Messinggelb glänzende Markasitstufe (Kammkies) aus dem Steinbruch Rensselaer, Pleasant Ridge, Jasper County, Indiana, USA(Größe 3,8 cm × 3,3 cm × 2,0 cm)
Markasit ist in jeder Form undurchsichtig und entwickelt meist tafelige, pyramidale oder prismatischeKristalle, tritt aber auch in Form rosettenförmiger, traubiger oder massigerAggregate und radialstrahligerKonkretionen (vor allem in Braunkohlen) auf. Die Farbe von Markasit schwankt von einem eher dunklenBronzeton überMessinggelb bisZinnweiß mit gelegentlichem Grünstich. SeineStrichfarbe ist grünlichgrau bis schwärzlichgrau.
Die Oberflächen frischer Proben weisen einen metallischenGlanz auf. Viele Markasite werden allerdings nach einiger Zeit an der Luft durch Verwitterung stumpf und können dabei auch buntfarbiganlaufen.
Markasit erhielt seine bis heute gültige deutsche Bezeichnung 1845 durchWilhelm Ritter von Haidinger zugeordnet. Das zugrundeliegende lateinischemarchasita stammt vom arabischen bzw. maurischenمرقشيثا /marqašīṯā / ‚Feuerstein‘, welches bis in die Neuzeit metallisch glänzende (bronzefarbene) Erzmineralien wie z. B. Pyrit bzw. Markasit, aber auchBleiglanz (marchasita plumbea, genannt auchantimonium) oderGrauspießglanz (ebenfallsantimonium, und späterAntimonglanz genannt)[5] bezeichnete. Der Name bezieht sich auf die Fähigkeit,Funken abzugeben, wenn es aufFlint (Feuerstein) oderEisen bzw.Stahl geschlagen wird.
Der AltorientalistJohn Huehnergard führt das arabische Wort auf das akkadischemarḫa/ušu zurück, das über das Syrische (marqšiṯā,maq(q)šiṯā) in den arabischen Wortschatz gelangt sei.[6] Das akkadische Wort wiederum dürfte vom OrtsnamenMarḫaši abgeleitet sein und wahrscheinlich einen Speckstein bezeichnet haben.[7]
Markasit ist unter vielen Namen mehr oder weniger bekannt. Bevor man erkannte, dass Markasit und Pyrit zwei verschiedene Minerale gleicher Stöchiometrie sind, wurden beide in der Literatur oft alsSchwefelkies, parallel auch als Markasit[8] bzw. Marchasita (gedacht als kristallisierter Schwefelkies[9]) bezeichnet.[10] Mitte des 19. Jahrhunderts wurde erkannt, dass derSchwefelkies tatsächlich aus zwei verschiedenen, wenn auch sehr ähnlichen Mineralen bestand. Seitdem werden Pyrit und Markasit als eigenständige Minerale geführt.
Aufgrund seiner Kristallformen bekam der Markasit zudem verschiedene beschreibende Synonyme wieBinarkies bzw.Binarit,Blätterkies,Graueisenkies,Kammkies,Speerkies undStrahlkies. AlsLeberkies (nach Werner) wurden massige, traubige bis nierenförmige Aggregate bezeichnet. Die ebenfalls veraltete BezeichnungWasserkies wurde vonHenkel (1678–1744) als „weißer Kies“ gedeutet, jedoch später vonHausmann (1782–1859) wieder als Synonym für den Markasit aufgenommen.[11]
Knolliger Markasit (Leberkies) aufBaryt aus der Stari Trg Mine, Trepča-Komplex,Kosovska Mitrovica, Kosovo(Größe 9,3 cm × 7,4 cm × 2,8 cm)
Da der Markasit bereits lange vor der 1958 gegründetenInternational Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrerCommission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und der Markasit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral bezeichnet.[12] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auchMineral-Symbol) von Markasit lautet „Mrc“.[1]
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[13]9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Markasit dagegen in die Abteilung der „Metallsulfide mit M : S ≤ 1 : 2“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach dem genauenStoffmengenverhältnis und den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „M : S = 1 : 2, mit Fe, Co, Ni, PGE usw.“ zu finden ist, wo es ebenfalls die nach ihm benannte „Markasitgruppe“ mit der Systemnummer2.EB.10a und den weiteren Mitgliedern Ferroselit, Frohbergit, Kullerudit und Mattagamit bildet.
