Meptazinol

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Strukturformel
Meptazinol-Enantiomere
1:1-Gemisch aus(R)-Form (oben)
und(S)-Form (unten)
Allgemeines
FreinameMeptazinol
Andere Namen
  • (RS)-3-(3-Ethylhexahydro-1-methyl-1H-azepin-3-yl)phenol
  • rac-3-(3-Ethylhexahydro-1-methyl-1H-azepin-3-yl)phenol
  • (±)-3-(3-Ethylhexahydro-1-methyl-1H-azepin-3-yl)phenol
  • DL-3-(3-Ethylhexahydro-1-methyl-1H-azepin-3-yl)phenol
Summenformel
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer259-109-9
ECHA-InfoCard100.053.718
PubChem41049
ChemSpider37469
DrugBankDB13478
WikidataQ410618
Arzneistoffangaben
ATC-Code

N02AX05

Wirkstoffklasse

Opioid-Analgetikum

Eigenschaften
Molare Masse
  • 233,35g·mol−1(Meptazinol)
  • 269,81 g·mol−1(Meptazinol·Hydrochlorid)
Schmelzpunkt
  • 127,5–133°C(Meptazinol)[1]
  • 183–187 °C(Meptazinol·Hydrochlorid)[2]
Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von derKennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung[3]

Hydrochlorid

Achtung

H- und P-SätzeH:302
P:264​‐​270​‐​301+312​‐​501[3]
Toxikologische Daten
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten beiStandardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Meptazinol (HandelsnameMeptid, Hersteller: biosyn Arzneimittel GmbH) ist einOpioid-Analgetikum für mäßig starke bis starke Schmerzen verschiedener Ursachen. Meptazinol ist nebenTramadol undNalbuphin eines der drei injizierbaren Opioid-Analgetika, die nicht unter dasBtMG fallen. Dieanalgetische Potenz beträgt das 0,1-fache vonMorphin. Es besteht keine Abhängigkeitsentwicklung.[4][5][6]

Inhaltsverzeichnis

Klinische Angaben

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Anwendungsgebiete (Indikationen)

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Meptazinol wird hauptsächlich zur Behandlung desGeburtsschmerzes (zur Kupierung derWehenschmerzen) eingesetzt. Aufgrund des besseren Nebenwirkungsprofils verdrängt Meptazinol zunehmendPethidin aus den Kreißsälen.[7] Der entscheidende Vorteil von Meptazinol besteht darin, dass es zu einer selteneren und weniger ausgeprägtenAtemdepression der Neugeborenen kommt.[8]

Meptazinol hat seine primären Einsatzbereiche in folgenden Gebieten:[4]

  • Behandlung des Wehenschmerzes
  • als postoperatives Analgetikum bei schwachen bis mittelstarken Schmerzen
  • als Basisanalgetikum im Rahmen einer opioidgestütztenNarkose
  • wegen der minimalen bis fehlenden Atemdepression als Analgetikum bei akuten, traumatischen Schmerzen im Rahmen derNotfallmedizin
  • wegen der fehlendenVigilanzbeeinträchtigung und einer nur 27%igenProteinbindung als Analgetikum in der Schmerztherapie des alten Patienten
  • wegen der geringen kreislaufstimulierenden,adrenergen Wirkung bei allen Schmerzsituationen mit gleichzeitig starken Blutverlusten
  • wegen der antiarrhythmischen Wirkung bei einer gleichzeitig geringen Vigilanzbeeinträchtigung und einer minimalen Proteinbindung als das Analgetikum der Wahl bei mittelstarken Schmerzen alter und sehr alter Patienten

Art und Dauer der Anwendung

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Die Dauer der Anwendung richtet sich nach der Schmerzursache, beziehungsweise der Art der Erkrankung. Die Injektion erfolgt intramuskulär oder langsam intravenös.

Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

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Bei Überempfindlichkeit gegen Meptazinol darf dieses Medikament nicht angewandt werden.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

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Leberenzyminduzierende Pharmaka können die Wirkung von Meptazinol abschwächen.

Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit

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Nicht während der Schwangerschaft anzuwenden, außer zur Linderung von Wehenschmerzen. Beim Neugeborenen ist in seltenen Fällen Atemdepression möglich.

