Die Hauptaufgabe des LIGO ist die direkte Messung vonGravitationswellen kosmischen Ursprungs. Dieallgemeine Relativitätstheorie vonAlbert Einstein sagt diese Wellen vorher. Diese Gravitationswellen konnten erstmals von Forschern der LIGO-Kollaboration durch die erste erfolgreiche direkte Messung von Gravitationswellen im September 2015 aufgrund einer Kollision zweierSchwarzer Löcher bestätigt werden, wie im Februar 2016 bekanntgegeben wurde.[7]
Einen indirekten Hinweis auf die Existenz dieser Wellen gibt es durch den im Jahre 1974 durchRussell Hulse entdeckten DoppelpulsarPSR J1915+1606. Die Variationen in der Umlaufbahn dieses Doppelsystems stimmen mit den Vorhersagen der Allgemeinen Relativitätstheorie zur Abstrahlung von Gravitationswellen überein. Für diese Entdeckung erhielt Russell Hulse im Jahre 1993 denNobelpreis für Physik.
Der direkte Nachweis von Gravitationswellen ermöglicht neben der Astronomie im elektromagnetischen Bereich und derNeutrinoastronomie eine neue Art der Astronomie. Deshalb wurde in den 1960er Jahren versucht, mittels Resonanz-Zylindern Gravitationswellen zu messen, allen voran durchJoseph Weber. In den 1970er Jahren wurde vonRainer Weiss die Möglichkeit der Verwendung vonInterferometern für diese Suche realisiert.
Im Jahre 1992 wurde LIGO gegründet, die Bauarbeiten an beiden Detektoren waren 1999 abgeschlossen. Nach ersten Tests und Feinjustierungen der Systeme fand im August 2002 die erste wissenschaftliche Messperiode statt. Ende 2007 endete die fünfte Messperiode, nachdem zwei Jahre lang Daten mit seinerzeit höchster Empfindlichkeit gewonnen worden waren. Am 11. Februar 2016 gaben die LIGO- undVIRGO-Kollaborationen in einer Pressemitteilung[8] bekannt, dass sie am 14. September 2015 erstmals Gravitationswellen direkt nachgewiesen hatten.[9][10] Am 26. Dezember 2015 wurde ein zweites Ereignis beobachtet,[11][12] wie am 15. Juni 2016 bekanntgegeben wurde.[13] Bis Ende der zweiten Beobachtungsperiode im August 2017 wurden insgesamt weitere vier Ereignisse beobachtet.[14] Der nächste Lauf begann im April 2019.[15]
LIGO betreibt zwei Observatorien, die sich inHanford (Washington) und inLivingston (Louisiana) befinden und etwa 3000 km voneinander entfernt sind. Für die Strecke zwischen den beiden Stationen benötigt Licht 10 ms. Da sich Gravitationswellen mitLichtgeschwindigkeit ausbreiten, kann aus dem Laufzeitunterschied zwischen mindestens drei in diesen Observatorien gemessenen Signalen auf die Position der eigentlichen Quelle am Himmel geschlossen werden. Außerdem können dadurch irdische Störungen, die sich langsamer ausbreiten (wie Vibrationen, entfernte Erdbeben etc.), ausgeschlossen werden.
Jedes Observatorium besitzt ein L-förmigesUltrahochvakuumsystem mit einer Schenkellänge von jeweils vier Kilometern, in dem ein Laser-Interferometer untergebracht ist. Das Observatorium in Hanford besitzt ein zweites, im selben Vakuumsystem untergebrachtes Interferometer mit einer Schenkellänge von zwei Kilometern.
An der Hauptstation des Observatoriums (die Ecke des L, in der sich die beiden Arme kreuzen) wird ein stabilisierter Laserstrahl von 200 W Leistung zunächst durch einen Spiegel geschickt, der das Laserlicht zwar in das System lässt, aber nicht in die umgekehrte Richtung(power-recycling mirror). Dadurch wird die Leistung des Laserlichtes im Interferometer auf 700 kW erhöht, was die Empfindlichkeit erhöht.
Danach trifft der Strahl auf einenStrahlteiler, an dem der Strahl geteilt wird und jeweils zur Hälfte in die beiden 4 km langen Arme geschickt wird (bzw. der 2 km langen Arme im zweiten Interferometer in Hanford). In jedem Arm untergebracht ist einFabry-Pérot-Resonator, bestehend aus zwei Spiegeln (davon einer teildurchlässig), so dass das Licht etwa 280-mal diese Strecke durchläuft, ehe es durch den teildurchlässigen Spiegel tritt und wieder auf den Strahlteiler trifft. Durch diese Technik der Mehrfachreflexionen wird die effektive Lauflänge des Lichtes auf 1120 km vergrößert, was wiederum die Empfindlichkeit des Instrumentes erhöht.
