Video einer Löwin und ihrer Jungen im Phinda-Reservat
DerLöwe (Panthera leo) ist neben demTiger eine der beiden größten Arten aus derFamilie derKatzen. Er ist heute nur noch in TeilenAfrikas südlich derSahara sowie im indischen BundesstaatGujarat beheimatet; in Afrika ist er das größteLandraubtier. Charakteristisches Merkmal erwachsener Männchen ist eine Mähne. Löwen leben im Unterschied zu anderen Katzen inRudeln. Eine veraltete, poetische Bezeichnung istLeu.
Männlicher Löwe in Okonjima, NamibiaWeibchen des Asiatischen Löwen
Löwen weisen unter anderem hinsichtlich ihrer Körpergröße einen deutlichenSexualdimorphismus auf: Männchen sind durchschnittlich größer und schwerer (siehe Tabelle). Die größten Löwen leben heute im südlichen Afrika, die kleinsten in Asien. Die größten Löwenformen desPleistozän, zum Beispiel derAmerikanische Löwe und derHöhlenlöwe, waren deutlich größer, werden heute aber meist zu eigenständigen Arten gerechnet.
Dewalt Keet[8] A.Roberts[9] Nowell & Jackson 1996[10]
Asien: Durchschnitt: 160 kg Maximum: 190 kg
Asien: Durchschnitt: 116,5 kg, Maximum: 138 kg
Nowell & Jackson 1996[10] Yadvendradev V Jhala 2019[4]
Löwen sind die einzige Katzenart mit einer Schwanzquaste, charakteristisches Merkmal sowohl von Männchen als auch Weibchen. Löwin im Louisville Zoo, Kentucky
Löwen haben ein kurzes, sandfarben oder gelblich bis dunkelocker oderlohfarben (hell rotbraun) gefärbtes Fell. Die Unterseite und die Beininnenseiten sind heller beziehungsweise weiß.[7] Auffällig ist die schwarze Schwanzquaste, die häufig einen als Hornstachel bezeichnetenkeratinösen Sporn umgibt.[11] Junge Löwen haben dunkle Flecken, die während des ersten Lebensjahres verblassen. Selten bleiben diese Flecken auch bei erwachsenen Löwen sichtbar, aber stets undeutlich und nur aus der Nähe erkennbar.
Weiße Löwen verdanken ihre Färbung einer Farbmutation. Zoologischer Garten Bratislava, Slowakei
Wie bei Tigern gibt es bei Löwen gelegentlichenLeuzismus: Löwen mit nahezu weißem Fell. Diese Tiere sind keineAlbinos, was äußerlich daran erkennbar ist, dass sie keine roten Augen haben; im Gegensatz zu Albinos bilden leuzistische Tiere das PigmentMelanin. Bei Leuzismus wird die weiße Fellfarbe über einrezessives Gen vererbt. Weiße Löwen treten heute nur in der südafrikanischen (in ihremtaxonomischen Status umstrittenen; siehe unten)Unterart Transvaal-Löwe (Panthera leo krugeri) auf. Seit 1995 (Stand: 2015) wurden keineadulten weißen Löwen in freier Natur beobachtet, obwohl gelegentlich weiße Jungtiere geboren wurden. Dies hängt jedoch offenbar nicht damit zusammen, dass weiße Löwen einen geringeren Jagderfolg hätten, weil sie für potenzielle Beutetiere leichter zu entdecken wären: Ausgewilderte weiße Löwen hatten unter naturnahen Bedingungen in umzäunten Freilandgebieten keinen signifikant geringeren Jagderfolg als normale lohfarbene(tawny) Löwen. Der Jagderfolg weißer Löwen basiert offenbar darauf, dass Löwen häufig nachts jagen und tagsüber bei der Jagd Deckung bietende Vegetation nutzen. Die Autoren dieser Untersuchung schließen aus den Ergebnissen, dass die Überlebensbedingungen weißer Löwen von Natur aus nicht schlechter sind als die normal gefärbter und dass heute deswegen keine erwachsenen weißen Löwen mehr in freier Natur beobachtet werden, weil diese vonTrophäenjägern ausgerottet werden.[12] Eine weitere, allerdings selten auftretende Färbungsvariante sind schwärzliche,melanistische Löwen.[7]
Dieses subadulte (vor seinem Erwachsenendasein stehende) Männchen trägt als Zeichen einer sich entwickelnden Mähne längeres Fell an Kopfseiten und Brust sowie eine „Irokesenmähne“(Mohawk mane) an Hinterkopf und Nacken. Tierpark Hellabrunn, München
Adulte Männchen haben eine lange Mähne, die oft dunkelbraun ist, aber auch schwarz, hellbraun oder rotbraun sein kann. Diese Mähne breitet sich von Kopf und Hals bis über Brust und Schultern aus, seltener über den Bauch.[7] Form und Farbe der Mähne variieren nicht nur zwischen Individuen, sondern auch beim selben Individuum im Laufe des Lebens in Abhängigkeit von der körperlichen Verfassung.
Die Mähnen asiatischer Löwen sind weniger ausgeprägt als die afrikanischer Löwen. Männchen im indischen Gir-Nationalpark
Besonders lange und dunkle Mähnen sind ein Zeichen guter Verfassung und Kampfeskraft, da Hormonstatus und Ernährungszustand Auswirkungen auf Dichte und Länge der Mähne haben. Experimentelle Untersuchungen mit ausgestopften Löwenmännchen haben gezeigt, dass Weibchen positiv auf Modelle mit längeren und dunklen Mähnen reagieren, während Männchen Modelle mit ausgeprägten Mähnen eher meiden. Praktischen Nutzen könnte die Mähne als Schutz gegen Prankenhiebe und Bisse bei Kämpfen rivalisierender Männchen haben. Deshalb haben Männchen durch eine Mähne einenSelektionsvorteil, nicht aber Weibchen, die nicht auf Kämpfe spezialisiert sind. Bei der Jagd ist eine Mähne, anders als bei Kämpfen, nicht von Vorteil. Andererseits haben Forschungen gezeigt, dass auch die Temperatur einen wichtigen Einfluss auf die Größe der Mähne hat und Löwenmännchen in kälteren Gebieten auch unabhängig von ihrer Unterart stärkere Mähnen ausbilden als solche, die in sehr warmen Gebieten leben. So bilden Löwenmännchen in Zoos kühler Regionen meist stärkere Mähnen aus als ihre Artgenossen in wärmeren Gefilden. Bei asiatischen Löwen ist die Mähne weniger deutlich ausgeprägt als bei ihren afrikanischen Artgenossen.
