Movatterモバイル変換


[0]ホーム

URL:


Zum Inhalt springen
WikipediaDie freie Enzyklopädie
Suche

Essigsäuremethylester

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet vonMethylacetat)
Strukturformel
Strukturformel von Methylacetat
Allgemeines
NameEssigsäuremethylester
Andere Namen
  • Methylacetat (IUPAC)
  • Ethansäuremethylester
  • Methylethanoat
  • METHYL ACETATE (INCI)[1]
SummenformelC3H6O2
Kurzbeschreibung

farblose Flüssigkeit mit fruchtigem Geruch[2]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer79-20-9
EG-Nummer201-185-2
ECHA-InfoCard100.001.078
PubChem6584
ChemSpider6335
WikidataQ414189
Eigenschaften
Molare Masse74,08 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig[2]

Dichte

0,93 g·cm−3[2]

Schmelzpunkt

−99°C[2]

Siedepunkt

57 °C[2]

Dampfdruck
  • 228 hPa (20 °C)[2]
  • 356 hPa (30 °C)[2]
  • 538 hPa (40 °C)[2]
  • 787 hPa (50 °C)[2]
Löslichkeit

leicht in Wasser (240–250 g·l−1 bei 20 °C)[2]

Brechungsindex

1,3614 (20 °C)[3]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),[4] ggf. erweitert[2]
GefahrensymbolGefahrensymbol

Gefahr

H- und P-SätzeH:225​‐​319​‐​336
EUH:066
P:210​‐​233​‐​240​‐​241​‐​242​‐​305+351+338[2]
MAK
  • DFG: 100 ml·m−3 bzw. 310 mg·m−3[2]
  • Schweiz: 100 ml·m−3 bzw. 310 mg·m−3[5]
Thermodynamische Eigenschaften
ΔHf0

−445,9 kJ/mol[6]

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten beiStandardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). Brechungsindex:Na-D-Linie, 20 °C

Essigsäuremethylester (nachIUPAC-Nomenklatur:Methylacetat, systematisch alsMethylethanoat bezeichnet) ist eineorganisch-chemischeVerbindung aus derStoffgruppe derCarbonsäureester.

Vorkommen und Biosynthese

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]
Attalea phalerata

Essigsäuremethylester ist eine von Pflanzen in großen Mengen emittierteflüchtige organische Verbindung (VOC). DieBiosynthese basiert auf derAcetylierung vonMethanol mitAcetyl-CoA unter Katalyse einerAlkoholacetyltransferase.[7]

Die flüchtigen Emissionen ausBlütenständen der PalmenartAttalea phalerata (GattungAttalea) bestehen praktisch ausschließlich aus Essigsäuremethylester. Es wirkt alsAllelochemikalie, die einerseitsBestäuber anlockt, beispielsweiseGlanzkäfer der GattungMystrops undRüsselkäfer der GattungAndranthobius, andererseits auchherbivore Insekten wieParatenthras martinsi (UnterfamilieWeberböcke).[8]

Essigsäuremethylester wurde auch iminterstellaren Medium im SternbildOrion nachgewiesen.[9]

Gewinnung und Darstellung

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]

Industriell fällt eine große Menge an Methylacetat bei der Herstellung vonEssigsäure durchCarbonylierung vonMethanol alsNebenprodukt an.[10]

Rhodiumkatalysierte Carbonylierung von Methanol zu Methylacetat als Nebenprodukt der industriellen Essigsäure-Produktion
Rhodiumkatalysierte Carbonylierung von Methanol zu Methylacetat als Nebenprodukt der industriellen Essigsäure-Produktion

Bei diesem Prozess handelt es sich um dasMonsanto- bzw. weiterentwickelteCativa-Verfahren zur großtechnischen Herstellung von Essigsäure durch Carbonylierung von Methanol unterRhodium- oderIridiumkomplex-Katalyse.[10]

Methylacetat lässt sich daneben auch durch die direktesäurekatalysierte Veresterung von Essigsäure mit Methanol unter Reaktivdestillation herstellen.[10]

Säurekatalysierte Veresterung von Essigsäure mit Methanol zu Methylacetat und Wasser
Säurekatalysierte Veresterung von Essigsäure mit Methanol zu Methylacetat und Wasser