Am Strahlteiler in der Eckstation werden beide Teilstrahlen auf eineFotodiode gelenkt, welche die Intensität des dort ankommenden Lichtes misst. Das Interferometer, insbesondere die verstellbaren Spiegel an den Enden der beiden Arme, wird so eingestellt, dass sich die beiden Teilstrahlen gerade auslöschen (sieheInterferenz) und somit bei der Fotodiode idealerweise kein Licht ankommt. Aufgrund von Störeinflüssen muss das System ständig justiert werden, um die Auslöschung der beiden Teilstrahlen zu erreichen.
Durchquert eine Gravitationswelle das Observatorium, ändern sich die relativen Längen der Arme des Interferometers: Ein Arm oder beide Arme können sich (um unterschiedliche Beträge) verlängern oder verkürzen. Das ruft einePhasenverschiebung der beiden Teilwellen des Laserlichtes hervor und deren Interferenz ändert die Intensität des gemessenen Lichtes.
Durch die verwendete Kombination aus Spiegeln, der Laserintensität und der Fabry-Pérot-Kavität innerhalb des Systems sind die Observatorien in der Lage, einen relativen Unterschied der beiden Armlängen von 10−22 zu messen. Das entspricht über die Armlänge etwa einem TausendstelProtonenradius.[16]
Die Messtechnik reagiert empfindlich sowohl auf äußere Einflüsse wie Bewegungen im Erdreich (Erdbeben, Wellen an entfernten Stränden), wetterbedingte Auswirkungen (Wind), Straßenverkehr als auch auf interne Einflüsse wie thermische Bewegungen der Atome in den Spiegeln, in den Tunneln gestreutes Licht usw. Die Aufgabe der Datenanalysten ist es unter anderem, ein Gravitationssignal aus diesen Störeffekten herauszufiltern.
Es gibt eine Vielzahl von Signalen, nach denen gesucht wird. Diese lassen sich gruppieren in kontinuierliche Signale (Suche nach Pulsaren sowie kosmischer Gravitations-Hintergrundstrahlung) und intransiente Signale (Verschmelzungkompakter Objekte und unklassifizierbare Ausbrüche). Diese vier Signale lassen sich allerdings auch durch die Modellierung des Signals klassifizieren (siehe Tabelle).
Pulsare sindNeutronensterne, die ein starkes Magnetfeld besitzen und mit bis zu 716 Umdrehungen pro Sekunde um die eigene Achse rotieren. Weisen diese Pulsare Asymmetrien in ihrer Massenverteilung auf (z. B. durch eine kleine Erhebung auf deren Oberfläche), strahlen sie laut der Theorie Gravitationswellen ab, was ihre Rotationsfrequenz verringert. Als Beispiel sei derKrebsnebel-Pulsar erwähnt, der sich etwa 30-mal pro Sekunde dreht.
An der Suche nach Signalen von unbekannten Pulsaren kann sich jeder mittels desEinstein@home-Projekts am heimischen PC selbst beteiligen. Es wird durch dieBOINC-Software durchgeführt und ist kostenfrei.
Viele Modelle zum Universum sagen starke Gravitationswellen voraus, die kurz nach demUrknall entstanden sind. Diese Gravitationswellen besitzen ein breitesSpektrum und machen es möglich, bei Nachweis dieser Wellen viel weiter zeitlich in die Geschichte des Universums zu blicken, als es mit derkosmischen Mikrowellen-Hintergrundstrahlung möglich ist.
Umkreisen sich zwei kompakte Objekte wie zwei Neutronensterne oder zwei Schwarze Löcher (oder Kombinationen davon), strahlen sie ebenfalls nach der Theorie Gravitationswellen ab. Dadurch verliert das System Energie, so dass sich beide Körper langsam nähern. Dadurch werden stärkere Gravitationswellen abgestrahlt, so dass sich dieser Prozess beschleunigt, bis beide Körper zusammenstoßen und zu einem Schwarzen Loch verschmelzen.
Dies wurde indirekt bei dem weiter oben erwähnten Doppelpulsar PSR J1915+1606 nachgewiesen, und die Messungen passen zu den Vorhersagen der Allgemeinen Relativitätstheorie. Obwohl sich beide Körper in diesem System jährlich um 3,5 m annähern, verschmelzen beide Neutronensterne erst in etwa 300 Millionen Jahren.
Die erwarteten Signale für ein solches Szenario können berechnet werden, so dass eine gezielte Suche nach solchen Gravitationswellen in den Daten durchgeführt werden kann.
