Microsoft Windows 2.x ist eine vom UnternehmenMicrosoft entwickeltegrafische Benutzeroberfläche fürPC-kompatibles DOS, die am 9. Dezember 1987 veröffentlicht wurde.[3] Als Nachfolger vonWindows 1.0 war sie die zweiteVersion vonWindows. Die Veröffentlichung vonWindows 2.03 löste einen Rechtsstreit mit dem UnternehmenApple aus, der bis 1992 andauerte. Abgelöst wurde Windows 2.x durchWindows 3.0, das am 22. Mai 1990 veröffentlicht wurde.[4]
Windows 2.x ist eine erweiterte grafische Oberfläche für dasBetriebssystem DOS aufIBM-PC-kompatiblen Computern. So lief es auf den BetriebssystemenMS-DOS,PC DOS und davon lizenzierten OEM-Versionen, etwa von Compaq oder NEC, und ist somit prinzipiell auf jedem PC-kompatiblen DOS lauffähig. Im Gegensatz zu reinem DOS bietet Windows die Möglichkeit, mehrere Programme gleichzeitig – grafisch, inFenstern getrennt – zu starten. Neu im Unterschied zu Windows 1.x ist, dass die Fenster sich überlappen können und in der Größe veränderbar sind.Windows 2.x bietet darüber hinaus neue Funktionen, wie z. B. die Kommunikation zwischen einzelnen Programmen mitDynamic Data Exchange (DDE),SmartDrive, Warntöne (über den PC-Lautsprecher),VGA-Unterstützung, neue Bildschirmschriften und erstmals die Möglichkeit zur Umschaltung viaAlt+↹ (Tab) zwischen Programmen. Für 1987 neueEingabegeräte, wie diePS/2-Maus, werden nun auch unterstützt.
Windows 2.03 ist das letzte Windows, welches sich aufDisketten installieren und ohneFestplatte verwenden lässt.Windows 2.1 bietet als Neuerung erneuerte und mehrere neueTreiber (Grafik, Computer, Drucker) und unterstützt Erweiterungsspeicher (EMS undXMS) besser. MitWindows 2.11 gibt es erneut minimale Verbesserungen bei Speicher- und Druckerzugriffen.
Windows 2.x ist auf die Eigenschaften des Prozessors zugeschnitten und wurde entsprechend in den VariantenWindows/286 undWindows/386 vertrieben. Die Version /386 nutzt erstmals denSchutzmodus desIntel-386er-Prozessors, ist zu früheren Prozessoren nicht kompatibel und unterstützt mit Version 2.1 hochauflösendere Bildschirme.[5][6]
Windows/386 2.01 wurde noch vor der ersten, im freien Handel verfügbaren,Version 2.03 (/286 und /386) ab September 1987 alsOEM-Version vertrieben, da Compaq zu dieser Zeit Systeme wie denCompaq Portable 386 mit 80386-Prozessoren herausbrachte[7] und diese mit einem Windows ausstatten wollte, welches die Vorteile der damals neuartigen Prozessoren auch nutzen kann.[8][9] Eine öffentliche Version 2.02 ist nicht bekannt.
Die Fortschritte von Windows selbst, welches in verschiedenen Sprachversionen erschien, hielten sich damals in Grenzen: Mithilfe der grafischen Benutzeroberfläche, die zu diesem Zeitpunkt noch immer weitgehend das Aussehen einer textorientierten Benutzerschnittstelle hat, wurden meist nur DOS-Programme gestartet, so dass das Wechseln zwischen einzelnen Tasks der einzig wirkliche Vorteil von Windows war.
Da die meisten Softwarehersteller nicht bereit waren, ihre Programme auf Windows zu portieren, begann Microsoft selbst, die ersten Windows-Anwendungen zu entwickeln. Ein Teil des Erfolgs von Windows 2 ist dem ProgrammPageMaker in seiner ersten Windows-Version zu verdanken, welches bereits für Windows 1.x erhältlich war. Dieses wurde mit einer auf eine Kompatibilitätsschicht eingeschränkten Windows-Runtime ausgeliefert und bot damit auch auf Computern ohne Windows-Lizenz die Möglichkeit, diese Anwendung auf einem DOS-Rechner zu starten.
