DieKriegsverbrechen der Alliierten im Zweiten Weltkrieg waren Verletzungen desKriegsvölkerrechts von Seiten derAlliierten im Zweiten Weltkrieg, die sich gegen die Zivilbevölkerung oder gegen Militärs derAchsenmächte richteten.
Die Militärs derwestlichen Alliierten wurden von ihren Regierungen angewiesen, dieGenfer Konventionen einzuhalten. Sie gingen davon aus, einengerechten Krieg zu führen.
Auf ihrem Rückzug aus Belgien vor der rasch vorrückendenWehrmacht 1940 töteten polnische Soldaten unter britischem Kommando den belgischen RadrennfahrerJulien Vervaecke (1899–1940). Dieser hatte sich als Besitzer einer Gaststätte inMenen gegen deren Verwüstung durch die Briten gewehrt. Am 24. Mai 1940 wurde er von den Soldaten gewaltsam verschleppt und wahrscheinlich am nächsten Tag im französischenRoncq erschossen.[1][2]
Wiederholt kam es zur Erschießung schiffbrüchiger deutscher Marinesoldaten durch Besatzungen britischer Kriegsschiffe.[3]
Nach der Versenkung des deutschen ZerstörersZ 12 Erich Giese durch die britischen ZerstörerCossack undFoxhound am 13./14. April 1940 vor Norwegen wurde auf die deutschen Schiffbrüchigen geschossen.[4]
Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Griechenland versenkte am 12. Mai 1941 das britische U-Boot Rorqual (LCdr Dewhurst) den griechischen Motorsegler Osia Paraskevi (Οσία Παρασκευή), der sich auf dem Weg vonKastron (Limnos) nachKavala befand. Den sieben griechischen Besatzungsmitgliedern wurde zuvor noch ermöglicht, ein Rettungsboot zu besteigen, während die vier deutschen Soldaten mit Waffengewalt daran gehindert wurden. Nach Versenkung des Schiffes wurden die vier schwimmenden Deutschen mit Maschinengewehren erschossen.[5]
Am 9. Juli 1941 versenkte das britische UnterseebootTorbay einen deutschen Motorsegler vor Kreta. Sieben deutsche Soldaten, Angehörige einer Gebirgs-Division auf Kreta, die sich in ein Schlauchboot gerettet hatten, wurden auf Befehl des U-Boot-Kommandanten LtCdr. Miers mit Maschinengewehren erschossen. Der Erste Wachoffizier und ein Seemann weigerten sich, sich an der Erschießung zu beteiligen. Dasselbe Unterseeboot versenkte mehrere weitere deutsche Motorsegler und hinderte die Besatzungen daran, von Bord zu gehen. Es kam nie zu einem Verfahren gegen LtCdr Miers.[6]
Umstritten ist, ob es sich bei derBombardierung auf Dresden in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 um ein Kriegsverbrechen handelt. Als Ziel der Bomben wurde nicht zwischen militärischen und zivilen Zielen unterschieden. Infolgedessen wurden 80.000 Wohnungen zerstört und ca. 25.000 Menschen getötet.[7][8][9]
LautSamuel W. Mitcham und Friedrich von Stauffenberg töteten im Juli 1943 auf Sizilien Soldaten desLoyal Edmonton Regiment mehrere deutsche Gefangene inLeonforte.[10]
Während derOperation Overlord kam es nach den neuen Forschungen vonAntony Beevor zu mehreren Fällen der Erschießung deutscher Kriegsgefangener, v. a. Angehöriger derWaffen-SS, durch kanadische Soldaten.[11] Diese Kriegsverbrechen stehen teils in unmittelbarem Zusammenhang mit dem an Kanadiern begangenenMassaker in der Abbaye d’Ardenne, dasKurt Meyer von der12. SS-Panzer-Division „Hitlerjugend“ zu verantworten hatte. Später beschuldigte Meyer die kanadischen Streitkräfte der 3. Kanadischen Infanterie-Division, während der Operation Overlord in Nordfrankreich 1944 dieHaager Konventionen verletzt zu haben. Er behauptete, dass schon am 7. Juni Aufzeichnungen gefunden worden seien, die angeordnet hätten, keine Gefangenen zu nehmen, sollten diese die Operationen behindern.