Das 1612 erbaute ehemalige Wohnhaus des städtischen Zimmer- und Baumeisters am Kort Galgewater. Es ist für Besucher geöffnet.
Leiden (anhörenⓘ/?) (früher auchLeyden,lateinischLugdunum Batavorum) ist eineUniversitätsstadt und Gemeinde in derniederländischenProvinz Südholland. Mit 130.613 Einwohnern (Stand 1. Januar 2025) ist Leiden gemessen an der Einwohnerzahl nachRotterdam,Den Haag undZoetermeer die viertgrößte Stadt der Provinz Südholland. Zusammen mit den UmlandgemeindenLeiderdorp,Oegstgeest,Katwijk,Voorschoten undZoeterwoude zählt Leiden mehr als 254.000 Einwohner. Damit ist Leiden in Südholland nach Rotterdam und Den Haag die drittgrößte Agglomeration. Leiden hat die ältesteUniversität der Niederlande. Daneben ist die Stadt bekannt durch ihre Altstadt und dieGrachten. Der KünstlerRembrandt wurde in der Stadt geboren.
Leiden liegt im Norden der niederländischenProvinz Südholland, ungefähr 45 km südwestlich von Amsterdam und ungefähr 18 km nordöstlich vonDen Haag.Durch Leiden fließt derOude Rijn. Im Bereich der Innenstadt spaltet sich derNieuwe Rijn ab, welcher aber im Westen der Innenstadt wieder mit dem Oude Rijn zusammenfließt. Auch derRijn-Schiekanal und dieZijl spalten sich in Leiden in Richtung Norden und Süden ab.Im Uhrzeigersinn, im Norden beginnend, grenzt Leiden anTeylingen,Leiderdorp,Zoeterwoude,Leidschendam-Voorburg,Voorschoten,Wassenaar,Katwijk undOegstgeest.
Obwohl Leiden sich bis in die frühe Neuzeit des lateinischen NamensLugdunum Batavorum bediente, ist es nicht identisch mit der gleichnamigen römischen Siedlung, die näher beiKatwijk als bei Leiden lag. Im Gebiet des Leidener Wohnbezirks Roomburg stand aber zwischen 47 n. Chr. und spätestens 275 n. Chr. das römische KastellMatilo. Auch die dort vomOude Rijn nach Südwesten zurMaas hin abzweigendeFossa Corbulonis, ein in derselben Zeit künstlich angelegter Wasserweg, zeugt von der massiven Präsenz der Römer auf dem heutigen Leidener Stadtgebiet.
Um die Jahrtausendwende wurde auf einerMotte am Zusammenfluss zweier Rheinarme, des Oude Rijn und des Nieuwe Rijn, eine Burg (niederländisch:Burcht) errichtet.[3] Auf dem gegenüberliegenden südlichen Ufer des Rijn entstand im frühen 11. Jahrhundert eine Siedlung, aus der sich das heutige Leiden entwickelte. Der holländische GrafFloris V. verlieh Leiden 1266 dasStadtrecht. Der Wollhandel mit England undFlandern brachte Leiden im 13. und 14. Jahrhundert Wohlstand und Blüte. Das 15. Jahrhundert war, wegen der Wirren desHaken-und-Kabeljau-Kriegs, eines Bürgerkriegs, eine Epoche von Wirtschaftskrisen.
ImAchtzigjährigen Krieg schloss sich Leiden dem Aufstand gegen die Spanier an. Nach einer seit dem 25. Mai 1574 währendenBelagerung gelang es denGeusen, unter anderem durchFluten der umliegendenPolder, am 3. Oktober 1574 die Stadt zu befreien. Die Legende will, dass nach der Vertreibung der spanischen Belagerer in deren Lager eine Pfanne mit Möhren-Eintopf(hutspot) gefunden wurde. Damit konnte die ausgehungerte Stadtbevölkerung erstmals wieder eine ordentliche Mahlzeit haben. Darum wird dieses Gericht jedes Jahr bei den Feiern vonLeidens ontzet am 3. Oktober in allen Restaurants serviert. Als Dank für den von den Leidenern gezeigten Mut bekam die Stadt kurz darauf, kraft Beschluss der Regierung unter der FührungWilhelms von Oranien, die ersteUniversität derRepublik der Niederlande.
Danach flohen viele Protestanten aus Antwerpen, Brüssel und anderen von den Spaniern eroberten Gebieten nach Leiden, so dass die Stadt zwischen 1575 und 1650 mehrmals ihre Stadtmauern erweitern musste. In dieser Epoche erlebte Leiden eine große kulturelle und wissenschaftliche Entwicklung: Maler wie Rembrandt und seine Schüler und Wissenschaftler wieAntoni van Leeuwenhoek, der Entdecker derBakterien, lebten und wirkten in Leiden.
