Zum Kreisgebiet gehören neben den Gemeinden auf dem Festland auch die beiden vorgelagertenostfriesischen InselnLangeoog undSpiekeroog. Ein Großteil des Festlandes umfasst den historischen LandstrichHarlingerland.
Von der Gesamtfläche sind nach der Katasterfläche (Stand 1. Januar 2007) 50.368 Hektar Landwirtschaftsflächen, 3889 Hektar Gebäude- und Freiflächen und fast ebenso viele Waldflächen (3880 Hektar). Die restlichen Flächen bilden Flächen anderer Nutzung (3089 Hektar), Verkehrsflächen (2512 Hektar), Wasserflächen (1525 Hektar), Erholungsflächen (228 Hektar) und Betriebsflächen (175 Hektar).
Der Landkreis Wittmund zählt laut dem Klimarisikoindex desInstituts der deutschen Wirtschaft und der VersicherungErgo aus dem Jahr 2026 zu den in Deutschland vomKlimawandel besonders betroffenen Gebieten. Als wesentliche Risiken werden Stürme, Starkregen, Überschwemmungen und Sturmfluten genannt.[2][3]
Der Kreis Wittmund entstand 1885 aus den altenhannoverschen ÄmternWittmund undEsens sowie der Stadt Esens.[4] Kreissitz wurde Wittmund.
Am 1. April 1919 schied die StadtWilhelmshaven, bis dahin eine durchOldenburger Gebiet abgetrennteExklave des Kreises Wittmund, aus dem Kreis aus und bildete einen eigenenStadtkreis. Im Zuge derMoorkolonisierung in Ostfriesland wurden im Kreis Wittmund am 1. Juni 1922 die beiden neuen GemeindenMullberg undWiesmoor gebildet. Am 1. April 1951 wurden Mullberg und Wiesmoor Teil der vergrößerten Gemeinde Wiesmoor, die dem Landkreis Aurich zugeordnet wurde.
Insgesamt wurde durch die Gebietsreform die Zahl der Gemeinden des Kreises von noch 63 im Jahre 1967 auf die heutigen 19 verringert.[5]
Im Zuge der 1977 durchgeführten Kreisreform in Niedersachsen wurde der Landkreis Wittmund vorübergehend aufgelöst und mit den GemeindenJever, Sande,Schortens,Wangerland,Wangerooge des Landkreises Friesland zu einem neuen Landkreis Friesland zusammengeschlossen, dessen Kreisstadt Wittmund wurde. Nach einer Verfassungsbeschwerde erklärte derNiedersächsische Staatsgerichtshof in Bückeburg die Kreisreform im Raum Friesland für verfassungswidrig. Daraufhin stellte derNiedersächsische Landtag zum 1. Januar 1980 die LandkreiseAmmerland, Friesland und Wittmund in ihrer ursprünglichen Form vom 31. Juli 1977 wieder her.
Der Landkreis Wittmund verzeichnet seit den 1990er Jahren im Landesvergleich ein überdurchschnittliches Bevölkerungswachstum.[11] So stieg die Zahl der Einwohner zwischen 1996 und 2006 um rund 2200. Diese Zahl ergab sich aus einem Wanderungsüberschuss von 2278 Personen bei einem Geburtsdefizit von minus 77. Der Anteil der unter 20-Jährigen an der Einwohnerzahl liegt bei 22,5 Prozent, das ist etwas mehr als der Durchschnitt Westdeutschlands von 20,7 %. Der Anteil der über 65-Jährigen lag leicht höher: 20 % gegenüber 19,5 %.
DemKreistag des Landkreises Wittmund gehören 42 gewählteAbgeordnete und derLandrat an. Dies ist die festgelegte Anzahl für einen Landkreis mit einer Einwohnerzahl 100.000 Einwohnern.[12] Die Abgeordneten werden durch eineKommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit beginnt am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.
Die letzte Kommunalwahl vom 12. September 2021 ergab das nachstehende Ergebnis(mit den Ergebnissen der vorherigen Wahlen):
Die SPD schloss für die Wahlperiode 2016 bis 2021 ein Bündnis mit den Grünen, BFB, Linken und EBI. Die neue Gruppe mit dem NamenRot-Grün-Plus kommt im Kreistag auf 23 von 42 Sitzen und hat so eine Mehrheit im Kreistag.[17] Damit kündigte die SPD ihre seit 2006 andauernde Zusammenarbeit mit der CDU und FDP auf.[18]
Landrat ist seit 2016Holger Heymann. 2021 wurde er mit 81,90 Prozent der abgegebenen Stimmen wiedergewählt.[19] Der Landrat vertritt den Landkreis auf politischer Ebene und ist gleichzeitig Chef der Kreisverwaltung.
