Mario Piccioli
Mario Piccioli (*2. Juni1926 inFlorenz; †3. August2010) war einitalienischer Überlebender der KonzentrationslagerMauthausen,Ebensee undLinz III.
Kindheit und Jugend
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Piccioli wuchs im Florentiner Viertel San Frediano auf, wo er mit seinen Eltern und dem älteren Bruder wohnte.[1] Seine Familie war nichtfaschistisch geprägt und musste – im Gegensatz zu einem Großteil der Bevölkerung in der damaligen Zeit – nie Hunger leiden. Bis zur fünften Klasse besuchte er die Grundschule, dann arbeitete er in verschiedenen Geschäften.
Verhaftung und Deportation
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Infolge des in Ober- und Mittelitalien ausgerufenenGeneralstreiks wurde seine Mutter am 7. März 1944 verhaftet und in dieLeopoldinischen Schulen von Florenz gebracht. Als Piccioli sie am Tag danach suchte, wurde auch er von einem Faschisten verhaftet.
Obwohl man seine Mutter wieder freiließ, wurden Piccioli und viele weitere Verhaftete auf Lastwagen geladen und zumBahnhof Santa Maria Novella gebracht. Jeweils zu vierzigst wurden sie in Waggons gepfercht, eingeschlossen und ins Konzentrationslager Mauthausendeportiert, das sie drei Tage später erreichten.
Begleitet vom Gebrüll derSS-Männer, wurden sie gezwungen, den etwa fünf Kilometer langen Weg vom Bahnhof zum Lager zurückzulegen. Es folgte die Ansprache eines deutschen SS-Offiziers, bevor sie ausgezogen und komplett rasiert, desinfiziert und in die Duschen getrieben wurden. Piccioli wurde dieHäftlingsnummer 57.344 zugeteilt.
Von Mauthausen nach Ebensee und Linz
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Nach der zweiwöchigenQuarantäne, die dazu diente, die Deportierten sowohl psychisch als auch physisch auszuzehren, wurde er gemeinsam mit anderen italienischen Häftlingen ins Konzentrationslager Ebensee, einen Nebenlager von Mauthausen, überstellt, wo riesige Stollenanlagen realisiert werden sollten, in denen Raketen entwickelt und produziert werden sollten.
Piccioli musste Zwangsarbeit in Stollen verrichten, die etwa einen Kilometer außerhalb des Lagers lagen. Während der Arbeit wurden sie von SS-Männern undabgerichteten Hunden bewacht.
Wegen seines schlechten Gesundheitszustandes wurde er schließlich insRevier verlegt, wo er bei einer Selektion für die Rückkehr nach Mauthausen ausgewählt wurde. Auch dort wurde Piccioli in eine Baracke eingewiesen, die als Revier diente, und blieb dort vom 25. Juli bis 31. August 1944.
Später wurde er ins Lager Linz III transferiert, wo die Deportierten in einer Gießerei, bei der Konstruktion von Kraftwerken, für Abbauarbeiten und die Produktion von Panzern eingesetzt wurden.
Das Leben nach der Befreiung
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Am 5. Mai 1945 wurde Piccioli von amerikanischen Truppen inLinz befreit. Zu jenem Zeitpunkt wog er nur noch 31 Kilogramm. Später wurden die Italiener in ein vormaliges Häftlingslager verlegt, wo Piccioli etwa einen Monat verbrachte.
Mit dem Zug gelangte er schließlich nach Bozen und auf einem Lastwagen erreichte er schließlich am 23. Juni Florenz. Schon einen Monat später nahm er eine Arbeit in einer Papierfabrik an. 1963 nahm er eine Tätigkeit für die Provinz Florenz auf, wo er bis zu seiner Pensionierung angestellt war.
In seinen letzten Lebensjahren fungierte Piccioli als ein gefragter Zeitzeuge an Schulen und Universitäten. Außerdem war er Präsident der ANED (Nationale Vereinigung der ehemaligen politischen Deportierten in die NS-Konzentrationslager) Florenz. Mario Piccioli starb am 3. August 2010 in seiner Heimatstadt Florenz.[2]
Siehe auch
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Roberto Castellani, Mithäftling Picciolis in Mauthausen und Ebensee
- Italo Tibaldi, Mithäftling Picciolis in Ebensee
- Deportations- und Widerstandsmuseum in Prato
Literatur
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Bruno Confortini (Hrsg.):Mario Piccioli. Da San Frediano a Mauthausen. Edizioni Comune Network, Florenz 2007,ISBN 8889608129 (italienisch)
Weblinks
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Rede Mario Picciolis in der Zeitschrift „betrifft widerstand“ des Zeitgeschichte-Museums Ebensee anl. der Gedenkfeier am 7. Mai 2007 auf dem KZ-Friedhof Ebensee (S. 28) (PDF-Datei; 913 kB)
- Homepage der ANED
Einzelnachweise
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- ↑Sofern nicht anders angegeben, sind alle Informationen dem Buch von Bruno Confortini entnommen (siehe „Literatur“)
- ↑La Repubblica:E' morto Mario Piccioli ex deportato a Mauthausen, 4. August 2010.
Personendaten | |
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NAME | Piccioli, Mario |
KURZBESCHREIBUNG | italienischer Überlebender der Konzentrationslager Mauthausen, Ebensee und Linz III |
GEBURTSDATUM | 2. Juni 1926 |
GEBURTSORT | Florenz |
STERBEDATUM | 3. August 2010 |
STERBEORT | Florenz |