600.000–2.000.000 getötet[14] 5 MillionenFlüchtlinge außerhalb Afghanistans 2 MillionenBinnenvertriebene ca. 3 Millionen Bürger Afghanistans verletzt[15]
Zivilisten (Sowjetunion) ca. 100 getötet
DerAfghanistankrieg (russischАфганская войнаAfganskaja woina, deutsch‚Afghanischer Krieg‘) oderSowjetische Krieg in Afghanistan (paschtunischپه افغانستان کې شوروی جګړه,persisch جنگ شوروی در افغانستان Dschang-e Schurawi dar Afganestan,DMGĞang-i Šuravī dar Afġānistān) fand zwischen 1979 und 1989 statt. Er begann mit der militärischen Unterstützung derdurch einen Putsch an die Regierung gelangten Machthaber durch dieSowjetunion gegen die vielen Gruppierungen derMudschahedin, die sich vor allem als Reaktion auf dieSäkularisierung Afghanistans bildeten.[16] Nach der Logik desKalten Krieges wurden dieislamistischen[17]Rebellen politisch und materiell von den USA und anderenNATO-Staaten sowie Teilen derislamischen Welt auch unterstützt, um die Sowjetunion zu schwächen.[18]
Insbesondere die forcierte Säkularisierung sowie die Entmachtung und teilweise Ermordung der Oberschicht[19] führten schnell zu einem breiten Widerstand der Bevölkerung. Es gründeten sich in dieser Zeit rund 30 islamistische Mudschahedin-Gruppen. Überdies kam es auch zu politischen Richtungsstreitigkeiten und Machtkämpfen innerhalb der DVPA. Mit der Ermordung des Ministerpräsidenten Taraki im September 1979 übernahmHafizullah Amin die Macht und versuchte den Widerstand niederzuschlagen. In der Folge eskalierte der Bürgerkrieg, der bald von derCIAunterstützt und finanziert wurde.
Taraki hatte seit Ende 1978 mehrfach und dringend um sowjetische Militärhilfe gebeten, um innere Unruhen zu bekämpfen. Damals lehnte die Sowjetunion, unter anderem wegen des hohen außenpolitischen Risikos, die militärische Hilfe ab. Da derKGB nun jedoch fürchtete, Amin könne sich an den Westen anlehnen und NATO-Truppen ins Land rufen, um seine Macht zu sichern, mehrten sich innerhalb der Führung der UdSSR die Stimmen, die sich für eine zeitlich begrenzte Militärintervention aussprachen. Als die Beziehungen zum Westen nach demNATO-Doppelbeschluss vom 12. Dezember 1979 einen neuen Tiefpunkt erreicht hatten, setzte sich diese Position durch, und so gabLeonid Iljitsch Breschnew den Einsatzbefehl. Dies war indes nicht Ausdruck derBreschnew-Doktrin, mit der sich die Sowjetunion ein Interventionsrecht insozialistischen Staaten zusprach. Afghanistan unter dem Taraki-Regime galt nicht als sozialistischer Staat, sondern nur als „Staat sozialistischer Orientierung“.
