Unter der BezeichnungLidl werden insgesamt über 12.500 Lebensmitteleinzelhandelsfilialen in Europa und den USA betrieben. Nach Anzahl der Filialen ist Lidl damit hinterAldi der zweitgrößte Discounter-Konzern der Welt.
Lidl und Co. Südfrüchtenhandlung in der Sülmerstraße 54 in Heilbronn (um 1905)
Bereits 1858 wurde in Heilbronn eineSpecerei- und Südfrüchte-Handlung unter dem NamenA. Lidl & Cie. gegründet. DieLidl & Cie. Südfrüchtenhandlung findet sich bereits im Heilbronner Adressbuch von 1862. Zunächst in der Sülmerstraße 31 beheimatet, zog das Unternehmen des Kaufmanns Aloys Paulweber vor 1879 in die Deutschordensstraße 11, bevor es zehn Jahre später in der Sülmerstraße 54 zu finden war.[6]
1930 trat der Heilbronner Kaufmann Josef Schwarz (1903–1977) als persönlich haftender Gesellschafter (Komplementär) in die damaligeLidl & Co. Südfrüchtenhandlung ein. Das Unternehmen wurde inLidl & Schwarz KG umbenannt und zu einer Lebensmittelgroßhandlung für denRegionalverband Heilbronn-Franken ausgebaut.
Lidl & Schwarz wurde 1944 imZweiten Weltkrieg zerstört und innerhalb von zehn Jahren wiederaufgebaut. 1954 wurde in Heilbronn eine neue Hauptverwaltung eingerichtet. 1968 eröffnete Lidl & Schwarz den ersten Supermarkt unter dem Namen „Handelshof“ inBacknang, die Handelshof-Märkte wurden ab 1984 inKaufland-Supermärkte umbenannt.[7]
Josefs einziger SohnDieter Schwarz absolvierte nach seinemAbitur von 1958 bis 1960 einekaufmännische Ausbildung in der LebensmittelgroßhandlungLidl & Schwarz KG in Heilbronn und wurde 1962Prokurist sowie 1963 persönlich haftender Gesellschafter. 1972 wurde inNeckarsulm eine neue Unternehmenszentrale eröffnet.
1968 eröffnete Dieter Schwarz seinen ersten Einzelhandelsladen.[8] Im Jahr 1973 wurde der ersteDiscountermarkt als neuer Geschäftstyp inLudwigshafen am Rhein eröffnet.[9] Weil er den NamenLidl aus rechtlichen Gründen nicht übernehmen konnte und um dasWortspiel „Schwarzmarkt“ zu vermeiden, erwarb Dieter Schwarz von dem pensionierten Berufsschullehrer und Kunstmaler Ludwig Lidl für 1000 DM die Namensrechte.[10][11][12]
Als Josef Schwarz 1977 starb, übernahm Dieter Schwarz die LebensmittelgroßhandlungLidl & Schwarz KG. Zu diesem Zeitpunkt existierten über 30 Filialen. Bis 1978 testete Schwarz verschiedene Discounttypen, bevor die endgültige Konzeption in Serie ging: Die Unternehmens-Aktivitäten wurden in den Bereich der Discountmärkte (Kleinflächen) unter dem NamenLidl sowie in den Bereich derVollsortimenter (Großflächen)Kaufland aufgeteilt.
Mit dem Rückzug aus der Unternehmensleitung 1999 übertrug Dieter Schwarz seinen Anteil steuersparend auf dieDieter-Schwarz-StiftunggGmbH.
BeteiligungenAußenansicht einer Lidl-Filiale
Nach Wilfried Oskierski folgte im September 2008 Karl-Heinz Holland als Vorstandsvorsitzender.[13][14] Die Entlassung Hollands am 21. März 2014 wurde mit „unterschiedlicher, nicht überbrückbarer Auffassungen betreffend der künftigen strategischen Geschäftsausrichtung“ begründet. Holland bekam nach Informationen desManager Magazins bis zum Ende seiner Kündigungsfrist zum 31. März 2017 sein Jahresgehalt von 3 Millionen Euro.[15] Sein Nachfolger, Sven Seidel, blieb bis Februar 2017 auf seiner Position. Seidels NachfolgerJesper Højer wurde Mitte 2019 durchIgnazio Paternò abgelöst. Ab August 2020 warGerd Chrzanowski kommissarischer Vorstandsvorsitzender. Er wurde am 1. Dezember 2021 von Kenneth McGrath abgelöst. Chrzanowski übernahm dann den Vorsitz derSchwarz-Gruppe.[16]
Am 5. Mai 2017 fand inBad Wimpfen der erste Spatenstich für die neue Lidl-Deutschland-Zentrale statt. Unweit des bisherigen Unternehmenssitzes in Neckarsulm ist für die rund 1500 Beschäftigten der LD-Stiftung ein eigenes Gewerbegebiet erschlossen worden. Der Umzug des Unternehmens erfolgte im April 2021.[17]
Nach der Expansion Lidls innerhalb Westdeutschlands wurde 1990 das erste Geschäft in den ostdeutschen Bundesländern in Chemnitz eröffnet. Ein Jahr zuvor begann 1989 die internationale Expansion mit dem Markteintritt inFrankreich.
