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Leo XIII.

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Papst Leo XIII. (1878)
Leo XIII., photomechanischer Druck, um 1878.

Leo XIII. (*2. März1810 inCarpineto Romano alsVincenzo Gioacchino Pecci; † 20. Juli1903 inRom) war von 1878 bis 1903 der 256.Papst derrömisch-katholischen Kirche.

Leo XIII. ist als „politischer Papst“ in die Geschichte eingegangen. Die von vielen gefürchtete Dogmenhäufung nach derUnfehlbarkeitserklärung aus dem Jahre 1870 unterPius IX. blieb aus. Wohl aber kann man Leo XIII. den erstenEnzyklikenpapst nennen; er verfasste 86 dieser päpstlichen Rundschreiben (deren erstes aufBenedikt XIV. zurückgeht), darunter sieben zurMarienverehrung. Sein Ziel war es, die Kirche aus ihrer selbstgewählten Isolation gegenüber den neuzeitlichen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen herauszuführen, jedoch war er von der Notwendigkeit einer „zeitlichen Macht“ des Papstes (als Oberhaupt desKirchenstaates) überzeugt. Einerseits orientierte er sich an derhochmittelalterlichen Ordnung von Kirche und Staat, andererseits verfasste er die ersteSozialenzyklika der römisch-katholischen Kirche und wertete damit diekatholische Soziallehre auf. Wegen seiner Anteilnahme an sozialen Fragen wurde er mit dem Attribut „Arbeiterpapst“ und dem Beinamen „der Soziale“ bekannt.

Leo XIII. starb am 20. Juli 1903 in Rom im Alter von 93 Jahren.[1] Kein amtierender Papst wurde bisher älter.Benedikt XVI. hatte als 85-Jähriger auf das Papstamt verzichtet und wurde als emeritierter Papst 95 Jahre alt.[2]

Werdegang

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Vincenzo Gioacchino Pecci entstammte dem niederen Landadel. Vertreter der Familie standen bereits unter den PäpstenBenedikt XIV. bisPius VII. in kirchlichen Diensten. Sein Vater Ludovico Pecci war Kriegskommissar und Oberst.

Ausbildung

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Bereits als Junge galt er als hochbegabt und entwickelte eine Vorliebe für dasLateinische. Von 1818 bis 1824 ging er am Jesuitenkolleg inViterbo zur Schule, von 1824 bis 1832 folgte das Theologiestudium amCollegium Romanum. Die Ausbildung für den päpstlichen Verwaltungs- und Diplomatendienst an derAccademia dei Nobili Ecclesiastici in Rom dauerte von 1832 bis 1837.[3] Pecci promovierte 1835 zumDoktor beider Rechte (Dr. iur. utr.).

Am 31. Dezember 1837 empfing der Kirchenjurist und Theologe durchKardinalvikarCarlo Odescalchi diePriesterweihe. Im Alter von nur 28 Jahren wurde er 1838päpstlicher Gesandter inBenevento (bis 1841), danach im gleichen Rang inPerugia.

Bischof

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Wappen von Gioacchino Vicenzo Pecci als Camerlengo während der Sedisvakanz 1878

1843 ernannte ihn PapstGregor XVI. zumTitularerzbischof vonTamiathis und sandte ihn alsNuntius nachBelgien, von wo er allerdings auf Wunsch des Königs wieder abberufen wurde. Von 1846 bis 1878 war erBischof von Perugia, wo er denDom imneugotischen Stil umgestalten ließ. Am 19. Dezember 1853 wurde er von PapstPius IX. zumKardinal mit derTitelkircheSan Crisogono erhoben. Er vertrat dort zunächst eine streng konservative und wissenschaftsfeindliche Linie. Zur Stärkung der Traditionen sollte seine Reform des Theologiestudiums dienen.

