Die Stadt liegt unmittelbar nordöstlich vonKöln und gehört derMetropolregion Rhein-Ruhr an. Mit ihren 168.581 Einwohnern (31. Dezember 2024, laut Einwohnerstatistik der Stadt 170.329 am 31. Dezember 2024)[2] zählt sie zu den kleinerenGroßstädten des Landes; sie liegt auf Platz 49 dergrößten Städte Deutschlands. Bekannt ist Leverkusen vor allem durch denBayer-Konzern und den Fußball-BundesligistenBayer 04 Leverkusen, denDeutschen Meister der Männer der Spielzeit 2023/24.
Ihren Namen verdankt die Stadt dem Apotheker und ChemieunternehmerCarl Leverkus, dessen Familie von derHofschaft Leverkusen aus dem Gebiet der heutigen StadtRemscheid abstammte. Leverkus gründete um die Mitte des 19. Jahrhunderts bei Wiesdorf am Rhein eine Chemiefabrik und gab der Siedlung seiner Arbeiterschaft den NamenLeverkusen – so hieß bereits der Familiensitz inLennep.[4] 1930 ging der Name auf die neu gegründete Stadt Leverkusen über.
Die heutige Stadt Leverkusen entstand 1975 durch den Zusammenschluss Leverkusens mit derKreisstadtOpladen sowie der StadtBergisch Neukirchen und der Eingliederung des StadtteilsHitdorf der StadtMonheim am Rhein. Die neugegliederte Stadt wurde danach in drei Stadtbezirke aufgeteilt; dabei wurde Opladen auf die Bezirke II und III aufgespalten. Leverkusen hat drei größere Stadtzentren mit Fußgängerzonen. Sie befinden sich in den Stadtteilen Leverkusen-Mitte (Wiesdorf), Schlebusch und Opladen. Schlebusch und Bergisch Neukirchen werden als „Tor zum Bergischen Land“ bezeichnet.[5] Bergisch Neukirchen,Quettingen,Lützenkirchen, Steinbüchel und teilweise Schlebusch liegen auf dem Westabhang des Bergischen Landes. Das restliche Stadtgebiet liegt in der Rheinebene derKölner Bucht.
Der höchste Punkt des Stadtgebiets befindet sich an der Stadtgrenze zuBurscheid in Höhe der Kompostierungsanlage Heiligeneiche mit198,7 m ü. NHN, der niedrigste mit35,1 m ü. NHN liegt bei der Hitdorfer Hafeneinfahrt. Die Stadtgrenze hat einen Umfang von 56 Kilometern. Die größte Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 8,9 und die größte West-Ost-Ausdehnung 15,3 Kilometer.
Stadtteile und -bezirke: Stadtbezirk I blau, II braun, III grün
Mit der kommunalen Neugliederung 1975 wurde das Stadtgebiet Leverkusens in dreiStadtbezirke, 13Stadtteile und 16 Statistische Bezirke unterteilt.[5] Im Jahr 2003 wurden als weitere Gliederungsstufe 77 „Quartiere“ abgegrenzt.[6] Jeder Stadtbezirk verfügt über eine eigeneBezirksvertretung, die aus 15 Mitgliedern, den Bezirksvertretern, besteht. Sie werden von der Bevölkerung des Stadtbezirks auf fünf Jahre gewählt, den Vorsitz hat derBezirksvorsteher (seit 2020Bezirksbürgermeister). Die Bezirksvertretungen sind für bestimmte Aufgaben des Bezirks zuständig und bei allen wichtigen Angelegenheiten des Stadtbezirks anzuhören.
Die Stadtbezirke mit ihren zugehörigen Stadtteilen:
Die Stadtteile sind zum Teil in weitereWohnplätze mit eigenen Namen unterteilt. Dabei handelt es sich um ältere Siedlungen oder Neubaugebiete, deren Namen meist auf historische Hof-, Siedlungs- oder Flurbezeichnungen zurückgehen. Hierzu gehören beispielsweise Fettehenne,Pattscheid,Biesenbach, Hüscheid,Imbach,Niederblecher, Schöne Aussicht, Voigtslach, Mathildenhof, Leimbacher Berg,Meckhofen undWaldsiedlung.
Leverkusen erstreckt sich über drei rheinische Landschaftsgebiete: die Köln-Bonner Rheinebene, dieBergische Heideterrasse und die Bergischen Hochflächen. Auf der Köln-Bonner Rheinebene befinden sich Lindenwälder, die Ränder der Bäche und Flüsse sind mit Bruch- und Auenwäldern bewachsen, mit einem geringen Anteil an Eichen und Haseln, der auch in den Lindenwäldern vorhanden ist. Die Landschaft der Bergischen Heideterrassen ist überwiegend vonHeide geprägt, die auch Namensbestandteil einiger Stadtteile wie Fixheide oder Schlebuscher Heide ist. In Richtung Osten liegt das Bergische Hochland als Teil des Rheinischen Schiefergebirges. Dort wurden überwiegend Nadelholzkulturen angelegt. Außerdem wird diese Fläche agrarisch genutzt.
Der Niederschlag in Leverkusen liegt im Jahresmittel bei 700 Millimetern, der Wind weht überwiegend aus West und Südwest. DieJahresmitteltemperatur beträgt ca. 12,2 °C. In Richtung Osten zum Bergischen Land steigt die Niederschlagsmenge auf bis zu 1300 Millimeter im Jahresmittel an. Das Klima entspricht somit dem Übergang vom gemäßigtenSeeklima zumKontinentalklima mit milden Wintern und mäßig warmen Sommern.
Die hier dargestellte Geschichte Leverkusens bezieht sich im Wesentlichen auf die Gemeinden Wiesdorf, Schlebusch, Steinbüchel und Rheindorf, die sich 1930 zur Stadt Leverkusen zusammenschlossen. Details zur Geschichte der 1975 zur Stadt Leverkusen hinzugekommenen Ortsteile sind unterOpladen,Hitdorf undBergisch Neukirchen zu finden.
Die Siedlungen des heutigen Leverkusener Stadtgebiets wurden ab dem 10. Jahrhundert erstmals erwähnt, zuerstHitdorf im Jahre 941, als letztes Alkenrath 1458. Sie gehörten seit demMittelalter zur Grafschaft beziehungsweise zumHerzogtum Berg.
In Leverkusen wurden Grabplatten gefunden, die aufgrund ihrer Gestaltung sowie der Grabinhalte denRömern zugeordnet werden konnten.[9] Die Gräber enthielten unter anderem kompletteSoldatenausrüstungen. Ein weiterer Hinweis auf die Anwesenheit der Römer im späteren Leverkusener Stadtgebiet sind Siedlungen, die nach römischem Vorbild errichtet wurden. Der Siedlungsplatz Scherfenbrand und viele weitere kleine Lagerstellen in Leverkusen konnten unter anderem anhand vorgefundenerTerra Sigillata den Römern zugeordnet werden. Die Römer wurden im ersten Viertel des vierten Jahrhunderts nach Christus von denFranken abgelöst. Zur ZeitKarls des Großen gehörte das Leverkusener Gebiet zumDeutzgau.
Das rechtsrheinische Land gehörte zu großen Teilen zum mächtigenErzstiftKurköln, somit auch Leverkusen. Ein Gut in Rheindorf wurde im 11. Jahrhundert in Zusammenhang mit dem Kölner Apostelstift genannt. Hitdorf wiederum wurde im Jahre 1151 mit seiner Abtei St. Pantaleon und mit einem Fronhof erwähnt, in dem ein Untervogt des Grafen von Berg wohnte.[10][11]
Die Grafengewalt über das spätere Stadtgebiet lag seit etwa 1150 bei den Grafen (und späteren Herzögen) vonBerg. Die Pfarrkirche Bürrig wurde 1147 zum ersten Mal urkundlich erwähnt, 1163 und 1164 folgten die Kirchen in Lützenkirchen und Wiesdorf; dieSchlebuschrather Kirche ist 1235 erstmals urkundlich erwähnt.
Im 14. Jahrhundert wurden die Pfarrkirchen der OrteWiesdorf,Rheindorf,Bürrig,Opladen,Lützenkirchen und Neukirchen (heuteBergisch Neukirchen) im Steuerverzeichnis der Erzdiözese, demLiber Valoris aufgeführt. Dieses Heberegister der mittelalterlichen erzbischöflichen Verwaltung wurde mindestens vom 13. bis ins 15. Jahrhundert hinein immer wieder neu aufgelegt. Für das Jahr 1363 sind die Ortsteile des heutigen Leverkusen als Orte imAmt Miselohe belegt (mit Ausnahme von Hitdorf und Rheindorf, die zum Amt Monheim gehörten).[12] Opladen nahm im Amt Miselohe als Sitz des Gerichts und desAmtsphysikus eine zentrale Rolle ein.[13]
Die Bauern in Leverkusen und im Bergischen waren schon vergleichsweise früh unabhängig, ohneFrondienste leisten zu müssen, was einen Aufstieg in der sozialen Hierarchie möglich machte.
Zu Beginn der Neuzeit lebte der überwiegende Teil der Bevölkerung von der Land- und Forstwirtschaft. Die Einwohnerzahlen waren auch in Gemeinden des heutigen Leverkusens, wie Bürrig, Wiesdorf oder Küppersteg, angestiegen. Genaue Angaben lassen sich nicht machen, da keine Kirchbücher vorhanden sind, die Aufschluss über das 15. und 16. Jahrhundert geben könnten. Die größten Gemeinden waren vermutlich Wiesdorf, Schlebusch und Lützenkirchen, die eine Einwohnerzahl von etwas unter 1000 gehabt haben sollen. Als kleiner eingeschätzt werden hingegen Rheindorf und Bürrig; sie galten als kleineKirchspiele.[14]
ImKölnischen Krieg (1583 bis 1588) wurden viele Dörfer, sowohl auf dem heutigen Leverkusener Stadtgebiet als auch im Umland, von Truppen des PfalzgrafenJohann Casimir geplündert und verwüstet. Leverkusen war, im Durchzugsgebiet von Süden nach Norden amRhein entlang liegend, immer wieder von Überfällen betroffen. Die Truppen, die zunächstBonn besetzten und sich dann nach Mülheim und Deutz bewegten, zogen plündernd an den Leverkusener Siedlungen vorbei.[15] Eine Äbtissin von Gevelsberg berichtete:
„Als das truchsische Kriegsvolck zu Stammel, Mulheim, Duitz und den Orth (Wiesdorf) lange Zeit gelegen, sind dem Halfmann nicht nur die vollen Scheunen ausgeraubt worden, sondern auch alles Vieh, Stroh, Kost und Trank graubt worden, so dass er bei fremden Leuten sich ernähren musste.“
Auch Burg, heuteBürrig, wurde überfallen und die Dorfkirche zerstört, ebenso die Kapelle in Schlebusch. Beide Kirchengebäude wurden nach dem Krieg neu errichtet.
