DerMain-Kinzig-Kreis ist eineGebietskörperschaft inHessen mit 322.958 Einwohnern (1. Januar 2026). DerLandkreis ist der zweitbevölkerungsreichste des Landes Hessen und zugleich der flächengrößte imRegierungsbezirk Darmstadt (Südhessen).Kreisstadt und seit Juli 2005 Sitz der Verwaltung istGelnhausen, die bevölkerungsreichste Stadt des Landkreises istMaintal.
Der Landkreis liegt im östlichenRhein-Main-Gebiet. Der dicht besiedelte südwestliche Teil des Landkreises um die StädteHanau undMaintal ist zudem Bestandteil derStadtregion Frankfurt. Der Landkreis entstand 1974 durch den Zusammenschluss der LandkreiseHanau,Gelnhausen undSchlüchtern mit der kreisfreien Stadt Hanau, die heute nicht mehr Teil des Kreisgebiets ist. Darüber hinaus kamen durch Eingemeindungen Orte zum Main-Kinzig-Kreis, die zuvor nicht den Altkreisen angehörten, so z. B.Heldenbergen als Stadtteil vonNidderau und Büdesheim als Ortsteil vonSchöneck, die bis dahin dem LandkreisFriedberg angehörten, sowie die heutigen Hanauer StadtteileSteinheim undKlein-Auheim, zuvorLandkreis Offenbach. 1977 wurde die StadtBergen-Enkheim, die zunächst dem Main-Kinzig-Kreis angehörte, Stadtteil vonFrankfurt am Main. Darüber hinaus liegt der gemeindefreieGutsbezirk Spessart im Südosten des Main-Kinzig-Kreises.
Die Behörden der Kreisverwaltung befinden sich im Gebäudekomplex auf demMain-Kinzig-Forum in Gelnhausen.
Der Landkreis hat seinen Namen von den zwei Hauptflüssen, demMain, der die südwestliche Kreisgrenze bildet, und seinem rechten NebenflussKinzig, der das Kreisgebiet von Nordosten nach Südwesten durchfließt. Die Landschaften um die Kinzig sind die Ausläufer vonVogelsberg,Spessart und der westlichenRhön. Nördlich der Kinzig erstrecken sich dasRonneburger Hügelland und derBüdinger Wald. Der höchste Berg im Main-Kinzig-Kreis ist derHaag mit584,6 m ü. NHN.
Ehemalige Mainfähre vor Maintal-DörnigheimKinzigaue bei GelnhausenDer Main-Kinzig-Kreis mit den Gemeinden nach der Gebietsreform sowie den Altkreisen Hanau (HU), Gelnhausen (GN) und Schlüchtern (SLÜ)
Am 21. August 1821 wurde Kurhessen in Kreise eingeteilt.[2] Die neuen KreiseHanau,Gelnhausen,Salmünster undSchlüchtern bildeten dabei dieProvinz Hanau, die südlichste der vier Provinzen des Landes (mit anderen Maßeinheiten und anderer Währung als der Norden). Zum 1. Januar 1830 wurde der Kreis Salmünster aufgelöst und seine Gemeinden auf die benachbarten Kreise Gelnhausen und Schlüchtern verteilt.
1866 wurdeKurhessen vonPreußenannektiert, 1867 wurde sein Gebiet in den neuenRegierungsbezirk Kassel überführt; die Provinz Hanau wurde aufgelöst. Der Kreis Gelnhausen erhielt den größten Teil des Bezirks Orb (bis 1862LandgerichtsbezirkOrb) von demKönigreich Bayern, der aber formell noch ca. 20 Jahre lang von einem eigens dazu ernannten Amtmann verwaltet wurde (dies war regelmäßig der Landrat des damaligen Kreises Gelnhausen).
1885 wurde der Kreis Hanau durch die Abtrennung des neuenLandkreis Frankfurt sowie die Ausgliederung der Stadt Hanau verkleinert.
Seitdem bestanden die zwei Kreise (Gelnhausen und Schlüchtern, sie hießen erst nach dem Zweiten Weltkrieg Landkreise) sowie die nun kreisfreie Stadt Hanau und der Landkreis Hanau weitgehend unverändert bis in die 1970er Jahre. Allerdings wechselten Hanau und die drei Kreise noch zweimal den Regierungsbezirk, sie kamen 1944 zumRegierungsbezirk Wiesbaden und 1968 zumRegierungsbezirk Darmstadt.