Als Motiv für die Intervention werden die Sorge um die muslimische Bevölkerung der südlichen Sowjetrepubliken genannt, die sich von dem Aufstand der afghanischen Widerstandsgruppen möglicherweise anstecken lassen könnten. Auch wird vermutet, dass die Sowjetunion damit das strategische Ziel verfolgte, bis zum Indischen Ozean vorzudringen. Der deutsche Politikwissenschaftler Helmut Hubel vertritt dagegen die These, dass es der sowjetischen Führung aus einer Position der eigenen Stärke darum gegangen wäre, ihre bereits sicher geglaubte Machtposition zu verteidigen und Afghanistan in ihrerEinflusssphäre zu behalten.[20] Außerdem war man unsicher hinsichtlich geheimer Treffen Amins mit US-Diplomaten und befürchtete eineislamische Revolution nach demVorbild Irans.[21]
Am 25. Dezember 1979 überschritten die ersten Einheiten der für den Afghanistan-Einsatz neu gebildeten sowjetischen40. Armee unter MarschallSergei Sokolow, die 5. und 108. Motorisierte Schützendivision, beiTermiz undKuschka die Grenze nach Afghanistan.[22] Gleichzeitig wurden 7000 Elitesoldaten der 103.WitebskerLuftlandedivision nach Kabul undBagram eingeflogen. Am ersten Tag der Invasion kamen bei einem Absturz eines Militärtransportflugzeuges vom TypIl-76 an einem Berg nahe Kanzak (nordöstlich von Kabul) der Pilot, 37 Fallschirmjäger und neun weitere Soldaten ums Leben.[23]
Am 27. Dezember führten schon länger im Land befindliche Spezialtruppen desKGB mit Unterstützung durch Fallschirmjäger dieOperation Storm-333 durch, indem sie denTajbeg-Palast und weitere operativ wichtige Punkte in Kabul erstürmten und Amin töteten. Die bisherige afghanische Führung wurde mit einem Schlag ausgeschaltet, politische Gefangene befreit und noch am selben Tag wurde im Rundfunk die Regierungsübernahme durchBabrak Karmal verkündet. Der Widerstand der afghanischen Armee war gering, und die meisten Kommandeure erklärten sich unter dem Einfluss der ihnen zur Seite gestellten sowjetischenMilitärberater bald bereit, mit der neuen Regierung zusammenzuarbeiten. Diese versuchte, einerseits den Bürgerkrieg zu deeskalieren und andererseits die Anbindung an die Sowjetunion, unter anderem durch ein Abkommen über eine Truppenstationierung, zu stärken.
DasBegrenzte Kontingent der sowjetischen Truppen in Afghanistan (offizielle Bezeichnung; russ. Ограниченный контингент советских войск в Афганистане, ОКСВА) umfasste bereits im Februar 1980 85.000 Soldaten. Die Truppenstärke wurde bis 1988 weiter auf etwa 115.000 vergrößert.[9]
Die militärische Intervention wurde umgehend von westlichen und islamischen Staaten verurteilt.[24] Sie überschattete dieOlympischen Sommerspiele 1980 (Moskau/Tallinn), die deshalb von vielen Staaten boykottiert wurden.
Speznas-Truppen beim Verhör eines gefangenen MudschahedsRonald Reagan mit Mudschahedin, 1983
Etwa zwei Drittel der afghanischen Armee schlossen sich dem Widerstand gegen die Sowjets an.[25] Die konservativen Mudschahedin erfuhren zusehends internationale Unterstützung. Am 21. März 1980 gründete sich dieIslamische Union der afghanischen Mudschahedin (auch Peschawar-Sieben genannt) als ein Bündnisislamistischer undmonarchistischer Gruppierungen. Diese waren untereinander zerstritten und die Kooperation beschränkte sich auf die Bekämpfung der kommunistischen Herrschaft. Der Krieg wurde von beiden Seiten rücksichtslos und grausam geführt; sowohl die Sowjets und die Regierungstruppen als auch die Mudschahedin begingen Kriegsverbrechen.[26]
Der Kampf gegen die sowjetischen Invasoren und die kommunistische Regierung wurde insbesondere von einerAllianz aus sieben islamischen Parteien geführt, die ihren gemeinsamenGeneralstab in Pakistan hatten und untereinander zerstritten waren. Die Anführer dieser Parteien wurden von der westlichen Presse auchWarlords („Kriegsfürsten“) genannt. Pakistan, das insbesondere den islamistischenWarlordHekmatyar intensiv unterstützte und eigene Interessen im Nachbarland verfolgte, war neben den USA der wichtigste Verbündete der antikommunistischen Kräfte.
