
Manuela Ballester Vilaseca (*17. November1908 inValencia; †7. November1994 inBerlin) war eine spanische Künstlerin,Feministin undKommunistin. Künstlerisch war sie Teil des spanischen Realismus, inspiriert vonDiego Velázquez, und der valencianischen Künstlergeneration der 1930er Jahre, welche vonavantgardistischen undrevolutionären Strömungen geprägt wurde.
Ihr Vater war der Bildhauer Antonio Ballester Aparicio, der als Professor an derReal Academia de Bellas Artes de San Carlos de Valencia tätig war. Ihre Mutter war die Schneiderin Rosa Vilaseca Oliver. Mit gerade 14 Jahren immatrikulierte sich Ballester 1922 an der Real Academia de Bellas Artes de San Carlos im Fachbereich Malerei, zu einer Zeit, als die Präsenz von Frauen dort noch sehr außergewöhnlich war. Als begabte Portraitmalerin gewann sie ein Stipendium, welches ihr ermöglichte, ausführlich die Kunstwerke desMuseo del Prado inMadrid zu studieren. Dort beschäftigte sie sich insbesondere mit den Werken von Diego Velázquez, dessen Portraitmalerei in der Folge nachhaltigen Einfluss auf sie ausübte. Als Teil der valencianischen Künstlergeneration der 1930er Jahre war Ballester ebenfalls beeinflusst vomFuturismus, demrussischen Avantgardismus, demDadaismus und demSurrealismus. 1928 erwarb sie ihren Abschluss.
Anschließend arbeitete Manuela Ballester alsModedesignerin und als Illustratorin von Büchern und Zeitschriften. Unter anderem war sie regelmäßig für dieanarchistische ZeitschriftEstudios tätig, für die sieFotomontagen entwarf. 1930 gewann sie den ersten Preis bei einem Wettbewerb der Titelbilder für die Covergestaltung der spanischen Übersetzung des RomansBabbitt vonSinclair Lewis. In den folgenden Jahren wurden ihre Werke in Valencia in verschiedenen Ausstellungen präsentiert, in denen auch die Arbeiten von anderen Künstlern und Künstlerinnen der valencianischen Avantgarde zu sehen waren. Diese Strömung suchte die Nähe zurArbeiterbewegung, denGewerkschaften und demPartido Comunista de España (PCE), dessen Mitglied Ballester 1931 wurde. 1932 heiratete sieJosep Renau. Dieser gab ab 1935 die ZeitschriftNueva Cultura heraus, in der auch Ballester als Illustratorin und Autorin regelmäßig veröffentlichte.
Ab 1936 war Ballester ein führendes Mitglied der feministischen OrganisationAsociación de Mujeres Antifascistas, für deren ZeitschriftPasionaria sie als Herausgeberin verantwortlich war. Dort organisierten sich u. a. viele gleichgesinnte Künstlerinnen, wieJuana Francisca Rubio. 1936 veröffentlichte sie ein Wahlplakat für die Parlamentswahlen, welches insbesondere Frauen mit dem SloganVotad alFrente Popular! (Wählt den Frente Popular!) ansprach. Während desSpanischen Bürgerkriegs unterrichtete Ballester in der FrauenschuleLina Ódena, die von der Frauensektion des PCE betrieben wurde. Dort lernten Frauen aus derArbeiterklasse Lesen und Schreiben und konnten eine künstlerische und berufliche Ausbildung erwerben.
1937 unterstützte sie ihren Mann bei der Organisation des Pavillon derSpanischen Republik auf derWeltausstellung in Paris. Renau war zwischenzeitlich von der Regierung der Republik zum Generaldirektor derBellas Artes ernannt worden. 1938 musste sie aufgrund des Kriegsverlaufs nachBarcelona ausweichen, wo sie als Zeichnerin für die Sektion Presse und Propaganda desEjército Popular de la República tätig war.
Anfang 1939, in der Endphase des Bürgerkrieges, gelang Manuela Ballester, im Zuge der sogenanntenRetirada (Rückzug), gemeinsam mit ihrer Mütter, ihren beiden Schwestern, ihrem Sohn Ruy (* 1934) und ihrer Tochter Julia (* 1937) zu Fuß die Flucht über diePyrenäen nach Frankreich. Sie gelangten nachToulouse, wo sie vonPablo Picasso unterstützt wurden. Josep Renau verließ Spanien einige Wochen später. Er wurde imInternierungslager Argelès-sur-Mer inhaftiert. Nachdem Renau ein Visum für die Vereinigten Staaten erhalten hatte, konnte er das Lager verlassen. Am 6. Mai 1939 verließ die Familie Renau-Ballester Europa mit dem niederländischen DampfschiffVendamm II in RichtungNew York City, von wo aus sie nach Mexiko weiterreisten.

In der ersten Zeit des Exils erhielt die Familie Unterstützung durch denServicio de Evacuación de Refugiados Españoles (SERE). Kurz nach ihrer Ankunft arbeitete Manuela Ballester als Illustratorin von Kalendern für dieDruckerei Galas. Anfang der 1940er Jahre gründete die Familie Renau-Ballester den BetriebEstudio-Imagen. Publicidad Plástica, in dem neben Renau auch die Ballester-Schwestern arbeiteten. Sie entwarfen hunderte Plakate für das Kino, die Privatwirtschaft und politische Organisationen.
