
31.02555555555635.064166666667Koordinaten:31° 2′ N,35° 4′ O
Mamschit (hebräischמַמְשִׁיתMamschīt, auch Mamshit), auchMampsis oderMemphis (altgriechischΜέμφις),arabisch كرنب Kurnub, ist einisraelischer Nationalpark im Norden desNegev. Mamschit ist Teil desUNESCO-WelterbesWeihrauchstraße und Wüstenstädte im Negev. Im 142 ha umfassenden Nationalpark befinden sich Ruinen der Stadt Mamschit (4 ha) ausnabatäischer,römischer undbyzantinischer Zeit sowie außerhalb der Stadt das Wadi Mamschit und darin Staudämme aus antiker Zeit.

Der Mamschit-Nationalpark liegt etwa 7 km östlich vonDimona und 42 km südöstlich vonBeʾer Scheva unmittelbar am Wadi Mamschit. Hier kreuzten sich antike Handelsstraßen, diePetra (Hauptstadt der Nabatäer),Eilat amRoten Meer,Gaza amMittelmeer, dasTote Meer undHebron imHochland von Hebron, südlicher Teil desJudäischen Berglands, verbanden.
Mamschit liegt an einem der wichtigen Zweige derWeihrauchstraße imNegev. Die Weihrauchstraße von etwa 2400 km Länge ist eine alte Handelsstraße vonOman undJemen durchSaudi-Arabien und dann die Wüste Negev bis zum Hafen von Gaza für den Transport von Gütern per Schiff in dasantike Griechenland und dasrömische Reich. Auf der Route wurden vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. insbesondere Gewürze, wie Weihrauch undMyrrhe, durch Karawanen transportiert. Verbunden mit dem Handel war auch der soziale und kulturelle Austausch zwischen demOrient und Okzident (Abendland).
Die meisten heute als Ruinen sichtbaren Gebäude wurden in der nabatäischen Zeit (1. und 2. Jahrhundert) errichtet. Die Stadtmauer mit dem Stadttor stammt aus der späten römischen Periode (3. und 4. Jahrhundert), die beiden Kirchen und das Badehaus aus der byzantinischen Periode (bis 7. Jahrhundert). Im Südosten des historischen Ortes wurde während derbritischen Mandatszeit im 20. Jahrhundert (1936) eine Polizeistation errichtet.
Mamschit wurde Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. (um das Jahr 70) von den Nabatäern gegründet. Als Handelsstadt mit Karawanserei (im Nordwesten unmittelbar vor Stadtmauer), Stallungen, Wohn- und Verwaltungsgebäuden erlebte sie in der nabatäischen Periode (1. und 2. Jahrhundert) eine Blütezeit. Man schätzt zu dieser Zeit etwa 1000 Einwohner. Als Karawanenhändler kontrollierten die Nabatäer auch die Weihrauchstraße. Dabei war das außergewöhnliche Bewässerungssystem der Nabatäer, die sogenannteSturzwasserlandwirtschaft, für die Versorgung der Karawanen an den Rast- und Handelsplätzen im extremariden Klima der Wüste Negev von entscheidender Bedeutung. Die Regensammelfläche überstieg die landwirtschaftliche Nutzfläche um ein mehr als Zehnfaches. Mamschit ist mit den von den Nabatäern angelegten Staudämmen im Wadi Mamschit, Regenwasserkanälen und Zisternen dafür repräsentativ. Das öffentliche Wasserreservoir im Nordosten an der Stadtmauer war ursprünglich überdacht und hatte eine Größe von 10 mal 18 m und eine Tiefe von 3 m. Es nahm auch Regenwasser von außerhalb der Stadtmauer auf.
Vom Wohlstand in Mamschit zeugen die Reste eines ehemals dreistöckigen Wachturmes, von großangelegten Verwaltungsgebäuden und drei als Ruinen erhaltene Wohnquartiere mit Innenhöfen, die Raumdecke tragende Steinbögen, Treppe zum Obergeschoss, Küche und Toilettennischen. Das ehemals offenbar besonders prächtige, zweistöckige sogenannteWealthy house lässt auf 1000 m2 Fläche eine Empfangshalle, eine Küche, Räume für Diener und im Innenhof eine Nische für einen Wasserkrug erkennen.Einige Säulenkapitelle zeigen typisch nabatäische Ornamente. Mamschit betrieb (nachdem der Karawanenhandel nicht mehr ausreichenden wirtschaftlichen Ertrag sicherte) eine Architekturschule und Pferdezucht. Aus nabatäischer Zeit stammt eine alsMarkt bezeichnete Straße mit Räumen auf beiden Straßenseiten, die dem Handel und Wohnen gedient haben. Im östlich benachbarten sogenanntenNabatu-Haus müssen – wie imWealthy house – wohlhabende Menschen gelebt haben. Dafür spricht erstens die Größe des Anwesens (einschließlich großer Hof mit angeschlossenem Stall für etwa 20 Pferde) von 1600 m2. Zweitens lassen Treppen darauf schließen, dass es noch weitere Stockwerke gegeben haben muss. Drittens wurden unter einer Treppe 10.800 Silbermünzen aus den Jahren 75 bis 200 gefunden. Der NameNabatu-Haus geht auf die vielen nabatäischen Besonderheiten, wie zum Beispiel Fresken griechischer Mythologie, zurück.
