Es wird angenommen, dass etwa zwei Drittel der geschätzt sechs MillionenJuden, die derdeutschen Judenvernichtung, späterShoah oderHolocaust genannt, zum Opfer fielen, in Vernichtungs- und Konzentrationslagern direkt ermordet wurden oder dort an den Folgen von systematischer Unterernährung, Misshandlungen und unbehandelten Krankheiten gestorben sind. Das verbleibende Drittel starb in – von der Schutzstaffel (SS) sogenannten – „Ghettos“, bei Massenerschießungen vor allem durch dieEinsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD (Massenmord) und in der letzten Kriegsphase bei den nach 1945 sogenanntenTodesmärschen bzw. Deportationen mit Zügen zu anderen Lagern.
Überlebende Häftlinge litten körperlich und seelisch an den Folgen ihrer KZ-Haft.
Gleichnamige Einrichtungen in Deutschland vor 1933
Als „Konzentrationslager“ wurden in Deutschland in der Zeit vor der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verschiedene Einrichtungen bezeichnet, die sich jedoch grundsätzlich vom auf physische Vernichtung oder zumindest psychisches Brechen ausgelegten NS-Lagersystem unterschieden. Es handelte sich dabei zunächst umInternierungslager für meistdeportierteZwangsarbeiter,Kriegsgefangene und politische „Schutzhäftlinge“ imErsten Weltkrieg und in der frühen Nachkriegszeit. 1920/21 bestanden kurzzeitig drei Lager für jüdische Migranten, die meist vor antisemitischer Verfolgung aus Osteuropa geflohen waren, aber aus Deutschland wieder abgeschoben werden sollten.
Nationalsozialistische Konzentrationslager in Europa
Zunächst wurde von nationalsozialistischen Funktionären die Abkürzung KL für Konzentrationslager verwendet. NachEugen Kogon(Der SS-Staat) gaben SS-Wachmannschaften dann der Abkürzung KZ wegen ihres härteren Klanges den Vorzug. LautBenedikt Kautsky geht die Abkürzung KZ auf Lagerinsassen zurück. Das Z, so Kautsky, habe wahrscheinlich fürZuchthaus gestanden.[4]
Man kann die Entwicklung der nationalsozialistischen Konzentrationslager in vier zeitlich zu trennende Phasen einteilen (1933–1935, 1936–1938, 1939–1941 und 1942–1945). Diese lassen sich durch die Gruppen der Inhaftierten, den Haftzweck, die Art der Durchführung und die Haftfolgen beschreiben. Stand in der ersten Phase die Einschüchterung und Verfolgung politischer und gesellschaftlicher Gegner der NSDAP im Vordergrund, wurde schließlich die massenhafte Ermordung jüdischer Bürger in ganz Europa (Shoah) zum Hauptziel.
Die frühen KZs ähnelten zum Teil Gefängnissen, zumeist bestanden sie aber in improvisierten Folterstätten in Scheunen, Kneipen, Kellern oder anderen Liegenschaften, die von der SA „übernommen“ worden waren. Hier wurden politische Gegner des Regimes in „Schutzhaft“ genommen und misshandelt. Anfangs waren sie verschiedenen Institutionen unterstellt, unter anderem der zur Hilfspolizei ernannten SA, den verschiedenen nationalsozialistischen Polizeichefs und der SS.[9] Bis Mitte März 1933 wurden über 100.000 Menschen inhaftiert, waren in Gefängnissen und improvisierten Lagern der Willkür ihrer Bewacher ausgesetzt, zu Tode gequält oder begründungslos wieder entlassen worden.[10] Im Sommer 1933 wurden noch mehr als 26.000 Menschen in diesen Haftstätten gefangen gehalten.[11]
Seit Mai 1933 wurden diese sogenannten „wilden KZs“ in Preußen verstaatlicht und dem neu gegründetenGestapa unterRudolf Diels unterstellt.[12] Spätestens mit der Entmachtung der SA im sogenanntenRöhm-Putsch 1934 unterstanden alle Konzentrationslager der SS;Theodor Eicke wurde Leiter derInspektion der Konzentrationslager (IKL). Um die Finanzierung der Konzentrationslager durch den Staat zu sichern war die IKL seit Dezember 1934 in dasGeheime Staatspolizeiamt (Gestapa) eingegliedert. Für Personal, Verwaltung und Finanzen der Konzentrationslager war die Gestapa zuständig.[13] Im Dritten Gestapogesetz vom 10. Februar 1936 erhielt das Gestapa eine Generalermächtigungsklausel und das Schutzhaft-Monopol.[14]
Auf Eicke ging die räumliche Bauweise und die fast überall gleich geltendeLagerordnung zurück. Die Konzentrationslager wurden zumrechtsfreien Raum und waren von der Außenwelt abgeschirmt. Selbst dieFeuerwehr durfte das Gelände nicht betreten, zum Beispiel um etwa die Einhaltung feuerpolizeilicher Vorschriften zu prüfen.[15] Im Sommer 1935 war die Herrschaft des Regimes gesichert und in den Lagern des Reichsgebietes befanden sich noch zirka 4.000 Häftlinge.[16]
Im August 1933 waren durch den Dachau-AusbrecherHans Beimler in der BroschüreIm Mörderlager Dachau die Zustände in einem KZ öffentlich beschrieben worden.[17]
Ab April 1934 verfügte dasK.L. Columbia in Berlin bereits über einen eigenen Haushalt und war der SS unterstellt. Das K.L. Columbia war das reichsweit zweite Konzentrationslager der SS. Im Juli 1933 waren 80 Männer im Columbia-Haus inhaftiert, die Zahl stieg jedoch rasch an. Im September waren es bereits 300 Häftlinge, im Februar 1934 lag die Zahl bei 450 Gefangenen. Aufgrund der drastischen Überbelegung der 156 vorhandenen Zellen waren die Lebensumstände unmenschlich. Als schließlich die Folterungen im KZ Columbia auch in der Berliner Bevölkerung bekannt wurden und ein sehr negatives Echo fanden, sah sich dasGeheime Staatspolizeiamt (Gestapa) genötigt, einzugreifen, um Bevölkerung und Ausland „nicht unnötig zu beunruhigen“. Im September 1934 wurde durch das Gestapa die Schikanierung und Folterung von Häftlingen ausdrücklich verboten.
1936 bis 1938
Fünf Juden mit Behinderung in Buchenwald,Juni-Aktion, Propagandaaufnahme, 1938Nach dem Novemberpogrom wird eine Kolonne Juden zur sog.Schutzhaft ins KZ gebracht, Baden-Baden, November 1938
Diezweite Phase begann 1936 und dauerte bis 1938. In dieser Zeit stieg die Anzahl der Häftlinge an und ihre Zusammensetzung änderte sich grundlegend. Während in der ersten Phase noch hauptsächlich politische Gegner des Regimes inhaftiert waren, wurde in der zweiten Phase damit begonnen, diejenigen zu inhaftieren, die nicht dem nationalsozialistischen Bild derVolksgemeinschaft entsprachen: vor allem „Asoziale“, „Arbeitsscheue“, mehrfach Vorbestrafte, Homosexuelle und Zeugen Jehovas, die in den Lagern als „Bibelforscher“ gekennzeichnet wurden. Nach demAnschluss Österreichs stieg die Zahl der „politischen Schutzhäftlinge“ auf etwa 7000 an.[18]
In dieser zweiten Phase wurden die KonzentrationslagerSachsenhausen undBuchenwald gebaut, die schon ein Zeichen des drohenden Krieges und damit verbundenen steigenden Häftlingszahlen waren. Das Konzentrationslager Sachsenhausen wurde nach seinem Bau auch zum Zentrum der Konzentrationslager (Sitz des IKL).
Im Rahmen derAktion „Arbeitsscheu Reich“ wurden im April und Juni 1938 bei zwei Verhaftungswellen über 10.000 Personen als sogenannte Asoziale in Konzentrationslager verschleppt.
Während derNovemberpogrome 1938 wurden 26.000 Juden inhaftiert, um sie zur Emigration zu zwingen und ihr Vermögen zuarisieren.[19] Ende 1938 wurden fast 60.000 Menschen in Konzentrationslagern festgehalten.[20]
1939 bis 1941
Zur weiteren Entwicklung der Konzentrationslager in derdritten Phase, vomÜberfall auf Polen im September 1939 bis Mitte 1941 bzw. Anfang 1942, trugen mehrere Faktoren bei. Die Häftlinge wurden in SS-Produktionsstätten wie Steinbrüchen und Ziegeleien eingesetzt. Nach einer Inhaftierungswelle in Deutschland stiegen die Häftlingszahlen, die vor Kriegsbeginn auf 21.000 gesunken waren,[20] rapide an und verdoppelten sich binnen kürzester Zeit. Ende 1940 befanden sich 53.000 Häftlinge in deutschen Konzentrationslagern.[21] Zudem veränderte sich wieder die Zusammensetzung der Häftlinge. Waren es am Anfang vor allem noch Deutsche, so kamen mit Beginn des Krieges vor allem Menschen aus den von Deutschland eroberten Gebieten, also Zivilpersonen aus Polen, Frankreich, Tschechien, Jugoslawien, den Niederlanden, Belgien und Soldaten der Sowjetunion. Unter diesen Häftlingen waren viele Juden, Roma und Sinti.