Das heutige Stadtgebiet lag schon immer an einer auch für die Kriegsführung wichtigen Nord-Süd-Strecke. Als die Auswirkungen des Kölnischen Krieges abklangen, folgten die Drangsale des Dreißigjährigen Krieges. Als imDreißigjährigen Krieg der Waffenstillstand zwischen Spanien und Niederländern endete, geschah imRheinland zunächst wenig – noch war dieses Gebiet vom Kölnischen Krieg betroffen. Erst später zogen Truppen durch dasBergische Land und damit auch das heutige Stadtgebiet von Leverkusen, die in die umliegenden Herzogtümer und Grafschaften einfielen. 1622 kamen zunächst spanische Truppen, die sich inMülheim einquartierten. 1625 wurde das Gebiet durch die Truppen des kaiserlichenGrafen von Anholt besetzt, die die BauernSpanndienste leisten ließen. Auf Bitten der Stadt Wipperfürth wurden die Truppen des Grafen von Anholt wieder abgezogen, jedoch kamen 1625 wieder Spanier, die schon 1626 wieder von hessischen Truppen abgelöst wurden. Es folgten wieder Spanier, die erneut plünderten und raubten. Erst nach 1643 hörten die Kriegshandlungen auf. Einige Häuser in Wiesdorf, Schlebusch undDünnwald wurden während dieser Zeit immer wieder überfallen, wenngleich der Dreißigjährige Krieg im Stadtgebiet Leverkusen im Vergleich zu anderen Städten eher glimpflich ablief.[16]
Ausschnitt Karte Köln und Umgebung Anfang 19. Jahrhundert
Das spätere Leverkusener Stadtgebiet war vor dem 18. Jahrhundert nur dünn besiedelt und bestand zu dieser Zeit aus kleinen Gemeinden, Höfen und einzelnen Häusern. Keine der Siedlungen erreichte mehr als 1500 Einwohner oder war als kleinstädtisch zu betrachten.[17] Die Kernbereiche der heutigen Stadtteile Leverkusens (also beispielsweise Opladen, Rheindorf, Wiesdorf, Bürrig, Lützenkirchen, Schlebusch oder auch Neukirchen) waren zu dieser Zeit kleinste Gemeinden, bei denen die Kirchen als Mittelpunkte der umliegenden Einzelhöfe,Weiler und Häuser dienten; insgesamt lebten in diesem Gebiet rund 9.000 Menschen. Die für eine spätere Großstadt vergleichsweise dünne Besiedlung ist im Vergleich zum gesamten deutschen Raum nicht unüblich: Während im Leverkusener Stadtgebiet rund 116 Einwohner proQuadratkilometer lebten, lag diese Zahl im gesamten Bundesgebiet bei durchschnittlich 45 Einwohnern/km². Auch im übrigen Rheinland, das heute zu den am dichtesten besiedelten Gebieten Deutschlands gehört, lag die Siedlungsdichte nur bei rund 99 Einwohnern/km².[18] Lützenkirchen war zu dieser Zeit mit 1845 Einwohnern der größte Ort des heutigen Leverkusener Gebiets, gefolgt von Neukirchen und Hitdorf.[19]
1815 kam das heutige Leverkusener Gebiet aufgrund der Beschlüsse desWiener Kongresses unterFriedrich Wilhelm III. anPreußen, das es derProvinz Jülich-Kleve-Berg, beziehungsweise ab 1824 derRheinprovinz zuordnete. Aufgrund desBesitzergreifungspatents wurden alle Bewohner des Rheinlandes und Westfalens preußische Untertanen. War Opladen 1815 zunächst noch Sitz einesKreises geworden, so wurde dieser bereits 1819 aufgelöst und sein Gebiet demKreis Solingen angegliedert. Das heutige Stadtgebiet war seit 1816 in dieSammtgemeinden Opladen und Schlebusch unterteilt. 1857 wurden Neukirchen (ab 1904 Bergisch Neukirchen) und Hitdorf sowie 1858 Opladen zurStadt erhoben. Während Lützenkirchen, Steinbüchel und Schlebusch nach 1856 weiterhin dieBürgermeisterei Schlebusch bildeten, wurden die Stadt Opladen und dieBürgermeisterei Opladen-Land, bestehend aus Wiesdorf und Bürrig, zunächst in Personalunion verwaltet. Diese endete 1889, und die Bürgermeisterei Opladen-Land benannte sich inBürgermeisterei Küppersteg um.[21]
Um 1820
Wupperbrücke Opladen um 1830
Ultramarinfabrik von Carl Leverkus
Zwischen 1850 und 1900
Im Jahre 1861 verlegte Carl Leverkus, ein gelernter Apotheker ausWermelskirchen imBergischen Land, seineUltramarinfabrik von seinem Heimatort an denRhein in die Nähe der Gemeinde Wiesdorf. In Wermelskirchen konnte sie wegen der mangelhaften Verkehrsanbindung nicht gehalten werden. Viele seiner Fabrikarbeiter zogen deshalb in die Gemeinden des heutigen Leverkusens und in eine Werkssiedlung unmittelbar an der Fabrik. Carl Leverkus nannte diese SiedlungLeverkusen nach demStammsitz seiner Familie, einer Hofschaft zwischenLennep undBergisch Born (heute Stadtteile vonRemscheid). 1862 hatte die Ultramarinfabrik 78 Mitarbeiter, für die Leverkus auch eine Reihe damals fortschrittlicher sozialer Einrichtungen schuf.
Nach dem Tod von Leverkus im Jahr 1891 verkauften seine Erben den Teil des Wiesdorfer Fabrikgeländes mit derAlizarin-Fabrik, die sich in einer schlechten wirtschaftlichen Lage befand, an dieElberfelder Farbenfabriken vorm. Friedrich Bayer & Co.[22] Während das alte Werksgelände der Firma Leverkus um- und ausgebaut wurde, plante der Chemiker und damalige Prokurist der Farbenfabriken,Carl Duisberg, eine neue, weiträumig angelegte Chemiefabrik auf dem angrenzenden Gelände zwischen dem Rhein und der Köln-Düsseldorfer Straße, dem Schwarzen Weg im Süden und der Schießbergstraße im Norden. Dazu hatte Duisberg 1895 die "Denkschrift über den Ausbau und die Organisation der Farbenfabriken zu Leverkusen" verfasst.[23][24]
Mit dem Ausbau der Werksanlagen für die Farbenfabriken setzte ein starker Zustrom arbeitssuchender Menschen in die Umgebung des Werks ein. Viele waren ehemalige Mitarbeiter aus Elberfeld, die bereits vor 1901, als die Verlegung der Hauptproduktion begann, an den Rhein kamen. Daraufhin entstand 1895 die erste Werkssiedlung von 45 Häusern mit 170 Wohnungen ("Kolonie I"), die für die Unterbringung der vielen Beschäftigen aber bei weitem nicht ausreichten. Die wenigen Wohnungen in Privatquartieren waren häufig zu klein und unansehnlich. Unmut machte sich bei den Leverkusener Arbeitern breit, und ein Spruch machte die Runde:
1900 begann der Bau der wesentlich größeren "Kolonie II" in Wiesdorf. Bis 1916 entstanden auf dem Gelände zwischen heutiger Wöhlerstraße, Dhünnstraße und Nobelstraße insgesamt 1250 Wohnungen. Nachdem 1912 auch der Firmensitz von Elberfeld nach Wiesdorf verlegt worden war, wurde von 1913 bis 1925 die dritte Werkssiedlung errichtet. Die "Kolonie III" umfasste 1000 Wohneinheiten.[27]
Die spätere herausragende Bedeutung der Farbenfabriken Bayer für Leverkusen war in der ersten Phase der Industrialisierung zwischen 1860 und 1890 noch nicht abzusehen. Außer der Rheinischen Ultramarinfabrik von Leverkus als Vorgänger der Farbenfabriken Bayer hatten sich auf dem Gebiet des heutigen Leverkusens in dieser Zeit metallverarbeitende Betriebe, Textilfabriken und Sprengstoffhersteller angesiedelt oder ihre Produktion von der handwerklichen zur industriellen Größe stark ausgeweitet. Der Bau von drei Eisenbahnstrecken zwischen 1849 und 1874 war neben der Nutzung von Wupper und Dhünn dafür mitentscheidend.
Als bedeutende Unternehmen sind zu nennen (Gründungsjahr jeweils in Klammern): die Sensenfabrik H. P. Kuhlmann (Vergrößerung nach Übernahme durch die Gründerenkel 1867), die Schraubenfabrik J. I. Tillmanns & Söhne (1858), die Türkischrot-Färberei Albert Römer (1865), die Mechanische Weberei Rudolf Schlieper & Rudolf Engländer (1872), die Garnfärberei August & Ferdinand Schoeller (1873) sowie dasStahl- und Walzwerk Theodor Wuppermann (1878). Mit der Rheinischen Dynamitfabrik Opladen (1873), derDynamitfabrik Alfred Nobel & Co. (1874), der Rheinischen Sprengkapsel- und Zündhütchenfabrik (1876) sowie der Sprengstoff AG „Carbonit“ (1890) bildete sich im Raum Manfort-Schlebusch-Küppersteg ein überregionales Zentrum der Sprengstoff- und Zündmittelindustrie, an das weitere Betriebe der Chemiebranche wie die Chemische Fabrik Opladen (1873) oder dieChemische Fabrik Griesheim-Elektron (1886) andockten.
Die Beschäftigtenzahlen dieser Betriebe bewegten sich um 1890 zwischen 70 (Kuhlmann) und 250 (Tillmanns und Schlieper & Engländer). Die Farbenfabriken Bayer zählten nach der Übernahme des Werks von Leverkus im Jahr 1893 auch nur rund 200 Beschäftigte. Diese Zahl änderte sich allerdings rasant nach dem Ausbau des Werks unter Carl Duisberg ab 1895. Im Jahr 1900 zählte das Leverkusener Werk mit 1.783 Beschäftigen ähnlich viele wie im Elberfelder Stammwerk (2.000), um dann 1912 mit 5.872 Personen annähernd dreimal so viele wie im Stammwerk zu beschäftigen. Nur während der Rüstungskonjunktur im Ersten Weltkrieg, als bis zu 5.000 Personen beim Schlebuscher Dynamitwerk Nobel arbeiteten, konnten kurzzeitig Unternehmen auf Leverkusener Gebiet mit den Beschäftigungszahlen der Bayer AG Schritt halten.
Der Wachstumsschub durch den Bau der 1903 errichtetenOpladener Eisenbahn-Hauptwerkstätte, die sich in den folgenden Jahren zu einem der größten Arbeitgeber im Raum Opladen entwickeln sollte, führte durch die Initiative des LandratsAdolf Lucas im Jahr 1914 zur Ernennung von Opladen zurKreisstadt des Kreises Solingen, nachdem die StadtSolingen inzwischenkreisfrei geworden war.
Wirtschaftliche Gründe bewogen die Gemeinden Wiesdorf und Bürrig am 1. April 1920 zum Zusammenschluss unter dem Namen Wiesdorf. Im Februar des folgenden Jahres wurden der vereinigten Gemeinde die Stadtrechte verliehen. Dies war ein Hinweis auf die Entwicklung eines weiteren Zentrums im rechtsrheinischen Raum zwischen Köln und Düsseldorf, die alsbald zur Gründung des heutigen Leverkusens führen sollte.
