Massa Marittima

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Massa Marittima
Massa Marittima (Italien)
Massa Marittima (Italien)
StaatItalien
RegionToskana
ProvinzGrosseto (GR)
Koordinaten43° 3′ N,10° 54′ O43.0510.893611111111380Koordinaten:43° 3′ 0″ N,10° 53′ 37″ O
Höhe380 m s.l.m.
Fläche283,73 km²
Einwohner8.174(31. Dez. 2023)[1]
FraktionenPrata, Tatti, Niccioleta, Valpiana
Postleitzahl58024
Vorwahl0566
ISTAT-Nummer053015
Bezeichnung der BewohnerMassetani
SchutzpatronHl. Cerbonius
(10. Oktober)
WebsiteMassa Marittima

Massa Marittima

Massa Marittima ist eine Stadt mit 8174 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2023) in derToskana inItalien.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

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Lage von Massa Marittima in der Provinz Grosseto

Das mittelalterliche Städtchen liegt in 380 m Höhe auf einem Hügel über der Ebene derMaremma in denColline Metallifere und in derklimatischen Einordnung italienischer Gemeinden in der Zone E, 2 129 GG[2]. Die Gemeinde liegt etwa 85 km südwestlich der RegionalhauptstadtFlorenz, 37 km nordwestlich der ProvinzhauptstadtGrosseto und 46 km südwestlich vonSiena.

Im südlichen Gemeindegebiet entspringt der FlussBruna, im westlichen der FlussPecora. Weitere wichtige Gewässer im Gemeindegebiet sind dieTorrentiCarsia (10 von 17 km im Gemeindegebiet),Ritorto (16 von 19 km im Gemeindegebiet) undZanca (12 von 15 km im Gemeindegebiet).[3]

Neben dem Kernort (capoluogo) gehören zum Gemeindegebiet die Ortsteile (frazioni)Ghirlanda (274 m über dem Meeresspiegel, ca. 170 Einwohner),Niccioleta (460 m, ca. 250 Einwohner),Prata (620 m, ca. 560 Einwohner),Tatti (412 m, ca. 230 Einwohner) undValpiana (145 m, ca. 450 Einwohner).[4]

Nachbargemeinden sindFollonica,Gavorrano,Monterotondo Marittimo,Montieri,Roccastrada undScarlino sowie das zurProvinz Livorno gehörigeSuvereto.

Geschichte

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Die Gegend um Massa Marittima – allerdings nicht nachweislich der Hügel selbst – war schon in etruskischer und römischer Zeit besiedelt. Bereits in der Antike wurden die Bodenschätze der sich nördlich erstreckenden HügelketteColline Metallifere (Kupfer, Silber, Eisenerz) abgebaut.

Der Name geht möglicherweise auf das antike LandgutMassa Veternensis zurück, dessen genaue Lage nicht mehr nachvollziehbar ist. Der BeinameMarittima, den Massa erst im Mittelalter erhielt, bedeutet nicht, dass die Stadt an der Küste gelegen wäre, sondern kennzeichnet den Ort als zurMaremma gehörig, der früher mit demTyrrhenischen Meer verbundenen Sumpflandschaft, die in römischer ZeitMaritima Regio hieß.

Ihre Gründung und ihren Aufstieg verdankt die Stadt der Verlegung des Bischofssitzes vonPopulonia im 9. Jahrhundert. Griechische Piraten hatten Populonia zerstört, und der Bischof floh mit den Gebeinen des HeiligenCerbonius auf diesen Hügel.

Gegen den Widerstand derFeudalherren vom Geschlecht derAldobrandeschi und der Bischöfe vonRoselle (Toskana) erklärte sich Massa 1225 zur autonomen Republik. Ihre Selbständigkeit konnte die Stadt über mehr als ein Jahrhundert bewahren. Sie lebte hauptsächlich vomSilberbergbau und vomKupferbergbau und erließ das ersteBerggesetzbuch der Welt. Wegweisend war auch die Verwendung des Kompasses, dessen Einsatz als Orientierungshilfe in denBergwerken von Massa bereits im 13. und 14. Jahrhundert belegt ist.[5] 1335 wurde die Stadt durchSiena erobert und teilte fortan das Schicksal dieser Republik: 1555 Eroberung durchFlorenz, 1569 Eingliederung in dasGroßherzogtum Toskana, das ab 1737 zum Herrschaftsbereich derHabsburger gehörte und 1860 im italienischen Nationalstaat aufging.

