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Manetho

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Dieser Artikel behandelt den ägyptischen Priester. Zum Autor eines pseudoepigraphischen astrologischen Werkes des 1. Jahrhunderts siehePseudo-Manetho.
Papyrus Baden 4.59,Verso (fünftes Jahrhundert n. Chr.): Vermutete Teilabschrift der Epitome, basierend auf denAegyptiaca von Manetho

Manetho (griechisch ΜανεθώςManethṓs oder ΜανέθωνManéthōn;altägyptisch gräzisiert zuManethoth „Wahrheit des Thot“) war ein Priester ausSebennytos inUnterägypten, der wahrscheinlich unter denPharaonenPtolemaios I.,Ptolemaios II. undPtolemaios III. lebte. DerPapyrus Hibeh 1.72 stellt möglicherweise das einzige zeitgenössische Dokument von Manetho dar. Das Geburts- und Sterbedatum ist in keiner Quelle überliefert.Georgios Synkellos setzte Manethos Wirken zur gleichen Zeit wie oder etwas später alsBerossos in die Regierungszeit von Ptolemaios II. (285–246 v. Chr.), unter welchem er seine Werke verfasst haben soll.

Die bekannteste Schrift stellen dabei dieAegyptiaca dar, die er unter anderem in altägyptischer und griechischer Sprache als „Geschichte Ägyptens von den ältesten Zeiten an bis zurmakedonischen Eroberung“ in drei Büchern schrieb.

Hinweise

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Manetho (Ägypten)
Manetho (Ägypten)
Sebennytos 
(neu)
Diospolis Inferior 
(alt)
Die Orte Sebennytos in Ägypten

DieSuda nennt zwei Autoren namens Manetho: einerseits „Manetho vonMendes“ als Priester, der an denKyphi-Texten beteiligt war, und andererseits „Manetho vonSebennytos (Diospolis Inferior)“. Weitere Namensverbindungen von Manetho fehlen. Der Ort Mendes ist von Sebennytos nur etwa 25 km entfernt, weshalb eine sichere Zuordnung schwierig ist. Beide Manethos können in Erwägung gezogen werden, sofern es sich bei „Manetho von Mendes“ um keine Verwechselung mit „Ptolemäus von Mendes“ handelt, der als ägyptischer Priester wahrscheinlich in der Zeit desAugustus ebenfalls ein dreibändiges Werk über die ägyptische Chronologie verfasste. Zweifelsfrei kann daher nur die allgemeine Beschreibung von Manetho verwendet werden: „Geboren am Westufer desDamietta-Nilarms und Priester im Tempel zu Sebennytos, der inHeliopolis wohnte.“[1]

Nach Angaben vonPlutarch soll Manetho einer von zwei priesterlichen Beratern desPharaos gewesen sein, die mit der Einführung desSerapis-Kults beauftragt wurden. Auf dem Sockel einerStatue im Serapis-Tempel inKarthago ist der Name Manetho eingemeißelt. Da der Name sehr selten ist, mag es sich in der Tat um diesen Manetho handeln.[2]

Aegyptiaca (Geschichte Ägyptens)

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Überblick über die historischen Überlieferungen

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Manethos WerkAegyptiaca, die Geschichte Ägyptens, ist frühzeitig untergegangen. Das Verzeichnis derDynastien, ein Drittel der Herrschernamen und einigeFragmente sind in „Abschriften von Abschriften“ erhalten geblieben, die von anderen Autoren ergänzt, verändert oder mit Fälschungen durchsetzt wurden, eheFlavius Josephus und die christlichen GeschichtsschreiberIulius Africanus undEusebius wiederum ihre Abschriften mit weiteren Ergänzungen erstellten. Das Werk des Africanus ist nur in Auszügen vor allem des Eusebius undGeorgios Synkellos (im9. Jahrhundert) überliefert, dieChronik des Eusebius wiederum nur in einerarmenischen Übersetzung sowie einer lateinischen Bearbeitung desHieronymus.

Wenn also in derÄgyptologie gegebenenfalls vonManetho (Josephus),Manetho (Africanus) oderManetho (Eusebius) die Rede ist, dann ist mit dem jeweiligen zweiten Namen in der Klammer die indirekte Quelle der eigentlichen Aussage des ägyptischen Priesters Manetho gemeint.

Überlieferungen bei Georgios Synkellos

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Die vonGeorgios Synkellos übernommenen – teilweise in bedenklichem qualitativen Zustand – manethonischenEusebius- undAfricanus-Überlieferungen enthalten ergänzend die bereits in frühester Zeit manipulierte Manetho-Epitome derAegyptiaca.[3]

Überlieferungen bei Eusebius von Caesarea

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Für seine Überlieferungen der manethonischenAegyptiaca stützte sich Eusebius in längeren Ausschnitten einerseits in seiner 15 Bücher umfassenden „Praeparatio evangelica“ auf dieApologieÜber die Ursprünglichkeit des Judentums“ und andererseits in Buch 1 der „Chronik“ auf weitere Auszüge der Texte vonFlavius Josephus. Ergänzend berichtet Eusebius in Buch 2 der „Chronik“ über die Epitome Manethos. Buch 1 ist nur inarmenischer Sprache erhalten geblieben. Buch 2 der „Chronik“ beinhaltet größtenteils nur die inlateinischer Sprache verfasste Überlieferung desHieronymus; einzelne Bruchstücke des ursprünglichen Textes liegen in Zitatform vor.[4]