Unerwünschte Wirkungen (Nebenwirkungen)

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Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören im Wesentlichen Übelkeit und Erbrechen, Müdigkeit bis hin zur Benommenheit und Schwindel,Cephalgien und Magen-Darm-Alterationen.[7]

Pharmakologische Eigenschaften

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Wirkungsmechanismus (Pharmakodynamik)

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Für die analgetische Wirkung bindet Meptazinol als partiellerAgonist den µ1-Opioidrezeptor. Zum µ2-Rezeptor, welcher Atemdepressionen bedingt, existiert dabei nur eine ganz geringe Affinität.[8] Im Unterschied zu anderen Analgetika wird die analgetische Wirkung zusätzlich durch zentral-cholinerge Effekte unterstützt.[9]

Stereoisomerie

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Meptazinol enthält einStereozentrum, es gibt also zweiStereoisomere, das (R)-Enantiomer und das spiegelbildliche (S)-Enantiomer. Es ist bekannt, dass Stereoisomere unterschiedliche pharmakologische Wirkungen besitzen.[10] Dennoch wird Meptazinol alsRacemat (1:1-Gemisch der beiden Enantiomeren) vermarktet.

Synthese

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Eine mehrstufige Synthese von Meptazinol ausgehend von 2-(3-Methoxyphenyl)butyronitril und 4-Iodbuttersäureethylester ist in der Literatur[11] beschrieben. Im zweiten Schritt wird das Nitril zum primären Amin reduziert, das dann zum substituierten Caprolactam cyclisiert. Die Carbonylfunktion des Lactams wird dann mit Lithiumaluminiumhydrid reduziert, es resultiert ein sekundäres heterocyclisches Amin, das am Stickstoff methyliert wird. In der letzten Stufe wird der Methylether gespalten, es entsteht das phenolische Meptazinol als Racemat.

Synthese von racemischem Meptazinol (* = Stereozentrum)

Synthese von racemischem Meptazinol (* =Stereozentrum)

Einzelnachweise

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  1. TheMerck Index. An Encyclopaedia of Chemicals, Drugs and Biologicals. 14. Auflage. 2006,ISBN 0-911910-00-X, S. 1013–1014.
  2. abcEintrag zuMeptazinol. In:Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 8. März 2024.
  3. abcdefgDatenblattMeptazinol hydrochloride beiSigma-Aldrich, abgerufen am 8. März 2024 (PDF).
  4. abEnno Freye:Opioide in der Medizin. 7. Auflage. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2008, S. 314–316.
  5. P. G. Goode, K. F. Rhodes, J. F. Waterfall:The analgesic and respiratory effects of meptazinol, morphine and pentazocine in the rat. In:J Pharm Pharmacol. 31, 1979, S. 793–795.
  6. R. E. Johnson, D. R. Jasinski:Human pharmacology and abuse potential of meptazinol. In:Clin Pharmacol Ther. 41, 1987, S. 426–433.
  7. abU. Friebe-Hoffmann, L. Beck:Medikamentöse Analgesie in der Geburtshilfe. In:Gynäkologe. 40, 2007, S. 190–193.
  8. abG. W. Pasternak, A. R. Gintzler, R. A. Houghten, G. S. Ling, R. R. Goodman, K. Spiegel, S. Nishimura, N. Johnson, L. D. Recht:Biochemical and pharmacological evidence for opioid receptor multiplicity in the central nervous system. In:Life Sci. 33 Suppl 1, 1983, S. 167–173.
  9. D. J. Bill, J. E. Hartley, R. J. Stephens, A. M. Thompson:The antinociceptive activity of meptazinol depends on both opiate and cholinergic mechanisms. In:Br J Pharmacol. 79(1), 1983, S. 191–199.
  10. E. J. Ariëns:Stereochemistry, a basis for sophisticated nonsense in pharmacokinetics and clinical pharmacology. In:European Journal of Clinical Pharmacology. 26, 1984, S. 663–668,doi:10.1007/BF00541922.
  11. Axel Kleemann, Jürgen Engel, Bernd Kutscher, Dietmar Reichert:Pharmaceutical Substances. 4. Auflage. 2 Bände. Thieme-Verlag, Stuttgart 2000,ISBN 1-58890-031-2. (seit 2003 online mit halbjährlichen Ergänzungen und Aktualisierungen)
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