[12] Kurt Meyer beruft sich auch auf Beweise vonBernhard Siebkens Kriegsverbrecherprozess, in dem die kanadische Infanterie beschuldigt wurde, bei mindestens einer Gelegenheit deutsche Soldaten erschossen zu haben, die während des Angriffs kapituliert hatten.[12]Beevor äußert ferner, wenn auch verklausuliert, den Verdacht, dass während der Schlacht um Falaise am 8. und 9. August gefangene SS-Soldaten der Division „Hitlerjugend“ ebenfalls von Angehörigen des II. kanadischen Korps getötet worden seien.[13]
C.P. Stacey, der offizielle kanadische Schlachthistoriker, berichtet, dass sich am 14. April 1945 das Gerücht verbreitet hatte, wonach der kommandierende Offizier derArgyll and Sutherland Highlanders of Canada von einemzivilenScharfschützen getötet wurde. Daraufhin steckten dieHighlander in einem irrtümlichen Vergeltungsschlag zivileImmobilien inFriesoythe in Brand.[14] Stacey schrieb später, dass dieHighlander zuerst die deutschen Zivilisten von den Grundstücken entfernten und dann die Häuser in Brand setzten. Er kommentierte, dass er „zum Glück sagen kann, dass [er] nie von einem anderen, ähnlichen Fall hörte“.[15]
Nach den „Operation Dragoon“-Landungen in Südfrankreich und dem Zusammenbruch der deutschen Militärbesatzung im August 1944 gelang es nur wenigen Deutschen, aus Frankreich zu fliehen, weshalb sich viele denFranzösischen Streitkräften im Inneren stellten. DieRésistance tötete einige ihrer deutschen Kriegsgefangenen, die meisten von ihnen waren Mitglieder derGestapo oder derSS.[16]
Am 12. Juni 1944 ermordete die Résistance inMeynac 46 gefangene Wehrmachtssoldaten und eine französische Zivilistin, die man der Kollaboration beschuldigte, und verscharrten sie in einem nicht gekennzeichneten Massengrab. Bei einer ersten Suche nach den Opfern waren bereits in der Nähe die Leichen von elf deutschen Soldaten gefunden worden.[17] Nach Aussagen eines ehemaligen Résistance-Kämpfers sollMarie-Pierre Koenig dem aus dem Elsass stammenden Maquis-Kommandeur Joseph Fertig (Kampfname: Hannibal) den Befehl zur Erschießung der Deutschen gegeben haben, den dieser – wenn auch widerwillig – durchführte.[18]
Am 10. September 1944 brachten dieMaquis 17 deutsche Kriegsgefangene inSaint-Julien-de-Crempse imDépartement Dordogne um, von denen 14 identifiziert werden konnten.Die Morde waren Vergeltungstaten für deutsche Morde an 17 Einwohnern des Dorfes St. Julien am 3. August 1944, die ebenfalls aus Vergeltung wegen Aktivitäten der Résistance in der Umgebung von St. Julien begangen wurden, welche die damalige Heimat einer aktiven Maquis-Zelle war.[19]
Französisch-marokkanische Truppen des „Corps expéditionnaire français en Italie“ (CEF), auch alsGoumiers bekannt, begingen massenhaft Verbrechen in Italien – während derSchlacht um Monte Cassino[20] – und in Deutschland. Laut europäischen Quellen wurden mehr als 12.000 Zivilisten, vor allem junge und alte Frauen sowie Kinder, von den Goumiers entführt, vergewaltigt oder getötet.[21] Dieses Thema wurde auch im italienischen FilmUnd dennoch leben sie mitSophia Loren behandelt.