In der Umbruchsphase der LoslösungUmbriens vomKirchenstaat (1860) war Pecci Anführer der Bischöfe gegen das italienische Staatskirchentum. In dieser Zeit musste sich Kardinal Pecci im Jahr 1862 vor Gericht „wegen Aufreizung zur Verachtung der bestehenden Staatsordnung“ (Verwarnung von drei Priestern) verantworten. Der Vorladung hatte er aber nicht Folge geleistet, sondern eine Denkschrift verfasst, in welcher er seine Rechte und Pflichten als Kardinal darlegte. Die Klage wurde daraufhin abgewiesen und hatte in der Folge auch keine Auswirkungen auf seinen weiteren Werdegang.[4]

Mitte der 1870er-Jahre öffnete er sich allmählich der modernen Kultur und Technik. Nach dem Tod des bisherigenCamerlengosFilippo de Angelis wurde er 1877 zum Nachfolger ernannt. In dieser Funktion führte Kardinal Pecci die Amtsgeschäfte während derSedisvakanz im Jahr 1878. Er wurde als Kandidat der Gemäßigten am 20. Februar nach zweitägigemKonklave, dem ersten in derSixtinischen Kapelle, zum Nachfolger vonPius IX. gewählt.

Pontifikat

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Papst Leo XIII. mit derTiara (Bild von Giuseppe Ugolini, zw. 1887 und 1897)

Die Krönung Papst Leos erfolgte am 3. März 1878 in der Sixtinischen Kapelle. Seine angegriffene Gesundheit ließ ein eher kurzes Übergangspontifikat erwarten.

Seine Wahl desPapstnamensLeo war ein Zeichen der Verehrung fürLeo XII. und dessen persönliche Tugenden, aber auch ein Signal für den von ihm angestrebten Wandel in der Stellung des Papsttums.

Der MünzgraveurMax von Kawaczynski schuf für das 25-jährige Papstjubiläum 1903 eine künstlerische Medaille mit dem Porträt Leo XIII.[5], das er bereits „zum Ablassjahr 1900“ für eine Zinnmedaille im deutschsprachigen Raum entworfen hatte.[6]

Restauratives Programm

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Ohne einschneidend mit der Politik seiner Vorgänger zu brechen, erstrebte er als Antwort auf die Nöte seiner Zeit dieRestauration der von ihm als vorbildlich erachtetenhochmittelalterlichen Ordnung von Kirche und Staat. Dabei stand die Reform des Theologiestudiums mit ihrer Orientierung anThomas von Aquin an erster Stelle. Sein persönliches Vorbild warInnozenz III. (1198–1216); 1891 ließ er dessen sterbliche Überreste nach Rom überführen und inSan Giovanni in Laterano beisetzen.

Die Hinwendung zumMittelalter fand ihren symbolischen Ausdruck im Kirchenbau jener Zeit; vornehmlich wurdenneogotische Gotteshäuser errichtet.

Verhältnis zu den Ortskirchen und zur Weltmission

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Im Bewusstsein der universalen Stellung des Papsttums verstärkte Leo XIII. den römischen Zentralismus. Die Bischöfe erhielten häufig genaue Instruktionen, und päpstliche Interventionen in den einzelnen Ländern wurden immer häufiger. Dazu wurde die Stellung der Nuntien gegenüber den Bischöfen gestärkt. Auch die zunehmenden Pilgerfahrten nach Rom und Reformen in der Organisationsstruktur der Orden (z. B. bei den Benediktinern und Franziskanern) dienten zur Verstärkung der Bindungen von Klerus und Laien an denHeiligen Stuhl.

Unter Leo XIII. wurde dieWeltmission auf eine neue organisatorische Grundlage gestellt und ausgeweitet. Es gab gleichsam einen Globalisierungsschub bei den kirchlichen Strukturen: 48 Apostolische Vikariate und 248 Diözesen wurden neu errichtet.

Verhältnis zu anderen Staaten

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Karikatur vonWilhelm Scholz zur Beendigung desKulturkampfes. Papst und Reichskanzler fordern sich gegenseitig zumFußkuss auf, im HintergrundLudwig Windthorst.[7]

In der Auseinandersetzung mit dem italienischen Staat untersagte der Papst den Katholiken die parlamentarische Mitwirkung. Durch Zugeständnisse anOtto von Bismarck (gegen den Willen derZentrumspartei) beendete Leo XIII. denKulturkampf. Er forderte die französischen Katholiken zum Frieden mit der Republik auf, denn er wollte seine Kräfte auf die Auseinandersetzung mitItalien konzentrieren, was letztlich scheiterte.

Bei der Beilegung der Streitigkeiten mit der Schweiz und den lateinamerikanischen Staaten war er erfolgreicher. Er knüpfte engere Kontakte zu Russland und den Vereinigten Staaten, die Beziehungen zu England und Spanien verbesserten sich. Die Vermittlung imKonflikt um die Karolinen (1885), ein geschickter taktischer Zug Bismarcks, wertete zusätzlich die internationale Stellung des Papsttums auf. Das von ihm angestrebte Maß von politischer Mitsprache und Einflussnahme konnte er jedoch nicht erreichen. Auch die Teilnahme an der Haager Friedenskonferenz von 1899 kam nicht zustande.

