| Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie | |
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MPI für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie (2021) | |
| Kategorie: | Forschungseinrichtung |
| Träger: | Max-Planck-Gesellschaft |
| Rechtsform des Trägers: | Eingetragener Verein |
| Sitz des Trägers: | München |
| Standort der Einrichtung: | Frankfurt am Main |
| Art der Forschung: | Grundlagenforschung |
| Fächer: | Rechtswissenschaft |
| Fachgebiete: | Rechtsgeschichte |
| Grundfinanzierung: | Bund (50 %), Länder (50 %) |
| Leitung: | Stefan Vogenauer |
| Homepage: | www.lhlt.mpg.de |
DasMax-Planck-Institut für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie (mpilhlt) inFrankfurt am Main ist eines von derzeit 86 Instituten derMax-Planck-Gesellschaft (MPG). Seit seiner Gründung im Jahr 1964 erforschen dort Wissenschaftler die Grundlagen zurGeschichte des Rechts in und jenseits von Europa. Bis zum 31. Dezember 2020 hieß esMax-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte (MPIeR).[1]

Der Gründungsdirektor desMax-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte warHelmut Coing (1964–1979). Ihm folgten ins DirektoriumDieter Simon (1980–2001), Walter Wilhelm (1980–1987),Michael Stolleis (1991–2006) undMarie Theres Fögen (2001–2008). Nach seiner Emeritierung 2006 übernahm Michael Stolleis im September 2007 erneut die kommissarische Leitung des Instituts.
Im Jahr 2009 wurdeThomas Duve zum Direktor berufen.[2] Im Oktober 2015 erfolgte eine weitere Berufung mitStefan Vogenauer.[3]
Zum 1. September 2020 tratMarietta Auer als Direktorin in das Kollegium ein und leitet seitdem eine dritte Abteilung fürRechtstheorie.[4] Zur Jahreswende 2020/2021 wurde das Institut umbenannt und trägt seitdem den NamenMax-Planck-Institut für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie.[1]
Wissenschaftliche Mitglieder der MPG waren zu Anfang des Jahres 2021: Marietta Auer, Thomas Duve, Dieter Simon, Michael Stolleis und Stefan Vogenauer.
Seit 2013 befindet sich das Institut in einem Neubau, am Rande desCampus Westend der Goethe-Universität Frankfurt an der Hansaallee.[5][6] Der vorherige Sitz war inFrankfurt-Hausen im Hausener Weg 120⊙50.1330555555568.62027777777781521, wo es mit derGoethe-Universität zusammen in einem Gebäude untergebracht war.
Unter Helmut Coing lagen die Forschungsschwerpunkte zunächst auf der europäischen Privatrechtsgeschichte und ihren Bezügen zur Wirtschaftsgeschichte. Dieter Simon, Walter Wilhelm, Michael Stolleis und Marie Theres Fögen ergänzten die Arbeiten sukzessive umRechtstheorie undRechtssoziologie, um die Geschichte desÖffentlichen Rechts, desVölkerrechts, desStrafrechts, des Rechts des modernen Osteuropas und der europäischen Diktaturen des 20. Jahrhunderts. Heute akzentuieren Thomas Duve und Stefan Vogenauer den transnationalen Ansatz der europäischen Rechtsgeschichte mit globalhistorischen und rechtsvergleichenden Themenstellungen.
In nunmehr zwei Forschungsabteilungen begründen sich die zahlreichen individuellen Forschungsprojekte des Instituts. Ganz unterschiedliche Epochen und Themen betreffend bündeln sie sich in einem guten Dutzend abteilungsübergreifender Forschungsfelder. Zu diesen zählen: Rechtshistoriographie, Quellen, Privatrechtsgeschichte, Strafrechtsgeschichte und historische Kriminalitätsforschung in Europa, Kirchliche Rechtsgeschichte zwischen Spätmittelalter und Moderne, Regelungsregime, Geschichte der juristischen Methoden und Praktiken, Rechtsgeschichte der Europäischen Union, Rechtstransfer im common law, Rechtsgeschichte Ibero-Amerikas, Recht als Zivilisationsfaktor im ersten Jahrtausend, Rechtsgeschichte der Schule von Salamanca sowie Regierung der Universalkirche nach dem Konzil von Trient. Vier Forschungsschwerpunkte ermöglichen darüber hinaus, integrative Fragestellungen an die einzelnen Forschungsprojekte und -felder zu formulieren. Multinormativität, Translation, Rechtsräume und Konfliktregulierung, diese vier Forschungsschwerpunkte bieten Schnittstellen zu benachbarten Disziplinen wie den Sozial- und Rechtswissenschaften.
Vorhandene Kompetenzbereiche sind: Privatrechtsgeschichte der Neuzeit, Gute Policey und Policeywissenschaft, Wissenschaftsgeschichte des öffentlichen Rechts, Vermittlung und Repräsentation von Recht in (Bild-)Medien, Wissenschaftliche Kommunikation im 19. Jahrhundert, Recht in der industriellen Revolution, Rechtskulturen des modernen Osteuropa. Traditionen und Transfers, Das Europa der Diktatur: Wirtschaftskontrolle und Recht, Erschließung der rechtsarchäologischen Bildersammlung Karl Frölich und Völkerrechtsgeschichte.
