Microsoft Windows 3.0 ist die dritteVersion des von der FirmaMicrosoft entwickelten Windows. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern wird esretronym als erstes Windows-Betriebssystem gesehen,[1] obwohl es immer noch aufDOS aufbaut.[2] Es begründete dieWindows-3.x-Reihe der DOS-basiertenWindows-Systeme. Sie wurde am 22. Mai 1990 als Betriebssystemerweiterung[3] fürMS-DOS und dazu kompatible DOS (etwaPC DOS) veröffentlicht.
Eine frühe Entwicklerversion von Windows 3.00, diese weist noch eine starke Ähnlichkeit zum Vorgänger auf.
Im Sommer 1988 erhielt der ProgrammiererMurray Sargent von Microsoft die Aufgabe, einen mit dem80286 kompatiblenDOS-Extender zu schreiben. Dieser sollte dazu dienen, MicrosoftsDebuggingprogrammCodeView außerhalb deskonventionellen Speichers und damit frei von Einflüssen durch andere DOS-Anwendungen benutzen zu können. Sargent schrieb die dazu notwendigen Routinen zunächst in einem von ihm selbst entwickelten Debugger, um sie bei Fertigstellung in ein eigenes Programm auszulagern.[4]
Ende Juni traf sich Murray mit dem Windows-Entwickler David Weise. Auf die Anmerkung, dass das damals neu erschieneneWindows /286 mit derHigh Memory Area lediglich 64 kB mehr als normale DOS-Anwendungen nutzen könne, beschlossen beide, Windows im Schutzmodus (Protected Mode) laufen zu lassen, um ähnlich wie bei DOS-Extendern nicht länger auf den konventionellen Speicher beschränkt zu sein. Da Microsofts Augenmerk zu dieser Zeit aufOS/2 lag, hielten die beiden Entwickler das Projekt über einen Zeitraum von einem Monat geheim. Als die ersten Verwerfungen zwischen Microsoft und IBM bezüglich OS/2 entstanden, nutzte Weise die Chance und zeigteSteve Ballmer seine Fortschritte beim Windows-Projekt. Ballmer zeigte sich überzeugt und gab daraufhin die Entwicklung dieser Windows-Version offiziell in Auftrag.[5]
Die ersten Informationen zu Windows 3.0 wurden Anfang 1989 bekannt. Das Speichermanagement, welches in früheren Versionen von Windows als ineffizient galt, sollte in der neuen Version stark verbessert werden. Die Benutzeroberfläche sollte verändert und demPresentation Manager in OS/2 1.x angeglichen werden.[6] Im Mai 1989 wurde eine erste Testversion an über 900 Hardwarehändler ausgeliefert.[7] Weiterhin mitgelieferte Anwendungen waren derEditor und dieTextverarbeitungWrite.
Die grafischeBenutzeroberfläche wurde in Windows 3.0 komplett überarbeitet und an den Presentation Manager angepasst. DasMS-DOS-Fenster, das in früheren Versionen von Windows nach dem Start erschien, wurde durch zwei Programme ersetzt. DerProgramm-Manager erscheint direkt nach dem Start und enthält Verweise auf Programme, die auf dem Computer installiert sind, in Form vonIcons. Diese Programme sind in sogenannten Programmgruppen gruppiert. DerDatei-Manager dient dem Verwalten von Dateien und Ordnern auf den Laufwerken des Computers. Dazu zeigt er in einem Fenster dieVerzeichnisstruktur des Laufwerks. Durch einen Doppelklick auf ein einzelnes Verzeichnis öffnet sich ein neues Fenster, in dem alle Dateien innerhalb dieses Verzeichnisses aufgelistet werden. DurchDateizuordnungen könnenDateierweiterungen einem Programm zugeordnet werden, um diese Dateien direkt aus dem Datei-Manager heraus zu öffnen. Die Oberfläche selbst verwendet 3D-Schaltflächen, und Icons sind nicht mehr auf die Farben Schwarz und Weiß beschränkt, sondern können nun Farben beinhalten.[8]
Die Installation von Windows findet nach dem ersten Neustart bereits unter der grafischen Benutzeroberfläche statt. Das Setup-Programm kann auch nach der Installation aufgerufen werden, um Einstellungen wie denGrafikmodus zu ändern, was in vorherigen Versionen noch ein komplettes Neuinstallieren von Windows erforderte. Während der Installation werden bereits installierte Anwendungen gesucht und automatisch Icons im Programm-Manager angelegt, sodass diese Programme direkt nach der Installation benutzt werden können.[8]
