Ländler
Der NameLändler hat zwei Bedeutungen: entweder die Ländlermelodie im langsamen3⁄4-Takt oder den Ländlertanz.


Ländlertanz
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Ländler | |
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Art: | Paartanz,Gesellschaftstanz |
Musik: | Volksmusik |
Taktart: | 3⁄4-Takt |
Tempo: | 20–60TPM (60–180bpm) |
Herkunft: | Schweiz,Österreich,Süddeutschland |
Entstehungszeit: | vor1800 |
Liste von Tänzen |
DerLändlertanz oderLändler (auchLandler) ist ein Volkstanz von meist mäßig geschwinder Bewegung und heiterem Charakter, häufig mit Armfiguren, verbreitet inSüddeutschland,Schweiz,Österreich undSlowenien. Meist wird er als Paartanz getanzt, es gibt aber auch Gruppentänze. Der Ländler war bis zum 19. Jahrhundert vielerorts der wichtigste und gebräuchlichste Tanz.
DerRhythmus des Tanzes steht meist im3⁄4-Takt, selten im Zweiviertel-Takt (Salzkammergut-Landler, Mühlviertel) oder verzogenem7⁄8-Takt (Innviertler Landler).
Die Tanzschritte zum Landler werden häufig improvisiert, begleitet wird das Tanzen häufig vonGstanzl-Singen,Jodeln, Klatschen oder Stampfen. Dabei führen die PaareTanzfiguren aus, die oft recht kompliziert sein können.
Das Tempo bewegt sich von 60 (Oberösterreich) über 83 (Innerschweiz), 120 (am häufigsten) bis 180 (Tirol)Viertel pro Minute.
Eine Sonderform des Ländlers ist derSchleunige, ein imSalzkammergut überlieferter Gruppentanz. Seine Melodien sind 8 Takte lang, das Tempo beträgt etwa 100Takte pro Minute.
Die Tanzforschung subsumiert auch denSteirischen Tanz (Verbreitungsgebiet ganz Österreich,Slowenien,Friaul), denSchuhplattler (Oberbayern bisSüdtirol) sowie die im 18. Jahrhundert entstandenen GesellschaftstänzeStrasbourgeoise,Alsacienne,Styrienne undTyrolienne unter den BegriffLändler. Weitere Namen sindLänderer,Dreher,Steirischer,Almerischer,Landlerischer,Allemande,Deutscher Tanz und andere. Zudem gibt es fließende Übergänge zurMazurka („Masolka“ inTirol, „Masollke“ imAppenzellerland).
Ländlermelodien
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Ländlermelodien waren ursprünglich 8 Takte lang. Seit ca. 1850 gibt es auch 16-taktige Ländler, etwa in derInnerschweiz, in Bayern, in Wien undNiederösterreich, wo sie mit den älteren Achttaktern gemischt auftreten können. Das Appenzellerland undOberösterreich wie auch derSteirische Tanz sind beim klassischen Achttakter geblieben.
Der Ländler ist eng mit dem zu ihm gehörigen Tanzlied verbunden, das in verschiedenen Dialektlandschaften „Schnaderhüpfeln“, „Gstanzl“, „Lumpeliedli“ heißen kann. Ebenso üblich war es, zu Ländlermelodien auf dem Tanzboden zu jodeln. Ein Großteil des alpenländischen Jodelrepertoires geht darauf zurück. Ebenso groß war der Einfluss des Ländlers auf das Liebeslied, besonders in Österreich.
Herkunft
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Die NamenLändlerische Tänze (Wolfgang Amadeus Mozart) undLändler Tänze tauchen seit dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts auf und verdrängen um 1800 frühere regionale und örtliche Bezeichnungen, wie „Mödlinger Tänze“, „Salzburger Tänze“, „Tyroller Tänze“, „Viertwenger Tänze“. Allein der „Steirische Tanz“ behielt noch seinen alten Namen. Nicht überall sind die BegriffeLändler undWalzer streng geschieden, in der Innerschweiz werden sie synonym gebraucht.
In derSchweiz bezeichnet „Ländler“ oderLändlermusik darüber hinaus – alspars pro toto – ein ganzes Musikgenre, bestehend ausMarsch,Walzer, Ländler,Mazurka,Polka,Schottisch und Fox.
Für die Herkunft des Namens gibt es drei Wurzeln:
- Der Name Ländler taucht gegen 1800 auf, er ist vermutlich eine Verkürzung der Bezeichnung „Ländlicher Tanz“ und bezeichnet vor allem die in Süddeutschland und allen Alpenländern ursprünglich vorherrschenden dreitaktigen Tanzmelodien und erst später auch die dazu getanzten Tänze (Steirischer, Almerischer). Melodie- und Tanzform sind aber weit älter.