Aufgrund des hohen Bevölkerungswachstums und der damit verbundenen Wohnungsnot wandte sich Wiesdorfs BürgermeisterDr. Heinrich Claes bereits 1922 an die Landgemeinden Schlebusch und Rheindorf mit dem Vorschlag einer Eingemeindung, um Raum für den dringend benötigten Wohnungsbau, kommunale Einrichtungen und Erholungsflächen zu erhalten. Der Vorstoß wurde vomRegierungspräsidenten in Düsseldorf unterstützt, geriet aber durch die Inflation ins Stocken. Erst 1927 wurde er wieder aufgenommen. Im Juni 1928 entschied sich der Gemeinderat von Schlebusch überraschend, der Stadt Köln die Eingliederung anzubieten. Ein entsprechendes Abkommen wurde im Juni 1929 vom Schlebuscher Bürgermeister und dem Kölner OberbürgermeisterDr. Konrad Adenauer unterzeichnet, obwohl sich die Schlebuscher Bürger kurz zuvor bei einer Befragung mit 90%iger Mehrheit gegen den Anschluss an Köln und für die Vereinigung mit Wiesdorf ausgesprochen hatten. Als jedoch im Verlauf des Jahres Schlebusch in den neuen Landkreis Solingen-Lennep aufgenommen wurde, erklärte die Schlebuscher Gemeindevertretung im Dezember 1929 die Vereinbarungen mit Köln für ungültig und begann erneut Eingemeindungsverhandlungen mit Wiesdorf. Wiesdorf hatte bereits im Mai 1929 mit Rheindorf und kurz darauf mit Steinbüchel Eingemeindungsverträge abgeschlossen. Das Vertragswerk zwischen Schlebusch und Wiesdorf wurde dann im Februar 1930 unterzeichnet, so dass die formelle Genehmigung des Preußischen Staatsministeriums zum 1. April 1930 erfolgte.[28] Als Name der so entstandenen neuen Stadt wurde die seit 1862 gebräuchliche Bezeichnung der Werkssiedlung gewählt, mit der die Gemeinden verbunden waren:Leverkusen. Der Name wurde bereits seit 1902 von der Poststation innerhalb des Werksgeländes verwendet.
Die neue Stadt Leverkusen gehörte ebenfalls zumKreis Solingen-Lennep, der 1929 aus den Kreisen Solingen und Lennep gebildet worden war und 1931 in Rhein-Wupper-Kreis umbenannt wurde. Opladen wurde 1930 durch Eingliederung der Gemeinde Lützenkirchen (einschließlich Quettingen, aber ohne Hamberg und Dürscheid, die zu Burscheid kamen) deutlich vergrößert.
In den Folgejahren entwickelte sich Leverkusen zu einer Industriestadt, die wesentlich durch die Bayer AG geprägt wurde. Auch in der Literatur wird dieser Zusammenhang zwischen Bayer-Werk und Stadt herausgestellt:
„Eine Dominante aber,ein Verbindungselement waltet über dem Stadtbild, gleichviel ob man zu Schiff den Rhein hinauffährt […] ob man mit der Eisenbahn oder auf der Autobahn ankommt […]: Westwärts an den Rhein und nordwärts an den Siedlungskern Wiesdorf angelehnt ein gewaltiges Industriewerk […].“[29]
In anderen Zusammenhängen wird der Zusammenschluss zu Leverkusen als unverständlich, die Stadtteile als unpassend und das Ergebnis als „Verwaltungsakt“ und „Großgemeinde“ beschrieben.[30] Der ehemals nationalsozialistische KulturjournalistWilhelm Westecker beschrieb Leverkusen 1962 in seinem Buch "Die Wiedergeburt der deutschen Städte" als „Kuriosum“ und „Stadt ohne Vergangenheit“.[31] Dennoch war der Zusammenschluss aus wirtschaftlicher Sicht nicht zuletzt deswegen für sinnvoll gehalten worden, weil nicht nur Köln, sondern mit Solingen auch Teile des Bergischen Landes Interesse an heutigen Leverkusener Stadtteilen bekundet hatten. So sah sich der damalige Bürgermeister Heinrich Claes gezwungen, die Zusammenführung voranzutreiben. Er wird heute als „Vater des Zusammenschlusses“ gesehen.[30]
Gedenktafel für die 1938 zerstörte Synagoge in Opladen
Bereits am 7. März 1933 wurde die Hakenkreuzfahne zum Zeichen der Machtübernahme der Nationalsozialisten aufgezogen. Der damalige Bürgermeister Claes ging zunächst nicht dagegen vor. Er versuchte vielmehr vergeblich, mit der neuen Regierung zusammenzuarbeiten, nicht aus politischer Überzeugung, sondern weil er den Einfluss auf die Stadt nicht aufgeben und seine Amtszeit nicht auf diese Weise beenden wollte.
Die NSDAP behinderte ihre politischen Gegner im Vorfeld derReichstagswahlen am 5. März 1933 und den nachfolgenden Kommunalwahlen am 12. März 1933 massiv. Bei den Kommunalwahlen im März erhielt die NSDAP mit 15 Sitzen dennoch nicht die Mehrheit im Stadtparlament (38 Sitze). Die sieben Abgeordneten der KPD und die drei der SPD konnten ihre Mandate aufgrund von Verhaftung und Verfolgung aufgrund derReichstagsbrandverordnung vom 28. Februar 1933 nicht mehr ausüben. Aufgrund dieser Verordnung wurden in Leverkusen bis Ende des Jahres 1933 168 Menschen inhaftiert.[32]
Am 30. März 1933 fand die endgültigeMachtergreifung derNationalsozialisten statt. Wie im gesamten Reich wurden auch in Leverkusen sämtliche Führungspositionen von nationalsozialistischen Politikern übernommen. Bürgermeister Claes wurde am 11. Mai 1933 zum Rücktritt gezwungen und ersetzt durch denNationalsozialistenWilhelm Tödtmann. Nationalsozialisten wurden in die Vorstände der größeren Firmen und Organisationen berufen. Öffentlich sichtbar wurde der Einfluss der Partei bei der Umbenennung vieler Straßen und Plätze, die im April 1933 begannen; so wurde beispielsweise in Wiesdorf dieRathenaustraße inAdolf-Hitler-Straße, der Platz am Rathaus inAdolf-Hitler-Platz und die Bebelstraße in Küppersteg in Hermann-Göring-Straße umbenannt.[33]
Einige Bewohner Leverkusens wurden 1935 zwangsweise in ein Lager desReichsarbeitsdienstes (RAD) inÜdelhoven eingewiesen, das 1935 bei der Gemeinde Blankenheim/Ahr entstand.[34] Im Verwaltungsbericht der Stadt 1936 ist zu lesen:
„Die Vermittlung, in der Hauptsache lediger Wohlfahrtsempfänger, nach dem Arbeitslager Üdelhoven i. d. Eifel wurde fortgesetzt […] Wenn auch der durch die geleistete Arbeit geschaffene Wert nicht der Stadt Leverkusen bzw. dem Rhein-Wupper-Kreis zugute kommt, besteht bei Vermittlung nach dem Lager Üdelhoven doch die Möglichkeit, den Arbeitswillen schwer zu vermittelnder oder wenig arbeitsfreudiger Volksgenossen zu erproben.“[35]
Am 1. Januar 1934 trat dasGesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses in Kraft. In diesem Jahr gab es schon drei Fälle, insgesamt wurden 23 Personen zur Zwangssterilisation gemeldet. Im Verwaltungsbericht von 1937 heißt es:
„Nach der Generalabrechnung des Landesfürsorgeverbandes für das Jahr 1934 waren aus dem Stadtbezirk 113 Geisteskranke untergebracht […].“
Der Antisemitismus offenbarte sich zunächst in der Verleumdung der jüdischen Bürger und Geschäftsleute und dem Entzug ihrer wirtschaftlichen Basis. Bereits am 9. März 1933 kam es in Leverkusen und Opladen zu ersten Boykotten jüdischer Geschäfte.[36] Die Einwohner von Leverkusen kannten jedoch viele ihrer jüdischen Mitbürger persönlich und sträubten sich anfangs, die üblichen Einkaufsgewohnheiten aufzugeben. Es gab auch Menschen, die den Juden beistanden, beispielsweise der Pfarrer derHerz-Jesu-Kirche in Wiesdorf, Wilhelm Klinkenberg, der sich in seinen Predigten gegen jede Judendiskriminierung aussprach und auch Juden behilflich war, sich zu verstecken. In derReichspogromnacht im November 1938 wurden in Wiesdorf und Opladen die Fenster von jüdischen Geschäften zerstört, die OpladenerSynagoge wurde niedergebrannt. Die Opladener Feuerwehr beschränkte sich in dieser Nacht auf den Schutz angrenzender Fachwerkhäuser. Amehemaligen Standort befindet sich heute eine Gedenktafel, die an dieses Zentrum des jüdischen Gemeindelebens erinnert.
Die ersten unmittelbaren Auswirkungen auf Leverkusen hatte derZweite Weltkrieg am 7. November 1939, als sich britische und deutsche Flieger einen Luftkampf über Leverkusen lieferten. In der Nacht des 5. Juni 1940 gab es den erstenLuftangriff, bei dem unter anderem die SiedlungNiederblecher getroffen wurde. Schon wenige Tage später fielen Bomben auf die Farbenfabriken und verursachten große Zerstörungen. Gleichzeitig fielen Bomben auf Küppersteg, wo Teile der Bahnanlagen zerstört wurden.
Das mittlerweile zumI.G.-Farben-Konzern gehörende LeverkusenerBayerwerk setzte in den Kriegsjahren 1940 bis 1945 rund 4.000 zumeistosteuropäische Zwangsarbeiter für die Produktion ein.[37] Auch andere Leverkusener Industriebetriebe wie die Theodor Wuppermann GmbH, die Maschinenfabrik Eumuco AG und das Sprengstoffwerk der Dynamit Nobel AG in Manfort, aber auch die Leverkusener Stadtverwaltung, Handwerksbetriebe und Landwirte beschäftigen in dieser Zeit Zwangsarbeiter.[38] 124 Menschen kamen bei diesem Angriff ums Leben. Am Kriegsende wurden in Leverkusen 9451 ausländische Arbeitskräfte gezählt.[39]
Im Januar 1943 gab es erneut Luftangriffe, diesmal auf die Manforter Dynamitfabrik. Die Angriffe verstärkten sich im August und November 1943 und es fielen auch in LeverkusenBombenteppiche. Der schwerste Angriff traf Leverkusen am 26. Oktober 1944, als insgesamt 1.017 Spreng- und etwa 12.000 Brandbomben fielen. 124 Menschen kamen bei diesem Angriff ums Leben, und es kam zu enormen Sachschäden. Einem Luftangriff auf das Reichsbahn-Ausbesserungswerk in Opladen am 28. Dezember 1944 fielen 234 Menschen zum Opfer, darunter 104 Zwangsarbeiter.[40]
Mit dem Vordringen der alliierten Truppen in den Westen Deutschlands standen Anfang März 1945 US-amerikanische Einheiten auf der linken Rheinseite und beschossen von dort aus Leverkusen, insbesondere das Bayer-Werk, mit ihrer Artillerie. Über dieBrücke von Remagen, die am 7. März 1945 unzerstört in Hände US-amerikanischer Truppen fiel, drang die97. Infanterie-Division über Bonn und Siegburg Richtung Norden vor, wo sich von Wesel aus alliierte Truppen zur Einschließung des Ruhrgebiets näherten. Ein Landungsversuch amerikanischer Truppen von Köln-Langel aus wurde am 6. April 1945 in Hitdorf unter hohen deutschen militärischen und zivilen Opfern abgewehrt. Auch 16 amerikanische Soldaten verloren dabei ihr Leben.[41]
Von Köln-Mülheim kommend eroberten Einheiten der 97. US-Infanterie-Division dann am 14. April 1945 Schlebusch und besetzten noch am gleichen Tag das Bayer-Werk. Eine vorherige Zerstörung der Werksanlagen wie imNerobefehl gefordert, war zwar unterblieben, doch die Wehrmacht hatte mehrere Leverkusener und Opladener Brücken gesprengt. Ein sinnloser Verteidigungsversuch einer Gruppe Hitlerjugend an der Dhünnbrücke in Küppersteg bei der Schule am Neuenhof am Morgen des 15. April 1945 forderte noch einmal Todesopfer,[42] bis am Mittag dieses Tages Bürgermeister Simon im Rathaus Wiesdorf die Übergabe der Stadt an die amerikanischen Truppen erklärte. Am Abend des 15. April wurde auch Opladen erobert.