InFrankreich ist Lidl mit 1600 Filialen Marktführer im Discount-Segment.[18]
2014 war Lidl mit 9.875 Filialen in 26 Ländern vertreten,[19] 2021 mit 11.550 Filialen in 30 Ländern.[20]
Norwegen ist das einzige Land, aus dem sich Lidl wieder zurückzog, da seit dem Markteintritt 2004 nach vier Jahren lediglich ein Marktanteil von 1,5 % erreicht wurde.[21] Im März 2008 wurde bekannt, dass sich der Discounter von seinen 50 Märkten in Norwegen trennen und sie an die Reitan-Gruppe abgeben werde. Neben den Filialen wurden auch Verwaltung und Distribution abgegeben.[22]
Die Expansion in diebaltischen Staaten wurde 2006 wegen des mangelnden Erfolges gestoppt[23] und 2014 wieder aufgenommen.
Lidl-Eröffnung im Juni 2016 in der litauischen HauptstadtVilnius
Die Unternehmenszentrale[24][25]befindet sich im StadtteilViršuliškės der litauischen HauptstadtVilnius.Die Fläche des von „Lidl Lietuva“ im Jahr 2013 gekauften Grundstücks beiKaunas beträgt 143.000 m², auf dem seit dem 14. April 2016 das Zentrallager mit einer Fläche von 42.800 m² (davon 13.000 m² fürKühlraum) unterhalten wird.[26] Das Logistikzentrum wurde beim DorfRamučiai in derRajongemeinde Kaunas gebaut.[27] Die Investitionen betrugen 40 Mio. Euro.
Die ersten 15 Läden wurden am 2. Juni 2016 geöffnet. Die Reihen der Käufer[28] entstanden schon ab 6:30 Uhr, obwohl die Geschäfte erst um 8 Uhr geöffnet wurden.[29] Den Lidl-Markt inFabijoniškės besuchten als erste Käufer Ehrengäste ab 7:30 Uhr. Dazu zählten das „Lidl“-Werbegesicht BasketballspielerArvydas Sabonis, der Vilniuser BürgermeisterRemigijus Šimašius, der litauische WirtschaftsministerEvaldas Gustas sowie Diplomaten aus derdeutschen Botschaft in Vilnius.[30]
Seit 1998 ist Lidl inÖsterreich durch dieLidl Österreich GmbH mit Sitz in Salzburg vertreten. Lidl Österreich betreibt rund 230 Filialen und drei Logistikzentren (Laakirchen,Wundschuh undMüllendorf). 2018 begann die Errichtung eines 6 ha großen Logistikzentrums beiGroßebersdorf, das ab 2021 das Zentrum imburgenländischen Müllendorf[31] ersetzen soll.
Der Sitz der Lidl Schweiz AG ist inWeinfelden.[33] Im März 2009 wurde die erste Filiale in derSchweiz eröffnet.[34] Die Verteilzentren sind in Weinfelden undSévaz. Anfang 2025 gibt es 187 Filialen mit 4.500 Mitarbeitern.[35]
Nach dem Markteintritt im Jahr 1994 wurde die Expansion stark vorangetrieben. Heute ist das Unternehmen in England, Schottland, Wales und Nordirland mit etwa 760 Läden vertreten. Das Unternehmen profitierte wie der Konkurrent Aldi Süd stark von der in dem Land stark spürbaren Finanzkrise 2008 und baute den Marktanteil seitdem von 2 Prozent auf knapp (2019) 6 Prozent aus. Auch vor dem Hintergrund desBrexits wurde der Anteil der lokal produzierten Produkte stetig erhöht, was zum Erfolg beitrug. Außerdem sind die Preise teilweise wesentlich niedriger als in den etablierteren, britischen Supermarktketten. In den kommenden Jahren nach 2019 möchte das Unternehmen seine Filialanzahl daher weiter erhöhen (bspw. in London um 40 Läden).