Etwa ab 1700 trat jedoch wieder ein Niedergang ein. Bis heute ist jedoch dieUniversität Leiden, an der auch die zur Königswürde bestimmten Mitglieder des niederländischen Königshauses studieren, eine Hochburg der Wissenschaft in den Niederlanden geblieben. So entdeckte der Physiker Pieter van Musschenbroek 1746 in Leiden das Prinzip derLeidener Flasche, als er bei Laborversuchen mit entsprechenden Anordnungen von Gläsern und Metallteilen elektrische Stromschläge erhielt.
Von etwa 1795 bis 1813 war Leiden von französischen Truppen besetzt („Franzosenzeit“). Am 12. Januar 1807 explodierte mitten in der Stadt ein mit 17.400 Kilogramm Schießpulver beladenes Schiff. 151 Personen starben, über 2000 wurden verletzt und etwa 220 Häuser zerstört.[4]
„Die Befreiung von Leiden“ (1574), links: Prinz Wilhelm I. von Oranien, rechts: der Bürgermeister von Leiden Van der Werff
Die einst wichtige Textilindustrie ist mittlerweile nicht mehr von Bedeutung. Leiden hatte aber auch andere Industrien, zum Beispiel die Herstellung von Feuerzeugen sowie Stahlverarbeitung. Heute hat der tertiäre Sektor (Dienstleistungssektor) aber einen großen Marktanteil. In Leiden sind u. a.Achmea, ein Versicherungsunternehmen, und viele Schulungsinstitute ansässig. Größter Arbeitgeber der Region Leiden ist das Krankenhaus, das imBio Science Park Leiden angesiedelt ist, wo sich auch mehrere Betriebe derpharmazeutischen undbiotechnologischen Industrie angesiedelt haben.
Die Janssen-Cilag International NV, die zur Unternehmensgruppe des US Konzerns Johnson & Johnson gehört, entwickelte während der Coronapandemie in Leiden den vierten von der EU-Arzneimittel-Agentur EMA zugelassenen ImpfstoffCOVID-19 Vaccine Janssen®.[8]
Ansässige Druckerei- und Verlagsunternehmen wieElsevier[9] undBrill[10] sind schon seit Jahrhunderten bekannt für Drucke lateinischer, asiatischer und arabischer Werke und gelten weltweit mit als bedeutendste Herausgeber wissenschaftlicher Publikationen.
Über zwei Autobahnen ist die Stadt mit dem Fernstraßennetz verbunden: Östlich der Stadt verläuft dieA 4 und westlich dieA 44. Geplant sind zwei Verbindungswege zwischen der A 4 und der A 44. Der internationale AmsterdamerFlughafen Schiphol liegt etwa 30 km nordöstlich der Stadt und ist mit der Bahn direkt zu erreichen.
Vor allem in derInnenstadt ist Wasser ein wichtiger Bestandteil des Straßenbildes. Neben den FlüssenOude undNieuwe Rijn hat die Stadt verschiedene Grachten undSingels. Die bekannteste Gracht heißtder Rapenburg. Außerhalb des Zentrums verbinden neben Oude und Nieuwe Rijn Flüsse, Kanäle, derZijl, derHaarlemmertrekvaart und derTrekvliet die Stadt und die Erholungsgebiete außerhalb der Stadt mit Wasser.
An der Südostseite der Stadt liegt der 'Polderpark Cronesteyn' auf dem Gelände der vormaligen Burg Cronesteyn. Dieser Park besteht aus unterschiedlichen Kulturlandschaften und hat einen Reiherwald. Außerdem gibt es ein Besucherzentrum und einen Campingplatz. Dieser Park bildet die Verbindung der Stadt mit demGroene Hart.
Zwei Hochschulen haben ihren Hauptsitz in Leiden. DieUniversität Leiden wurde 1575 gegründet und ist damit die ältesteUniversität derNiederlande. Dazu gibt es viele Einrichtungen und Betriebe, die mit dieser Universität in Verbindung stehen u. a. dieUniversitätsbibliothek Leiden, dieSternwarte Leiden und das UniversitätsklinikumLeids Universitair Medisch Centrum. Die Universität hat sieben Fakultäten und mehr als 30.000 Studenten. Das Kernstück der Universität liegt im Akademiegebäude. Die Universität Leiden hat außerdem auch einen eigenen Botanischen Garten, ein Observatorium und eine eigene Universitätsbibliothek. DieHogeschool Leiden ist eine Fachhochschule mit ungefähr 6000 Studenten und steht imLeiden Bio Science Park. In diesem Bio Science Park befinden sich auch Abteilungen von biotechnologische Betriebe. Seit 1983 hat auch die US-amerikanischeWebster University eine Abteilung in Leiden.
Auch für Berufsausbildungen gibt es in Leiden verschiedene Institutionen. DasROC Leiden, mit mehr als 10.000 Schülern, dasROC Mondriaan und dasID College. DieLeidse Instrumentmakersschool ist eine bekannte Schule fürFeinmechanik. In Leiden gibt es auch eineVolksuniversität.