Bereits bei zwölf Monate alten Männchen sind Anzeichen einer sich entwickelnden Mähne erkennbar.[13] Es dauert mehr als fünf Jahre, bis ein Löwenmännchen eine voll ausgebildete Mähne hat. In einigen Gebieten Afrikas, etwa imTsavo-Nationalpark in Kenia, sind zahlreiche Männchen mähnenlos oder besitzen nur schwache Mähnen. Auch imPendjari- undW-Nationalpark-Gebiet in Westafrika tragen nahezu alle Männchen keine oder wenig entwickelte Mähnen.[14]
In seltenen Fällen kommt es auch vor, dass weibliche Löwen eine Mähne ausbilden. ImOkavangodelta inBotswana wurden mehrfach Löwinnen gesichtet, die wie männliche Tiere aussahen und sich auch so verhielten. Grund könnte entweder einGendefekt bei der Entwicklung des Embryos oder eventuell ein besonders hoherTestosteronspiegel beim Muttertier während der Trächtigkeit sein.[15] Die prähistorischen Löwen der Spelaea-Gruppe (siehe unten) hatten vermutlich keine Mähnen.
Verbreitungsgebiet des Löwen: historisch (rot) und heute (blau)
Während der letztenVereisung hatten Löwen (die je nachsystematischer Einordnung verschiedene Arten repräsentierten oder als Unterarten nur einer Art eingestuft werden) ein großes Verbreitungsgebiet. Es reichte in der letzten Kaltzeit von Peru bis Alaska, wo derAmerikanische Löwe vorkam,[16] und erstreckte sich über Sibirien und weite Teile Nordasiens und Europas, wo derHöhlenlöwe vorkam, bis Indien, Arabien und Afrika im Süden.[17] Einen Großteil dieses Verbreitungsgebietes büßten die Löwen allerdings schon am Ende der Vereisungszeit ein.
Das geschichtliche Verbreitungsgebiet des rezenten Löwen umfasste nicht nur große Teile Afrikas, sondern auch das südöstlicheEuropa sowieVorderasien undIndien. Eurasien wurde während desLetzteiszeitlichen Maximums vor etwa 21.000 Jahren von Afrika aus besiedelt.[18] Nordafrika war zu dieser Zeit etwas kühler als heute und extrem trocken; Südeuropa war großenteils von halbwüstenartigerSteppe bedeckt, in feuchteren Regionen gab es eingestreute Baumgruppen.[19]
Ob von derIberischen Halbinsel bis Italien Löwen lebten, ist unklar. Fossilfunde aus dem frühenHolozän im Norden Spaniens lassen sich nicht eindeutig dem Löwen zuordnen, es könnte sich auch um Überreste des Höhlenlöwen gehandelt haben. Eineisenzeitlicher Löwenfund aus dem Süden Spaniens könnte auf Tiere zurückzuführen sein, die von Römern für Zirkusspiele eingeführt wurden. Umstritten ist auch, ob in Italien gefundene, etwa 7000 bis 9000 Jahre alte Zähne vom Löwen oder vom Höhlenlöwen stammen.[20]
Ruheplätze in Bäumen bieten Löwen Schutz vor möglichen Angreifern, ein kühleres Mikroklima und Aussichtspunkte. Junge Löwen im Queen Elizabeth National Park, Uganda
In Europa stammen die meisten fossilen Nachweise des Löwen ausGriechenland,Bulgarien,Ungarn und derUkraine. Der älteste, allerdings nicht zweifelsfrei gesicherte fossile Hinweis auf einen Löwen in Europa betrifft die späteJungsteinzeit Bulgariens, etwa 6000 Jahre v. Chr. Auch ein griechischer Fund wird auf die späte Jungsteinzeit datiert („Late Neolithic II“, etwa 5000 v. Chr.). Die größtenteils zu Ungarn gehörendePannonische Tiefebene besiedelten Löwen ebenfalls etwa 5000 v. Chr., als das Klima dort (nach einem Temperaturoptimum 5700 v. Chr.) kühler und trockener wurde, die Tiefebene jedoch eine vielfältige Fauna großer Pflanzenfresser beherbergte. Fossilien des Löwen in der Ukraine wurden auf 6400 bis 2000BP datiert (umgerechnet: 4450 v. Chr. bis 50 v. Chr.). Die meisten ukrainischen Fundorte liegen an der Schwarzmeerküste im RaumOdessa; der nördlichste Fundort liegt im GroßraumKiew bei 50 Grad nördlicher Breite. In Ungarn erreichte die nördliche Verbreitung des Löwen Breitenlagen bis 48 Grad.[21][22]
Die jüngsten griechischen Fossilien werden in die Periode derArchaik (800 bis 500 v. Chr.) datiert.[23] Dass auf demBalkan noch in derAntike Löwen lebten, berichten auch zeitgenössische Gelehrte wieHerodot,Aristoteles,Plutarch undXenophon.[24] Der Löwe starb in Griechenland im Zeitraum vom 4. vorchristlichen bis zum 1. nachchristlichen Jahrhundert aus.[25] In der Ukraine geben schriftliche und bildliche Überlieferungen aus demMittelalter Hinweise auf ein dortiges Löwenvorkommen noch im 12. Jahrhundert.[26] ImNahen Osten und imSüdkaukasus überlebte der Löwe bis ins 12. oder 13. Jahrhundert. In Nordafrika wurden die letzten Löwen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgerottet; die letzten nordafrikanischen Nachweise stammen aus dem Tschad (1940) und aus Marokko (1942). Heute ist die Verbreitung weitestgehend auf das Afrika südlich der Sahara beschränkt. Auch die asiatischen Löwenpopulationen wurden im 20. Jahrhundert nahezu vollständig vernichtet. Im Iran wurden die letzten Löwen 1957 beobachtet. Ein kleiner, in neuer Zeit zunehmender Restbestand hat sich in Indien unter anderem imGir-Nationalpark inGujarat gehalten.[20]
Löwen sind anpassungsfähig und kommen in einer Vielzahl vonHabitaten vor. Der bevorzugte Lebensraum des Löwen ist dieSavanne, doch besiedelt er auchTrockenwälder undHalbwüsten. Niemals findet man ihn in dichten, feuchten Wäldern und in extrem trockenen Wüsten. Deshalb fehlt die Art in den zentralafrikanischenRegenwäldern und im Innern der Sahara.[7] In Nordafrika besiedelten Löwen auch winterkaltes Bergland; im Gebirge kommen sie in Höhen von mehr als 4000 Metern vor.[27][28]