Nach demZweiten Weltkrieg lag Leverkusen in derbritischen Besatzungszone. Der örtliche Sitz der Militärregierung für denRhein-Wupper-Kreis, dem Leverkusen angehörte, war dieVilla Römer in Opladen. Die Militärregierung gab ab dem 18. Juni 1945 dieAmtlichen Mitteilungen für den Rhein-Wupper-Kreis heraus und in Opladen bestand ein von den Besatzern etabliertesMilitärgericht.[43]
Die Kriegszerstörungen hatten Leverkusen und Opladen in unterschiedlichem Ausmaß getroffen. Während in Leverkusen von 14.857 Wohnungen rund 10 % als zerstört galten, wurden in Opladen, wo die Wohnviertel näher an den strategischen Bombenzielen der Eisenbahnanlagen und des Ausbesserungswerks lagen, von 6.089 Wohnungen über 20 % zerstört.[44] Zerstört waren auch die Rheindorfer Wupperbrücke, die Steganlage über die Wuppermündung,[45] die Eisenbahnbrücke über die Wupper zwischen Opladen und Leichlingen sowie die Autobahnbrücken am Verteilerkreis und über der Dhünn. Das kriegswichtige Bayerwerk galt zwar zu 20 % als kriegszerstört, konnte aber in den anderen Betriebsteilen rasch wieder in Gang gesetzt werden.[46] War bei Kriegsende im Bayerwerk lediglich eine Notbesetzung von 850 Personen vorhanden, so wurden 1946 bereits wieder 10.940 Personen im Werk beschäftigt.[47]
Für die Stadtverwaltung bestanden die ersten Aufgaben der Nachkriegssituation in der Trümmerbeseitung und der Sicherung der äußerst angespannten Ernährungs- und Versorgungslage der Bevölkerung. Der kalte Winter 1946/47 und die schlechte Kartoffelernte 1947 verschärften zusätzlich die Lage. Mit derWährungsreform am 20. Juni 1948 und den Krediten aus demERP-Wiederaufbauprogramm kam die Leverkusener Wirtschaft allmählich wieder in Gang. Auch die Verkehrsinfrastruktur konnte bis 1948 – manchmal noch provisorisch wie bei Eisenbahnbrücke über die Wupper – wieder aufgebaut werden. Für die unternehmerische Führung des Leverkusener Bayerwerks war außerdem bedeutsam, dass mitUlrich Haberland nach 1945 personelle Kontiuität gegeben war. Im Prozess gegen denI.G.-Farben-Konzern, der 1947 begann, stand Haberland nicht unter Anklage, obwohl er seit 1943 in Leverkusen als Werksleiter wirkte. Als 1950 der I.G.-Farben-Konzern aufgelöst wurde, erhielt Haberland den Vorstandsvorsitz der neugebildeten Farbenfabriken Bayer AG.
Die größte städtebauliche Herausforderung Leverkusens war die Wohnungsnot, die sich durch den Zustrom von Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und Flüchtlingen aus der DDR zusätzlich verschärfte. 1950 betrug ihr Anteil von der Leverkusener Einwohnerschaft 11,4 % bei einer Einwohnerzahl von 66.601.[48] Als erste größere Bauprojekte entstanden 1952 die Flachdach-Siedlung Rheinallee und 1954 die Aquila-Siedlung in Küppersteg. 1955 begann mit der Siedlung Alkenrath die Schaffung von insgesamt vier Großsiedlungen „auf der grünen Wiese“, die jeweils für 7.000-16.000 Bewohner konzipiert waren. Neben Alkenrath waren dies Rheindorf-Nord (Bauzeit 1958-1970), Mathildenhof (Bauzeit 1958-1963) und Steinbüchel-West (Bauzeit 1965-1970).[49] Ihre städtbauliche Anlage nach der Konzeption einer Nachbarschaftssiedlung mit einer lokalen Infrastruktur wie Schulen, Kindergärten und Einkaufszentren sowie die verkehrsmäßige Anbindung folgte städtebaulichen Planungen, die von den StadtbaurätenPaul Seitz (1949-1952) undHans Krajeweski (1954-1957) ausgearbeitet und von ihrem Nachfolger Edgar Jacob ab 1958 weitergeführt wurden. Eine wichtige Rolle für die Umsetzung der Pläne spielten dabei auch dieGemeinnützige Siedlungsgesellschaft Leverkusen GSG (heuteWohnungsgesellschaft Leverkusen WGL), dieGagfah und die Wohnungsbaugesellschaften des Bayer-KonzernsBaywoge undGeWoGe.
Gebietsreform 1975: Leverkusen wuchs um Hitdorf, Bergisch Neukirchen und Opladen (mit Quettingen und Lützenkirchen).
Am 1. April 1955 schied Leverkusen aus dem Rhein-Wupper-Kreis aus und wurde einekreisfreie Stadt. Damals hatte die Stadt etwa 78.000 Einwohner. Ein stetiges Bevölkerungswachstum führte 1963 zum Erreichen derGroßstadtgrenze von 100.000 Einwohnern.
Zum 1. Januar 1975 wurden – trotz zum Teil heftiger Widerstände aus Rat und Bevölkerung der betroffenen Städte – im Rahmen dernordrhein-westfälischen Gebietsreform gemäß § 17Köln-Gesetz die bisherigen Städte Leverkusen, Opladen und Bergisch Neukirchen zur neuen kreisfreien Stadt Leverkusen zusammengeschlossen; zugleich wurde der zur Stadt Monheim gehörende Stadtteil Hitdorf in die neue Kommune eingegliedert, die damit ihre heutige Ausdehnung erreichte.[50] DerRhein-Wupper-Kreis wurde aufgelöst. Seither gehört das Leverkusener Umland zumRheinisch-Bergischen Kreis beziehungsweise zumKreis Mettmann. Letzterer ist imRegierungsbezirk Düsseldorf verblieben, während Leverkusen seitdem zumRegierungsbezirk Köln gehört.
1890 zählte Wiesdorf 2512 Einwohner, 1905 waren es rund 10.000. Bis 1914 verdoppelte sich die Einwohnerzahl auf über 20.000. Mit der Erhebung zur Stadtgemeinde im Jahr 1921 zählte Wiesdorf 22.231 Einwohner.[51] Nach dem Zusammenschluss der Stadt Wiesdorf mit den Gemeinden Schlebusch, Steinbüchel und Rheindorf zur StadtLeverkusen am 1. April 1930 hatte diese etwa 40.000 Einwohner.
Nach dem Zweiten Weltkrieg zählte die Stadt am 31. Dezember 1945 55.816 Einwohner. Davon waren 2342 Vertriebene (4,2 %). Bis zum 31. Dezember 1960 stieg der Anteil der Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und der Flüchtlinge aus der DDR auf 28,3 % bei einer Gesamteinwohnerzahl von 94.440.[52] 1963 überschritt die Einwohnerzahl der Stadt die Grenze von 100.000, wodurch sie zurGroßstadt wurde. Nach derVergrößerung um die Städte Opladen (45.604 Einwohner 1974), Bergisch Neukirchen und Hitdorf am 1. Januar 1975 erreichte die Bevölkerungszahl von Leverkusen mit 167.671 zunächst ihren historischen Höchststand. Nach dem bundesdeutschen Zensus am 9. Mai 2011 hatte Leverkusen 158.984 Einwohner. Am 31. Dezember 2024 erreichte Leverkusen einen neuen Höchststand von 168.581 Einwohnern.
Die Abbildung zeigt die Bevölkerungsentwicklung der Vorgängergemeinden und von Leverkusen auf dem heutigen Stadtgebiet. Deutlich sichtbar sind die Einflüsse der Industrialisierung ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, insbesondere der Ansiedlung der Fa. Bayer 1891, der Einfluss der beiden Weltkriege, die wiederum stärkere Steigerungsrate nach dem Zweiten Weltkrieg, der Einfluss desPillenknicks um 1970 sowie schließlich der wirtschaftlichen Rezession in den 1980er Jahren.[54]
Die Einwohnerzahlen teilen sich altersmäßig wie folgt auf (Stand: 30. September 2016):[55]
Verteilung der Nationalitäten in Leverkusen im Dezember 2006Bevölkerungspyramide für Leverkusen (Datenquelle: Zensus 2011[56].)
Im Oktober 2019 hatten 167.433 Menschen ihren Wohnsitz in Leverkusen, davon 85.448 weiblichen und 81.985 männlichen Geschlechts. 27.565 Einwohner waren Nichtdeutsche; das entspricht einem Ausländeranteil von ca. 16,5 %.[57]
57.623 Einwohner (ca. 35,2 %) wiesen 2018 einen Migrationshintergrund auf.[58]Unter den insgesamt 4.989 Kindern in Kindertageseinrichtungen haben 2.061 (41,3 %) einen Migrationshintergrund.[58]
Unter den 166.537 Einwohnern (Stand: Juni 2020) sind 28.428 minderjährig (17,1 %) und 35.786 über 65 Jahre alt (21,5 %).[59]
Im Jahre 2017 waren 82.300 Personen am Arbeitsort Leverkusen erwerbstätig. Davon entfielen etwa 72,8 % auf das Dienstleistungs-, 27,1 % auf das produzierende Gewerbe und 0,1 % auf Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei.[60]
2016 waren 79.546 Einwohner Leverkusens erwerbstätig, wovon ca. 49,6 % auspendeln.[61] Mit 59.844 Personen[60] waren 75,2 % der erwerbstätigen Bevölkerung sozialversicherungspflichtig beschäftigt.