Manuela Ballester gebar in Mexiko drei weitere Kinder: Álvaro Totli (* 1940), Teresa (* 1943) und Pablo (* 1946). Innerhalb der Familie sprach manValencianisch. Sie bewohnten ein großes Haus inMexiko-Stadt, welches sich zum Treffpunkt der republikanischen Exilgemeinde entwickelte. Unter anderem pflegte Ballester eine freundschaftliche Beziehung zuMax Aub. Ihre Mutter Rosa Vilaseca übernahm einen großen Anteil an der Kinderbetreuung, was Ballester ermöglichte weiterhin künstlerisch sehr produktiv zu sein.
Sie erlebte die Glanzzeit desMuralismo. Gemeinsam mitDavid Alfaro Siqueiros arbeiteten Renau und Ballester etwa im Auftrag der GewerkschaftSindicato Mexicano de Electricistas (SME) an dem WandbildRetrato de la Burguesía. Nach dem gescheiterten Attentat aufLeo Trotzki am 24. Mai 1940 musste die Arbeit unterbrochen werden, da Siqueiros in die Tat verstrickt war und floh. Auf Bitte des SME vollendeten sie das Werk schließlich alleine. Zwischen 1945 und 1950 arbeiteten Renau und Ballester in demHotel Casino de la Selva inCuernavaca an dem WandbildEspaña hacía América. Dieses Werk blieb unvollendet, nachdem sie die Arbeit 1950 aufgrund von Unstimmigkeit bezüglich der Darstellung der Spanier abbrachen.
Ballester war in der Folge weiterhin als Illustratorin für das Familienunternehmen tätig. Auftraggeber waren Zeitschriften des spanischen Exils wieLas Españas,Independencia oderMujeres Españolas. Außerdem malte sie nach wie vor Porträts und Landschaften. Ihre Arbeiten aus dieser Zeit sind realistisch und schlicht, aber mit Sensibilität gemalt. Sie malte Familienmitglieder, Freunde und Landschaften, wieCuernavaca. Ballester beschäftigte sich intensiv mit den Kleidungsstilen derindigenen Völker Mexikos. Zu diesem Thema recherchierte sie im ganzen Land, um indigene Trachten aus verschiedenen Regionen Mexikos originalgetreu malen und teilweise reproduzieren zu können.

Ab 1959 lebte Manuela Ballester inOst-Berlin. Josep Renau war bereits im Jahr zuvor in die DDR übergesiedelt, nachdem er eine Einladung seitens der Regierung erhalten hatte. Mit den beiden kamen ihre beiden jüngsten Kinder Teresa und Pablo in die DDR, während die drei größeren Kinder in Mexiko blieben. Ballester konnte hier nicht auf ein vergleichbares soziales Netzwerk zurückgreifen wie in Mexiko, und sie sprach kein Deutsch, weshalb sie künstlerisch und professionell nicht mehr so wirksam sein konnte wie zuvor. Sie fand sich zunächst in der Rolle einer Hausfrau wieder. 1962 ließ sie sich von Renau scheiden. Danach gelang es ihr wieder besser, ihre eigene Karriere voranzubringen.
Ballester war nun als Illustratorin für deutsche und weiterhin für spanische und mexikanische Zeitschriften tätig, sowie als Spanisch-Lektorin für den BetriebIntertext und denAllgemeinen Deutschen Nachrichtendienst (ADN), für den sie Fotomontagen und Illustrationen anfertigte. Sie erhielt eine stetige finanzielle Zuwendung alsVerfolgte des Naziregimes.
Im Vergleich zur Phase in Mexiko malte Ballester nun weniger und nicht mehr so farbenfroh. Dabei orientierte sie sich an der Stilrichtung desSozialistischen Realismus, welchen dieSozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) durchsetzte. Ihre vorherigen Werke bekamen mehr Zuspruch und wurden in verschiedenen Ausstellungen gezeigt. 1963 wurden ihre mexikanischen indigenen Trachten durch denDemokratischen Frauenbund Deutschlands (DFD) in Berlin ausgestellt und 1965 erneut in Berlin und inDresden. Zuletzt waren sie zwischen April und Juni 2015 imMuseo Nacional de Cerámica y Artes Suntuarias González Martí in Valencia unter dem TitelManuela Ballester en el exilio. El traje popular mexicano zu sehen. Ihre Werke wurden zu verschiedenen Anlässen in Mexiko gezeigt, so zum Beispiel 1976 imPalacio de Bellas Artes im Rahmen der AusstellungMujeres en la plástica. Mit dem Ende desFranquismus konnten ihre Arbeiten auch wieder in Spanien gezeigt werden, etwa 1981 in Valencia im Rahmen der AusstellungL´avantguarda artística valenciana dels anys trenta und 1983 während der AusstellungEl exilio español en México im Palacio de Velázquez in Madrid.
Trotz der Anerkennung, die ihr nun auch wieder in Spanien zuteilwurde, hatte sie dort nie wieder ihren Lebensmittelpunkt. Ballester lebte die letzten Jahre ihres Lebens inBerlin-Mahlsdorf. Sie pendelte regelmäßig zwischen Valencia und Berlin, wo sie am 7. November 1994 im Alter von 85 Jahren starb. Manuela Ballester wurde auf demZentralfriedhof Friedrichsfelde beigesetzt.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ballester, Manuela |
| ALTERNATIVNAMEN | Ballester Vilaseca, Manuela (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | spanische Künstlerin, Feministin und Kommunistin |
| GEBURTSDATUM | 17. November 1908 |
| GEBURTSORT | Valencia |
| STERBEDATUM | 7. November 1994 |
| STERBEORT | Berlin |