Im Vorfeld derGebietsreform in Hessen wurden zahlreiche Varianten diskutiert,[3] wie man aus den zu klein gewordenen Kreisen größere Einheiten schaffen könnte.[4] Im Kinzigtal einigte man sich schließlich auf die „große Lösung“: die Fusion der drei Landkreise und der Stadt Hanau zum neuen Main-Kinzig-Kreis, dem bevölkerungsreichsten in Hessen.[5] Die Fusion wurde am 1. Juli 1974 vollzogen.[6][7] Gleichzeitig wurden die bis dahin zumLandkreis Offenbach gehörenden GemeindenKlein-Auheim undSteinheim in die Stadt Hanau eingemeindet.
Die Stadt Hanau behielt alsStadt mit Sonderstatus (über 50.000 Einwohner) jedoch einige Sonderrechte. So hatte sie jahrelang z. B. noch ein eigenes Sozialamt und eine eigene Zulassungsstelle.
Am 1. Januar 1977 wurde die bis dahin zum Main-Kinzig-Kreis gehörende StadtBergen-Enkheim nachFrankfurt am Main eingemeindet. Am selben Tag wurde die GemeindeZüntersbach in die GemeindeSinntal eingegliedert.[8]
In einer ersten Pressekonferenz am 25. Juni 2018 gaben der Oberbürgermeister der Stadt HanauClaus Kaminsky und LandratThorsten Stolz bekannt, dass die Stadt Hanau auf eine Auskreisung zum 1. April 2021 hinarbeitet, ein Wegweisender Grundsatzbeschluss wurde am 20. August 2018 durch die Stadtverordnetenversammlung beschlossen. Durch die Folgen der Corona-Pandemie wurden die Arbeiten dafür pausiert. Im Februar 2025 hat der hessische Landtag ein Gesetz verabschiedet, das die Auskreisung zum 1. Januar 2026 beinhaltet,[9] somit wird zu dem Zeitpunkt die Stadt Maintal dann die größte Stadt im Main-Kinzig-Kreis sein. Durch die Auskreisung Hanaus wirdGroßkrotzenburg räumlich vom übrigen Kreisgebiet getrennt und bildet nun eineExklave des Main-Kinzig-Kreises. Damit ist Großkrotzenburg die einzige Gemeinde des Kreises ohne direkte Verbindung zum restlichen Kreisgebiet.
Bis zur Auskreisung Hanaus war der Main-Kinzig-Kreis mit 322.958 Einwohnern (31. Dezember 2024) der bevölkerungsreichste Landkreis in Hessen, mit seiner Fläche von 1.320,86 Quadratkilometern lag er an vierter Stelle. Mittlerweile umfasst der Kreis 322.958 Einwohner (31. Dezember 2024) und ist damit der Landkreis mit der zweithöchsten Bevölkerungsdichte.
Nach dem Ergebnis derVolkszählung 2011 waren 36,2 % der Einwohnerevangelisch, 27,9 %römisch-katholisch und 35,9 % gehörten einer sonstigen oder keiner Religionsgesellschaft an oder machten keine Angabe.[16] Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung ist seitdem jährlich um 1 Prozentpunkt gesunken. GemäßZensus 2022 waren (2022) 27,8 % der Einwohner evangelisch, 22,4 % katholisch und 49,8 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.[17]
Die letzte Wahl des Landrats des Main-Kinzig-Kreises war am 29. Januar 2023, dort sind wie bei der Kommunalwahl die Bürger des Landkreises aufgerufen, den aufgestellten Kandidaten in einer Direktwahl zu wählen. Die nächste Wahl findet voraussichtlich 2029 statt.
Diagrammdarstellung der letzten zwei Landratswahlen
Der Main-Kinzig-Kreis führt ein Wappen sowie eineHiss- undBannerflagge.
Wappen von Main-Kinzig-Kreis
Blasonierung: „Geteilt und halbgespalten: Oben in Rot ein aus einem silbernen Wellenschildfuß wachsender, golden bewehrter, silberner Schwan; unten vorn in Gold ein rot bewehrter schwarzer Adler mit einem silbernen Brustschild mit schwarzem Balken; unten hinten in Rot zwei goldene Schrägbalken.“
Wappenbegründung: Der Schwan steht für die Grafschaft Hanau und war bereits im alten Kreiswappen von Hanau zu sehen. Der Adler wurde dem alten Kreiswappen von Gelnhausen entnommen und die Schrägbalken beziehen sich auf die Herren von Hutten bzw. den Altkreis Schlüchtern. Der Wellenbalken steht für die beiden Flüsse, die dem Kreis seinen Namen gaben. Das Wappen wurde am 30. Dezember 1980 verliehen.