Wie bei fast allen Großtieren Afrikas geht die Hauptgefährdung der Löwen durch den Menschen von Lebensraumzerstörungen und direkten Nachstellungen aus. Nach Einschätzung derIUCN ist der weltweite Löwenbestand von 1993 bis 2014 um 43 Prozent zurückgegangen. In stichprobenartig ausgewähltenSubpopulationen nahmen die Bestände in vier südafrikanischen Ländern (Botswana, Namibia, Südafrika, Zimbabwe) sowie in Indien in dieser Zeit um durchschnittlich zwölf Prozent zu, in den weitaus meisten Ländern des heutigen Verbreitungsgebiets, und zwar in solchen mit hoher Bevölkerungsdichte, jedoch um 60 Prozent ab; in zwölf afrikanischen Ländern ist der Löwe in neuerer Zeit(recently) ausgestorben, in sieben weiteren, vorwiegend westafrikanischen Ländern möglicherweise ausgestorben.[28] Der Bestandsrückgang setzte sich in späteren Jahren fort, ein mögliches Ende des Rückgangs ist nicht absehbar; für den Zeitraum von 2018 bis 2023 schätzte die IUCN ihn auf acht Prozent. Am stärksten vom Rückgang betroffen sind west- und zentralafrikanische Löwen. Der größte Anteil afrikanischer Löwen lebt in Südafrika (47,6 Prozent) und Ostafrika (46,5 Prozent; Zentralafrika: 4,8 Prozent; Westafrika: 1,1 Prozent).[29]
Hauptursachen für den Rückgang sind Lebensraumzerstörungen und die damit einhergehende Fragmentierung von Populationen sowie direkte Verfolgung, unter anderem durch Viehhalter, die giftkontaminierte Kadaver auslegen. Darüber hinaus ließ Wilderei für den zunehmend kommerzialisierten Handel mit „Buschfleisch“ die Populationen von Beutetieren der Löwen in weiten Teilen der Savannen Afrikas kollabieren, womit Löwen die Nahrungsbasis verloren ging. Um Huftiere zu wildern, werden Schlingen ausgelegt, in denen sich auch Löwen und andere Großraubtiere fangen; die Anzahl der in Schlingen gefangenen Löwen nimmt offenbar zu. Weitere wachsende Bedrohungen für Löwen sind die Gewinnung von Körperteilen für die traditionelle Medizin in Afrika und Asien sowie kriegerische Konflikte. Hinzu kommt eine teilweise unzureichend reglementierte Trophäenjagd.[29] Ein weiteres Problem sind Krankheiten wieStaupe, die in extremen Klimaperioden aufgrund von Co-Infektionen mit einzelligenBabesien für erhebliche Teile eines Löwenbestands tödlich verlaufen kann,[30] sowieRinder-Tuberkulose, für die insbesondere kleine, isolierte und deshalb zurInzucht neigende Löwenpopulationen anfällig sind.[31]
Das derzeit vom Löwen besiedelte Gebiet macht etwa 7,4 Prozent seines historischen Verbreitungsgebiets aus. Von 2002 bis 2023 verkleinerte sich das verbliebene Verbreitungsgebiet um 36 Prozent. Die IUCN schätzte die Anzahl subadulter und erwachsener Löwen für 2023 auf 23.000 – ein allerdings mit erheblichen Unsicherheiten behafteter Wert. Der Löwe wird von der IUCN insgesamt in dieGefährdungskategorieVulnerable (gefährdet) eingestuft; die Population des Löwen in Westafrika, der einer anderen Unterart als die südostafrikanischen Löwen angehört, gilt als vom Aussterben bedroht(Critically Endangered).[29][32] Der auf denGir-Nationalpark und angrenzende Gebiete in Indien beschränkte Bestand asiatischer Löwen (dieselbe Unterart wie der westafrikanische Löwe) wurde 2020 auf 670 subadulte und erwachsene Tiere geschätzt. In einigen Schutzgebieten Afrikas haben intensive Schutzbemühungen die Löwenbestände stabilisiert, im Süden Afrikas vor allem in umzäunten Gebieten offenbar auch mit positiven Bestandsentwicklungen; gebietsweise wurde die Art wiedereingebürgert. In anderen Gebieten gingen die Bestände zurück oder sind erloschen.[29]
Ein Löwenrudel im Masai Mara National Reserve in KeniaJunge Löwinnen im Etosha-NationalparkSubadulte Löwen, ein Weibchen (links) und zwei Männchen, im Masai Mara Schutzgebiet in Kenia
Im Gegensatz zu anderen, eher einzelgängerischen Großkatzen leben Löwen im Rudel. Ein solches Rudel besteht zumeist aus drei bis zehn, ausnahmsweise bis zu 21 untereinander verwandten Weibchen und deren Nachkommen, die von einer sogenannten „Koalition“ aus einigen erwachsenen Männchen gegen rudelfremde Männchen verteidigt werden. Für gewöhnlich gibt es in einem Rudel drei oder vier erwachsene Männchen, ausnahmsweise bis zu neun, selten nur eines. Diese Männchen sind in der Regel (aber nicht immer) miteinander verwandt, sie stehen in der Rangordnung über den Weibchen.[33][7]
Die Größe von Streifgebieten, die sich entweder mit Gebieten anderer Rudel überlappen oder gegen andere Rudel verteidigt werden – im letzteren Fall sind es Territorien, auchReviere genannt – variiert in Abhängigkeit von der Rudelgröße und der Häufigkeit von Beutetieren. Sie umfasst zumeist etwa 100 bis 200 Quadratkilometer, kann jedoch auch bis zu viereinhalbtausend Quadratkilometer betragen. Reviergrenzen werden mit Kot, Urin und Kratzspuren markiert, auch das weithin hörbare Gebrüll demonstriert den Anspruch der Revierinhaber.[7]
Die jungen Männchen bleiben etwa zwei bis drei Jahre im Rudel, bis sie ihre Geschlechtsreife erreicht haben; danach werden sie vertrieben. Sie streifen dann mitunter über Jahre umher und schließen sich meist mit anderen nomadisierenden Männchen zusammen. Diese Bindung zwischen miteinander verwandten oder auch fremden Löwen kann dabei sehr stark werden. Die Nomaden legen in dieser Zeit sehr große Strecken zurück, respektieren keine Reviergrenzen, gründen aber auch keine eigenen Reviere. Um ein eigenes Rudel zu erobern, müssen sie die alten Revierbesitzer vertreiben oder im Kampf besiegen. Solche Kämpfe sind in der Regel blutig, und nicht selten können sie tödlich enden. Geschlagene Rudelführer werden vertrieben und führen dann meist ein Leben als Einzelgänger. Oft sterben sie jedoch an den Folgen der Kampfverletzungen.
Nach der Eroberung eines Rudels durch neue Männchen kommt es häufig zumInfantizid, das heißt, die neuen Rudelführer töten die Jungen ihrer Vorgänger. Dieultimate Ursache dieses Verhaltens besteht entsprechend der Theorie desegoistischen Gens darin, dass die Weibchen als Folge des Infantizids nach kurzer Zeit wieder paarungsbereit sind und die neuen Männchen eigenen Nachwuchs zeugen und so ihre Gene verbreiten können. Die führenden Männchen des Rudels können sich meist nur für wenige Jahre gegen Konkurrenten durchsetzen, bis sie von jüngeren, stärkeren Artgenossen vertrieben oder getötet werden. Im Durchschnitt wechseln die dominanten Männchen eines Rudels alle zwei bis drei Jahre. Im Gegensatz zu den Männchen verbringen die Weibchen in der Regel ihr gesamtes Leben in dem Rudel, in dem sie geboren wurden.
