterstützung, eine tiefere Einbindung in das Internet und eine einfachere Einrichtung von Heimnetzwerken. Das Produkt sollte funktionieren, ohne dass sich der Benutzer tiefer mit dem Betriebssystem beschäftigen muss.[4] Um dies zu gewährleisten, sollte das Betriebssystem sogenannte Aktivitätszentren (englischActivity Center) beinhalten. Diese sollten durch eine intuitive,HTML-basierte Bedienung auch seltener benutzte Funktionen, wie das Bearbeiten von Bildern, vereinfachen. Aufgrund von Problemen mit der Einbindung dieser Aktivitätszentren in das Betriebssystem musste das Konzept jedoch verworfen werden; lediglich die Windows-Hilfe sowie dieSystemwiederherstellung stellen letzte Überreste der Aktivitätszentren dar.[6]
Im September 1999 folgte der ersteBetatest des Betriebssystems. Ausführliche Berichte über das Betriebssystem lehnte Microsoft jedoch mit der Begründung ab, diese Beta-Version stelle noch nicht den Funktionsstand der Endversion dar. Dies änderte sich erst am 24. November 1999, als die zweite Beta-Version des Betriebssystems veröffentlicht wurde. Die Entwicklung stockte kurz danach, da sich die Entwickler entschieden, denTCP/IP-Protokollstapel von Windows 2000 zu portieren, was viel Zeit beanspruchte. Am 1. Februar 2000 schließlich kündigte Microsoft den endgültigen Namen des Betriebssystems,Microsoft Windows Millennium Edition, an.[4] Die enge Konzentrierung auf Heimanwender brachte dem Betriebssystem während der Entwicklung Kritik von zahlreichen Fachzeitschriften ein. Ursprünglich sollte das Betriebssystem nicht anMSDN-Abonnenten verteilt werden, was Microsoft aber nach Protesten änderte. Auch derNetWare-Client würde nun doch Bestandteil des Betriebssystems werden.[4]
Am 11. April 2000 folgte ein dritter Betatest. Probleme mit dem Windows Media Player und dem Internet Explorer sorgten für Verzögerungen im Entwicklungsprozess, sodass dasEntwicklungsstadium nicht wie ursprünglich vorgesehen im Mai, sondern erst am 19. Juni 2000 erreicht wurde. Die Veröffentlichung des Betriebssystems folgte am 14. September 2000.[4] Das Betriebssystem kostete, genau wie Windows 98 zuvor, 209US-Dollar als Vollversion und 109 USD alsUpgrade-Variante.[7] Für Benutzer von Windows 98 gab es ein Sonderangebot, sodass sie die Upgrade-Version bereits für 60 USD erwerben konnten.[2]
Der Mainstream-Support für Windows Me lief am 31. Dezember 2003 aus.[8] Ursprünglich sollte der Extended Support ein Jahr später enden, Microsoft verlängerte jedoch den Support von Windows Me zusammen mit Windows 98 bis zum 30. Juni 2006.[9]
Microsoft behauptete anfangs, dass Windows Me, ähnlich wie die Betriebssysteme derWindows-NT-Reihe, nicht mehr auf DOS basiere.[10] Dies stellte sich jedoch schnell als falsch heraus, wenngleich Microsoft zahlreiche Möglichkeiten, denMS-DOS-Modus aufzurufen, aus dem Betriebssystem entfernte.[11] Das in Windows Me vorhandene MS-DOS wurde mit dem Ziel einer kürzeren Startzeit modifiziert. Die DateienAUTOEXEC.BAT undCONFIG.SYS werden vom Betriebssystem ignoriert[12] und nur Definitionen vonUmgebungsvariablen werden ausgewertet, indem diese Einstellungen in die Windows-Registrierungsdatenbank übertragen werden.[10] Die vormals eigenständigen DateienHIMEM.SYS undSmartDrive wurden in dieIO.SYS integriert und diese komprimiert, sodass sie schneller in den Arbeitsspeicher geladen wird. Die Windows-Registrierungsdatenbank selbst wurde ebenfalls optimiert; von den bisherigen DateienSYSTEM.DAT undUSER.DAT wurde dieCLASSES.DAT abgespalten, die den Inhalt desHiveHKEY_CLASSES_ROOT enthält. So werden während des Startvorgangs nur die nötigen Teile der Registrierung geladen.[12]
