Der Landkreis Verden wird durch seine Nähe zu Bremen geprägt. Er hat sich derMetropolregion Nordwest angeschlossen und gehört zumVerkehrsverbund Bremen/Niedersachsen.Hannover ist als Landeshauptstadt wichtig; einige Pendlerströme sind zu verzeichnen. Oyten und Ottersberg orientieren sich auch aufHamburg.
Historisch gehörte der größte Teil des Landkreises zum früheren TerritoriumBremen-Verden. Viele Einzugsbereiche der Institutionen wie Handelskammer, Handwerkskammer,evangelischer Kirchensprengel,Landschaftsverband und andere orientieren sich bis heute an den Grenzen dieses historischen Gebietes.
Der Landkreis liegt im geographischen Zentrum von Niedersachsen und repräsentiert eine der landestypischsten Regionen. Geografisch-naturräumlich gehört das Kreisgebiet größtenteils zurMittelweserregion (Weser-Aller-Flachland) und zurStader Geest, die hier dieAchim-Verdener Geest bildet. Es ist damit leicht gewelltes Flachland mit breiten Flussniederungen, in denen bereits stellenweise die Landschaft der küstenähnlichen Marschlandschaft gleicht. Das Kreisgebiet wird landschaftlich hauptsächlich von den FlüssenAller undWeser geprägt. Randbereiche des Landkreises haben Anteil an anderen landschaftlichen Räumen. So liegt die nördlichste GemeindeOttersberg in derWümmeniederung, die ebenfalls zur Stader Geest gehört. Das südöstlich im Kreisgebiet gelegeneKirchlinteln gehört landschaftlich zum Urstromtal der Aller und zurLintelner Geest.
Die höchste Erhebung des Landkreises ist der Steinberg beim Verdener Stadtteil Walle mit 74 m ü. NN. Markant für den Steinberg sind der darauf befindliche Fernmeldeturm Verden-Walle und die Bundesstraße 215, die den Steinberg überquert. Die niedrigste Stelle des Landkreises Verden liegt auf Meeresspiegelhöhe (0 m ü. NN) und befindet sich in der Wümmeniederung an der Grenze zu Bremen.
Im Mittelalter gehörte das heutige Kreisgebiet zu verschiedenen geistlichen und weltlichen Herrschaftsbereichen, u. a. zumBistum Verden. In der frühen Neuzeit gehörte das Kreisgebiet zu den HerzogtümernVerden undBremen. Nach demDreißigjährigen Krieg war der Landstrich Teil desschwedischen TerritoriumsBremen-Verden mit Verwaltungssitz inStade.
1714 verlor Schweden das Gebiet anDänemark, welches es 1715 an dasKurfürstentum Braunschweig-Lüneburg (seit 1814Königreich Hannover) verkaufte. Nach verschiedenen Verwaltungsreformen im Königreich Hannover bestanden seit 1859 auf dem heutigen Kreisgebiet die beiden Ämter Verden und Achim sowie die selbständige Stadt Verden und die Ämter Ottersberg (1859 zum Amt Achim) und Westen-Thedinghausen (1681–1852) bzw. Amt Westen (1852–1859). Nach demDeutschen Krieg 1866 wurde das Königreich Hannover von Preußen annektiert und 1867 dieProvinz Hannover.