In den eroberten Ländern wurden viele neue Lager errichtet; bald waren mehr Häftlinge in diesen Lagern eingesperrt als im Reichsgebiet (Deutschland und Österreich). Mit Beginn der dritten Phase wurden die Konzentrationslager in drei Kategorien eingeteilt, welche die Härte der Behandlung und die Lebensbedingungen der Häftlinge anzeigten. Die Sterblichkeitsrate unter den Häftlingen vervielfachte sich in der dritten Phase: So in Dachau von 4 % auf 36 % im Jahre 1942; in Buchenwald von 10 % auf 19 % im Jahr 1941.[22]
1942 bis 1945
Transporte aus ganz Europa in die Todeslager
Dievierte Phase begann etwa Anfang 1942 und endete 1945. Sie war vor allem durch die massive Judenverfolgung und durch denKrieg gegen die Sowjetunion gekennzeichnet sowie die Einrichtung vonVernichtungslagern. In dieser letzten Phase lag die Verwaltung der Konzentrationslager beimSS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt (WVHA) unter der Leitung vonOswald Pohl. Bedeutsamer als die Produktion in KZ-eigenen Betrieben wurde der Häftlingseinsatz in Privatunternehmen, so dass mehrere TausendKZ-Außenlager im Zusammenhang mitRüstungsprojekten entstanden. Jedes KZ-Außenlager bzw. KZ-Außenkommando war Teil seines Konzentrationslager-Stammlagers und dem dortigen KZ-Kommandanten untergeordnet.
Die Anzahl der KZ-Häftlinge erreichte im August 1943 bereits 224.000, stieg im August 1944 auf 524.286 und lag kurz vor Kriegsende, im Januar 1945, bei 714.211 Menschen. Die Gefangenen kamen aus allen Teilen Europas. Deutsche und Österreicher umfassten am Ende des Krieges nur noch etwa 5–10 % der Häftlinge.[23]
Unter den Folgen der zunehmenden alliierten Luftüberlegenheit und des immensen Rüstungsbedarfs kam es ab März 1944 zu einem reichsweiten Ausbau der Rüstungsproduktion. Beim Ausbau von Stollen oder beim Arbeitseinsatz inunterirdischen Produktionsstätten starben zahlreiche Häftlinge binnen weniger Wochen. In der Endphase des Krieges ab Dezember 1944 kamen direkt oder indirekt dadurch vermutlich 240.000 Häftlinge zu Tode.[24] Zu der hohen Todesrate kam es durch Mangelernährung, unzureichende Bekleidung und Schwerstarbeit, durch Strapazen und Morde bei denTodesmärschen zur Räumung von Lagern, durch Fliegerangriffe und Seuchen. Auch nach der Befreiung starben trotz der „in vorbildlicher Weise“ anlaufenden Versorgung durch das Sanitätspersonal noch tausende Häftlinge in den Lagern[25] an den Krankheiten, der Unterernährung oder demRefeeding-Syndrom.
Die Zahl der Häftlinge, die für Wochen oder Jahre in einem der Konzentrationslager eingesperrt waren, wird insgesamt auf zweieinhalb bis drei Millionen Menschen geschätzt.[26]
KZ Płaszow, zunächst Arbeitslager, in der Nähe vonKrakau, Polen 1942
Die KZ-Systeme im Deutschen Reich und in den besetzten Gebieten
Insgesamt gab es unter derInspektion der Konzentrationslager 24 KZ-Stammlager, denen zuletzt weit über 1.000 Außenlager, zum Teil unter der Bezeichnung „Außenkommando, -lager, Nebenlager“, organisatorisch unterstellt waren. Eine entsprechende Auflistung wurde 1977 und 1982 imBundesgesetzblatt veröffentlicht.[27] In den Folgejahren wurden weitere Haftstätten, die nominell nicht in das System der NS-Konzentrationslager gehörten, nach den gesetzlichen Vorgaben ebenfalls als Lager eingestuft, so dass dieStiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ von insgesamt 3.846 Lagern ausgeht.[28] Experten desHolocaust Memorial Museums in Washington berechneten insgesamt rund 42.500 NS-Lager, einschließlichAußen-,Kriegsgefangenen- undZwangsarbeiterlager, sogenannteGhettos undJudenhäuser, Zwangsbordelle sowie Heime fürEuthanasieopfer.[29][30]
Die Befehlshierarchie über die KZ, zunächst in derInspektion der Konzentrationslager (IKL), lief ab Dezember 1934 in der Berliner Prinz-Albrecht-Straße zusammen. 1939 erfolgte dort der Zusammenschluss zumReichssicherheitshauptamt (RSHA) in der Amtsgruppe D unterHeinrich Müller, dem auch dasReferat unter Eichmanns Leitung, die „Deportationszentrale“ des Lagersystems, unterstand. Ab März 1942 konnte der SS-WirtschaftsfachmannOswald Pohl im Rahmen derKriegswirtschaft die Ämter „SS-Hauptamt Verwaltung und Wirtschaft“ und das „Hauptamt Haushalt und Bauten“ so zusammenfassen, dass die SS-eigenen Industrien, Gewerbe und Betriebe auch in den Konzentrationslagern ihm unterstanden. Polizeibehörde und Parteiämter waren darin verschmolzen. Das WVHA Pohls arbeitete eng mit dem SS-Hauptamt zusammen. Ab 1942/43 war das gesamte Konzentrationslagerwesen allein Pohl unterstellt.
Waren die Häftlinge als Arbeitskräfte nicht bzw. nicht mehr einsetzbar, wurden sie im KZ vor Ort umgebracht oder meist in eines der sieben Vernichtungslager oder besonders in der Endphase des Systems ab 1944 in eines der Sterbe-Außenlager deportiert. „Außenkommandos“ waren ansonsten Arbeitsstellen, zu denen die Gefangenen während der jeweiligen Arbeitstage vom KZ aus hinmarschieren mussten und danach dorthin wieder zurückkehrten. Der Komplex der drei großen Auschwitz-Konzentrationslager (KZ Auschwitz I,Auschwitz-Birkenau undAuschwitz-Monowitz) mit seinen Produktionsanlagen und zahlreichen Neben-Konzentrationslagern nahm in diesem System aus Rüstungsproduktion, Vernichtung durch Arbeit und direktem Massenmord eine Schlüsselstellung ein.
Dem System waren Durchgangslager und Sammellager vorgeschaltet. Sammellager konnten auch vom übrigen Ort abgetrennte Stadtteile sein, die sehr oft als „Jüdischer Wohnbezirk“ bezeichnet wurden. Allein in Osteuropa richtete dieSS etwa 600 seinerzeit verharmlosend sogenannte „Ghettos“ ein, in denen zwischenzeitlich mindestens vier Millionen Menschen interniert worden sind. Diese „Wohnbezirke“ wurden von der SS meist von Anfang an nur für ihren Einsatz im Rahmen der beabsichtigten Endlösung / Judenvernichtung eingerichtet. Sie dienten insbesondere als Pufferstation für die nicht immer zur Verfügung stehenden Transportkapazitäten derReichsbahn.
DieInspektion der Konzentrationslager (IKL) war die zentrale Verwaltungs- und Führungsbehörde innerhalb des SS-WVHA für alle nationalsozialistischen Konzentrationslager (s. u.).
Zwangsarbeit im RüstungswerkWilhelm-Gustloff-Werk II (NS-Stiftung), KZ Buchenwald, 1945
Im Unterschied zuArbeitslagern des allgemeinen historischen Typus[31] diente im nationalsozialistischen Deutschland die Ausbeutung der Arbeitskraft der KZ-Häftlinge in erster Linie zu derenVernichtung durch Arbeit, also deren Ermordung durch die dortigen Arbeits- und Lebensbedingungen. Allein die Nahrungsmittelzuweisungen lagen unter dem Existenzminimum bei körperlicher Arbeit. Die Zustände, unter denen Menschen in Arbeitslagern interniert wurden, waren in dem von der IKL zentral bestimmten Rahmen von der jeweiligenLagerkommandantur abhängig. Wer keineArbeit mehr leisten konnte und noch nicht den unmenschlichen Bedingungen oder der Willkür des Lagerpersonals zum Opfer gefallen war, wurde ermordet. Diejenigen Kranken, die nicht in voraussichtlich vier Wochen wieder arbeitsfähig waren, wurden vommedizinischen Personal mitPhenol oder anderen Mitteln zu Tode gespritzt (ermordet) oder in Sammeltransporten in die Vernichtungslager geschickt (Selektion). In den Konzentrationslagern überlebten viele Gefangene die Bedingungen bei der Zwangsarbeit nur wenige Wochen. Es ist dafür auch immer wieder der BegriffSklavenarbeit verwendet worden.[32]
Im Verlauf des Krieges erlangten die Konzentrationslager mit der dort erzwungenen Arbeit zu einem wachsenden Anteil einekriegswichtige Funktion, die zu dem Vernichtungsziel in einem partiellen Gegensatz stand. Die Lager waren Produktionsstätten der SS, zunächst zur Gewinnung von Natur- und Ziegelsteinen, später in vielen anderen Bereichen. Außerdem wurden die Gefangenen als Arbeitskräfte an dieRüstungsindustrie ausgeliehen. Der bekannteste Fall betrifft den ChemiekonzernI.G. Farben, die in der Nähe des Konzentrationslagers mit denBuna-Werken ein eigenes Zweigwerk inOświęcim errichteten und dort schließlich das NebenlagerKZ Auschwitz III Monowitz, erstellen ließ. Praktisch die gesamte deutsche Großindustrie missbrauchte KZ-Häftlinge in großem Umfang im Kriegsverlauf als Zwangsarbeiter. Sie wurden in Fabriken neben den Personengruppen der Stammbelegschaft, denArbeitsverpflichteten, den ausländischenOstarbeitern, den meist nur vorübergehend Gefangenen derPolizeihaft- und Erziehungslager, zu Zivilgefangenen erklärte Kriegsgefangenen, allerdings unter deutlich verschärfter Überwachung und unter viel schlechteren Lebensbedingungen regelrecht ausgebeutet.