In der am 16. Februar 1892 veröffentlichten EnzyklikaAu milieu des sollicitudes anerkannte Leo XIII. dieDritte Französische Republik und ließ den französischen Katholiken die Wahl, welche Regierungsform sie unterstützen. Er begründete dies unter anderem damit, dass für ihn unabhängig von politischen Systemen Religion allein soziale Bindungen schaffen könne, was zur Bewahrung des Friedens einer Nation reiche.[8]

Franziskanischer Dritter Orden

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Seit 1872 war Leo XIII. Mitglied imfranziskanischen Dritten Orden. Er förderte diese Gemeinschaft und approbierte 1883 deren neueStatuten durch dieapostolische KonstitutionMisericors Dei Filius, weil er im Dritten Orden ein Mittel zur Wiederverchristlichung der Menschen und zur Lösung der Sozialen Frage sah.[9]

Verhältnis zur Freimaurerei

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Am 20. April 1884 veröffentlichte Papst Leo XIII. dieEnzyklikaHumanum genus, der zufolge die Menschheit aus zwei gegnerischen Gruppen besteht; die eine kämpfe fürWahrheit undTugend, die andere für Lüge und Laster. Die eine entspreche demReich Gottes auf Erden, der KircheJesu Christi, die andere dem KönigreichSatans, das durch dieFreimaurerei geleitet oder gefördert werde. Spätere von ihm verfasste Schriften gegen die Freimaurerei warenDall’alto dell’Apostolico Seggio,Custodi di quella fede undInimica vis.

Stärkung der Katholischen Soziallehre

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Die berühmteEnzyklikaRerum Novarum (dt.Geist der Neuerung) 1891 begründete den Ruf Leos XIII. als „Arbeiterpapst“. Er prangerte die Ausbeutung der Arbeiter an und wies auf ihre Verelendung infolge derIndustrialisierung hin. Zudem beschrieb er deren negative Auswirkungen auf Wirtschaft und Staat und zeigte einen Weg zur Besserung der Verhältnisse auf. Gleichzeitig wandte er sich gegen denSozialismus als Ausweg aus der Misere und befürwortete das Privateigentum. Der Papst entwickelte mit dieser Enzyklika eine Lehre von der menschlichen Person und ihren Rechten, von der Ordnung der Wirtschaft, von derKoalitionsfreiheit der Arbeiter und der sozialen Verpflichtung des Staates. Arbeitsschutz sei eine staatliche Aufgabe, ebenso der gesetzliche Rahmen für die Arbeiterrechte. Seitdem kann man von einer lehramtlich fundiertenkirchlichen Soziallehre sprechen. Diese Enzyklika wird als die „Mutter allerSozialenzykliken“ betrachtet; die nachfolgenden Päpste bezogen sich darauf mit „Fortentwicklungsenzykliken“. LautAndré Habisch, Professor für Wirtschafts- und Sozialethik an derKatholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, ist die Enzyklika bis in die Gegenwart prägend für die deutsche Wirtschaftsordnung.[10]

Verhältnis zu anderen Kirchen (Ökumene)

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Sein Engagement für eine Beendigung derSchismen zu denOrthodoxen Kirchen und zu denAnglikanern hatte keinen Erfolg, da er von ihnen forderte, dass sie seinenPrimat anerkennen und die Anglikaner ihre Weiheriten für ungültig erklären sollten.

Leo XIII. forderte mit demApostolischen SchreibenOrientalium dignitas (1894) von den anderen Kirchen, dass sie sich in der Frage des Primates dem Papst unterwerfen sollten.

Die päpstliche BulleApostolicae curae (1896) erklärt dieWeihe von Diakonen, Bischöfen und Priestern in den Anglikanischen Kirchen (einschließlich derChurch of England) für ungültig. Gleichzeitig erkannte er die Weihen der orthodoxen und orientalischen Kirchen an.