Der SPD-Landtagsabgeordnete Holger Heymann wurde am 11. September 2016 erstmals zum Landrat gewählt. Er lösteMatthias Köring ab, der in die Privatwirtschaft gewechselt war. Köring war zuvorErster Kreisrat und damit der erste Stellvertreter seines VorgängersHenning Schultz, der aus Altersgründen sein Amt abgegeben hatte. Schultz war seit 1998 der erste hauptamtliche gewählte Landrat gewesen. Während Schultz der CDU angehörte, wurde Köring im Wahlkampf von einem breiten Bündnis aus CDU, SPD und FDP getragen. Zwischen 1964 und 1977 sowie ab 1980 warHermann Creutzenberg (CDU) Landrat.
Auf dem Wappen ist eine goldene Kogge mit drei Segeln. Auf den Segeln befinden sich die Abbildungen eines schwarzen Bären (Esens), gekreuzte Peitschen (Harlingerland) und ein Doppelkopfadler (Friedeburg). Es wurde 1951 an den Kreis verliehen.
Die Wirtschaft ist geprägt durch die Landwirtschaft und den Tourismus sowie eine Vielzahl mittelständischer und Familienunternehmen. Der Landkreis gilt als strukturschwach. ImZukunftsatlas 2016 belegte der Landkreis Wittmund Platz 284 von 402 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „ausgeglichenem Chancen-Risiko Mix“ für die Zukunft.[24]
Nach einer Erhebung des regionalen Wirtschaftsportals Regis-Online gab es per Ende März 2007 im Landkreis knapp 11.600 Beschäftigte.[25] Überdurchschnittlich stark ist in dem Küstenlandkreis der Handel, das Gastgewerbe und der Verkehrssektor vertreten: Hier arbeiten 32,1 Prozent der Beschäftigten (Bundesdurchschnitt: 23,6 %). Stärker als im Bundesdurchschnitt sind zudem das Baugewerbe (11,4 %/Bund: 5,4 %) sowie die Landwirtschaft (2,2 %/Bund: 0,9 %). Der Dienstleistungssektor ist leicht unterdurchschnittlich ausgeprägt, der Sektor des verarbeitenden Gewerbes hingegen deutlich unterdurchschnittlich. Hier dürften sich die allgemein periphere Lage, aber auch die Abgeschiedenheit von den Hauptverkehrswegen der Region niederschlagen. Größter industrieller Arbeitgeber im Landkreis ist ein Werk des FensterherstellersRehau in der Kreisstadt mit etwa 500 Beschäftigten. Ansonsten ist die südlichste Gemeinde des Landkreises, Friedeburg, noch am stärksten industrialisiert. In 17 Industriebetrieben arbeiteten 2006 rund 1350 Personen. Ein großer öffentlicher Arbeitgeber ist dasRichthofengeschwader derLuftwaffe in Wittmund, ein weiterer das in der Trägerschaft des Landkreises stehendeKrankenhaus Wittmund. Viele Pendler aus dem Landkreis Wittmund arbeiten in Wilhelmshaven, teils auch in Aurich undEmden bei den dortigen größeren Betrieben. Der Landkreis verzeichnete zum Stichtag 30. Juni 2006 insgesamt 6748 Einpendler und 10.074 Auspendler, was einen Auspendlerüberschuss von 3326 Beschäftigten ergibt.[26]
Die Arbeitslosenquote betrug im August 2010 6,2 Prozent.[27] Sie lag damit über dem Bundesdurchschnitt. Die höchsten Arbeitslosenzahlen ergeben sich in der März-Statistik, wenn der Fremdenverkehr noch nicht angelaufen ist und im Bausektor oftmals Winterarbeitslosigkeit herrscht.
Die Gewerbesteuereinnahmen sind in der Gemeinde Friedeburg mit Abstand die höchsten im Landkreis, reichen jedoch nicht an den niedersächsischen Durchschnitt heran.
Im Landkreis gibt es keine Autobahn. Die nächstgelegenen Anschlussmöglichkeiten an das deutsche Autobahnnetz gibt es an derBundesautobahnA 29, und zwar an den Anschlussstellen Wilhelmshavener Kreuz,Sande oderVarel/Obenstrohe. In Richtung Westen (nach Leer und weiter in Richtung Emsland oder Niederlande) sind die nächstgelegenen Autobahnauffahrten die AnschlussstellenRemels undFilsum an derA 28.
VierBundesstraßen sind im Kreisgebiet vorhanden. Überörtlich die wichtigste ist dieB 210, die von Emden über Aurich und Wittmund nach Jever und Wilhelmshaven führt. Daneben sichert dieB 436 von Leer nach Sande die Anbindung des südlichen Kreisgebietes, vor allem der Gemeinde Friedeburg, an das Autobahnnetz. DieB 437 beginnt im Friedeburger Ortsteil Strudden an derB 436 und führt über die A 29 bei Varel und denWesertunnel zurA 27 südlich vonBremerhaven.
