Benannt ist dieser Monat – so die Zeugnisse einer Reihe lateinischer Autoren – nach der römischen GöttinMaia, welcher derFlamen Volcanalis am ersten Tag dieses Monats ein Opfer darbrachte. Das Zustandekommen der Gleichsetzung dieser – lautGellius – altverehrten Göttin „Maia Vulcani“ (wohl als „Frau des Vulcanus“ zu denken) mit der GöttinBona Dea und Terra – nachMacrobius – oder einerPlejade und der Mutter desHermes/Mercurius ist unklar; doch gilt die etymologische Zuordnung zur Wortwurzel *mag (und damit zu Wachstum und Vermehrung) als sicher.[2] Damit ist der mensis Maius in das ursprüngliche römische Bauernjahr eingeordnet. Einen lediglich lokal verehrten Gott „Maius, qui est Iuppiter“ kennt Macrobius. Zur Regierungszeit KaiserNeros wurde der Monat inClaudius umbenannt, einer der Namen des Kaisers, der sich allerdings nicht durchsetzte.[3] Unter KaiserCommodus hieß der Monat dannLucius, wiederum einer seiner Namen, auch diese Umbenennung wurde nach dem Tod des Kaisers wieder rückgängig gemacht.[4]
Im vorjulianischen römischen Kalender war der Maius der dritte Monat, imjulianischen Kalender der fünfte, jeweils mit 31 Tagen.
Der Mai beginnt mit demselbenWochentag wie derJanuar des Folgejahres, aber kein anderer Monat desselben Jahres beginnt mit demselben Wochentag wie der Mai.
Dererste Mai ist der internationale Feiertag (in Deutschland: gesetzlicher Feiertag) derArbeiterbewegung. Am zweiten Sonntag im Mai ist in deutschsprachigen LändernMuttertag.
Karl der Große führte im 8. Jahrhundert den NamenWonnemond ein (eigentlichalthochdeutsch „wunnimanot“ = Weidemonat), der darauf hinweist, dass man in diesem Monat das Vieh wieder auf die Weide treiben konnte. Mit „Wonne“ im heutigen Begriffszusammenhang hat der alte Monatsname also eigentlich nichts zu tun. Doch findet sich dieses Missverständnis schon zu Beginn der Neuzeit und des Neuhochdeutschen. LautDeutsches Wörterbuch der Brüder Grimm s. v. WONNEMONAT erklärtBasilius Faber 1587 [sic!]: „maius, der may, a frondibus Carolus Magnus den wonnemonat, id est mensem amoenitatis olim nuncupavit“ („maius, der may, nach dem Laub benannte einst Karl der Große den wonnemonat, d. h. den Monat der Lieblichkeit“).Ebenso erhielt der Mai die BezeichnungBlumenmond wegen der Hauptblütezeit der meisten Pflanzen.Nach alterÜberlieferung darf man sich der zunehmenden Wärme erst nach den so genanntenEisheiligen vom 11. Mai bis zum 15. Mai (nach heutigem Kalender eine gute Woche später) sicher sein.Etwa seit dem 13. Jahrhundert wird der Mai in Europa mit Maifeiern, -umgängen und -ritten gefeiert, in vielen Gegenden Deutschlands und Österreichs ist das Aufstellen oft imposanterMaibäume gewachsenes Brauchtum; länger schon existierten Feste wieBeltane oderWalpurgisnacht.
↑Lorenz Diefenbach:Glossarium latino-germanicum mediae et infimae aetatis. Baer, Frankfurt am Main 1857, S. 611, undNovum glossarium latino-germanicum mediae et infimae aetatis. Beiträge zur wissenschaftlichen Kunde der neulateinischen und der germanischen Sprachen. Sauerländer, Frankfurt am Main 1867, S. 278.
↑Vgl. auchMeister Alexanders Monatsregeln, Blatt 119 zum Mai: „mensis bonus et utilis, quia omnia quae in terris sunt, virescunt et vires eis accrescunt, tam herbis quam radicibus et etiam arboris, qui tunc florescunt. Dicitur autemmayus quasi augens virens, quia omnibus augentur vires.“ Zitiert nachGundolf Keil:Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (=Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960:Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 420 (zumey: der Monat Mai, der nach mittelalterlicher Vorstellung noch mehr Frühlingskräfte entfaltete als der April).
↑Manfred Clauss:Kaiser und Gott: Herrscherkult im römischen Reich. München: K. G. Saur Verlag GmbH, Nachdruck der 1. Auflage 2001, S. 240 (eingeschränkte Vorschau)
↑Manfred Clauss:Kaiser und Gott: Herrscherkult im römischen Reich. München: K. G. Saur Verlag GmbH, Nachtdruck der 1. Auflage 2001, S. 241 (eingeschränkte Vorschau)