In den beiden spanischenExklavenCeuta undMelilla betreibt Lidl jeweils eine Filiale und ist damit auch direkt auf dem afrikanischen Kontinent vertreten.[36]
Im Juni 2017 eröffnete Lidl USA vom Unternehmenssitz in Arlington, Virginia, die ersten zehn US-Filialen in den BundesstaatenVirginia,North Carolina undSouth Carolina. Innerhalb eines Jahres sollten anfangs bereits über 100 weitere Lidl-Märkte an der Ostküste der USA folgen, womit Lidl an die Expansionspläne des KonkurrentenAldi Süd für die USA anschließen will.[37] Aufgrund der für Verbraucher nicht attraktiven Lage und die zu großzügige Gestaltung der Märkte sowie zu lange Logistikwege explodierten für das Unternehmen die Kosten des Markteintritts (geschätzt: Über 1 Mrd. Euro). Die Expansion wurde daher gestoppt und die Pläne für neue Märkte überarbeitet. Daher sind bis 2019 erst rund 71 Märkte eröffnet worden. Eine Expansion in weitere Bundesstaaten ist jedoch fest geplant. Dazu gehörte die zwischenzeitliche Akquisition von 27 Supermärkten der MarkeBest Market in den BundesstaatenNew York undNew Jersey.
Seit 2019 verantwortet Roman Heini die Landesgesellschaft, er war vorher Deutschland-Manager von Aldi Süd. Heini verordnete dem US-Sortiment eine stärkere Ausrichtung auf typisch amerikanische Produkte und auf ein amerikanischeres Filialkonzept als zuvor.[38]
LautKlaus Gehrig rechnet das Unternehmen mit einem Zeitraum von zehn bis zwölf Jahren, bis sich das Unternehmen wie in Europa bei den Verbrauchern als ernstzunehmende Alternative etabliert hat.[39]
Der Slogan von Lidl in den USA lautete zuerstRethink Grocery (etwa: Lebensmittel neu erfinden), inzwischen jedochThink Grocery (etwa: Denke Lebensmittel).
Lidl selbst produziert keine Eigenmarken und besitzt auch keine Produktionsstätten. Das SchwesterunternehmenSchwarz Produktion Stiftung & Co. KG stellt Marken exklusiv für Lidl her. Dieses sind insbesondere Mineralwasser, Erfrischungsgetränke, Tafelschokolade, Nüsse, Trockenfrüchte, Brot und Brötchen (als tiefgefrorene Teiglinge), Speiseeis und Kaffee.
Tailwind Shipping Lines ist eine 2022 von derSchwarz-Gruppe gegründeteContainerreederei mit Sitz in Hamburg und einTochterunternehmen der Lidl Stiftung, das den Warenimport aus Asien absichert und inzwischen zu den 40 größten Linienreedern weltweit zählt. Die Reederei betreibt ihre Flotte vor allem im Asien–Europa-Liniendienst, gilt als besonders pünktlich und wächst dynamisch, unter anderem durch zusätzliche Schiffe zur Bewältigung von Umroutungen etwa über Südafrika. Zur weiteren Expansion lässt Tailwind seit 2024/2025 erstmals eigene, größereContainerschiffe bauen, die künftig die bislang gecharterte Flotte ergänzen.Tailwind Intermodal als ebenfalls zur Lidl Stiftung gehörendes Schwesterunternehmen erweitert parallel denHinterlandverkehr, insbesondere über den Adriahafen Koper, und baut seine Zugfrequenzen sowie das Streckennetz kontinuierlich aus.[43][44][45][46][47]
Lidl gehört in Deutschland zu den größten Werbungstreibenden (Etat 2005 laut Nielsen 397 Mio. Euro). Dabei stützt sich das Unternehmen neben den klassischen Werbeformen wie Handzetteln und Zeitungen auch auf das Internet. Das Unternehmen verteilt wöchentlich Rabattkataloge in Form von Papier- und Broschürendrucken und veröffentlicht diese auch online auf seiner Website.[48] Das Fernsehen wurde bis Oktober 2008 nur für Azubi-Werbespots und im Jahr 2007 in Zusammenarbeit mit dem Pre-Paid-Anbieter Fonic genutzt.
Seit Oktober 2008 werden die Eigenmarken-Produkte unter dem Lidl-Werbespruch „Lidl lohnt sich“ auch in TV-Werbespots beworben. Ein Alleinstellungsmerkmal der Lidl-Werbung im TV ist die auffallende Sprechweise der SprecherinMayke Dähn.[49] Seit Februar 2015 folgt Lidl einer neuen Werbestrategie, wobei nicht mehr primär der günstige Preis, sondern die Qualität der Produkte im Mittelpunkt steht. Gemeinsam mit der optischen Aufwertung der Filialen möchte das Unternehmen damit die reine Wahrnehmung im Discount-Segment verlassen.[50] Aufgrund der anschließend erfolgten verstärkten Markeneinlistung der deutschen Konkurrenten Aldi Süd und Aldi Nord kann dieser Schritt als erfolgreich bezeichnet werden.
