Die bevölkerungsreichste Stadt des Landkreises istBuchholz in der Nordheide mit 41.737 Einwohnern (31. Dezember 2024). Zudem befindet sich mit der GemeindeSeevetal die einwohnerstärkste Gemeinde in Deutschland ohneStadtrecht im Landkreis. Insgesamt ist der Landkreis Harburg von der Zugehörigkeit zur Metropolregion Hamburg geprägt. So orientiert sich die Siedlungsstruktur vor allem entlang der von Hamburg ausgehenden Verkehrsachsen in RichtungStade,Rotenburg (Wümme) undLüneburg. Im Norden des Kreises entlang der Stadt- und Landesgrenze zuHamburg gibt es zum Teil stärker verdichtete Siedlungsgebiete, die einemVorstadtcharakter entsprechen. Der südliche Teil des Landkreises istländlich geprägt und weist deutlich niedrigere Bevölkerungsdichten auf.
Das Gebiet des heutigen Landkreises Harburg gehörte ursprünglich zumFürstentum Lüneburg und kam durch welfische Erbteilungen an das Kurfürstentum und spätereKönigreich Hannover. Nachdem dieses 1866 vonPreußen annektiert wurde, gehörte es seitdem zurLanddrostei Lüneburg in der preußischenProvinz Hannover. Am 12. September 1867 wurden die Städte Harburg und Winsen (Luhe) sowie die Ämter Harburg, Tostedt und Winsen finanz- und militärverwaltungstechnisch zumSteuerkreis Harburg zusammengefasst.
Der Staat Preußen bildete mit Wirkung vom 1. April 1885 aus der Stadt Harburg den Stadtkreis Harburg, aus den ÄmternHarburg undTostedt den Kreis Harburg (auch Landkreis genannt) und aus dem Amt Winsen und der Stadt Winsen denKreis Winsen.[2] Beide Kreise wurden demRegierungsbezirk Lüneburg zugeordnet, der bis zur Auflösung der Regierungsbezirke in Niedersachsen 2004 bestand.
Sitz des Kreises Harburg war zunächst die Stadt Harburg im Stadtkreis Harburg. Der Landkreis gab 1888Heimfeld undWilstorf, 1906Lauenbruch und 1910Eißendorf an die Stadt Harburg ab. Am 1. September 1925 wurde außerdem die GemeindeWilhelmsburg als nunmehr kreisfreie Stadt aus dem Landkreis Harburg ausgegliedert und zwei Jahre später 1927 mit der Stadt Harburg zur StadtHarburg-Wilhelmsburg verschmolzen.[3] Am 1. August 1932 wurden der größte Teil des Kreises Harburg und der Kreis Winsen zum neuen Kreis Harburg zusammengelegt. Die GemeindeLauenbrück wechselte in denKreis Rotenburg. Gleichzeitig wurde die Kreisgrenze im Rahmen der Auflösung desKreises Jork westlich bis an dieEste verlegt, damit kamen die GemeindenFrancop,Hove,Neuenfelde,Rübke undMoorende in den Kreis Harburg.[4] Harburg blieb weiterhin Kreisstadt.
Nach demZweiten Weltkrieg wurde aus der BezeichnungKreis Harburg auch offiziell die schon vorher landläufig verwendete FormLandkreis Harburg.
Harburg blieb jedoch zunächst Sitz des Landkreises Harburg. Nachdem die Kreisverwaltung in Harburg imZweiten Weltkrieg zerstört worden war, siedelte sie 1944 insSchloss nach Winsen (Luhe) um. Unter derbritischen Besatzung nach Kriegsende wurde der Landkreis dem aus der Provinz Hannover entstandenenLand Hannover und dem daraus 1946 hervorgegangenen Niedersachsen zugeordnet. 1958 wurde Winsen (Luhe) endgültig als Kreissitz festgelegt. 1961 zog die Kreisverwaltung in einen modernen Neubau in unmittelbarer Nachbarschaft des Schlosses.
Eine umfassende Neugliederung brachten dasGesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Harburg[7] und dasGesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Cuxhaven/Land Hadeln/Stade[8] am 1. Juli 1972:
Durch zahlreiche Gemeindefusionen, bei denen unter anderem die neuen GroßgemeindenNeu Wulmstorf,Rosengarten undSeevetal in ihrer heutigen Ausdehnung gebildet wurden, wurde die Zahl der Gemeinden des Landkreises deutlich verringert.
