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Lidar

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(Weitergeleitet vonLIDAR)
2D-Abtastung mit Lidar
Aerosol-Lidar auf der Zugspitze

Lidar (Aussprache [ˈlaɪdɑːr]) ist eine Methode, umAbstand undGeschwindigkeit zu messen. Mit mehreren oder beweglichen Lidar-Sensoren können auch Form und Oberflächenbeschaffenheit (zum Beispiel rau oder glatt) bestimmt werden.

Diese Informationen werdenelektrooptisch erfasst. Somit können auchatmosphärische Parameter aus der Ferne gemessen werden, etwa Temperatur, Zusammensetzung und Partikelgröße in Wolken.

StattRadiowellen wie beimRadar werden bei LidarLaserstrahlen genutzt, genauer ist es eine Form desdreidimensionalenLaserscanning.

Andere Namen sindLIDAR (Lightimaging,detectionandranging),LiDAR (LightDetectionandRanging)[1][2] undLadar (Lightamplification by Stimulated Emission of Radiationdetectionandranging).

Lidar wird zur Erstellung hochauflösenderLandkarten verwendet, mit Anwendungen in den BereichenVermessung,Geodäsie,Geomatik,Archäologie,Geographie,Geologie,Geomorphologie,Seismologie,Meteorologie,Forstwirtschaft undAirborne Laserscanning.

Eine wesentliche Rolle spielt Lidar auch bei der Steuerungautonomer Fahrzeuge.

Funktionsweise

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Lidar-Systeme zur Atmosphärenmessung sendenLaserimpulse aus und detektieren das aus derAtmosphäre zurückgestreute Licht. Aus der Laufzeit der Lichtsignale wird die Entfernung zum Ort derStreuung berechnet. Wolken- und Staubteilchen in der Luft (Aerosole) streuen das Laserlicht und ermöglichen eine hochauflösende Detektion undEntfernungsmessung von Wolken und Aerosolschichten. Mit komplexeren Systemen lassen sich atmosphärische Zustandsparameter und die Konzentration von atmosphärischenSpurengasen bestimmen. Beispielsweise dienen Lidar-Instrumente auch der Überwachung vonEmissionsmengen von Schornsteinen von Fabriken auf Einhaltung vorgegebenerGrenzwerte.

Je nachWellenlänge des verwendeten Laserlichts sind Lidar-Systeme mehr oder weniger empfindlich für molekulare oder Partikelrückstreuung. Auch hängt die Stärke der Rückstreuung bei einer Wellenlänge von der jeweiligen Partikelgröße und Konzentration ab. Mit Lidar-Systemen, die mehrere Wellenlängen nutzen, kann daher die genaue Größenverteilung der atmosphärischen Partikel bestimmt werden.

Mit ausgefeilten Techniken lässt sich mittels Lidar eine Vielzahl an Zustandswerten der Atmosphäre messen: Druck,Temperatur, Feuchte, Wasserdampf-Konzentration sowie die Konzentration atmosphärischer Spurengase (Ozon,Stickoxide,Schwefeldioxid,Methan und so weiter). Außerdem lassen sich dieoptischen Eigenschaften von Aerosolen und Wolkenpartikeln bestimmen (Extinktionskoeffizient, Rückstreuungskoeffizient,Depolarisation). Mit einem Depolarisations-Lidar lässt sich derAggregatzustand (flüssig oder fest, also bei Wolkenteilchen: ob noch Wasser oder schon Eis) bestimmen (siehe auchPolarisation).

