Maker
Maker [ˈme͜ɪkə] (englisch für ‚Schöpfer‘ oder ‚Hersteller‘, wörtlich „Macher“) sind Anhänger einer Subkultur, die neue Dinge selbst herstellt oder existierende umbaut und dabei meist aktuelle Technik einsetzt. Die Maker-Bewegung wird als Variante desHeimwerkens bzw.Do It Yourself mit Bezügen zurHacker-„Kultur“ und historischen Wurzeln imArts and Crafts Movement[1] gesehen.
Ziele
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Ziel vieler Anhänger ist es, mit eigenen Mitteln ein technisches Problem zu lösen, ohne den Einsatz kostspieliger Speziallösungen. Ein typisches Beispiel ist der Einsatz von3D-Druckern, mit denen Ersatzteile für Geräte hergestellt werden. Es gibt auch viele Mitglieder, die anderen, zum Beispiel rein künstlerischen oder akademischen, Projekten nachgehen. Dort stehen die Individualität und das Finden von Alternativen zu bestehenden, kommerziellen Lösungen im Vordergrund. Ein Würfel ausLeuchtdioden wäre ein Beispiel für eine rein künstlerische Zielsetzung. Für viele Mitglieder sind auch Wissensaneignung und Neugierde die Triebfedern.
Hackerspaces, Makerspaces und FabLabs
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Manche Mitglieder organisieren sich in sogenanntenHackerspaces,Makerspaces oderFabLabs. Weniger technikfokussierte Maker finden sich in offenen Werkstätten. All diese Örtlichkeiten bieten Platz und Ausstattung für neue Projekte. Sie entsprechen oftmals einerWerkstatt mit gemeinsam angeschaffter Ausrüstung, die für eine Person alleine nicht erschwinglich wäre. Oftmals steht auch der Austausch von Informationen und die Vermittlung nach außen im Vordergrund. An vielen dieser Orte werden Kurse und Workshops für verschiedene Altersgruppen angeboten.
Bedeutung der Makerbewegung
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Die Bewegung wird von manchen Journalisten wie z. B.Chris Anderson (ehemaliger Chefredakteur des bekannten Tech-Magazin „Wired“), als „dritteIndustrielle Revolution“ eingeschätzt, die unsere Wirtschaft und Gesellschaft fundamental verändern könne. Zudem könne Making dieNachhaltigkeit derIndustrie 4.0 erheblich steigern.[2] 2012 empfahl das Ministerium für Handel und IndustrieSingapurs, das Land müsse angesichts der voraussichtlichenUmwälzung der globalen industriellen Landschaft eine „Maker-Bewegung“ kultivieren, die Angehörigen von Bildungseinrichtungen, in der Freizeit Interessierten und Berufstätigen gleichermaßen Zugang zu neuenFertigungstechnologien und offenen Werkstätten gebe.[3]
Präsident Barack Obama hat im Juni 2014 eine Maker Faire im Weißen Haus ausrichten lassen, bei der er die „Nation of Makers“ ausrief.[4] In ärmeren Gebieten der Welt wie z. B. in Brasilien oder Afrika bieten FabLabs Möglichkeiten, Wissen über Produktionsmöglichkeiten zu erlernen und Makermessen die Möglichkeit, sich international zu vernetzen und gegenseitig anzuregen.Im Rahmen der Corona-Pandemie formte sich unter dem Namen „Maker vs. Virus“ eine Initiative, in deren Namen über 6500 Maker dezentral im deutschsprachigen Raum Medizin- und Pflegepersonal mit eigens hergestelltem behelfsmäßigen Schutzequipment in hohen Stückzahlen versorgen.[5][6][7] Eine im humanitären Kontext und der Krisenbewältigung wiederkehrende Diskussion in Wissenschaft[8] und Praxis[9] ist dabei dieQualitätssicherung, deren Herausforderung in der zumeistgeneralistischen Herangehensweise der Maker-Bewegung und der Entwicklung abseits technischer oder medizinischerNormung liegen. Eine diesbezüglicheProfessionalisierung geht durchOpen Hardware aus.[10]
In der Maker-Community herrscht ein plurales Verständnis und Bekenntnis zu Offenheit (Openness), beispielsweise in Form vonZugänglichkeit,Diversität,Transparenz undWiederverwendbarkeit durchoffene Lizenzen vor. Mit der Veröffentlichung vonOpen-Source-Hardware tragen Maker und Makerspaces damit auch zurWissensallmende bei.[11]
Veranstaltungen in Deutschland
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]In Deutschland gibt es verschiedene Veranstaltungen, die mit dem Begriff „Maker“ arbeiten, darunter auch die VeranstaltungsreiheMaker Faire.