Windows Me enthält einige neue Programmierschnittstellen, die vor allem auf die Bedürfnisse von Heimanwendern abzielen.Windows Image Acquisition (WIA) dient dem automatischen Erkennen vonScannern undDigitalkameras, etwa um den Assistenten zum Einscannen eines Bildes zu starten. Auch das Versenden von Bildern perE-Mail direkt vom Scanner, ohne das Bild auf der Festplatte speichern zu müssen, ist so möglich. ÜberDirectPlay Voice können Spieler über einMikrofon direkt miteinander reden, sofern das Spiel für diese Schnittstelle programmiert wurde. Mithilfe vonUniversal Plug and Play (UPnP) können kompatible Geräte vom Betriebssystem aus konfiguriert werden.[7]
Bereits beim ersten Start des Betriebssystems wird ein Assistent geladen, der den Benutzer durch die ersten Schritte der Einrichtung des Betriebssystems führt. Die FigurMerlin (optional abschaltbar), ein Zauberer ausMicrosoft Agent, dient während dieses Prozesses als Hilfefunktion. Neben einemTutorial zur Benutzung der Maus sind dies insbesondere die Regionseinstellungen und die Eingabe desLizenzschlüssels. Danach geht der Startprozess nahtlos in einen Willkommensbildschirm über, der die neuen Funktionen von Windows Me vorstellt.[13]
Die Benutzeroberfläche von Windows Me entspricht größtenteils dem Windows-2000-Pendant. Windows Me enthält denInternet Explorer 5.5 sowie denWindows Media Player 7.0, der sich stark von der vorherigen Version unterscheidet. Neu ist derWindows Movie Maker, ein einfachesVideoschnittprogramm, mit dem Videos aufgenommen und bearbeitet werden können.[7] AusPlus! für Windows 98 übernommen wurde die Funktion Komprimierte Ordner,[14] dieZIP-Dateien auch ohne Programme von Drittherstellern unterstützt.[15] Zu den Spielen wurden, neben dem ebenfalls aus Plus! stammenden SpielSpider Solitär sowie dem Spiel3D Pinball: Space Cadet aus Plus! für Windows 95[16] einige simple Online-Spiele hinzugefügt, die nur im Internet gespielt werden können[17] und danach auch in Windows XP übernommen wurden. Ein neuer Assistent erleichtert das Einrichten eines Heimnetzwerkes. Die Hilfefunktion wurde in Windows Me komplett überarbeitet, sie vereint nun die Hilfedateien aller Windows-Bestandteile und erlaubt auch das Stellen von Supportanfragen über das Internet.[7]
Ähnlich wie Windows 2000 enthält Windows Me dieSystemdateiüberprüfung, die wichtige Systemdateien des Betriebssystems überwacht und diese durch Sicherungskopien ersetzt, wenn sie verändert oder gelöscht werden. Die neu eingeführteSystemwiederherstellung sichert in regelmäßigen Abständen, wenn Anwendungen installiert werden oder auf Wunsch des Benutzers die wichtigsten Dateien des Betriebssystems und erlaubt im Bedarfsfall die Wiederherstellung auf einen früheren Stand. Sie ersetzt das ältere ProgrammMicrosoft Backup, welches dennoch auf der Windows Me-CD vorhanden ist. Über die neue FunktionAutomatische Updates kann das Betriebssystem automatisch auf dem neuesten Stand gehalten werden.[7]
Die Resonanz auf Windows Me war zunächst gemischt. Es wurde bemängelt, dass zahlreiche Neuerungen von Windows Me, wie etwa der neue Internet Explorer, auch für ältere Betriebssysteme verfügbar seien, wodurch es weniger Anreize für eine Aktualisierung des Betriebssystems gäbe. Kritisiert wurde zudem die Tatsache, dass sich der Windows Media Player und der Movie Maker nicht deinstallieren ließen, und das obwohl genau zu dieser Zeit Microsoft rechtliche Konsequenzen wegen Ausnutzung seiner Monopolstellung imBrowserkrieg drohten.[19]
Bald nach der Veröffentlichung jedoch kippte die Meinung stark ins Negative, denn zahlreiche Fehler im Betriebssystem brachten Windows Me einen schlechten Ruf ein. Bereits am Tag der Veröffentlichung wurde eine Sicherheitslücke bekannt, durch die Windows Me zum Absturz gebracht werden konnte.[20] Vor allem Instabilität[1] und Kompatibilitätsprobleme mit Anwendungen und Treibern sorgten für Unmut bei den Anwendern.[21] Aber auch neue Funktionen von Windows Me waren von den Fehlern betroffen; die Systemwiederherstellung etwa stellte aufgrund eines Fehlers ihren Dienst nach dem 8. September 2001 ein, sodass neuere Wiederherstellungspunkte nicht mehr funktionierten.[22]