Lebensmittel bilden das Kernsortiment des Discounters. Mit über 1600 Food-Artikeln[55] im Festsortiment und hunderten weiteren Aktionsartikeln ist Lidl in diesem Bereich in Deutschland untypisch breit aufgestellt; KonkurrentAldi führte lange Zeit nur 700 Lebensmittel-Artikel.[56]
Lidl bietet neben Marken- und vereinzelt No-Name-Artikeln (Obst, Frischfleisch) auch, wie bei Discountern üblich, Produkte unter Eigenmarken an. Diese sind etwa:Milbona (Milch und Milchprodukte),Dulano (Wurstwaren),Sondey (Backwaren),Linessa (energiereduzierte Lebensmittel),Freeway,Saskia (Getränke),Bellarom (Kaffee),[57]Maribel (Konfitüre)[58], Landjunker und Oldenländer (Frischfleisch) sowie seit 2006Bioness (Bio-Lebensmittel); aus markenrechtlichen Gründen seit 2009 inBiotrend[59] umbenannt.
Lidl bietet bundesweit und in vielen Filialen weltweit ein Sortiment an frisch aufgebackenenPrebake-Backwaren mit mindestens 30 verschiedenen Produkten an.[60][61]
Zu Weihnachten sowie zu Ostern bietet Lidl eine eigene Premium-Produktlinie unter dem Namen „Deluxe“ an.[62] 2013 wurde das Sortiment auf Grund der hohen Nachfrage auf mehr als 150 Produkte erweitert – von Frische- und Tiefkühlartikeln über Konserven bis hin zu Spirituosen.[63] Seit einiger Zeit führt Lidl zudem ein umfangreiches Wein-Sortiment – sowohl in den Filialen als auch im Online-Shop. Im Angebot sind Weine aus Deutschland und Europa sowie aus Übersee, ähnlich breit ist die Preisspanne.[64]
Neben Lebensmitteln und anderen Produkten des täglichen Bedarfs bietet Lidl wöchentlich wechselnde Aktionsartikel aus verschiedenenNon-Food-Bereichen, darunter etwa Textilien, Haushalts- und Elektronikwaren oder Freizeitartikel. Größere Bekanntheit erzielten die seit mehreren Jahren in wechselnden Zyklen unter dem LogoLidl-PC angebotenen Computer.[65] Da in den Filialen jede Woche Platz für neue Aktionsartikel geschaffen werden muss, wird nicht verkaufte Ware teilweise in eigens dafür angemieteten Lagern aufbewahrt. Der Wert der dort gelagerten Rückläufer soll mehr als 100 Millionen Euro betragen.[66] In Sonderverkäufen in aktuellen und ehemaligen Lidl-Filialen werden die Waren zu reduzierten Preisen verkauft. Ferner werden in den Filialen regelmäßig Sonderaktionen durchgeführt. 2005 hatte der Discounter erstmals gemeinsam mit derDeutschen Bahn das sogenannteLidl-Ticket verkauft, mit dem zum Preis von 49,90 Euro zwei einfache Fahrten in der zweiten Klasse auf beliebigen innerdeutschen Strecken (auch Fernverkehr) möglich waren.[67]
Lidl ist außerdem mit verschiedenen Dienstleistungsportalen im Internet vertreten. Eine Zeit lang waren im Onlineshop auch abgepackte Lebensmittel (etwa Konserven) und schwer verderbliche Produkte wie Drogerieartikel erhältlich, aufgrund des Aufwands sind diese jedoch seit Ende 2017 nicht mehr verfügbar. Die Entscheidung wurde getroffen, nachdem in Deutschland das für Anfang 2017 geplante Projekt „Lidl Express“ durch den Leiter der Schwarz-Gruppe,Klaus Gehrig, gestoppt wurde, in dem in bereits eigens errichteten Filialen online vorbestellte Lebensmittel abgeholt und ein geringes Lidl-Sortiment auch vor Ort gekauft hätte werden können. wurde der Deutschland-Chef von Lidl, Marin Dokozic, im Jahr 2018 ausgetauscht. Im Unternehmen wird der Onlinehandel mit Lebensmitteln als noch nicht profitabel eingeschätzt. Ein späterer Markteintritt sei für das Unternehmen nicht nachteilig, so Klaus Gehrig.[68]
Zu den Lidl-Angeboten zählte zeitweilig das von Lidl in einem Großteil seiner Auflage vertriebeneGreenpeace Magazin. Die Kooperation zwischen Lidl und Greenpeace fand jedoch rasch ein Ende, da Greenpeace die Unabhängigkeit seiner Tests nicht in Verruf bringen wollte und weil auch Lidl-Produkte auf Pestizidbelastung hin untersucht worden waren.[69]Die im Jahr 2005 zeitweilig im Lidl-Sortiment befindlichen Haifischsteaks wurden nach Protesten aus dem Sortiment genommen.[70][71]
