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Mensch

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Homo sapiens ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zu weiteren jeweiligen Bedeutungen sieheMensch (Begriffsklärung) undHomo sapiens (Begriffsklärung).
Mensch

Carl von Linné,nachträglich zugewiesenerTypus derArtHomo sapiens

Systematik
Überfamilie:Menschenartige (Hominoidea)
Familie:Menschenaffen (Hominidae)
Unterfamilie:Homininae
Tribus:Hominini
Gattung:Homo
Art:Mensch
Wissenschaftlicher Name
Homo sapiens
Linnaeus, 1758
25 % der heute lebenden Menschen sind höchstens 14 Jahre alt.
15 % sind 15 bis 24 Jahre alt.
50 % sind 25 bis 64 Jahre alt.
10 % sind mindestens 65 Jahre alt.
49,7 % wurdenweiblichen Geschlechts geboren.
50,3 % wurdenmännlichen Geschlechts geboren.
Einige Menschen haben einenichtbinäre Geschlechtsidentität.

Mensch (Homo sapiens,lateinisch für „verstehender, verständiger“ oder „weiser, gescheiter, kluger, vernünftiger Mensch“) ist nach derbiologischen Systematik eineArt derGattungHomo aus derFamilie derMenschenaffen, die zurOrdnung derPrimaten und damit zu denhöheren Säugetieren gehört.

Menschen sind die einzigerezente Art der GattungHomo. Die Art ist inAfrika seit rund 300.000 Jahrenfossil belegt[1] und entwickelte sich dort über das alsarchaischerHomo sapiens bezeichneteevolutionäre Bindeglied vermutlich aus der ArtHomo erectus. ZwischenHomo sapiens, denNeandertalern und denDenisova-Menschen gab es nachweislich – vermutlich mehrfach – einenGenfluss. Weitere, jedoch deutlich jüngere fossile Belege gibt es für die Art von allenKontinenten außerAntarktika. Von den noch lebenden Menschenaffen sind dieSchimpansen den Menschenstammesgeschichtlich am nächsten verwandt, am zweitnächsten dieGorillas.

Allgemeine Eigenschaften der Menschen und besondere Formen menschlichen Zusammenlebens werden in derAnthropologie,Ethnologie undSoziologie untersucht. Im Laufe ihrerStammesgeschichte und insbesondere derHominisation haben sich Merkmale herausgebildet, welche die Voraussetzungen dafür bildeten, dass Menschen in hohem Maßesozialisations- undkulturabhängige Wesen werden konnten. Dazu gehören eine lang andauerndeKindheit, die Fähigkeit zumSpracherwerb und zu gemeinschaftlicherArbeit sowie das Eingehen besonders komplexer sozialerBindungen.

Durch dasBewusstsein erschließt sich den Menschen die zeitliche Dimension desDaseins sowie einreflektiertes Verhältnis zu sich selbst. Daraus ergeben sich die eigeneExistenz betreffende Fragen, wie zum Beispiel die nach der persönlichenFreiheit, nach der menschlichen Stellung in derNatur, nachmoralischen Grundsätzen des Zusammenlebens und einemSinn des Lebens. Im Rahmen der Reflexion des Verhältnisses zu anderen Lebewesen haben viele Kulturen einMenschenbild entwickelt, das die Menschen von der Natur absondert und dieser gegenüberstellt. Eine solcheSonderstellung innerhalb der Tierwelt wurde etwa durchSchöpfungserzählungen begründet, die den Menschen einen separaten Ursprung zuschreiben, oder durch die Bestimmung der Menschen alsVernunftwesen. Sie findet aber auch in modernen Vorstellungen wie derMenschenwürde und denMenschenrechten einen Widerhall.

DieGesamtzahl der Individuen wuchs eine Zeit langexponentiell und beträgt mittlerweile mehr als acht Milliarden. In ihrer Gesamtheit werden diese alsMenschheit bezeichnet. In derGeschichte der Menschheit kam es zur Bildung zunehmend komplexersozialer Systeme, seit derneolithischen Revolution sind dies die so genanntenZivilisationen. Die Entwicklung derTechnik führte bis heute zu einem dermaßen umfassendenanthropogenen Einfluss auf dasÖkosystem Erde, dass vorgeschlagen wurde, das aktuelleErdzeitalterAnthropozän zu nennen. Einige der ihr gesetztenplanetaren Grenzen hat die Menschheit in jüngerer Vergangenheit bereits überschritten. DieseEntwicklung oder andere Szenarien könnten zu einemZivilisationskollaps oder sogar zumEnde der Menschheit führen.

Etymologie und Artname

Homo sapiens sapiens ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zur Kunstinstallation aus dem Jahr 2005 sieheHomo Sapiens Sapiens (Video).

Das WortMensch ist imAlthochdeutschen seit dem 8. Jahrhundert in der Schreibungmennisco (Maskulinum) belegt und imMittelhochdeutschen in der Schreibungmensch(e) (Maskulinum oderNeutrum) in der Bedeutung „Mensch“. Das Wort ist eineSubstantivierung von althochdeutschmennisc, mittelhochdeutschmennisch für „mannhaft“ und wird zurückgeführt auf einenindogermanischen Wortstamm, in dem die BedeutungMann undMensch in eins fiel – heute noch erhalten inman. Das Neutrum(das Mensch) hatte bis ins 17. Jahrhundert keinen abfälligen Beiklang und bezeichnete bis dahin insbesondere Frauen von niederem gesellschaftlichen Rang.[2]

DerName der ArtHomo sapiens (klassisch [ˈhɔmoː ˈsapieːns], gebräuchliche Aussprache [ˈhoːmo ˈzaːpiəns], nachlat.homo sapiens ‚einsichtsfähiger/weiser Mensch‘) wurde 1758 durchCarl von Linné in der zehnten Auflage seines WerksSystema Naturæ geprägt. Auch im aktuellenCatalog of Life desIntegrated Taxonomic Information System wird die Bezeichnung „Homo sapiens Linnaeus, 1758“ als „akzeptierter wissenschaftlicher Name“ ausgewiesen.[3] Von den 1930er-Jahren bis in die 1990er-Jahre wurde der Mensch alsHomo sapiens sapiens und derNeandertaler alsHomo sapiens neanderthalensis bezeichnet. Diese Einordnung des Neandertalers alsUnterart vonHomo sapiens gilt jedoch derzeit als veraltet, da es seitdem unterPaläoanthropologen „eine zunehmende Akzeptanz, dass die Neandertalermorphologisch unverwechselbar sind,“ gibt und sich daher in der Fachliteratur die BezeichnungenHomo sapiens undHomo neanderthalensis durchgesetzt haben.[4]

Merkmale des Körpers

Hauptartikel:Menschlicher Körper undSkelett des Menschen
Der Körper des Menschen: Beispielhaft eine Frau und ein Mann, von vorne und hinten betrachtet.

Mit dem Körper des Menschen befassen sich unter anderem dieAnatomie, dieHumanbiologie und dieMedizin. Die Anzahl derKnochen des Menschen beträgt (individuell verschieden) beim Erwachsenen 206 bis 214. DasSkelett vonSäuglingen hat noch mehr als 300 Knochen, von denen einige im Laufe der Zeit zusammenwachsen.

DieKörpergröße des Menschen ist zum Teil vererbt, hängt jedoch auch von Lebensumständen wie der Ernährung ab. Auch das Geschlecht spielt eine Rolle: Männer sind im Durchschnitt größer als Frauen. Seit dem 19. Jahrhundert ist die durchschnittliche Körpergröße in Mitteleuropa bzw. Deutschland von 167,6 cm (Männer) / 155,7 cm (Frauen)[5] auf 178 cm (Männer) / 165 cm (Frauen)[6] angestiegen.