AlsKatalysatoren werden nebenMineralsäuren wieSchwefel- oderp-Toluolsulfonsäure auchsaure Ionentauscherharze oderZeolithe eingesetzt. Letztere ermöglichen eine vereinfachte Aufarbeitung des Produkts sowie elegante Rückgewinnung des Katalysators. Methylacetat wird schließlich durchazeotrope Destillation aus dem Methanol/Methylacetat-Azeotrop gewonnen.[10]

Eigenschaften

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]

Physikalische Eigenschaften

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]

Essigsäuremethylester ist eine farblose Flüssigkeit, die beiNormaldruck bei 57 °C siedet.[2] DieDampfdruckfunktion ergibt sich nachAntoine entsprechend log10(P) = A−(B/(T+C)) (P in kPa, T in K) mit A = 7,06524, B = 57,630 und C = 219,726.[11][12] Diekritischen Größen betragen 506,8 K für die kritische Temperatur, 4688,8 kPa für den kritischen Druck und 228·10−6 m3·mol−1 für das kritische Volumen.[13][12] Die Verbindung ist in Wasser gut löslich mit 240 bis 250 g/l bei 20 °C.[2]

Sicherheitstechnische Kenngrößen

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]

Essigsäuremethylester bildet leicht entzündliche Dampf-Luft-Gemische. Die Verbindung hat einenFlammpunkt von −13 °C.[2][14] DerExplosionsbereich liegt zwischen 3,1 Vol.‑% (95 g/m³) als untere Explosionsgrenze (UEG) und 16 Vol.‑% (495 g/m³) als obere Explosionsgrenze (OEG).[2][14] Experimentell wurde ein unterer Explosionspunkt von −19 °C bestimmt.[2][14] DieSauerstoffgrenzkonzentration liegt bei 7,9 %.[15] Der maximale Explosionsdruck beträgt 9,6 bar.[2][14] DieGrenzspaltweite wurde mit 0,97 mm (50 °C) bestimmt.[2][14] Es resultiert damit eine Zuordnung in dieExplosionsgruppe IIA.[2][14] DieZündtemperatur beträgt 505 °C.[2][14] Der Stoff fällt somit in dieTemperaturklasse T1. Unter erhöhtem Druck wird ein starkes Absinken der Zündtemperatur beobachtet.[14]

Zündtemperaturen unter erhöhtem Druck[14]
Druckin bar3,297,410,612,46
Zündtemperaturin °C423368338320

Verwendung

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]

Essigsäuremethylester wird vorwiegend alsLösungsmittel fürCellulosenitrat,Celluloseacetat und andere verwendet. Des Weiteren ist es beschränkt alsExtraktionsmittel zugelassen. Außerdem wird Methylacetat auch in der weiterverarbeitenden Industrie aufgrund seinerFlüchtigkeit als Lösungsmittel für rasch trocknendeLacke eingesetzt. Ferner findet es Anwendung als Dunstmittel zur Aufweichung vonSteifkappen und zur Herstellung vonKlebstoffen, soUHU, auf der Basis vonPolyvinylacetat; ferner beiZelluloid-Klebstoffen aus Filmabfällen. Auch bei derFarbstoffherstellung und in derParfümindustrie findet Methylacetat verschiedenste Anwendungsfelder.[16] In neueren Arbeiten wird auch der Einsatz in derBiodiesel-Produktion erforscht.[17]

Essigsäuremethylester ist in der EU unter derFL-Nummer 09.023 als Aromastoff für Lebensmittel zugelassen.[18]

Sicherheitshinweise

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]

Methylacetat wird hauptsächlich über denAtemtrakt aufgenommen. Über diesen wird es vor allem in derLunge und imVerdauungstrakt gut resorbiert. Dabei kommt es akut zu Reizwirkungen aufAugen undAtemwege. Des Weiteren wurde eine Störung desZentralnervensystems festgestellt. Chronisch kann Methylacetat Hautschädigungen durch Kontakt mit derFlüssigkeit verursachen. Bei hohen Expositionen besteht die Gefahr einer Schädigung desSehnervs. EineReproduktionstoxizität,Mutagenität oderKanzerogenität konnte bisher noch nicht nachgewiesen werden bzw. es liegen keine ausreichenden Ergebnisse vor.