War unter DOS einNetzwerk installiert, wurde dies von Windows 3.0 während der Installation erkannt. Funktionen wie das Erstellen vonNetzlaufwerken können von der grafischen Benutzeroberfläche durchgeführt werden, ohne zurück zum DOS-Prompt wechseln zu müssen. Windows 3.0 beinhaltet im Lieferumfang Unterstützung unter anderem fürNovell NetWare,Banyan Vines,LAN Manager und3Com 3+Share.[9]
Windows 3.0 änderte dieSystemsteuerung komplett. Bei ihr handelt es sich nun um ein Fenster ähnlich dem Programm-Manager, in dem Icons erscheinen. Diese Icons rufen bestimmte Fenster auf, die es ermöglichen, die Einstellungen von Windows anzupassen. Die Konfigurationsmöglichkeiten wurden deutlich erweitert, so bietet die GUI nun die Möglichkeit, ein Hintergrundbild auf demDesktop darzustellen.[8]
Das Zubehör wurde in Windows 3.0 erweitert. Das in früheren Versionen von Windows verwendeteZeichenprogrammPaint wurde durchPaintbrush ersetzt, welches erstmals Farbunterstützung bietet. Das neue ProgrammRekorder ermöglicht das Aufzeichnen vonMakros, welche aus Tastatur- und Mauskommandos bestehen. Diese können gespeichert und beliebig wiedergegeben werden. Mit Windows 3.0 hielt das neue,Hypertext-basiertes HilfesystemWinHelp Einzug, in dem verschiedene Hilfethemen untereinander verlinkt sind. Lesezeichen können gesetzt werden, um Hilfeseiten später schneller wiederzufinden, und mit der eingebauten Suche kann nach bestimmten Begriffen im Hilfedokument gesucht werden. DerRechner wurde um einen wissenschaftlichen Modus erweitert, der komplexere Berechnungen und die Umrechnung zwischen verschiedenenZahlensystemen ermöglicht.[8] Außerdem gab es die SpieleMicrosoft Solitaire undReversi.
Windows 3.0 wurde, im Unterschied zu seinem Vorgänger Windows 2.x, nicht in verschiedenen Versionen je nach Prozessortyp verkauft, sondern nur in einer einzigen Version für sämtliche Prozessortypen. Das Betriebssystem kann in drei verschiedenen Modi je nach Prozessortyp ausgeführt werden. Beim Start wird automatisch der für die jeweilige Computerkonfiguration optimale Modus ausgewählt; es ist jedoch möglich, auf der Befehlszeile mittels Parameter einen bestimmten Modus zu erzwingen.[10]
DerReal-Modus dient hauptsächlich der Kompatibilität mit älteren Windows-Anwendungen. Er unterstützt zudem alte8086-Prozessoren und Rechner mit weniger als einemMegabyte Arbeitsspeicher. DerStandard-Modus nutzt den Schutzmodus des80286-Prozessors, um Arbeitsspeicher über 1 MB zu adressieren. DerErweiterte Modus für 386-PCs benötigt einen80386-Prozessor mit mindestens 2 MB Arbeitsspeicher. Ähnlich wie in Windows 2.x kann dervirtual 8086 mode ausgenutzt werden, um MS-DOS-Programme unabhängig voneinander auszuführen. Windows 3.0 unterstützt auf einem 386-PC die Verwendung einerAuslagerungsdatei, um den nutzbaren Arbeitsspeicher zu erhöhen, indem die Festplatte als Zwischenspeicher genutzt wird. Zudem können Einstellungen zur Verteilung derProzessorzeit in einem Menüpunkt386 erweitert der Systemsteuerung getätigt werden.[8]
Windows 3.0 verwendet für16-Bit-Windowsanwendungen nurkooperatives Multitasking. Das liegt darin begründet, dass Windows 3.0 auch auf dem 8086-Prozessor laufen sollte, dem eineMemory Protection Unit fehlt. Zwar wärepräemptives Multitasking auch in Software umsetzbar gewesen, aber eine solche reine Softwarelösung hätte sehr viel Leistung erfordert und wäre auf einem 8086 entsprechend langsam geworden. Außerdem wäre es ohneSpeicherschutz durch eine Memory Protection Unit für eine Anwendung möglich gewesen, den gesamten Speicher zu überschreiben, womit auch der Kernel keine Kontrolle über die Ressourcen mehr hätte zurückerhalten können.