Mit ca. 10.000 Einwohnern war Massa Marittima als selbstständigerStadtstaat ein bedeutendes Wirtschaftszentrum. Die von den umliegenden Sümpfen her um sich greifendeMalaria dezimierte aber die Bevölkerung bis zum 16. Jahrhundert auf etwa 500 Einwohner. Erst das von den habsburgischen Großherzögen der Toskana im 18. und 19. Jahrhundert initiierte Rekultivierungs- und Entwässerungsprogramm der Maremma (la bonifica) brachte eine Wende. Die stillgelegten Bergwerke wurden um 1830 revitalisiert, und die Bevölkerungszahlen stiegen wieder. Im Jahr 2000 hat Massa Marittima wieder ungefähr die gleiche Einwohnerzahl wie in den Zeiten um 1300 erreicht.

Bis in die 1970er Jahre war der Bergbau die Haupteinnahmequelle der Stadt. Heute sind die unrentabel gewordenen Bergwerke geschlossen, ein Stollen wurde 1980 zum Museum umfunktioniert und der Tourismus ist heute der vorrangige Wirtschaftsfaktor.

Die Stadt ist Mitglied derCittàslow, einer 1999 in Italien gegründeten Bewegung zurEntschleunigung und Erhöhung der Lebensqualität in Städten.

Demografische Entwicklung

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Die Kathedrale San Cerbone

Sehenswürdigkeiten

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Die Stadt Massa Marittima gliedert sich in drei Stadtteile: DieCittà Vecchia (= historische Altstadt), dasBorgo (ursprünglich das Quartier der Handwerker) und dieCittà Nuova (= Neustadt), die im Wesentlichen aus den Wohnvierteln der ehemaligen Bergarbeiter besteht.

Città Vecchia

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Piazza Garibaldi mit Palazzo Comunale und Palazzo dei Conti di Biserno

Kernstück der Unterstadt ist diePiazza Garibaldi mit:

  • Dom San Cerbone
  • Palazzo delPodestà (13. Jahrhundert, heuteArchäologisches Museum)
  • Palazzo Comunale (um 1250 begonnen, mehrfach verändert); ältester Teil ist der GefängnisturmTorre del Bargello, benachbarte Gebäude wurden später errichtet und eingebunden
  • Palazzo dei Conti di Biserno, bis 17. Jahrhundert Bischofspalast, ehe die Bischöfe in ein neues Gebäude neben dem Dom einzogen
  • Loggia del Comune aus dem 14. Jahrhundert (erneuert und durch ein Obergeschoss erweitert im 19. Jahrhundert)
  • Palazzo Bandini
  • Palazzo Pannocchieschi
  • L’Albero della Fecondità („Baum der Fruchtbarkeit“), ein Fresko einer alten Brunnenmauer, das 1265 entstand.[6] Es zeigt 25 Phalli als Baumfrüchte über sich teilweise streitenden, teilweise die Geschlechtsteile erntenden Frauen.

Von diesem zentralen, dreiecksförmigen Platz geht die FlaniermeileCorso della Libertà mit zahlreichen, teilweise stark veränderten mittelalterlichen Adelspalästen, heute Geschäfte, Cafés und Restaurants beherbergend, aus. In dieser Straße befindet sich auch das Geburtshaus des FranziskanersBernhardin von Siena.

Città Nuova

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Festung mit Torre del Candeliere und Arco Senese
Blick in die Colline Metallifere hinter San Francesco

Nach der Eroberung des Stadtstaates 1335 befestigten die Sienesen Massa Marittima. Der schon unter den Massetanern vorhandene, massive quadratische Wehrturm (Torre del Candeliere) wurde dabei mit den neuen Bastionen durch einen 22 m großen gotischen Bogen (den so genanntenArco Senese) verbunden.

Die Festung – soweit nicht unter den Habsburgern im 18./19. Jahrhundert abgerissen – ist begehbar; der Turm kann bestiegen werden und eröffnet eine weite Aussicht über die Stadt.

Von der sienesischen Stadtbefestigung stehen im Übrigen noch drei Tore:

  • Im Norden die Porta San Rocco,
  • im Süden die Porta al Salnitro sowie
  • im Osten die Porta alle Sicili.