Eine bundesweite Besonderheit ist dieB 461: Sie führt lediglich durch eine Kommune, nämlich die Kreisstadt Wittmund. Als Abzweig von der B 210 führt sie in nördlicher Richtung bis zum KüstenstadtteilCarolinensiel.
An vielen Bundes-, Landes-, Kreis- und Gemeindestraßen gibt es separat geführte Radwege, die nicht zuletzt im Zuge derFahrradtourismusförderung angelegt wurden.
DieNordWestBahn betreibt die Schienenverbindungen im Landkreis Wittmund. Im Kreisgebiet gibt es drei Bahnhöfe: in Wittmund, Esens und Burhafe. Die Verbindungen führen vonEsens über Burhafe undWittmund und weiter überJever nachWilhelmshaven beziehungsweise nachOldenburg.
Die erste Eisenbahnstrecke im Kreis Wittmund wurde 1883 von derPreußischen Staatsbahn von Emden über Norden nach Esens – Wittmund geführt; sie schloss weiter östlich an der Kreisgrenze an dieOldenburgische Staatsbahn an.
Der weiteren Erschließung der Gegend – vor allem von der Bezirkshauptstadt Aurich her – diente dieKreisbahn Leer-Aurich-Wittmund, an der auch der Kreis Wittmund beteiligt war. In Ogenbargen teilte sich die Stammstrecke: der eine Zweig führte ab 1899 nach Wittmund, der andere ab 1909 nach Esens und weiter zum Hafen Bensersiel, wo die Schiffe nach der Insel Langeoog abgehen.
Auf dem Festland umfasste das Schienennetz 51 km, von denen inzwischen 33 km stillliegen:
1950/53: Aurich – Wittmundhaven – Wittmund Klb. 11 km (Meterspur) und
Ogenbargen – Brill – Esens 9 km (Meterspur)
1967: Esens – Bensersiel 5 km (Meterspur)
1983: Norden – Dornum – Fulkum – Esens 8 km
Auf den beiden zum Kreis Wittmund gehörenden Inseln entstanden Inselbahnen, die den Hafen mit dem Inseldorf verbanden:
1885 durch die Bad und Reederei Spiekeroog Gen. mbH und
1901 durch die Langeooger Pferdebahn-Gesellschaft oHG.
Die vom Frankfurter Bankhaus Erlanger & Söhne 1888/90 als Zubringer zur Insel Wangerooge erbaute BahnJever – Harle verlief ganz auf oldenburgischem Gebiet, diente aber auch den im Kreis Wittmund liegenden Orten Carolinensiel und Harle, deren Namen zwei Stationen trugen.
Eine Reaktivierung der Bahnverbindungen in Richtung Westen (nach Aurich oder Norden) zur Verbindung desJadeWeserPorts mitEmden soll untersucht werden (Stand: Februar 2008).
Von Bensersiel aus legen die Fähren nach Langeoog ab, die Nachbarinsel Spiekeroog wird von Neuharlingersiel aus versorgt.
Durch das südliche Kreisgebiet führt zudem derEms-Jade-Kanal, der jedoch (auf diesem Abschnitt) ausschließlich der Freizeitschifffahrt dient. Im Friedeburger Ortsteil Upschört befindet sich eine Schleuse.
Im Landkreis Wittmund gibt es 14 Grundschulen, sechs Hauptschulen, fünf Realschulen, drei Gymnasien, drei Förderschulen sowie eine Berufsbildende Schule.[26] Zu den Gymnasien zählen das Gymnasium in der Kreisstadt, dasNiedersächsische Internatsgymnasium Esens (NIGE) und dieHermann Lietz-Schule Spiekeroog (Internatsgymnasium).
Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das UnterscheidungszeichenWTM zugewiesen. Vom 17. Mai 1978 bis zum 23. Juni 1982 wurde auf dem Gebiet des Landkreises das KennzeichenFRI des kurzzeitigenLandkreises Friesland (1977–1979) ausgegeben. Seitdem wirdWTM wieder durchgängig bis heute ausgegeben.
↑Jonas Waack:Klimarisiko in Deutschland: Wilhelmshaven ist besonders gefährdet. In:Die Tageszeitung: taz. 5. Januar 2026 (taz.de [abgerufen am 6. Januar 2026]).
↑abcdefghijMichael Rademacher: Wittmund. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com. Abgerufen am 1. Januar 1900
↑Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland.Band21. Statistisches Bundesamt, 1972,ISSN0081-5357 (uni-mannheim.de [abgerufen am 22. November 2025] PPN/OAI: 514402342).
↑Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland.Band30. Statistisches Bundesamt, 1981,ISSN0081-5357 (uni-mannheim.de [abgerufen am 22. November 2025]).
↑Landkreis Wittmund. In: Gemeindeverzeichnis 1900. Uli Schubert, archiviert vom Original am 19. Januar 2022; abgerufen am 10. Oktober 2025 (Stand 1. Dezember 1910).