Eine Ausnahme gibt es für MS-DOS-Programme und den erweiterten Modus (Enhanced Mode) von Windows 3.0. Diese laufen in einer virtualisierten Umgebung, die mithilfe derVirtual-8086-Mode-Einheit der CPU, die ab dem 80386 verfügbar ist, möglich wurde, weswegen für DOS-Anwendungen unter Windows 3.0 im erweiterten Modus präemptives Multitasking verwendet wird. Auf dem 8086 im Real Mode und dem 80286 im Standard Mode von Windows ist nur die Ausführung einer einzigen DOS-Anwendung zur gleichen Zeit möglich. Präemptives Multitasking wird hierfür nicht verwendet, sondern Taskswitching, d. h. eine DOS-Anwendung wird bei einem Kontextwechsel zu einer anderen DOS-Anwendung aus dem Speicher genommen und ihr Zustand auf der Festplatte zwischengespeichert, während die andere DOS-Anwendung neu gestartet oder, falls es eine bestehende DOS-Anwendung war, ihr Zustand wieder von der Festplatte geladen.
Windows 3.0 wurde am 22. Mai 1990 veröffentlicht und bis 1992 vertrieben. In den ersten vier Monaten wurden eine Million Exemplare zu einem Preis von je 150USD abgesetzt.[11] Es ist das erste Windows, das VGA unterstützt, aber weiterhin Treiber für sehr alte XT-Rechner und deren Grafikstandards mitliefert.
Windows 3.00a wurde am 31. Oktober 1990 veröffentlicht. Diese Version diente einzig und allein der Behebung zahlreicherProgrammfehler, ansonsten gibt es keine Änderungen zu Windows 3.0.[12]
Windows 3.0 mit Multimedia Extensions 1.0 (Windows 3.00a, Oktober 1991)
Ende 1991 veröffentlicht, ist es das erste Windows überhaupt, das in der Lage ist,Soundkarten anzusprechen. Im Grunde handelt es sich jedoch nur um ein überarbeitetes Windows 3.0. Der Real-Mode und die Unterstützung für 8086-Prozessoren fielen weg. Hinzugekommen sind:
Sound Recorder; zum Aufnehmen von Tonspuren im WAVE-Format
Ein CD-Player
Eine erweiterte Uhr, die zu programmierten Zeitpunkten Signale abspielen kann.
Bildschirmschoner; zu den bekanntesten zählt „Starfield“, der vorbeihuschende Sterne bei einem Flug durch das All simuliert.
Diese Windows-Version wurde ausschließlich aufCD-ROM vertrieben (als erstes Windows überhaupt) und war nicht weit verbreitet, da Multimedia-PCs (Rechner mit CD-ROM-Laufwerken und Soundkarte mit MIDI-Schnittstelle) damals sehr teure Geräte waren. Die übrigen Hardware-Voraussetzungen mit mindestens 10 MHz 286er-Prozessor, 2 MB RAM und 30 MBFestplatte entsprechen dem damaligen Technikstand, dazu ein PC-kompatibles DOS ab MS-DOS 3.1 (oder ein kompatibles Betriebssystem, wiePC DOS ab Version 3.1 oder das damals weit verbreiteteDR DOS) benötigt.