Im Vergleich zu 2001 sank die Anzahl der Eheschließungen pro Jahr um ca. 18 % auf 929 im Jahr 2011; im Jahr 2001 waren es 1133. Hingegen ist die Anzahl der Eheschließungen bei Partnern, die beide der evangelischen Kirche angehören, um 6,1 % von 49 auf 52, bei solchen, die beide einer sonstigen oder keiner Religionsgemeinschaft angehören, um 0,3 % von 338 auf 339 gestiegen.
Eheschließungen nach der Konfession der Ehepartner
Bei Ehepartnern, die beide der katholischen Kirche angehören, sank die Anzahl der Eheschließungen um 39,5 % von 210 auf 127, bei Ehepartnern, bei denen der eine römisch-katholisch und der andere evangelisch ist, ist die Anzahl um 18,8 % von 149 auf 121, bei Partnern, bei denen der eine der evangelischen Kirche und der andere einer anderen oder keiner Religionsgemeinschaft angehört, ist die Zahl um 33,9 % von 165 auf 109 gesunken, und bei Ehepartnern, bei denen der eine Teil der römisch-katholischen Kirche und der andere Teil einer sonstigen oder keiner Religionsgemeinschaft angehört, sank die Anzahl der Eheschließungen um 18,5 % von 222 auf 181.[62]
Der Rat der Stadt Leverkusen hat 72 Sitze (sowie eine Stimme für den Oberbürgermeister), die sich auf die einzelnen Fraktionen bzw. Parteien wie folgt verteilen (Stand: 14. September 2025):
In Nordrhein-Westfalen wurde 1994 die Doppelspitze der Stadtverwaltung aus Oberstadtdirektor undOberbürgermeister aufgegeben und im Amt des hauptamtlichen Oberbürgermeisters zusammengefasst. Dieser ist Vorsitzender des Rates, Leiter der Stadtverwaltung und Repräsentant der Stadt. Er wird direkt von der wahlberechtigten Bevölkerung gewählt, seine Amtszeit beträgt fünf Jahre.[64]
Seit einigen Jahren ist der LeverkusenerHaushaltsplan nicht ausgeglichen. Die Ausgaben überschreiten regelmäßig die Einnahmen, womit sich die Stadt im Nothaushaltsrecht befindet. Neue Investitionsmaßnahmen dürfen nur mit Zustimmung der Bezirksregierung durchgeführt werden.[65] Größere Investitionsvorhaben, denen keine zu erwartenden Einnahmen gegenüberstehen, werden regelmäßig vom Regierungspräsidenten kritisiert. 2015 betrug die kommunale Pro-Kopf-Verschuldung ca. 1.684 Euro,[66] 2024 lag diese Zahl bei 5.255 Euro.[67] Seit 2009 ist Leverkusen Mitglied im AktionsbündnisRaus aus den Schulden, in dem überschuldete Städte vor allem aus dem Ruhrgebiet um ihre Handlungsfähigkeit kämpfen. Ende 2024 betrug der Schuldenstand der Stadt Leverkusen insgesamt ca. 1,1 Milliarden €, von denen das Land NRW der Stadt Ende 2025 157 Millionen erlassen hat.[68][69]
Stadtwappen von Wiesdorf und Leverkusen 1923–1975Wappen OpladenLogo Leverkusen
DasWappen der Stadt Leverkusen zeigt in Silber den blau gekrönten, gezungten und bewehrten zwiegeschwänzten rotenBergischen Löwen, überdeckt mit einem schwarzen Wechselzinnenbalken. Das Wappen wurde der Stadt am 19. August 1976 vom Regierungspräsidenten in Köln verliehen.
Der Löwe ist das Wappentier der Grafen beziehungsweise Herzöge vonBerg, die früher über das heutige Stadtgebiet Leverkusens herrschten. Er wurde aus den früheren Wappen von Leverkusen, Hitdorf und Bergisch Neukirchen übernommen. Der Wechselzinnenbalken wurde dem Wappen der Stadt Opladen von 1883 entnommen und wird auf die im 13. Jahrhundert lebenden Brüder Gerhard und Giso von Opladen zurückgeführt.
Zuvor hatte die Stadt ein anderes Wappen, das 1923 vompreußischen Staatsministerium der Stadt Wiesdorf verliehen und 1930 von der neugegründeten Stadt Leverkusen übernommen wurde. Dieses Wappen zeigte ebenfalls den Löwen sowie im unteren Schildteil eine silberne Welle mit einem goldenen Kahn mit silbernem Aufbau an Heck und Ruder. Der Kahn versinnbildlichte die Wiesdorfer Fähre über den Rhein nachMerkenich, die eine lange Tradition hatte und 1969 ihren Betrieb einstellte.
Statt des Wappens verwenden die Stadt und viele städtische Einrichtungen bei Veröffentlichungen, Hinweisschildern etc. seit den 1970er-Jahren häufig einLogo, das aus einem grünen auf der Spitze stehenden Quadrat mit einem weißen senkrechten Balken besteht. Entworfen hat es der Grafik-DesignerOtl Aicher.
Die Stadt führt außerdem eine Flagge und ein Banner, die auf weißem Tuch die Embleme des Wappens tragen.[70]
Leverkusen unterhält insgesamt neunStädtepartnerschaften, die fast alle auf der Basis von ehrenamtlichen Bürgerkontakten geknüpft und erst später zu offiziellen Städtepartnerschaften ausgeweitet wurden. Sie beruhen daher vorwiegend auf den Interessen und dem freundschaftlichen Austausch von Familien oder Vereinen.
MitOulu inFinnland wurde 1968 die ersteStädtepartnerschaft geschlossen. Zu Beginn dieser Partnerschaft ging es vorwiegend um einen Austausch beider Städte in den Bereichen Kultur, Jugend, Schule und Sport. Anfang der 90er Jahre begannen die Bemühungen um Entwicklungen auch auf dem wirtschaftlichen Sektor. Im Jahre 1995 unterzeichneten die Oberbürgermeister beider Städte eine „Vereinbarung zwischen den Partnerstädten Oulu und Leverkusen auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Zusammenarbeit“.[71] DieDeutsch-Finnische Gesellschaft Leverkusen, zeitgleich 1968 gegründet, unterstützt die partnerschaftlichen Beziehungen.
ZuBracknell Forest inGroßbritannien wurde 1973 eine Partnerschaft vonOpladen aus geschlossen und durch freundschaftliche Kontakte und Opladener Vereine aufrechterhalten. Als Opladen 1975 Teil der Stadt Leverkusen wurde, übernahm Leverkusen die Partnerschaft, deren Hauptziel es ist, die Europäische Einheit zu stärken.
MitNof HaGalil inIsrael begannen die Beziehungen im Jahr 1980, wobei ein Freundeskreis die israelische Partnerschaft unterstützt.
Chinandega inNicaragua ist eine weitere Partnerstadt, deren Partnerschaft in erster Linie zum Ziel hat, eine Zusammenarbeit zwischen Entwicklungs- und Industrieländern zu organisieren. Es wurden von Leverkusener Seite viele Entwicklungs- und Wiederaufbau-Projekte durchgeführt, so wurde in Chinandega beispielsweise eine Abwasseranlage installiert. 6000 Menschen werden dadurch wieder mit sauberemTrinkwasser versorgt.
Die Beziehung zuVilleneuve d’Ascq inFrankreich beruht auf Kontakten einzelner Familien, die schon vor der offiziellen Partnerschaft bestanden haben. 2001 kamen die Oberbürgermeister beider Städte ins Gespräch und beschlossen eine offizielle Städtepartnerschaft. Regelmäßig findet ein Schüleraustausch statt.[72]
Bereits 1951 wurde eineEhrenpatenschaft für die ehemals deutsche StadtRatibor/Racibórz inPolen übernommen. 2002 wurde sie offiziell um eine deutsch-polnische Städtepartnerschaft ergänzt.[73]
2014 wurde die Partnerschaft mitWuxi geschlossen.[74] Seit 2006 bestand bereits eineWirtschaftspartnerschaft zurchinesischen Stadt Wuxi, die einen Austausch auf wirtschaftlicher Ebene ermöglichen soll.[75] Daneben existiert auf Leverkusener Seite ein Verein, der auch private Kontakte zwischen beiden Städten fördern möchte.[76]
2023 wurde die Solidaritätspartnerschaft mitNikopol (Ukraine) vom Stadtrat beider Städte beschlossen.[77]
Als erste Stadt in Deutschland wurde Leverkusen 2019 für ihr jahrelanges Engagement im Kampf gegenHautkrebs von derStiftung Deutsche Krebshilfe ausgezeichnet. Krebshilfe-VorstandsvorsitzenderGerd Nettekoven überreichte OberbürgermeisterUwe Richrath auf dem „Leverkusener UV-Schutz-Tag“ für Bürger im Beisein der Vertreter von Ärzteschaft und Krebsorganisationen im Juni die Plakette des Ehrenpreises „Clever in Sonne und Schatten-Partner“.[78] Bundesweit erkranken nach Statistik derzeit jährlich über 270.000 Menschen neu an einem Hauttumor, etwa 37.000 davon am gefährlichenmalignen Melanom, dem „schwarzen“ Hautkrebs. Oberbürgermeister Richrath kündigte an, die gesamtePrävention werde auch auf die 8.000 städtischen Beschäftigten in der Großstadt ausgedehnt.[79]
Die katholischeAnnakapelle in Lützenkirchen (erbaut 1698)
Das Gebiet der heutigen Stadt Leverkusen gehörte seit deren Gründung zum Gebiet desErzbistums Köln und dort zumArchidiakonat desPropstes von St. Kunibert,Dekanat Deutz. DieReformation hatte wenig Einfluss, sodass das Gebiet bis ins 19. Jahrhundert fast rein katholisch blieb. Nur die Bevölkerung des heutigen Stadtteils Bergisch Neukirchen trat 1583 zumlutherischen Protestantismus über. Ferner gelang es denReformierten in Opladen 1611/1612 vorübergehend, die Pfarrkirche der Stadt in Besitz zu nehmen, doch mussten sie diese 1615 wieder an die Katholiken zurückgeben.
1827 wurden die katholischen Pfarrgemeinden des heutigen Stadtgebiets Leverkusen aus dem Dekanat Deutz dem Dekanat Solingen angegliedert. 1923 wurde Opladen Sitz eines eigenen Dekanats, aus dem 1937 das Dekanat Leverkusen gebildet wurde. Heute gehören alle Pfarrgemeinden der Stadt Leverkusen zum Stadtdekanat Leverkusen.
Die Gezelinkapelle
Volkstümliche religiöse Bedeutung im Leverkusener Gebiet hat dieGezelinkapelle im Stadtteil Alkenrath. Sie ist dem seligenGezelinus von Schlebusch gewidmet. Das Wasser aus dem Brunnenhaus der Gezelinquelle, der heilsame Wirkungen zugesprochen werden, wird von vielen Menschen dort abgefüllt.