Frauenlager
In der Regel waren die KZ strikt nach Geschlechtern getrennt. Die meisten der Konzentrationslager waren Männerlager. Die KonzentrationslagerMoringen sowieLichtenburg waren zeitweise und später dasKZ Ravensbrück durchgehendFrauenlager. Frauen alsGestapo-Häftlinge wurden sehr oft in regulären Haftanstalten eingesperrt.[33] Nur in wenigen Konzentrationslagern gab es zeitweise oder durchgehend sowohl ein Männer- als auch ein Frauenlager, wie imKZ Auschwitz-Birkenau. Dies hing wahrscheinlich mit dem vor Ort geplanten Arbeitseinsatz der Gefangenen zusammen.[34] Die männlichen und weiblichen KZ-Häftlinge wurden im gesamten Tagesablauf seitens der SS getrennt eingesetzt. Der Anteil der Frauen unter den KZ-Häftlingen stieg von 11,7 % (1939) auf 28 % im Januar 1945.[35]
Jugend-Haftstätten wurden zurZeit des Nationalsozialismuseuphemistisch als „Jugendschutzlager“ oder „Jugendverwahrlager“ bezeichnet. Sie glichen in gewisser Weise den Konzentrationslagern, da die Nationalsozialisten diese Jugendhaftorte zur Internierung und systematischen Umerziehung widerständiger, „schwer erziehbarer“ oder nonkonformistischer Jugendlicher und auch Kinder aus ganz Europa nutzten: KZ Moringen (offiziell „Polizeiliches Jugendschutzlager“; Juni 1940; bei Göttingen) für Jungen, dasKZ Uckermark (seit Juni 1942 in unmittelbarer Nähe desFrauenkonzentrationslagers Ravensbrück in Mecklenburg) für Mädchen und junge Frauen und dasLager im Ghetto Litzmannstadt (Łódź, offiziell: „Polenjugendverwahrlager“) mit insgesamt drei Außenlagern. Die Gefangenenkapazität betrug dort mindestens 3.000 heranwachsende Personen.
Weiterhin gab es sogenannteAusländerkinder-Pflegestätten für neugeborene Kinder von Zwangsarbeiterinnen, in denen unmenschliche Bedingungen herrschten.
Kinder und Jugendliche wurden in allen Konzentrationslagern eingesperrt und ermordet. Direkt im KZ Litzmannstadt wurden mindestens 500 Jugendliche ermordet. DasKZ Uckermark wurde im Januar 1945 in der Endphase des Kriegs zu einem Todeslager für Erwachsene.
Vernichtungs- oder Todeslager wurden zu dem einzigen Zweck errichtet, Juden,Roma undSinti und andere Minderheiten, wie politisch Andersdenkende, Homosexuelle und sowohl psychisch als auch physisch Kranke, zunächst mit Hilfe vonGaswagen, später vor allem inGaskammern, massenhaft zu ermorden. Der nationalsozialistische Mordapparat konzentrierte sich dabei auf Juden. Andere Gruppen, insbesonderesowjetische Kriegsgefangene, zählten ebenfalls zu den Opfern und wurden teilweise dort ermordet. Lager dieses Typs wurden zwischen Dezember 1941 und Juli 1942 imbesetzten Polen inChelmno im sogenanntenWartheland bei Łódź,Belzec beiLublin,Sobibor undTreblinka im sogenanntenGeneralgouvernement, sowieMaly Trostinez inWeißrussland errichtet.
Etwas anders war die Entstehungsgeschichte der VernichtungslagerAuschwitz-Birkenau (bei Kraków) undMajdanek (ebenfalls bei Lublin). In beiden Konzentrationslagern wurden erst nach ihrer Inbetriebnahme zusätzlich Gaskammern zur Perfektion desMassenmords an den Juden eingerichtet. Auch Majdanek wird zu den Vernichtungslagern gezählt. Anders als die erstgenannten Vernichtungslager funktionierten sie für die SS durch die dort gleichzeitig praktizierteVernichtung durch Arbeit ebenfalls als Konzentrationslager im sonst bei den Nationalsozialisten üblichen Sinn. Das Gebiet der Auschwitz-KZ wurde annektiert und zählte während der Besetzung als Reichsgebiet.
Alle diese Vernichtungslager unterscheiden sich von den anderen Konzentrationslagern durch die enorme Zahl jüdischer Opfer (unabhängig von der jeweiligenNationalität).
Der BegriffDurchgangslager kann in Teilen als euphemistisch gelten. So hatte in eingeweihten Kreisen die Wendung „durch die Lager im Generalgouvernement geschleust“ eine bedrohliche Bedeutung. Der ‘Durchgang’ durch Lager wieTheresienstadt undWesterbork bedeutete in Wirklichkeit den Tod. Zudem wurden Lager wieSobibor undChelmno ebenfalls als ‘Durchgangslager’ bezeichnet, waren aber ausschließlich Stätten der Vernichtung.[36]Durchgangslager lagen in der Regel an Bahnlinien, die direkt zuVernichtungslagern führten, und organisatorisch waren einige Konzentrationslager direkt mit dem Betrieb dieser Vernichtungslager verknüpft. Insbesondere in besetzten Ländern ohne eigene Vernichtungslager, wie Frankreich, Italien, Niederlande und Griechenland dienten diese „Zwischenlager“ vor allem dem Zusammenstellen von Transporten mit jeweils etwa 1.000 Gefangenen. Das war die Zahl, die von derSS als „Richtgröße für Todestransporte“ angestrebt wurde, um die Vernichtungslager mit gleichmäßig großen Mengen an Opfern versorgen zu können. Im Unterschied dazu waren Konzentrationslager bestrebt, eine hohe Kontinuität in der Zusammensetzung ihrer Zwangsarbeiter zu erreichen. Dies schloss nicht aus, Häftlinge zur Ermordung an die Todeslager, zum Beispiel wegen Krankheit oder Kräfteverlust, auszusortieren („Selektion“). Dies konnte regelmäßig geschehen, zur Anpassung an neue Häftlings-Richtwerte („Belegung“) oder im Rahmen von befohlenen „Aktionen“. Auch wenn die Tötung nicht Zweck der Durchgangslager war und nicht systematisch betrieben wurde, starben dennoch schon dort zahlreiche Gefangene an Misshandlungen oder den Transport- und Haftbedingungen.
Es gab zahlreiche sogenannteSammellager für Juden, die oft auchjüdischer Wohnbezirk oder, besonders in der Nachkriegszeit,Ghetto genannt wurden. Das WortWohnbezirk oderGhetto wurde einzig aus Tarngründen verwendet, denn eine längere Überlebenszeit der dort gefangen gehaltenen Personen war von den Verantwortlichen nie beabsichtigt. Sie hatten organisatorisch den Vorteil, dass keine Züge, Wagenmaterial und Personal beim Warten auf Vernichtungskapazitäten durch die darin gefangenen Opfer blockiert wurden. Die Sammellager derEndlösungs-Aktion Reinhardt hatten einzig die Funktion, Transporte auf dem Weg in die Vernichtungslager so lange aufzunehmen, bis wieder Vernichtungskapazitäten in den Todes-/Vernichtungslagern zu ihrer fabrikmäßigen Ermordung und der Beseitigung der Leichen frei waren.[37]
Die Inspektion der Konzentrationslager, d. h. die Verwaltung des KZ-Systems, wurde 1942 in das SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt (SS-WVHA) alsAmtsgruppe D eingegliedert. Die KZ der SS waren nicht in staatliche Hierarchien eingebunden. Dadurch konnte die SS erbrachte Leistungen ihrer „Wirtschaftsbetriebe“ in Rechnungen stellen, z. B. für Häftlingszwangsarbeit in KZ-Außenlagern.
Interne Organisation der Lager
Ränge und Abzeichen der SS-Aufseher (bis 1942)
Alle SS-Angehörigen zur Bewachung der Lager gliederten sich nach Aufgaben und Zuständigkeitsverteilung in fünf (andere Angabe: sechs) Bereiche:
Lagerkommandant,Adjutant als Leiter der Kommandantur mit Personalverwaltung, Waffenkammer und der Postzensurstelle. Hier lag die Kommandogewalt über die beim oder im Lager kaserniertenWachmannschaften.
Darunter die anderen Abteilungen
Politische Abteilung und derErkennungsdienst. Zuständigkeiten: Registrierung von Neuzugängen, Entlassungen, Verlegungen, Tod oder Flucht der Häftlinge, deren Vernehmung, Führung der Häftlingskartei. Leiter war immer ein Beamter der Geheimen Staatspolizei oder derKriminalpolizei
Schutzhaftlagerführer undAdjutant. Zuständigkeiten: der „Betrieb“ des Lagers im Sinne aller Befehle zur inneren Ordnung, Tagesablauf, Appelle etc.
Verwaltung; dazu gehörten die örtliche Bauleitung, Wirtschaftslager und evtl. SS-Landwirtschaft.
Sanitätswesen unter demStandortarzt / Ersten Lagerarzt mit dem Krankenrevier für SS-Angehörige, evtl. der Apotheke und der Zuständigkeit für den Krankenblock
Abteilung VI: Fürsorge, Schulung und Truppenbetreuung der SS (nicht in jedem KZ als Abteilung vorhanden)
Schematische Organisationsstruktur eines typischen Konzentrationslagers
DieRapportführer, derArbeitseinsatzführer und in Frauenlagern evtl. dieOberaufseherin unterstanden demSchutzhaftlagerführer. Sie waren für die Ordnung im ganzen Lager und die Zuteilung der Häftlinge inAußenkommandos zuständig. Sie standen dabei denBlockführern vor, die jeweils einen oder wenigeBlocks beaufsichtigten, für die sie gegenüber der Lagerleitung verantwortlich waren. DieBlockführer bestimmten die Zusammensetzung derArbeitskommandos sowie die jeweiligenBlockältesten undStubenältesten aus den Reihen der Häftlinge.