- „Landler“ als Ableitung vonmundartlich „landlert“ (= langsam, gemächlich) im Gegensatz zum schnelleren Walzer. Der Ausdruck „Landler“ entstand in jener Zeit (um 1805) als sich Walzer und Landler zu eigenständigen Gattungen (wahrscheinlich aus dem "Deutschen") entwickelten.
- Der Ländler (Steirischer, Almerischer) ist ein Werbetanz, meist ein Paartanz, die Tanzfiguren sind häufig auf Armfiguren aufgebaute Geschicklichkeitsübungen, der Bursch zeigt seinem Mädchen seine Geschicklichkeit im Tanz und wirbt damit um sie. Er ist im Prinzip ein Einzelpaartanz, jedes Paar tanzt seinen eigenen Ländler, es gibt fließende Übergänge zumSchuhplattler oder in der Schweiz imKanton SchwyzGäuerlen.
- Der Name Landler stammt vermutlich auch vom NamenLandl ab, deroberösterreichischen Kernlandschaft südlich von Linz (danach wird oft ganz Oberösterreich „Landl“ genannt) und der Heimat des Gruppenlandlers und bezeichnet die dort und in den angrenzenden GegendenNiederösterreichs,Bayerns,Salzburgs und derSteiermark, sowie imBöhmerwald und in manchen deutschenSprachinseln des Ostens üblicherweise getanzten Gruppentänze. Aber auch die Herkunft von „Land“ als Synonym für „ebene Gegend“ (Gegensatz zu „Gebirge“) wird angeführt.
- Der Landler in diesem Sinn ist vor allem ein Gruppentanz, der Burschenverband (Rud, Pass) präsentiert sich nach außen, zeigt einen gemeinsamen Tanz, in dem alle Figuren von allen Burschen gleichzeitig aufgeführt werden, also eine Vorführung, vorwiegend mit Beinfiguren und leichten Armfiguren. Die Mädchen sind eher Nebensache, gehen vor allem am Außenrand mit.
- Bei den ab 1732 nachSiebenbürgen ausgesiedeltenLandlern hat sich eine ursprüngliche Landlerform (Landlerisch) erhalten. Dies zeigt, dass auch diese Tanzform und ihr Name viel älter ist.
Dieser Vereinheitlichung der Namensgebung steht eine Vielfalt regionaler Stile gegenüber.
Die von der österreichischen Forschung in den 1920er Jahren gemachte Unterteilung in Landlerischen und Almerischen, der zufolge das Dialektwort „Landler“ speziell die oberösterreichischen Varianten des Ländlers bezeichnen soll, wirkt noch nach, ist aus einer länderübergreifenden Sicht jedoch hinderlich. Erstens wird „Ländler“ überall im bairisch-österreichischen Dialektraum als „Landler“ ausgesprochen, zweitens gibt es auch in anderen Regionen interessante Sonderentwicklungen des Ländlers, wenn auch die oberösterreichischen Formen die besondere Zuwendung der Forschung durchaus verdienten (Dehnung des 3. Viertels bis zur Geradtaktigkeit, hochkomplizierte Choreographien).
In der Volkstanzpflege werden aber die beiden Ausdrücke kaum mehr unterschieden und bezeichnen das Gleiche, sowohl der Tanz als auch die dazugehörige Melodie.
Landler unterteilen sich oft in mehrere sich wiederholende Teile, wobei Tanzfiguren,Gstanzlsingen,Paschen (rhythmisches Klatschen der Burschen) und Stampfen abwechseln.
Als Abschluss oder letzte Figur sowohl des Ländlers als auch des Landlers wird Walzer getanzt. Daher wird angenommen, dass sowohl der Walzer als auch der Schuhplattler aus dem Landler entstanden sind.
Siehe auch
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Rudolf Flotzinger:Ländler. In:Handwörterbuch der musikalischen Terminologie. Bd. 3, hrsg. vonHans Heinrich Eggebrecht undAlbrecht Riethmüller, Schriftleitung Markus Bandur, Steiner, Stuttgart 1976 (Digitalisat).
- Rudolf Flotzinger:Ländler. In:Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff.,ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 3, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2004,ISBN 3-7001-3045-7.
- Sabine Schutte:Der Ländler. Untersuchungen zur musikalischen Struktur ungeradtaktiger österreichischer Volkstänze (=Sammlung musikwissenschaftlicher Abhandlungen. Bd. 52). Heitz, Strassburg u. a. 1970,ISBN 3-87320-552-1 (Zugleich: Berlin, Freie Universität, Dissertation, 1968).
Weblinks
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Landler-Videos und Tanzbeschreibungen auf Dancilla
- Analysis of Schubert's Seventeen Ländler by pianistBart Berman
- "Ein oberösterreichischer Landler aus Lambach im Traunviertel" (1970) – Aufnahme aus der Sammlung des Österreichischen Bundesinstituts für den Wissenschaftlichen Film (ÖWF) im Onlinearchiv derÖsterreichischen Mediathek