DieKriege der Drei Königreiche (englischWars of the Three Kingdoms)[1] bildeten eine Serie aus verflochtenen Konflikten inEngland,Irland undSchottland zwischen 1639 und 1651, nachdem diese drei Länder unter die Herrschaft desselben Monarchen gekommen waren. DerEnglische Bürgerkrieg ist der bekannteste dieser Konflikte und schloss die Exekution des Monarchen der drei Königreiche,Karl I., durch das englische Parlament im Jahre 1649 ein.
Diese Serie von Kriegen umfasst dieBischofskriege 1639 und 1640, denschottischen Bürgerkrieg von 1644 bis 1645, dieirische Rebellion von 1641 und dieRückeroberung Irlands durchCromwell im Jahre 1649, und eben denersten undzweiten englischen Bürgerkrieg, 1642–46 bzw. 1648–49; weiter auch den gelegentlich so genanntendritten englischen Bürgerkrieg 1650–51.
Obwohl die Bezeichnung nicht neu ist und bereits von James Heath in seinem BuchA Brief Chronicle of all the Chief Actions so fatally Falling out in the three Kingdoms gebraucht wurde, das 1662 veröffentlicht wurde,[2] steht der Terminus stellvertretend für die Entwicklung, in den Geschichtswissenschaften Begriffe zu vereinen, um sie nicht als bloßen Hintergrund einiger Konflikte hinzustellen, in diesem Fall der Englische Bürgerkrieg. Einige, wie Carlton, Gaunt und Royal, nennen sieBritish Civil Wars („Britische Bürgerkriege“),[3][4][5] aber dieser Terminus birgt Missverständnisse, weil – obwohl die drei Königreiche unter einerPersonalunion standen – die drei Königreiche erst mit demAct of Union 1800 vereinigt wurden.
Die Bezeichnung „Kriege der Drei Königreiche“ wird oftmals ausgeweitet auf die Aufstände und Konflikte, die sich durch die 1650er Jahre bis zurStuart-Restauration unter der RegentschaftKarl II. zogen, 1660 (von da an befanden sich die drei Königreiche abermals unter einer relativ friedlichen Personalunion unter demStuartkönig) und manchmal bis zumVenner-Aufstand im nachfolgenden Jahr.
Die Personalunion der drei Königreiche unter einem Monarchen entstand als eine relativ neue Entwicklung als Begriff des 17. Jahrhunderts. Seit 1541 hatten englische Monarchen auch ihre irischen Gebiete alsKönigreich, das sie zusammen mit einem eigenenirischen Parlament regierten, während Wales unterHeinrich VIII. stärker insKönigreich England integriert wurden. Schottland, dass dritte eigene Königreich, wurde von dem Haus Stuart regiert und die drei Königreiche wurden unter demselben Monarchen vereinigt, als KönigJakob VI. Elisabeth I. 1603 auf den englischen Thron folgte. Das Regieren dieser drei höchst unterschiedlichen Königreiche stellte sich für Jakob und seinen NachfolgerKarl I. als schwierig heraus, besonders als sie versuchten, den drei Königreichen religiöse Einheit aufzuerlegen und Karl sie ohne Einbeziehung des Parlaments inabsolutistischer Art regieren wollte.
Verschiedene religiöse Bedingungen prägten die jeweiligen Länder. Mit derprotestantischenReformation machteKönig Heinrich VIII. sich selbst zum Oberhaupt derChurch of England und ächtete den Katholizismus in England und Wales. Im Verlauf des 16. Jahrhunderts wurde der Anglikanismus eng mit dernationalen Identität in England verbunden: Das englische Volk sah den Katholizismus, besonders in Verkörperung Spanien und Frankreichs, generell als nationalen Feind an. Jedoch blieb der Katholizismus die Religion der meisten Iren und stellte für einige von ihnen ein Symbol des nationalen Widerstandes gegen dieTudorbesetzung Irlands im 16. Jahrhundert dar. ImKönigreich Schottland erwuchs die inreformierter Prägung vonstatten gehende Reformation aus einer vonJohn Knox geführten Volksbewegung.