Lidl arbeitete mit dem NetzbetreiberTelefónica Germany bis September 2015 unter der MarkeLidl Mobile zusammen. Seit dem ersten Oktober 2015 wird in Verbindung mitVodafone die Prepaid-MarkeLidl Connect angeboten.[72]
Seit April 2018 hat Lidl in Deutschland eine vierstufige Haltungskennzeichnung bei Frischfleisch eingeführt. Die Stufen reichen vonkonventioneller Tierhaltung über zwei Zwischenstufen hin zurbiologischen Landwirtschaft. Die als tierfreundlich gekennzeichneten und damit teureren Produkte werden aus dem letzten Grund wenig nachgefragt.[73] Seit November 2018 werdenBioland-Produkte angeboten.[74]
Als erster Discounter in Deutschland führt Lidl seit dem 1. Juni 2006 mit der EigenmarkeFairglobe auchFair-Trade-Produkte im Sortiment, vor allem Kaffee, Tee, Schokolade und Zucker aus Entwicklungsländern.[75] Lidl erwirbt nach eigenen Angaben 100 Prozent zertifizierten Kakao für seine Produkte und arbeitet mit international anerkannten Siegeln wieUTZ-Certified undRainforest Alliance zusammen.[76] Schokoladen der Eigenmarke „Fin Carré“ werden nach eigenen Angaben seit 2012 aus UTZ-zertifiziertem Kakao hergestellt[77] und seit 2016Fairtrade zertifiziert[78]. Lidl fördert als Gründungsmitglied das Forum Nachhaltiger Kakao, eine Initiative die von mehreren Bundesministerien und der Zivilgesellschaft zur Förderung eines nachhaltigen Kakaoanbaus getragen wird.[79] Ziel neben ökonomischen und ökologischen Aspekten ist es insbesondere, die Lebensumstände der am Kakaoanbau Beteiligten zu verbessern und den Anteil nachhaltig erzeugten Kakaos zu erhöhen.[80]
2012 unterstützte Lidl dieDeutsche Krebshilfe mit einer Kundenaktion. Die Krebshilfe erhielt aus dem Verkauf einer saisonalen Qualitätsmarke in den Wochen vor Weihnachten Cent-Beträge je Stück als Spende. Die Aktion erbrachte einschließlich einer Firmenspende insgesamt 400.000 Euro.
Pfandautomat in einem Lidl-Markt mit „Spendenknopf“
Des Weiteren ließ Lidl in Deutschland alle Pfandautomaten mit einem Spenden-Button ausstatten. Mit diesem kann der Pfandwert sofort an die gemeinnützige HilfsorganisationTafel gespendet werden.[81]
Seit Januar 2012 nimmt Lidl amRoundtable on Sustainable Palm Oil (Runder Tisch zu nachhaltigem Palmöl) teil.[82] Außerdem ist Lidl Deutschland Gründungsmitglied desForum Nachhaltiges Palmöl.[83] In dem Zusammenschluss arbeiten Wirtschaft und Politik gemeinsam mit demWWF daran, den Anteil von zertifiziertem Palmöl und Palmkernöl zu erhöhen.[84]
Im September 2013 hat Lidl gemeinsam mit Vertretern aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Lebensmittelhandel die Branchenvereinbarung der Initiative Tierwohl unterzeichnet.[85][86] Das Konzept beruht bei den Erzeugern auf Freiwilligkeit, der Aufwand für zusätzliche Tierschutzleistungen wird entlohnt. Die Initiative Tierwohl setzt sich unter anderem für mehr Platz für die Tiere bei der Haltung ein.[87]
Lidl Schweiz testet seit 2018 einenElektrolastkraftwagen mit 18 Tonnen Nutzlast der FirmaE-Force One.[89] Im Herbst 2019 vermarktete Lidl in Deutschland seine globale Zucker- und Fettreduzierungsstrategie für Eigenmarken mithilfe eines „Lidl-Löffels“. Der Teelöffel hatte eine Wölbung, sodass das befüllbare Volumen durch diese reduziert wurde. Bei Kaffee- und Teetrinkern sollte der Löffel dadurch durch dieselbe Anzahl zugefügter Teelöffel eine geringere Menge Zucker dem Getränk zuführen. Ab einem Einkauf von 25 Euro gab es den Löffel umsonst dazu, im Onlineshop war dieser für 1 Cent (+ Versandkosten) zu erwerben und bereits nach kurzer Zeit ausverkauft.
