Leute

Leute ist ein geschlechtsneutrales Pluralwort (Pluraletantum) fürPersonen. Auch inWortzusammensetzungen kann es als Pluralform verwendet werden:Kaufmann/Kauffrau → Kaufleute.
Wortherkunft
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Abgeleitet ist „Leute“ vomalthochdeutschen Wortliut, mitmännlichen oder sächlichen grammatikalischem Geschlecht, in der Bedeutung „Volk,Volksgruppe, Bevölkerung“, im Besonderen aber „Gefolgschaft,Volksgenossen“, nach Grimmlateinischpopulus entsprechend. Auchmittelhochdeutsch steht nochder liut unddaჳ liut „Volk“, zunehmend aber auch imPluraldie liute „Menschen“,lateinischhomines. DerSingular ist dann abgegangen.
Grammatik
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Der Grammatikduden von 2016 führtLeute alsPluraletantum (Pluralwort ohne Singularform und ohnegrammatisches Geschlecht) in der „Klasse A […] Personenbezeichnungen, die nursexusindifferent gebraucht werden“(der Mensch, die Person, das Kind). Mit derEndung-leute kann der geschlechterübergreifende Plural vonZusammensetzungen mit-mann gebildet werden:Seemann → Seeleute;Hauptmann → Hauptleute. Auch der Plural von-mann/-frau wird mit der Endung gebildet:Fachmann/Fachfrau → Fachleute; Feuerwehrmann/Feuerwehrfrau → Feuerwehrleute.[1]
Bedeutung
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Bis heute bezeichnet es (veraltend)dieBevölkerung eines Gebietes oder Landes,[2] redensartlich z. B. in „Land und Leute“, in diesem Sinn ist es Titelbestandteil in zahlreichen Werken (so z. B. inDie Leute von Seldwyla von Gottfried Keller) – die exakte Bedeutung der Wendung „Land und Leute“ ist ‚Glieder des Volks‘,[3][4] also ‚das Volk als Ganzes,Volkskörper‘, und das insbesondere in ausdrücklicher Abgrenzung zu einem Herrscher: „das gemeine Volk“.[5]
Auch engt sich der Begriff auf die eigene Familie,[6] die Nahestehenden (leutselig,leutscheu) oder die Abhängigen[7][8] ein, veraltend etwa dasGesinde auf Gütern und Höfen (vgl.Leutekaffee), oderLeute ‚Kriegsvolk, Schar‘, wieLeuteschinder, ein ‚erbarmungsloser Vorgesetzter‘. Im heutigen Gebrauch bezeichnet „Leute“ dann allgemeindasGefolge, die Gefolgschaft, modernerdie Anhängerschaft unddasTeam („er und seine Leute“), auchdieBelegschaft („zusätzlich Leute einstellen“)[9]
„lieber land und leut verlohren,
als einen falschen eid geschwohren.“
„Ich pfalzgraf Götz von Tübingen
verkaufe burg und stadt
mit leuten, gülten, feld und wald.“
Unspezifisch steht es für Menschen ohne konkretere Angabe, etwa in „die Leute sagen …“, „sich unter die Leute mischen“,[9] daneben findet auch diePejoration ‚die Anderen, die Fremden‘,[7] überspitzt formuliert vom Humoristen:
„Die Menschen sind gut, bloß die Leute sind schlecht.“
Oder aber übersteigert positiv ‚die hervorragenden Menschen‘:[10]
Außerdem wird es zumZählwort, als Plural zueiner in Bezug aufMensch oderPerson, und bildet einen Gegensatz zum Zählwort Mann, oder bleibt ganz unspezifisch:[11]
- ein Mann, zwei Mann, zwanzig Mann (militär.), undPlatz für zwanzig Personen,drei Menschen starben jeweils für die konkrete Anzahl, während aberein paar Leute,Platz für viele Leute die Rolle des unbestimmten Numerals einnimmt (Ein paar Leute starben wäre respektlos formuliert)
Veraltet ist der Gebrauch als genereller Plural, der vonJakob undWilhelm Grimm 1854 aufgeführt wird, etwa beiFrauensleute,Weibsleute. Hier findet sich auch noch ein rückgebildeter Singular:das Weiberleut isteine Frau.[12]
Namenkunde
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Im Sinne ‚Volk‘ in seinen Nuancen findet es sich auch in altengermanischstämmigen Namen, wo es in diesem Sinne interpretiert werden kann, ohne allzu präzisen Bezug zwischen den beiden Silben herzustellen:
- Liutbald – ‚Volk und kühn‘, daraus etwaLuitpold undLeopold
- Liutfrid – ‚Volk und Frieden‘ (etwa bei denEtichonen)
- Liutgard,Luitgard, Lütegard u. ä. – ‚Volk und Schutz‘
- Liutger – ‚Volk undSpeer‘, daraus überLutger undLutgar Formen wieLeodgar,Leodegar, Leodigar, Léger u. v. a.
- Liuthold,Liutold, Luit(h)old – ‚Volk und Segen‘
Die Vokaltauschung «iu» → «ui» mit Tendenz zum «ü» ist bemerkenswert und findet sich als solche auch indiutisc ‚deutsch‘ mhd. etwatuitsch, dial.tütsch, das aus der rekonstruiertenurgerm. Wurzel*Þeudō ebenfalls reich namengutbildend ist – wie auch die Wendung der beiden sinnverwandten Wortedeutsche Leute ‚deutsches Volk‘ bis in die Neuzeit beliebt ist.[2]
Literatur
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- LEUTE, pl. homines. In:Jacob Grimm,Wilhelm Grimm (Hrsg.):Deutsches Wörterbuch. 16 Bände in 32 Teilbänden, 1854–1960. S. Hirzel, Leipzig (woerterbuchnetz.de).
Weblinks
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- ↑Angelika Wöllstein,Duden-Redaktion (Hrsg.):Duden: Die Grammatik (= Der Duden. Band 4/12). 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Dudenverlag, Berlin 2016,ISBN 978-3-411-04049-0, S. 158–159, Randnummer 236.
- ↑abGrimm:Leute 5) leute, die bewohner eines landes oder landstriches, einer gemeinde
- ↑Grimm:Leute 3)die ursprüngliche bedeutung von leute, volksgenossen, glieder des volks
- ↑schon ahd.: „an brêf skrib̄un (des kaisers beamte) swîðo niudlîkonamôno gihwilîkan, ja land ja liudî“Heliand 354; zit. n. Grimm:Leute 3)
- ↑Grimm:Leute 9)
- ↑Grimm:Leute 7)
- ↑abGrimm:Leute 8)
- ↑Grimm:Leute 10)leute, gesamtheit abhängiger oder dienender
- ↑abZitatauswahl nachWortschatz: Leute. (Memento vom 17. Dezember 2015 imInternet Archive) In:wortschatz.uni-leipzig.de. Abgerufen am 11. November 2020.
- ↑Grimm:Leute 18 leute, in prägnantem sinne, rechte, hervorragende leute
- ↑Grimm:Leute 12, 13
- ↑LEUTE, pl. homines. In:Jacob Grimm,Wilhelm Grimm (Hrsg.):Deutsches Wörterbuch. 16 Bände in 32 Teilbänden, 1854–1960. S. Hirzel, Leipzig (woerterbuchnetz.de). 23: „mundarten haben sich zum plur.leute einen sing.leut in der bedeutung einzelner mensch gebildet“.