| Windows 3.1 | |
|---|---|
| Entwickler | Microsoft |
| Lizenz(en) | MicrosoftEULA (Closed Source) |
| Erstveröff. | 6. April 1992 |
| Akt. Version | 3.11(November 1993) |
| Kernel | PC-kompatibles DOS ↳ Windows-Kernel |
| Abstammung | Windows 1.0–2.11 ↳ Windows 3.x |
| Chronik | Windows 1.0 Windows 2.x Windows 3.0 Windows 3.1 Windows 95 Windows 98 Windows Me |
| Sonstiges | Entwicklung am 31. Dezember 2001 eingestellt |
| www.microsoft.com | |
Microsoft Windows 3.1 (Arbeitsname: Janus)[1][2] ist einegrafische Benutzeroberfläche vonMicrosoft, die aufPC-kompatiblem DOS, wieMS-DOS oderPC DOS, aufsetzt.
Windows 3.0 war zwar ein erfolgreiches Produkt, wurde jedoch auch aufgrund diverser Fehler kritisiert. Im Praxiseinsatz zeigte sich, dass die grafische Benutzeroberfläche anfällig gegenüber Abstürzen war.[3] Zudem galt sie immer noch als zu langsam für den produktiven Einsatz.[4]Bill Gates kündigte eine verbesserte Version von Windows 3.0 für die Mitte des Jahres 1991 an. Außerdem sollte eine Portierungsbibliothek erscheinen, um Windows-Programme auf IBMOS/2 zu portieren,[5] das viele Anwender wegen seiner Stabilität weiterhin vorzogen. Zwar war eine verbesserte Stabilität für Windows 3.1 angekündigt, aber die Unternehmen warteten vergebens auf die neue Version, sodass viele weiterhin bei IBM OS/2 blieben.[6]
In die Beta-Version von Windows 3.1 wurde ein Softwaretest namens AARD-Code eingebaut, um scheinbare Kompatibilitätsprobleme bei der Verwendungkompatibler DOS-Varianten zu verursachen und so Kunden dazu zu verleiten, MS-DOS von Microsoft zu kaufen.[7][8][9] Statt MS-DOS setzten etliche KundenDR DOS ein, das sich u. a. in Deutschland dank der Bündelung beim Verkauf neuer PCs beiVobis größerer Beliebtheit erfreute. Der AARD-Code ist auch in der Verkaufsversion von Windows 3.1 enthalten, allerdings deaktiviert.[10]
Die Versionen Windows 3.1 und Windows for Workgroups 3.11 wurden oft als Beigabe neuer Computer vertrieben, daher waren in der Praxis hauptsächlich diese geläufig.

Die „grafische Betriebssystemerweiterung“[11] Windows 3.1 wurde am 6. April 1992 veröffentlicht und war erstmals alsUpdate für ein früheres Windows erhältlich.
Zu den wichtigsten Neuerungen gehört die Unterstützung vonTrueType-Schriften und derOLE-Schnittstelle, zudem wurdeDrag and Drop eingeführt und denZwischenablage-OperationenAusschneiden,Kopieren undEinfügen die noch heute genutztenTastenkombinationenStrg + X,Strg + C undStrg + V zugeordnet.[12]
Darüber hinaus bot Windows 3.1 eine standardmäßigeMultimediaunterstützung an, die zuvor nur als Bestandteil des wenig verbreitetenWindows 3.0 with Multimedia Extensions 1.0 erhältlich war. Grafikmäßig wurden mit dieser VersionFarbtiefen bis zu 32 Bit und großeBildschirmauflösungen unterstützt. Trotz der Namensähnlichkeit sind viele Programme für Windows 3.0 zu Windows 3.1x inkompatibel (und umgekehrt).
Gleichzeitig wurde erstmals eine hierarchische Systemdatenbank integriert, die sogenannteWindows-Registrierungsdatenbank, die umgangssprachlich häufig auchRegistry genannt wird. Im Gegensatz zu späteren Windows-Versionen beschränkt sich ihre Verwendung unter Windows 3.1 noch aufDateinamenserweiterung und einige Windows-Einstellungen. Programmeinstellungen und umfangreichere Konfigurationen werden noch wie bisher überInitialisierungsdateien (*.ini) realisiert, die die Parameter und Werte imKlartext enthalten. Diese Dateien sind mit einemTexteditor änderbar und lassen sich einfach kopieren, wodurch System- undProgrammkonfigurationen einfach auf andere Rechner übertragen werden können.
Nachteilig im Vergleich mit späteren Versionen war, dass auch für Windows 3.1 noch die8.3-Beschränkung galt, das heißt, dass zum Beispiel alle Textdateien nur mit maximal 8 Zeichen benannt und gespeichert werden konnten.