Den sowjetischen und afghanischen Regierungstruppen gelang es trotz ihrer militärischen Überlegenheit und Lufthoheit nicht, den Widerstand der Mudschahedin zu brechen. Zwar konnten sie schnell wichtige Städte und Straßen in den Tälern besetzen, über weite Gebiete außerhalb der großen Städte hatten sie jedoch keine Kontrolle. Im Jahr 1982 wurde schließlich eine militärische Pattsituation erreicht, während der Kampf von beiden Seiten immer brutaler geführt wurde. Auf dieGuerillataktik der Mudschahedin imJagdkampf, die in der Regel keine Gefangenen machten, reagierte die Sowjetarmee unter anderem mit Terror gegen die Zivilbevölkerung.Eine Wende in dem andauernden Konflikt kam erst 1985 mit der Wahl vonMichail Gorbatschow zum neuen Generalsekretär derKPdSU, der mit dem Versprechen angetreten war, den Krieg in Afghanistan zu beenden. Dies geschah zu einem Zeitpunkt, als die Sowjets begonnen hatten, ihre Truppen per Transporthubschrauber sowie Truppen transportierendeMil Mi-24 in Kampfgebiete im Land zu verlegen, um gegen die Rebellen keine Bodenkämpfe führen zu müssen. Nach den ersten Erfolgen verloren die sowjetischen Truppen infolge der Lieferung hochmodernerStinger-Raketen an die Mudschahedin durch die CIA dieMöglichkeit solcher Lufttransporte.[27] Die sowjetische Führung gelangte zu der Einsicht, dass der Krieg nicht zu gewinnen war, und suchte fortan nach einem Weg, ihre Truppen aus dem Land abzuziehen, ohne das Gesicht zu verlieren.
Im Mai 1986 lösteMohammed Nadschibullāh Karmal als Regierungschef ab und versuchte, den Krieg durch Verhandlungen zu entschärfen. Babrak Karmal blieb aber bis zum 20. November 1986 Vorsitzender des Revolutionsrates und somit Staatsoberhaupt.
Die letzten sowjetischen Soldaten verlassen Afghanistan über dieBrücke von Termiz
Die ab 1982 inGenf unter Vermittlung der Vereinten Nationen geführten indirekten Verhandlungen[27] zwischen Afghanistan und Pakistan führten am 14. April 1988 zur Unterzeichnung desGenfer Abkommens, das die Normalisierung der Beziehungen zwischen beiden Staaten und die Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten des jeweils anderen Staates vorsah. Ergänzend wurde die Rückkehr der in Pakistan befindlichen afghanischen Flüchtlinge vereinbart. Die Sowjetunion und dieUSA garantierten den Verzicht auf jegliche Einmischung in die inneren Angelegenheiten Afghanistans. Der Rückzug der sowjetischen Truppen sollte bis Mitte Februar 1989 beendet sein. Die Mudschahedin lehnten das am 15. Mai 1988 in Kraft getretene Abkommen ab und wollten sich auch nicht an der Koalitionsregierung unter Nadschibullāh beteiligen. Ab 15. Mai 1988 begann die Sowjetunion mit dem Abzug der offiziell 100.300 Soldaten aus Afghanistan. Laut dem JournalistenSawik Schuster hatte Gorbatschow auf einer Garantie der UNO bestanden, dass während des Abzuges der Truppen keine Soldaten von Mudschahedin getötet würden. In einer geheimen Mission der UNO war Schuster im April 1988 in Afghanistan und erhielt von den vereinigten Kommandanten eine Woche vor der Unterzeichnung des Genfer Abkommens das von Gorbatschow verlangte Versprechen.[27]
Bewaffnete Mudschaheddin in einem zerstörten Dorf, 1988
Auf Grund weiterer Angriffe seitens der Mudschahedin wurden die sowjetischen Soldaten im Juli 1988 jedoch erneut in Kämpfe verwickelt,[28] eine Darstellung, welcher Schuster entschieden widersprach; „nie“ wären aus den Wachposten, welche die Mudschadehin entlang der Straße von Kabul nachTermiz errichtet hatten, Schüsse gefallen. Im Gegenteil hätten die Sowjets ihr Versprechen gebrochen, als bei derOperation Taifun ab 23. Januar 1989[29] bis zu zweitausend Zivilisten getötet wurden. Tote Zivilisten waren als Anklage an der Straße abgelegt worden, auf der der Truppenabzug stattfand.[27]