DieProtestanten in Bergisch Neukirchen gehörten zurSuperintendentur Solingen derEvangelischen Kirche im Rheinland. Seit dem 19. Jahrhundert ließen sich auch in den anderen Gemeinden des heutigen Leverkusener Stadtgebiets Protestanten nieder. So wurde alsbald in Opladen eine Gemeinde gegründet, zu der anfänglich auch die Protestanten von Wiesdorf gehörten, bevor sie um 1890 eine eigene Gemeinde gründeten. In Schlebusch konnten bereits ab 1846 private Gottesdienste abgehalten werden. Alle Gemeinden gehörten seinerzeit zur Superintendentur Solingen. Doch wurde Leverkusen später Sitz eines eigenenKirchenkreises, zu dem heute alle Kirchengemeinden der Stadt und auch die evangelischen Nachbargemeinden nördlich von Leverkusen gehören.
Muslime können die Angebote verschiedener, von Vereinen betriebenerMoscheen besuchen. Im Stadtteil Küppersteg befinden sich die türkische Mimar-Sinan-Moschee und die albanische Mesxhidi-Aksa-Moschee – beide jeweils mit einem freistehendenMinarett. Im Stadtteil Rheindorf besteht die arabische Moschee Al-Muhsinin.
Nach 73 Jahren wurde 2011 unter dem Namen „Davidstern“ wieder eine jüdische Gemeinde in Leverkusen gegründet.[80]
Die Anteile der römisch-katholischen und der evangelischen Bevölkerung sind zwischen 2005 und 2024 kontinuierlich gesunken, und zwar von 40,9 % auf 29,3 % bzw. von 23,9 % auf 15,0 %. Dementsprechend war der Anteil der Bevölkerung, die einer anderen oder keinerGlaubensgemeinschaft angehören, im genannten Zeitraum von 35,3 % auf 55,7 % gestiegen.Die Anzahl der Kirchenaustritte im Jahr 2023 war 1.989 (ca. 1 % der Gesamtbevölkerung)[91][92].
Die kulturellen Aufgaben der Stadt wurden in einemEigenbetrieb, derKulturStadtLev, zusammengefasst. Dazu gehören Bildungseinrichtungen wie dieStadtbibliothek, Musikschule und Volkshochschule sowie das Stadtarchiv, das Museum Morsbroich und das VeranstaltungszentrumForum. Daneben ist auch die Bayer Kulturabteilung wichtig für das Kulturprogramm der Stadt, da sie zusätzlich zum städtischen Angebot ein paralleles und von der Quantität gleichwertiges Kulturangebot anbietet.[93]
1969 wurde dasForum Leverkusen als städtisches Veranstaltungszentrum eröffnet. Das markante, auf sechseckigen Grundrissen basierende Gebäude wird als Hauptspielort des städtischen Kulturprogramms und von externen Veranstaltern genutzt. In den zwei großen Sälen, die bis zu 2000 bzw. 962 Personen fassen, gastieren deutschsprachige Bühnen ebenso wie internationale Orchester, Tanzkompanien, Ensembles, Comedians und andere Künstler. Auch dieLeverkusener Jazztage haben hier ihren größten Spielort. Der Kinosaal des Forums wird seit seiner Eröffnung vom Kommunalen Kino bespielt, das für sein anspruchsvolles Programm mehrfach vom Kinematheksverbund in Berlin ausgezeichnet wurde.[94] In weiteren Räumen des Forums finden Ausstellungen, Vorträge sowie andere, wechselnde Veranstaltungen statt.[95]
ImBayer Erholungshaus, der konzerneigenen Spielstätte der Bayer AG, finden regelmäßig Konzerte sowie Theater- und Ballettvorstellungen statt, die von der Bayer Kulturabteilung organisiert werden, also nicht städtisch sind. Das 1908 eingeweihte Gebäude wurde nach einem Brand von 1975 zwei Jahre lang vergrößert und verschönert. Ein weiterer Umbau fand 1997 statt und führte nicht zuletzt zu einer hervorragenden Akustik, die insbesondere Kammermusik zugutekommt. Der „Große Saal“ des Gebäudes kann unterschiedlich bestuhlt werden und fasst maximal 800 Sitzplätze. Neben klassischen Konzerten, Theater- und Tanzgastspielen liegt ein weiterer Schwerpunkt des Erholungshauses auf Ausstellungen Bildender Kunst. Angrenzend an das Gebäude liegt der von der Bayer Gastronomie betriebene Biergarten.[96]
Neben diesen beiden größeren Veranstaltungsorten gibt es kleinere Theatergruppen, die auch über eigene Räumlichkeiten verfügen, beispielsweise dasJunge Theater Leverkusen, dasMatchbox Theater, dasW.Erk-Theater imKulturausbesserungswerk, dasCaostheater und dieStudiobühne Leverkusen.
DieLeverkusener Jazztage sind das herausragende Kulturereignis der Stadt von überregionaler Bedeutung. Das Musikfestival findet seit 1980 jährlich statt. Auf den Bühnen im Forum und an anderen Veranstaltungsorten treten jedes Jahr zahlreiche renommierte internationale Größen derJazz-,Blues- undWeltmusikszene in thematischen Konzerten auf.
Ebenfalls beliebt ist das jährlich im Sommer stattfindende Street-Life-Festival als Open-Air-Veranstaltung in der Altstadt des Stadtteils Wiesdorf. Auf drei Bühnen präsentieren sich regionale und überregionale Jazz-, Blues- und Rockmusiker.
Des Weiteren findet seit 2001 dieLeverkusener Shuttle-Nacht einmal im Jahr statt, die von der Leverkusener Initiative für Kunst und Kultur (Likk e. V.) organisiert wird. Veranstaltungsorte sind verschiedene Kneipen und Clubs, die mit einem Shuttle-Bus miteinander verbunden werden.[97]
New Sounds ist eine weitere Konzertreihe in Leverkusen, die im Kulturausbesserungswerk, im JuLe-Café und in der EventhalleZollamt von 2004 bis 2007 regelmäßige Konzerte durchführte. New Sounds veranstaltete 2006 erstmals ein Tagesfestival in Leverkusen-Opladen und brachte den „Leverkusener New Sounds Sampler“ heraus.
Die Städtische Musikschule Leverkusen arbeitet als Fachinstitut in allen Musikgenres und bietet für ihre Schüler – überwiegend Kinder und Jugendliche – jedes Jahr etwa 300 Veranstaltungen an.[98]
Leverkusen beherbergt einige Museen, die sich mit einem breiten Themenspektrum befassen. Im künstlerischen Bereich existiert imSchloss Morsbroich seit 1951 ein heute städtisches Museum für moderne Kunst, welches die Werkezeitgenössischer Künstler ausstellt.[99]
In Schlebusch befindet sich dasIndustriemuseum Freudenthaler Sensenhammer. Auf einem weitläufigen Gelände sind dort Teile einer Sensenfabrik des 19. Jahrhunderts zu besichtigen, die die Arbeits- und Lebenswelt der damaligen Zeit wieder lebendig werden lassen.[100]
DasKolonie-Museum in Wiesdorf zeigt eine typische Wohnung der Bayer-Kolonie (Werkssiedlung) im Stil der 1930er Jahre. Wechselnde Ausstellungen, Führungen und Lesungen sind ebenfalls Teil des Programms. Das Museum wird durch die THS als Nachfolgerin der BayWoGe (Bayer-Wohnungsgesellschaft) betrieben.[101]
In Opladen wurde ein ehemaliges Unternehmeranwesen, dieVilla Römer, alsHaus der Stadtgeschichte zu einem Ort für regelmäßig wechselnde Ausstellungen zur Stadt- und Regionalgeschichte gemacht, die von drei im Gebäude ansässigen Leverkusener Geschichtsvereinen geplant und organisiert werden.[102]
Im Kinder- und JugendmuseumEnergieStadt besteht eine Ausstellung zum ThemaEnergie speziell für Kinder und Jugendliche, mit Informationen über alternative Energieformen und Umweltschutz. Das Museum befindet sich auf dem Gelände desNaturGut Ophoven.[103]
Eines der bekanntestenWahrzeichen der Stadt Leverkusen ist das weithin sichtbareBayer-Kreuz. Dabei handelt es sich um eine Großlichtanlage, deren Vorgängerkonstruktion bereits 1933 auf Initiative vonCarl Duisberg zwischen zwei 126 Meter hohen Schornsteinen des Bayerwerks aufgestellt wurde. Sie war damals mit 72 Meter Durchmesser die größte freischwebende Leuchtwerbung der Welt. Nach Kriegsbeginn 1939 musste die Anlage jedoch abgeschaltet und 1944 demontiert werden. Im Jahre 1958 konnte das neue Bayer-Kreuz in Betrieb genommen werden. Es hängt an zwei jeweils 118 Meter hohen Stahlrohrmasten und hat einen Durchmesser von 51 Metern. Die Leuchtschrift, deren Einzelbuchstaben jeweils sieben Meter messen, wurde aus ca. 1700 Glühlampen gebildet. Diese wurden 2009 durchLeuchtdiodenlampen ersetzt. Das eingeschaltete Kreuz ist in der Nacht aus größerer Entfernung zu sehen. 2007 plante die Bayer AG, das Kreuz zu demontieren. Diese Planungen wurden jedoch nach starken Protesten aus der Bevölkerung wiederad acta gelegt.
Bayer-Kreuz
EVL-Wasserturm
Schloss Morsbroich
Doktorsburg
Fachwerkhaus Biesenbach 33 von 1521
Eine weitere Sehenswürdigkeit Leverkusens ist dasSchloss Morsbroich. Der NameMorsbroich leitet sich von dem 1328 urkundlich erwähnten RitterMoir von dem Broiche ab. Das heutige Schlossgebäude wurde 1773 vonIgnaz Felix von Roll zu Bernau erbaut – als Vorlage dienteSchloss Falkenlust in Brühl – und bis zu seinem Tode 1795 bewohnt. Danach ging es in den Besitz vonJoachim Murat über, eines SchwagersNapoleons, den dieser zumGroßherzog von Berg erhoben hatte. 1807 wurde es dem bergischen FinanzministerJean Antoine Michel Agar übereignet. Dieser wurde von Murat außerdem zum Grafen von Morsbroich ernannt. Nach der Übernahme des Rheinlandes durch die Preußen übernahmen 1817 der Kölner Bankier und KommerzienratAbraham Schaaffhausen und 1857 der FabrikantFriedrich Freiherr von Diergardt das Schloss. Von 1885 bis 1887 wurden die Seitenflügel nach Plänen des Kölner ArchitektenHermann Otto Pflaume umgebaut. Nach demZweiten Weltkrieg vermieteten es die Erben Diergardt der Stadt Leverkusen, der sie es gegen 1985 verkauften. Seit 1951 beherbergt es ein Museum für zeitgenössische Kunst.
Ein wichtiges Bauwerk der Neuzeit wurde 2002 fertiggestellt: die neue Bayer-Konzernzentrale. Der vom bekannten ArchitektenHelmut Jahn entworfene Bau löste dasBayer-Hochhaus als Zentrale ab. Geplant war, die ehemalige Zentrale bei Fertigstellung des Neubaus abzureißen, sie wurde stattdessen entkernt, mitLED bestückt und ist 2009 zu einerMedienfassade umgebaut worden. Aufgrund technischer Probleme ist dieses Projekt aber 2011 aufgegeben worden (Medienfassade (Bayer-Hochhaus)) und 2012/2013 abgerissen worden, sieheBayer-Hochhaus.