Verhältnis zur Theologie und zur Wissenschaft

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Der Papst unterstützte die historische Forschung und öffnete 1881 das Vatikanische Archiv für Gelehrte aller Konfessionen. 1891 gründete er dievatikanische SternwarteSpecola Vaticana in der päpstlichen Sommerresidenz vonCastel Gandolfo, die einzigenaturwissenschaftliche Forschungseinrichtung des Vatikans. In der EnzyklikaProvidentissimus Deus (1893) ermutigte Papst Leo zum Bibelstudium und warnte gleichzeitig vorrationalistischen Interpretationen, die dieInspiration der Heiligen Schrift leugneten.

1897approbierte Leo XIII. außerdem die Gründung derCatholic University of America inWashington, D.C. Im apostolischen BriefTestem Benevolentiae (1899) verurteilte er dieHäresie desAmerikanismus, einer theologischen Reformbewegung in den Vereinigten Staaten von Amerika, da diese den Katholiken in denUSA eine Anpassung an dieZivilreligion der US-amerikanischen Kultur vermitteln wollte. Diese Reformbewegung war aus päpstlicher Sicht zu liberal, da sie die Bedeutung von Glaubensinhalten zugunsten praktischen Verhaltens vernachlässige.

Marienfrömmigkeit

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Im RundschreibenOctobri mense (1891) betonte Leo XIII. die Mittlerfunktion Marias und förderte insbesondere denRosenkranz, dem er sieben Enzykliken widmete. „Gnade und Wahrheit“ kämen „durch Jesus Christus“.(Joh 1,17 EU) Aber nur durch Maria würden „die Gnaden aus diesem Schatz“ uns verliehen. Niemand könne „zum Vater im Himmel kommen als durch den Sohn“. Er fuhr fort: „so ähnlich kann niemand zu Christus kommen als durch seine Mutter.“[11] Hauptmotiv der Marienfrömmigkeit sei, dass Gläubige sich an Maria wendeten, weil sie „Gottes Gerechtigkeit“ fürchteten, denn Maria als „die Mutter des allmächtigen Gottes“ sei „ganz gütig, nachsichtig und barmherzig“. Jeder Gläubige solle die „Marienverehrung zu seiner liebsten und teuersten Angelegenheit machen“, so Leo XIII. im RundbriefAugustissimae Virginis Mariae (1897).[12]

Mit der Marienverehrung Leos XIII. setzte sich der baptistische TheologeFranz Graf-Stuhlhofer auseinander und äußerte Bedenken gegen das Gottesbild: „Hier wird Gott als zwar streng, aber glücklicherweise von der ihm zur Seite stehenden Maria leicht beeinflussbar dargestellt.“ Außerdem erscheine Maria „als die eigentliche Mittlerin zwischen Gott und den Menschen“. Es entstehe der Eindruck, wir „sollen uns an Maria wenden, die unsere Anliegen an Gott weiterleitet.“[13]

Herz-Jesu-Verehrung

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Leos Grab inSan Giovanni in Laterano

Leo XIII. förderte die Verehrung desHerzens Jesu, dem er am 11. Juni 1899 die gesamte Menschheit weihte. Er erläuterte diese Weihe in seiner EnzyklikaAnnum sacrum (Heiliges Jahr, bezogen auf das bevorstehende Jahr 1900).

Tod, Organentnahme und Grab

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Leo XIII. wurden nach seinem Tode als bisher letztem Papst sämtliche Organe entnommen. Sein Nachfolger,Pius X. (1903–1914), wünschte dies ausdrücklich nicht. Seitdem ist diese Praxis nicht mehr gängig. Allerdings flammte die Diskussion 2005 wieder auf, alsPolen das Herz des verstorbenen PapstesJohannes Paul II. begehrte. Das Kardinalskollegium blieb bei der von Pius X. getroffenen Entscheidung und lehnte derartige Wünsche ab. Die Entnahme von Organen ist somit erst nach einerKanonisation möglich. Diese werden dann alsReliquien verehrt.

Leo XIII. wurde zunächst imPetersdom bestattet. Sein heutiges Grab liegt in der BasilikaSan Giovanni in Laterano.