Bis 15. Februar 1989 war der Abzug beendet. Afghanistan hatte zwischen 600.000 und 1,5 Millionen Tote zu beklagen[30], nach Schätzungen desUNHCR waren 6,2 Millionen Menschen wegen des Krieges nach Pakistan und Iran geflohen.[31] Im Jahr 1989 veröffentlichte der sowjetische Generalstab die Zahl von 13.833 gefallenen Soldaten, Ende der 1990er wurde die offizielle Zahl auf mehr als 15.000 Gefallene angehoben[32], nach späteren Angaben des russischen Generalstabes gab es auf sowjetischer Seite über 26.000 Tote.[33]
Der Abzug der sowjetischen Truppen hinterließ Afghanistan politisch und militärisch ohne Ordnung. Die Regierung Mohammed Nadschibullāh war ebenso wie der heterogene Widerstand nicht in der Lage, einen Führungsanspruch auszubauen und eine in der Bevölkerung mehrheitlich akzeptierte Regierung zu bilden. Bereits im Januar 1989 wurde das von den Mudschahedin eingeschlossene Kabul nur noch über eine sowjetischeLuftbrücke versorgt. Die antikommunistischen Widerstandsorganisationen bildeten im Februar 1989 eine Gegenregierung im pakistanischenPeschawar. Nach dem Abzug des letzten sowjetischen Soldaten am 15. Februar 1989 leistete die Sowjetunion anfangs noch materielle Unterstützung für die Führung in Kabul. Da im Genfer Abkommen nur der Abzug der Streitkräfte geregelt war, verblieben zahlreiche sowjetische Berater in Kabul. Bis zum Sommer tobte die Schlacht umDschalalabad, in der die Gruppen der Mudschahedin erfolglos blieben. Die Mudschahedin, insbesondere deren größte ParteienHizb-i Islāmī undDschamiat-i Eslami-ye Afghanistan unterBurhānuddin Rabbāni, verstrickten sich in Kämpfe untereinander, die über Jahre hinweg anhielten. Im Frühjahr 1990 unternahm der damalige KriegsministerNawaz Tanai einen Putschversuch gegen Nadschibullāh. Dieser scheiterte und es folgten politische Säuberungen. Gleichzeitig gab infolge des zunehmenden Widerstands die kommunistische Regierungspartei im Juni 1990 ihr Machtmonopol auf und benannte sich in „Heimatpartei“ („Watan“) um.
Bis zum Frühjahr 1992 brachten die Mudschahedin den größten Teil von Afghanistan militärisch unter ihre Kontrolle. Am 16. April 1992 gab Nadschibullāh auf Vermittlung derUNO die Macht ab, nachdem sich Russland als Nachfolgestaat der UdSSR mit den USA auf die Einstellung der jeweiligen Militärhilfe geeinigt und bereit erklärt hatte, eine islamische Regierung in Afghanistan zu akzeptieren. Ein Vierrat aus Nadschibullāhs Watan-Partei übernahm die politische Führung. Am 25. April 1992 wurde Kabul kampflos an die Mudschahedin übergeben und in sechs Einflussbereiche aufgeteilt, deren Grenzen vermint waren. Die Mudschahedin übernahmen in den folgenden Tagen auch alle übrigen Städte und Garnisonen in der Umgebung. Die verschiedenen Mudschahedin-Gruppierungen begannen jedoch sofort nach der Eroberung Kabuls, sich gegenseitig zu bekämpfen. Es entbrannte einweiterer Bürgerkrieg.
Aus den folgenden Auseinandersetzungen, die nur noch auf geringes Interesse im Westen stießen, gingen schließlich die fundamentalistischenTaliban als Sieger hervor und errichteten einen islamistischenGottesstaat.
Bereitstellung der Ressourcen im Afghanistankrieg (nach Yousaf,The Bear Trap)
Zum Zeitpunkt des Einmarsches der sowjetischen Truppen regierte inPakistan eine islamistische Militärregierung unterMohammed Zia-ul-Haq.[34] Pakistan fühlte sich von der nach Afghanistan vordringenden Sowjetunion im Westen und dem Sowjet-Alliierten Indien im Osten in seiner Existenz bedroht und wollte einem möglichen koordinierten Angriff der beiden Hegemonialmächte vorbeugen. Dabei spielte sowohl die Verteidigung des Islam als auch des pakistanischen Staates eine Rolle. Zia beauftragte den als die zweitgrößte Autorität des Landes geltenden Generaldirektor des Geheimdienstes, GeneralAkhtar Abdur Rahman Shaheed, mit der Ausarbeitung möglicher Lösungen und entschied sich schließlich für die geheime Unterstützung der Mudschahedin. Zia hoffte auf Unterstützung seitens der arabischen Welt als Kämpfer für den Islam und seitens des Westens als Gegner des Kommunismus.