Für dasKörpergewicht des Menschen gibt es keinen medizinischen Konsens, was als „wünschenswert“ oder „natürlich“ gelten sollte, zumal das Körpergewicht auch von der Körpergröße abhängig ist. Gleichwohl hat dieWeltgesundheitsorganisation (WHO) hilfsweise anhand desBody-Mass-Index (BMI) einen Normbereich (normal range) definiert, der einen BMI von 18,50 bis 24,99 umfasst.[7]

Siehe auch:Organe des Menschen undMenschliche Geschlechtsunterschiede

Im Folgenden werden einige der wichtigsten Merkmale der Spezies, insbesondere im Vergleich zu anderen Menschenaffen und sonstigen Primaten, genannt.

Aufrechter Gang

Hauptartikel:Bipedie
Darstellung derEvolution des aufrechten Gangs (angelehnt an den „March of Progress“ vonRudolph Zallinger)

Der Mensch besitzt einen aufrechten Gang (Bipedie), was in der Tierwelt an sich nichts Ungewöhnliches, jedoch bei den Säugetieren selten ist. Der aufrechte Gang ermöglicht dem Menschen das zweibeinigeStehen,Gehen, Laufen. Er hat damit zwei Gangarten. Gerade im Säuglingsalter hat er aber noch ein großes Repertoire weiterer Bewegungsabläufe (krabbeln) und kann auch eigene entwickeln (z. B.Hopserlauf).

Der Mensch besitzt keinen Greiffuß wie die meisten anderen Primaten, sondern einenFuß mit verkürztenZehen und anliegender Großzehe. Dafür dient dieHand des Menschen nicht mehr zur Fortbewegung. Untypisch für einen Affen sind beim Menschen dieArme kürzer als dieBeine. Wie bei allenMenschenartigen fehlt der Schwanz. Eine weitere Folge der Entwicklung des aufrechten Gangs beim Menschen ist seine doppelt-S-förmigeWirbelsäule und das kräftig ausgebildeteGesäß, welches die aufrechte Haltung und Fortbewegung erst ermöglicht.

Der aufrechte Gang muss erst individuell erlernt werden, was etwa ein bis eineinhalb Jahre ab der Geburt dauert.

Gehirn

Hauptartikel:Zerebralisation undGehirnentwicklung beim Menschen
Rotationsanimiertes Modell eines menschlichen Gehirns (ohne rechtesGroßhirn;Frontallappen rot markiert)

Das menschlicheGehirn entspricht in seinem Aufbau dem Gehirn anderer Primaten, ist jedoch im Verhältnis zur Körpergröße größer.[8][9] Die Anzahl derNervenzellen im Gehirn eines erwachsenen Menschen beträgt etwa 86 Milliarden, in derRinde desGroßhirns etwa 16 Milliarden.[9][10] Im Vergleich dazu hat das Gehirn einesRhesusaffen ca. 6,4 Milliarden Nervenzellen[11] und das Gehirn einesElefanten ca. 257 Milliarden, davon 5,6 Milliarden in derGroßhirnrinde (Cortex cerebri).[12] Doch beimGrindwal beträgt die Neuronenanzahl allein imNeocortex ca. 37 Milliarden, also etwa doppelt so viel wie beim Menschen.[13]

Die Großhirnrinde ist am menschlichen Gehirn besonders stark ausgeprägt, insbesondere dieFrontallappen, denenexekutive Funktionen wie Impulskontrolle, emotionale Regulation, Aufmerksamkeitssteuerung, zielgerichtetes Initiieren und Sequenzieren von Handlungen, motorische Steuerung, Beobachtung der Handlungsergebnisse und Selbstkorrektur zugeordnet werden. Der Bereich der Großhirnrinde, der für dasSehen zuständig ist, sowie Zonen, die für dieSprache eine Rolle spielen, sind ebenfalls beim Menschen deutlich vergrößert.

Anhand von Fossilienfunden ist belegbar, dass sich deraufrechte zweibeinige Gang des Menschen deutlich früher entwickelte als die starke Vergrößerung des Gehirns.[14] Die Vergrößerung des Gehirns ereignete sich zeitgleich mit einer Verkleinerung der Kaumuskulatur.

DasGesicht des Menschen ist flacher als bei einemMenschenaffen-Schädel, der eine hervorstehendeSchnauze hat. Hingegen hat der Mensch durch die Rücknahme des Ober- und Unterkiefers ein vorspringendes Kinn. Mit der starken Zunahme des Gehirnvolumens entstand eine hohe Stirn und seine charakteristischeSchädelform.

Haut und Behaarung

Der Mensch verfügt in besonderem Maße über die Fähigkeit der Wärmeabfuhr durchSchwitzen. Kein anderer Primat besitzt eine so hohe Dichte anSchweißdrüsen wie der Mensch. Die Kühlung des Körpers durch Schwitzen wird unterstützt durch die Eigenheit, dass der Mensch im Unterschied zu den meisten Säugetieren kein (dichtes)Fell hat. Während seineKörperbehaarung nur gering ausgebildet ist, wächst seinKopfhaar ohne natürlich begrenzte Länge. Ein Teil der verbliebenen Körperbehaarung entwickelt sich erst in derPubertät: dasScham- und Achselhaar sowie dieBrustbehaarung und dasBarthaar beim Mann.

Eine Folge der Felllosigkeit ist die rasche Auskühlung bei Kälte aufgrund der geringerenWärmeisolation. Der Mensch lernte jedoch, dies durch das Nutzen vonFeuer und das Anfertigen vonBehausungen undKleidung zu kompensieren. Beides ermöglicht ihm auch das Überleben in kälteren Regionen. Ein weiterer Nachteil der Felllosigkeit ist das erhöhte Risiko für dieHaut, durchultraviolettes Licht geschädigt zu werden, da Fell einen wichtigenSonnenschutz darstellt. Die je nach Herkunftsregion unterschiedlicheHautfarbe wird alsAnpassung an die – je nachgeographischer Breite – unterschiedlich intensive Einstrahlung des von der Sonne kommenden ultravioletten Lichts interpretiert (→Evolution der Hautfarben beim Menschen).

Lebensweise

Ernährung und Gebiss

Hauptartikel:Ernährung des Menschen

Nach heutigem Kenntnisstand ist der Mensch „von Natur aus“ weder ein reinerFleischfresser (Carnivore) noch ein reinerPflanzenfresser (Herbivore), sondern ein so genannterAllesfresser (Omnivore); umstritten ist allerdings, welcher Anteil der Nahrungsaufnahme in den verschiedenen Zeiten und Regionen auf Fleisch und auf Pflanzenkost entfiel.[15] Die omnivore Lebensweise erleichterte es dem Menschen, sich nahezu jedesÖkosystem der Erde als Lebensraum zu erschließen.[16]

Der Mensch besitzt ein Allesfressergebiss mit parabelförmig angeordneten Zahnreihen. Wie die meisten Säugetiere vollzieht er einenZahnwechsel. DasMilchgebiss des Menschen hat 20 Zähne, das bleibende Gebiss 32 (inklusiveWeisheitszähne). DieZahnformel des Menschen ist wie bei allenAltweltaffenI2-C1-P2-M3. Der Mensch hat jedoch verkleinerte Schneide- und Eckzähne.

Sexualität

Hauptartikel:Sexualität des Menschen

Die Fruchtbarkeit (dieGeschlechtsreife mit dem Erreichen derMenarche bzw.Spermarche) beginnt beim Menschen deutlich später als bei anderen (auch langlebigen)Primaten.

Eine Besonderheit der menschlichen Sexualität ist der versteckteEisprung. Während die Fruchtbarkeit bei weiblichen Säugetieren in der Regel durch körperliche oder Verhaltens-Signale mitgeteilt wird, damit in dieser Phase eine Befruchtung stattfinden kann, ist sie beim Menschen „versteckt“. Deshalb ist derGeschlechtsakt beim Menschen weniger stark mit der Fortpflanzung verbunden.[17] DasSexualverhalten des Menschen hat über dieRekombination vonGenen hinaus zahlreiche soziale Funktionen; es gibt mehreresexuelle Orientierungen.