In der Stadt sehenswert sind auch der von derEnergieversorgung Leverkusen (EVL) genutzteWasserturm Leverkusen-Bürrig, der als Aussichtsturm zur Verfügung steht, das Bürgerzentrum Villa Wuppermann, die Villa Römer mit Ausstellungen zur Stadtgeschichte, dieDoktorsburg, das HerrenhausFriedenberger Hof aus dem 16. Jahrhundert sowie das Umweltbildungszentrum Gut Ophoven mit Resten einer Burganlage aus dem 13. Jahrhundert. Das älteste Fachwerkhaus (erbaut 1521) von Leverkusen befindet sich in der Siedlung Biesenbach im Stadtteil Lützenkirchen.
Blick auf das Teehaus im Japanischen Garten, April 2024.
In Leverkusen gibt es mehrere Parks und öffentlich genutzte Grünflächen.Die bekannteste Grünanlage ist der Carl-Duisberg-Park, der sich direkt nördlich an die ehemalige Hauptzufahrt des Bayerwerks anschließt, der Kaiser-Wilhelm-Allee, und sich teilweise auf Kölner Stadtgebiet befindet. Die Parkanlage ist seit den 1950er-Jahren öffentlich zugänglich, da sie außerhalb des Werks- bzw. des heutigen Chemieparkgeländes liegt. Ein Teil des Carl-Duisberg-Parks ist derJapanische Garten, der von der Bayer AG in Zusammenarbeit mit japanischen Gärtnern gestaltet wurde. Er zählt zu den zehn schönsten Gärten Deutschlands, wie eine Jury aus unabhängigen Garten- und Landschaftsexperten des WettbewerbsDeutschlands schönste Parks 2006 entschied.
Furt und Wasserfall im Schlosspark Morsbroich
DerSchlosspark Morsbroich entstand nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten zeitgleich zur Errichtung des Schlosses im Jahr 1774. Er hat 8000 m² Fläche im Innenbereich entlang des Wassergrabens und 25.000 m² im Außenbereich des seit 1951 als Museum genutzten Schlossgebäudes. Nachdem 2020 ein Einladungswettbewerb mit Bürgerbeteiligung zur Nutzung des Außenbereichs veranstaltet wurde, begannen 2024 Arbeiten zur Revitalisierung der historischen Wasserachse im Park.
DerTillmanns-Park in Bergisch Neukirchen, ein ehemaliger Privatgarten der Fabrikantenfamilie Tillmanns, ist 1910 ebenfalls nach dem Vorbild englischerLandschaftsgärten angelegt worden. Als Besonderheit wachsen hier neben einheimischen Gehölzen auch exotische Bäume wie z. B.Mammutbaum,Sumpfzypresse,Ginkgo undAmberbaum.
Volieren im Wildpark Reuschenberg
DerWildpark Reuschenberg wurde 1976 auf Initiative eines Förderkreises eröffnet und beherbergt auf 34.000 m² viele einheimische Tierarten in einem größeren Waldgebiet.
Eine weitere öffentlich genutzte Grünfläche mit Unterhaltungsangeboten ist derNeuland-Park, auf dessen Gelände die nordrhein-westfälischeLandesgartenschau 2005 stattfand. Diese Anlage wurde auf einer ehemaligen Giftmülldeponie am Rhein errichtet, die mit speziellen Planen und Abdichtungen saniert wurde.[104]
Inmitten des Stadtgebiets gibt es darüber hinaus ein großes Waldgebiet, denBürgerbusch, der größtenteils zum Stadtteil Alkenrath gehört.
2008 wurde im bergischen Teil Leverkusens ein 9,5 km langer Rundwanderweg namensObstweg eröffnet.
2024 führteXabi Alonso die Herren-Mannschaft von Bayer 04 Leverkusen im Fußball zur ersten deutschen Meisterschaft der Vereinsgeschichte und sollte dafür Ehrenbürger der Stadt werden, verzichtete aber ohne Angabe von Gründen darauf.[105]
Die Ostermann-Arena ist eine Multifunktionsarena in Leverkusen.
Das Stadion ist Teil des „Sportparks Leverkusen“, in dem einige der 14 Abteilungen des TSV Bayer 04 Leverkusen e. V. beheimatet sind. Dazu gehören dieBasketballer derBayer Giants sowie dieHandballdamen, die beide deutsche Rekordmeister sind. Sie tragen ihre Heimspiele in derOstermann-Arena aus. Die Bundesligalizenz der Basketballer, die 14 Meistertitel und zehn Pokalsiege errangen, ging vor der Saison 2008/09 an dieGiants Düsseldorf über und die Bayer Giants spielten alsFarmteam nur noch in der viertklassigen Regionalliga, aus der sie am Ende der Saison in dieProB aufstiegen. Seitdem pendelt man zwischen der drittklassigen ProB und der zweitklassigenProA. 2021 wurde man Vizemeister in der ProA. Der damit verbundene sportliche Aufstieg in dieBasketball-Bundesliga konnte aus finanziellen Gründen nicht wahrgenommen werden. 2023 stieg man überraschend in die ProB ab.[106]
Auch andere Abteilungen wie dieLeichtathletik und dasFechten sind sehr erfolgreich. Diese beiden holten zusammengerechnet zehnolympische Goldmedaillen und zahlreiche weitere Medaillen und Weltmeistertitel.[107] Von internationaler Bedeutung ist auch der große Bereich desBehindertensports, der bisher beiParalympischen Spielen 47 Medaillen erringen konnte.[108] Allerdings stellte die Bayer AG in den Jahren 2008 und 2009 einen Großteil der Sportförderung ein. Davon waren die Fußballer, die Behindertensportler und derBreitensport nicht betroffen.[109] Außerdem gibt es in Leverkusen noch neun weitere Vereine, die von der Bayer AG unterstützt werden, unter anderem derRTHC Bayer Leverkusen und der Ski-Club Bayer Leverkusen. Aber auch andere Vereine sind durchaus erfolgreich. Die Basketballdamen vonUnion Opladen stiegen 2009 in die1. Damen-Basketball-Bundesliga auf, mussten aber nach einer Saison wieder absteigen und spielen aktuell wieder in der 2. Bundesliga Nord. DieMotoballer des SV Bergfried sind zweifacher deutscher und mehrfacher norddeutscher Meister. DerTurn- u. Sportverein Opladen von 1882 e. V. wurde 1882 als Turnverein für Männer in Opladen gegründet; 1906 kam eine Abteilung für Frauen hinzu.[110] Die erste Handball-Herrenmannschaft des TuS 82 Opladen spielt seit der Saison 2020/21 in der3. Liga.
Im Rahmen derLandesgartenschau entstand 2004 einSkatepark unter der Stelzenbrücke in Leverkusen-Mitte. Des Weiteren verfügt die Stadt über verschiedene, vermessene und nach Schwierigkeit geordnete, Laufstrecken, die sich auch für dasNordic Walking eignen. Seit 2001 findet im Juni der jährlicheLeverkusen-Halbmarathon statt.
Im August findet die überregional bekannteBierbörse auf derSchusterinsel Opladen statt, die viele Besucher aus anderen Städten nach Leverkusen zieht. Im Dezember fand ebenfalls auf derSchusterinsel bis 2016[111] das große FestivalLeverkusen on ICE statt. Jeden ersten Sonntag im Monat gibt es die Szene-Open-Mike-Late-Night-Show imPentagon, die von dem Kulturförderverein Lev Szene-OP e. V. veranstaltet wird. Regelmäßig finden auch dieJüdischen Kulturtage im Rheinland statt. Im September 2008 fand erstmals das Stadtfest Leverkusen unter Teilnahme von über 100 Leverkusener Vereinen statt.[112]
Seit 2005 findet jährlich im Oktober dieLeverkusener Kunstnacht statt. Galerien, die städtischen Museen und viele Kirchen stellen Werke örtlicher Künstler aus. Zu den Veranstaltungen fahren Pendelbusse, in denen Schauspieler und Musiker für Unterhaltung sorgen.[113]
Der einzige Kulturpreis, der in Leverkusen vergeben wird, ist der nach dem Maler und bildenden KünstlerKurt Lorenz benannteKurt-Lorenz-Preis. Der Preis wird seit 1989 in unregelmäßigen Abständen an Institutionen oder Personen in Leverkusen verliehen, die Impulse für das kulturelle Leben der Stadt und ihres Umlandes gegeben haben.
Im Leverkusener Stadtgebiet kreuzen sich dieAutobahnen1 (Saarbrücken–Köln–Dortmund–Hamburg–Heiligenhafen) und3 (Passau–Frankfurt–Köln–Oberhausen–Emmerich) am Autobahnkreuz Leverkusen. Die A 1 quert bei Wiesdorf über dieRheinbrücke Leverkusen den Rhein. DieA 59 führt im Westen des Stadtgebiets in Richtung Norden nach Düsseldorf. Ferner verlaufen dieBundesstraßen8 und51 sowie die ehemaligeB 232 durch das Stadtgebiet.
DieS-Bahn-Linie 6 bedient in dieser Reihenfolge von Norden nach Süden folgende Haltepunkte bzw. Bahnhöfe:Leverkusen-Rheindorf, Leverkusen-Küppersteg, Leverkusen Mitte und Leverkusen Chempark.[114]
Leverkusen ist Mitglied derArbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen. Die Stadt belegte 2022 beim bundesweiten Fahrradklimatest desADFC Platz 21 unter 40 Städten von 100.000 bis 200.000 Einwohnern.[117]Auf Leverkusener Gebiet existieren rund 150 Kilometer ausgeschilderte Radrouten.[118] Der Dhünn-Radweg, der bereits Anfang der 1970er Jahre zwischen Rheindorf und Alkenrath auf autofreier Trasse angelegt wurde, ist davon die meistgenutzte Strecke. Auf eigener Trasse geführt sind auch der Rhein-Radweg zwischen Wiesdorf und Hitdorf und der 2012 eröffnete Radweg auf der sogenanntenBalkantrasse, einer stillgelegten Eisenbahnstrecke zwischen Opladen und Remscheid.Seit 2023 gibt es am Opladener Bahnhof ein von der Wupsi betriebenes Fahrradparkhaus, das mit über 300 Stellplätzen eines der größten im Rheinland ist, jedoch nur wenig genutzt wird.[119]
Unmittelbar an der Kölner Stadtgrenze zu Leverkusen-Schlebusch befindet sich die Endhaltestelle derKVB-Stadtbahnlinie 4.
Am 11. November 2015 regte die SPD-Fraktion in Leverkusen eine Einbeziehung Leverkusens in Ausbaupläne zur Kölner Stadtbahn und eine Verlängerung der bis Flittard projektierten Linie zum Leverkusener Chempark und perspektivisch ins Stadtzentrum und nach Opladen an.[121]
Mehrere Buslinien derWupsi GmbH (ehemalsKraftverkehr Wupper-Sieg AG) und einiger anderer, kleinerer Busbetriebe bewerkstelligen den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im Stadtgebiet Leverkusen.