Teile-und-Herrsche-Strategie
Bei einer weiteren,Teile-und-Herrsche-Strategie genannten Führungsmethode wurdenFunktionshäftlinge quasi als Hilfspolizei eingesetzt (sieheKapo). EinKapo musste im Auftrag der SS die Arbeit der Häftlinge anleiten und wurde für die Ergebnisse verantwortlich gemacht. Bei „erfolgreich“ ausgeführtem „Auftrag“ wurden sie mit „besonderen“ Vergünstigungen, zum Beispiel Alkohol oder besseren Essensrationen belohnt.
Der Tagesablauf
Der Tagesablauf für die Gefangenen war in den meisten Konzentrationslagern davon geprägt, dass ihre Arbeitskraft von Morgengrauen bis zum Einbruch der Dunkelheit genutzt werden sollte. Hier ein Beispiel aus demKonzentrationslager Flossenbürg beiWeiden.[38] Es gab Konzentrationslager, in denen die Gefangenen in zwei gegenläufigen Schichten rund um die Uhr arbeiten mussten und abwechselnd in denselben Betten schliefen (BeispielKZ Neckarelz).
4:00 Uhr/5.00 Uhr
Wecken (Sommer/Winter)
5:15 Uhr
Zählappell
6:00–12:00 Uhr
Arbeitszeit
12:00–13:00 Uhr
Mittagessen (einschließlich Ein- und Ausgangszeit)
Bei der Aufnahme in ein KZ wurde den Häftlingen das Kopfhaar geschoren und die Privatkleidung abgenommen. Anstelle ihres Namens erhielten sie eine Häftlingsnummer.
In einem Lagerbereich des KZ Auschwitz wurde diese auch eintätowiert. Dies geschah jedoch nicht bei jenen, die unverzüglich nach ihrer Ankunft im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau in die Gaskammern geschickt wurden.
„Wenn man es mit einem SS-Mann zu tun hatte, musste man als erstes die Mütze herunterreißen, und seine Nummer laut und deutlich, natürlich auf deutsch, angeben. Ich beginne zu begreifen, welches Glück im Unglück ich habe, fließend Deutsch zu sprechen. Die meisten griechischen und italienischen Juden verstehen keinen Befehl und können nicht einmal ihre Nummer aussprechen. Natürlich können sie auch keine deutschen Lieder singen, die wir, wie zum Hohn, beim Hin- und Rückmarsch von der Arbeit noch zum Besten geben müssen. Das ist ausreichend, um brutal geschlagen, manchmal auch totgeschlagen zu werden.“[39]
Die Häftlinge in den Konzentrationslagern wurden von der SS verschiedenen Kategorien zugeteilt – sichtbar an bunten Stofffetzen auf der Häftlingskleidung (Dreiecke). Mit dieser Kennzeichnung war aus Sicht der SS eine Hierarchie unter den Häftlingen hergestellt, an deren unterstem Ende sich regelmäßig „die Juden“ befanden.
Zählappelle
Häftlinge bei einemZählappell, KZ Sachsenhausen, 1936
Bei den täglichen Zählappellen auf dem Appellplatz kontrollierte die SS die Vollständigkeit der Gefangenen. Fehlten beim Appell Häftlinge, dann wurde Alarm wegen eines Fluchtversuchs ausgelöst. Die äußere Postenkette wurde dann nicht zurückgezogen, um eine Flucht in die Umgebung zu verhindern. Erst bei Vollständigkeit stand nachts die Postenkette nur noch um den inneren Lagerbereich. Die Appelle wurden auch als Kollektivstrafe für die Häftlinge eingesetzt.
AlsArbeitskommando oderKZ-Kommando bezeichnete die SS jene Gruppen, die zu verschiedenen Arbeiten eingeteilt wurden.
Als Beispiele für den täglichen Arbeitseinsatz der KZ-Häftlinge wird hier eine Aufzählung der internen und externenArbeitskommandos aus demKZ Gusen I wiedergegeben:
Kommando Rüstung Steyr-Daimler-Puch AG (Georgenmühle) (1942–1945): 6.500 Häftlinge
Kommando Siedlungsbau St. Georgen (1940–1942): etwa 300 Häftlinge
Kommando Gusenregulierung (1941): etwa 150 Häftlinge
Kommando Straßenbau
Kommando Gleisbau
II. für dieBauleitung der Waffen-SS und Deutschen Polizei Gusen bei St. Georgen a.d. Gusen:
Kommando Bauleitung
Kommando Entwässerung
Kommando Holzplatz
Kommando Bahnbau (1941–1943)
Kommando Donauhafen (1942–1943)
III. für die SS-Lagerverwaltungsführung (interne Arbeitskommandos):
Lager-Kommando (1940–1945): etwa 400 Häftlinge
KommandoBarackenbau (1940–1944): etwa 100 Häftlinge
IV. für sonstige Auftraggeber:
Kommando Bombensucher bzw. Kommando Blindgänger (1944–1945)
Die KZ-Häftlinge hatten von Beginn anZwangsarbeit zu leisten, die SS wollte unter anderem sogenannte „Arbeitsscheue“ erziehen. Häftlinge sollten nicht unbeschäftigt in KZ-Haft sein. Der SS-Betrieb, das jeweilige KZ, sollte wirtschaftlichen Nutzen bringen. Vor allem in späteren Jahren steigerte sich die Zwangsarbeit auch zurVernichtung durch Arbeit.
Die Einteilung zu einem leichteren oder körperlich schweren Kommando beeinflusste die Überlebenschancen der Häftlinge.[40] Ein Kommando innerhalb eines Gebäudes, beispielsweise handwerkliche Arbeiten, war für Häftlinge erträglicher als Kommandos, die im Winter bei eisigen Temperaturen unter freiem Himmel stattfanden. Beispiele solcher Außenkommandos waren die Plantagen derDeutschen Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung (DVA) imKräutergarten Dachau und imAußenlager Heppenheim.
Einige Arbeitskommandos wurden gezwungen, sich am Mordvorgang oder bei der Beseitigung von Leichen zu beteiligen. So gab es beispielsweise im KZ Dachau ab 1940 einArbeitskommando Krematorium. Es wurde getrennt untergebracht und durfte keinen Kontakt zu anderen Häftlingen haben. DasSonderkommando KZ Auschwitz-Birkenau hatte ähnliche Aufgaben.
„Lagerszpracha“ – eine Sprache der Gefangenen in den KZ
Eine Besonderheit ist der Sprachgebrauch der Gefangenen in den Konzentrationslagern neben ihrer jeweiligen Muttersprache. In fast jedem KZ gab es als Opfer Angehörige von bis zu 40 verschiedenen Völkern oder Volksgruppen. Jeder Gefangene brachte an diesen Ort seine eigeneMuttersprache oder Nationalsprache mit. Jüdische Gefangene benutzten oftmalsJiddisch. Mit den Bewachern musste jeder in der offiziellen LagerspracheDeutsch sprechen.Gefangenenpost durfte nur in deutscher Sprache geschrieben werden. Um überleben zu können, musste ein Häftling wenigstens die simpelsten Befehle und Antworten auf Deutsch verstehen und sprechen können. Untereinander behalfen sich die Gefangenen mit einem multinationalen Sprachgemisch, das sich zum Teil zu einer deutsch-basiertenPidgin-Sprache entwickelte. Sie bestand aus Schlüsselwörtern und sehr oft aus ergänzenden nonverbalen Zeichen.[41][42] Um 1985 hatWolf Oschlies vorgeschlagen, dafür den im KZ bereits zum Teil benutzten Begriff „Lagerszpracha“ generell zu verwenden.[43]
Durch dieWehrmacht, dieForschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe, dieDeutsche Forschungsgemeinschaft, diverse Universitäten und die Pharmaindustrie wurden Menschenversuche finanziell, personell und mit Geräten gefördert. An als Probanden ausgewählten KZ-Häftlingen wurden vonÄrzten und Ärzten der Wehrmacht (unterstützt von zwangsrekrutierten Funktionshäftlingen mit teilweise pflegerischer oder ärztlicher Ausbildung) medizinische Experimente vorgenommen, in deren Verlauf die Häftlinge meist qualvoll starben. Die überlebenden Versuchspersonen und das involvierte Personal wurden mitunter wie im FallBullenhuser Damm zur Vertuschung getötet. Bekannt sind Fleckfieberversuche,Malaria- undTuberkulose-Versuche und Operationsversuche, bei denen den Probanden verschmutzte Schuss-, Explosions- oder Brandbombenverletzungen zugefügt wurden. In Dachau erfolgtenSalzwasserversuche und in Natzweiler-Struthof wurde mit chemischen Kampfstoffen in der Gaskammer experimentiert.[44]
DerNürnberger Ärzteprozess fand vom 9. Dezember 1946 bis zum 20. August 1947 vor dem Ersten Amerikanischen Militärgerichtshof in Nürnberg statt. Angeklagt war unter anderem der Abteilungsleiter für Tropenmedizin amRobert Koch-Institut in Berlin,Gerhard Rose, für die Fleckfieberversuche an „Zigeunern“ in Buchenwald.[45] Weiterhin wurde der SS-HauptsturmführerWaldemar Hoven, Lagerarzt im KZ Buchenwald, angeklagt.
Quellengrundlage für die Experimente in Buchenwald sind das Stationstagebuch des SS-HauptsturmführersErwin Ding-Schuler, Aussagen von europäischen Medizinern, die im KZ inhaftiert waren, sowie Häftlingen wie dem österreichischen Soziologen und PhilosophenEugen Kogon, der 1946 unter dem TitelDer SS-Staat über das Leben in Buchenwald berichtete.