Eine weitere Besonderheit ist dieMenopause bei der Frau. Bei vielen Tierarten sind Männchen und Weibchen in aller Regel bis zu ihrem Tode fruchtbar. Nur bei wenigen Tierarten ist die Fruchtbarkeit des Weibchens zeitlich begrenzt.

Fortpflanzung

Hauptartikel:Menschliche Fortpflanzung
Neugeborener Mensch

DieFortpflanzung des Menschen hängt vomgenerativen Verhalten ab.

DieSchwangerschaft, wie dieTrächtigkeit beim Menschen genannt wird, beträgt von der Befruchtung bis zur Geburt durchschnittlich 266 Tage.[18]

Wegen des großen Gehirnvolumens des Menschen bei gleichzeitigen durch den aufrechten Gang bestimmten Anforderungen an seinenBeckenboden und die relative Enge desGeburtskanals ist dieGeburt besonders problematisch: Eine menschliche Geburt kann weit schmerzhafter sein als bei anderen Tieren, auch im Vergleich mit anderen Primaten, und kann auch leichter zu Komplikationen führen. Um deren Auftreten zu verringern und bereits aufgetretene behandeln zu können, wurden die Methoden derGeburtshilfe entwickelt.

Neugeborene kommen in einem besonders unreifen und hilflosen Zustand auf die Welt. DieSäuglinge verfügen in den ersten Lebensmonaten lediglich über (Neugeborenen-)Reflexe. Sie können sich nicht eigenständig fortbewegen und sind daher weitgehend passiveTraglinge.

Lebenserwartung

Hauptartikel:Lebenserwartung

Der Mensch ist die langlebigste Art unter allen Primaten.[19]

Neben genetischen Anlagen spielen die Qualität der medizinischen Versorgung, Stress, Ernährung und Bewegung wichtige Rollen bei der menschlichen Lebenserwartung. Frauen haben im Durchschnitt eine um mehrere Jahre höhere Lebenserwartung als Männer. Die Lebenserwartung hat sich in den letzten Jahrzehnten in den meisten Ländern der Erde kontinuierlich verlängert. Unter guten Rahmenbedingungen können Menschen 100 Jahre und älter werden.

Taxonomie und Genetik

Taxonomie

Stammbaum derMenschenaffen (Hominidae)
Stammbaum der archaischen Verwandten (GattungHomo) des Menschen bis zur Gegenwart (Homo sapiens).
Zahlen links: Alter in Millionen Jahren

Bis in die späten 1980er-Jahre wurden dieOrang-Utans,Gorillas undSchimpansen in der Familie derMenschenaffen (Pongidae) zusammengefasst und der Familie derEchten Menschen (Hominidae) gegenübergestellt.Genetische Vergleiche zeigten, dass Schimpansen und Gorillas näher mit dem Menschen verwandt sind als mit den Orang-Utans; seitdem werden Menschen, Schimpansen und Gorillas nebst all ihrenfossilen Vorfahren zurUnterfamilie Homininae und diese neben dasTaxon Ponginae der Orang-Utans gestellt.

Von den anderen heute noch lebenden Menschenaffen kannHomo sapiens anhand seinesGenotyps unterschieden werden, ferner anhand seinesPhänotyps, seinerOntogenie und seinesVerhaltens. Hinzu kommen erhebliche Unterschiede in Bezug auf die Dauer bestimmter Lebensabschnitte: die Entwicklung des Säuglings vollzieht sich beiHomo sapiens langsamer als bei den anderen Menschenaffen – mit der Folge, dass der Mensch eine deutlich verlängerteKindheit sowieAdoleszenz besitzt. Dies wiederum hat zur Folge, dass der Mensch erst relativ spätgeschlechtsreif wird und der Aufwand der Eltern zugunsten ihrer Kinder sehr hoch ist; zudem ist der Abstand zwischen den Geburten geringer und die Lebenserwartung höher.[20]

Vom 18. Jahrhundert bis zum späten 20. Jahrhundert wurde die ArtHomo sapiens in verschiedene Rassen oder Varietäten unterteilt (sieheRassentheorie). Dies erwies sich jedoch ab den 1970er-Jahren aufgrundpopulationsgenetischer Untersuchungen als fragwürdig und gilt heute als nicht mehr haltbar. Ende der 1920er-Jahre unternahm der russische Biologe und TierzüchterIlja Iwanowitsch Iwanow ergebnislose Kreuzungsversuche zwischen Schimpansen und Menschen.

Siehe auch:vollständige Taxonomie des Menschen

Genetik

Hauptartikel:Humangenetik,Humangenomprojekt undPopulation (Anthropologie)

DieErbinformation des Menschen ist imZellkern in derDNA auf 46Chromosomen, davon zweiGeschlechtschromosomen, gespeichert sowie in derDNA der Mitochondrien. Das menschliche Genom wurde in den Jahren 1998 bis 2005 vollständigsequenziert. Insgesamt enthält das Genom diesem Befund zufolge rund 20.000 bis 25.000 Gene und 3,2 MilliardenBasenpaare.[21][22]

Das menschliche Genom enthält (wie das jedes anderenEukaryoten) sowohl codierende als auch nicht-codierendeDNA-Sequenzen, die oftmals denjenigen verwandter Lebewesenhomolog sind („gleiches“ Gen) und häufig mit den DNA-Sequenzen sehr nahe verwandter Arten – wie der anderer Menschenaffen – sogar völlig übereinstimmen. Aus der Ähnlichkeit der DNA-Sequenzen unterschiedlicher Arten lässt sich zudem derenVerwandtschaftsgrad berechnen: Auf diese Weise bestätigten genetische Analysen, dass die Schimpansenarten (Bonobos,Gemeine Schimpansen),Gorillas[23] undOrang-Utans (in dieser Reihenfolge) die nächstenrezenten Verwandten des Menschen sind.

Weitere genetische Analysen ergaben, dass diegenetische Vielfalt beim Menschen, im Vergleich mit den anderen Menschenaffen, gering ist. Dieser Befund wird erklärt durch eine zeitweise sehr geringe (am Rande des Aussterbens befindliche) Population (vergleiche:Mitochondriale Eva,Adam des Y-Chromosoms).

Inzwischen wiesen mehrere Studien darauf hin, dass archaische Verwandte des Menschen in geringer Menge (1–2 %) Spuren im Genom von unterschiedlichenPopulationen des Menschen der Gegenwart hinterlassen haben. Zunächst wurde das für den Neandertaler in Europa und Westasien nachgewiesen,[24][25] etwas später für denDenisova-Menschen in Südostasien[26][27] und zuletzt wurde solcherGenfluss archaischer Menschen zu Homo sapiens auch für Afrika postuliert.[28][29][30]

Das Fehlen der Diagnose

Beschreibung des Menschen in der ersten Auflage von LinnésSystema Naturæ
Hauptartikel:Archaischer Homo sapiens

AlsCarl von Linné 1735 den Menschen in seiner SchriftSystema Naturæ dem Tierreich und in diesem der GattungHomo zuordnete, verzichtete Linné – im Unterschied zu seiner üblichen Vorgehensweise – auf eineDiagnose, das heißt auf eine an körperlichen Merkmalen ausgerichtete, genaue Beschreibung der Gattung. Stattdessen notierte er:Nosce te ipsum („Erkenne dich selbst“) und ging demnach davon aus, dass jeder Mensch genau wisse, was ein Mensch sei. Die GattungHomo unterteilte er in vier Varianten:Europæus, Americanus, Asiaticus sowieAfricanus und gab ihnen jeweils noch Farbmerkmale bei –albescens, rubescens, fuscus undnigrans, gleichbedeutend mit hell, rötlich, braun und schwarz. 1758, in der 10. Auflage vonSystema Naturæ, bezeichnete Linné den Menschen zwar erstmals auch alsHomo sapiens und führte zudem diverse angebliche charakterliche und körperliche Merkmale der Varianten an, verzichtete aber weiterhin auf eine Benennung der diagnostischen Merkmale der Art.