Löwen sind weniger reinlich als beispielsweise Hauskatzen; in der Regel wird nur der Nasenrücken gereinigt. Gegenseitige Fellpflege gibt es bei groben Verschmutzungen wie zum Beispiel durch Blut der Beutetiere.
Löwin im Kampf mit einemKaffernbüffel in derSerengeti. Löwen springen große Huftiere von hinten an, um sie zu Fall zu bringenZwei Männchen beim Kampf um die Beute,Etosha-NationalparkMännchen und Jungtier an einem Kaffernbüffel im südafrikanischen Kruger-Nationalpark
Löwen jagen meist bei Dunkelheit oder in den kühlen Morgenstunden. Sie sind opportunistische Jäger, die zumeist diejenigen Tiere erbeuten, die gerade verfügbar sind. Zu den Beutetieren gehören vor allem mittelgroße und große Huftiere wieAntilopen,Gazellen,Gnus,Büffel,Zebras undWarzenschweine, auch domestizierte Huftiere wie Hausrinder und Esel, aber auch Raubtiere wieHyänen undSchakale sowie kleinere Säugetiere wie Hasen und Nagetiere, außerdem Vögel wie Geier und Strauße und manchmal Reptilien wie Schildkröten und Krokodile sowie Fische und sogar Insekten.[7] In manchen Gegenden spezialisieren sich Löwen auch auf eher untypische Beutetiere. So schlagen Löwen in großen Rudeln mit Gruppenstärken von etwa 30 Tieren amSavuti bisweilen halbwüchsigeElefanten und amLinyantiFlusspferde (beides imChobe-Nationalpark,Botswana) oder auchGiraffen (meist Jungtiere). In Teilen dieses Nationalparks und im benachbartenHwange-Nationalpark machen Elefanten etwa 20 Prozent der Löwennahrung aus, wobei vor allem Jungtiere und insbesondere Halbwüchsige im Alter von vier bis elf Jahren erlegt werden.[34][35] In Namibia zählen bei den Wüstenlöwen auchSeebären zu den Beutetieren.[36] Selbst große Rudel sind aber nicht in der Lage, ausgewachseneNashörner zu erlegen.
Männliche Löwen sind erfolgreiche Jäger, nehmen jedoch nur an drei bis vier Prozent der Jagden teil; häufiger als Weibchen fressen sieAas.[7] Eine Studie im Kruger-Nationalpark ergab allerdings, dass selbst territoriale männliche Löwen, die ein Rudel besitzen, regelmäßige Jäger sind. Besonders in dicht bewachsenen und unübersichtlichen Lebensräumen scheinen rudelführende Männchen sich weniger von der Beute ihrer Weibchen zu ernähren als in offenen Lebensräumen. Nicht-territoriale Löwenmännchen, die noch kein Rudel erobern konnten, müssen sich ohnehin ihre Beute selbst beschaffen und regelmäßig jagen. Im Gegensatz zu den weiblichen Tieren, die im untersuchten Gebiet vor allem Zebras und Gnus bevorzugten, jagten die Löwenmännchen vor allem Kaffernbüffel.[37] Junglöwen gehen im Alter von drei Monaten zum ersten Mal mit der Mutter zur Jagd. Erst im Alter von zwei Jahren haben sie die Jagdkunst so weit erlernt, dass sie nicht mehr von Alttieren abhängig sind.[7]
Löwen sind keine ausdauernden Läufer und können ihre Höchstgeschwindigkeit von etwa 60 Kilometer pro Stunde nicht lange durchhalten.[38] Viele der wesentlichen Beutetiere erreichen außerdem eine höhere Höchstgeschwindigkeit als Löwen. Auf Grund des Körperbaus kann ein Löwe jedoch schnell beschleunigen und ist daher auf kurzer Distanz in der Lage, beispielsweise ein Zebra einzuholen, das ihm aufgrund seiner Höchstgeschwindigkeit von 65 Kilometer pro Stunde auf längeren Strecken entkommen könnte. Löwen müssen sich deshalb im Normalfall bis auf wenige Dutzend Meter an die Beute heranpirschen. Sie schleichen sich geduckt oft über mehrere hundert Meter an die Beute heran, wobei jede Deckung ausgenutzt wird. Je näher sie der Beute kommen, desto mehr achten sie auf Deckung. Ist eine Distanz von zirka 30 Metern erreicht, wird die Beute in mehreren Sätzen angesprungen; jeder Sprung ist dabei etwa sechs Meter weit. Durch die Wucht des Aufpralls kann selbst ein Beutetier, das wie beispielsweise ein Zebra doppelt so schwer ist wie der jagende Löwe, aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Kleinen Beutetieren wie etwa einerThomsongazelle durchbeißen Löwen anschließend das Genick. Größere Beutetiere wie ein Gnu oder Zebra werden durch einen Kehlbiss getötet. Da die Eckzähne des Löwen zu kurz sind, um größere Blutgefäße zu erreichen, töten Löwen diese größeren Beutetiere, indem sie die Luftröhre einklemmen und so die Sauerstoffversorgung des Gehirns unterbrechen.[39] Nach dem Jagderfolg kommt die Rangfolge im Rudel zum Tragen. Die adulten Männchen dürfen zuerst fressen, es folgen die ranghöchsten Weibchen, zuletzt die Jungen. Am Kadaver kommt es nicht selten zu Rangkämpfen, bei denen Rudelmitglieder verletzt werden.
Der Jagderfolg ist abhängig vom Geschick der jagenden Tiere, von der Tageszeit, den lokalen Gegebenheiten und der bejagten Tierart. In der Serengeti sind 14 Prozent aller Jagden aufRiedböcke und 32 Prozent aller Angriffe auf Gnus erfolgreich.[40] Der Jagderfolg von Löwen ist damit dort deutlich geringer als der vonAfrikanischen Wildhunden oderGeparden. Da Löwen in offenen Landschaften jagen, erhöht die gemeinsame Jagd die Chance, erfolgreich Beute zu schlagen. Nach einer Untersuchung in der Serengeti verdoppelt sich der Jagderfolg, wenn zwei Löwinnen gemeinsam jagen. Der Jagderfolg stieg in dieser Untersuchung jedoch nicht wesentlich an, wenn mehr als zwei Löwinnen an der Jagd beteiligt waren. Eine Studie in einer halbwüstenähnlichen Region in Namibia kam dagegen zu dem Ergebnis, dass diejenigen Rudel den höchsten Jagderfolg haben, bei denen mehrere Löwinnen ihre Jagdtechnik eng koordinieren. In dieser weitgehend deckungslosen Landschaft kreisten einige Löwinnen die Beute ein, während andere sich in einem Hinterhalt auf dieLauer legten.[40] Ein weiterer Vorteil der gemeinschaftlichen Jagd liegt darin, dass die Beute im Rudel leichter gegen andere Räuber wieWildhunde undHyänen verteidigt werden kann.