Ab 1949 lag über Jahrzehnte hinweg in deutscher Sprache allein die 1949 vonAlexander Mitscherlich undFred Mielke herausgegebene AuswahldokumentationWissenschaft ohne Menschlichkeit (seit 1961 in weiteren Auflagen:Medizin ohne Menschlichkeit) vor. Die Publikation der vollständigen Dokumentation, der Wortprotokolle, des Anklage- und Verteidigungsmaterials erfolgte erst 1999 alsMikrofiche-EditionDer Nürnberger Ärzteprozess 1946/47 (381 Fiches) im Auftrag derStiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts. Die Edition geht auf das ab Beginn der 1990er-Jahre bestehende Engagement vonKlaus Dörner zurück. Nach dem Scheitern einer direkten Projektförderung durch dieBundesärztekammer entschied Dörner sich für den Weg über die Ärzteschaft. Mit Unterstützung der Bundesärztekammer und der Landesärztekammern wurden zwischen 1994 und 1998 sämtliche Ärzte in Deutschland persönlich angeschrieben und um finanzielle Unterstützung gebeten. Über 7900 Ärzte spendeten insgesamt rund 1,4 MillionenDM und ermöglichten so die Edition zum Nürnberger Ärzteprozess. Die Analyse dazu gab Dörner zusammen mitAngelika Ebbinghaus im Jahr 2001 unter dem TitelVernichten und Heilen: Der Nürnberger Ärzteprozess und seine Folgen heraus.[46]
Todesarten der KZ-Häftlinge
Todesbenachrichtigung, Dachau, 1944
DieTodesursachen der Häftlinge wurden im Aktenverkehr der NS-Organe zum Zweck der Geheimhaltung häufigchiffriert. Als Kürzel wurden die Aktenzeichen verwendet, unter denen der Aktenvorgang bei der übergeordnetenInspektion der Konzentrationslager (IKL) bearbeitet wurde.
14 f 13 – „Sonderbehandlung kranker und gebrechlicher Häftlinge“ – Mit dem Tarnbegriff „Sonderbehandlung“ war in der Regel die Ermordung gemeint, zum Beispiel durchVergasen oder mittels Giftspritze. Diese Morde fanden zum Teil in den Euthanasie-Tötungsanstalten statt. Siehe auch:Aktion 14f13.
Fürsowjetische Gefangene galten ab 21. Oktober 1941 abweichende Chiffre (14 f 7 bis 14 f 10 und 14 f 14).[48]
An die KZ waren zum Teil separateSonderstandesämter angeschlossen, die auf Grund gefälschter ärztlicher Bescheinigungen der SS-ÄrzteTotenscheine und Todesbenachrichtigungen erstellt haben. Die darin genannten Todesursachen hatten in der Regel keinen Zusammenhang mit der individuellen Todesursache.
(Hinweis auf die spätere Beurkundung der Sterbefälle von Häftlingen der ehemaligen deutschen Konzentrationslager in derNachkriegszeit; dafür ist laut § 38 des Personenstandsgesetzes i. d. F. von 2007[49] ausschließlich der Standesbeamte desSonderstandesamtes Bad Arolsen zuständig.)
Bestrafungen, Lagerstrafen
KZ Prügelbock, KZ Natzweiler Struthof
Eine der ersten Verfügungen Himmlers zur Abschottung der Konzentrationslager von der Umwelt war die Bevollmächtigung der Kommandanten als Gerichtsherr. Vorausgegangen war eine staatsanwaltschaftliche Untersuchung von Todesfällen im KZ Dachau. Nun konnten die KZ-Kommandanten über die meisten Bestrafungen selbst entscheiden. In bestimmten Fällen hatten sie die Weisung der IKL einzuholen. Der sogenannte „Bunker“ war die SS-Bezeichnung des Gefängnisses im KZ. Meistens wurde Haft in Form von Einzelhaft angeordnet, sehr oft ohne Nahrung. Zum Teil ohne Licht und in sog. Stehzellen, in denen Sitzen oder Liegen unmöglich war. Der „Bunker“ wurde von der SS, bzw. der Lager-Gestapo oft als schallgedämpfter Ort für Folterungen benutzt. Der Ausdruck Bunker für Gefängnis kommt aus der Soldatensprache für das Militärgefängnis.
Beim Vormarsch ihrer Truppen machten die Alliierten an den Fronten zu ganz verschiedenen Zeitpunkten die Erfahrung, wozu derAntisemitismus der Nationalsozialisten beim verbrecherischen Umgang mit der eigenen Zivilbevölkerung in der Lage war:
1944
Am 23. Juli befreite dieRote Armee dasKZ Majdanek als erstes der großen Vernichtungslager in Polen. Wie bei allen folgenden Lagern starben noch in den nächsten Wochen zu Skeletten abgemagerte Überlebende an den Folgen der Mangelernährung und dort erworbener Krankheiten.
Im August 1944 gelangten westliche Journalisten zu einer Besichtigung in das von der SS hastig geräumte Vernichtungslager Majdanek. Daraufhin wurden Darstellungen des Massenmords auf die Titelseiten US-amerikanischer Zeitungen und in US-Zeitschriften gesetzt (Life-Magazin 28. August undNew York Times 30. August 1944).
Nur wenige der SS-Wachen konnten direkt festgenommen werden. Der Großteil entkam vorher. Vereinzelt gab es durch befreite Häftlinge, aber auch durch Truppenteile der Alliierten Racheakte an den Festgenommenen.
Das Stammlager Auschwitz I und das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau wurden – auch durch die Soldaten der 322. Division – am frühen Nachmittag des 27. Januar befreit.[50] In Birkenau waren bei der Räumung (Todesmarsch) fast 5.800 entkräftete und kranke Häftlinge, die meisten waren Frauen, unversorgt zurückgeblieben.
11. April:Konzentrationslager Buchenwald; die Leitung der Lagerwiderstandsbewegung setzte am 8. April 1945 über einen heimlich installierten Sender einen Hilferuf an die nahen US-amerikanischen Truppen ab. Die Amerikaner rieten zur Ruhe bis zur Befreiung. Am 11. April 1945 kam es zu Frontkämpfen in unmittelbarer Nähe des Lagers. Um etwa 14:30 Uhr erreichte ein Vortrupp der 6. Panzerdivision der3. US-Armee den SS-Bereich des Konzentrationslagers.
Am 29. April rückte die45. Infanterie-Division der7. US-Armee und die42. Infanterie-Division von Westen zurBefreiung imKZ Dachau ein. DieUS-amerikanischen Truppen befreiten zuerst das Konzentrationslager und marschierten einen Tag später inMünchen ein.
Gegen Ende April 1945 wurden die letzten 600 bis 700 Häftlinge aus demKonzentrationslager Neuengamme von der SS abtransportiert. Am 2. Mai 1945 fanden britische Truppen das KZ Neuengamme leer vor.
Am 3. Mai wurden dieCap Arcona und dieThielbek in der Ostsee vorNeustadt durch einen Bombenangriff versenkt. Die Anzahl der dabei ertrunkenen KZ-Häftlinge wird auf 6400 bis 7300 geschätzt.
10. Mai 1945: Die letzten Häftlinge konnten inFlensburg befreit werden.[51]
Sowjetischer Kriegsgefangener identifiziert Peiniger, KZ Buchenwald, 14. April 1945
Die befreiten KZ-Häftlinge wurden alsDisplaced Persons durch die Alliierten inDP-Lagern untergebracht und durch dieUnited Nations Relief and Rehabilitation Administration (UNRRA) bzw. die NachfolgeorganisationInternationale Flüchtlingsorganisation (IRO), dasJoint Distribution Committee (JDC) und viele weitere Organisationen versorgt und betreut. In den ersten Monaten starben noch zahlreichedisplaced Persons, da ihr Gesundheitszustand bei der Befreiung schlecht und die Versorgung mit Lebensmitteln, warmer Kleidung und Medikamenten durch die Alliierten mangelhaft war. Nach der Veröffentlichung desHarrison-Reports besserten sich die Zustände.
Leichen ausMassengräbern wurdenexhumiert, identifiziert und einzeln bestattet. Zeugen wurden befragt, Beweise und Dokumente festgehalten. Die im Rahmen derAusländersuchaktion der UNRRA gewonnenen Erkenntnisse über Arbeits- und Konzentrationslager wurden 1949 erstmals imCatalogue of Camps and Prisons (CCP) veröffentlicht.[52]
DieRepatriierung der jüdischen, russischen, polnischen und südosteuropäischen KZ-Häftlinge gestaltete sich wegen ihrer Anzahl, der Verwüstungen in ihren Heimatländern und der politischen Umbrüche (Westverschiebung Polens, Ausbreitung kommunistischer Zwangsregime) schwierig. Das letzte DP-Lager in Deutschland (Föhrenwald) wurde 1957 geschlossen.
Weitere NS-Lager in besetzten Gebieten
Eine amerikanische Holocaust-Studie über die NS-Lager legte im Jahr 2013 dar, dass es in Europa insgesamt etwa 42.500 Zwangsarbeits- und Gefangenenlager, KZ und Ghettos gab.[30]
Frøslev (Gemeinde Bov) in Südjütland/Sønderjylland (als Gefangenenlager/Frøslevlejren II in der Nähe von Flensburg eröffnet am 13. August 1944 bis zur Befreiung am 5. Mai 1945, dt.Fröslee-Lager)
Frankreich
Im besiegten und teilweise besetzenFrankreich gab es – mit einer Ausnahme – keine Konzentrationslager, wenn man darunter ein Lager der Deutschen im Zweiten Weltkrieg versteht, dessen Wachmannschaften einer SS-Organisation unterstellt waren. Die eine Ausnahme, dasKZ Natzweiler-Struthof, lag imCdZ-Gebiet Elsaß, das faktisch ins Deutsche Reich eingegliedert war und in dem es keine französischen Verwaltungsorgane mehr gab. In Frankreich gab es aber Lager mit ähnlichen Bezeichnungen und unterschiedlichen Funktionen, ähnlich denDurchgangslagern: (frz.:Camp de transit, Camp d’internement, Camp de réfugiés, aber auchCamp de prisonniers de guerre, Camp de prisonniers, Camp de concentration pour détenus politiques, Camp d’accueil, Camp de séjour, Centre de séjour surveillé.)