Französische Truppen begingen während und nach der Besetzung der Städte und Dörfer sehr häufig Vergewaltigungen, Plünderungen und andere Übergriffe, darunter Erschießungen.[22] Die französischen Offiziere ließen ihre Truppen meistens etliche Tage gewähren. In manchen Orten griffen sie jedoch nach einigen Tagen drastisch ein, indem sie, wenn es sich bei den Tätern um Kolonialsoldaten – marokkanische Goumiers, Algerier oder Senegalesen – handelte, sie wegen solcher Taten hinrichten ließen. Einwohner, die Anhänger des NS-Regimes waren oder gegen die Übergriffe protestierten, wurden in vielen Fällen Opfer von Tötungen oder Misshandlungen. Als die Franzosen am 4. April 1945 Karlsruhe einnahmen, nahmen sie die Ehefrau des GauleitersRobert Wagner und seine zwölfjährige Tochter gefangen und trieben beide durch die Straßen von Straßburg. Wagners Frau soll später in einalgerischesBordell in Paris verschleppt worden sein, wo sie sich nach mehreren Vergewaltigungen wohl selbst tötete.[23] Auch Geiselerschießungen fanden statt, so in Reutlingen, wo der Hauptmann des Sicherheitsdienstes der französischen Armee, Max Rouché (1902–1985) – von Beruf Professor der Germanistik in Bordeaux –, am 24. April 1945 als Repressalie auf den vermuteten Attentatstod eines französischen Soldaten, der durch einen Verkehrsunfall gestorben war, vier deutsche Zivilisten als Geiseln exekutieren ließ.[24] Unter den Städten, bei deren Einnahme Massenvergewaltigungen verübt wurden, warenStuttgart,Pforzheim,Freudenstadt,Magstadt und viele andere.
Die württembergischeLazarettstadt Freudenstadt wurde nicht von deutschen Truppen verteidigt und war zuroffenen Stadt erklärt worden. Dennoch erlitt die Stadt einen schweren französischen Bombenangriff. Französische Truppen beschossen sie am 16. und 17. April 1945 mit Spreng- und Brandgranaten; dann drangen Soldaten des 3. Marokkanischen Spahi-Regiments unter Major (später General)Christian de Castries kampflos in Freudenstadt ein. Sie und nachfolgende französische Einheiten plünderten bis zu fünf Tage. Sie legten zahlreiche Brände (darunter auch am Rathaus), verboten das Löschen und hinderten deutsche Löschwillige mit Waffengewalt daran.[25] Es kam zu zahlreichen Vergewaltigungen durch französisch-marokkanische Besatzungssoldaten.[26] Eine Ärztin, Renate Lutz, gab an, allein in ihrer Praxis seien über 600 vergewaltigte[27] Frauen zur Behandlung gewesen.[28]
Am 6. Mai 1945 marschierten französische Truppen nachBad Reichenhall ein. Dort wurden ihnen zwölf von amerikanischen Truppen gefangene SS-Männer französischer Herkunft übergeben, die als Kriegsfreiwillige in derDivision „Charlemagne“ gekämpft und sich kampflos den Amerikanernergeben hatten. Der französische GeneralLeclerc ließ die Männer am 8. Mai 1945 ohne Prozess erschießen.[29]
Am 7. Juni 1945 wurde der SS-OberführerOskar Dirlewanger, Kommandant der berüchtigtenSondereinheit Dirlewanger, von französischen Wachsoldaten nach seiner Gefangennahme inAltshausen zu Tode gefoltert.[30]

DieSowjetunion hatte dieGenfer Konventionen von 1929 bezüglich der Behandlung von Kriegsgefangenen nicht unterzeichnet. Das wirft unter Historikern die Frage auf, ob die sowjetische Behandlung der Kriegsgefangenen schon ein Kriegsverbrechen darstellte. Laut Quellenangaben wurden die Kriegsgefangenen der Achsenmächte „[nicht] einmal ansatzweise der Genfer Konventionen entsprechend behandelt“[31] und hunderttausende fielen der Gefangenschaft zum Opfer.[32] Trotzdem wurde diese Argumentation bei den Nürnberger Prozessen abgelehnt mit der Begründung, dass dieHaager Konventionen (welche die Genfer Konventionen von 1929 nicht ersetzten, aber erweiterten und, anders als die Konventionen von 1929, von der Sowjetunion ratifiziert wurden) sowie das sonstige Kriegsvölkerrecht für alle Nationen bindend seien.[33][34][35]
Weitere Fälle von Massenvergewaltigungen und anderen Kriegsverbrechen wurden während der BesetzungOstpreußens undDanzigs,[36][37][38][39] in Teilen vonPommern undSchlesien und während derSchlacht um Berlin verübt.[40]
BeimMassaker von Katyn wurden im Frühjahr 1940 mehrere tausend polnische Offiziere von sowjetischen Truppen ermordet. Das Massaker war eine Aktion, die vonJosef Stalin befohlen und vomNKWD durchgeführt wurde. Insgesamt etwa 24.000 Polen kamen bei diesem Massaker ums Leben, vorwiegend aus der militärischen und der intellektuellen Elite des Landes.