Die GemeindeObermarschacht aus dem Landkreis Lüneburg wurde in die GemeindeMarschacht eingegliedert.
Die GemeindenAvendorf,Bütlingen undTespe aus dem Landkreis Lüneburg wurden zu einer neuen Gemeinde Tespe zusammengefasst, die zum Landkreis Harburg kam.
Die Gemeinden Hove und Moorende schieden aus dem Landkreis Harburg aus und wurden in die GemeindeJork im Landkreis Stade eingegliedert.
Die GemeindenDaensen,Eilendorf,Immenbeck,Ketzendorf undOvelgönne schieden aus dem Landkreis Harburg aus und wurden in die StadtBuxtehude im Landkreis Stade eingegliedert. Einige Flurstücke gingen an die Gemeinde Neu Wulmstorf.
Mit demGesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Lüneburg wurde schließlich am 1. März 1974 die bis heute gültige Abgrenzung des Landkreises Harburg geschaffen:[9]
Laut Zensus 2011 waren 44,8 % der Bevölkerung Mitglied der evangelischen Landeskirche Hannovers, 6,4 % Mitglied der römisch-katholischen Kirche und 48,8 % der Bevölkerung hatte keine oder eine sonstige Religionszugehörigkeit.[15] Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung ist seitdem jährlich um rund einen Prozentpunkt gesunken. Gemäß demZensus 2022 waren (Stand Mai 2022) 33,1 % der Einwohner evangelisch, 6,0 % katholisch und 60,8 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.[16]
Im Oktober 2022 fand die Wahl des Landrats statt, der für neun Jahre gewählt wird. Im ersten Wahlgang konnte keiner der drei Kandidaten die absolute Mehrheit erreichen; somit war eine Stichwahl notwendig.
Bei den Wahlen zumniedersächsischen Landtag ist der Landkreis Harburg in drei Wahlkreise aufgeteilt. DerWahlkreis 50 Winsen besteht aus der Stadt Winsen (Luhe), der Gemeinde Stelle sowie den Samtgemeinden Hanstedt, Salzhausen und Elbmarsch. Direkt gewählter Abgeordneter istAndré Bock (CDU).DerWahlkreis 51 Seevetal besteht aus den Gemeinden Neu Wulmstorf, Rosengarten und Seevetal. Direkt gewählter Landtagsabgeordneter istBernd Althusmann (CDU).Die Stadt Buchholz i.d.N. sowie die Samtgemeinden Jesteburg, Hollenstedt und Tostedt bilden denWahlkreis 52 Buchholz. Direkt gewählter Abgeordneter in Hannover ist hier Jan Bauer (CDU).[25] Die DirektkandidatinNadja Weippert aus dem Wahlkreis Buchholz ist fürBündnis 90/Die Grünen über die Landesliste in den Landtag eingezogen.
ImZukunftsatlas 2016 belegte der Landkreis Harburg Platz 70 von 402 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Orten mit „hohen Zukunftschancen“.[27]
Im Landkreis Harburg befinden sich auch landwirtschaftlichen Flächen und Unternehmen, die sich überwiegend dem Ackerbau und der Viehzucht widmen.
Die hamburgnahen Orte Neu Wulmstorf, Fleestedt und Meckelfeld sind mit dichten Fahrtfolgen an dasStadtbusnetz von Hamburg-Harburg angebunden. Im übrigen Kreisgebiet verkehrt dieKVG Stade. Von Harburg aus bestehen ungefähr stündliche Verbindungen nach Over, Hittfeld, Jesteburg, in die Gemeinde Rosengarten sowie Buchholz. Sie werden auch abends und am Wochenende betrieben. In diese Kategorie des dichten Überlandverkehrs fällt auch die Linie Buchholz–Jesteburg–Hanstedt. Ein Grundangebot besteht in allen Teilen der Gemeinde Seevetal, bei einigen von der Kreisstadt Winsen ausgehenden Linien und in der Anbindung von Hollenstedt. Zahlreiche Orte sind nur im Schulbusverkehr angebunden, der allerdings von jedermann zum HVV-Tarif benutzt werden kann. Auf dem Gebiet der Stadt Buchholz gibt es einStadtbussystem, welches im 30-Minuten-Takt auf drei Linien das Stadtgebiet erschließt. In der Samtgemeinde Elbmarsch besteht in der Hauptverkehrszeit ein 20-30min-Takt in Richtung Hamburg-Bergedorf, außerhalb der HVZ verkehrt diese Linie meist im Stundentakt.