Schon vor Beginn des Krieges ließen sich afghanische islamistische Parteien, die im Konflikt mit der säkular ausgerichteten afghanischen Regierung unterMohammed Daoud Khan standen, im pakistanischen Peschawar nieder.[35] Mit dem sowjetischen Einmarsch verstärkte Pakistan seine Bemühungen, den sunnitischen Widerstand zu unterstützen. Sieben von Pakistan ausgewählte Mudschaheddin-Gruppen durften sich in Pakistan niederlassen.[36] Der pakistanische GeheimdienstInter-Services Intelligence (ISI) übernahm die Organisation und Ausbildung der verschiedenen Mudschahedin-Gruppen, die Verteilung von Waffen und anderer Ressourcen als Mittelsmann sowie die strategische Planung des Krieges. Dabei wandte Pakistan die „Strategie der tausend Nadelstiche“ an, die darin bestand, durch eine große Zahl von Guerilla-Angriffen den Feind zu destabilisieren. Von offizieller Seite wurde Pakistans Rolle im Afghanistan-Krieg stets bestritten.
Der Stützpunkt der ISI, von dem aus der Afghanistan-Krieg geleitet wurde, war das Ojhri-Lager im Norden vonRawalpindi. Neben einem Lager, das 70 % der Waffen passierten, befand sich dort auch ein Trainingslager mit Simulatoren, das später insbesondere für dieStinger-Raketen verwendet wurde, sowie eine Einheit zurpsychologischen Kriegführung. Weitere Lager der ISI befanden sich unter anderem in der Nähe der Mudschahedin-Quartiere inPeschawar undQuetta. Von 1984 bis 1987 absolvierten über 80.000 Mudschahedin in pakistanischen Lagern eine Waffenausbildung.
DerNationale Sicherheitsberater von US-PräsidentJimmy Carter,Zbigniew Brzeziński, soll angeblich Carter eine Unterstützung der Mudschahedin empfohlen haben, um die Sowjetunion in die „afghanische Falle“ tappen zu lassen. Die Darstellung, man habe die Sowjets in eine solche Falle gelockt, wird allerdings von Zeitzeugen als „nicht faktenbasiert“ zurückgewiesen.[37]
In den ersten Monaten des Krieges standen dasVerteidigungsministerium der Vereinigten Staaten und dieCIA einer Unterstützung Zias reserviert gegenüber, da eine baldige Kontrolle Afghanistans durch die Sowjetunion unausweichlich schien.[38] Tatsächlich wurde nach der Einnahme Kabuls das neue Regime von den USA anerkannt, indem sie den BotschafterAdolph Dubs als diplomatischen Vertreter in die afghanische Hauptstadt sandten.
Führende Mitglieder der CIA, einschließlich ihres DirektorsWilliam Joseph Casey, betrachteten einen Krieg jedoch bald nicht nur als Möglichkeit zum Kampf gegen denKommunismus im Allgemeinen. Es bot sich die Gelegenheit, in Afghanistan den verlorenenVietnamkrieg vergessen zu machen. Die Rolle der CIA lag sowohl in der Bereitstellung von Waffen als auch in der Unterstützung Pakistans durch Geheimdienstinformationen wie Satellitenaufnahmen und abgehörte Funksprüche der sowjetischen Armee. Die Waffen stammten ausChina,Ägypten,Israel, denUSA,Großbritannien und weiteren Staaten. Sie wurden von der CIA nach Pakistan geliefert, wo dieISI sie an die Stützpunkte der Mudschahedin-Führer verteilte. Der finanzielle Umfang der US-amerikanischen Unterstützung lag insgesamt zwischen zwei[39] und sechs[40] Milliarden US-Dollar.