Weitere Sehenswürdigkeiten der Oberstadt:

  • Piazza Matteotti mit ehemaligem Waffenarsenal (Palazzetto degli Armi, 14. Jh., heute ein Museum für die Geschichte des Bergbaus)
  • Ölmühlen-Museum (Antico Frantoio) mit Olivenpresse aus dem 18. Jh.
  • Bergwerkmuseum in einem 700 m langen Stollen, mit Arbeitsgeräten und Mineraliensammlung
  • Augustinerkirche, eine 1273 begonnene Hallenkirche mit polygonaler Apsis nach den Plänen vonDomenico di Agostino, einem Kreuzgang aus dem 15. Jh. und Campanile von 1627; angrenzend das nur noch teilweise erhaltene romanische BethausSan Pietro all'Orto mit sienesischen Freskenresten aus dem Leben des Hl.Nikolaus von Tolentino
  • Franziskanerkirche außerhalb der Stadtmauern, 13. Jh. datierend, stark verändert

Borgo

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Turmhaus Casa Fedi

Borgo war ursprünglich das Quartier der Handwerker.

  • Casa Fedi, Turmhaus, 14. Jh. datierend
  • Casa Billi, Turmhaus, 13. Jh. datierend
  • Palazzina della Zecca, Gelände der altenMünzprägeanstalt

Armbrust-Wettschießen

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Die Pfeile im Ziel werden zum Abschluss des Wettschießens gezählt

Zweimal jährlich, am vierten Sonntag im Mai zu Ehren des Hl.Bernhardin von Siena sowie am zweiten Sonntag im August an oder nachMariä Himmelfahrt, findet das historischeArmbrustschießenBalestro del Girifalco statt. Es ist ein Wettstreit der drei historischen Stadtteile(Terzieri) – eine Idee, die auch demPalio di Siena zugrunde liegt, in der Ausführung aber nicht vergleichbar ist.

Eröffnet wird das Fest durch einen Umzug von 150 Personen in historischen Kostümen und einer Demonstration der Fahnenschwinger(Sbandonieri). Die Kernzeremonie besteht darin, dass 24 Armbrustschützen (je 8 aus den Stadtteilen Cittàvecchia, Cittànuova und Borgo) aus einer Distanz von 36 m auf das Herz eines künstlichen Falken, ein Stück Holz von 12 cm Durchmesser, zielen müssen; der Falke symbolisiert den Feind. Es gewinnt der Stadtteil, dessen Schützen die meisten Treffer bzw. besten Annäherungen erzielen.

Söhne und Töchter der Stadt

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Literatur

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  • Emanuele Repetti:MASSA MARITTIMA, MASSA DI MAREMMA, e talvolta anche MASSA VETERNENSE, MASSA METALLIFERA nella Maremma toscana. InDizionario Geografico Fisico Storico della Toscana (1833–1846),Onlineausgabe derUniversität Siena (PDF, italienisch).
  • Pietro Torriti: Massa Marittima, Firenze 2003
  • Touring Club Italiano:Toscana, Mailand 2003,ISBN 88-365-2767-1, S. 834–840.
  • Klaus Zimmermanns: Toscana, Dumont-Kunstreiseführer, 5. Aufl. Köln 2004

Weblinks

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Commons: Massa Marittima – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Bilancio demografico e popolazione residente per sesso al 31 dicembre 2023. ISTAT. Abgerufen am 18. März 2025 (Bevölkerungsstatistiken desIstituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2023). 
  2. Webseite der Agenzia nazionale per le nuove tecnologie, l’energia e lo sviluppo economico sostenibile (ENEA), abgerufen am 5. Dezember 2013 (ital.) (PDF; 330 kB)
  3. Offizielle Webseite des Sistema Informativo Ambientale della Regione Toscana (SIRA) zu den Flüssen in Massa Marittima, abgerufen am 5. Dezember 2013 (italienisch)
  4. Offizielle Webseite des ISTAT (Memento desOriginals vom 27. September 2016 imInternet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäßAnleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/dawinci.istat.it (Istituto Nazionale di Statistica) zu den Einwohnerzahlen 2001 in der Provinz Grosseto, abgerufen am 5. Dezember 2013 (italienisch)
  5. Karl-Heinz Ludwig, Volker Schmidtchen:Propyläen Technikgeschichte. Metalle und Macht 1000–1600, Berlin 1997, S. 62–64ISBN 3-549-05633-8
  6. L’Albero della Fecondità torna visibile dopo il restauro. Offizielle Webseite der Gemeinde Massa Marittima vom 16. März 2012, abgerufen am 23. Mai 2021 (italienisch)
Gemeinden derProvinz Grosseto in der RegionToskana
Normdaten (Geografikum):GND:4264257-7(lobid,OGND,AKS) |LCCN:n86067905 |VIAF:137289394
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