
Albin Kurt Mothes (*3. November1900 inPlauen; †12. Februar1983 inAhrenshoop) war eindeutscherApotheker,Botaniker undHochschullehrer. Er gilt alsNestor derPflanzenbiochemie undPharmakognosie. Von 1954 bis 1974 war er Präsident derDeutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina.
Kurt Mothes, Sohn des Ratsoberinspektors Albin Mothes, absolvierte seine Schulzeit in seiner Heimatstadt Plauen, wo er 1918 dasNotabitur ablegte. Er erhielt noch eine militärische Ausbildung, musste jedoch keinen Kriegsdienst mehr leisten. Von 1918 bis 1920 durchlief er in Plauen eine Lehre alsApotheker in der Johannes-Apotheke. Bis 1921 arbeitete er dort als Apothekergehilfe. Während seiner Lehrzeit machte er Bekanntschaft mit dem MalerWalther Löbering, der ein Ölporträt von ihm malte. Mit ihm teilte er das Steckenpferd derBeobachtenden Astronomie. 1921 immatrikulierte er sich an derUniversität Leipzig für die FächerPharmazie,Chemie, menschlichePhysiologie undPharmakologie. 1923 bestand er die Pharmazeutische Staatsprüfung. Bis 1925 studierte er Chemie und nebenbei Physiologie und Pharmakologie. 1925 wählte man ihn zum Vorsitzenden derMensa academica der Universität Leipzig. Mit einer Doktorarbeit beiWilhelm Ruhland wurde er 1925 zumDr. phil. promoviert.[1]
Anschließend erhielt er eine Anstellung als wissenschaftlicher Assistent am Botanischen Institut derFriedrichs-Universität Halle beiGeorge Karsten. 1927 wurde er als Apotheker approbiert. Erhabilitierte sich 1928 fürBotanik undPharmakognosie und wurdePrivatdozent.[2] Zur Jahreswende 1932/33 schuf Mothes mit dem WirtschaftswissenschaftlerGerhard Mackenroth einen „Freiwilligen Arbeitsdienst“ an der Universität Halle. Zum 1. Mai 1933 trat Mothes derNSDAP bei (Mitgliedsnummer 1.881.138).[3][4] Auf Betreiben vonHermann Stieve, dem Rektor der Universität, betraute man Mothes am 4. Oktober mit der Leitung des Studentenwerks in Halle. Gefördert vom Vorsitzenden der Dozentenschaft, Dr. Wagner, schloss sich Mothes am 4. November desselben Jahres derSA an. Ebenfalls 1933 bekam er einen Lehrauftrag fürPflanzenphysiologie. Im Laufe des Jahres 1933 lehnte MothesRufe an dieUniversität Bern und dieUniversität Ankara ab. Zu einem Wechsel zuI.G. Farben konnte er sich ebenfalls nicht entschließen. Im darauffolgenden Jahr avancierte er zuma.o. Professor. In Halle blieb er bis 1934.
Kurt Mothes folgte einem Ruf als Nachfolger vonCarl Christian Mez an dieAlbertus-Universität Königsberg. Dort leitete er ab November 1934 also. Professor für Botanik und Pharmakognosie das Botanische Institut, dem auch derBotanische Garten der Stadt angeschlossen war. Dieses Amt hatte er bis 1945 inne. Während dieser Zeit wurde er laufend von derGestapo überwacht. Verdächtigt wurde er als Anhänger vonGregor Strasser. Exkursionen führten Mothes in jener Zeit nachSkandinavien und an denArktischen Ozean, zu den rumänischenKarpaten, nach Südostpolen und in dieWestukraine. Er befasste sich zudem mit forstbotanischen, vegetationsgeschichtlichen und pflanzenphysiologischen Untersuchungen und wandte sich demNaturschutz zu. 1939/40 nahm Mothes als Stabsapotheker amZweiten Weltkrieg teil. In einem Heimaturlaub gründete er in Königsberg einen Forschungskreis. Dieser Verein hatte sich die Förderung der ErforschungOstpreußens zur Aufgabe gemacht. Schirmherr des Vereins wurde GauleiterErich Koch, als Vorsitzender fungierte derRektor der Albertus-Universität,Hans-Bernhard von Grünberg. Mothes war als wissenschaftlicher Sekretär tätig. Durch die britischenLuftangriffe auf Königsberg im August 1944 verlor Mothes sein Institut und seine Wohnung. Seine Frau verließ mit den vier Kindern Königsberg im Herbst 1944 und flüchtete zu Verwandten nachPlau in Mecklenburg. Im Oktober 1944 wurde Mothes zumVolkssturm verpflichtet. Ab Januar 1945, mit Beginn derSchlacht um Königsberg, beteiligte er sich am freiwilligen Sanitätsdienst der Stadt. Als letzter in Königsberg verbliebener Apotheker leitete er den Wehrkreissanitätspark. Im April 1945 geriet er in sowjetischeKriegsgefangenschaft. Er wurde nachSibirien deportiert, wo er als Holzfäller und in Bergwerken arbeiten musste. Im September 1949 wurde er in dieSowjetische Besatzungszone entlassen.