1775 bezeichneteJohann Friedrich Blumenbach in seinerDissertationDe generis humani varietate nativa („Über die natürlichen Verschiedenheiten im Menschengeschlechte“) die von Linné eingeführten Varianten als die vier „Varietäten“ des Menschen[31] und beschrieb einige ihrer gemeinsamen Merkmale. Diese Gemeinsamkeiten führte er – mehr als 80 Jahre vorDarwinsDie Entstehung der Arten – darauf zurück, dass sie einer gemeinsamen „Gattung“ entsprungen seien. Jedoch erwiesen sich auch diese Merkmale nicht als geeignet, mit ihrer Hilfe zu entscheiden, ob Fossilien der ArtHomo sapiens zuzuordnen oder nicht zuzuordnen sind.

Einen Schritt weiter ging der BotanikerWilliam Thomas Stearn und erklärte 1959 Carl von Linné selbst (Linnaeus himself) zumLectotypus der ArtHomo sapiens.[32] Diese Festlegung ist nach den heute gültigen Regeln korrekt.[33] Carl von Linnés sterbliche Überreste (sein imDom zu Uppsala bestattetes Skelett) sind daher der nomenklatorische Typus desHomo sapiens.[34]

Dennoch fehlt auch weiterhin eine allgemein anerkannte Diagnose der ArtHomo sapiens: „Unsere ArtHomo sapiens war niemals Gegenstand einer formalenmorphologischen Definition, die uns helfen würde, unsere Artgenossen in irgendeiner brauchbaren Weise in den dokumentierten fossilen Funden zu erkennen.“[35] Mangels klarer morphologischer Kriterien erfolgt die Zuordnung von Fossilien zuHomo sapiens häufig primär aufgrund ihres datierten Alters, eines bloßen paläontologischen Hilfskriteriums.

Geschichte

Hauptartikel:Menschheitsgeschichte

Mit der Entwicklungsgeschichte derMenschheit von ihren Anfängen bis zum Jetzt-Menschen beschäftigen sich insbesondere diePaläoanthropologie, dieArchäologie und dieGenetik.

Stammesgeschichte

Hauptartikel:Hominisation undStammesgeschichte des Menschen

Die Entwicklung des Menschen führte vermutlich über Arten, die den nachfolgend aufgeführten Arten zumindest ähnlich gewesen sein dürften, zuHomo sapiens:Ardipithecus ramidus,Australopithecus afarensis,Homo rudolfensis /Homo habilis undHomo ergaster /Homo erectus.

315.000 Jahre alte Schädelknochen ausMarokko (Djebel Irhoud) gelten derzeit als älteste, unbestritten demHomo sapiens zugeordneteFossilien.[36] Lange Zeit lebte die ArtHomo sapiens in Afrika parallel zum primär europäisch und vorderasiatisch angesiedelten Neandertaler, der besonders an das Leben in gemäßigten bis arktischen Zonen angepasst war.

Geschichte der Ausbreitung und kulturellen Entwicklung

Ausbreitung desHomo sapiens (rot) über die Erde und vorausgehende Besiedelung durchHomo erectus (gelb) und Neandertaler (ocker); die Zahlen stehen für Jahre vor heute.

Zahlreiche Funde unterstützen die sogenannteOut-of-Africa-Theorie, der zufolge die Ausbreitung des Menschen während derletzten Kaltzeit vom afrikanischen Kontinent aus erfolgte. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit betrug im Schnitt 400 Meter je Jahr. Die alternative, früher verbreitetere Hypothese vommultiregionalen Ursprung des Menschen der Gegenwart nimmt an, dass sich derHomo sapiens in mehreren Regionen unabhängig voneinander aus demHomo erectus entwickelt hat. Nach den molekulargenetischen Untersuchungen der jüngeren Zeit kommt dieser These allerdings nur geringe Wahrscheinlichkeit zu.

Diewildbeuterische Lebensweise der frühen Vorfahren des Menschen war zuvor über Jahrhunderttausende hinweg nahezu konstant. Erst vor rund 70.000 Jahren begann der Mensch erfolgreich, sich weltweit auszubreiten und immer stärker zu vermehren. Auslöser hierfür waren vermutlich zufällige Mutation(en), die die Art und Weise derneuronalen Vernetzung im Gehirn radikal veränderte.[37] Dieser biologischeEvolutionsschritt sorgte für eine Überlegenheit des Menschen gegenüber anderen Homo-Arten und vielen anderen biologischen Arten, vor allem durch vieletechnische Innovationen sowie die Entwicklung bspw. komplexerSprache und damitKooperation großer Gruppen.

Ein weiterer wichtiger Schritt geschah nach derletzten Eiszeit vor etwa 12.000 Jahren. In klimatisch günstigen Regionen mit einem entsprechend vielfältigen Nahrungsangebot konnten Menschen längere Zeitsesshaft werden und noch komplexeresoziale Systeme herausbilden, die zu den ersten städtischenZivilisationen führten. Dies schuf Zeit für Experimente mit derDomestizierung von Haus- und Nutztieren sowie dem Anbau von Pflanzen. Die aufwändige und unsichere landwirtschaftliche Produktion blieb jedoch noch Jahrtausende nur eine zusätzliche Nahrungsquelle neben der Jagd- und Sammelwirtschaft, so dass der bekannte Begriff „Neolithische Revolution“ irreführend sein kann. Eine ähnliche Entwicklung mit jeweils anderen nutzbaren Pflanzen und Tieren geschah zwischen 11.000 v. Chr. und 2.000 v. Chr. mehrmals unabhängig voneinander an mindestens sieben Orten der Erde.[38] Vor allem seit der Intensivierung vonAckerbau undViehhaltung im Zuge dereuropäischen Expansion während derKolonialzeit greift der Mensch auch großräumig gestaltend und in globalem Maßstab in seine Umgebung ein. Nur wenigeindigeneNaturvölker“ – insbesondereisolierte Gruppen – zeugen noch heute vonvorher üblichen Arten der Existenzsicherung.

Diekulturelle Entwicklung des Menschen wurde dadurch nochmals stark beschleunigt, es kam auf Grundlage derMarktwirtschaft unter anderem zurGlobalisierung unter der Vorherrschaft europäischstämmiger Bevölkerungsgruppen seit etwa 500 Jahren, und daraufhin zu immer schneller aufeinanderfolgenden globalen Umbrüchen, bspw. zurindustriellen Revolution seit Beginn des 19. Jahrhunderts und seit dem letzten Viertel des 20. Jahrhunderts zurdigitalen Revolution.

Der Mensch als soziales und kulturfähiges Lebewesen

Mit der Erforschung des Menschen als kulturell und gesellschaftlich geprägtem Lebewesen befassen sich unter anderem dieAnthropologie mit ihren diversen Teildisziplinen (unter anderemSozialanthropologie,Kulturanthropologie,Philosophische Anthropologie, medizinische[39] Anthropologie,Theologische Anthropologie,Paläoanthropologie), dieSozialwissenschaften, diePhilosophie und diePsychologie, dieEthnologie, aber auch Teile derVerhaltensbiologie.