Rezeption

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„Leo ist [...] derjenige Papst, der die katholische Kirche in die aus der industriellen Revolution hervorgegangene Welt hineingeführt und den Versuch unternommen hat, die unverkürzte Überlieferung mit dem modernen Geist zu versöhnen.“

Oskar Köhler[14]

Enzykliken und Apostolische Rundschreiben

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Leo XIII. (deutschsprachiges Sterbebildchen)

Die 86 leoninischen Enzykliken und weitere apostolische Schreiben im chronologischen Überblick:

Philip Alexius de László: Porträt von Papst Leo XIII. (1900)
Siehe auch:Enzyklika

Heilig- und Seligsprechungen, Kirchenlehrer

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Der Papst ist Nachfolger des ApostelsPetrus und Bischof vonRom. Hier ist Leo XIII. am Steuerruder der Kirche Gottes. Nach einem Gemälde des KunstmalersFriedrich Stummel in der Wallfahrtskirche vonKevelaer.[15]

Seligsprechungen

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Papst Leo XIII. hat folgende Personenseliggesprochen:

Heiligsprechungen

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Folgende Personen wurden von ihmheiliggesprochen:

Ernennungen zum Kirchenlehrer

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Wappen Leos XIII.

Cyrill von Alexandrien wurde 1882 von Papst Leo XIII. zumKirchenlehrer ernannt, 1890 folgteJohannes von Damaskus, den er außerdem zum Patron der Theologiestudenten des Ostens ausrief. Und 1893 erhob er auchCyrill von Jerusalem zum Kirchenlehrer.

Bonaventura wurde von Papst Leo XIII. als „Fürst aller Mystiker“ bezeichnet.

Wappen

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Das Wappen des Papstes ist das Stammwappen der Familie Pecci: In Blau eine schlanke grüne Zypresse, darüber ein silberner Querbalken; die Zypresse unter dem Balken begleitet von zwei silbernen Lilien, über dem Balken rechts (= optisch links) ein goldener Stern mit Schweif. Der Baum wächst in zeitgenössischen Wappenzeichnungen meist aus einem grünen oder auch erdfarbenen Schildfuß. Manche Darstellungen des Wappens sind von einem Schriftband mit dem Wahlspruch „Lumen de coelo“ (Licht vom Himmel) begleitet. Frühere Darstellungen des Familienwappens zeigen den Querbalken abweichend nicht über den gesamten Schild gelegt, sondern hinter dem Baum.[16]

Varia

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Papst Leo XIII. fürMariani-Wein

Leo XIII. verlieh demVin Mariani eineGoldmedaille und ließ sich alsTestimonial auf einem Werbebild für das Getränk abbilden. Damals wusste man noch nicht, dass das Getränk denEthylester des Benzoylecgonins enthält, der demMethylester des Benzoylecgonins (Kokain) strukturell sehr ähnlich ist.

Leo war der erste Papst, dessen Stimme aufgenommen wurde. Es liegt eine Tonaufnahme aus dem Jahr 1884 vor, auf der er, aus seiner EnzyklikaHumanum genus vorlesend, die Freimaurerei verdammt und verurteilt.[17][18] Außerdem existiert eine 45-sekündige Aufnahme, dieGiovanni Bettini mit einemPhonographen auf einer Wachsrolle aufzeichnete, in der der zu diesem Zeitpunkt 93-jährige Papst am 5. Februar 1903 – also fünf Monate vor seinem Tod – dasAve Maria betete. Man kann sie heute auf einer CD mit Gesängen des KastratenAlessandro Moreschi hören.[19]

Leo XIII. im Jahr 1896, Standbild aus dem Film „Sua Santità Papa Leone XIII“ von Vittorio Calcina[20]

Außerdem war er der erste Papst, der mit einer Kamera gefilmt wurde, vonWilliam Kennedy Laurie Dickson. Dickson hatte die dafür benutzte Kamera selbst erfunden, die nach der Aufnahme vom Papst gesegnet wurde. Die Aufnahme existiert noch.[21]

Mit 93 Jahren und 4 Monaten war Leo XIII. der an Lebensjahren älteste Papst zum Ende seinesPontifikats. Mit seiner Amtszeit von mehr als 25 Jahren gehört er zudem zu den am längsten regierenden Päpsten.[22] Sein unmittelbarer Vorgänger,Pius IX., war mit mehr als 31 Jahren noch länger im Amt. Später hatteJohannes Paul II. eine Amtszeit von mehr als 26 Jahren.

Im Jahre 1883 wurde auf seinen Erlass hin dasVatikanische Geheimarchiv öffentlich zugänglich gemacht. Zuvor konnten nur wenige die dort vorhandenen archivalischen Quellen nutzen.