Auf Fürsprache seines FreundesHans Stubbe erhielt Mothes eine Anstellung als Abteilungsleiter fürChemische Physiologie amInstitut für Kulturpflanzenforschung inGatersleben; es gehörte zur Forschungsgemeinschaft derAkademie der Wissenschaften der DDR. Als er 1953 den mit 50.000Mark dotiertenNationalpreis der DDR verliehen bekam, spendete er zwei Bronzeglocken für die Kirche in Gatersleben. In Gatersleben blieb er bis 1957.
Seit 1951 auch Direktor des Instituts fürPharmakognosie derMartin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, wurde er 1958 Direktor des Instituts für Allgemeine Botanik der Universität Halle. Im selben Jahr gründete er in Halle dieArbeitsstelle für Biochemie der Pflanzen, aus der später dasLeibniz-Institut für Pflanzenbiochemie hervorging. So erhielt er 1963 den in Deutschland erstenLehrstuhl für Pflanzenbiochemie. Er untersuchte biochemisch induzierte Mutationen vonKulturpflanzen (u. a. mitColchicin) und klärte die Wirkung verschiedener Pflanzenhormone. Als o. Professor in Halle wurde er 1966 emeritiert. Als Direktor des Instituts für Biochemie der Pflanzen schied er am 31. Dezember 1967 aus. Sein Nachfolger am Hallenser Akademie-Institut wurde 1968 der ChemikerKlaus Schreiber, der das Institut bis 1989 leitete.
Als 40-Jähriger war Mothes in dieDeutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina aufgenommen worden. Während der Zeit in Gatersleben wurde er 1954 als Nachfolger vonOtto Schlüter zum XXII. Präsidenten der Akademie gewählt. Im April 1958 wurde Mothes in fast ganz Europa bekannt. In einer hitzigen öffentlichen Debatte vertrat er gegenüber dem Generalsekretär derSozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED)Walter Ulbricht offensiv dieForschungsfreiheit. Daraufhin wurde gegen ihn und gegen die Leopoldina derOperative Vorgang Komet gestartet. Mit diesen Ermittlungen sollte den Mitgliedern der Leopoldina unter anderemHochverrat nachgewiesen werden. Das Unternehmen scheiterte. Als Präsident der Leopoldina setzte sich Mothes stark für die deutsch-deutschen sowie internationalen wissenschaftlichen Beziehungen ein. Er hielt die Leopoldina weitgehend frei vom Einfluss der SED und erhielt sie als eine gesamtdeutsche Institution mit einem westdeutschen Vizepräsidenten. 1964 wurde er auf zehn Jahre wiedergewählt. Nach 20 Jahren gab er die Amtskette 1974 anHeinz Bethge weiter.
Seine spätere Ehefrau Hilda Eilts (1899–1992) lernte Mothes beimWandervogel kennen. Beide waren dort und in derBündischen Jugend als Gruppenführer tätig. 1928–1931 war Mothes Jungen-Führer im GauSachsen. Dort machte er die Bekanntschaft mit dem SchriftstellerHans Grimm. 1929 heiratete er die inGermanistik promovierte Hilda Eilts. Das Paar hatte eine Tochter und drei Söhne, darunter den KinderchirurgenWinrich Mothes. Mothes war passionierter Jäger, Bergsteiger und Weltreisender. Er war Domherr desNaumburger Doms. Er starb im Alter von 82 Jahren während eines Spaziergangs bei Ahrenshoop. Auf dem dortigen Friedhof befindet sich seine Begräbnisstätte.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Mothes, Kurt |
| ALTERNATIVNAMEN | Mothes, Albin Kurt (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Botaniker und Hochschulprofessor |
| GEBURTSDATUM | 3. November 1900 |
| GEBURTSORT | Plauen |
| STERBEDATUM | 12. Februar 1983 |
| STERBEORT | Ahrenshoop |