Libuše Moníková wuchs inPrag auf. Von 1963 bis 1968 studierte sie an der dortigenKarls-UniversitätAnglistik undGermanistik. 1970 promovierte sie beiEduard Goldstücker über denCoriolan im Vergleich beiBrecht undShakespeare. Am 28. September 1970 heirateten Libuše Moníková und der deutsche Student Michael Herzog – sie hatte zeitweilig einBesuchsvisum für die Bundesrepublik Deutschland. 1971 zog sie endgültig zu ihrem Mann nach Göttingen. Die Übersiedlung geschah auch aus politischen Gründen. In Deutschland arbeitete Moníková als Lehrbeauftragte an derGesamthochschule Kassel und ab 1977 an derUniversität Bremen. Von 1978 bis 1981 war sie als Referendarin und Lehrerin tätig. Ab 1981 lebte sie als freie Schriftstellerin, erst in Bremen, dann in Berlin. Libuše Moníková starb 1998 in Berlin. Ihr Grab befindet sich auf demAlten St.-Matthäus-Kirchhof inBerlin-Schöneberg – wenige Schritte von den Gräbern derBrüder Grimm und der FrauenrechtlerinMinna Cauer entfernt.
Libuše Moníková begann erst während ihres Deutschlandaufenthalts in deutscher Sprache zu schreiben. Ihre u. a. vonFranz Kafka,Jorge Luis Borges undArno Schmidt beeinflussten, häufig phantastische und mythische Elemente einbeziehenden Werke sind von der Erinnerung an die Prager Jahre geprägt, von der Erfahrung der Niederschlagung desPrager Frühlings und des Exils, aus dem Moníková auch nach der Wende in Osteuropa nicht mehr in ihre Heimat zurückzukehren vermochte. Für die Autorin wurde die deutsche Sprache als fremde Sprache zu einem künstlerischen, auch ästhetischen Potenzial. Auf ihr WerkEine Schädigung bezogen sagte sie:
„Meiner Beschäftigung mit Kafka verdanke ich die Einsicht, daß Sprachmangel unter Umständen zur Stärke werden kann, zur Stärke des Ausdrucks, weil kein Wort selbstverständlich, in seiner Bedeutung gesichert erscheint, jedes ist neu, und die Verantwortung trägt der Autor, ich schreibe, indem ich mich in der Sprache durchtaste, manchmal an Bedeutungen heran, die bis zur Niederschrift unbewußt bleiben: diese Suche kommt ursprünglich aus der Fremdsprachlichkeit, heute weist sie mich als Autor aus.“[1]
Die Werke Libuše Moníkovás erhielten zwar internationale Anerkennung, suchen aber noch ihren Weg zu den tschechischen Lesern. Anlässlich ihres 20. Todestages präsentierte das Prager Literaturhaus in Zusammenarbeit mit dem Denkmal des nationalen Schrifttums und dem Haus des Lesens der Prager Stadtbibliothek (Dům čtení MLP) vom 12. Dezember 2018 bis zum 31. Januar 2019 die AusstellungIm Dialog mit Libuše Moníková, in der das Leben und das deutschsprachige literarisches Werk der tschechischen Autorin vorgestellt wurden.
„Sie leben unmittelbar ins Reine, ohne zu probieren, während ich immer noch auf dem Schmierpapier das Konzept durchstreiche. (…) Alles muss stimmen; zum Thema komme ich vor lauter Anforderungen nicht. Das Leben – wie man sagt; ich kann nur nicht begreifen, daß es schon alles sein sollte.“
Von 1991 bis 1996 Mitglied desPEN-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland, aus dem Moníková aus Protest gegen die Vereinigung mit dem ostdeutschen PEN-Zentrum austrat.
Ab 1988 Mitglied der (West-)Berliner Akademie der Künste.
Der Taumel. Fragment. Mit einem Nachwort vonMichael Krüger. Hanser, München Wien, 2000. - Teilw. Vorabdruck:Jakub Brandl. in:Akzente 1997, H. 6., S. 512–536.
Barbara Alms:Fremdheit als ästhetisches Prinzip. Zu den deutschsprachigen Romanen der Tschechin Libuše Moníková. In:Stint Nr. 6, 1989, S. 138–151.
Helga Braunbeck:Figurationen von Kunst, Musik, Film und Tanz – Intermedialität bei Libuše Moníková. Aisthesis Verlag, Bielefeld 2018,ISBN 978-3-8498-1237-9.
Patricia Broser, Dana Pfeiferová (Hrsg.):Hinter der Fassade: Libuše Moníková. Beiträge der Internationalen germanistischen Tagung České Budějovice 2003. Edition Praesens, Wien 2004,ISBN 3-7069-0259-1.
Karin Windt:Beschädigung, Entschädigung – Überlieferung, Auslieferung. Körper, Räume und Geschichte im Werk von Libuše Moníková. Aisthesis, Bielefeld 2007,ISBN 978-3-89528-632-2.
Dana Pfeiferová:Libuše Moníková. Eine Grenzgängerin, Praesens Verlag, Wien 2010,ISBN 978-3-7069-0533-6 (Habilitationsschrift Masaryk-Universität Brünn 2009, 244 Seiten).
John Neubauer:Exile: Home of the Twentieth Century, in: John Neubauer, Borbála Zsuzsanna Török (Hrsg.):The Exile and Return of Writers from East-Central Europe: A Compendium. Berlin: Walter de Gruyter, 2009, S. 41