Der Mensch als soziales Lebewesen

Mit deraristotelischen Charakterisierung des Menschen alsZoon politikon, als ein Lebewesen also, das von seiner Natur her auf ein soziales und politisches Miteinander bezogen und angewiesen ist, liegt eine bis heute gültige Haupteinordnung vor. So ist das neugeborene Menschenkind in besonderer Intensität und Dauer auf die umfassende Fürsorge seiner Sozialpartner angewiesen, um leben und sich entwickeln zu können. Nur in menschlicher Gemeinschaft kann es die Lernanreize erhalten und verarbeiten, die es zur Teilnahme am gesellschaftlichen Leben befähigen. Mit dem Spracherwerb verbindet sich das Hineinwachsen in eine bestimmte Ausprägung menschlicher Kultur, die aus den Traditionen des jeweiligen Sozialverbands hervorgegangen ist. Indem das Bewusstsein so gearteter gesellschaftsspezifischer Traditionen in der Generationenfolge mündlich undschriftlich weitergegeben werden kann, entstehenGeschichte undGeschichtsbewusstsein. In Anpassung an bzw. in Auseinandersetzung mit seiner natürlichen und sozialen Umwelt formt sich dasIndividuum und gelangt zu seiner Stellung in der menschlichenGesellschaft.

Sozialität als Folge biologischer Evolutionsmerkmale

In dem der Menschwerdung zugrunde liegenden Evolutionsprozess sind einige die körperliche Entwicklung betreffende Merkmale von besonderer Bedeutung: Mit dem aufrechten Gang werden die vorderen Extremitäten zur Fortbewegung nicht mehr gebraucht und können so vielfältigen Zwecken dienen. Die menschliche Hand vermag nicht nur kräftig zuzupacken, sondern eignet sich auch für diverse Formen feinfühliger Präzisionsarbeit. Das so begründete differenzierte Zusammenwirken von Auge und Hand führt beim Menschen zum Vorrang des Gesichts- und Tastsinns gegenüber dem Geruchssinn. Der zum Greifen nicht mehr benötigte Kieferapparat springt noch weniger schnauzenartig vor als bei den anderen Primaten und ermöglicht mit den anderen an der Stimmerzeugung beteiligten Organen eine differenzierte Lautbildung.[40]

Im Vergleich mit denTragzeiten höherer Säugerarten findet die Menschengeburt auffällig früh statt. Zu erwarten wären 21-monatige Schwangerschaften, weshalbAdolf Portmann das erste menschliche Lebensjahr als „extra-uterines Jahr des Embryo“ bezeichnet hat, in dem die Nachreifung und die Anlage wichtiger Lebensfunktionen erst noch stattfinden.[41] Denn bei der Geburt sind die Nervenzellen im Gehirn zwar weitestgehend angelegt, aber in manchen Hirnarealen noch unverbunden. Die von den Sinnesorganen aufgenommenen Signale konfigurieren nun erst große Teile der Großhirnrinde. Nur in diesem frühen Stadium kann beispielsweise das Sehen erlernt werden, wie Erfahrungen mit Blindgeborenen gezeigt haben.[42] Im Vergleich zu hinsichtlich ihrer Organfunktionen und Antriebe weitgehend lebensfähig geborenen Tieren ist der Mensch das unfertige, instinktreduzierte, auf Lernen und auf mitmenschliche Zuwendung angewiesene, von Natur aus „nicht festgestellte“ (Friedrich Nietzsche) und deshalb weltoffene Lebewesen.

Das bei vielen Tieren ausgeprägteReiz-Reaktionsschema gilt für den Menschen nicht in gleicher Weise. Zwischen Signal und Reaktion, zwischen Bedürfnis und Befriedigung besteht für Menschen die Möglichkeit, Abstand herzustellen, den Reiz-Reaktions-Automatismus zu durchbrechen und variabel zu reagieren und zuhandeln. Der Mensch lebt nicht in „geschlossenen Funktionskreisen, sondern in offenen Handlungskreisen.“[43] DieKognitionsfähigkeit ermöglicht es ihm, die Bedingtheit seiner Erkenntnisse als Konsequenz des mit bestimmter Ausstattung versehenen eigenen Sinnesapparats sowie der zerebralen Verarbeitungsweisen einzuschätzen.

Die Erwägung von Handlungsoptionen und die Prüfung von Alternativen bestimmen das menschliche Verhaltensrepertoire aber nicht allein. Ein Großteil der Alltagsverrichtungen ist so gewohnt und eingeübt, dass sich ein Nachdenken darüber in der Regel erübrigt. Die mit den Routinen verbundene Entlastung ist gewissermaßen die sichere Verhaltensgrundlage, die der Reflexion von Handlungsoptionen und -alternativen erst Raum verschafft.

Für orientierende Anreize zur eigenen Verhaltensentwicklung ist das Neugeborene aber für lange Zeit auf die Zuwendung seiner Bezugspersonen und auf Interaktion mit ihnen angewiesen. Vor allem durchNachahmung entsteht dabei Gemeinsamkeit und wird das Menschenkind Teil der Gemeinschaft; inTrotz und Abgrenzung erfährt es sich als eigenständig.

Sprache als Bewusstseinsbildner

Alsconditio humana schlechthin, durch die sich der Mensch von allen anderen Lebewesen unterscheidet, gilt von alters her dieSprache. Ihre Anfänge liegen wohl 100.000 bis 200.000 Jahre zurück. Eine ausgebildete Sprachfähigkeit wird etwa vor 35.000 Jahren angenommen, zur Zeit derHöhlenmalereien von Lascaux.[44] Die angeborene Sprachfähigkeit muss wie das Sehen frühzeitig erlernt werden; im fortgeschrittenen Alter ist das originäre Sprachlernen nicht mehr möglich. Jede der etwa 6.000 Sprachen besteht aus einem Vorrat aus Laut-Zeichen und aus Regeln zur Kombination dieser Zeichen. Dabei handelt es sich nicht um eine starre Struktur, sondern um eine im Gebrauch veränderliche.[45]

Die jeder anderen Form der sprachlichen Äußerung vorausgehendegesprochene Sprache aktiviert zugleich dasHören, das eigene und das des Gegenübers. „Die in der Struktur des menschlichen Körpers begründete Bindung der Sprache an die Stimme und das Ohr ermöglicht es der Sprache, «einen unendlichen Gebrauch» von «endlichen Mitteln» zu machen.“[46] Sie ist das primäre Mittel der Kontaktaufnahme und des Informations- und Meinungsaustauschs unter Menschen von Kindesbeinen an. Doch auch alle auf differenzierteKooperation sich gründenden großen gesellschaftlichen Funktionsbereiche wie Wirtschaft, Verwaltung, Politik und Wissenschaft sind auf die sprachliche Verständigung der Beteiligten elementar angewiesen.

Dem einzelnen Menschen kann die sprachliche Verarbeitung von Sinneseindrücken dabei helfen, Erlebtes auch jenseits der aktuellen Wahrnehmung festzuhalten wie auch eigenePhantasien aufzubewahren: „Ohne Erzählung – eine sprachliche Form, die Einheiten fixiert und Zusammenhänge schafft – zerfällt das Erinnerbare in isolierte Fetzen eines Gedächtnisses, dessen Zuverlässigkeit schnell dahinschwindet. […] Und wenn das geistig Geschaute nicht wieder versinken soll, braucht es die ‚Bergung‘ in die sprachlichen Formen des Begriffs, derMetapher, des Satzes, des Gefüges von Sätzen.“[47] Dazu dienen neben mündlicher Aufbereitung und Weitergabe auch die verschiedenenschriftsprachlichen Äußerungsformen, seien es z. B.biographische Aufzeichnungen,Gebrauchsanweisungen, wissenschaftliche oderpoetische Texte.