Oft fressen Löwen auch Aas. Dabei vertreiben sie häufig andere Raubtiere wieTüpfelhyänen von ihrer Beute – weit häufiger als umgekehrt. In einigen Gebieten Ostafrikas jagen Löwen Hyänen 70 Prozent ihrer Jagdbeute ab. Löwen finden die Beute anderer Raubtiere, indem sie auf kreisende Geier achten, die Beute von Hyänen aber auch, indem sie Streitereien von Hyänenrudeln um erlegte Beute akustisch lokalisieren. Löwen trinken, wenn Wasser verfügbar ist, sie können jedoch auch durch den Wassergehalt ihrer Beute oder von Pflanzen überleben, in der Kalahari etwa vonTsamma-Melonen.[7]
Ein Löwenpärchen bei derKopulationKopfreiben und Belecken des Fells stärken die Bindung zwischen Mutter und Kind
Weibchen werden, unter anderem in Abhängigkeit von den Umweltbedingungen, im Alter von zwei bis drei Jahren geschlechtsreif, erstmals trächtig werden sie mit durchschnittlich dreieinhalb Jahren. Männchen sind mit gut zwei Jahren geschlechtsreif, können aber frühestens mit fünf Jahren ein Rudel übernehmen und Junge zeugen.[7] Das Männchen überprüft die Paarungsbereitschaft eines Weibchens geruchlich mit demJacobson-Organ, das sich imharten Gaumen befindet. Dazu zieht der Löwe die Oberlippe zurück und öffnet leicht das Maul; dies wird alsFlehmen bezeichnet.
Auch wenn ein Männchen die Spitze der Rangordnung einnimmt, kann es sich mit einem Weibchen nur mit dessen Zustimmung paaren. Hierzu legt sich die Löwin auf den Bauch und erlaubt dem Männchen, sie zu besteigen. Während derKopulation beißt der Kater der Löwin in den Nacken; dadurch hält diese instinktiv still. Eine Kopulation findet etwa alle 15 Minuten statt, über drei bis vier Tage zirka 40 Mal am Tag; ein Kopulationsakt dauert etwa 30 Sekunden.
Nach einer Tragzeit von etwa vier Monaten bringt die Löwin in einem Versteck abseits vom Rudel zumeist ein bis vier, maximal sechs Junge zur Welt. Neugeborene wiegen etwa 1,5 Kilogramm, ihre Augen öffnen sich bei der Geburt oder kurz danach. Sie werden im Versteck etwa sechs bis acht Wochen von der Mutter gesäugt. Ist dieses weit vom Rudel entfernt, geht die Mutter allein auf Jagd. Dabei kann es vorkommen, dass die Jungen bis zu 48 Stunden allein im Versteck bleiben; dies ist besonders wegenHyänen und anderer Raubtiere gefährlich. Nach maximal acht Wochen führt die Löwin ihre Jungen zum Rudel, wo sie sich zusammen mit anderen Jungen zu einerCrèche, einem „Hort“, zusammenschließen. Die jungen Löwen saugen ab diesem Zeitpunkt nicht nur bei der Mutter, sondern auch bei den anderen Weibchen, womit die Aufzucht allen weiblichen Mitgliedern des Rudels obliegt (Ammenverhalten). Im Alter von vier bis sechs Wochen beginnen die Jungen, auch Fleisch zu fressen. Mit acht Monaten werden Löwenjunge entwöhnt, sie bleiben aber noch bis zum Alter von 21 bis 30 Monaten bei der Mutter.[7]
Etwa 60 Prozent der Löwen sterben bereits in ihrem ersten Lebensjahr. Männchen können im Freiland elf bis 13, selten 16 Jahre alt werden; häufig werden sie von jüngeren Konkurrenten getötet oder verletzt vertrieben. Weibchen können 17 bis 18 Jahre erreichen. Das Rekordalter von Löwen imZoo beträgt etwa 27 Jahre.[7]
Der Löwe zählt innerhalb derGroßkatzen zur GattungPanthera, deren Arten unter anderem durch ein unvollständig verknöchertesZungenbein charakterisiert sind. Früher wurde dieses Merkmal mit der Fähigkeit zu brüllen in Verbindung gebracht. Neuere Studien zeigen jedoch, dass das charakteristische laute Brüllen des Löwen (und anderer Großkatzen der GattungPanthera) vor allem durch eine spezielle Morphologie desKehlkopfes bedingt ist. Der Löwe schnurrt, wie andere Großkatzen auch, nur beim Ausatmen. Das Schnurren klingt dabei nicht wie das einer Kleinkatze, sondern eher wie ein Knurren oder Brummen.
Schädel einesrezenten afrikanischen LöwenSchädel eines Höhlenlöwen
Die Verwandtschaftsgruppe der Löwen war einst in Afrika, Europa, Asien und Amerika weit verbreitet.[41] Der älteste Fossilnachweis einer Katze, die stark einem Löwen ähnelt, stammt ausLaetoli inTansania und ist etwa 3,5 Millionen Jahre alt. Von einigen Wissenschaftlern werden diese Funde, die nur aus Kieferbruchstücken und wenigen postcranialen (nicht zum Schädel gehörenden) Knochen bestehen, alsPanthera leo angesehen, andere Forscher bestreiten diese Gleichsetzung. Die wenigen Funde erlauben kaum eine genaue Bestimmung der Artzugehörigkeit, auch sind die ältesten sicher bestätigten Funde von Löwen in Afrika rund zwei Millionen Jahre jünger.[42]
Vor etwa 700.000 Jahren taucht mit demMosbacher Löwen (Panthera fossilis) am italienischen Fundort vonIsernia zum ersten Mal ein Löwe in Europa auf. Ein 1,75 Millionen Jahre alter Löwen-Unterkiefer aus derOlduvai-Schlucht in Tansania zeigt eine frappierende Ähnlichkeit mit den Mosbacher Löwen. Diese gelten als die größten Löwen Europas und jagten während derCromer-Warmzeit vor mehr als 500.000 Jahren bei Wiesbaden in Hessen und bei Heidelberg in Baden-Württemberg. Einige Exemplare waren fast so lang wie die größten Löwen der Erdgeschichte, dieAmerikanischen Löwen (Panthera atrox) aus Kalifornien, die eine Rekordlänge von 3,6 Metern (Kopf-Rumpf-Länge circa 2,4 Meter) erreichten.
Die meisten Löwenfunde in Europa stammen vom eiszeitlichenHöhlenlöwen (Panthera spelaea), der sich aus dem Mosbacher Löwen entwickelt hat. In Nordostasien undBeringia lebte der Beringia-Höhlenlöwe (Panthera leo vereshchagini), eine Unterart des Höhlenlöwen.[43] In Mitteleuropa, Nordasien und Amerika waren Löwen bis zum Ende desPleistozäns ein häufiges Element der Fauna, starben dort aber am Ende der letzten Eiszeit aus.