Auch dieSystematik der Minerale nach Dana ordnet den Markasit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung der „Sulfidminerale“ ein. Hier ist er ebenfalls Namensgeber der „Markasitgruppe (Orthorhombisch:Pnnm)“ mit der Systemnummer02.12.02 und den weiteren Mitgliedern Anduoit, Ferroselit, Frohbergit, Kullerudit,Löllingit, Mattagamit,Nisbit, Omeiit,Rammelsbergit,Safflorit undSeinäjokit sowie dem diskreditiertenHastit innerhalb der Unterabteilung „Sulfide - einschließlich Seleniden und Telluriden - mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n) : p = 1 : 2“ zu finden.
Idiomorphe Kristalle (Kristalle mit vollständiger Ausbildung der Eigengestalt) sind meist tafelig bis flachprismatisch, oft beilförmig. Häufig sind die Kristalle verzwillingt, oft speerspitzige Viellinge in Wiederholung, als „Speerkies“ bzw. „Kammkies“ bezeichnet. AuchPseudomorphosen von Markasit nachPyrrhotin sind bekannt.
Markasit ist weniger stabil als das chemisch gleichePyrit und zerfällt in einem Zeitraum von mehreren Jahren. Dabei wirdSchwefelsäure gebildet und ein typischer Schwefeldioxidgeruch freigesetzt. Beim Erhitzen auf über 400 °C wandelt sich Markasitmonotrop in Pyrit um.[14]
Markasit bildet sich bei niederen Temperaturen (im Gegensatz zu Pyrit) und ist deshalb meist nahe der Erdoberfläche, in Braunkohlen, Tonen, Mergeln, Kreide; in und an tierischen und pflanzlichen Fossilien, aber auch in bei tiefen Temperaturenhydrothermal entstandenen Verdrängungslagerstätten zu finden.
An der Erdoberfläche oxidierenden Bedingungen ausgesetzt, verwittert Markasit (schneller als Pyrit) über mehrere Zwischenstufen zu Eisenoxidhydrat (Limonit oder Brauneisenerz) FeO·OH, wobei der Schwefel zuSchwefelsäure oxidiert wird. Begleitet wird Markasit vonCalcit,Dolomit,Fluorit,Galenit,Pyrit, Pyrrhotin,Quarz undSphalerit.
Als häufige Mineralbildung ist Markasit an vielen Orten anzutreffen, wobei weltweit bisher fast 6000 Fundstätten dokumentiert sind (Stand: 2021).[15]
Bereits in derSteinzeit wurde Markasit ebenso wie Pyrit dazu benutzt,Feuer zu entzünden. Allerdings ist Markasit durch seine massige Struktur besser dazu geeignet.
Für die chemische Industrie wird Markasit, vor allem wenn er in einigen niedertemperiert-hydrothermalen Lagerstätten in größeren Mengen vorkommt, zur Gewinnung von Schwefelsäure abgebaut.
ZuSchmucksteinen wird Markasit nur von Mineralsammlern geschliffen, da das Mineral im Gegensatz zu Pyrit weniger stabil ist und langsam zerfällt, die Bildung vonSchwefliger Säure macht es zudem gefährlich beim direkten Hautkontakt. Der ebenfalls im Schmuckhandel erhältliche Pyrit wird oft fälschlicherweise als Markasit bezeichnet.
In einer angeblich vonDschābir ibn Hayyān im Mittelalter verfassten Schrift wurde empfohlen, zu Dekorationszwecken „goldenen“ Markasit anstelle von Gold zu verwenden, um Baukosten zu senken.[17]
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Walter Schumann:Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. 16., überarbeitete Auflage. BLV Verlag, München 2014,ISBN 978-3-8354-1171-5,S.178, 238.
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↑abStefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018,ISBN 978-3-921656-83-9.
↑abcHugo Strunz,Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001,ISBN 3-510-65188-X,S.106 (englisch).
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↑Udo Benzenhöfer:Johannes' de Rupescissa Liber de consideratione quintae essentiae omnium rerum, deutsch. Studien zur Alchemia medica des 15. bis 17. Jahrhunderts mit kritischer Edition des Textes (= Heidelberger Studien zur Naturkunde der frühen Neuzeit.Nr.1). Steiner, Stuttgart 1989,ISBN 978-3-515-05388-4,S.187.
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↑Fundortliste für Markasit beimMineralienatlas (deutsch) und beiMindat (englisch), abgerufen am 17. September 2021.