Für das Hineinwachsen des Individuums in eine mit seinem sozialen Umfeld verbundene Kultur, seineEnkulturation, sind auch bestimmte allgemein verbreitete und festgeprägte Texte maßgeblich, die teils auch aufgesagt oder gesungen werden, wie etwaSprichwörter,Lieder,Gedichte,Glaubensformeln undGebete. Sprache ist demnach verknüpft mit der jeweiligen Lebenswelt, in der sie gesprochen wird.[48]

Kultur- und Geschichtsfähigkeit

Neben Sprache und Hören zählen die aus der Sehfähigkeit hervorgehenden Bilder zu den wichtigsten Einflussfaktoren, die die Weltwahrnehmung von Menschen bestimmen. Dabei stehen die über die Augen aufgenommenen „äußeren“ Bilder in einem Verhältnis wechselseitiger Einwirkung mit den vom Gehirn erzeugten „inneren“ Bildern. Allerdings verfügen Menschen selbst über die mit den Augen wahrgenommenen Bilder (und die daraus erzeugten inneren Bilder) nur eingeschränkt. „Wo der Blick verweilt, was er ausgrenzt, was Menschen in ihr Gedächtnis aufnehmen, sodass sie es erinnern können, ist nur zum Teil von ihrem Bewusstsein abhängig. […] Menschen sind ihren inneren Bildern ausgeliefert, auch wenn sie immer wieder versuchen, Kontrolle über sie zu gewinnen. Diese Bilder fluktuieren und verändern sich im Laufe des menschlichen Lebens. Einst wichtige Bilder verlieren an Bedeutung und werden durch neue ersetzt. Doch allen Bildern ist gemeinsam, dass Menschen sich in ihnen erfahren und sich mit ihrer Hilfe ihrer selbst vergewissern.“[49]

Gerade der im Zeitalter desFernsehens und der diversen Bildspeichermedien kolossal angewachsene menschengemachte Teil der Bilderwelt, in der wir leben, ist durch diese besonderenkulturellen Zusammenhänge stark geprägt. In ihnen formt sich unserWeltbild und die Sicht, die wir Menschen zu Grundfragen unseres Daseins entwickeln, etwa zur Liebe oder zum Tod. So ist die Deutung der eng mit dem Geschlechtstrieb verbundenen Liebe abhängig von denMythen und rhetorischen Formen einer Gesellschaft; und sie wird in unterschiedlicher Weise sozial kontrolliert. „Das Wesen der Liebe tritt dadurch in Erscheinung, dass man von ihr erzählt. Wie von ihr gesprochen wird, bestimmt die Art und Weise, wie sie erlebt wird. Wie die Liebe ist das Sprechen über die Liebe unendlich […]; es sucht unaufhörlich nach ihrem Geheimnis, ohne es erfassen oder von ihm ablassen zu können, und verführt durch seine Versprechungen, ohne Erfüllung sichern zu können; es verweist auf eine Leere, der es sich zugleich verdankt.“[50]

Kulturspezifisch sind auch die unterschiedlichen Formen der Wahrnehmung und des Umgangs mit dem Tod, der den Lebenden einerseits als schmerzliche Verlusterfahrung begegnet, andererseits als jene beunruhigende Leerstelle, die sich aller Lebenserfahrung entzieht. Mit den verschiedenstenRiten, Mythen und Bildgestaltungen suchen die Menschen von jeher das Phänomen des Todes zu bewältigen und zu ertragen. Und doch: „So viele Bilder undMetaphern die Einbildungskraft auch entwirft, um mit dieser Leerstelle umzugehen, es gelingt ihr nur unzulänglich.“[51]

Geburt und Tod begrenzen die lebensweltliche Zeitspanne des Individuums. Menschliches Zeiterleben gründet sich zunächst auf die Erfahrung, dass etwas eine Weile dauert, das eine (zu) kurz, das andere (zu) lang – bis hin zurLangeweile. Es nimmt Gestalt an beispielsweise in den verschiedenenLebensaltern von der Kindheit bis zum Greisenalter und bekommt individuellen Zuschnitt durch besondere Ereignisse und Erlebnisse wie etwa Schulbeginn, erste Verliebtheit, Berufseinstieg oder Partnerverlust. „Da keiner allein lebt, ist jeder in Geschichten verwickelt: die Geschichten des Volkes in Krieg und Frieden, in Wohlstand und Armut, die Geschichten der Familie, die Geschichten von Verwandten, Freunden und Feinden. Manche von diesen Geschichten kommen von weit her, verästeln sich endlos. Wir tragen ihre Gewichte im Guten wie im Bösen mit uns herum, werden von ihnen in bestimmte Richtungen gelenkt und lenken sie selbst so oder so weiter, bis ‚unsere‘ Zeit vorbei ist und die Zeit anderer Generationen kommt.“[52]

Alles menschliche Handeln in der Gegenwart findet zwischen einer feststehenden Vergangenheit und einer teilweise gestaltbaren Zukunft statt. Das im mitmenschlichen Umgang und durch entsprechende Anregungen erworbeneEinfühlungs- und Vorstellungsvermögen eröffnet Möglichkeiten, sich in Vergangenes näherungsweise hineinzuversetzen und plausible Erwartungen an die Zukunft zu entwickeln. Die menschliche Fähigkeit, zu nützlichen Einsichten für die Alltagsbewältigung wie für die Zukunftsgestaltung zu gelangen ist allerdings durch mancherlei hinderliche Einflüsse gefährdet: durch Vergessen und Ausblenden, einseitige Betrachtungsweisen und voreilige Verallgemeinerungen, durch Versinken im Detail oder ungeordnete Informationsüberflutung, durch interessengeleitete Verschleierung oder die fatale Unterschätzung des Nichtwissens im Verhältnis zum Wissen: „So gesehen ist die Wahrheit nur im dauernden Kampf gegen die je neu wachsende Macht des Scheins zu erringen; ist das, was wir von ihr erfassen, immer nur Stückwerk, das außerdem gewissermaßen von selbst zerfällt, wenn man es nicht permanent frisch hält. Diese skeptische Erkenntnis ist jedoch, wieSokrates erfasste, nicht das Ende, sondern der Anfang aller wahrenErkenntniskultur, im Leben wie in der Wissenschaft.“[53]

Menschheitsfragen

Hauptartikel:Welträtsel undPhilosophische Anthropologie

In mancher Hinsicht bleibt sich der Mensch auch bei intensiver Selbstprüfung und vielseitiger wissenschaftlicher Erforschung bislang ein Rätsel. Zu den ungelösten bzw. stark umstrittenen Fragen gehören das Phänomen und die Bedingungen des menschlichenGeistes – speziell das Verhältnis von Körper und Geist –, das Problem derWillensfreiheit, die künftige Rolle vonGentechnik undkünstlicher Intelligenz in der Menschheitsentwicklung, der Umgang mit anthropogenen Veränderungen dernatürlichen Umwelt sowie die Frage nach demSinn des menschlichen Lebens.

Körper und Geist – untrennbar verbunden?

Hauptartikel:Geist undPhilosophie des Geistes

Ob der menschliche Geist auch unabhängig vom individuellen Körper besteht oder bestehen kann, ist die ursprüngliche Grundfrage des Leib-Seele-Problems, an der sich seitPlaton und Aristoteles die Geister scheiden. Nicht nur in der Philosophie, sondern auch z. B. in derpsychosomatischen Medizin und in der Religion spielt diese Frage eine wichtige Rolle. Während Platon im Einklang mit seinerIdeenlehre das Geistige vom Leiblichen zuletzt dualistisch scheidet (die neuzeitlich-klassische Variante dazu istDescartes’ Formel:Cogito ergo sum), vertritt Aristoteles die Einheit von Körper undSeele des Menschen, die unabhängig voneinander nicht existieren könnten.[54]

Wie Aristoteles leiten auch die beiden Vordenker der philosophischen Anthropologie,Max Scheler undHelmuth Plessner, die besondere Qualität mentaler Prozesse beim Menschen vom Vergleich mit Pflanzen und Tieren ab. Im Gegensatz zu den Pflanzen seien Tiere und Menschen nicht ortsgebunden, sondern können sich im Raum bewegen. Nur der Mensch aber könne auch zum eigenen Körper mental eine distanzierte, reflektierende Position einnehmen: Denn erhabe erstens einen Körper,sei zweitens ein Körper mit Seele und Innenleben und könne das drittens von einem außerhalb seiner selbst liegenden „nicht realen“ Blickpunkt aus wahrnehmen.[55] Diese Position wird allerdings von anderen Philosophen wie z. B.Charles Taylor abgelehnt, die darin lediglich eine Selbstbeschreibung des besonderen Menschenbilds der westlichen Zivilisation seit dem Ende des 19. Jahrhunderts sehen.[56]