Leo XIII. ließ ab 1887 dieCappella Pecci in der KircheSantissime Stimmate di San Francesco neu als Grablege für Familienmitglieder der Familie Pecci ausgestalten. Dort beerdigt sind seine Mutter und sein Bruder sowie später verstorbene Angehörige der Familie.

Stefan George verfasste ein Gedicht auf Leo XIII.[23] NachWolfgang Frommel ist dies das einzige bedeutende deutsche Gedicht auf einen Papst.[24]

Siehe auch

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Literatur

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in der Reihenfolge des Erscheinens

  • Anton de Waal:Unseres heiligen Vaters Papst Leo XIII. Leben. Russell’s, Münster 1881 (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Münster).
  • Klemens Löffler:Das Papsttum als moralische Weltmacht: Das Werden und Wesen Joachim Peccis. Das Pontifikat Leos XIII. In:Franz Xaver Seppelt, Klemens Löffler:Papstgeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart. Verlag Josef Kösel & Friedrich Pustet, München 1933, S. 449–475.
  • René Fülöp Miller:Leo XIII. und unsere Zeit. Macht der Kirche – Gewalten der Welt. Rascher, Zürich und Leipzig 1935.
  • Rudolf Lill:Die Wende im Kulturkampf. Leo XIII, Bismarck und die Zentrumspartei, 1878–1880. Niemeyer, Tübingen 1973,ISBN 3-484-80068-2.
  • Christoph Weber:Quellen und Studien zur Kurie und zur vatikanischen Politik unter Leo XIII. Mit Berücksichtigung der Beziehungen des Hl. Stuhles zu den Dreibundmächten bis 1893. Niemeyer, Tübingen 1973,ISBN 3-484-80065-8.
  • Oskar Köhler:Der Weltplan Leos XIII.: Ziele und Methoden. In:Roger Aubert,Jakob Baumgartner, Oskar Köhler und andere:Die Kirche der Gegenwart. Zweiter Halbband:Die Kirche zwischen Anpassung und Widerstand (1878 bis 1914) (=Handbuch der Kirchengeschichte, Band VI/2). Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 1973, Sonderausgabe 1999,ISBN 3-451-27100-1, S. 3–27. [Das Konklave; Die Laufbahn Joachim Peccis; Der Pontifikat]
  • Iosif R. Grigulevic:Die Päpste des XX. Jahrhunderts. Von Leo XIII. bis Johannes-Paul II. Urania, Leipzig 1984.
  • Ekkart SauserLeo XIII, Papst. In:Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 4, Bautz, Herzberg 1992,ISBN 3-88309-038-7, Sp. 1451–1463 (Artikel/Artikelanfang im Internet-Archive).
  • Ronald J. Ross:The Failure of Bismarck’s Kulturkampf: Catholicism and State Power in Imperial Germany, 1871–1887. Catholic University of America, Washington (D.C.) 1997,ISBN 0-8132-0894-7.
  • Georg Schwaiger:Papsttum und Päpste im 20. Jahrhundert. Von Leo XIII. zu Johannes Paul II. C. H. Beck, München 1999,ISBN 978-3-406-44892-8. Hier:Zwischen Anpassung und Widerstand. Leo XIII. (1878–1903). S. 45–104.
  • Jacques Gadille:Die Päpste und die antiklerikale Krise. Leo XIII. In: Jacques Gadille, Jean-Marie Meyeur,Martin Greschat (Hrsg.):Liberalismus, Industrialisierung, Expansion Europas (1830–1914) (= Die Geschichte des Christentums. Religion, Politik, Kultur. Band 11). Herder, Freiburg im Breisgau 1997, Sonderausgabe 2010,ISBN 978-3-451-22261-0, S. 459–468.
  • Jörg Ernesti:Leo XIII. – Papst und Staatsmann. Herder, Freiburg 2019,ISBN 978-3-451-38460-8.
  • Francesco Marchesi:Papst Leo XIII.: Wegbereiter der Katholischen Soziallehre. Die philosophischen, sozialen und politischen Reformen eines einzigartigen Papstes. Tredition, Ahrensburg 2024,ISBN 978-3-384-40342-1.