Übersicht der Oberschulen in Leiden:
Da Vinci College (3 Abteilungen) (off)
Bonaventura College (3 Abteilungen) (römisch-katholisch)
Vlietland College
Marecollege
Visser ’t Hooft Lyceum
Leonardo College
Stedelijk Gymnasium Leiden (2 Abteilungen) (off) nur Gymnasium
das städtischeMuseum De Lakenhal (= „das Gewandhaus“), unter anderem mit moderner Kunst und einer interessanten Sammlung von Gemälden aus der Periode 1600–1900;
dasMuseum Boerhaave mit einer naturhistorischen und medizingeschichtlichen Sammlung;
das Museum für NaturgeschichteNaturalis mit einer bedeutenden Sammlung ausgestorbener Tierarten;
der schon über 400 Jahre existierendeBotanische Garten(Hortus Botanicus) mit Gewächshäusern und vielen seltenen Pflanzen; in ihm blühten 1594 die erstenTulpen auf holländischem Boden, dieCarolus Clusius, Botaniker an der Universität Leiden, gepflanzt hatte;
das 2005 eröffnete, derjapanischen Kultur und dem Einfluss der westeuropäischen Wissenschaftler darauf gewidmeteSiebold-Haus am Rapenburg; es ist in einem zeitlebens von dem deutschen Arzt und NaturwissenschaftlerPhilipp Franz von Siebold gemieteten Grachtenhaus beheimatet.
Kanal mit PatrizierhäusernBlick von Brücke zur Reederei und MühleDieHooglandse KerkMorspoortZijlpoortBachmanns GedichtWahrlich auf einer Häuserfront in LeidenMühle: molen De Valk
DiePieterskerk („St. Petrikirche“), Baubeginn 1121, stammt größtenteils aus dem 16. Jahrhundert. In dieser Kirche befinden sich viele Grabmale berühmter Niederländer.St. Petrus ist derSchutzpatron Leidens, daher die Schlüssel im Stadtwappen (der Heilige Petrus verfügt über die Schlüssel der Himmelspforte). Zu besonderen Anlässen wie z. B. Ehrenpromotionen oder Jubiläen wird die Pieterskerk von der Universität als Aula genutzt. – Eine weitere gotische Kirche ist dieHooglandse Kerk, die mit ihrer Größe hoch über die sie umgebenden Häuser im Stadtzentrum hinausragt.
Das Hauptgebäude der Universität liegt an einer der bekanntestenGrachten in ganz Holland, derRapenburg, und war ursprünglich eine Klosterkirche.
Meisterwerke derRenaissancearchitektur sind dasRathaus (Stadhuis, Raadhuis), an dessen Gestaltung der Bremer BaumeisterLüder von Bentheim beteiligt war, und dasRijnhuis der frühneuzeitlichen Wasser- und Schifffahrtsverwaltung.
Das 1612 erbaute ehemalige Wohnhaus des städtischen Zimmer- und Baumeisters, mit markantem Treppengiebel, und der Innenhof des "Stadstimmerwerf" (ehemaliger städtischer Bauhof) am Kort Galgewater sind für Besucher geöffnet.
In der ganzen Stadt verteilt gibt es vielehofjes. Das sind Gruppen kleiner, oft ihrer Einfachheit wegen sehr beliebter Häuser, meist um einen Hof mit Brunnen oder Kräutergarten, die zwischen 1600 und 1900 von reichen Leuten gestiftet wurden. Gedacht als private Alters-, Witwen- oder Armenfürsorge-Einrichtungen (vergleiche dieFuggerei inAugsburg), werden diese Häuschen jetzt oft von Studenten oder Krankenschwestern bewohnt. Diesehofjes stehen alle unter Denkmalschutz (Rijksmonument).
DieBurcht ist ein künstlich aufgeworfener Fluchthügel aus dem 11. oder 12. Jahrhundert, der im 17. Jahrhundert befestigt und ummauert wurde. Er bietet einen guten Überblick über die Innenstadt. Im Sommer finden hier einige Veranstaltungen wie z. B. Theateraufführungen statt.
Eine Besonderheit Leidens sind dieMuurgedichten (Mauergedichte), die auf Häuserwänden im Straßenraum der Innenstadt zu sehen sind. Die 101 Texte von bekannten und unbekannten Dichtern aus aller Welt sind Ergebnis eines Projekts, das 1992 mit einem Gedicht vonMarina Iwanowna Zwetajewa begonnen hatte und 2011 mit dem GedichtRegen, meer en wind vonDanila Stoyanova beendet wurde. Die Gedichte sind in unterschiedlicher Gestaltung in der Originalsprache und -schrift auf die Wände der Häuser gemalt.
Zudem besitzt Leiden verschiedeneWindmühlen. Eine der letzten erhaltenen ist die Molen De Valk,[11] die in ein Museum umfunktioniert wurde und die Geschichte der Mühlen in Leiden zeigt.