Lidl ist im Laufe der Zeit mehrfach in die Kritik geraten. Gegenstand waren häufig die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten. So warfen Gewerkschaften, insbesonderever.di, dem Unternehmen vor, die Bildung vonBetriebsräten systematisch zu verhindern.[90] ver.di gab 2004 einSchwarzbuch über Lidl heraus, das weitere Kritikpunkte bezüglich der Personalpolitik enthält. Ende Juli 2006 erschien auch dasSchwarzbuch Lidl Europa. 2004 erhielt Lidl die alternative NegativauszeichnungBig Brother Awards, die unter Beteiligung desChaos Computer Clubs verliehen wird, in der KategorieArbeitswelt.[91] Von August 2005 bis Sommer 2006 führte das globalisierungskritischeAttac-Netzwerk zusammen mit derLinkspartei.PDS eine bundesweit koordinierte Kampagne gegen die Arbeits- und Produktionsbedingungen des Discounters durch, die auf breiten Widerhall stieß.[92]Günter Wallraff veröffentlichte 2008 imZeitmagazin den ArtikelUnser täglich Brötchen,[93] in dem er neben der schlechten Bezahlung die Arbeitsbedingungen sowie Sicherheitsmängel und Hygienezustände eines Zulieferbetriebes kritisierte. Lidl reagierte auf die Veröffentlichung mit einer öffentlichen Stellungnahme.[94]
2010 legte Lidl als einer der ersten Lebensmittelhändler in Deutschland einen internen Mindestlohn fest.[95] Der Einstiegslohn liegt, Stand 2024, grundsätzlich über dem tariflichen Mindestlohn.[96] Durch ein elektronischesPersonalzeiterfassungssystem wird die Arbeitszeit der Lidl-Mitarbeiter laut Unternehmensangaben minutengenau dokumentiert und bezahlt.[97]
Das Unternehmen investierte verstärkt in den Ausbau seiner Personalarbeit. 2014 startete eine Weiterbildungsoffensive mit der die Filialverantwortlichen mit erweiterten Management- und Führungskompetenzen ausgestattet werden, um sie zu Filialleitern weiterzuentwickeln. Hintergrund seien die gestiegenen Anforderungen an die Filialverantwortlichen in Form von höheren Kundenansprüchen, dem umfangreicheren Produktsortiment sowie ein komplexeres und schnelleres Alltagsgeschäft.[98]
Nur in vier der 39 Verteilzentren von Lidl besteht ein Betriebsrat (Stand: 2024). Im ZentrumHerne wurde dreimal vergeblich versucht, den Betriebsratsvorsitzenden und seinen Stellvertreter zu kündigen.[99] Zu einem ähnlichen Fall war es zuvor im Logistikzentrum inGraben gekommen.[100]
Laut seinemCode of Conduct mit grundlegenden Verhaltensregeln lehnt Lidl jegliche Form von Kinderarbeit ab und achtet international geltende Menschen- undArbeitsrechte. Gleichzeitig definiert Lidl damit seine Erwartungen an seine Vertragspartner und deren Lieferanten im Hinblick auf die gesamte Lieferkette. Sämtliche Partner müssen vertraglich versichern, dass sie diesen Grundsätzen folgen, beziehungsweise deren Einhaltung sicherstellen.[104]
Lidl ist derBusiness Social Compliance Initiative (BSCI) im Jahr 2007 beigetreten. Die Mitglieder der BSCI haben sich zu einem Verhaltenskodex verpflichtet, der die Arbeitsbedingungen innerhalb ihrer Produktionsketten regulieren soll. Der Verhaltenscodex wird jedoch laut Angaben derKampagne für Saubere Kleidung (CCC) in den Zulieferbetrieben permanent verletzt.[105]
Obwohl denTextilarbeiterinnen in Bangladesch nur 17 Euro Monatslohn gezahlt werden (umgerechnet 10 Eurocent Stundenlohn), lässt Lidl seine Hausmarke Livergy in diesen bengalischen Textilfabriken herstellen, wie in einer Fernsehreportage des SWR vor Ort dokumentiert wurde.[106] Das Unternehmen warb mit der Behauptung, die bei ihm verkaufte Kleidung sei „fair produziert“.[107]
Im Jahr 2014 stellte dieStiftung Warentest fest, dass der Lidl Fairglobe Orangensaft, welcher das Fairtrade-Logo trägt, keinesfalls unter als fair zu bezeichnenden Bedingungen hergestellt wurde. Vielmehr bekam die Plantage ein mangelhaft für die Arbeitsbedingungen und den Umweltschutz.[108]