Im Rahmen der Einführung der neuen Kreisordnung für die Provinz Hannover wurde am 1. April 1885 aus der Stadt und dem Amt Verden derKreis Verden gebildet. Gleichzeitig wurde aus dem Amt Achim derKreis Achim.[5]
Bei derKreisreform imFreistaat Preußen von 1932 wurde aus dem Kreis Verden, dem Kreis Achim sowie der GemeindeOiste desKreises Hoya der neueLandkreis Verden gebildet.[6] Mit den beiden GemeindenHemelingen undMahndorf musste der Landkreis Verden am 1. November 1939 einen Teil des Altkreises Achim an die StadtBremen abgeben und verlor dadurch wieder einen Teil der 1932 hinzugewonnenen Einwohner.[7]
In der Spätphase derWeimarer Republik erzielte die NSDAP im Kreisgebiet überdurchschnittliche Wahlerfolge. Die dortigen Ortsgruppen bildeten sich bereits sehr früh, entsprechend hoch war die Dichte sogenannter „Alter Kämpfer“ umHeinrich Peper und andere.[8]
In derZeit des Nationalsozialismus bestanden auf dem Gebiet des Landkreises verschiedene Rüstungsbetriebe wie die SprengstofffabrikEibia G.m.b.H. für chemische Produkte inBarme, dieZwangsarbeiter nutzten, von denen zahlreiche starben oder alsDisplaced Persons nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren konnten. Die jüdischen Einwohner wurden von den Nationalsozialisten verfolgt, enteignet, deportiert und ermordet. Die Synagogen in Achim und Verden wurden zerstört. Auch Sinti und Roma wurden diskriminiert.[9] Gegen Ende desZweiten Weltkrieges waren 1945 insbesondere die Eisenbahnstrecken heftig zwischen deutschen und britischen Truppen umkämpft. Im Februar 1945 wurde ein Flüchtlingszug naheScharnhorst bombardiert. Die Eisenbahnstrecken wurden u. a. auch für die Deportation niederländischer Juden nach Auschwitz genutzt.[10] Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden aus der preußischen Provinz Hannover dasLand Hannover und schließlich das Land Niedersachsen gebildet, zu dem fortan auch der Landkreis Verden gehörte.
Am 5. und 6. Oktober 2022 wurden in VerdenStolpersteine als Erinnerung an die Opfer des nationalsozialistischen Terrors verlegt.[11] Bereits 2016 publizierten Hermann Deuter und Joachim Woock detaillierte Recherchen zurNS-Zeit im Landkreis Verden.[12]
1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung neuer Kfz-Kennzeichen das UnterscheidungszeichenVER zugewiesen.
DieGebietsreform in Niedersachsen begann in den 1960er Jahren mit einer Reihe von Gemeindefusionen. Eine umfassende Neugliederung sowie eine Vergrößerung des Landkreises brachte dasGesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Verden am 1. Juli 1972:[14]
Durch zahlreiche Gemeindefusionen umfasste der Landkreis Verden danach noch zwölf Gemeinden.
Seit der Eingliederung der GemeindeMorsum in die GemeindeThedinghausen am 1. November 2006 besteht der Landkreis aus elf Gemeinden, von denen Achim und Verden (Aller) das Stadtrecht besitzen.
Gemäß demZensus 2011 waren 55,0 % (72.758) der Einwohnerevangelisch, 6,6 % (8.757)römisch-katholisch und 38,4 % (50.785)konfessionslos, gehörten einer anderenReligionsgemeinschaft an oder machten keine Angabe.[20] Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung ist seitdem um 1 % jährlich gesunken. Gemäß demZensus 2022 waren (2022) 42,9 % der Einwohner evangelisch, 6,0 % katholisch und 51,1 % konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.[21]
Politisch wurde der Landkreis bis 2005 aus derDoppelspitze ausOberkreisdirektor als Leiter der Landkreisbehörde und dem ehrenamtlichenLandrat mit repräsentativen Aufgaben geführt.Letzter Oberkreisdirektor war Werner Jahn, Nachfolger von Rainer Mawick, letzter ehrenamtlicher Landrat war Hans-Jürgen Wächter.[22]
Nach Einführung der eingleisigen Verwaltungsspitze in den Kommunen mit der Reform des Kommunalverfassungsrechts im Jahr 1996 hat der Landkreis Verden als letzte Kommune in Niedersachsen erstmals 2005 einen direkt gewählten, hauptamtlichen Landrat ernannt.
Der Kreistag Verden besteht aus 50 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für einen Landkreis mit einer Einwohnerzahl zwischen 125.001 und 150.000 Einwohnern.[23] Die Ratsmitglieder werden durch eineKommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt.
DerKreistag setzte sich nach den Wahlen 2001 bis 2021 wie folgt zusammen:
Eine Fusion der Landkreise Rotenburg (Wümme) und Verden wurde zuletzt vom Gutachter J. J. Hesse vorgeschlagen, zuvor auch schon vom Gutachter G. Cassing. Insbesondere bei den Unionspolitikern vor Ort stößt die vorgeschlagene Fusion jedoch auf Ablehnung.[31]
Blasonierung: „In Blau ein goldener Wellenbalken, darüber ein springendes silbernesPferd, unten aus dem Schildrand wachsend drei goldene Ähren, gefächert, die beiden äußeren mit je einem Blatt.“[32]
Wappenbegründung: Im Wappen dominiert ein springendes Pferd, das dem Wappen des Landes Niedersachsen entlehnt ist (Sachsenross) und auf die Bedeutung der Region als Mittelpunkt der Pferdezucht hinweist. Durch die goldenen Ähren wird die Verbindung zur Landwirtschaft und durch das goldene Band zum Wasser (Weser,Aller) hergestellt. Daher der blaue Hintergrund.