Im Laufe der Zeit wurden zahlreiche Unterarten des Löwen beschrieben, von denen im 2009 erschienenen Raubtierband desHandbook of the Mammals of the World, einemStandardwerk zur Säugetierkunde, noch sechs anerkannt wurden:[44]
DerWestafrikanische Löwe oder Senegal-Löwe (Panthera leo senegalensis), im Westen Afrikas
Die Verbreitungsgebiete der zwei Unterarten des Löwen: blau –Panthera leo leo, gelb –Panthera leo melanochaita, hell – das ursprüngliche Verbreitungsgebiet, dunkel – verbliebene Areale
In einer 2017 veröffentlichtenRevision der Katzensystematik durch die Cat Specialist Group derIUCN werden dagegen nur noch zwei Unterarten des Löwen anerkannt.[45]
Panthera leo leo, die nördliche Unterart, umfasst die westafrikanischen Löwen, die Löwen, die in Zentralafrika nördlich des Regenwaldgürtels leben, die indischen Löwen sowie die ausgerotteten Löwen Nordafrikas, desNahen undMittleren Ostens und des Balkans.
Panthera leo melanochaita, die südliche Unterart, umfasst die Löwen des östlichen und südlichen Afrikas.
Genetische Analysen ergaben, dass sich Westafrikanische Löwen deutlich von denen im Süden und Osten des Kontinents unterscheiden[46] und die nordafrikanischen Berberlöwen die nächsten Verwandten der indischen Löwen sind. Nordafrikanisch-asiatische Löwen spalteten sich nach molekularbiologischen Untersuchungen vor etwa 70.000 bis 200.000 Jahren von den afrikanischen Löwen südlich der Sahara ab.[47] Auch ein 2016 veröffentlichter Genvergleich und eine 2020 veröffentlichte Studie über die Evolutionsgeschichte der Löwen zeigen, dass die rezenten Löwen aus zweiKladen bestehen, die den UnterartenPanthera leo leo undPanthera leo melanochaita entsprechen. Die von beiden gebildete Klade ist dieSchwestergruppe der ausgestorbenenHöhlenlöwen.[48][41] Innerhalb der beiden Unterarten lassen sich jeweils zwei genetisch voneinander verschiedene Subpopulationen unterscheiden; diese bilden die Löwen in: (1) West- und Zentralafrika, (2) Indien, (3) Ostafrika, (4) Südafrika. Die beiden Unterarten vermischen sich in einer Überlappungszone im Osten Afrikas.[49][29]
Bei den vom Menschen ausgerottetenBerber- undKaplöwen handelt es sich damit nicht um eigenständige Unterarten, sondern um Populationen vonPanthera leo leo bzw.Panthera leo melanochaita. Bis vor 37.000 Jahren kamen Löwen auf Sri Lanka vor; sie wurden als eigenständige UnterartPanthera leo sinhaleyus beschrieben.[50]
Europäischer Höhlenlöwe in einer Rekonstruktion um 1920
Die ausgestorbenen prähistorischen Löwen Amerikas und Nordeurasiens bilden die sogenannte Spelaea-Gruppe, die sich genetisch von den Löwen Afrikas und Südasiens (Leo-Gruppe) unterscheidet. Dazu zählen:
ImDeutschen gibt es zwei Varianten desselben Wortes, einmal das gängigeLöwe, das aus dem norddeutschen Raum übernommen wurde, sowie das altertümlich-poetischeLeu. Entlehnt hat das Deutsche die Bezeichnung auslat.leo, das seinerseits demgr.leōn entstammt. Vermutet wird weiterhin, dass das Wort imsemitischen Raum (assyr.labbu,hebr.leva „die Löwen“) seinen Ursprung hat.[51]
Ernest Hemingway 1934 mit einem geschossenen Löwen; Jagd als „Sport“ und um Trophäen zu gewinnen, führte im 19. und 20. Jahrhundert zu dramatischen Rückgängen der Löwenpopulationen
Löwen wurden bereits in der Antike intensiv bejagt, so waren sie in Ägypten um 1100 v. Chr. weitgehend ausgerottet.[52] Im 19. und 20. Jahrhundert wurden Löwen im großen Maßstab systematisch verfolgt, insbesondere auch als Folge derKolonialisierung Afrikas durch Europäer. Einerseits galten Löwen als Schädlinge, andererseits wurden Zigtausende Löwen, die für Großwildjäger zu den begehrten „Big Five“ gehören, den fünf prominenten Großwildarten Afrikas, als „sportliches Freizeitvergnügen“ erschossen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts töteten Teilnehmer mancherSafaris Löwen in dreistelliger Zahl; 1911 wurden in der Serengeti während einer einzigen Safari mindestens 700 Löwen erschossen.[53]
Die Zahl der zu Beginn des 21. Jahrhunderts von Trophäenjägern erschossenen Löwen schätzte die IUCN 2009 auf 600 pro Jahr; Körperteile von etwa 60 Prozent dieser Löwen wurden als Trophäen in die USA importiert. Vorrangiges Ziel von Trophäenjägern sind männliche Löwen; der Verlust von Rudelführern führt dann oftmals dazu, dass weitere Rudelmitglieder sterben, unter anderem weil neue Rudelführer nach der Übernahme des Rudels die Jungen ihrer Vorgänger töten. Die lokale Bevölkerung profitiert entgegen anders lautenden Behauptungen finanziell nur minimal von der Trophäenjagd.[54] Zudem werden vor allem in Südafrika Löwen in Gefangenschaft aufgezogen, um sie dann in Gehegen von zahlungskräftigen Trophäenjägern bei sogenanntencanned hunts erschießen zu lassen.[55]
Nachdem 2015 inZimbabwe ein im Rahmen eines langjährigen Forschungsprojekts besenderter und unter Touristen besonders beliebter Löwe („Cecil“) von einem US-amerikanischen Jäger erschossen worden war, was auch in politischen Kreisen internationale Proteste nach sich zog, listete derUnited States Fish and Wildlife Service Löwen als gefährdete Art, womit die Jagd auf Löwen für US-amerikanische Trophäenjäger schwieriger, aber nicht unmöglich wurde. Frankreich verbot im selben Jahr als erstes Land derEuropäischen Union den Import der Körperteile von Löwen, ebenso Australien.[56][55][57] Das deutscheBundesamt für Naturschutz erteilt dagegen weiterhin Genehmigungen für die Einfuhr von Jagdtrophäen aus Körperteilen gefährdeter Tiere wie Löwen.[58]
„Berberlöwe“ imZoo HeidelbergWährend einer geführten Tour mit Löwen imBotlierskop Game Reserve inSüdafrika
Löwen wurden vonassyrischen Herrschern bereits 850 v. Chr. in Gefangenschaft gezüchtet. Zur Zeit desRömischen Reichs wurden Löwen zu Tausenden aus Afrika importiert, inMenagerien zur Schau gestellt und beiZirkusspielen gegen Menschen und Tiere gehetzt.[7] Im europäischen Mittelalter wurden Löwen als Statussymbole und für Schaukämpfe in königlichen Menagerien, unter anderem imTower of London, sowie auf den Anwesen Adeliger in Käfigen gehalten. Berühmtefrühneuzeitliche Menagerien, in denen Löwen und andereexotische Tiere zur Schau gestellt wurden, ließLudwig XIV. in Versailles und Vincennes errichten.[59] Insbesondere im 18. und 19. Jahrhundert wurden Löwen in Europa und in den USA auch inWandermenagerien durch das Land gekarrt.[60]
In heutigenZoos versucht man, die genetische Vielfalt von Löwen durch Zuchtprogramme zu bewahren, indem man mit Tieren aus unterschiedlichen Regionen des Verbreitungsgebiets züchtet – unter anderem mit indischen Löwen sowie mit Löwen, zu deren Vorfahren wahrscheinlich die nordafrikanischen Berberlöwen gehören.