Saudi-Arabien unterstützte seit 1980 diesunnitischen Mudschaheddin.[35] Das Land verdoppelte die finanzielle Unterstützung der Mudschaheddin aus den Vereinigten Staaten. Zudem finanzierte Saudi-Arabien die Teilnahme islamistischer Extremisten am Krieg, die in Opposition zum saudischen Königshaus standen.[41]
Iran nahm etwa 1,7 bis 2,2 Millionen afghanische Flüchtlinge auf.[42] Das Land unterstützte dieschiitischen Mudschaheddin.[43] Da sich Iran während des sowjetisch-afghanischen Krieges imErsten Golfkrieg befand, blieb die Unterstützung aus Iran gering.[44] Auf Drängen Irans schlossen sich 1989 die schiitischen Mudschaheddin-Parteien zusammen.[45]
Die Bundesregierung verdoppelte 1980 die Entwicklungshilfe für Pakistan und stellte 1981 rund 60 Millionen DM für die Flüchtlingshilfe bereit. Afghanische Mudschahedin-Führer wurden in der BRD empfangen, unter ihnen der eher royalistisch-moderate Ahmed Gailani und Gulbuddin Hekmatyār von der Islamistischen Partei Hizb-i Islāmī. Angesichts der Hungersnot erhielt der afghanische Widerstand direkte Zuwendungen der Bundesregierung über 100.000 DM.[46] Zudem unterstützte dieCSU-naheHanns-Seidel-Stiftung die Hizb-i Islāmī finanziell.[47] Pro-Hekmatyār-Aktivisten eröffneten 1980 in Bonn ein Büro, das sich zur Drehscheibe für die Anwerbung von Unterstützung im Westen entwickelte.[48]
Der bundesdeutsche NachrichtendienstBND verfolgte im Rahmen der verdecktenOperation Sommerregen das Ziel, sowjetische Militärausrüstung zu beschaffen und zu analysieren. Diese Operation war von der Bundesregierung genehmigt und mit einem Budget von 250.000 DM ausgestattet. Dazu unterhielt der BND in Pakistan eine Sanitätsstation als Tarnung, über die Waffen in die Bundesrepublik zur weiteren Analyse weitertransportiert wurden.[7]
Wie die Sowjetunion unterstützte auch die DDR Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt, vor allem in afrikanischen Ländern, mit Militär- und Wirtschaftshilfen.[49] Die zeitgenössische Presse spekulierte über „Honeckers Afrika-Korps“ und dasTime Magazine titelte: „Hier kommen Europas Kubaner“.[50] Tatsächlich entsprachen diese Berichte weitgehend nicht der Realität und das Engagement der DDR in der Dritten Welt war begrenzt und blieb weit hinter dem von Kuba zurück.[51] Afghanistan war für die DDR trotz der sozialistischen Orientierung des Landes kein Schwerpunktland ihrer Außen- und Entwicklungspolitik. Im Mai 1982 schloss die DDR anlässlich eines Staatsbesuchs Babrak Karmals mit Afghanistan einen „Vertrag über Freundschaft und Zusammenarbeit“ ab. Die Zusammenarbeit der DDR mit Afghanistan fokussierte sich hauptsächlich auf den Bildungssektor. Für die DDR waren die Aktivitäten in Afghanistan vor allem Ausdruck ihrer Bündnistreue zum „großen Bruder“ Sowjetunion.[4]
Etwa einhundert Offiziere der afghanischen Streitkräfte erhielten an derOffiziershochschule für ausländische Militärkader „Otto Winzer“ inProra aufRügen eine Ausbildung.[52][53] Berichten desBundesnachrichtendienstes zufolge habe die DDR Hubschrauberpiloten derNVA nach Afghanistan entsandt.[54][55] Der afghanische GeheimdienstKhAD und die afghanische Polizei wurden unter Anleitung von DDR-Sicherheitsbeamten neu strukturiert und aufgerüstet.[56][57] Von Ost-Berlin aus wurden Mudschahedin-Organisationen in der Bundesrepublik im Rahmen von Geheimdienstoperationen infiltriert.[3] Laut Dokumenten des US-Kongresses lieferte die DDR überAlexander Schalck-Golodkowskis BereichKommerzielle Koordinierung Waffen für den afghanischen Widerstand an die CIA. Unklar ist, ob die DDR-Führung von den Lieferungen wusste.[4][58]
Am 9. März 1980 verübteJosef Kneifel aus Protest gegen den sowjetischen Einmarsch einen Bombenanschlag auf einen sowjetischen Panzer inKarl-Marx-Stadt, der als Denkmal „für die Befreiungstaten der Roten Armee“ diente. Er wurde dafür zu lebenslanger Haft verurteilt.[59][60]
Aufgrund der schwierigen Bedingungen des in äußerst hartem Terrain stattfindenden Guerilla-Kampfes konnten nur wenige Journalisten die Mudschahedin begleiten, und die über diesen Krieg veröffentlichten Informationen blieben notwendigerweise ungenau und beeinflusst. Einige Journalisten überredeten die Mudschahedin-Kommandanten, vor laufender Kamera Raketenangriffe zu simulieren. Ein Großteil der Filmaufnahmen des Kriegs wurde von Privatleuten gemacht, die mit diesem Material in westlichen Staaten um finanzielle Unterstützung für die Mudschahedin warben. Ein weiterer großer Teil der privat erstellten Filmaufnahmen hatte die Situation der Flüchtlinge zum Thema, die in den pakistanischen und iranischen Flüchtlingslagern auf Hilfe von außen angewiesen waren.