Flaggenbeschreibung: „Die Flagge zeigt auf einer weißen, von zwei roten Seitenstreifen mit je einem gelben Faden belegt, im Verhältnis 1:3:1 eingefassten Bahn, in der Liekhälfte das Wappen. Das Banner zeigt auf einer weißen, von zwei roten Seitenstreifen mit je einem gelben Faden belegt, im Verhältnis 1:3:1 eingefassten Bahn, das Wappen mittig deutlich nach oben versetzt.“
ImZukunftsatlas 2016 belegte der Landkreis Platz 118 von 402Landkreisen,Kommunalverbänden undkreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „Zukunftschancen“.[23] In der Ausgabe von 2019 lag er auf Platz 102 von 401.[24] In der Ausgabe 2025 lag der Main-Kinzig-Kreis auf Platz 146 von 400.[25]
Das Spektrum der an verschiedenen Standorten im Landkreis ansässigen Unternehmen erstreckt sich von moderner Großindustrie und verarbeitendem Mittelstand über innovative Handwerksunternehmen bis hin zu der gerade in den vergangenen Jahren stark angewachsenen Zahl neuerStart-up-Unternehmen. Im letzten Vierteljahrhundert prägt die mittelständische Industrie auch weiterhin das wirtschaftliche Gesicht der Region.Bemerkenswert ist die hohe großbetriebliche Struktur der Industrie des Main-Kinzig-Kreises. Von den 100 größten Industriebetrieben Hessens haben sieben ihren Standort im Main-Kinzig-Kreis.Unter den im Landkreis ansässigen Unternehmen finden sich zahlreiche Firmen von Weltrang, wie z. B.Evonik Industries, Infracor,WOCO,Goodyear Dunlop Tires Germany,Veritas,Engelbert Strauss,Norma Gruppe und dieAnvis Gruppe. Weitere ansässige große Unternehmen sind zum BeispielPutzmeister,Bien-Zenker, sowieKnaus Tabbert inMottgers und dasBirkenstock-Werk inSteinau an der Straße.
Ende 2020 wurde bekannt, dassGoogle Deutschland Flächen am ehemaligen Fliegerhorst in Erlensee erworben hat. Google plant dort den Bau einesRechenzentrums.[26]
DieGelnhäuser Neue Zeitung besteht als Tageszeitung. Online stehen die InformationsplattformenKinzig.News undOsthessen-News (mit der RubrikMKK) zur Verfügung. Der regionale RadiosenderMain-Kinzig-Welle berichtet ausGründau.
Im Rahmen desKultursommer Main-Kinzig-Fulda finden jedes Jahr zahlreiche Veranstaltungen in den Bereichen Kunst, Theater, Musik, Film und Literatur statt. Einmal im Jahr findet der kreisweite RadlersonntagKinzigtal total statt.
Der Main-Kinzig-Kreis hat ein dichtes Netz an Grund- und weiterführenden Schulen. Die Gymnasien und die berufsbildenden Schulen konzentrieren sich größtenteils auf die ehemaligen Kreisstädte Gelnhausen und Schlüchtern. Darüber hinaus befindet sich in Freigericht mit der Kopernikusschule die größte allgemeinbildende Schule Deutschlands.
Die Bildungssituation gilt im Main-Kinzig-Kreis als gut, da nach der Grundschule jeder Schülerin und jedem Schüler sämtliche Bildungsabschlüsse bis hin zum Abitur wohnortnah ermöglicht werden. Die kreisfreie Stadt Hanau fungiert als eigener Schulträger. Durch eine Kooperation mit dem Main-Kinzig-Kreis können jedoch auch Kinder und Jugendliche aus dem näheren Umland die Hanauer Einrichtungen besuchen.
Im Ostteil des Main-Kinzig-Kreis sind die Schülerzahlen seit Jahren rückläufig. Zwischen 2000 und 2012 verringerten sie sich um 30 Prozent. Schulträger und Eltern diskutierten ab 2012 im Rahmen einer Mediationsphase mögliche Alternativen zu Schulschließungen und einigten sich auf eine gemeinsame Lösung: die Gründung von Verbundschulen. Mit dem Unterrichtsjahr 2015/16 haben vier Verbundschulen den Betrieb aufgenommen.