Wissenschaftler und Philosophen sind sich heute weitgehend einig, dass Geist nicht unabhängig vom Physischen existieren kann, sondern dass er im Laufe derEvolution bei zunehmenderKomplexität der biochemischen Strukturen alsEigenschaft hervortrat. Der derzeit herrschendephysikalistische Standpunkt geht dabei von einer „besonderen Eigenschaft“neuronaler Netze aus, die irgendwann als gänzlich neues(emergentes), aber körperabhängiges(supervenientes) Phänomen entstand, währendpanpsychistische Kritiker eine physischeund eine psychische Seite für fundamentale, gegenseitig abhängige Eigenschaften jegliche Materie halten, diegemeinsam komplexer wurden.[57] Die beiden größten Probleme bei der Erforschung des Geistes werdenMentale Verursachung undQualia-Problem genannt: Nach der Naturwissenschaft darf ein physikalisch nicht mess- und berechenbares Phänomen, welches nur vom „Träger“ selbst erlebt werden kann und sich „irgendwie anfühlt“ (Qualia), keine physikalischen Wirkungen erzeugen können, um die logische Geschlossenheit der Naturwissenschaft nicht zu gefährden. Demnach ist unsere Alltagserfahrung „vom Denken zum Handeln“ – die so genannteMentale Verursachung – vollkommen ungeklärt und führt damit zwangsläufig zur Frage nach unserer Willensfreiheit.

Willensfreiheit oder Determiniertheit?

Hauptartikel:Freier Wille

Aufgrund seiner „Exzentrizität“ folgt der Mensch – anders als Tiere im Allgemeinen sonst – nicht allein dem instinktiven Lebensdrang, sondern kann sich dazu variabel verhalten, kann selbst gesetzten Zielen zustreben und hat Steuerungsmöglichkeiten in seinem Leben.[58] Zwar gibt es ein weites Feld alltäglicher Verrichtungen, die in den gewohnten Bahnen gleichsam automatisch ablaufen und wenig Aufmerksamkeit erfordern. Daneben sind aber situations- und gelegenheitsbedingte Entscheidungen zu treffen, die auf kurze, mittlere oder lange Sicht bestimmte Weichenstellungen bedeuten. In solchen Entscheidungen und den daraus folgenden Handlungen (oder auch in entsprechenden Unterlassungen) ist das Potential menschlicher Willensfreiheit als Komponente enthalten. Dieses Potential kann sich äußern in Augenblickshandlungen ohne weiterreichende Bedeutung, in einer vorsätzlichen, häufiger wiederkehrenden Verhaltensweise oder auch in einem dauerhaften Gestaltungsprogramm für diesen oder jenen Lebensbereich.[59]

EinigeDeterministen (unter ihnen Physiker, Psychologen und Hirnforscher) bestreiten die Existenz eines freien Willens. Sie gehen davon aus, dass individuelles Handeln stets das Ergebnis einer mehr oder minder ausgedehnten Kette von Wirkungsursachen ist, die menschliches Bewusstsein in diese oder jene Richtung steuern. Der individuelle Entscheidungsprozess sei nur scheinhaft; der Ausgang stehe im Vorhinein fest; von einem freien Willen könne keine Rede sein. Andere kritisieren diese Auffassung, da sie auf der Vorstellung einesunbedingten freien Willens basiere, die begrifflich nicht stimmig sei. Sie setzen einen Wirkungsursachen einbeziehendenbedingten freien Willen entgegen.

In der gesellschaftlichen Praxis spricht vieles dafür, am Konzept der freien Willensentscheidungen mit Bedacht festzuhalten. Nur damit lässt sich beispielsweise in der Rechtsprechung die Frage individueller Schuld und Unschuld überhaupt sinnvoll stellen. Ohne ein solches Freiheitskonzept entfiele aber auch die Erwartung, „dass es eine echte Zukunft gibt, die nicht nur die Verlängerung des Gewesenen ist.“[60]

Vom Geschöpf zum Selbsterzeugnis?

Hauptartikel:Neuroethik undDigitale Revolution

Welche Zukunft die Menschheit vor sich hat, ist neuerdings auch eine Frage des Umgangs mit den Entwicklungen in derBiotechnologie undBioethik. War die genetische Ausstattung des einzelnen Menschen im bisherigen Verlauf derMenschheitsgeschichte eine unveränderliche, natürliche Vorgabe, die seinen Lebenslauf und sein Schicksal mitbestimmte, so werden gegenwärtig auf dem Wege derGenomanalyse, desKlonens und der Erprobung von Eingriffen in dieKeimbahn biotechnologisch neue Horizonte eröffnet. Sie werden je nach Anwendungsbereich und persönlichem Standort als Verheißung begrüßt oder als Bedrohung gefürchtet.[61] So stehen der Aussicht auf Vorbeugung und Heilung von Krankheiten andere Perspektiven gegenüber, die Möglichkeiten „eugenischer Selektion und Züchtung sowie die Reduktion des Menschen auf einen Träger genetischer Informationen und auf ein Objekt ökonomischer Interessen“ aufzeigen.[55]

Nicht zuletzt auf das menschliche Gehirn als Hervorbringungsort von Geist undIntellekt sowie alsemotionales Steuerungszentrum sind die Optimierungsbemühungen im Überschneidungsbereich vonNeurowissenschaften und Biotechnologie gerichtet. Neben den herkömmlichen und neuerenpsychoaktiven Substanzen,Psychopharmaka undStimulanzien zur Beeinflussung der Hirntätigkeit spielen auchNeuroimplantate zunehmend eine Rolle in der Diskussion um den Ausgleich von Hirnfehlfunktionen und bei der Planung eines perfektionierten kognitiven Leistungsvermögens. Die einschlägige Debatte befasst sich bereits mit Implantaten zur optimalen Anpassung an moderne Arbeitsprozesse. „Solche Überlegungen zumNeuroenhancement sind schon deshalb nahe liegend, weil ein entsprechendes Vorgehen der künstlichen Optimierung der Leistungsfähigkeit des menschlichen Körpers (etwa im Leistungssport) analog ist. Hier würde es sich mithin nur um eine Erweiterung einer gängigen Praxis handeln.“[62] Mag manreprogenetischen und computertechnischen Visionen von einem „neuen Menschen“ – eine sehr alte Vorstellung – auch skeptisch begegnen, ist andererseits die Gewöhnung an neurochirurgische Eingriffe und elektronische Implantate wohl zu erwarten, denn: „Dass wir mit dem Bestehenden, auch mit uns unzufrieden sind, ist eine anthropologische Konstante.“[63]

Während einerseits Forschungen begonnen haben, die aus Menschen als kulturell geprägten Naturgeschöpfen mehr oder weniger biologisch programmierte Kreaturen machen könnten, gibt es im Zuge derDigitalen Revolution vielfältige Ansätze zur Entwicklung außermenschlicher bzw.künstlicher Intelligenz. Dabei handelt es sich – über das Vermögen etwa vonSchachcomputern zur Verarbeitung großer Datenmengen und zum logischen Kalkül hinaus – um die Automatisierung intelligenten Verhaltens in diversen Anwendungsbereichen sowie um die diesbezügliche Entwicklung und Optimierung vonRobotern. Über Fortgang und Ausgang solcher Vorhaben kann einstweilen nur spekuliert werden: „Die biotechnologische Forschung lebt von den überlieferten Träumen der Menschheit und arbeitet an ihrer Realisierung. In einer entwicklungsoffenen Zukunft könnte an der Schnittstelle von natürlicher Künstlichkeit technologisch optimierter menschlicher Organismen und künstlicher Natürlichkeit organisch-technologischer Systeme aus der Analogie von Mensch und Maschine eine Gleichung werden.“[64]

Von der Umweltgestaltung zur Umweltzerstörung?