Außer einer kurzen Phase unter Tschernenko, war die sowjetische Führung mehr interessiert daran die Kosten zu minimieren als den Krieg zu gewinnen.[13] Der Afghanische Krieg war in der Sowjetunion selbst äußerst unpopulär. Viele wehrpflichtige Jugendliche aus der gesamten Sowjetunion, die als Soldaten in diesem Krieg kämpfen mussten, erkrankten, erlitten Verwundungen und/oderKriegstraumata oder starben. Außerdem wirkte der Afghanistankrieg als Katalysator für die wachsende Drogenproblematik und -kriminalität innerhalb der Sowjetunion, denn die Verbreitung vonRauschmitteln wie Heroin wurde durch ihn enorm gefördert. Auch insofern besteht eine Parallele zumVietnamkrieg der USA.
Wegen der Geheimhaltung, die alle militärischen Angelegenheiten umgab, und der Zensur der Medien waren Berichte über diese Aspekte des Krieges nicht möglich. Die sowjetische Bevölkerung konnte sich nicht mit den Zielen des Einsatzes „in der fremden Wüste“ identifizieren; das Vertrauen der sowjetischen Bevölkerung zur politischen Führung schwand weiter. Der Afghanistankrieg und seine enormen Kosten beschleunigten nach Ansicht einiger Historiker den Prozess, der schließlich zurAuflösung der Sowjetunion führte. Angriffe der Mudschaheddin auf sowjetisches Territorium blieben die Ausnahme.[64]
Ende der 1980er Jahre wurde das Thema in mehrerenHollywood-Actionfilmen verarbeitet. Die internationale Ablehnung des Einmarsches der Sowjetunion in Afghanistan wurde dabei zur Aufwertung des jeweiligen Filmhelden genutzt, der auf Seiten der Einheimischen gegen die sowjetischen Invasoren kämpft, wie inJames Bond 007 – Der Hauch des Todes oderRambo III.[65] Der FilmKen Folletts Roter Adler von 1994, basierend aufKen Folletts ThrillerDie Löwen, benutzt ebenfalls die Ereignisse in Afghanistan als Rahmenhandlung. Die politischen Hintergründe der Finanzierung der Aufständischen durch dieCIA behandelt der FilmDer Krieg des Charlie Wilson aus dem Jahr 2007. AuchAdam Curtis 2015 erschienener DokumentarfilmBitter Lake widmet sich diesem Themenkomplex.
Auch in der Sowjetunion bzw. in Russland wurde das Thema in Filmen aufgegriffen, wie etwa inHeißer Sommer in Kabul aus dem Jahr 1983, in dem DokumentarfilmIst es leicht, jung zu sein? von 1986 über die Vergeblichkeit einer Rückkehr junger Afghanistan-Veteranen in das „normale“ Leben ihrer Altersgenossen,[66] inAfghan Breakdown von 1990, inDie Neunte Kompanie von 2005, wo Kampfeinsätze der Sowjetarmee im Jahr 1988 gegen die Mudschaheddin thematisiert werden, oder inAlexei BalabanowsFracht 200 (benannt nach dem gleichnamigenCodewort für den Gefallenentransport) von 2007.
