DerMajoran (Origanum majorana;österreichisches Hochdeutsch: [ˈmajoran];bundesdeutsches Hochdeutsch: [ˈmaːjoraːn] oder [ˈmaːjoran][1]) ist einePflanzenart, die zur GattungDost der Familie derLippenblütler (Lamiaceae) gehört. Die Wildform stammt aus Kleinasien (Zypern und Türkei), währendOriganum hortensis die Gartenform ist.[2] Er ist eine wichtigeGewürzpflanze, die – nach ihrem häufigsten Verwendungszweck – auchWurstkraut heißt. Andere volkstümliche Namen für Majoran sind Badkraut, Bratekräutche, Bratenkräutel, Gartenmajoran, Kuchelkraut, Kuttelkraut, Mairan, Meiran, Mairalkraut, Mairon, Miran, Mussärol. Zur gleichen GattungDost (Origanum) gehört der ebenfalls in der Küche verwendete (Echte) Dost oderOregano.
Knospige Blütenstände und gegenständige Laubblätter
Der Majoran wächst als ausdauerndekrautige Pflanze bisHalbstrauch, erreicht Wuchshöhen von bis zu 80 Zentimeter und wird oft wie eineeinjährige Pflanze kultiviert. Pflanzenteile sind häufig grau behaart. Die gegenständigenLaubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die längliche bis fast kreisförmige, einfache Blattspreite ist bis zu 2,5 × 2,5 Zentimeter groß mit gräulich-weißen kurzen, angedrückten Haaren (Trichomen).
In kompakten, fast kugeligen oder vierkantigen,ährigen, etwa 6 × 4 Millimeter großenBlütenständen sitzen vieleBlüten undHochblätter. Die breit verkehrt-eiförmigen und oben abgerundeten Hochblätter sind gräulich-weiß und drüsig gepunktet. Die zwittrigen,zygomorphen Blüten sind fünfzählig mit doppeltemPerianth. Der 2 × 1,5 Millimeter große Kelch ist flaumig behaart und drüsig gepunktet. Die weiße Krone ist 3 bis 7 Millimeter groß und zweilippig. Die Unterlippe ist dreilappig. Die Blütezeit reicht von Juni bis September.
Die fast kugeligen Teilfrüchte weisen einen Durchmesser von etwa einem Millimeter auf.
Majoran (Origanum majorana)Eine Honigbiene auf einer Majoran-Blüte
Majoran ist sehr würzig und hat einen hohen Anteil anätherischen Ölen.Die Blätter werden frisch oder getrocknet zum Würzen vonKartoffelgerichten,Suppen (Kartoffelsuppe),Soßen,Würsten,Hülsenfrüchten verwendet. Zum Trocknen werden die ganzen Stängel geerntet, deshalb enthält getrockneter Majoran Blätter, Stängel, Knospen und Blüten.
Die Ernte sollte vor der Blüte erfolgen (Blütezeit: Juni bis September). Der Standort der Pflanzen sollte am besten sonnig sein. Es gibt Sorten, die im deutschsprachigen Raum alseinjährige Pflanzen gezogen werden; diese sind am aromatischsten. Sorten, die im deutschsprachigen Raum winterhart sind, sind weit weniger aromatisch.
Majoran gehört mit einer Anbaufläche von 500 bis 600 ha nach derBlattpetersilie zu den bedeutendsten in Deutschland kultivierten Gewürzpflanzen. Aufgrund der günstigen Standortbedingungen liegt traditionell der Schwerpunkt des deutschen Majorananbaus in der Region nördlich desHarzes umAschersleben inSachsen-Anhalt.
Ein Verwandter des Majorans, der Syrische Oregano (Origanum syriacum) wird inWestasien, so in Israel, Jordanien und Libanon, zum Kochen und Grillen verwendet. Dort wird das KrautZahtar, Zaatar oder Za'tar genannt. Zahtar ist wesentlich aromatischer als europäischer Majoran und mischt sich geschmacklich mit Oregano. In Gebieten, in denen dieses Kraut nicht verbreitet ist, wird der Name aber auch zur Bezeichnung anderer Würzkräuter benutzt. In Israel und Jordanien wird eine Gewürzmischung hergestellt, die ebenfalls Zahtar genannt wird (sieheGewürzsumach). In Europa lässt sich dieser westasiatische Majoran etwa mit einer milden SorteThymian oderBohnenkraut ersetzen.
Aphrodite, die Göttin der Liebe und Schönheit, bezeichnete Majoran als ein Symbol der Glückseligkeit. In Griechenland war es daher üblich, dass man frisch verheirateten Paaren Girlanden aus Majoran um den Hals legte.Hymenaios, der griechische Gott der Hochzeit, wurde oft mit einem Majorankranz dargestellt.
Majoran (lateinischmajorana[4] odermaiorana[5]) stammt ausKleinasien oderZypern.[6] Seine Heimat ist das Mittelmeergebiet. Da es sich um ein beliebtes Gewürz handelt, wird er heute nicht nur in Mittelmeerländern, sondern auch in Mittel- und Osteuropa angebaut; gute Qualität setzt allerdings ein ziemlich warmes und mediterranes Klima voraus.
Majoran braucht locker-steinige, flachgründige Lehmböden in Lagen mit Mittelmeerklima oder mit sehr milden Wintern und sehr warmen Sommern.
In Mitteleuropa wird er gelegentlich als Heil- und Gewürzpflanze angebaut und verwildert vereinzelt, aber immer unbeständig. Die ökologischenZeigerwerte nachLandoltet al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2 (mäßig trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 5 (sehr warm-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 1 (ozeanisch).[7]
Der Gehalt an ätherischem Öl hängt stark vonBoden,Klima undJahreszeit ab und kann zwischen 0,7 und 3,5 % schwanken, am höchsten ist er zwischen Blühbeginn und Vollblüte. Die Hauptaromakomponente ist ein bicyclischer Monoterpenalkohol, ‚cis‘-Sabinenhydrat (max. 40 %); weiter kommenα-Terpinen, 4-Terpineol, α-Terpineol, 4-Terpinenylacetat und1,8-Cineol in merklichen Mengen vor.Phenole, die im verwandten Oregano charakterbestimmend sind, fehlen im Majoran völlig.
DurchDestillation mitWasser kann man das dünnflüssige, gelblichgrüne oder hellgelbe, durchdringend riechende und gewürzhaft mild schmeckendeMajoranöl (lateinisch früherOleum sampsuchinum[8] genannt) gewinnen; es besteht hauptsächlich ausTerpinenen.[9]
↑abOriganummajorana imGermplasm Resources Information Network (GRIN),USDA,ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
↑Konrad Lauber, Gerhart Wagner:Flora Helvetica. Flora der Schweiz. Verlag Paul Haupt, Bern, Stuttgart, Wien, 1996,ISBN 3-258-05405-3, S. 880.
↑Vgl. etwa Otto Zekert (Hrsg.):Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 146 (Majorana).
↑Vgl. etwaOtto Beßler:Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 200 (zuMaiorana – maioron; dort auch alssansuccus bzw.samsucus,mercenius,eßbrium bzw.esbrium undolsing bzw.olsnig bezeichnet).
↑Origanum majorana. In:POWO =Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew:Kew Science, abgerufen am 24. Februar 2016.
↑Origanum majoranaL. In:Info Flora, demnationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am 14. September 2022.
↑Otto Zekert (Hrsg.):Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 149 („Oel aus Sampsuchus“).
↑Majoranöl. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage 1905–1909. 1909, abgerufen am 25. Oktober 2016.