Raman-Lidar-Systeme

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Raman-Lidar-Systeme (siehe auchRaman-Spektroskopie) detektieren zusätzlich zur Rückstreuung der gerade ausgesendeten Strahlung einer bestimmten Wellenlänge (elastische Rückstreuung) auch Signale bei anderen Wellenlängen. Diese Signale entstehen dadurch, dass ein Teil der Energie des ausgesendeten Lichts bei derReflexion in Wärme, das heißtVibration oderRotation vonMolekülen bzw.Gitterschwingungen von Kristallen, umgewandelt wird (inelastische Streuung). Dieser Energieverlust bei der Reflexion ist charakteristisch für Schwingungsmodi verschiedener chemischer Bindungen. Wassermoleküle streuen beispielsweise grünes Licht mit kleiner Wahrscheinlichkeit rot zurück (frequenzverdoppeltes Nd:YAG-Laserlicht einer Wellenlänge von 532 Nanometern wird bei 660 Nanometern zurück gestreut). Dieser Prozess wird bei der Bestimmung des Wasserdampfmischungsverhältnisses in der Atmosphäre (Wasserdampf-Raman-Lidar) verwendet. Die Intensität der inelastischenRaman-Streuung verhält sich gegenüber der Wellenlänge so wie die elastische Rayleigh-Streuung, also umgekehrt proportional zur vierten Potenz der Wellenlänge. Daher ist es sinnvoll, auf Laser im ultravioletten Spektralbereich zurückzugreifen, also zum Beispiel frequenzverdreifachteNd:YAG-Laser (355 Nanometer) oder sogar Xe:Cl-Excimer-Laser mit 308 Nanometern Wellenlänge. Bei noch kürzeren Wellenlängen dominiert jedoch die Absorption durch atmosphärisches Ozon, so dass sich über die stärkere Rückstreuung bei größeren Entfernungen (mehrere Kilometer) kein weiterer Vorteil erzielen lässt.

Differentielle Absorptions-Lidar

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Spurengaskonzentrationen können auch – und bei den meisten Stoffen genauer – mit der Methode desdifferentiellen Absorptions-Lidars (engl.:differential absorption lidar,DIAL) gemessen werden. Bei dieser Technik werden zwei Laserpulse unterschiedlicher Wellenlänge ausgesendet. Eine der Wellenlängen wird so gewählt, dass sie vom Stoff, dessen Konzentration bestimmt werden soll, absorbiert wird (On-line-Wellenlänge); die andere Wellenlänge so, dass sie nicht oder möglichst wenig absorbiert wird (Off-line-Wellenlänge). Aus dem schrittweisen Vergleich der Rückstreusignale (jeweils für „on“ und „off“) kann dann das Konzentrationsprofil des Stoffes entlang der Ausbreitungslinie der Laserpulse berechnet werden. Absorptionskoeffizienten sind in der Regel aus Laborexperimenten gut bekannt; DIAL bestimmt mittels der entsprechenden Werte für On- und Off-Wellenlänge die atmosphärische Spurengaskonzentration, ohne dass eine weitere Kalibrierung des Instrumentes erforderlich wäre (die Technik ist „selbstkalibrierend“). Dafür müssen allerdings die Wellenlängen der Laserpulse sehr genau eingestellt bzw. kontrolliert werden. Da die Absorptionskoeffizienten von Druck und Temperatur abhängen, müssen diese entlang derMessstrecke genau bekannt sein. Vor allem bei der Vertikalsondierung der Atmosphäre spielt dieser Umstand eine große Rolle. Ebenso muss berücksichtigt werden, dass das Rückstreulicht (Rayleigh-Streuung) eine temperaturabhängige Dopplerverbreiterung erfährt. Dieser Effekt tritt jedoch nicht bei der Rückstreuung an Partikeln (Aerosolen) auf. Daher müssen auch Informationen über das Verhältnis von Rayleigh-Streuung und Rückstreuung an Partikeln eingeholt werden.

Unter aerosolfreien Bedingungen und der Annahme, dass die spektrale Verteilung des Lichts nicht signifikant durch das zu messende Spurengas selbst verändert wird, gilt die vereinfachte Lidar-Gleichung für das DIAL:

N(r)=1Δσ(r)+Δσ(r)[ddrlnSon(r)Soff(r)]{\displaystyle N(r)={\frac {1}{\Delta \sigma _{\uparrow }(r)+\Delta \sigma _{\downarrow }(r)}}\cdot \left[-{\frac {\text{d}}{{\text{d}}r}}\ln {\frac {S_{\mathrm {on} }(r)}{S_{\mathrm {off} }(r)}}\right]}

Dabei istN(r){\displaystyle N(r)} die Konzentration des zu messenden Spurengases,Δσ(r){\displaystyle \Delta \sigma _{\uparrow }(r)} bzw.Δσ(r){\displaystyle \Delta \sigma _{\downarrow }(r)} die Differenzen der effektiven Absorptionsquerschnitte(σoffσon){\displaystyle (\sigma _{\mathrm {off} }-\sigma _{\mathrm {on} })} auf dem Lichtweg des Laserstrahls bis zum Streuprozess bzw. auf dem Lichtweg vom Streuprozess zum Lidar-Empfänger undSon(r){\displaystyle S_{\mathrm {on} }(r)} undSoff(r){\displaystyle S_{\mathrm {off} }(r)} die Rückstreusignale der Laserschüsse auf den Wellenlängenλon{\displaystyle \lambda _{\mathrm {on} }} bzw.λoff{\displaystyle \lambda _{\mathrm {off} }}. Bei einer signifikant aerosolhaltigen Atmosphäre ist die Berechnung vonN(r){\displaystyle N(r)} allgemein erheblich komplexer, da die spektrale Verteilung des rückgestreuten Lichts stark von der Verteilung der Aerosole abhängig ist.