Es konnte sich um seit Jahren bestehende Lager für Flüchtlinge ausSpanien, sogenannteRotspanier handeln, die vorFranco geflüchtet waren und oft des Kommunismus verdächtigt wurden. In einigen Lagern wurden Roma (im frz. Sprachgebrauch „Tsiganes, Nomades“ genannt) gefangen gehalten. Wieder andere waren ursprünglich Kriegsgefangenenlager, die als Internierungslager für sog.feindliche Zivilisten genutzt wurden. Gesetzesgrundlage waren in der Regel neuere Bestimmungen desVichy-Regimes. Allerdings dienten einige Lager aufgrund derKollaboration des Pétain-Regimes mit den deutschen Besatzernim Rahmen der Shoa, vor allem der Zusammenstellung vonDeportationstransporten in die deutschen Vernichtungslager im besetzten Polen. Die Lager wurden unterschiedlich streng, meist von französischer Polizei, bewacht und organisiert.
Meistens war die mangelnde Verpflegung und die Hygiene ein massives Krankheitsrisiko, das zu vielen Todesfällen in solchen Lagern führte. Französische und internationale Hilfsorganisationen versuchten das Verhungern durch Hilfslieferungen in die Lager zu bremsen. In Frankreich gibt es eine Diskussion um die Schuldfrage bei der Kollaboration und Mithilfe bei der Deportation (insbesondere von jüdischen Franzosen, aber auch von Ausländern, insbesondere Flüchtlingen aus Hitlers Machtsphäre) durch Politiker und Polizisten. Nach Razzien und Durchsuchungen mit Festnahmen wurden die Gefangenen nur zum Teil direkt an die Deutschen übergeben. Im Unterschied zu deutschen Konzentrationslagern kann der französischen Lagerleitung in der Regel nicht als Hauptgrund des Handelns ein Tötungswille an den Gefangenen zugeschrieben werden. Dort, wo deportiert wurde, war allerdings auch den französischen Stellen bekannt, dass es um Transporte in den Tod ging. Eine Besonderheit unter den vielen Opfergruppen waren deutsche Juden, die im Oktober 1940 aus Baden und der Pfalz (Wagner-Bürckel-Aktion) zur Internierung zuerst in das LagerCamp de Gurs (viaAgde) und von dort 1942 in die Vernichtungslager transportiert wurden. Zuvor waren 1940 jüdische Franzosen aus dem Elsass und aus demCdZ-Gebiet Lothringen durch die Deutschen in das unbesetzte Frankreich deportiert worden. 1942 wurden aus diesen Lagern zahlreiche Gefangene der Gestapo übergeben, die sie meistens vomSammellager Drancy aus zugweise in die Vernichtungslager „im Osten“ deportierten.
Eine Liste von zirka 50 Lagern, von denen aus Gefangene, Internierte, Flüchtlinge vomVichy-Regime an Deutschland ausgeliefert wurden:
DasInternierungslager Camp d’Agde wurde im Frühjahr 1939 zur Aufnahme von Flüchtlingen aus Spanien in der Nähe der französischen StadtAgde errichtet.
Königl. Saline von Arc-et-Senans(Saline royale d’Arc-et-Senans) inDoubs, vom 1. September 1941 bis 11. September 1943. Roma wurden hier gefangen gehalten. Die Familien wurden danach ins Internierungsgroßlager inJargeau imDépartement Loiret überführt.
Bourg-Lastic imDépartement Puy-de-Dôme, in der ehemaligen Kaserne wurden jüdische Franzosen gefangen gehalten, unter anderemAndré Glucksmann für vier Jahre. Das Lager diente in den 1960er Jahren zur Unterbringung vonHarkis und in den 1980er Jahren zur Unterbringungkurdischer Flüchtlinge aus dem Irak.
InternierungslagerSaint-Cyprien,Saint-Cyprien imRoussillon. 90.000 Spanienflüchtlinge wurden hier interniert; März 1939, offiziell geschlossen am 19. Dezember 1940 aus „hygienischen Gründen“, die Insassen wurden in das Camp de Gurs überstellt.
KZ Saliers (Camp de Saliers) beiArles im DepartementBouches-du-Rhône (Nach dem Décret-loi du 6 avril 1940 über die „Nomaden“); Roma wurden hier gefangen gehalten.
KZ oder Internierungslager Le Vernet imDépartement Ariège, ursprünglich eine Kaserne für Kolonialtruppen, in der im Zweiten Weltkrieg verschiedene Opfergruppen interniert wurden. Die Bezeichnungen sind uneinheitlich. Stand zeitweise direkt unter deutscher Leitung.
In Griechenland wurde durch die deutschen Besatzer 1941 beiThessaloniki dasKZ Pavlos Melas eingerichtet und im Oktober 1943 das italienischeKZ Chaidari(campo di concentramento Chaidari) beiAthen nach dem italienischenWaffenstillstand von Cassibile vom 8. September 1943 zunächst von der Wehrmacht geführt und einige Wochen später unter Leitung desBefehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD Griechenland gestellt. Es war wohl das südlichste Konzentrationslager der Nationalsozialisten in Europa und diente der Unterbringung von Widerstandskämpfern sowie als Durchgangslager für griechische Juden.[56]
Kanalinseln
DasKZ Alderney (auch „Lager Sylt“ genannt, von März 1943 bis Juni 1944) war ein Außenlager des KZ Neuengamme auf der von Großbritannien geräumten und seit 1940 besetzten Kanalinsel Alderney und damit das einzige deutsche Konzentrationslager in einem Gebiet des britischen Kronbesitzes.
Lager Grini, Feierlicher Appell zum Befreiungstag, 8. Mai 1945
Nach der Besetzung im April / Mai 1940 setzte derReichskommissar für NorwegenJosef Terboven eine immer härtere Besatzungspolitik durch, da die Kollaborationsregierung unterVidkun Quisling über keinen Rückhalt in der Bevölkerung verfügte. Unter demBefehlshaber der Sicherheitspolizei und des SDHeinrich Fehlis verhafteten Sipo und SD politische Gegner, Kommunisten, Gewerkschaftsmitglieder, oppositionelle Lehrer, Studenten, Polizisten, Offiziere der norwegischen Armee, Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und Juden. Zu diesem Zweck wurden vier Polizeihäftlings- und Strafgefangenenlager eingerichtet. Diese warenGrini fangeleir beiOslo,Falstad beiTrondheim,Ulven und Espeland beiBergen undSydspissen beiTromsø. Die Lager wurden als Hinrichtungsorte genutzt und Häftlinge in Konzentrationslager deportiert, darunter auch Juden nach Auschwitz.[57]
Polen, Russland, Ukraine, Weißrussland
Eine besonders hohe Dichte an Konzentrations-, Vernichtungs-, Durchgangslagern und Ghettos gab es imGeneralgouvernement in Ostpolen. Dort befanden sich die bekanntesten Vernichtungslager Auschwitz,Sobibor,Treblinka, Chelmno undBelzec. Das deutsch besetzte Polen war geradezu „übersät“ mit größeren und kleineren Konzentrations- und Außenlagern, denn zum einen war es das erste Land, das von denNationalsozialisten erobert worden war. Außerdem war inOsteuropa allgemein die jüdische Bevölkerung zahlreicher als in West- oder Mitteleuropa. Ein weiteres Vernichtungslager, Maly Trostinez, lag im heutigenBelarus. Während der Zeit der deutschen Besatzung Weißrusslands starben dort Hunderttausende Juden; die jüdische Bevölkerung Weißrusslands wurde fast vollständig ausgelöscht. DieUkraine war ebenfalls „übersät“ mit größeren und kleineren Lagern und Ghettos. So gab es etwa ein Ghetto inWinniza. (In der Nähe dieser Stadt befand sichAdolf Hitlers „Führerhauptquartier Werwolf“.) Soweit das „eigentlicheRussland“ von den Deutschen besetzt worden war, wurden auch hier die Juden, alsPartisanen verdächtigte Zivilisten und Kommunisten verschleppt oder erschossen. Allerdings gehörten die westlichen Gebiete des heutigen Russlands aufgrund der Kriegsereignisse zumeist zum „rückwärtigen Heeresgebiet“.
Nicht nur die Dichte an Konzentrationslagern und Ghettos unterschied die deutsch besetzten Gebiete Osteuropas von denjenigen Westeuropas. Denn nicht nur die Juden, sondern auch die nichtjüdische Bevölkerung war von den Repressionen direkt betroffen. So wurde zum Beispiel die StadtCharkow 1942 von Angehörigen derWehrmacht (nicht SS-Angehörigen) ausgehungert. Solche und ähnliche „Maßnahmen“ hatten ihren Grund in derrassistischenIdeologie des NS-Regimes, für das dieslawischen Völker nur „Untermenschen“ waren. So hatteReichsführer SSHeinrich Himmler vor Beginn desRusslandfeldzuges davon gesprochen, dass das Ziel des Feldzuges die Dezimierung der slawischen Völker um 30 Millionen bedeute.