Nach Recherchen des NachrichtenmagazinsStern hatte Lidl seine eigenen Beschäftigten über mehrere Jahre in über 500[109] Filialen durch Detekteien systematisch überwachen lassen. Bei der Überwachung wurden u. a. Toilettengänge der Mitarbeiter protokolliert und auch vereinzelt Kunden bei der Eingabe ihrerPIN gefilmt. Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz,Peter Schaar, bewertete dieses Vorgehen als einen schweren Verstoß gegen denDatenschutz.[110] Am 4. April 2008 gab die Lidl-Geschäftsführung zunächst bekannt, in allen Lidl-Filialen in Deutschland die Kameraüberwachung zu reduzieren,[111] erklärte jedoch kurz darauf, unter Aufsicht des ehemaligen BundesdatenschutzbeauftragtenJoachim Jacob doch wieder verstärkt auf Videoüberwachung zu setzen.[112] Wegen der Bespitzelung von Mitarbeitern musste das Unternehmen insgesamt 1,462 Millionen Euro Bußgeld bezahlen, wobei rund 350.000 Euro Strafe für die Nichtbestellung von betrieblichen Datenschutzbeauftragten in allen 35 Vertriebsgesellschaften verhängt wurden.[113]
Nachdem entsprechende Akten in einer Mülltonne gefunden worden waren, wurde im April 2009 bekannt, dass Lidl die Krankheitsgründe der Angestellten protokolliert hatte.[114] Der Konzern reagierte darauf mit der vorübergehenden Freistellung des Deutschland-ChefsFrank-Michael Mros.[115] Lidl bestätigte, dass Krankenakten im Unternehmen gängige Praxis gewesen seien, die Arbeit mit den Listen sei bis Dezember 2008 eingestellt worden.[116] Im August 2009 wurde infolge des Datenskandals für das Unternehmen ein Bußgeld in Höhe von 36.000 Euro verhängt.[117]
2009 hat Lidl ein Datenschutzkonzept erarbeitet, das sich auf alle Bereiche des Unternehmens erstreckt – dazu gehört auch, dass seitdem in den Filialen keine Kameras mehr eingesetzt werden.[118]
Eine im September 2012 veröffentlichte Studie der deutschenVerbraucherzentrale (vzbv) ergab, dass Lidl in vielen Fällen – und offenbar systematisch – den Kunden Rechte vorenthält, die diesen gemäßBürgerlichem Gesetzbuch gesetzlich zustehen.[119][120]
Das ARD-Magazinplusminus sendete am 20. November 2013 einen Bericht über von Lidl via Internet verkaufte Goldmünzen. Ein Münzenpaar kostete 2500 Euro; sein Materialwert betrug zur gleichen Zeit etwa 520 Euro. Lidl schrieb auf Anfrage, das Angebot richte sich „an Sammler […] und nicht an Kunden, die Münzen als Anlageobjekt erwerben möchten“. Es sei Zufall, dass Lidl das Angebot kurz nach der Anfrage von seiner Seite genommen habe.[121]
Im Jahr 2017 startete Lidl in Spanien den Verkauf eines Gerätes zur Herstellungpflanzlicher Milch. Das Patent dafür (im OriginalChufaMix – Veggie Drinks Maker) lag bei Andoni Monforte. Das Unternehmen desValencianers musste nach dem Lidl-Nachbau des Geräts Umsatzeinbußen von ca. 30 % hinnehmen. Der Verkaufspreis des in Spanien produzierten Originals lag bei 40 Euro, der des vermutlichen Lidl-Plagiats mit Bauteilen asiatischer Herkunft bei ca. 5 Euro.[122] Lidl musste dem Hersteller laut Urteil desLandgerichts Mannheim vom Juni 2020 Entschädigung zahlen.[123] In Spanien verlor Lidl einen Patentrechtstreit gegenVorwerk um einen Nachbau desThermomix.[124]
Im Herbst 2022 wurde ein „Fleischskandal“ publiziert.[126] Hintergrund waren mehrere Aufdeckungen über tierschutzwidrige Zustände in Hähnchenmastbetrieben, die Lidl beliefern. Tierschutzorganisationen veröffentlichten Undercover-Aufnahmen aus Hühnermastställen, die Qualzucht und Qualhaltung zeigten und brachten diese zur Anzeige.[127] Das Recherchematerial stammte aus Deutschland, Spanien, Italien, England und Österreich. Zahlreiche Protestaktionen vor Lidl-Filialen in Deutschland, Polen, Großbritannien, Spanien, Italien und Schweden waren die Folge. Nachdem mehrere Medien über den Skandal berichtet hatten, reagierte Lidl mit einer öffentlichen Stellungnahme.[128]