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↑Bob Gates:From the Shadows: The Ultimate Insider’s Story of Five Presidents and How They Won the Cold War. Simon and Schuster, 2007,ISBN 978-1-4165-4336-7,S.145–47: “When asked whether he expected that the revelations in his memoir (combined with an apocryphal quote attributed to Brzezinski) would inspire ‘a mind-bending number of conspiracy theories which adamantly—and wrongly—accuse the Carter Administration of luring the Soviets into Afghanistan’, Gates replied: ‘No, because there was no basis in fact for an allegation the administration tried to draw the Soviets into Afghanistan militarily.’” See Gates, email communication with John Bernell White, Jr., October 15, 2011, as cited inJohn Bernell White: The Strategic Mind Of Zbigniew Brzezinski: How A Native Pole Used Afghanistan To Protect His Homeland. (PDF) Mai 2012, S. 45–46, 82, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 4. März 2016; abgerufen am 20. April 2019.
↑Im Dezember 2018 veröffentlichte das US-Außenministerium eine umfangreiche Aufarbeitung der US-Politik:state.gov
↑Conrad Schetter:Kleine Geschichte Afghanistans. 2. Auflage. Beck, 2010,S.104f.
↑Conrad Schetter:Kleine Geschichte Afghanistans. 2. Auflage. Beck, 2010,S.109.
↑Andreas Rieck:Irans Politik im Afghanistankonflikt seit 1992. In: Conrad Schetter; Almut Wieland-Karimi (Hrsg.):Afghanistan in Geschichte und Gegenwart. Beiträge zur Afghanistanforschung. 1999,S.109.
↑Conrad Schetter:Kleine Geschichte Afghanistans. 2. Auflage. Beck, 2010,S.116f.
↑Frank Bösch:Der sowjetische Einmarsch in Afghanistan. Umbruch im Kalten Krieg. In:Zeitenwende 1979. Als die Welt von heute begann. C. H. Beck, München 2019,ISBN 978-3-406-73308-6,S.229–268,hier S. 251–252.
↑abcMichael Pohly:Krieg und Widerstand in Afghanistan. Ursachen, Verlauf und Folgen seit 1978. Berlin 1992,S.154.
↑Hannes Schwenger: „Honeckers Afrika-Korps“. In: Der Tagesspiegel. 4. Februar 2013, abgerufen am 26. Dezember 2022.
↑Klaus Storkmann:Geheime Solidarität. Militärbeziehungen und Militärhilfen der DDR in die „Dritte Welt“. Ch. Links Verlag, Berlin 2012,ISBN 978-3-86153-676-5,S.502–503 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
↑Klaus Storkmann:Solidarität und Interessenpolitik. Militärhilfen der DDR für die Dritte Welt. In: Oliver Bange, Bernd Lemke (Hrsg.):Wege zur Wiedervereinigung. Die beiden deutschen Staaten in ihren Bündnissen 1970 bis 1990. Oldenbourg, München 2013,ISBN 978-3-486-71719-8,S.367 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
↑DDR half Kabul. In:Der Spiegel.Nr.41, 5. Oktober 1992 (spiegel.de).
↑Klaus Storkmann:Geheime Solidarität. Militärbeziehungen und Militärhilfen der DDR in die „Dritte Welt“. Ch. Links Verlag, Berlin 2012,ISBN 978-3-86153-676-5,S.32 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
↑Michael Pohly:Krieg und Widerstand in Afghanistan. Ursachen, Verlauf und Folgen seit 1978. Das arabische Buch, Berlin 1992,ISBN 3-923446-95-0,S.108.
↑Gilles Dorronsoro:Revolution Unending. Afghanistan: 1979 to the Present. Hurst & Company, London 2005,ISBN 1-85065-703-3,S.87 (englisch,eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
↑Thomas Scheuer:Schalck-Golodkowskis Pipeline zur CIA. In:Die Tageszeitung.Nr.3278, 5. Dezember 1990 (taz.de).
↑Elisabeth Leake:Afghan Crucible. The Soviet Invasion and the Making of Modern Afghanistan. Oxford University Press, Oxford 2022,ISBN 978-0-19-884601-7,S.182 (englisch,eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).