In der Schlussphase des Kriegs wurde dasKonzentrationslager Osaritschi in der Nähe des weißrussischen Dorfes Osaritschi, KreisKalinkawitschy, südlich vonBobrujsk von der Wehrmacht vom 12. bis 19. März 1944 für arbeitsunfähigeZivilisten in Kooperation mit einer Einsatzgruppe errichtet. Arbeitsfähige Menschen sollten vor dem Truppenrückzug deportiert werden. Bis zum 12. März 1944 wurden die drei Lager als mit Stacheldraht umzäunte Areale ohne Gebäude oder sanitäre Einrichtungen in einem Sumpfgebiet in Frontnähe errichtet. In einer Woche kamen dort mindestens 9000 Menschen ums Leben.
Nach der Befreiung der KZ-Gefangenen und deren medizinischer Versorgung sahen die Alliierten die Notwendigkeit, die deutsche Bevölkerung mit den unter ihren Augen begangenen Verbrechen zu konfrontieren. In den Konzentrationslagern wurden die unglaublichen Verbrechen sichtbar – auch für Menschen, die nicht bereits Augenzeugen der Verbrechen gewesen waren. Die örtliche Bevölkerung aus der Nachbarschaft der KZs wurde gezwungen, Lagerteile und Leichen der dort Ermordeten anzusehen. Sie wurde mehrfach gezwungen, Tote in würdigen Gräbern zu bestatten. Dabei ging es um unbestattete Leichen oder Umbettungen von Leichen aus Massengräbern. Es wurden mehrfach Filmdokumentationen und Fotobände für Vorführungen im besetzten Deutschland und Österreich hergestellt (erstes Beispiel ist der FilmDie Todesmühlen (Death Mills)). Er setzt sich überwiegend aus Filmmaterial zusammen, das in kurz zuvor befreiten KZs gedreht wurde – unter anderem in Auschwitz-Birkenau, Majdanek, Treblinka, Bergen-Belsen. Der Film ist nur mit ernster klassischer Musik unterlegt und hat keine Rahmenhandlung. Er geht auch auf die wirtschaftliche Ausbeutung der Häftlinge ein. Die Dokumentationen wurden zum Teil als Beweismittel für Gerichtsverfahren gegen Beteiligte erstellt, insbesondere denNürnberger Prozessen.
Angesichts der Gräueltaten in den von den Achsenmächten Deutschland, Japan und Italien besetzten Ländern wurde auf Initiative von neun Londoner Exilregierungen im Jahr 1943 dieUnited Nations War Crimes Commission (UNWCC) ins Leben gerufen. Der Auftrag bestand in der Beweissicherung, Zusammenstellung von Täterlisten, Berichten an die Regierungen und Strafprozessvorbereitungen zuKriegsverbrechen. Zu diesen Kriegsverbrechen zählte die Verschleppung,Versklavung, Misshandlung und Tötung von Zivilisten und Kriegsgefangenen in Arbeits- und Konzentrationslagern (Verbrechen gegen die Menschlichkeit).
Nach dem Krieg kam es zu vielen NS-Prozessen (siehe auchKategorieverzeichnis NS-Prozesse). Es wurden exemplarische Prozesse gegen dasWirtschafts- und Verwaltungshauptamt der SS (es hatte Zwangsarbeiter gegen Prämien an Firmen vermietet) und die Firmenverantwortlichen vonFlick,I.G.-Farben undKrupp (sie hatten Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge zu tausenden von der SS gemietet) durchgeführt. Es kam in denNürnberger Nachfolgeprozessen zu Verurteilungen wegen Versklavung, Misshandlung, Einschüchterung, Folterung und Ermordung der Zivilbevölkerung und wegen der planmäßigem Ausbeutung von Zwangsarbeitern und KZ-Gefangenen.
Boder-Interviews, 1946: Der PsychologeDavid Boder vomIllinois Institute of Technology interviewte zahlreicheDisplaced Persons. Er stellte den Zeitzeugen frei, in welcher Sprache sie sich ausdrücken wollten. Boder sammelte rund 90 Stunden Magnetbandaufzeichnungen auf 200 Spulen und transkribierte rund 120 Interviews. Das ProjektVoices of the Holocaust macht Aufnahmen und Transkripte daraus zugänglich. Siehe David P. Boder:I Did not Interview the Dead. Urbana 1949 (französische Ausgabe alsJe n’ai pas interrogé les morts). Hrsg. von Alan Rosen, Florent Brayard. Paris 2006; David P. Boder:Topical Autobiographies of Displaced People Recorded Verbatim in the Displaced Persons Camps, with a Psychological and Anthropological Analysis. 16 Bände, Chicago 1950–1957.[58]
Shoah, 1985: In dem neun Stunden langen Film vonClaude Lanzmann werdenZeitzeugen zumHolocaust befragt. Kein Leichnam wird gezeigt, auch nicht als Archivbild. Die Filmaufnahmen bestehen überwiegend ausInterviews und langsamenKamerafahrten an Orten, zu denen tausende Judendeportiert und dort ermordet wurden.Shoah gilt als ein Meilenstein in der filmischen Auseinandersetzung mit der systematisch betriebenen Vernichtung der Juden.
Archiv der Erinnerung, 1995–1998: Im 171 Stunden Material umfassenden VideoarchivLeben mit der Erinnerung. Überlebende des Holocaust erzählen sind 82 der rund 850 ab 1979 entstandenen Interviews desFortunoff Video Archive for Holocaust Testimonies (Yale University, New Haven) aufbereitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Beteiligt sind unter anderem die StiftungDenkmal für die ermordeten Juden Europas[59] und des Moses-Mendelssohn-Zentrums (Potsdam). Cathy Gelbin, Eva Lezzi u. a. (Hrsg.):Archiv der Erinnerung. Interviews mit Überlebenden der Shoah. Band 1:Videographierte Lebenserzählungen und ihre Interpretationen. Band 2:Kommentierter Katalog. Potsdam 1998.[58]
Zeichnungen aus den NS-Konzentrationslagern. Arturo Benvenuti (Hrsg.) mit einem Vorwort vonPrimo Levi. Eine Sammlung von mehr als 250 Zeichnungen von KZ-Häftlingen.Bahoe Books, Wien 2017,ISBN 978-3-903022-48-5.
Schindlers Liste: Spielfilm von Steven Spielberg aus dem Jahr 1993 nach dem gleichnamigen Roman (im Original Schindler’s Ark) von Thomas Keneally.
Die Fälscher: Österreichischer Spielfilm. Der vom Regisseur und Drehbuchautor Stefan Ruzowitzky inszenierte Film basiert auf einem realen Geschehen und handelt vom größten Geldfälschungsprogramm der Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkriegs, der Aktion Bernhard.
Die Grauzone: Film von Tim Blake Nelson aus dem Jahr 2001. Das Drama beschäftigt sich mit der Problematik der jüdischen Zwangsarbeiter im KZ Auschwitz-Birkenau, die niederste Arbeit verrichteten, um einige Wochen länger zu leben.
Jakob der Lügner: Jakob der Lügner ist eine Verfilmung des gleichnamigen Romans des SchriftstellersJurek Becker. Diese Verfilmung stammt aus dem Jahr 1999; mit Robin Williams als Jakob.
Band of Brothers – Wir waren wie Brüder – Teil 9:Warum wir kämpfen: Angekommen in der Nähe der deutschen Stadt Landsberg entdeckt die Easy Company auf einem Kontrollgang das nahegelegene Konzentrationslager Kaufering IV. Die Episode skizziert das überwältigende Entsetzen, das die Soldaten ergreift und verweist auf das deutsche Wissen über jene Konzentrationslager.
Der Junge im gestreiften Pyjama: Britischer Film aus dem Jahr 2008 von Mark Herman. Er basiert auf der gleichnamigen Romanvorlage von John Boyne.
Die Insel in der Vogelstraße: Die Insel in der Vogelstraße ist ein Roman des israelischen Schriftstellers Uri Orlev, das im Jahr 1985 veröffentlicht wurde. Es wurde im Jahr 1997 verfilmt.
Uprising – Der Aufstand: US-amerikanischer Fernsehfilm aus dem Jahr 2001. Das von Jon Avnet inszenierte Holocaust-Drama erzählt vom Aufstand im Warschauer Ghetto.
Das Leben ist schön: Italienischer Film von Roberto Benigni aus dem Jahr 1997.
Der Pianist: Holocaust-Drama nach der in London im Jahr 1999 publizierten AutobiografieDer Pianist – Mein wunderbares Überleben (Originaltitel:Śmierć miasta) des polnischen Pianisten und KomponistenWładysław Szpilman.
Nazi Murder Mills – Konzentrationslager 1945: US-Dokumentation aus dem Jahr 1945 über befreite nationalsozialistische Konzentrationslager und Terrorstätten (Hadamar, Ohrdruf, Buchenwald, Nordhausen), mit bewegenden Bildern der Opfer, der Ermordeten und Gequälten des NS-Terrors.
Hanuš Burger,Billy Wilder:Die Todesmühlen(Death Mills): US-Dokumentation aus dem Jahr 1945, für Vorführungen im besetzten Deutschland und Österreich im Sinne derReeducation zur Konfrontation der Bevölkerung mit den unter ihren Augen begangenen Verbrechen produziert.
Michael Kloft:Die Gesichter des Bösen – Hitlers Henker. Deutschland, 2009 (Länge 3:31): Vierteilige Serie einer Dokumentation über Konzentrationslager und Täter der NS-Judenvernichtung (Massenmörder wie Himmler, Heydrich, Kaltenbrunner, Lagerkommandanten, KZ-Ärzte) mit Filmmaterial aus verschiedenen Archiven und zwischen die Dokumentarszenen eingeschnittenen Interviews, Statements z. T. von Zeitzeugen.