Windows 3.1 war in zahlreichen Sprachen erhältlich, neben Englisch waren dies Arabisch, Chinesisch (vereinfacht und traditionell), Dänisch, Deutsch, Finnisch, Französisch, Griechisch, Hebräisch, Italienisch, Japanisch, Katalanisch, Koreanisch, Niederländisch, Norwegisch, Persisch, Polnisch, Portugiesisch, Russisch, Schwedisch, Spanisch, Tschechisch, Türkisch und Ungarisch.[13] Es existierten zahlreiche von Herstellern angepassteOEM-Varianten, teilweise sogar mit DOS und Treiberanpassungen als Skriptinstallation aufCDs statt aufDisketten.
Windows 3.11 wurde im Februar 1994 veröffentlicht.[14] Im Wesentlichen wurden nurGerätetreiber aktualisiert und fünfProgrammfehler in Systemdateien behoben. Beispielsweise wurde dieGDI-Programmbibliothek optimiert, um den Ressourcenverbrauch durch grafikintensiveAnwendungen zu verringern.[15] Microsoft stellte ein kostenloses Update bereit, um ein bestehendes Windows 3.1 auf diese Version zu aktualisieren. Mit dieser Version wurde erstmals einEchtheitszertifikat eingeführt; ein schwer zu fälschendesHologramm erlaubt es dem Laien, eine Kopie von einem Original zu unterscheiden.[16] Äußerlich gleicht Version 3.11 der 3.1, sie ist vor allem durch einen Versionsaufkleber auf der Verpackung oder das geänderte Dateidatum zu erkennen.
Windows für Workgroups 3.1 wurde am 27. Oktober 1992 veröffentlicht.[17] Es enthielt als erstes Windows zusätzliche Möglichkeiten für das rudimentärePeer-to-Peer-Netzwerk zwischen Windows-Computern über das MS-eigeneNetBEUI-Protokoll. DasTCP/IP-Protokoll wurde mit dieser Version noch nicht unterstützt. Die ProgrammeMicrosoft Mail, ein netzwerkbasiertes Mailprogramm, undSchedule+, ein Kalenderprogramm zur gemeinsamen Benutzung durch mehrere Anwender standen zur Verfügung. Windows für Workgroups 3.1 unterstützte den Standardmodus (80286-Prozessor), allerdings war in diesem Modus die gemeinsame Datei- und Druckernutzung nicht möglich.
Windows für Workgroups 3.1 war allerdings kein Erfolg; es wurden monatlich rund 30.000 Exemplare dieses Betriebssystems verkauft, im Vergleich zu monatlich mehr als einer Million Exemplare des regulären Windows 3.1. Das Betriebssystem war größtenteils inkompatibel zu Netzwerksoftware vonDrittanbietern, zudem konnten die Netzwerkfunktionen nicht ausgeschaltet werden, was dafür sorgte, dass Unternehmen dieses Betriebssystem mieden.[18]

Windows für Workgroups 3.11 wurde am 8. November 1993 veröffentlicht.[19][20] Es ist eine erweiterte Fassung vonWindows für Workgroups 3.1 mit verbesserter 32-Bit-Netzwerksoftware undTCP/IP-Protokoll (als Aktualisierung nachinstallierbar), das die Kommunikation mehrerer Rechner in einem lokalen Netzwerk erlaubt. Ebenso wurden Leistungsverbesserungen beim Festplattenzugriff von 50–150 % und ein zu 100 % schnellerer Netzwerkzugriff umgesetzt. Über die neu eingeführtenWinsock-Komponenten ist nun auch der Internetzugriff über einStandardmodem mitAT-Befehlssatz (Hayes) und den Bitraten 4,8 / 9,6 / 19,2 kbit/s möglich. Auch kann man perISDN oder mitDSL ins Internet. Des Weiteren sind im Lieferumfang noch Microsoft Mail, Microsoft Schedule+, Microsoft At Work Fax und Microsoft’s Remote Access Services enthalten. Die letztenWebbrowser für WfW 3.11 sind:Internet Explorer 5.0 Deutsch, Internet Explorer 5.01 Englisch,Opera 3.62 Englisch undNetscape Navigator 4.08. Gerätehersteller konnten noch bis Anfang November 2008 das BetriebssystemWindows für Workgroups 3.11 lizenzieren.[21]
Windows 3.2 erschien im Dezember 1994 ausschließlich in derVolksrepublik China.[13] Dabei handelt es sich um eine aktualisierte Version von Windows 3.1, die neueEingabemethoden (IME) sowie weitere Verbesserungen bot.[22]
Für Windows 3.1 existieren zahlreiche Erweiterungen, die vor allem die vergleichsweise einfachen Programm- und Dateimanager ergänzen oder durch völlig neue Oberflächen ersetzen, darunterPC Tools für Windows,Norton Desktop,Calmira oderPlug-In for Windows.
Die wichtigste Erweiterung für neuere Programme ist dieWin32s-Schnittstelle für Windows 3.1x. Diese erlaubte das Ausführen von32-Bit-Programmen[23] unter dem sonst 16-bittigen Windows. Dabei wurden allerdings die Funktionsbibliotheken ausWindows NT nicht komplett übernommen, sondern lediglich eine Auswahl daraus. So ist beispielsweiseMS Office 97 unter Windows NT 3.51 lauffähig, nicht jedoch unter Windows 3.1x bzw. WfW 3.x. In Kombination mitGrafikschnittstellen wieOpenGL oderVideo for Windows sollte damit jedoch bis zum Erscheinen vonWindows 95 ein ausreichender Standard für Heimanwender gesetzt werden.