Am 14. September 2015 wurde erstmals ein Signal von der Verschmelzung zweier Schwarzer Löcher in den beiden LIGO-Detektoren nachgewiesen (EreignisGW150914).[9]
Am 15. Juni 2016 gab die LIGO-Kollaboration die Beobachtung eines zweiten solchen Ereignisses am 26. Dezember 2015 bekannt.[13][11] Das Ereignis wird mitGW151226 bezeichnet, nach der englischen Bezeichnung für den 26. Dezember wird es von den Wissenschaftlern auchBoxing Day Event genannt.
Am 16. Oktober 2017 gab LIGO die Beobachtung der Kollision zweier Neutronensterne bekannt (GW170817), was auch von anderen Teleskopen im optischen und anderen Wellenlängenbereichen anschließend beobachtet wurde, etwa dem Fermi-Gammastrahlen-Teleskop (ein kurzer Gammablitz).[17]
Burst-Signale sind kurze, unmodellierte Signale, wie sie z. B. bei einer Supernova, dem Kollaps eines schweren Sternes, entstehen könnten. Solche Signale können aber auch durch das Verschmelzen zweier schwerer Schwarzer Löcher entstehen.
Die ersten Messungen wurden 2002 bis 2007 durchgeführt. Danach wurde mit demenhanced LIGO die Empfindlichkeit und somit die Reichweite verdoppelt. Technische Verbesserungen waren dabei unter anderem eine Erhöhung der Laser-Leistung von 10 Watt auf 35 Watt und ein „DC-Readout“.[18] Damit wurden Messungen zwischen 2009 und 2011 durchgeführt. In dieser Messperiode war auch wieder der französisch-italienischeVirgo-Detektor mit eingeschlossen.
Nach 2011 wurden im Rahmen vonadvanced LIGO (aLIGO) die Instrumente nochmals umfangreich verbessert. Beispielsweise wurde die Testmasse von 11 kg auf 40 kg erhöht und nicht mehr als ein einfaches, sondern als ein vierfach-kaskadiertes Pendel an dämpfungsarmen Fäden aus Quarz aufgehängt. Diese Maßnahmen erhöhten die Empfindlichkeit um den Faktor 10 gegenüber den ersten LIGO-Messungen. Das bedeutet, dass mit aLIGO eine Quelle mit gegebener Stärke in einem tausendfach größeren Volumen nachgewiesen werden kann.[19] Dieser Umbau wurde am 19. Mai 2015 abgeschlossen. Damit begannen eine Reihe von „Observation Run[s]“ (O1, O2, …) zwischen denen jeweils technische Verbesserungen an dem Interferometer zur Steigerung der Empfindlichkeit bzw. Reichweite durchgeführt wurden.[20][21]
In der Konfiguration für den ersten Beobachtungszyklus O1 konnten verschmelzende Neutronensterne rechnerisch bis zu einer Entfernung von 68 Mpc erfasst werden. Der Beobachtungszyklus begann im Jahr 2015 und erstreckte sich bis 2016.
Es gelang der Nachweis von 3 Gravitationswellen,[22] wovon ein Signal unsicher war und erst 2019 akzeptiert wurde.
In der Konfiguration für den Beobachtungszyklus O2 konnten verschmelzende Neutronensterne bis zu einer Entfernung von 94 Mpc erfasst werden. Der Beobachtungszyklus begann im Jahr 2016 und erstreckte sich bis 2017. Diese Steigerung der Reichweite gegenüber vorherigen Zyklen wurde erreicht durch:[23]
Erhöhung der Leistung im Interferometerarm von 100 kW auf 120 kW
Erstmals gelang die Detektion von Gravitationswellen zweier verschmelzender Neutronensterne,GW170817; zudem wurden 7 Gravitationswellen von verschmelzenden Paaren Schwarzer Löcher detektiert.[24]
In dem Beobachtungszyklus O3 konnten verschmelzende Neutronensterne bis zu einer Entfernung von 128 Mpc erfasst werden. Der Beobachtungszyklus begann im Jahr 2019 und erstreckte sich bis 2020. Diese Steigerung der Reichweite gegenüber vorherigen Zyklen wurde erreicht durch:
In dem Beobachtungszyklus O4 konnten verschmelzende Neutronensterne bis zu einer Entfernung von 155 Mpc erfasst werden. Der Beobachtungszyklus begann im Jahr 2023 und erstreckte sich bis 2025. Die größere Empfindlichkeit wurde erreicht durch:[27]
erhöhte Leistung im Interferometer-Arm (von ca. 200 kW auf ca. 300 kW)