Risiken

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Bei der von einigenKraftfahrzeugen genutzten Abstandsmessung mittels Lidar können die ausgesandten Infrarot-Laserstrahlen den Sensor einer Kamera (z. B. in einem Smartphone) beim Auftreffen dauerhaft beschädigen, sofern der Abstand zwischen Lidar-Kapsel und Kamera nur wenige Meter beträgt und das Lidar System mit einem 1550-nm-Laser arbeitet.[3][4]

Weitere Anwendungen

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LIDAR-Punktewolke,Flughafen Zürich, Terminal A

Lidar-Systeme werden von Luftfahrzeugen aus eingesetzt, umdigitale Geländemodelle zu erstellen. Durch die hohe mögliche Punktdichte ist es dabei sogar in Wäldern möglich, durch die Blätterkronen von Bäumen hindurch bis auf den Erdboden zu messen. Auf diese Weise können auch in solchen Gebieten prähistorische Stätten aufgespürt werden.[5]

Lidar ersetzt immer stärker das Radar als Messinstrument bei mobilenGeschwindigkeitskontrollen. Auch bei stationären Geschwindigkeitsmessungen kann die Lidar-Technologie als Alternative zu dort verbreiteten Techniken wieInduktionsschleifen eingesetzt werden.[6]

AuchLaserentfernungsmesser für Handwerk, Bau- und Vermessungswesen arbeiten nach dem Lidar-Prinzip. Prinzipiell können alle auch vom Radar her bekannten Messprinzipien für Lidar angewandt werden.

Vorschauender Lidar-Sensor einesNio EL7

Lidar-Systeme kommen auch im Bereich der Fahrerassistenzsysteme für Automobile und „automatisiertes Fahren“ zur Anwendung. Weiterhin kommt das Sensorprinzip infahrerlosen Transportfahrzeugen zum Einsatz, siehe auchLidar zur Hinderniserkennung.[7] Der Einsatz ist hier auch teilweise genormt, um Unfälle mit Personen, die die automatischen Fahrwege kreuzen könnten, zu vermeiden (Personenschutzanlage).[8] Die hier verwendeten Systeme sind i. d. R. als kompakte Sensormodule ausgeführt. Bei einer typischen Bauform wird der Laserstrahl zwar horizontal über einen weiten Winkelbereich abgelenkt (bis zu 360°), vertikal sind jedoch nur einige wenige Winkel kanalweise realisiert (zum Beispiel 16 Kanäle mit jeweils 2° Abstand). Dies reicht für eine Hinderniserkennung typischerweise vollkommen aus.[9]

Weiterhin werdenWind-Lidar-Systeme von modernen Passagierflugzeugen zur Detektion von Turbulenzen und Scherwinden im Nahbereich (in Flugrichtung) benutzt.

In derWindenergiebranche wird zunehmend neben akustischen Messverfahren (Sodar) auch Lidar eingesetzt, um horizontale und vertikaleWindgeschwindigkeit undWindrichtung zu messen und zum Beispiel an die Leitstelle zur optimalen Einstellung der Windräder zu übermitteln. Die Messung erfolgt typisch im Bereich von 40 bis 200 Metern Höhe und erfasst Windgeschwindigkeiten zwischen 0 und 70 Metern pro Sekunde bei 0,1 Metern pro Sekunde Genauigkeit. Der Vorteil von Lidar gegenüber Sodar besteht in der geringeren Störanfälligkeit gegenüber Geräuschen, womit eine weitere Verbreitung der Technik absehbar ist. Ein weiterer Vorteil gegenüber Sodar-Systemen ist, dass moderne, kommerziell erhältliche Lidar-Systeme klein und leicht sind und von ein bis zwei Personen transportiert bzw. auf- und abgebaut werden können. Das macht sie somit auch interessant für kurzzeitige Messungen, zum Beispiel bei der Standortsuche oder für die Leistungskennlinienvermessung vonWindkraftanlagen.[10][11]Auch in derOffshore-Branche wird an dem Einsatz von Lidar-Systemen gearbeitet. So gibt es bereits installierte Messgeräte auf Offshore-Plattformen[12] sowie erste Prototypen von bojengestützten Lidar-Windmessgeräten.[13] Es gibt auch Ansätze, das Lidar direkt auf die Gondel von Windkraftanlagen zu installieren.[14]