In Jugoslawien kam es nach dem Sieg derjugoslawischen Volksbefreiungsarmee insbesondere in den Monaten Mai und Juni 1945 zu Massenhinrichtungen von Angehörigen der kroatischenUstascha-Miliz, der kroatischenDomobrani, der slowenischenDomobranci, serbischerTschetniks sowie deutscher Verbände; so z. B. beim sogenanntenMassaker von Bleiburg. So wurden etwa 2000 Angehörige der7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division „Prinz Eugen“ beiBrežice erschossen. Tausende erschossene Slowenen, Kroaten und Serben liegen in Massengräbern, die erst in den Jahren seit dem Zerfall Jugoslawiens 1991 erforscht werden, darunter im Gottscheer Hornwald (Kočevski Rog), inTezno oder imBarbara-Stollen bei Huda Jama. Angehörige der Wehrmacht starben 1945 zu Tausenden in sog. Sühnemärschen.[41][42][43][44]

Im Urteil der Historiker kam es zu folgendenKriegsverbrechen der USA:
„In den letzten Jahren des Krieges gegen Japan stand die Abneigung der Japaner, aufzugeben, im grausamen Einklang mit dem Desinteresse der Alliierten, Gefangene zu nehmen“, so John W. Dower, ein Sozialhistoriker des Pazifikkrieges.[67] Dower deutet an, dass den meisten japanischen Soldaten erzählt wurde, sie würden „getötet oder gefoltert“ werden, sollten sie in die Hände der Alliierten fallen.
Deswegen kämpften bei einer sich abzeichnenden Niederlage die meisten japanischen Soldaten bis zum Tod oder begingen Selbstmord.[68] Hinzu kam die Auffassung, dass es für einen japanischen Soldaten schändlich und schmachvoll sei, sich zu ergeben, was die Tendenz des Kampfes bis zum Tod noch verstärkte. Selbst imJapanese Field Service Code stand, dass Aufgeben nicht zulässig sei.[69] Es gab damals auch weitverbreitete Berichte, dass japanische Gefangene alliierte Sanitäter, Feldärzte und Wachen mit versteckten Waffen töteten, nachdem sie sich ergeben hatten. Dies führte dazu, dass viele alliierte Soldaten das Nehmen von Gefangenen als zu riskant einstuften.[70]
LautRudolph Joseph Rummel gibt es nur wenige Informationen über die Behandlung japanischer Kriegsgefangener durch dieNRA während desZweiten Japanisch-Chinesischen Krieges (1937–1945).[71] Dennoch wurden neben chinesischen Zivilisten und Rekruten auch japanische Zivilisten von chinesischen Soldaten misshandelt. Die chinesischen Bauern hatten „oft nicht weniger Angst vor ihren eigenen Soldaten als vor den Japanern“, so Rummel.[72] So starben 90 % der NRA-Rekruten an Krankheiten, Unterernährung oder den Folgen von Gewalt, noch bevor sie überhaupt mit der Grundausbildung anfingen.[73]
Folgendes sind Beispiele für von chinesischen Streitkräften verübte Kriegsverbrechen:
Laut Mark Johnston war „das Töten von unbewaffneten Japanern normal“. Die australischen Befehlshaber versuchten Druck auf die Truppen auszuüben, damit diese Gefangene nehmen würden, die Soldaten zeigten sich jedoch äußerst unwillig, diesen Befehl auszuführen.[75] Laut Charles Lindbergh wurden Gefangene oft aus Flugzeugen geworfen und dann wurde behauptet, sie hätten Selbstmord begangen.[76] Johnston zufolge war die Konsequenz aus diesem Verhalten, dass „einige japanische Soldaten zweifellos abgeschreckt waren, sich den Australiern zu ergeben“.[76]
Im Pazifik wurden sich ergebende japanische Soldaten oft absichtlich von den Amerikanern getötet. Richard Aldrich zufolge, der eine Studie über die von US- und australischen Soldaten geführten Tagebücher veröffentlichte, gab es manchmal sogarMassaker an Kriegsgefangenen.[77] Dower erklärt, dass in „vielen Fällen […] Japaner, die gefangengenommen wurden, gleich auf der Stelle oder auf dem Weg in den Gefängnishof erschossen wurden.“[69] Laut Aldrich war es eine übliche Praxis unter US-Truppen, keine Gefangenen zu nehmen.[77]