Hauptarbeitgeber in Leverkusen sind die FirmenBayer AG sowie dieLanxess AG, wobei die Letztgenannte aus der Bayer AG durch Abspaltung hervorgegangen ist. Ferner befinden sich die Deutschland- und Europazentrale des AutomobilherstellersMazda, die Zentrale des BremsbelagherstellersTMD Friction, der Sitz des Stahlunternehmens Wuppermann AG sowie die FirmaMomentive Performance Materials, einer der größten Hersteller vonSilikon weltweit, in Leverkusen.
DieKronos International, Inc., deutschlandweit der größte und weltweit der fünftgrößte Hersteller vonTitandioxid-Pigmenten, hat seine Deutschlandzentrale in Leverkusen und betreibt imChempark eine seiner Produktionsanlagen.
Im Jahre 2021 erbrachte Leverkusen, innerhalb der Stadtgrenzen, einBruttoinlandsprodukt (BIP) von 8,419 Milliarden € und belegte damit Platz 52 innerhalb derRangliste der deutschen Städte nach Wirtschaftsleistung. Das BIP pro Kopf lag im selben Jahr bei 51.375 € (Nordrhein-Westfalen: 42.145 €, Deutschland 44.909 €) und damit deutlich über dem regionalen und nationalen Durchschnitt. Die Wirtschaftsleistung pro Erwerbstätigen lag bei 107.504 € und gehörte zu den höchsten des Landes. In der Stadt waren im Juni 2025 66.290 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt.[122] DieArbeitslosenquote lag im Dezember 2025 bei 7,5 % und damit nahe am Durchschnitt von Nordrhein-Westfalen mit 7,6 %.[123] ImZukunftsatlas 2016 belegte die kreisfreie Stadt Leverkusen Platz 196 von 402 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „ausgeglichenem Chancen-Risiko Mix“ für die Zukunft.[124] In der Ausgabe von 2019 lag sie auf Platz 122 von 401.[125]
In Leverkusen erscheint der Leverkusener Anzeiger als Ableger desKölner Stadt-Anzeigers aus demM.-DuMont-Schauberg-Verlag mit einer Quartalsauflage von ca. 25.000 Stück. Auch der KölnerExpress aus dem gleichen Verlag bietet ausführliche Informationen über das regionale Geschehen der Stadt. DieBild enthält ebenfalls einen Kölner Regionalteil. Regionale Informationen sind auch in derRheinischen Post (Rhein-Wupper-Zeitung) mit einer Auflage von gut 15.000 Exemplaren zu finden. (Auflagenhöhe nachIVW)
Zudem werden im Leverkusener Stadtgebiet wöchentlich zwei Werbeblätter, dieLokalen Informationen und dasLeverkusener Wochenende kostenlos an die Haushalte verteilt.
Der private Lokal-RadiosenderRadio Leverkusen (107,6) sendet innerhalb der Stadt ein aktuelles Programm mit Pop-Musik. Außerhalb der regionalen Berichterstattung sendet er das Rahmenprogramm vonRadio NRW. Weitere regionale Hörfunkangebote bietet der KölnerWestdeutsche Rundfunk. Zudem kann in Leverkusen, dank des Rundfunksenders Linz, der sich auf rheinland-pfälzischer Seite direkt an der Landesgrenze zu NRW befindet, auf der UKW-Frequenz 94,8 das Programm vonSWR3 empfangen werden. Aufgrund dieses Umstandes finden auch die Autobahnen zwischen Bonn und Leverkusen Erwähnung im Verkehrsservice des eigentlich fürRheinland-Pfalz undBaden-Württemberg sendenden Programms desSüdwestrundfunks.
Der private Lokal-Fernsehsendercenter.tv Köln sendete bis 2016 via Kabel und IPTV auch im Leverkusener Stadtgebiet.[126]Momentan werden bewegte lokale Bilder im Wesentlichen auf leverkusen.com gesendet. Daneben gibt es manchmal Kurzvideos in der Rheinischen Post und dem Lokalfenster des WDR.
Verteilung der Schüler auf die einzelnen SchulformenEhemaliges Gebäude des Carl-Duisberg-Gymnasiums (1928–1991), jetzt Realschule am Stadtpark in Wiesdorf
Alsweiterführende Schulen gibt es dreiHauptschulen, dreiRealschulen, fünfGymnasien, eine Sekundarschule[127] und zweiGesamtschulen. Im Schuljahr 2011/2012 besuchten insgesamt 19.975 Schüler in Leverkusen die Schule, davon waren 6.081 Grundschüler, 1.094 Hauptschüler, 2.515 Realschüler und 6.678 Gymnasiasten. 3.054 Schüler besuchten eine Gesamtschule, 553 eine Sonderschule.[62] Darüber hinaus gibt es dasBerufskolleg Opladen, das Geschwister-Scholl-Berufskolleg und das Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung.
Die Realschulen sind die Theodor-Heuss-Realschule (Opladen), die Realschule am Stadtpark (Wiesdorf) und die Montanus-Realschule (Steinbüchel), die Gesamtschulen Käthe-Kollwitz-Schule (Rheindorf) und Gesamtschule Schlebusch. Hauptschulen gibt es in Manfort (Theodor-Wuppermann-Schule), in Quettingen (Hauptschule Neukronenberg) und in Opladen (Katholische Hauptschule Im Hederichsfeld). Hinzu kommen 17 Gemeinschaftsgrundschulen und acht katholischeGrundschulen und dreiFörderschulen.
Aufgrund eines Kooperationsvertrages der Stadt Leverkusen mit dem Land NRW ist seit 2010 einBildungsnetzwerk für die Region Leverkusen im Entstehen begriffen. In diesem Rahmen ist eine Bildungsdatenbank aller Bildungsstandorte in der Stadt aufgebaut worden. 2014 wurde das Netzwerk cLEVer eröffnet.[128]
DasKlinikum Leverkusen in Schlebusch verfügt über zwölf medizinische Fachabteilungen mit 740 Planbetten.[129] In unmittelbarer Umgebung des Klinikums besteht eine Notdienstpraxis. In Opladen befindet sich dasSt.-Remigius-Krankenhaus, das seit 2024 zurKplus Gruppe gehört. Das St.-Josef-Krankenhaus in Wiesdorf wurde im August 2022 geschlossen.
Ab 2007 entstand auf dem innerstädtischen Areal am Friedrich-Ebert-Platz ein neues Einkaufs- und Dienstleistungszentrum. Hierfür wurde das ehemalige Rathaus, das Stadthaus und das benachbarteBayer-Kaufhaus abgerissen. Auf mehreren Verkaufsebenen entstanden Ladenlokale für 120 Fachgeschäfte. Die Büroflächen werden für städtische Einrichtungen, unter anderem für die Unterbringung des Rathauses genutzt. Das Einkaufszentrum – auch alsNeue Stadtmitte Leverkusen bezeichnet – wird alsRathaus-Galerie Leverkusen von derECE Projektmanagement betreut. Das Einkaufszentrum wurde am 24. Februar 2010 eröffnet.[130] Die Kosten des Umbaus werden auf ungefähr 200 Millionen Euro geschätzt. Die ECE Projektmanagement hat schon während der Abrissarbeiten des alten Rathauses das Projekt an die BankCredit Suisse mit einem Millionengewinn verkauft.[131]
Im Stadtteil Opladen werden im Rahmen des ProjektsNeue Bahnstadt Opladen großflächig ehemalige Bahnanlagen sowie das Gelände des ehemaligenAusbesserungswerks in Wohn- und Gewerbeflächen umgewandelt. Dieses Projekt mit einem finanziellen Umfang von ca. 120 Millionen Euro ist Teil derRegionale 2010.
Ein weiteres Stadtteilentwicklungsprojekt ist die„Soziale Stadt Rheindorf-Nord“.[132] In einer Großwohnsiedlung der Fünfzigerjahre werden städtebauliche Investitionen in den öffentlichen Raum und sozial-integrative Projekte (z. B. in den Bereichen Bildung, Qualifizierung und Gesundheitsförderung) miteinander verknüpft. Das Bund-Länder-ProgrammSoziale Stadt soll zur Aufwertung sozial und städtebaulich gefährdeter Gebiete beitragen.
Stadtarchiv Leverkusen (Hrsg.):Leverkusen. Geschichte einer Stadt am Rhein, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2005,ISBN 3-89534-575-X
Rheinisches Städtebuch; Band III 3. Teilband ausDeutsches Städtebuch. Handbuch städtischer Geschichte – Im Auftrage der Arbeitsgemeinschaft der historischen Kommissionen und mit Unterstützung des Deutschen Städtetages, des Deutschen Städtebundes und des Deutschen Gemeindetages, hrsg. von Erich Keyser, Stuttgart 1956
Stefan Blaschke:Unternehmen und Gemeinde. Das Bayerwerk im Raum Leverkusen 1891–1914, Köln 1999,ISBN 3-89498-068-0
Franz Gruß:Geschichte und Porträt der Stadt Leverkusen, Verlag Anna Gruß, Leverkusen 1987
Franz Gruß:Leverkusen. Geschichte und Geschichten, Verlag Anna Gruß, Leverkusen 2003,ISBN 3-930478-07-2
Valentina Maria Stefanski:Zwangsarbeit in Leverkusen – Polnische Jugendliche im I. G. Farbenwerk (Einzelveröffentlichung des Deutschen Historischen Instituts Warschau Bd. 2), Osnabrück 2000,ISBN 3-929759-43-8
Christine Blasberg:Spurensuche – FrauenLeben in Leverkusen, Frauenbüro der Stadt Leverkusen (Hrsg.), Leverkusen 2005
Christine Blasberg:„… freundlich, verträglich und gefällig?“ Spurensuche zur Geschichte von Frauen in der Leverkusener Arbeitswelt. Frauenbüro der Stadt Leverkusen (Hrsg.), Leverkusen 2011
Christine Blasberg: "Der Sturm, der über ganz Deutschland hinweg gebraust ist.Leverkusen und die Einführung des Frauenwahlrechts 1918/19. Frauenbüro der Stadt Leverkusen (Hrsg.), Leverkusen 2019
Heinrich Peter Schmitz:Rheinblicke – Begegnungen entlang des alten Stroms. Heider Verlag, Bergisch Gladbach 2013,ISBN 978-3-87314-478-1
↑abSabine Mecking:Bürgerwille und Gebietsreform. Demokratieentwicklung und Neuordnung von Staat und Gesellschaft in Nordrhein-Westfalen 1965–2000 (= Studien zur Zeitgeschichte Bd. 85), Oldenbourg: München 2012,ISBN 978-3-486-70314-6.
↑Strukturdaten der Quartiere in Leverkusen – 31. Dezember 2007, Berichte zur Stadtforschung, Heft 69, (Hrsg.) Stadt Leverkusen, Juni 2008.
↑Friedrich Küch (Hrsg.):Landtagskarten von Jülich-Berg 1624–1653. Bd. I: 1624–1630, Düsseldorf, 1925; S. 343.
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↑Philipp Schaefer: Leverkusener Wirtschaft 1945-1960. In: Ulrich S. Soénius (Hrsg.) Leverkusener Wirtschaftgeschichte, Neustadt an der Aisch 2018, S. 193.
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