Einzelnachweise

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]
  1. Eintrag zuMETHYL ACETATE in derCosIng-Datenbank der EU-Kommission, abgerufen am 24. Oktober 2021.
  2. abcdefghijklmnopqrstuvEintrag zuMethylacetat in derGESTIS-Stoffdatenbank desIFA, abgerufen am 2. Januar 2026. (JavaScript erforderlich)
  3. David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL,Physical Constants of Organic Compounds, S. 3-334.
  4. Eintrag zuMethyl acetate in der DatenbankECHA CHEM derEuropäischen Chemikalienagentur (ECHA), abgerufen am 1. Februar 2016. Hersteller bzw.Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnungerweitern.
  5. Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva):Grenzwerte – Aktuelle MAK- und BAT-Werte (Suche nach79-20-9 bzw. Methylacetat), abgerufen am 14. September 2019.
  6. David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL,Standard Thermodynamic Properties of Chemical Substances, S. 5-24.
  7. Kolby Jardine, Frederik Wegener, Leif Abrell, Joost Van Haren, Christiane Werner:Phytogenic biosynthesis and emission of methyl acetate. In:Plant, Cell & Environment.Band 37,Nr. 2, Februar 2014,S. 414–424,doi:10.1111/pce.12164. 
  8. Artur Campos D. Maia, Daniela Maria do Amaral Ferraz Navarro, Luis Alberto Núñez-Avellaneda, Javier Carreño-Barrera, Luciana Iannuzzi, Juliana Cardona-Duque, Wesley Arruda Gimenes Nantes:Methyl acetate, a highly volatile floral semiochemical mediating specialized plant-beetle interactions. In:The Science of Nature.Band 108,Nr. 3, Juni 2021,doi:10.1007/s00114-021-01731-3. 
  9. Ankan Das, Liton Majumdar, Dipen Sahu, Prasanta Gorai, B Sivaraman, Sandip K. Chakrabarti:METHYL ACETATE AND ITS SINGLY DEUTERATED ISOTOPOMERS IN THE INTERSTELLAR MEDIUM. In:The Astrophysical Journal.Band 808,Nr. 1, 15. Juli 2015,S. 21,doi:10.1088/0004-637X/808/1/21. 
  10. abcdCarole Le Berre, Philippe Serp, Philippe Kalck, G. Paull Torrence:Acetic Acid. In:Ullmann’s Encyclopedia of Industrial Chemistry. Wiley‐VCH Verlag GmbH & Co. KGaA., 26. März 2014, S. 25,doi:10.1002/14356007.a01_045.pub3 (Abschnitt „Methyl acetate“).
  11. Boublik, T.; Fried, V.; Hala, E.:The Vapor Pressures of Pure Substances Elsevier 1975.
  12. abKapoor, S.; Gill, B.K.; Rattan, V.K.:Isobaric Vapor-Liquid Equilibrium of Binary Mixture of Methyl Acetate with Isopropylbenzene at 97.3 kPa inInt. J. Chem. Mol. Eng.2 (2008) 281–284.
  13. Reid, R.C.; Prausnitz, J.M.; Poling, B.E.: The properties of Gases and Liquids, 4th ed. McGrawl-Hill, New York 1985.
  14. abcdefghiChemsafe Datenbank für sicherheitstechnische Kenngrößen im Explosionsschutz, PTB Braunschweig/BAM Berlin, abgerufen am 24. Februar 2021.
  15. Mitu, M.; Brandes, E.; Zakel, S.; Hirsch, W.:Explosion regions and limiting oxygen concentrations of methyl propionate, methyl acetate, dimethyl carbonate with air and inert gas mixtures inJ. Loss Prev. Proc. Ind. 69 (2021) 104384,doi:10.1016/j.jlp.2020.104384.
  16. Eintrag zuMethylacetat. In:Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 17. Januar 2019.
  17. G. Doná, L. Cardozo-Filho, C. Silva, F. Castilhos:Biodiesel production using supercritical methyl acetate in a tubular packed bed reactor. In:Fuel Processing Technology. Band 106, 2013, S. 605–610,doi:10.1016/j.fuproc.2012.09.047.
  18. Food and Feed Information Portal Database | FIP. Abgerufen am 16. März 2025. 
Normdaten (Sachbegriff):GND:4153058-5 (GND Explorer,lobid,OGND,AKS)
Abgerufen von „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Essigsäuremethylester&oldid=263789755
Kategorien:

[8]ページ先頭

©2009-2026 Movatter.jp