Zur Pflege kultureller Einrichtungen wurde derLandschaftsverband Stade als eingetragener Verein gegründet. Zu dessen Wirkungsbereich zählt auch der Landkreis Verden.
Eine beliebte Touristenattraktion in der Region ist die Altstadt von Verden (Aller) mit demDom und weiteren Kirchen. Das landschaftlich reizvoll an der Aller gelegene Verden liegt anWeser- undAller-Radweg, ist ein Zentrum der Pferde- und Rinderzucht und des Reitsports.
Im Landkreis Verden gibt es dreiJüdische Friedhöfe: inAchim,Otterstedt undVerden.[33] Es sind schützenswerteKulturdenkmäler – steinerne Zeugen für ehemals existierendejüdische Gemeinden und eines regen jüdischen Gemeindelebens bis in die 1930er Jahre. Die Friedhöfe sind meist schlecht aufzufinden, zumal sie sich vorwiegend am Rande der Gemeinden befinden. InThedinghausen gab es ebenfalls einen jüdischen Friedhof, der bis 1934 belegt wurde. Er wurde aber in derNS-Zeit 1941 verkauft, 1942 zerstört und dieGrabsteine entfernt.
Es befinden sich verschiedeneSchlösser und schlossartige Gebäude auf dem Kreisgebiet. Hierzu gehören dasSchloss Etelsen, der Amtshof Ottersberg – eine ehemalige Burg – und derErbhof Thedinghausen. Die genannten Gebäude sind nicht öffentlich zugänglich, lediglich der Schlosspark Etelsen ist für Besucher geöffnet.
ImZukunftsatlas 2022 belegte der Landkreis Verden Platz 103 von 402 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „leichten Chancen“.[34]
Der zentrale Landkreis Verden ist ein wirtschaftsstarker Landkreis in Norddeutschland mit günstigen Verkehrsverbindungen. Die Nachbarschaft zur Großstadt Bremen stärkt die regionale Wirtschaft. Im Ottersberger OrtsteilPosthausen befindet sich das große EinkaufszentrumDodenhof. Neben vielen klein- und mittelständischen Betrieben sind im Landkreis auch international bedeutende Unternehmen der Ernährungswirtschaft, der Tierzucht- und Vermarktung, des Maschinenbaus und der Logistik ansässig. Verden und Achim sind Standorte derAller-Weser-Klinik. Die im Süden und Südosten gelegenen Gemeinden Kirchlinteln, Dörverden und die Samtgemeinde Thedinghausen gelten als eher strukturschwach, insbesondere Dörverden nach dem Abzug der Bundeswehr. Verden ist Sitz derKreissparkasse Verden. Im Genossenschaftsbanksektor sind dieVolksbank Aller-Weser, dieVolksbank Oyten, dieBremische Volksbank, die Volksbank Syke und dieVolksbank Wümme-Wieste tätig.
Aus Gründen desRegionalmarketings wird der Landkreis auch alsReiterkreis bezeichnet, womit auf die Pferdezuchttradition der Region abgezielt wird.Durch den Landkreis führen derAller-Radweg, derWeser-Radweg und derRadfernweg Hamburg–Bremen. Von Bedeutung ist ferner der ländliche Tourismus (Reiturlaub, Wasserwandern, Jagd) im Bereich Thedinghausen-Verden-Dörverden-Kirchlinteln. Es bestehenMuseumseisenbahnen inThedinghausen und zwischen Verden und Kirchlinteln-Stemmen.
Der Kreis Verden wird schon 1847 von derBahnstrecke Wunstorf–Bremen derHannoverschen Staatsbahn durchzogen. Von ihr zweigt in Langwedel eine Linie nach Soltau–Uelzen (–Stendal–Berlin/–Magdeburg) ab, die unter dem Namen „Amerikalinie“ bekannt geworden ist und die von der Hansestadt Bremen 1873 in Betrieb genommen wurde.