Zeitgleich mit Windows 2.03 erschien das TabellenkalkulationsprogrammMicrosoft Excel 2.0, das erste von Microsoft entwickelte Anwendungsprogramm, das speziell auf die Fähigkeiten von Windows ausgerichtet war und zu einer stärkeren Verbreitung von Windows beitrug. 1989 folgte gleichzeitig mit Windows 2.11 das TextverarbeitungsprogrammWord in seiner ersten Windows-Version. Alle drei Programme wurden vonMac OS auf Windows portiert und danach für beide Betriebssysteme weiterentwickelt. Insbesondere Excel verhalf Windows zum Durchbruch, führte aber auch zum im Folgenden beschriebenen Rechtsstreit mit Apple.[10]
Am 17. März 1988 verkündete die FirmaApple Computer Inc., man wolle gegenWindows 2.03 und gegenHewlett-Packards auf Windows beruhende objektorientierte graphische BenutzeroberflächeNewWave gerichtlich vorgehen. Apple beschuldigte Microsoft, das gemeinsame Lizenzabkommen von 1985 verletzt und dasLook and Feel der Benutzeroberfläche desMacintoshs (beispielsweise überlappendeFenster) kopiert zu haben. Apple verlangte die Einstellung des Verkaufes vonWindows 2.03 und die Untersagung der Freigabe von Hewlett-PackardsNewWave. RichterWilliam Schwarzer (* 1925) ließ am 25. Juli 1989 nur zehn der insgesamt 189 von Apple angeführten Punkte für das Gerichtsverfahren zu. Erst am 15. April 1992 entschied RichterVaughn Walker (* 1944) inSan Francisco, dass die übrigen fraglichen Elemente nichturheberrechtsfähig seien.[11]
Windows 2.11 Desktop mit aktiver EMS Speichererweiterung
Windows war auf unterschiedlichenDiskettenformaten erhältlich.[12] Das direkt nach der Installation ausgeführte ToolMEMSET.EXE ist ferner für die Speicherkonfiguration (RAM, SmartDrive) von Windows 2.x verantwortlich. Wird die Speicherkonfiguration des Computers geändert, muss Windows 2.x – im Gegensatz zu späteren Windows-Versionen – neu installiert werden, worauf bei jedem Start der grafischen Oberfläche hingewiesen wird.[13]
Daniel Ichbiah:Die Microsoft-Story. Bill Gates und das erfolgreichste Software-Unternehmen der Welt. (Originaltitel:The Making of Microsoft, übersetzt von Patricia Künzel, mit einem Kapitel über:Microsoft in Zentral- und Osteuropa von Christian Wedell),Campus, Frankfurt am Main / New York, NY 1993,ISBN 3-593-34806-3 (Als Taschenbuch: 6. Auflage,Heyne, München 1996,ISBN 3-453-08161-7).
Michael Miller:Microsoft Windows 2 and Windows/386. Two New Windows Prove Ever More Useful Programs Add Features, Speed, and Better Compatibility. In:InfoWorld. Band 10, Nummer 3, 18. Januar 1988, S. 50–52.
PCjs Machines – Windows 2.0x (englisch) erlaubt die Ausführung (Emulation) von Windows 2.01 auf einemCOMPAQ DeskPro 386 imWebbrowser. Die Eingabewin86 startet die Windows/286,win386 startet Windows/386.
↑Mary Bellis: The Unusual History of Microsoft Windows. ThoughtCo, 4. Oktober 2019, abgerufen am 14. März 2021 (englisch): „On December 9, 1987, Microsoft released a much-improved Windows version 2.0 that made Windows based computers look more like a Mac.“
↑Dirk Makowski: Windows 2.xx. www.winhistory.de, abgerufen am 18. April 2009.
↑Microsoft Corporation: Windows History. www.microsoft.com, abgerufen am 18. April 2009.
↑Peggy Watt:PC Vendors Plan To Bundle Windows 386. In:InfoWorld. 9. Jahrgang,Nr.39, 28. September 1987,S.1, 105 (google.de).
↑DiskingRound: BetaArchive Wiki Windows:2.01. BetaArchive, 19. August 2017, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 19. August 2017; abgerufen am 19. August 2017 (englisch).Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäßAnleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.betaarchive.com
↑Peggy Watt:Microsoft Windows 386 To Beat Windows 2.0 Out the Door. In:InfoWorld. 9. Jahrgang,Nr.38, 21. September 1987,S.1, 117 (google.de).