Die überlieferten Eusebius-Zitate zählen wegen ihrer hohen Genauigkeit und im Vergleich zu Flavius Josephus als qualitativ höherwertige Überlieferungen zu den wichtigen geschichtlichen Textzeugen. Der griechische Urtext konnte bislang noch nicht einer kritischen Prüfung unterzogen werden, da die benutzten Zitate sich nur aus späteren Weiterverarbeitungen heraustrennen lassen könnten. Dies aber macht eine Entscheidung hinsichtlich problematischer Passagen unmöglich. Insofern stellt der erste Teil der Eusebius-Chronik nur eine in bedenklichem Zustand vorliegende Quelle dar. Die vonBenedikt Niese gefertigten Übersetzungen wurden vonKarl Mras zwischenzeitlich überarbeitet und teilweise korrigiert, weshalb nach einer Beurteilung vonFolker Siegert die Werke von Karl Mras als „maßgeblich gelten“.[4]

Buch der Sothis

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Hauptartikel:Buch der Sothis

Das pseudo-manethonische WerkBuch der Sothis basiert hauptsächlich auf den Angaben vonFlavius Josephus(Über die Ursprünglichkeit des Judentums) sowieEusebius von Caesarea(Chroniken) und wurde vonAlfred von Gutschmid auf das Ende des dritten Jahrhunderts n. Chr. datiert.[5]

Georgios Synkellos nahm auf Basis der Angaben desPanodorus von Alexandrien an, dass ein „Sothisjahr“ hinsichtlich der ersten altägyptischen göttlichen Dynastie, die sechs Gottheiten als Herrscher umfasste, inMondmonate umgerechnet werden müsse, wobei er von einer Mondmonatslänge von etwa 29,53 Tagen ausging. Die Anzahl der „Sothisjahre“ reduzierte Georgios Synkellos aufgrund dieser Berechnungsbasis von „11.985 Jahren“ auf 968 Jahre und elf Monate.[6]

Für die „zweite und dritte Dynastie der Halbgötter“ wählte Panodorus von Alexandrien als Umrechnungsfaktor ein Vierteljahr (horai,saisonal). Die Gesamtzahl der „858 Sothisjahre“ für 15 Halbgötter verkürzte er nach Angabe des Georgios Synkellos auf 214 Jahre und sechs Monate. In der Gesamtbetrachtung regierten vor dem erstenirdischen altägyptischen König (Pharao)Menes somit 21 göttliche beziehungsweise halbgöttliche Könige mit einer Herrscherdauer von 1.183 Jahren und fünf Monaten.[6]

Siehe auch

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Textausgaben

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  • Dagmar Labow:Flavius Josephus „Contra Apionem“, Buch I: Einleitung, Text, textkritischer Apparat, Übersetzung und Kommentar. Kohlhammer, Stuttgart 2005,ISBN 3-17-018791-0.
  • Carolus Müller:Fragmenta historicorum Graecorum. Band 2 (Nachdruck der Ausgaben Paris 1938). Minerva, Frankfurt a. M. 1975
  • Folker Siegert:Flavius Josephus: Über die Ursprünglichkeit des Judentums (Contra Apionem). Mit Beiträgen von Jan Dochhorn und Manuel Vogel (=Schriften desInstitutum Judaicum Delitzschianum.). Deutsche Übersetzung. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2008,ISBN 978-3-525-54206-4.
  • Gerald P. Verbrugghe, John M. Wickersham:Berossos and Manetho, introduced and translated. Native traditions in ancient Mesopotamia and Egypt. University of Michigan Press, Ann Arbor (Michigan) 2000,ISBN 0-472-08687-1.
  • William Gillian Waddell:Manetho (=The Loeb classical library. Band 350). Heinemann u. a., London 1940,Digitalisat. Nachdruck: Harvard University Press, Cambridge (Mass.) 2004,ISBN 0-674-99385-3.

Literatur

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Übersichtsdarstellungen

Untersuchungen

  • Russell Gmirkin:Berossus and Genesis, Manetho and Exodus. T. & T. Clark, New York 2006,ISBN 0-567-02592-6.
  • Wolfgang Helck:Untersuchungen zu Manetho und den ägyptischen Königslisten. Akademie-Verlag, Berlin 1956.

Einzelnachweise

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  1. William Gillian Waddell:Manetho (=The Loeb classical library. Band 350). Harvard University Press, Cambridge (Mass.) 2004,ISBN 0-674-99385-3, S. X–XI.
  2. W. G. Waddell:Manetho. Cambridge (Mass.) 2004, S. XIII; Gerald Paul Verbrugghe, John Moore Wickersham:Berossos and Manetho, introduced and translated: native traditions in ancient Mesopotamia and Egypt. Ann Arbor (Michigan) 2000, S. 96 und 121.
  3. Folker Siegert:Flavius Josephus: Über die Ursprünglichkeit des Judentums (Contra Apionem). Göttingen 2008, S. 71.
  4. abFolker Siegert:Flavius Josephus: Über die Ursprünglichkeit des Judentums (Contra Apionem). Göttingen 2008, S. 70.
  5. W. G. Waddell:Manetho. Cambridge (Mass.) 2004, S. 234–235.
  6. abGerald P. Verbrugghe, John M. Wickersham:Berossos and Manetho, introduced and translated: native traditions in ancient Mesopotamia and Egypt. Ann Arbor (Michigan) 2000, S. 175–177.
Personendaten
NAMEManetho
ALTERNATIVNAMENΜανεθώς Manethôs; Μανέθων; Manethon; Μανεθῶι; Manethoi; Manethoth; Wahrheit des Thot
KURZBESCHREIBUNGägyptischer Priester
GEBURTSDATUM4. Jahrhundert v. Chr. oder 3. Jahrhundert v. Chr.
STERBEDATUM3. Jahrhundert v. Chr.
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