Die Haltung von dressierten Großraubtieren wie Löwen in Zirkussen, die in der Manege Kunststücke aufführen, gilt als kontrovers und ist in einigen Ländern verboten. In manchen afrikanischenWildreservaten wird ein sogenannter „Catwalk“ angeboten; dabei werden die Besucher mit zahmen Löwen durch die Wildnis geführt.
Bereits die eiszeitlichen Jäger in der Kulturstufe desAurignacien haben vor mehr als 30.000 Jahren Löwen dargestellt. Zu den eindrucksvollsten Kunstwerken aus jener Zeit, das zugleich zu den ältesten überliefertenSkulpturen der Menschheit zählt, gehört die ausMammutelfenbein geschnitzte, fast 30 Zentimeter hohe Figur des sogenanntenLöwenmenschen mit dem Körper eines Menschen und dem Kopf eines Höhlenlöwen; sie wurde in der Höhle Hohlenstein-Stadel in Baden-Württemberg entdeckt und verkörperte vielleicht eine Gottheit. Ausaltbabylonischer Zeit stammt die Bronzeskulptur desLöwen von Mari.
In vielen Kulturen hat der Löwe eine Stellung als „König der Tiere“ eingenommen, die auf den Einfluss desPhysiologus zurückzuführen ist, eines frühchristlichen Buches über Tiersymbolik von allgemein großem Einfluss auf die westliche Kultur. Die vom Löwen ausgehende Faszination wird durch die Vielzahl vonWappen deutlich, auf denen er abgebildet ist. So findet man denLöwen als Wappentier beispielsweise auf den Wappen vonHessen,Husum,Luxemburg,Zürich,Aquitanien undMontenegro. Dass Löwen den Europäern bereits im Altertum bekannt wurden, liegt daran, dass sie einst rund um das Mittelmeer verbreitet waren. In dergriechischen Mythologie erscheinen Löwen in verschiedener Funktion: DerNemeische Löwe wurde als eine menschenfressende Bestie dargestellt, den zu töten eine der zwölf Aufgaben desHerakles war. In der Geschichte vonAndroklus zieht der Held, ein entlaufener Sklave, einem Löwen einen Dorn aus der Tatze; als er später zur Strafe für seine Flucht den Löwen zum Fraß vorgeworfen werden soll, erkennt ihn das Tier wieder und weigert sich, den Mann zu töten.
DasWappen Indiens zeigt die Darstellung einer Ashoka-Säule, auf deren Kapitell vier Löwen Rücken an Rücken sitzend in die vier Himmelsrichtungen schauen. Auf der Flagge vonSri Lanka wurde der Löwe als Symbol derSinghalesen verewigt. Der Name des Volkes der Singhalesen entstammt dem Wortsiṁha aus demSanskrit, was „Löwe“ bedeutet.
In zahlreichen antiken Kulturen spielte der Löwe eine Rolle. Imalten Ägypten wurdenPharaonen alsSphingen mit Löwenkörper und Menschenkopf dargestellt. Die berühmteste derartige Darstellung ist dieGroße Sphinx von Gizeh. Neben der Löwengestalt des Pharao wurdeSachmet als Göttin mit weiblichem Löwenkopf verehrt. Weiter kannte dieägyptische Mythologie sowohlDedun, den oberägyptischen Gott des Reichtums, der in späterer Zeit ebenfalls löwenköpfig dargestellt wurde, als auch die LöwengöttinnenRepit,Mehit,Menhit, Mestjet und den LöwengottMahes. Das WortM3ḥs selbst ist außerdem die Bezeichnung für Löwe.[61] Der ägyptische ErdgottAker wird dargestellt mit einer Bildkomposition, in der zwei Löwen Rücken an Rücken sitzen und zwischen sich eine Darstellung des Horizonts mit Sonne halten. DerMarkuslöwe ist das Symbol für den EvangelistenMarkus.
Im Mittelalter fungieren Löwenfiguren manchmal als unheilabwehrende (apotropäische) Wächter von Eingängen (z. B. anSt-Trophime in Arles). Bei Grabmalen(gisants) ruhen oft die Füße von Rittern oder Adligen auf Löwenfiguren.
Am nördlichen Sternenhimmel gibt es gleich zwei nach diesem Tier benannteSternbilder: denLöwen und denKleinen Löwen. Bei Ersterem soll es sich um eine Inkarnation des Nemeischen Löwen handeln, während Letzterer eine Neuschöpfung des 17. Jahrhunderts war.
Dass der Löwe ein Image als mächtiges, stolzes, mutiges, starkes Tier hat, zeigt sich daran, dass sich bis in die Gegenwart Menschen nach ihm benennen. Bedeutendste Beispiele aus dem Mittelalter sind Heinrich der Löwe und – weniger positiv besetzt – Richard Löwenherz. In der Frühen Neuzeit wurde der schwedische KönigGustav II. Adolf wegen seines Eingreifens im Dreißigjährigen Krieg „Löwe aus Mitternacht“ genannt. Derafghanische KriegsherrAhmad Schah Massoud wurde von seinen Anhängern „der Löwe von Pandschir“ genannt, deräthiopische KaiserHaile Selassie nannte sich „Löwe von Juda“. InTierfabeln wird der Löwe auch alsNobel bezeichnet.[62]
Leo auf Schloss Gripsholm ist eine so misslungene Rekonstruktion eines Löwen, dass das ausgestopfte Tier eine Touristenattraktion geworden ist.
Löwenanteil bedeutet Großteil in dem Sinn, dass der mächtige Löwe das meiste für sich selbst beansprucht.Baulöwe undSalonlöwe stehen für manche einflussreichen, wohlhabenden Menschen derHigh Society. Einige Wirtschaftsunternehmen verwenden Löwenfiguren als Logos und für Werbeauftritte, unter anderemLöwenbräu (München),Kastner & Öhler (Graz) undHartlauer (Steyr). Der körperlich große österreichische Politiker Josef Wenzl machte mit einer Löwenfigur Image- und Wahlwerbung. Im Vorspann von Filmen derMetro-Goldwyn-Mayer brüllt ein Löwe, der aus einer Rahmenkulisse herausschaut. DerBraunschweiger Löwe wurde Markenzeichen des Lkw-HerstellersBüssing und dessen NachfolgerMAN.