Diese Analyse wird von dem britischen HistorikerNiall Ferguson unterstützt,[78] der ebenfalls sagt, dass 1943 „ein vertraulicher [US-] Geheimdienstreport bemerkt, dass nur das Versprechen von Eiscreme und drei freien Tagen […] amerikanische Soldaten davon überzeugen würde, sich ergebende Japaner nicht umzubringen“.[79]
Laut Ferguson waren solche Praktiken unter anderem der Grund für die geringe Quote von gefangen genommenen zu getöteten Soldaten (etwa 1:100) Ende 1944. Im gleichen Jahr bemühten sich hochrangige alliierte Kommandeure, die „Keine-Gefangenen“-Einstellung unter ihren Soldaten zu unterbinden,[79] um japanische Soldaten zur Kapitulation zu bewegen. Der Hauptgrund hierfür war, dass durch die gängigen Praktiken die Gewinnung von Geheimdienstinformationen durch Gefangene eingeschränkt war. Laut Ferguson verbesserten die ergriffenen Maßnahmen der Kommandeure die Rate von gefangenen zu getöteten japanischen Soldaten bis Mitte 1945 auf 1:7. Dennoch war es bei derSchlacht um Okinawa von April bis Juni 1945 immer noch übliche Praxis unter US-Truppen, keine Gefangenen zu nehmen.[80]
Ulrich Straus, ein US-amerikanischerJapanologe, deutet an, dass die US-Truppen an der Front einen intensiven Hass auf das japanische Militärpersonal entwickelten, weshalb sie „nicht einfach zu überzeugen“ gewesen seien, Gefangene zu nehmen oder diese zu beschützen. Dies ist vor allem auf die damals gängige Auffassung zurückzuführen, dass sich ergebendes, alliiertes Militärpersonal „keine Gnade“ von den Japanern erfahren würde.[81] Alliierte Soldaten glaubten, dass die japanischen Soldaten dazu neigen würden, das Sich-Ergeben vorzutäuschen, um dann Überraschungsangriffe durchzuführen.[81] Deswegen, nach Straus, „widersetzten sich leitende Offiziere der Anordnung, Gefangene zu nehmen, ausgehend davon, dass die amerikanischen Truppen einer unnötigen Gefahr ausgesetzt würden“.[81] Als in derSchlacht um Guadalcanal trotzdem Gefangene genommen wurden, merkte der Army-Verhörer Captain Burden an, dass viele Gefangene während des Transports erschossen wurden, weil „es zu viel Ärger war, sie wegzubringen“.[82]
Ferguson deutet an, dass „es nicht nur die Angst vor Disziplinarmaßnahmen oder eine Frage der Ehre war, was die deutschen oder japanischen Soldaten vom Sich-Ergeben abhielt. Viel wichtiger war die Ansicht der meisten Soldaten, dass die Gefangenen ohnehin vom Gegner getötet werden würden, so könne man auch einfach weiter kämpfen.“[83]
Der amerikanische Historiker James J. Weingartner führt die äußerst geringe Anzahl von Japanern in US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft auf zwei wichtige Faktoren zurück. Diese waren zum einen die Abneigung der Japaner, sich zu ergeben, und zum anderen eine weit verbreiteterassistische „Ansicht, dass die Japaner ‚Tiere‘ oder ‚Untermenschen‘ seien und somit eine den Kriegsgefangenen angemessene Behandlung nicht verdienten“.[84] Der zweite Grund wird von Ferguson unterstützt, der sagt, dass „alliierte Truppen die Japaner so sahen, wie die Deutschen die Russen sahen – alsUntermenschen“.[85]
