Lehrmeinung
AlsLehrmeinung wird das bezeichnet, was als aktueller Stand einerWissenschaft, einerReligion oder einerWeltanschauung angesehen wird. Eine grundlegende und als nicht verhandelbar angesehene Lehrmeinung nennt man hingegenDogma.
Wissenschaft allgemein
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]In den Wissenschaften wird die aktuelle Lehrmeinung alsStand der Wissenschaft oderStand der Forschung bezeichnet oder mit einemlateinischen Fremdwort alscommunis opinio (‚gemeinsame Meinung‘, ‚allgemeine Meinung‘). Sie bildet sich in einerwissenschaftlichen Disziplin in der Regel durchDiskurs und weitgehendenKonsens innerhalb derWissenschaftsgemeinde heraus („vorherrschende Meinung“ oder „herrschende Auffassung [der Gelehrten]“), wird aber auch durchAutorität undwissenschaftliche Schulen geprägt. Sie stellt stets eine Momentaufnahme des wissenschaftlichen Diskurses dar.
Es liegt im Wesen der Wissenschaft, dass diecommunis opinio nicht unveränderlich ist. Dies unterscheidet sie vom Dogma. Der Stand der Wissenschaft ändert sich nachPopper durchFalsifikation vorhandener Annahmen (Aussagen,Thesen,Hypothesen,Theorien) oderMethoden, die durch solche ersetzt werden, die sich besser bewähren. Dagegen findet nachKuhn eine Änderung durch einewissenschaftliche Revolution statt, wenn ein neuesParadigma gefunden wird, das Forschungsprobleme besser löst als das alte.
Die gegenwärtige Lehrmeinung kann durchaus hinter einen bereits zu einem früheren Zeitpunkt erreichten Wissensstand zurückfallen – insbesondere dann, wenn von außenideologischer Druck auf dieWissenschaft(ler) ausgeübt wird. Beispiele hierfür sind die sogenannteDeutsche Physik imNationalsozialismus oder derLyssenkoismus in derSowjetunion.
Rechtlich wird die jeweilige aktuelle wissenschaftliche Lehrmeinung als „Stand der Wissenschaft“ bezeichnet.
Theologie
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]In derkatholischen Theologie ist eine Lehrmeinung die nähereInterpretation einesDogmas durch einen einzelnen kirchlichen Lehrer oder eine theologische Schulrichtung, die nicht glaubensverbindlich ist und gleichberechtigt neben anderen steht. Wenn eine Lehrmeinung eine unzulässige Deutung eines Dogmas zu beinhalten scheint, kann sie vom kirchlichenLehramt geprüft und ggfs. zurückgewiesen werden. Dies ist jedoch im Verhältnis zur Fülle der Lehrmeinungen verschwindend selten der Fall.
Rechtswissenschaft
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]In derRechtswissenschaft wird der Begriff derherrschenden Lehre (h.L.) insbesondere als Gegenbegriff in Abgrenzung zur abweichenden Ansicht derRechtsprechung verwendet (vgl.ständige Rechtsprechung). Sind herrschende Lehre und Rechtsprechung der gleichen Ansicht, so spricht man vonherrschender Meinung (h. M.).