Ein Halleiner Steinmetz wurde 1941 vom NS-Regime beauftragt, vier Löwen mit Wappen für die (heutige)Salzburger Staatsbrücke zu fertigen; nur zwei wurden fertig und ab etwa 1949 vor demHauptbahnhof Linz aufgestellt. Auch als Name oder Bestandteil von Namen wurde der Löwe verwendet, wie zum Beispiel bei den mittelalterlichen KönigenRichard Löwenherz (1157–1199) undHeinrich der Löwe (1130–1195) oder auch bei dem NachnamenLöwenthal. Von den lateinischen beziehungsweise griechischen Bezeichnungen für Löwe abgeleitet sind unter anderem die NamenLeo,Leon undLeonardo.
Menschenfressendes löwenähnliches Ungeheuer (12. Jahrhundert) an der PfarrkircheRosheimMenschenfressendes Löwenduo aus dem Tsavo
Löwen haben wahrscheinlich seit jeher Menschen und Vorfahren des heutigen Menschen erbeutet. Menschen zu jagen geht für Löwen allerdings mit Risiken einher, die den Nutzen der Nahrungsgewinnung in der Regel übersteigen; deshalb gehören Menschen nicht zum allgemeinen Beutespektrum von Löwen. Wird jedoch der Lebensraum von Löwen so gestört, dass die Bestände ihrer üblichen Beutetiere zusammenbrechen, können Löwen zur Menschenjagd übergehen.[63] Letzteres gilt auch für einzelne Löwen, die unter schweren Verletzungen wie gebrochenen Gliedmaßen leiden. Ein weiterer Risikofaktor für Menschen besteht darin, dass Aas fressende Löwen in die Nähe menschlicher Siedlungen oder Camps gelockt werden, wenn Verstorbene nicht bestattet werden oder wenn Essensabfälle oder tote Tiere offen liegen gelassen werden; auch Vieh kann Löwen in Menschennähe locken. Löwen undHyänen folgten außerdem Karawanen, unter anderem denen derSklavenhändler, die sterbende und gestorbene Sklaven zurückließen.[64]
Tansania, Uganda
Die schwerste bekannte Angriffsserie ereignete sich von 1932 bis 1947 im südlichenTansania, wo in einem 150 Quadratmeilen großen Gebiet etwa 1500 Menschen von Löwen getötet wurden. Man hatte dort einen „wildfreien Korridor“ geschaffen, um einerRinderpest-Epidemie Herr zu werden. Löwen mehrerer Generationen fixierten sich in der Folge so sehr auf die Menschenjagd, dass sie sogar in Dörfer eindrangen und schließlich selbst bei der unmittelbaren Verfügbarkeit von Vieh stattdessen Menschen erbeuteten. Eine weitere Angriffsserie ereignete sich ab 1924 in Uganda, wo allein in diesem Jahr 161 Menschen von Löwen getötet wurden, nachdem man, ebenfalls zur Bekämpfung einer Rinderpest-Epidemie, die wildlebenden Huftiere ausgerottet hatte.[64]
Der bekannteste Fall von Löwenangriffen betraf das damaligeBritisch-Ostafrika, das heutigeKenia: 1898 töteten dort zwei Löwen (je nach Quelle) 28 bis 135 indische und afrikanische Arbeiter, die mit dem Bau einer Eisenbahnbrücke über denTsavo-Fluss beschäftigt waren.[63] Die Bauarbeiten an der Brücke kamen zum Erliegen, als die Löwen auch in Camps eindrangen, die mit hohen Dornenwällen umfriedet waren, und dort Menschen erbeuteten. Dem Leiter des Bauprojekts, dem britischen OberstleutnantJohn Henry Patterson, gelang es erst nach neun Monaten, die beiden Löwen zu erlegen. Beide waren männlich, mähnenlos und ungewöhnlich groß: Sie hatten Gesamtlängen von 2,95 beziehungsweise 2,90 Metern und Schulterhöhen von 1,12 beziehungsweise 1,22 Metern.[64]
Nach Pattersons Angabe wurden 135 Menschen Opfer dieser Löwen;[65] diese Zahl ist jedoch laut Kerbis Peterhans & Gnoske unbelegt.[64] Von Yeakel et al. durchgeführte Untersuchungen desIsotopenverhältnisses vonKohlenstoff undStickstoff aus Knochen und Haaren zeigten, dass einer der beiden imField Museum of Natural History in Chicago alsDermoplastiken ausgestellten Löwen gelegentlich, der zweite hauptsächlich Menschenfleisch fraß. Vermutlich war der Letztere aufgrund seiner Kieferverletzung auf leicht zu erjagende Beute angewiesen. Indem die Forscher die üblicherweise von Löwen verzehrte Fleischmenge zugrunde legten, schlossen sie rechnerisch, dass den beiden Löwen etwa 35 Menschen zum Opfer gefallen waren;[63] es ist allerdings fraglich, ob ein Isotopenverhältnis genaue Rückschlüsse auf die Nahrungszusammensetzung erlaubt.[66]2024 wurden im Bereich der Zähne erhalten gebliebene Haare von Beutetieren analysiert. Es wurde nachgewiesen, dass die Löwen neben den Menschen auchMassai-Giraffen,Oryxantilopen,Wasserböcke,Gnus undZebras gerissen haben.[67]
Die Tsavo-Angriffe folgten ebenfalls auf eine Rinderpest-Epidemie: Diese nach Afrika eingeschleppte Seuche ließ die Bestände von Hausrindern und Büffeln zusammenbrechen. Aufgrund der Jagd nach Elfenbein waren zudem Elefanten im Osten Kenias weitgehend ausgerottet; dies hatte zur Folge, dass sich Strauchvegetation, insbesondere auch Dorngebüsche, ausgebreitet hatten, die den Lebensraum grasender Huftiere, einer wichtigen Beute von Löwen, überwucherten. Es gab bereits vor den berüchtigten Ereignissen Löwenangriffe in der Tsavo-Region, und selbst ein Jahrhundert später wurde noch über Löwenangriffe in der Region berichtet: Kerbis Peterhans & Gnoske vermuten deshalb, dass sich unter den dortigen Löwen eine lokale Verhaltenstradition der Menschenjagd herausgebildet hatte.[64]
Die Vorkommnisse während des Brückenbaus am Tsavo-Fluss inspirierten zwei Hollywood-Produktionen: Der erste kommerzielle3D-Film, der im Jahre 1952 gedreht und in Deutschland unter dem TitelBwana, der Teufel veröffentlicht wurde, undDer Geist und die Dunkelheit von 1996 griffen dieses Ereignis auf.
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