DiePreußische Staatsbahn eröffnete 1904 von Wahnebergen bei Verden eine Nebenbahn alleraufwärts nach Schwarmstedt.
DieVerden-Walsroder Eisenbahn GmbH richtete 1910 eine Querverbindung zur Bahnlinie Soltau–Hannover ein. (Heute von Verden nach Stemmen Betrieb der Museumseisenbahn). 1910 erschloss die Strecke Bremen-Huchting–Leeste–Riede–Thedinghausen derBremisch-Hannoverschen Kleinbahn AG das bis 1945 zu Braunschweig gehörende Amt Thedinghausen. Auch diese Verbindung wird von der Bremen-Thedinghauser Eisenbahn als Museumseisenbahn betrieben. Auf einem Teil dieser Linie soll dieStraßenbahn Bremen mit derLinie 8 verkehren.
Von dem nun 118 km umfassenden Schienennetz wurden von 1936 bis 1969 38 km für den Personenverkehr stillgelegt. Davon sind 20 km noch für Museumsbahnen in Betrieb. Stillgelegt wurden 1936 Stemmen–Otersen–Walsrode (4 km), 1955 Bremen-Huchting–Leeste–Thedinghausen (8 km), 1966 Wahnebergen–Hülsen–Rethem (14 km) und 1969 Verden–Stemmen (12 km).
Die Schulträgerschaft der vier Haupt-, der vier Real- und der vier Oberschulen hat der Landkreis Verden an die Städte und Gemeinden übertragen. Der Landkreis leitet die Kreisschulbaukasse, mit der die Städte und Gemeinden bei großen Investitionsmaßnahmen finanziell entlastet werden. Alle Kommunen sind Beitragszahler der Schulbaukasse.
Hermann Deuter & Joachim Woock:Es war hier, nicht anderswo!: Der Landkreis Verden im Nationalsozialismus. Bremen: Edition Temmen, 2016, 484 S.ISBN 3-8378-4054-9
Hermann Greve:Bibliographie des Landkreises Diepholz unter Einschluß der Samtgemeinden Harpstedt (Landkreis Oldenburg), Eystrup und Grafschaft Hoya (Landkreis Nienburg) sowie Riede (Samtgemeinde Thedinghausen, Landkreis Verden). (Hrsg.: Landkreis Diepholz), Syke und Diepholz 1984, XXXVIII und 453 S. (mit 3505 Titeln).
Wendula Dahle (Hrsg.):Im Land der Moore und Deiche. Ausflüge links und rechts der Weser. Ein Reise- und Lesebuch. Bremen 1998, 352 S. m. zahlr. Abb.;ISBN 3-86108-466-X.
Fischerhuder Kunstkreis e. V. (Hrsg.):Unterwegs .... im Landkreis Verden. Geschichte – Kultur – Natur. Achim 1999, 288 S. m. zahlr. Abb.
Harald Witt:Die schönsten Radwanderungen zwischen Hunte, Weser und Wümme. Natur – Kultur – Geschichte. Bremen 2003, 207 S. m. 96 Abb.;ISBN 3-936289-44-1.
Bernd Kappelhoff und Thomas Vogtherr (Hrsg.):Immunität und Landesherrschaft. Beiträge zur Geschichte des Bistums Verden. Landschaftsverband der ehem. Herzogtümer Bremen und Verden, Stade 2002,ISBN 3-931879-09-7.
↑Joachim Woock:Hitlers willige Helfer - Nationalsozialisten im Landkreis Verden; Folge 2: Stellvertretender Gauleiter Heinrich Peper. In:Heimatkalender für den Landkreis Verden. 2008 (Nationalsozialisten im Landkreis Verden; Folge 2: Stellvertretender Gauleiter Heinrich Peper).
↑Joachim Woock:Als Anne Frank durch Ottersberg fuhr. KZ-Züge rollten durch den Landkreis Verden. In:Jahrbuch für den Landkreis Verden.Band63, 2020,S.96ff.
↑Hermann Deuter & Joachim Woock:Es war hier, nicht anderswo!: Der Landkreis Verden im Nationalsozialismus. Bremen: Edition Temmen, 2016, 484 S.ISBN 3-8378-4054-9
↑Partnerschaften. In landkreis-verden.de Abgerufen am 28. November 2015
↑Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Verden vom 6. April 1972