Die alliierte Praxis, japanische Körperteile zu sammeln, geschah in „einer Größenordnung, die selbst die alliierten Militärbehörden während des Konflikts besorgte und über die ausgiebig von der amerikanischen und japanischen Kriegspresse berichtet und kommentiert wurde“.[86]
Das Sammeln von japanischen Körperteilen begann relativ früh im Krieg, woraufhin im September 1942 ein Befehl für Disziplinarmaßnahmen gegen das Sammeln solcher „Souvenirs“ gegeben wurde.[87]
Als japanische Überreste von denMarianen zurückgesandt wurden, fehlte bei rund 60 % der Leichen der Kopf.[88]
DerJudge Advocate General (JAG) der US-Armee erklärte in einem Memorandum vom 13. Juni 1944, dass „solche grausamen und brutalen Methoden“, abgesehen von ihrer Widerwärtigkeit, Verletzungen des Kriegsrechts darstellten. Er empfahl die Verbreitung einer Direktive an alle Kommandanten, die betonen sollte, dass „die Misshandlung von gegnerischen Kriegstoten eine eklatante Verletzung der Genfer Konventionen von 1929 sei, die besagte: Nach jedem Engagement soll der Kriegsteilnehmer, der in Besitz des Feldes bleibt, Maßnahmen unternehmen, um Verwundete und Tote zu suchen und sie vor Raub und Misshandlung zu schützen.“
Diese Praktiken waren außerdem eine Verletzung der ungeschriebenen, üblichen Regeln der Landkriegsführung und konnten zur Todesstrafe führen.[89] Eine Woche später wurde dieser Punkt vom U.S. Navy JAG bestätigt, der außerdem hinzufügte, dass „das grausame Verhalten von einigem US-Personal zu einer Vergeltung der Japaner führen könnte, die unter internationalem Recht verurteilt werden würde.“[89]
Es gab Anschuldigungen, dass einige US-Soldaten während derSchlacht um Okinawa (1945) okinawanische Frauen vergewaltigt hätten.[90]
Der okinawanische Historiker (und ehemalige Direktor derOkinawa Prefectural Historical Archives) Oshiro Masayasu schreibt auf Basis jahrelanger Forschung:
„Kurz nachdem die US-Marines landeten, fielen alle Frauen eines Dorfes auf derMotobu-Halbinsel in die Hände der amerikanischen Soldaten. Zum damaligen Zeitpunkt waren nur Frauen, Kinder und alte Menschen im Dorf, da alle jungen Männer für den Krieg mobilisiert worden waren. Kurz nach der Landung ‚mischten‘ die Marines das gesamte Dorf ‚auf‘, fanden aber keine Anzeichen von japanischen Streitkräften. Die Situation ausnutzend, begannen sie mitten am Tag eine ‚Jagd auf Frauen‘, und wer sich im Dorf oder in benachbarten Luftschutzbunkern versteckte, wurde eine nach der anderen herausgezogen.“[91]
Trotzdem waren japanische Zivilisten „oft erstaunt über die vergleichsweise humane Behandlung, die sie vom amerikanischen Feind erhielten“.[92][93] Laut Mark Selden und Laura Hein (inIslands of Discontent: Okinawan Responses to Japanese and American Power) „verfolgten [die Amerikaner] keine Methoden wie Folter, Vergewaltigung und Mord an Zivilisten, vor denen die japanischen Militärs gewarnt hatten“.[94]
Nachdem die Japaner diePräfektur Kanagawa aufgegeben hatten, gab es während der ersten zehn Tage der Okkupation 1336 berichtete Vergewaltigungen.[90]
Der Fokus auf tatsächliche oder vermeintliche von Alliierten verübte Verbrechen während des Krieges ist auch Bestandteil in der Literatur vonHolocaustleugnern, insbesondere in Ländern, in denen das Leugnen desHolocausts verboten ist.[95] Laut der HistorikerinDeborah Lipstadt steht das Konzept von „vergleichbaren alliierten Fehlern“ wie denVertreibungen und den alliierten Kriegsverbrechen im Mittelpunkt und ist ein sich fortlaufend wiederholendes Thema zeitgenössischer Holocaustleugnung, ein Phänomen, das sie „immoralische Äquivalenzen“ nennt.[96]