In Serbien schaltete Lidl 2022 für über 27 Millionen Euro Werbung bei den Fernsehsendern TV Happy und dem landesweiten MarktführerTV Pink, deren prorussische Propaganda zumUkrainekrieg sowie unprofessionelle und unethische Berichterstattung kritisiert wird.[129]
Im März 2021 wurde ein mobiles Bezahlverfahren in die Lidl Plus App integriert. Kunden können ihre Bankdaten angeben und an der Kasse per Smartphone bezahlen. Der Rechnungsbetrag wird später von ihrem Konto abgebucht.[130] Der Konzern versäumte jedoch, Schutzmaßnahmen, wie etwa die Überprüfung des Kontos und eineZwei-Faktor-Authentisierung, einzubauen. Es häuften sich bereits seit Mitte 2021 die Fälle, dass durchIdentitätsdiebstahl bei Nichtnutzern der Lidl Plus App Geld für Einkäufe abgebucht wurde, die nicht getätigt wurden.[131] Anfang April 2023 kündigte dieBayerische Polizei in ihrer Pressemitteilung 380 an, sechs Tatverdächtige ermittelt zu haben. Sie wurden mit ungefähr 500 Fällen in Verbindung gebracht, wodurch ein finanzieller Schaden in sechsstelliger Höhe entstanden sein soll.[132][133]
↑Peter Kiefer: Lidl – Diskont-Riese für Lebensmittel und mehr. In: trend.at. 4. August 2023, abgerufen am 21. August 2024: „Unter der Marke Lidl werden aktuell in 31 Ländern weltweit über 12.200 Filialen betrieben Gemessen an der Zahl der Filialen ist Lidl der größte Diskonthändler der Welt. In Summe beschäftigt Lidl rund 360.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“
↑abAnnika Ketzler: Lidl schmeißt Produkte aus dem Sortiment – das hat einen guten Grund. In: wa.de. 16. September 2023, abgerufen am 21. August 2024: „Die Filialen in Deutschland werden von der LD-Stiftung mit Sitz in Bad Wimpfen betrieben. Die anderen Filialen in Europa und den USA betreibt die Lidl Stiftung & Co. KG mit Sitz in Neckarsulm“
↑(suc): Discounter: Lidl-Chef nimmt seinen Hut. In: Spiegel Online. 24. September 2008, abgerufen am 21. August 2024: „Als möglicher Nachfolger wird Einkaufschef Heinz Holland gehandelt.“
↑Mª Eugenia Rodríguez López, Juan Miguel Alcántara Pilar, Álvaro José Rojas Lamorena:La experiencia gastronómica en el restaurante: delimitación teórica y empírica en dos tipos de establecimiento. In:Cuadernos de Gestión.Band20,Nr.1, Dezember 2019,ISSN1131-6837,S.181–204,doi:10.5295/cdg.180904mr.
↑Eintragung der Wortmarke Bioness am 1. August 1997 beim Deutschen Patent- und Markenamt durch den Unternehmer Richard Jung und am 1. September 2007 um weitere zehn Jahre verlängert.
↑Manfred Krautter:Pestizide aus dem Supermarkt: Hintergrundinformation. Greenpeace, Hamburg November 2005,S.21 (archive.org [PDF;899kB; abgerufen am 12. Juni 2022]).
↑Homepage der Attac-Lidl-Kampagne. Attac – Discounter – Kampagne, 2007, archiviert vom Original am 17. April 2010; abgerufen am 1. Oktober 2008 (Zur Zusammenarbeit von Attac und Linkspartei siehe etwaLidl-Aktionen Attac Gladbeck 2005). Im Januar 2008 veröffentlichte die Kampagne für Saubere Kleidung ihre Kritik an den unmenschlichen Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie Bangladeschs bei Lieferanten von Lidl (ref: www.sauberekleidung.de link auf Broschüre „Wer bezahlt unsere Kleidung bei Lidl und KiK?“). Lidl steht auch im Fokus der Better Bargain Campaign der internationalen Clean Clothes Campaign (ref. www.sauberekleidung.de link zur Broschüre „Cashing in, 2009“)
↑Code of Conduct. In: lidl-lohnt-sich.de. 2015, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 24. März 2015; abgerufen am 20. März 2015.
↑Firmenprofil Lidl. Kampagne für saubere Kleidung, 31. Januar 2012, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 25. Juli 2014; abgerufen am 14. Juni 2013.
↑Paul Reifferscheid: Goldiges Versprechen. In: DasErste.de. 21. November 2013, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 25. November 2013; abgerufen am 23. September 2014.
↑Harff-Peter Schönherr:Kampagne „Fleischskandal bei Lidl“: Tod im Kot. In:Die Tageszeitung: taz. 2. November 2022,ISSN0931-9085 (taz.de [abgerufen am 3. Januar 2023]).