48.58516.472222222222Koordinaten:48° 35′ 6″ N,16° 28′ 20″ O

BeimMassaker von Schletz wurden vor 7000 Jahren, gegen Ende der Epoche derlinearbandkeramischen Kultur, mehr als 200jungsteinzeitliche Menschen durch stumpfe Gewalt getötet, bevor sie in einemMassengrab auf dem Gelände der heutigen Ortschaft Schletz (GemeindeAsparn an der Zaya inNiederösterreich) achtlos abgelegt wurden.
Das linearbandkeramische Siedlungsareal von Schletz, rund 50 Kilometer nördlich vonWien, wurde anhandluftbildarchäologischer Befunde entdeckt und zwischen 1983 und 2005archäologisch erforscht. Die Siedlung war von einem ovalen, streckenweise doppelt angelegtenSohlgraben umschlossen, der als Wehranlage interpretiert werden kann. Der ovale Graben hatte eine Breite von bis zu vier Metern, eine Tiefe von zwei Metern und einen Längsdurchmesser von 330 Metern.[1] Über einige Erdbrücken war das Innere der Siedlung zugänglich, in dem die Grundrisse von mindestens 12Langhäusern nachgewiesen wurden.[2]
Im Dezember 2023 wird von weiterer Nachsuche durch Wissenschaftler und Citizen Scientists berichtet.[3]
Im Verlauf der Ausgrabungen, die rund 20 Prozent des Geländes umfassten, wurden im äußeren Graben die Skelette von rund 200 Individuen entdeckt, die – zumeist infolge von schweren Verletzungen ihrer Schädel durch stumpfe Gewalt (Schuhleistenkeile), in einem Fall auch durch Pfeilschuss – zu Tode kamen. Die Gräben blieben eine Zeit lang offen, so dass die Lage einiger Leichen durchTierfraß verändert wurde. Die Toten – Männer, Frauen und Kinder – waren zumeist in Bauchlage abgelegt worden, bei vielen untersuchten Skeletten fehlten Arme oder Beine, auch wurden abgetrennte Schädel einzeln vorgefunden. Auffällig war, dass kaum junge Frauen unter den Toten waren.[4] Vermutlich wurden bei einem Überfall auf die Siedlung sämtliche Einwohner getötet oder gefangen genommen; danach war das Siedlungsareal nicht mehr bewohnt.
Alle Toten wurden den Befunden zufolge vor rund 7000 Jahren abgelegt.[5] DasMassaker von Schletz trug sich folglich zur gleichen Zeit zu wie dasMassaker von Kilianstädten (Hessen) und dasMassaker von Talheim (Baden-Württemberg).
DNA-Analysen ergaben, dass – anders als von anderen ähnlich alten Siedlungen belegt – nur wenige der Toten miteinander verwandt waren. Dem Massaker scheint demnach in instabilen, gewaltsamen Zeiten eine Gruppe von Menschen zum Opfer gefallen zu sein, die teils lokal ansässig war, teils aber aus Menschen bestand, die weiter entfernten Siedlungen entstammten und möglicherweise auf dem Gelände der heutigen Ortschaft Schletz vergeblich Schutz gesucht hatten.[6]