Jakob VI. bliebevangelisch, wobei er darauf achtete, seine Hoffnungen auf den englischen Thron zu wahren. 1603 wurde er rechtmäßigJakob I. von England und zog nach London. Seine diplomatischen und politischen Fähigkeiten konzentrierten sich nun vollständig auf den Umgang mit dem englischen Hof undParlament. Zur gleichen Zeit regierte er Schottland, indem er an dasPrivy Council of Scotland schrieb und dasParliament of Scotland durch dieLords of the Articles. Er stoppte die schottische Generalversammlung durch ein Treffen, darauf verstärkte er die Anzahl schottischer Bischöfe. 1618 hielt er eine Generalversammlung ab und drückte dieFive Articles episkopaler Praktiken durch, die weitestgehend boykottiert wurden. 1625 folgte ihmKarl I., sein minderbefähigter und zurückhaltender Sohn, der 1633 in derSt Giles’ Cathedral zuEdinburgh mit vollemanglikanischem Ritus gekrönt wurde, auf den Thron. Karl versuchte den anglikanischen Ritus zu erzwingen. Die Opposition dagegen erreichte einen Aufschwung, als Karl dasBook of Common Prayer zwangsweise einzuführen versuchte. Karls Konfrontation mit den Schotten erreichte 1639 einen Höhepunkt, als Karl beim Versuch scheiterte, Schottland mit militärischen Mitteln zu bezwingen.
Karl teilte die Überzeugung, dass die Könige ihre Herrschaft einzig derGnade Gottes verdankten und daher auch nur ihm allein Rechenschaft schuldeten. Damit brachte er das Stuartkönigtum von Beginn an in einen Gegensatz zum englischen Regierungssystem, das damals bereits seit etwa 300 Jahren eine begrenzte Mitwirkung des Parlaments an den Staatsgeschäften kannte. Dies führte zu einem ernsten Bruch zwischen der Krone und dem englischen Parlament. Während die Church of England dominant blieb, wurde eine machtvollepuritanische Minderheit von einem Drittel der Parlamentsmitglieder vertreten, die viel mit denpresbyterianischen Schotten gemein hatten.
Die Konflikte des englischen Parlaments mit dem König über Besteuerung, Militärausgaben und die Rolle des Parlaments in der Regierung wiederholten sich.
Mittlerweile begannen auch imKönigreich Irland, das als solches 1541 proklamiert, aber erst 1603 vollständig von der Krone erobert worden war, die Spannungen zu eskalieren. Karls I. dortigerLord Deputy,Thomas Wentworth, hatte die einheimischen irischen Katholiken durch wiederholte Initiativen verärgert, ihr Land zu konfiszieren und es den englischen Kolonisten zuzuschlagen.
Moderne Historiker betonen die Unvermeidlichkeit des Bürgerkriegs mit Hinweis darauf, dass alle Seiten in einer Situation des gegenseitigen Misstrauens und Paranoia auf Gewalt zurückgriffen. Karls anfängliches Scheitern, denBischofskrieg zu einem schnellen Ende zu bringen, zeigte auch anderen unzufriedenen Gruppen, dass Gewalt ihren Zwecken förderlich sein könnte.
Während die Kriege der drei Königreiche die Voraussetzungen für die vielen Veränderungen setzten, die die modernen Britischen Inseln später prägen sollten, bewirkten sie auf kurze Sicht wenig. DerCommonwealth of England erreichte einen relativ unstabilen Zustand zwischen einer Monarchie und einer Republik.
1639: Konflikt zwischen den Covenanters und Royalisten in Schottland, beginnend mit der Einnahme von Aberdeen im Februar durch die Covenanters.
1639: DerBischofskrieg: Karl bringt seine Truppen nach Schottland, aber entschließt sich zu verhandeln, statt zu kämpfen. Unterzeichnung desVertrags von Berwick am 18. Juni 1639.
1640: Karl beruft das englische Parlament wieder ein, um neues Geld für seinen Krieg zu gewinnen. Das Parlament stimmt zu, Karl finanziell zu unterstützen. Karl verweigert sich jedoch den Bedingungen des Parlaments. Er löst es nach nur drei Wochen Existenz auf, weswegen es in die Britische Geschichte als „Short Parliament“ („Kurzes Parlament“) eingegangen ist.
1640: DerZweite Bischofskrieg oder „Zweiter Krieg des Bündnisses“ bricht im August des Jahres aus. Als Antwort auf Karls Versuch, eine Armee gegen sie aufzustellen, kreuzt eine Armee von Covenanters denTweed und überrennt englische Truppe in derSchlacht bei Newburn (28. August 1640), anschließend marschieren sie gen Newcastle.
1640: DerVertrag von Ripon (26. Oktober 1640) lässt Newcastle in den Händen der Schotten, die ebenfalls eine große Tributzahlung von Karl erhalten.