Krankenhaus Buchholz undKrankenhaus Winsen in Trägerschaft des Landkreises. Beide Krankenhäuser sind Teil des Elbe-Heide-Krankenhausverbundes, der mehrere Kliniken im südlichen Hamburger Umland umfasst. Bis 2015 gab es inSalzhausen dasKrankenhaus Salzhausen, das von einer gemeinnützigen Gesellschaft betrieben wurde. Aufgrund einer Insolvenz wurde es geschlossen.[28]
Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das UnterscheidungszeichenWL (Winsen (Luhe)) zugewiesen. Es wird durchgängig bis heute ausgegeben. Die im Zuge derKennzeichenliberalisierung möglich gewesene Einführung weiterer Unterscheidungszeichen wurde nicht genutzt.
Im Landkreis Harburg erscheint als Tageszeitung derWinsener Anzeiger, der mittlerweile eng redaktionell mit der LüneburgerLandeszeitung verbunden ist. Wöchentlich erscheint die kostenlose Kreiszeitung Nordheide und Elbe Geest Wochenblatt. Außerdem erscheint unter dem TitelHarburg Stadt & Land täglich eine Beilage zumHamburger Abendblatt. Von 1844 bis September 2013 erschienen außerdem über Landesgrenze hinweg dieHarburger Anzeigen und Nachrichten (HAN) für den HamburgerBezirk Harburg und den gleichnamigen niedersächsischen Landkreis. DerNorddeutsche Rundfunk strahlt werktäglich sieben Regionalfenster im Hörfunk aufNDR 1 Niedersachsen aus. Zuständig für den Landkreis Harburg ist das NDR-Studio in Lüneburg, wo auch Fernsehberichte aus der Region, unter anderem fürHallo Niedersachsen,NDR Info oder dietagesschau gefertigt werden.
Dieter Brosius, Andreas Dehn, Jürgen Ehlers, Friedrich Grube, Peter Hennings, Heinrich Kröger, Hans Schmidt:Heimatchronik des Kreises Harburg. Hrsg.: Archiv für Deutsche Heimatpflege. Archiv für Deutsche Heimatpflege GmbH, Köln 1977.
Dirk Stegmann (Hrsg.):Der Landkreis Harburg 1918–1950. Gesellschaft und Politik in Demokratie und nationalsozialistischer Diktatur (= Schriften zur Volkskunde und Geschichte des Landkreises Harburg.Band4). Christians, Hamburg 1994,ISBN 3-7672-1203-X.
Landkreis Harburg (Hrsg.):Landkreis Harburg. Mit Texten von Stefanie Maeck und Fotografien von Martin Kunze. Landkreis Harburg Selbstverlag, Winsen (Luhe) 2012,ISBN 978-3-9815626-0-6.
Landkreis Harburg (Hrsg.):Kreiskalender 2017. Jahrbuch für den Landkreis Harburg. Lühmanndruck Harburger Zeitungsgesellschaft mbH & Co. KG.
Joachim Bordt (Hrsg.):Landkreis Harburg Sozial.Report. Zahlen. Daten. Fakten. (Stand: Januar 2011).
Joachim Bordt (Hrsg.):Landkreis Harburg WirtschaftsReport. Zahlen. Daten. Fakten. (Stand: Januar 2012).
Norbert Fischer:Dynamischer Strukturwandel. Der Landkreis Harburg als Wirtschaftsstandort in der Metropolregion Hamburg. Eine Veröffentlichung zur Wirtschaftsentwicklung des Landkreises Harburg ab 1970 bis heute. Hrsg. von der Wirtschaftsförderung im Landkreis Harburg (WLH), Buchholz in der Nordheide 2014.
Norbert Fischer:Der Landkreis im späten 20. Jahrhundert. Bevölkerung und Gesellschaft, Wirtschaft und Infrastruktur. In:Jahrbuch für den Landkreis Harburg 2016.ISBN 978-3-935096-54-6, S. 37–44.