Gemeinsam mitSchivta gehörte Mamschit zu den nabatäischen Wüstenstädten der zweiten Generation, die das ältere StädtedreieckʿAvdat (Oboda) –Elusa –Nessana enger verknüpfen sollten. UnterTrajan verloren die Nabatäer im Jahre 106 ihre relative Unabhängigkeit und wurden alsrömische ProvinzArabia Petraea insRömische Reich eingegliedert. Die meisten städtischen Gebäude wurden im 2. Jahrhundert gebaut. Die Römer erbauten in Mamschit Truppenunterkünfte. Die nabatäischen Bewässerungsmethoden wurden weiterhin angewandt.


Das Christentum verbreitete sich offenbar relativ früh unter den Nabatäern. Anscheinend gab es bereits im 4. Jahrhundert eine christliche Gemeinde in Mamschit, denn zwei byzantinische Kirchen von beachtlicher Größe, deren Ruinen heute noch erlebbar sind, wurden Anfang des 5. Jahrhunderts errichtet. Die zeitliche Einordnung wird gestützt durch zwei Funde in den Bodenmosaiken der beiden Kirchen: In der Ostkirche befinden sich zwei Kreuze im Bodenmosaik, die nach 427 nicht mehr zulässig waren. Der oströmische KaiserTheodosius II. hatte im Jahr 427 Kreuze auf Fußböden anzubringen verboten, damit niemand auf das Zeichen der Erlösung trete. In der Westkirche zeigt ein Bodenmosaik die Inschrift (griechisch): „Gott, schütze deinen Diener Nilus, Freund Jesu, der dieses Gebäude gründete. Erhalte ihn und seinen Haushalt.“St. Nilus, auch alsNilus vom Sinai bekannt, war zunächst Staatsbeamter u. a. beim Kaiser Theodosius II. und ist im Jahre 430 amBerge Sinai als Mönch gestorben.Die beiden Kirchen wurden in Form einerBasilika errichtet mitHaupt- und Seitenschiffen, einer zentralenApsis und zwei seitlichen Apsiden. Funde weisen darauf hin, dass letztere der Verehrung von Reliquien vonMärtyrern dienten.In beiden Kirchen zeigen Mosaikfußböden neben Ornamenten auch Vögel, unter anderem zweiPfauen. Die Ostkirche, auch „Kirche der Märtyrer“ genannt, war an einKloster angegliedert. Im südlichen Seitenschiff dieser Kirche befindet sich ein in den Boden eingelassenes kreuzförmigesTaufbecken, Piscina (lateinischpiscina‚Wasserbehälter‘) genannt, in das der Täufling auf der einen Seite auf Stufen hinabsteigt und aus dem er nach dem Empfang derTaufe auf der entgegengesetzten Seite heraustritt.
Östlich an die Westkirche angrenzend befindet sich ein typisches nabatäisches Haus mit einer Zisterne und Ställen, zu denen man durch einen Innenhof gelangt. Dieses im nabatäischen Stil erbaute Haus wurde auch in byzantinischer Zeit genutzt, wie Kreuze am Türsturz zeigen. Nördlich vomNabatu-Haus, direkt neben dem Wasserreservoir gelegen und durch einen Kanal damit verbunden, wurde ein Badehaus aus byzantinischer Zeit errichtet. Dies besteht aus einem Ankleideraum, einem heißen, einem warmen und einem Ofenraum zum Heizen der Anlage.
Als Teil der 900 m langen Stadtmauer stammt das Stadttor aus der späten römischen Zeit. Das Tor ist auf der byzantinischenMosaikkarte von Madaba (Jordanien) aus dem 6. Jahrhundert mit zwei Türmen und einem Giebel und dem altgriechischen OrtsnamenΜΑΜΨΙΣ dargestellt. In der westlichen Stadtmauer in Richtung der Staumauer im Wadi Mamschit gab es ein weiteres Tor.Bis zur arabischen Eroberung 636 waren die Stadt bewohnt und die Kirchen genutzt. Danach verfiel Mamschit.
Die ersten Beschreibungen der Ruinen verdankt manUlrich Jasper Seetzen (1807),Edward Robinson (1838) undEdward Henry Palmer (1871). Die archäologischen Ausgrabungen begannen 1959 unter Leitung vonShimʿon Applebaum und Avraham Negev von derHebräischen Universität Jerusalem und dann 1993/1994 durch Talli Erickson-Gini. Mamschit wurde 1966 zumNationalpark erklärt und durch dieIsrael Nature and Parks Authority (INPA) öffentlich zugänglich gemacht. 2005 wurde der Nationalpark Mamschit zusammen mit den Wüstenstädten ʿAvdat, Chaluza (Elusa) und Schivta von derUNESCO zumWeltkulturerbe unter dem TitelWeihrauchstraße und Wüstenstädte im Negev erklärt.