23. Oktober 1641: DieIrische Rebellion bricht inUlster aus, begleitet von einem Massaker an Protestanten, begangen von den Katholiken. Die Rebellen gewinnen eine Schlacht gegen die Krone in derJulianstown Bridge kurz vorDrogheda im Dezember.[6]
1. Dezember 1641: Das Parlament erlässt dieGrand Remonstrance für Karl, was einige Historiker als direkte Herausforderung von Karls Autorität sehen.
1642: Die Covenanters senden eine protestantisch-schottische Armee nachUlster um die protestantischenPlantation (Ansiedlungen) zu verteidigen.
1642: Karl betritt das House of Commons, um fünf „Verräter“ festzunehmen.
23. Oktober 1642: DieSchlacht bei Edgehill ist die erste Schlacht mit Pattausgang imEnglischen Bürgerkrieg.
Zeitgenössische Darstellung der Enthauptung Karls I. von England vor dem Banqueting House, Whitehall, London.
1643: Die Waffenruhe zwischen englischen Royalisten und irischen Konföderierten wird erklärt.
1643: 25. September: Eine Allianz zwischen dem englischen Parlament und den schottischen Covenanters – dieSolemn League and Covenant – wird erklärt. Schottische Truppen marschieren in England ein, um die englischen Parlamentarier zu unterstützen.
1644: DerSchottische Bürgerkrieg, ausgelöst von dem RoyalistenMontrose, mit der Hilfe irisch-konföderierter Truppen unterAlasdair MacColla, einschließlich der schottisch-irischen Kräfte unterManus O'Cahan.
1648–1649: Frieden von Ormonde – formal wird eine Allianz zwischen irischen Konföderierten und englischen Royalisten ausgerufen.
1648: DieSchlacht bei Preston (August): Schottische Covenanters invadieren England, um Karls Herrschaft wiederherzustellen, und werden von englischen Parlamentariern geschlagen.
1649: 30. Januar: Hinrichtung Karl I. durch das englische Parlament.
1649: 11. September: Cromwell nimmtDrogheda, gefolgt vonWexford am 11. Oktober.
1650: Montrose versucht einen royalistischen Aufstand in Schottland heraufzubeschwören; die Covenanters besiegen, arrestieren und töten ihn.
1650: Karl II. schwört der Allianz mit den irischen Konföderierten ab.
1650: DerDritte Englische Bürgerkrieg zwischen den Schotten und dem englischen Parlament bricht aus. Cromwell invasiert Schottland und zerreibt die schottische Armee in derSchlacht bei Dunbar (3. September 1650).
Charles Carlton:Going to the Wars: The Experience of the British Civil Wars, 1638–1651. Routledge, London 1992,ISBN 0-415-03282-2.
John Kenyon, Jane Ohlmeyer (Hrsg.):The Civil Wars: A Military History of England, Scotland, and Ireland, 1638–1660. Oxford University Press, Oxford 1998,ISBN 0-19-866222-X.
Trevor Royle:The Civil War: The Wars of the Three Kingdoms, 1638–1660. Little, Brown, London 2004,ISBN 0-316-86125-1.
Conrad Russell, 5th Earl Russell:The Fall of the British Monarchies, 1637–1642. Clarendon Press, Oxford 1991,ISBN 0-19-822754-X.
David Stevenson:Scottish Covenanters and Irish Confederates: Scottish-Irish Relations in the Mid-Seventeenth Century. Ulster Historical Foundation, Belfast 1981,ISBN 0-901905-24-0.
John R. Young (Hrsg.):Celtic Dimensions of the British Civil Wars. John Donald, Edinburgh 1997,ISBN 0-85976-452-4.
Jane Ohlmeyer:The Wars of the Three Kingdoms. (Memento vom 4. Februar 2012 imInternet Archive) (Ohlmeyer arguing that the English Civil War was just one of an interlocking set of conflicts that encompassed the British Isles in the mid-17th century)
The English Context of the British Civil Wars (Link inaccessible as of 2. März 2008.) John Adamson argues that historians have exaggerated the importance of the Celtic countries in the events of the 1640s
Englishcivilwar.org News, comment and discussion about the English Civil War
↑Ian Gentles, citing John Morrill's reminder, states, „there is no stable, agreed title for the events …. They have been variously labeled the Great Rebellion, the Puritan Revolution, the English Civil War, the English Revolution, and most recently, the Wars of the Three Kingdoms.“ See Ian Gentles,The English Revolution and the Wars in the Three Kingdoms, 1638–1652, Modern Wars in Perspective, Ed. H. M. Scott and B. W. Collins (Harlow, UK: Pearson Longman, 2007), 3.