Windows für Pen Computing ist eine Erweiterung von Windows 3.1x, die auf die Eingabe mittelsLichtgriffel ausgelegt war und aufTablet-PCs ausgeführt wurde. Die Bedienung zeichnete sich hauptsächlich dadurch aus, dass sie Funktionen wie trainierbareHandschrifterkennung undGesten einführte. NachdemCompaq 1994, also vor dem Erscheinen von Windows 95, seine Pläne, einenPDA auf Grundlage dieses Betriebssystems herauszubringen eingestellt hatte,[24] entschied Microsoft, die nachfolgende Version fürWindows 95 ohne Beteiligung von Kooperationspartnern zu entwickeln.
Eine schnelle 2D Grafikschnittstelle von Microsoft ohne Hardwarebeschleunigungsfunktionen, um auch hardwarefordernde Spiele unter Windows 3.x möglich zu machen. WinG war der Vorläufer vonDirect2D.
Für Windows für Workgroups 3.11 gibt es von Microsoft einen freien 32-Bit TCP/IP-Stack zum Nachinstallieren.[25] Eine Weiterentwicklung dieses auch unter dem Entwicklungsnamen „Wolverine“ bekannten Treibers wurde später in Windows 95 integriert.[26]
VonDrittanbietern gibt esWinsock-Treiber, die TCP/IP auch für ältereWindows-3.x-Versionen nachrüsten.
Windows 3.1 erfordert mindestens für denStandard Mode einen 80286-Prozessor undExtended Memory (XMS). Dazu muss der DOS-TreiberHIMEM.SYS geladen sein. DerReal Mode, der noch in der Vorgängerversion enthalten war und8086/8088-Prozessoren unterstützte, ist in dieser Version nicht mehr vorhanden.Für denEnhanced Mode benötigt Windows 3.1 einen80386-Prozessor oder besser, 200 KiBkonventionellen Speicher, 1024 KiB Extended Memory (XMS) und 2 MiB freien Speicherplatz auf der Festplatte.[27]
Windows für Workgroups 3.11 wurde um 32-Bit-Komponenten erweitert, daher ist ein i386-Prozessor notwendig.[28]
Zur Zeit von Windows 3.1 galten 8 MB Arbeitsspeicher als komfortabel und 16 MB als üppig. Dennoch unterstützt es – zumindest theoretisch – bis zu 512 MB Arbeitsspeicher im Standard-Modus, allerdings müssen Anwendungen explizit für diese Arbeitsspeichergröße kompiliert werden. Die meisten Anwendungsprogramme, und Windows 3.1 im 386-erweiterten Modus, unterstützen bis zu 256 MB Arbeitsspeicher.[29]
Mit Einführung von Windows 95 nahm die Unterstützung von Windows 3.1 seitens Microsoft sowie Drittherstellern ab. Unterstützt wurden MS Office bis Version 4.3,StarOffice bis 4.0,CorelDraw bis 5.0,MicroGrafx Designer/Picture Publisher 5,PaintShopPro 3.12. Aufgrund desBrowserkriegs wurde noch 1999 Internet Explorer 5.0 als 16-Bit-Version herausgegeben.
Das System konnte sich in der Welt derEmbedded-PCs, etwa inRegistrierkassen, aufgrund der niedrigen Hardwareanforderungen bei gleichzeitiger Unterstützung des TCP/IP-Protokolls bis in die zweite Hälfte der 2000er Jahre halten, Microsoft lizenzierte für Gerätehersteller Windows for Workgroups 3.11 bis zum 1. November 2008.[21]
Bekannt wurde insbesondere ein Vorfall, bei dem Ende 2015 derFlughafen Paris-Orly aufgrund eines Ausfalls eines Computersystems mit Windows 3.1 lahmgelegt wurde. Es war für die Bereitstellung der Wetterdaten zuständig und konnte auch nicht kurzfristig ersetzt werden.[30]
Im Januar 2024 wurde durch eine Stellenanzeige bekannt, dass in vielen älteren Zügen derDeutschen Bahn noch Windows 3.11 als Betriebssystem eingesetzt wird. Hier wurde nach einem Softwareentwickler gesucht, der Kenntnisse zu dem System besitzt und für die Aktualisierung der Gerätetreiber und die Pflege des Altsystems zuständig sein soll. Des Weiteren sollten Kenntnisse fürSibas vorhanden sein.[31][32] Sprecher der Deutschen Bahn erklärten, dass die Züge zwar grundsätzlich regelmäßig modernisiert würden, dass aber Betriebssysteme, die stabil funktionierten und die Sicherheitsanforderungen erfüllten (gemeint ist die physische Trennung von unsicheren Netzwerken), nicht ausgetauscht würden. Windows 3.11 werde nur auf einer kleinen Zahl von Zügen ausschließlich für den Betrieb von Bildschirmen genutzt.