Die Wind-Lidar-Systeme werten die durch denDopplereffekt verursachte Frequenzverschiebung zwischen ausgesendetem und empfangenem Signal aus, das zuvor an Aerosolen reflektiert wurde, die mit dem Wind (und damit in Geschwindigkeit und Richtung gleich dem Wind) mitgetragen wurden. Durch die Messung in mindestens drei verschiedene Richtungen lässt sich somit Betrag und Richtung des Windvektors errechnen.[15]

Seit Oktober 2020 sind iPad Pro und iPhone 12 Pro erhältlich. Beide können mit Lidar innerhalb einer Reichweite von fünf Metern Raumtiefen in Innenräumen und im Freien vermessen.[16]

In derRobotik kommen Lidar-Systeme seit Jahren zur Objekterkennung und Umgebungserfassung zum Einsatz.[17]

Sie werden auch zur luftgestützten Dichtheitsüberprüfung vonErdgasleitungen (Gasferndetektion) durch die zuverlässige, laserbasierte Detektion vonMethan in bodennahen Luftschichten (sieheDVGW-Merkblatt G 501) verwendet.

Siehe auch

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Literatur

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  • Claus Weitkamp:Lidar – range-resolved optical remote sensing of the atmosphere. Springer, New York 2005,ISBN 0-387-40075-3.
  • Takashi Fujii:Laser remote sensing. CRC, Taylor & Francis, Boca Raton 2005,ISBN 0-8247-4256-7.
  • Albert Ansmann:Advances in atmospheric remote sensing with lidar. Springer, Berlin 1997,ISBN 3-540-61887-2.

Weblinks

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Commons: Lidar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Was ist LiDAR? IBM, abgerufen am 29. Juli 2025. 
  2. Automotive LiDAR Technologie. Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme, abgerufen am 29. Juli 2025. 
  3. Malte Mansholt: Vorsicht! Warum moderne Autos Ihre Smartphone-Kamera zerstören können. In: stern.de. 13. Oktober 2025, abgerufen am 16. Oktober 2025. 
  4. Stefan Krempl: Autonomes Fahren: Lidar kann Smartphone-Kameras schwer beschädigen. In: heise.de. 25. Mai 2025, abgerufen am 16. Oktober 2025. 
  5. deutschlandfunk.de: Lidar-Verfahren - Wie die Archäologie mit Luftscans arbeitet. Abgerufen am 17. Mai 2022. 
  6. POLISCAN SPEED STATIONÄR – VITRONIC – the machine vision people. In: www.vitronic.de. Abgerufen am 5. Juli 2016. 
  7. H. Härter, LIDAR-Technik, Sensorik als Schlüsseltechnik für autonomes Fahren, Elektronik Praxis, 17.7.17[1]
  8. PDF Preview. Archiviert vom Original am 9. März 2016; abgerufen am 13. November 2025. 
  9. Jörg Böttcher: Online-Kompendium Messtechnik und Sensorik. Abgerufen am 30. Oktober 2019. 
  10. Meteotest: Über uns. 5. Juni 2020, abgerufen am 5. Juni 2020. 
  11. Archivierte Kopie (Memento vom 5. Januar 2018 imInternet Archive)
  12. Archivierte Kopie (Memento vom 8. Januar 2014 imInternet Archive)
  13. 3E. Abgerufen am 5. Juni 2020 (amerikanisches Englisch). 
  14. Archivierte Kopie (Memento vom 10. April 2013 imInternet Archive)
  15. Doppler Lidar Systems - MITSUBISHI ELECTRIC. Abgerufen am 5. Juni 2020. 
  16. Stellv Chefredakteur: Lidar im iPhone: Was das ist und wozu es dient. 10. Mai 2023, abgerufen am 25. Oktober 2023. 
  17. Technik Autonomer Systeme : Solutions. Abgerufen am 15. Juli 2021. 
Normdaten (Sachbegriff):GND:4167607-5 (GND Explorer,lobid,OGND,AKS)
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