Die Systemvoraussetzungen des Systems sind vom jeweiligen Modus abhängig. Die absolute Mindestvoraussetzung, um das Betriebssystem im Real-Modus zu starten, war einIntel 8088/8086 und 384 kB freier Arbeitsspeicher. Der Standardmodus setzte einen80286-Prozessor mit 192 kB freiemExtended Memory (XMS) voraus, dazu musste der auch mit Windows 3.0 mitgelieferte DOS-TreiberHIMEM.SYS geladen sein. Um Windows in erweiterten Modus füri386-PCs zu starten, war ein80386 mit 1 MB freiem erweiterten Speicher notwendig.[13] Dabei ist zu beachten, dass die Angaben zum Arbeitsspeicher gerundet sind; die eigentlichen Speichervoraussetzungen des Betriebssystems hängen von der jeweiligen Konfiguration ab und sind nicht fest definiert.[10]
Windows 3.0 wurde sowohl auf 5,25″- als auch auf 3,5″-Disketten ausgeliefert. Im ersten Fall befanden sich fünf 1,2-MB-Disketten im Lieferumfang,[14] im zweiten Fall sieben 720-kB-Disketten.[15]
Windows 3.0 brachte für Microsoft den Durchbruch. Nach der Veröffentlichung gaben 72 Prozent aller Unternehmen bekannt, Windows 3.0 einsetzen zu wollen.[16] Da zahlreiche Entwickler zwischenzeitlich Anwendungsprogramme für Windows bereitstellten, gab es zum Zeitpunkt der Veröffentlichung ausreichend Anreize, auf die grafische Benutzeroberfläche umzusteigen.[17] In den ersten sechs Monaten wurden drei Millionen Kopien des Betriebssystems verkauft.[18]
Es gab aber auch Kritik. Bereits der Installationsprozess erhielt Kritik, da er schlecht durchdacht sei, die meisten Disketten müssten während der Installation mehrmals eingelegt werden. Zwar sei Windows 3.0 auch auf einemIBM XT lauffähig, ein sinnvoller Einsatz sei aber erst mit einem 286-Computer möglich.[19]
Charles Petzold:Programming Windows 3.0 Microsoft Press, 1990,ISBN 1-55615-264-7
Matt Pietrek:Windows Internals: The Implementation of the Windows Operating Environment Addison-Wesley Publishing Company, 1993,ISBN 0-201-62217-3
Andrew Schulman, David Maxey, Matt Pietrek:Undocumented Windows: A Programmer's Guide to Reserved Microsoft Windows Api Functions Addison-Wesley Publishing Company, 1992,ISBN 0-201-60834-0
↑Dan Gookin:Windows 3.1 vs. OS/2 2.0. In:InfoWorld.Band14,Nr.23, 8. Juni 1992,ISSN1643-5230,S.67ff. (englisch,eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche):“… Microsoft concentrated fully on making Windows 3.0 a ‘real’ operating system for the PC. It wasn't quite fully cooked, but it showed potential and addressed many of DOS’ sore points.”
↑Manfred Precht, Nikolaus Meier, Dieter Tremel:EDV-Grundwissen; Eine Einführung in Theorie und Praxis der modernen EDV. 7., aktualisierte Auflage. Addison-Wesley, 2004,ISBN 3-8273-2129-8, 6.3.2 Windows 3.x,S.265 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche): „Windows 3.x wurde von seinem Hersteller Microsoft als Betriebssystemerweiterung bezeichnet. Der Grund liegt darin, dass Windows auf DOS aufbaut und einige Teile von DOS verwendet (Hardware-Steuerung). Die Verbindung von DOS und Windows kann auf jeden Fall als vollwertiges, modernes Betriebssystem mit eingeschränkten Multitaskingfähigkeiten bezeichnet werden.“
↑Murray Sargent, Richard L. Shoemaker:The Personal Computer from the Inside Out: The Programmer’s Guide to Low-Level PC Hardware and Software. 3. Ausgabe Auflage. Addison-Wesley, Reading 1995,ISBN 0-201-62646-2,S.262 (englisch).
↑Alice LaPlante:Corporate Users Flock to Windows for Their GUI: PC Managers Hold Out Some Hope for OS/2. In:InfoWorld. 12. Jahrgang,Nr.44, 29. Oktober 1990,S.S1–S5 (google.de).
↑Kristi Coale:Windows 3.0 still woos PC users, managers: But Windows’ promised, and much anticipated, payoff in user productivity is still in the inconclusive column. In:InfoWorld. 13. Jahrgang,Nr.42, 21. Oktober 1991,S.S113 (google.de).
↑Ingo T. Storm:Einäugig unter Blinden: Microsoft Windows 3.0. In:c’t.Nr.5, 1991,S.92ff.