Stefan Hördler:Ordnung und Inferno – Das KZ-System im letzten Kriegsjahr. Wallstein Verlag, Göttingen 2015,ISBN 978-3-8353-1404-7 (Jens-Christian Wagner:Rezension, Einsicht. Bulletin des Fritz Bauer Instituts 16 (2016), S. 78–79).
Französisches Büro des Informationsdienstes über Kriegsverbrechen (Hrsg.):Konzentrationslager Dokument F 321 für denInternationalen Militärgerichtshof Nürnberg. Frankfurt am Main 1988. (Erstveröffentlichung Paris 1945 unter dem TitelCamps de Concentration. Crimes contre la personne humaine. Erste deutsche Buchausgabe 1947, hrsg. vonEugène Aroneanu)
Hermann Langbein:… nicht wie die Schafe zur Schlachtbank – Widerstand in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern 1938–1945. Fischer, Frankfurt 1988,ISBN 3-596-23486-7.
Geoffrey Megargee (Hrsg.):The United States Holocaust Memorial Museum Encyclopedia of Camps and Ghettos, 1933–1945. Band 1:Early Camps, Youth Camps, Concentration Camps and Subcamps under the SS-Business Administration Main Office (WVHA). Indiana University Press, Bloomington 2009,ISBN 978-0-253-35328-3.[63] Band 2 2012. Zwei weitere Bände erschienen.
Karin Orth:Das System der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Eine politische Organisationsgeschichte. Pendo, Zürich/München 2002,ISBN 3-85842-450-1.
Karin Orth:Die Historiografie der Konzentrationslager und die neuere KZ-Forschung. In:Archiv für Sozialgeschichte. 47, 2007, S. 579–598.
Jörg Osterloh,Kim Wünschmann (Hg.):„… der schrankenlosesten Willkür ausgeliefert“: Häftlinge der frühen Konzentrationslager 1933–1936/37, Campus-Verlag, Frankfurt am Main 2017,ISBN 978-3-593-50702-6.
Die Amerikanische Armee entdeckt den Holocaust Original-Filmaufnahme und durch das Filmteam umSteven Spielberg nachgespielte Befreiung des Konzentrationslagers Kaufering IV am 27. April 1945 durch die US-Streitkräfte – aus dem Archiv vonAnton Posset übergeben von einem Befreier der 103. Infanterie-Division der alliierten US-Streitkräfte. In:Landsberg im 20. Jahrhundert. Hrsg. von derBürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert. Auf Anordnung des US-Oberst E. Seiler wird davon ein siebenminütiger Dokumentarfilm erstellt, und die sich dabei abspielenden Ereignisse im Jahr 2000 für den FilmBand of Brothers nachgestellt.
KZ Bildbericht aus fünf Konzentrationslagern Herausgegeben vom Amerikanischen Kriegsinformationsamt im Auftrag des Oberbefehlshabers der Alliierten Streitkräfte [April 1945], Rekonstruktion VVN/BdA NRW, 2006 (PDF; 2,3 MB)
↑Institut für Zeitgeschichte (Hrsg.):Ämter, Abkürzungen, Aktionen des NS-Staates: Handbuch für die Benutzung von Quellen der nationalsozialistischen Zeit. Amtsbezeichnungen, Ränge und Verwaltungsgliederungen, Abkürzungen und nichtmilitärische Tarnbezeichnungen. Verlag:De Gruyter, 2012,ISBN 978-3-11-095167-7,S.306, 307 u. 309.
↑Jörg Osterloh,Kim Wünschmann:… der schrankenlosesten Willkür ausgeliefert – Häftlinge der frühen Konzentrationslager 1933-1936/37. Campus, 2017,ISBN 978-3-593-50702-6, S. 12 f.
↑Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.):Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 2, S. 174 ff.; Udo Wohlfeld:Das Netz. Die Konzentrationslager in Thüringen 1933–1937. Weimar 2000, Seitenzahl fehlt.
↑Peter Longerich:Heinrich Himmler. Biographie. Siedler, München 2008, S. 161.
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↑Peter Longerich:Die braunen Bataillone. Geschichte der SA. C.H. Beck, München 1989, S. 172–179.
↑Hans-Ulrich Wehler:Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Band 4:Vom Beginn des Ersten Weltkrieges bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten 1914–1949. C.H. Beck, München 2003, S. 607.
↑Ulrich Herbert u. a.:Die nationalsozialistischen Konzentrationslager. Geschichte. Erinnerung, Forschung. In: Ulrich Herbert, Karin Orth, Christoph Dieckmann (Hrsg.):Die nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 1, Frankfurt am Main 2002,ISBN 3-596-15516-9, S. 25.
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↑Ulrich Herbert:Von der Gegnerbekämpfung zur «rassischen Generalprävention». In:Die nationalsozialistischen Konzentrationslager: Entwicklung und Struktur. Band 1, Hrsg.: Ulrich Herbert,Karin Orth undChristoph Dieckmann, Wallstein Verlag, 1998,ISBN 3-89244-289-4, S. 63.
↑Ulrich Herbert:Von der Gegnerbekämpfung zur «rassischen Generalprävention». S. 66.
↑Ulrich Herbert u. a.:Die nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 1, S. 26; Bei Benz, Distel:Der Ort des Terrors, Band 2:Frühe Lager, Dachau, Emslandlager. München 2005,ISBN 3-406-52962-3, S. 243: Zu Beginn des Sommers 1935 nur 3555 Häftlinge, davon etwa 1800 in Dachau.
↑Ulrich Herbert u. a.:Die nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 1, S. 28 f.
↑Wolf-Arno Kropat:Kristallnacht in Hessen, Das Judenpogrom vom November 1938. Wiesbaden 1988,ISBN 3-921434-11-4, S. 167 ff.
↑abUlrich Herbert u. a.:Die nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 1, S. 29.
↑Andrea Löw (Bearb.):Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945 (Quellensammlung), Band 3:Deutsches Reich und Protektorat Böhmen und Mähren, September 1939 – September 1941. München 2012,ISBN 978-3-486-58524-7, S. 30.
↑Ulrich Herbert u. a.:Die nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 1, S. 29 f.
↑Eberhard Kolb:Die letzte Kriegsphase …. In: Ulrich Herbert u. a. (Hrsg.):Die nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 2, Frankfurt am Main 2002,ISBN 3-596-15516-9, S. 1135.
↑Hans: Maršálek:Die Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen. Dokumentation. 4. Auflage. 2006,ISBN 3-7035-1235-0, S. 409.
↑Ulrich Herbert u. a.:Die nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 1, S. 31.
↑Der Anklagepunkt vier imNürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher lautete aufVerbrechen gegen die Menschlichkeit, darunter fiel insbesondere auch die Versklavung (eng:enslavement) der Zivilbevölkerungen - vgl. Bernhard Kuschnik:Der Gesamttatbestand des Verbrechens gegen die Menschlichkeit. Herleitungen, Ausprägungen, Entwicklungen. Berlin 2009.
↑Kurz vor Kriegsende existierten 34 Lager, in denen Frauen als Häftlinge von der SS in der Rüstungsindustrie eingesetzt wurden. Vom Beginn seines Bestehens an bis Februar 1945 sind nach dem Verzeichnis der Nummernzuteilung 107.753 Frauen in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück und seine Außenlager eingewiesen worden. Nach:Ino Arndt, In:Dachauer Hefte. 3, 1990, S. 145.
↑Vgl. Tabelle 7 in: Michael Grüttner:Das Dritte Reich. 1933–1939 (= Handbuch der deutschen Geschichte. Band 19). Klett-Cotta, Stuttgart 2014, S. 162.
↑Nach Peter Wilfahrt, 2005: entnommen aus Tafel im KZ.
↑Willy Berler:Durch die Hölle. Monowitz, Auschwitz, Groß-Rosen, Buchenwald. Ölbaum, Augsburg 2003, S. 60.Zitiert nach wollheim-memorial.de
↑Stanislav Zámečník:Das war Dachau. Luxemburg 2002,ISBN 2-87996-948-4, S. 150, Kapitel „Überlebensbedingungen“.
↑Oliver Lustig, selbst Überlebender, hat 1982 eine Sammlung solcher Begriffe veröffentlicht. Oliver Lustig:Camp Dictionary. online-Version, 2005,Concentration Camp Dictionary. 1982; mehrsprachig: ungar., de, eng., portug. und Italienisch. Beiisurvived.org. Das bedeutet aber nicht, dass es ein identisches Sprachgemisch in den verschiedenen Lagern gab.
↑Eugen Kogon:Nationalsozialistische Massentötungen durch Giftgas. Eine Dokumentation. 2. Auflage. S. Fischer, 1983,ISBN 3-10-040402-5, S. 66.
↑Danuta Czech:Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939–1945. Rowohlt, 1989,ISBN 3-498-00884-6, S. 132. Vgl. auch: Reinhard Otto:Wehrmacht, Gestapo und sowjetische Kriegsgefangene im deutschen Reichsgebiet 1941/42 (=Schriftenreihe derVierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Band 77). Oldenbourg, München 1998,ISBN 3-486-64577-3, S. 196.
↑Gesetz zur Reform des Personenstandsrechts (Personenstandsrechtsreformgesetz – PStRG) vom 19. Februar 2007 (BGBl. I S. 122)
↑Jerzy Giergielewicz:Endstation Neuengamme, Außenlager Drütte. Der Weg eines 17-jährigen aus Warschau durch vier Konzentrationslager. Hg. v. d. KZ-Gedenkstätte Neuengamme und der Gedenk- und Dokumentationsstätte KZ Drütte. Bremen 2002,ISBN 3-86108-798-7.