Weblinks

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Commons: Leo XIII. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Leo XIII. – Quellen und Volltexte
Wikisource: Leo XIII – Quellen und Volltexte (Latein)

Einzelnachweise

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  1. Münchner neueste Nachrichten vom 22. Juli 1903 zum Tod von Leo XIII., abgerufen am 9. Mai 2025.
  2. Alexander Brüggemann (KNA): Benedikt XVI. ist jetzt wohl der älteste (Ex-)Papst der Geschichte. In: katholisch.de. 2. September 2020, abgerufen am 21. September 2021. 
  3. Ferdinando Procaccini di Montescaglioso:La Pontificia Accademia dei nobili ecclesiastici. Memoria storica. Befani, Rom 1889, S. 50.
  4. Papst Leo vor Gericht. In:Berliner Tageblatt, 7. November 1902.
  5. Kawaczynski, Max von. In:Hans Vollmer (Hrsg.):Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet vonUlrich Thieme undFelix Becker.Band 20:Kaufmann–Knilling. E. A. Seemann, Leipzig 1927,S. 38 (Textarchiv – Internet Archive). 
  6. 33 mm großer Durchmesser der Medaille mit Original-Henkel; SammlungBenutzer:Schudi 45.
  7. Kladderadatsch Nr. 14/15, 18. März 1878.
  8. Text der EnzyklikaAu milieu des sollicitudes auf der Website des Vatikans (französisch).
  9. Gisela Fleckenstein:Die Franziskaner im Rheinland 1875–1918 (=Franziskanische Forschungen, Heft 38). Dietrich-Coelde-Verlag, Werl 1992, S. 184.
  10. Gerda Frey, Anja Zwittlinger-Fritz:Geld und Religion. Der Arbeiterpapst Leo XIII.Focus undFocus online, 16. September 2012.
  11. Vgl.Rudolf Graber (Hrsg.):Die marianischen Weltrundschreiben der Päpste in den letzten hundert Jahren. Würzburg, 2. Aufl. 1954, S. 48; die weiteren Zitate auf S. 49 f.
  12. Zitiert nach Graber:Die marianischen Weltrundschreiben, 1954, S. 112.
  13. Franz Graf-Stuhlhofer:Zu Heiligen beten? Heiligenverehrung gemäß der Bibel, bei Kirchenvätern sowie in heutiger kirchlicher Praxis und Lehre. Folgen Verlag, Langerwehe 2014 (E-Book; 1. gedruckte Auflage Asslar 1988), Kap. „Zu Maria beten?“
  14. Oskar Köhler,Leo XIII., in:Herder Lexikon: Päpste und Papsttum, Herder Verlag, Freiburg, 2010, S. 122
  15. Die katholischen Missionen. Freiburg im Breisgau, September 1903.
  16. vgl. Weinand:Leo XIII, seine Zeit, sein Pontificat, und seine Erfolge. 1886, S. 210 (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
  17. Schätze im Tonarchiv von Radio Vatikan – So klingt Papst. In:Spiegel Online, 5. Januar 2015, abgerufen am 31. Dezember 2025.
  18. Tonarchiv Radio Vatikan: Papst Leo XIII. verurteilt die Freimaurer. In:Spiegel Online, 5. Januar 2015, abgerufen am 31. Dezember 2025.
  19. Alessandro Moreschi. The Last Castrato. Complete Vatican Recordings. OPAL CD 9823, 1984; 1987.
  20. Papa Leone XIII filmato Fratelli Lumière. Archivio storico della Presidenza della Repubblica, 26. Februar 1896, abgerufen am 5. Juni 2023 (italienisch). 
  21. Levan Ramishvili: Pope Leo XIII, January 4, 1896 – First Time a Pope Appeared on Film aufYouTube, 6. Juli 2020, abgerufen am 24. Februar 2024 (Laufzeit: 1:55 min).
  22. Die Amtszeit vonSimon Petrus lässt sich historisch nicht sicher bemessen.
  23. Stefan George:Leo XIII. In:Der Siebente Ring. Berlin 1907 (Volltext auf Wikisource).
  24. Wolfgang Frommel:Templer und Rosenkreuz. 1943.
VorgängerAmtNachfolger
Pius IX.Papst
1878–1903
Pius X.
Personendaten
NAMELeo XIII.
ALTERNATIVNAMENPecci, Vincenzo Gioacchino (Geburtsname)
KURZBESCHREIBUNGitalienischer Geistlicher, 256. Papst, Bischof von Rom
GEBURTSDATUM2. März 1810
GEBURTSORTCarpineto Romano,Département Rome
STERBEDATUM20. Juli 1903
STERBEORTRom
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