Durch das Kreisgebiet führen die Bundesautobahnen66 (Frankfurt–Fulda) und die45 (Aschaffenburg–Dortmund). Ferner erschließen mehrere Bundes-, Landes- und Kreisstraßen das Kreisgebiet, darunter dieB 43 und dieB 45. Der Landkreis wird in seiner gesamten Länge von der Fernbahnstrecke Frankfurt–Fulda–Berlin/Hamburg/Dresden (Kinzigtalbahn) durchzogen. Im südwestlichen Kreisteil kreuzt sich damit imBahnknotenpunkt Hanau die Fernbahnstrecke Frankfurt–Würzburg–Nürnberg–München. Strecken von regionaler Bedeutung für den Personenverkehr sind:
DerAufgabenträger bzw. Regieorganisation für den öffentlichen Personennahverkehr ist dieKreisverkehrsgesellschaft Main-Kinzig (KVG). Die KVG MKK ist Teil desRhein-Main-Verkehrsverbund (RMV). Im Auftrag der KVG Main-Kinzig fahren 16 verschiedene Busgesellschaften an die 100 Buslinien, die im RMV alsMKK-xx gekennzeichnet werden.
Im gesamten Kreisgebiet wurden bereits etliche Ladestationen für Elektroautos sowie fürPedelecs errichtet. Die meisten Ladestationen wurden von denKreiswerken Main-Kinzig errichtet. Diese Ladestationen sind auf der Website der Kreiswerke Main-Kinzig veröffentlicht. In Gelnhausen und Erlensee befinden sich zudem Tesla Supercharger.
Am 1. Juli 1974 wurde dem Landkreis das seit dem 1. Juli 1956 für den Landkreis Hanau gültige UnterscheidungszeichenHU zugewiesen. Seit dem 1. Juni 2005 gilt für den gesamten Landkreis mit Ausnahme derSonderstatusstadt Hanau, die die KennungHU behielt, das neue UnterscheidungszeichenMKK.
Im Rahmen derKennzeichenliberalisierung sind im gesamten Landkreis außerhalb der Sonderstatusstadt Hanau seit dem 2. Januar 2013 optional auch die UnterscheidungszeichenGN (Gelnhausen) undSLÜ (Schlüchtern) erhältlich, sowie seit dem 15. Juni 2016 auch wieder das UnterscheidungszeichenHU (Hanau). Trotz der Auskreisung Hanaus steht den Einwohnern des Main-Kinzig-Kreises weiterhin das Kennzeichen HU zur Verfügung.
Bis in die 1990er-Jahre erhielten Fahrzeuge aus den Altkreisen besondere HU-Erkennungsnummern:
↑Convention Territorial entre le Grand Duc de Hesse et Electeur de Hesse. – Signèe à Francfort sur Mein, le 29 Juin, 1816. British and Foreign State Papers 1815–1816, Band 3, Compiled by the Librarian and Keeper of the Papers, Foreign Office, James Ridgway and Sons, Piccadilly, London 1838, S. 812–819 (größtenteils in deutscher Sprache;Digitalisat; auch abgedruckt in Grindaha, Heft 26, Geschichtsverein Gründau e. V., Gründau 2016,ISSN2194-8631 S. 4–12 mit Anmerkung von Norbert Breunig).
↑Verordnung vom 29. Juni 1821 über die Umbildung der bisherigen Staatsverwaltung betreffend. In: (Sammlung von Gesetzen, Verordnungen, Ausschreiben und anderen allgemeinen Verfügungen für Kurhessen vom Jahre 1821, Hof- und Waisenhaus-Druckerei, Cassel)kurhessGS 1821, S. 29–62; auch in: Wilhelm Möller und Karl Fuchs (Hrsg.):Sammlung der im Kurfürstenthum Hessen noch geltenden gesetzlichen Bestimmungen von 1813 bis 1860. Elwert’sche Universitäts-Buchhandlung, Marburg/Leipzig 1866, S. 311–351.
↑Landkreis Hanau, Strukturabteilung (Hrsg.):Gebietsreform in Hessen – der Main-Kinzig-Kreis als Alternative. Hanau 1971.
↑Der Hessische Minister des Innern (HdMI):Vorschläge zur gebietlichen Neugliederung auf der Kreisebene in Hessen Wiesbaden (Mai) 1971.
↑Der Hessische Minister des Innern (HdMI):Vorschläge für die gebietliche Neugliederung der Landkreise Gelnhausen, Hanau und Schlüchtern und der Stadt Hanau – Anhörungsverfahren Wiesbaden (März) 1972.