Siehe auch:Anthropozän undNachhaltigkeit

Spätestens seit derNeolithischen Revolution hat der Mensch begonnen, die vorgefundene natürliche Umwelt durch den Übergang zuSesshaftigkeit undLandwirtschaft sowie mit der Schaffung städtischer Lebensräume markant zu verändern. Als Folgen derIndustriellen Revolution und einer rasant wachsendenWeltbevölkerung werden die menschlichen Eingriffe in die naturgegebene Ordnung immer mehr zu einemökologischen Problem, das etwa im Zusammenhang mit derglobalen Erwärmung die natürlichen Lebensgrundlagen des heutigen Menschen überhauptin Frage stellt. Diese Herausforderung ist umso ernster, weil Luft und Atmosphäre wie die Weltmeere als Allgemeingut (Allmende) traditionell jedermanns freier Nutzung unterliegen, die Verzichtsleistung Einzelner zu ihrer Schonung aber kaum ins Gewicht fällt: dieTragik der Allmende.[65] Ob der angelaufene Umsteuerungsprozess bei der Nutzungfossiler Energieträger im Sinne desKlimaschutzes das Problem ausreichend lindern wird, könnte auch davon abhängen, welche menschlichen Potentiale in dieser Frage überwiegen: der individuelle Hang zu optimistischer, illusionsbehafteter Selbsteinschätzung und Zukunftserwartung oder ein aufklärerisches Denken, das den „Schatten der Zukunft“ zu einem grundlegenden Maßstab für das Handeln in der Gegenwart macht.[66]

Einem teils bedrohlich wahrgenommenen Wandel ist auch die kulturelle Umwelt vieler Menschen im Zuge derGlobalisierung ausgesetzt, die von weltweiter wirtschaftlicher und medialer Vernetzung angetrieben, Veränderungen gesellschaftskultureller Art sowie neue Lebensformen und Lebenswelten hervorbringt. Werden damit einerseits Hoffnungen auf eine Weltgesellschaft mit universeller demokratischer Kultur gespeist, so steht für andere die Erwartung von Identitätsverlust im Vordergrund und damit verbunden das Beharren auf der Notwendigkeit kultureller Differenz.

Hat das menschliche Leben einen Sinn?

Hauptartikel:Sinn des Lebens

Die Frage nach dem Sinn aufzuwerfen, ist dem Menschen wiederum nur als einem Wesen möglich, das nicht in den Lebensvollzügen aufgeht, wie es bei anderen Lebewesen der Fall ist, sondern Abstand zum eigenen Tun herstellen und zu sich selbst eine beobachtende Haltung einnehmen kann. Was und wozu der Mensch sei, gehört darum zu den Grundfragen vonReligion undPhilosophie.[67] Die Reflexion der Sinnfrage kann auf unterschiedlichen Ebenen ansetzen: an einzelnen Lebenssituationen, am Sinn eines bestimmten individuellen Lebens im Ganzen und am Dasein von Menschen überhaupt. Einer allgemeingültigen Beantwortung – etwa als Ergebnis wissenschaftlicher Untersuchungen – entzieht sich eine solche Frage jedoch: „Diese Suche ist Sache jedes Einzelnen, meistens in dem Maß, wie er durch seine Veranlagung und seine Geschichte zu ihr befähigt und auch gedrängt ist. Wegen der großen Verschiedenheit der Lebensschicksale und wegen der wesentlich persönlichen und praktischen Natur der Sinn-Erfassung ist hier eine allgemeine anthropologische Wissenschaft und Reflexion überfordert; sie kann dem Einzelnen sein persönliches Suchen, Irren und Finden nicht abnehmen, indem sie ihm verlässliche theoretische Auskünfte und praktische Anweisungen lieferte.“[68]

Auch für den einzelnen Menschen stellt sich aber die Sinnfrage weder ständig noch in der Weise, dass sie ein für alle Mal zu beantworten ist, sondern hauptsächlich in Entscheidungssituationen, in denen eine sinnträchtige Wahl getroffen sein will. Günstig dafür, dass die Frage nach dem Sinn des Lebens vom Einzelnen positiv beantwortet werden kann, sindSelbstakzeptanz und die Annahme der eigenen Lebenssituation wie auch eine mit dem Tod sich positiv abfindende Haltung. „Wer ein erfülltes Leben hat, ist auch bereit zu gehen, und diejenigen kleben am meisten am Überleben, die am wenigsten gelebt haben. Wer nicht weiß, wofür es sich wirklich zu leben lohnt, verdrängt den Tod; und wer etwas kennt, das es wert ist, dass man notfalls dafür das Leben riskiert, weiß auch, wofür es sich lohnt zu leben.“[69]

Literatur

Weblinks

Commons: Mensch – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Mensch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: Menschheit – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikiquote: Mensch – Zitate
Wikiquote: Menschheit – Zitate

Belege

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    In gleicher Weise benannt (aber nicht bewertet) in:Rote Liste und Gesamtartenliste der Säugetiere (Mammalia) Deutschlands. (PDF). In:Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.):Naturschutz und Biologische Vielfalt. Heft 170 (2), S. 24, Bonn-Bad Godesberg 2020.
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    Das Buch des Lebens lesen und verstehen. 20 Jahre nach der Entschlüsselung des humanen Genoms. Auf:mpg.de vom 20. April 2020.
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  32. W. T. Stearn:The Background of Linnaeus’s Contributions to the Nomenclature and Methods of Systematic Biology. In:Systematic Zoology. 8 (1), 1959, S. 4.(online).
  33. ICZN Code, Kapitel 16, Art. 74.1 (Teil der Syntypenserie), 74.3 (individuelle Lectotypus-Festlegung), 74.5 (Verwendung der Formulierung „the type“).
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    Not my type. When it comes to singling out a specimen for classifying humans as a species, it doesn't pay to be particular. (Memento vom 24. August 2015 imInternet Archive). Feuilletonistischer Artikel, im Original erschienen aufsignonsandiego.com vom 15. Oktober 2003.
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  36. Daniel Richter, Rainer Grün, Renaud Joannes-Boyau u. a.:The age of the hominin fossils from Jebel Irhoud, Morocco, and the origins of the Middle Stone Age. In:Nature. Band 546, Nr. 7657, 2017, S. 293–296,doi:10.1038/nature22335.
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  58. Wulf 2004, S. 51.
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  62. Gerald Hartung:Philosophische Anthropologie. Grundwissen Philosophie. Stuttgart 2008, S. 119.
  63. Christian Thies:Einführung in die philosophische Anthropologie. 2., überarbeitete Auflage. Darmstadt 2009, S. 144.
  64. Gerald Hartung:Philosophische Anthropologie. Grundwissen Philosophie. Stuttgart 2008, S. 123.
  65. Bernhard Verbeek:Die Anthropologie der Umweltzerstörung. Die Evolution und der Schatten der Zukunft. Darmstadt 1990, S. 238 f.
  66. Bernhard Verbeek:Die Anthropologie der Umweltzerstörung. Die Evolution und der Schatten der Zukunft. Darmstadt 1990, S. 79, 244–246.
  67. „Was ist der Mensch?“ So lautet beispielsweiseeine der klassischen FragenImmanuel Kants, unter religiösem Aspektnoch einmal gestellt vonWolfhart Pannenberg.
  68. Haeffner 2000, S. 220.
  69. Haeffner 2000, S. 231.
  70. Badische Zeitung: Eine Zerstörungsgeschichte. 20. Februar 2024, abgerufen am 14. April 2024. 
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