Im Jahr 2012 fand in Hamburg das erste Makertreffen statt.[12] Im Jahr 2013 gab es mehrere Makerausstellungen. Am 20. und 21. April fand erstmals in München die von Enthusiasten organisierte Make Munich statt,[13] im August in Hannover die erste kommerzielle, von der ZeitschriftMake: veranstaltete,Maker Faire.[14] Ebenfalls seit 2013 veranstaltet eine Gruppe von Ehrenamtlichen die Make Rhein-Main[15], die bereits in Frankfurt, Darmstadt und Offenbach stattfand. Am 28. und 29. Juni 2014 fand inFriedrichshafen die Maker World statt, die ab 2016 zur Maker Faire Bodensee wurde.[16] Im März 2016 folgte für NRW und das Ruhrgebiet die Maker Faire Ruhr[17] inDortmund. 2018 fand die erste Make Ostwürttemberg in Heidenheim[18] mit 9.000 Besuchern an zwei Tagen statt. Diese wechselt jährlich den Veranstaltungsort und findet wechselnd in Aalen[19], Schwäbisch Gmünd[20], Ellwangen[21] und Heidenheim[22] statt.
Siehe auch
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Hackerethik
- Hardwarehacker
- Open-Source-Hardware
- Commons-based Peer-Production
- FabLab
- Thingiverse
- Heimwerken
- Prosumer
Weblinks
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Hackerspacewiki mit Links zu Hackerspaces u. a. inDeutschland,Österreich und derSchweiz.
- Deutschlandradio: Von digitalen Bastlern, die steinreich werden
Einzelnachweise
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- ↑Yana Boeva, Peter Troxler:Makers. In: Mathieu O’Neil, Christian Pentzold, Sophie Toupin (Hrsg.):Handbook of Peer Production. Wiley, 2020,ISBN 978-1-119-53715-1,doi:10.1002/9781119537151.ch17.
- ↑Jan Peuckert, Ulrich Petschow:Gegensatz oder Symbiose? In:Ökologisches Wirtschaften - Fachzeitschrift.Band 32,Nr. 3, 31. August 2017,ISSN 1430-8800,S. 24,doi:10.14512/OEW320324 (oekologisches-wirtschaften.de [abgerufen am 26. Oktober 2022]).
- ↑MTI Futures Group, Ow Foong Pheng et al.:Future Tense. Hrsg.: Ministry of Trade and Industry of Singapore. Singapur Oktober 2012,S. 19 (gov.sg [PDF]).
- ↑Nation of Makers. Abgerufen am 25. Februar 2023 (englisch).
- ↑Maker vs. Virus: Nerds gegen die Not,Zeit online – Website, 1. Mai 2020.
- ↑Wie 3D-Drucktechnik im Kampf gegen das Corona-Virus hilft,Redaktionsnetzwerk Deutschland/DPA – Website, 1. Mai 2020.
- ↑Pressematerial Maker vs. Virus, Maker vs. Virus Webseite – Website, 1. Mai 2020.
- ↑Robert Mies, Jérémy Bonvoisin, Lena von Damaros, Roland Jochem:Qualitätsverbesserung in Open-Source-Hardware-Communities. In:Potenziale Künstlicher Intelligenz für die Qualitätswissenschaft. Springer, Berlin, Heidelberg 2020,ISBN 978-3-662-60692-6,S. 57–72,doi:10.1007/978-3-662-60692-6_4 (springer.com [abgerufen am 27. April 2022]).
- ↑Tarek Loubani: Reinventing 3D printed tourniquets for Ukraine is a mistake. In: Medium. 25. März 2022, abgerufen am 27. April 2022 (englisch).
- ↑Robert Mies:OPEN_NEXT – Deliverable 1.2: Quality Assurance Framework. 28. Februar 2020,doi:10.14279/DEPOSITONCE-9774 (tu-berlin.de [abgerufen am 27. April 2022]).
- ↑Hanna Saari, Maria Åkerman, Barbara Kieslinger, Jouko Myllyoja, Regina Sipos:How Open Is the Maker Movement? Integrative Literature Review of the Openness Practices in the Global Maker Movement. In:Sustainability.Band 13,Nr. 24, 8. Dezember 2021,ISSN 2071-1050,S. 13559,doi:10.3390/su132413559 (mdpi.com [abgerufen am 30. März 2022]).
- ↑Website Hamburger Makertreffen (Memento desOriginals vom 9. August 2016 imInternet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäßAnleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.hamburger-makertreffen.de
- ↑Website Make-Munich.de
- ↑Website Makerfaire Hannover
- ↑Website Make Rhein-Main
- ↑Website Maker-World
- ↑Website Maker Faire Ruhr
- ↑Make Ostwürttemberg: Zukunft wird aus Makern gemacht,Heidenheimer Zeitung – Website, 19. September 2018.
- ↑Ankündigung der Make Ostwürttemberg 2021 in Aalen. – Website, 17. Juni 2024
- ↑Ankündigung der Make Ostwürttemberg 2019 in Schwäbisch Gmünd. – Website, 17. Juni 2024
- ↑Ankündigung der Make Ostwürttemberg 2022 in Ellwangen. – Website, 17. Juni 2024
- ↑Ankündigung der Make Ostwürttemberg 2023 in Heidenheim. – Website, 17. Juni 2024