Der interdisziplinäre Forschungsansatz, die umfangreiche institutseigene Spezialbibliothek, die Publikationen und die interinstitutionelle wie internationale Vernetzung des MPI für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie bieten weltweit einmalige Arbeitsbedingungen für die rechtshistorische Forschung und angrenzende Disziplinen. All dies hat das Institut über die letzten 50 Jahre zu einem Referenzpunkt der weltweiten scientific community werden lassen, die über die Vergangenheit und Gegenwart unserer nationalen und transnationalen Rechtsordnungen forscht.
Die Zusammenarbeit mit derGoethe-Universität in der Wissenschaftsregion Rhein-Main spielt dabei eine wichtige Rolle. Durch Kooperationen, etwa im ehemaligenExzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ oder demLOEWE-Schwerpunkt „Gerichtliche und außergerichtliche Konfliktlösungen“, tragen Universität und Max-Planck-Institut nachhaltig dazu bei, den Standort Frankfurt am Main als Ort der Normativitätswissenschaft zu profilieren. So ist es dem Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte und der Goethe-Universität schließlich auch gelungen, das Forschungsprojekt „Die Schule von Salamanca“ als Langzeitvorhaben der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz zu etablieren und damit rechtshistorische und philosophische Perspektiven in der Forschungsarbeit miteinander zu verbinden.
Die Bibliothek des Instituts zählte im Jahr 1967 einen Bestand von 22.928 Bänden. 1991 waren es 160.000 Bände, und es gab 550 laufende MeterPeriodika, davon 13.000 Drucke und 50.000 juristischeDissertationen, jeweils aus dem 16.–18. Jahrhundert. Der gedruckte Bestandskatalog 1981–1992 umfasste damals 14 Bände. 1997 begann die Retrodigitalisierung der 4.000 deutschsprachigen Privat- und Zivilprozessrechtsquellen des 19. Jahrhunderts aus eigenem Bestand, die von derDeutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wurde. Beim Umzug in das neue Gebäude in der Hansaallee hatte die Bibliothek im Jahr 2013 einen Bestand von 420.000 Medieneinheiten.[7]
Im Jahr 2025 zählte die Institutsbibliothek mit 39 Arbeitsplätzen und mehr als 510.000 gedruckten Medieneinheiten[8] zu den großenForschungsbibliotheken unter denRechtsbibliotheken in Deutschland. Gesammelt werdenQuellen undSekundärliteratur zur Entwicklung des Rechts in Europa, in Lateinamerika sowie in Staaten des Britischen Commonwealth, jeweils einschließlich der angrenzenden geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen. Daneben gibt es umfangreiche Sammlungen mit juristischen Dissertationen des 16.–18. Jahrhunderts, des 20. Jahrhunderts sowie vonverfilmten mittelalterlichen Handschriften und vonJuristennachlässen, die teils erworben, teils leihweise bereitgestellt wurden.[8]

Rechtsgeschichte – Legal History (Rg), eine Zeitschrift des MPI für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie, erscheint seit 2002 in gedruckter Form imVerlag Vittorio Klostermann. Seit 2012 wird sie parallel online imOpen Access publiziert. Vorläufer der „Rg“ waren die ZeitschriftenIus Commune – Zeitschrift für Europäische Rechtsgeschichte (1967–2001, Vittorio Klostermann) und dasRechtshistorische Journal (1982–2001, Verlag der Löwenklau Gesellschaft e. V.).
In der institutseigenenResearch Paper Series imSocial Science Research Network (SSRN) werden Forschungsergebnisse aus den Institutsprojekten alsworking paper,pre-print undpost-print online frei zugänglich veröffentlicht.
Darüber hinaus publiziert das MPI vierSchriftenreihen, darunter dieStudien zur europäischen Rechtsgeschichte, dieRechtsprechung. Materialien und Studien, dieStudien zu Policey und Policeywissenschaft und dieStudien zur Geschichte des Völkerrechts.
Das Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie besteht aktuell aus drei Forschungsabteilungen unter Leitung von Stefan Vogenauer (Abteilung I, europäische und vergleichende Rechtsgeschichte), Thomas Duve (Abteilung II, historische Normativitätsregime) und Marietta Auer (Abteilung III, multidisziplinäre Rechtstheorie). Die Aufgabe des Geschäftsführenden Direktors wechselt turnusmäßig. Am Institut arbeitet außerdem die Max-Planck-Forschungsgruppe "The hidden heritage of the European Union: the legacy of the law of the League of Nations" unter Leitung von Michel Erpelding.
Service für die Wissenschaft bieten die Verwaltung (Leitung: Carola Schurzmann), die Bibliothek (Leitung: Ian Hillesheim), die Redaktion (Leitung: Otto Danwerth) und das IT-Management (Leitung: Jörn Hawliczek). Stefanie Rüther koordiniert die verschiedenen Aufgaben im Bereich der Forschung.
50.1279568.670521Koordinaten:50° 7′ 40,6″ N,8° 40′ 13,9″ O