Einfügen einer 300 Meter langenfilter cavity für das gequetschte Licht
In dem Beobachtungszyklus O5 sollen mit der als A+ bezeichneten Konfiguration verschmelzende Neutronensterne bis zu einer Entfernung von 324 Mpc erfasst werden. Dies wird erreicht durch:
erhöhte Leistung im Interferometer-Arm (von 300 kW auf 750 kW)
In der nachfolgenden Konfiguration A# sollen verschmelzende Neutronensterne bis zu einer Entfernung von 550 Mpc erfasst werden. Dies wird erreicht durch:
massivere Testmassen (von 40 kg auf 100 kg)
nochmals stärker gequetschtes Licht (von 6 dB auf 10 dB)
erhöhte Leistung im Interferometer-Arm (von 750 kW auf 1500 kW)
verbesserte Beschichtung
stärkere Rauschunterdrückung durch Verbesserungen in der Aufhängung
In der angedachten, als Voyager bezeichneten Konfiguration, würde das Observatorium verschmelzende Neutronensterne bis zu einer Entfernung von 818 Mpc nachweisen. Hierfür werden wesentliche Änderungen am Interferometer überlegt:[28]
Eine 200 kg schwere Testmasse aus einem Silizium-Kristall, gekühlt auf 123 K
Eine Wellenlänge des Lasers von 2050 nm, welche eine geringere Absorption in der Apparatur verspricht
2017 wurden Zweifel an einigen Ligo-Ergebnissen geäußert.[29] Eine dänische Gruppe von Wissenschaftlern kritisiert insbesondere eine unzureichend dokumentierte und potenziell fehleranfällige Trennung von tatsächlichem Signal und zufälligen Störungen.[30] Weitere Analysen widersprechen jedoch dieser Kritik.[31]
Mitglieder des LIGO-Konsortiums haben allerdings eingeräumt, dass Abbildungen in der Veröffentlichung zum ersten Nachweis der Gravitationswellen (Abbott et al., 2015)[9] aus pädagogischen Gründen per Hand und nach Augenmaß (“hand-tuned for pedagogical purposes”, “by eye”) angepasst wurden, ohne dies offenzulegen.[32]
↑abcB. P. Abbott et al. (LIGO Scientific Collaboration and Virgo Collaboration):Observation of Gravitational Waves from a Binary Black Hole Merger. In:Phys. Rev. Lett. 11. Februar 2016,S.061102,doi:10.1103/PhysRevLett.116.061102,arxiv:1602.03837 (ligo.org).
↑Davide Castelvecchi, Alexandra Witze:Einstein’s gravitational waves found at last. In:Nature. 11. Februar 2016,doi:10.1038/nature.2016.19361.
↑abB. P. Abbott et al. (LIGO Scientific Collaboration and Virgo Collaboration):GW151226: Observation of Gravitational Waves from a 22-Solar-Mass Binary Black Hole Coalescence. In:Phys. Rev. Lett.Band116, 15. Juni 2016,S.241103,doi:10.1103/PhysRevLett.116.241103,arxiv:1606.04855 (ligo.org).
↑Davide Castelvecchi:LIGO detects whispers of another black-hole merger. In:Nature. 15. Juni 2016,doi:10.1038/nature.2016.20093.
↑B. P. Abbott u. a.: GW170817: Observation of Gravitational Waves from a Binary Neutron Star Inspiral, Phys. Rev. Lett., Band 119, 2017, S. 161101,Abstract
↑J R Smith1 for the LIGO Scientific Collaboration:The Path to the Enhanced and Advanced LIGOGravitational-Wave Detectors. 2009 (ligo.org [PDF] P080127-02).
↑Advanced LIGO. In: einstein-online.info. Abgerufen am 20. September 2025.
↑M. Tseet al.:Quantum-Enhanced Advanced LIGO Detectors in the Era of Gravitational-Wave Astronomy. In:Phys. Rev. Lett.Band123, 2019,S.231107,doi:10.1103/PhysRevLett.123.231107.
↑Nina Bodeet al.:Advanced LIGO Laser Systems for O3 and Future Observation Runs. In:Galaxies.Band8,Nr.4, 2020,S.84,doi:10.3390/galaxies8040084.
↑Rana X Adhikariet al.: LIGO Voyager Upgrade: Design Concept. (pdf) 25. September 2024, abgerufen am 20. September 2025 (englisch, Technical Note LIGO-T1400226-v10).
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↑J. Creswell, S. v. Hausegger, A. D. Jackson, H. Liu, P. Naselsky:On the time lags of the LIGO signals. In:Journal of Cosmology and Astroparticle Physics.Band2017, 2017,S.013,doi:10.1088/1475-7516/2017/08/013,arxiv:1706.04191.