Imvolkswirtschaftlichen Sinne steht der Begriff für den Kauf von Gütern des privaten Ge- oder Verbrauchs durchKonsumenten (Privathaushalte). Der volkswirtschaftliche Überbegriff Verbrauch ist davon abzugrenzen, da er, neben dem Verbrauch von Haushalten auch den von Staat und Unternehmen umfasst.[1] Sein Pendant istSparen, das vorliegt, wenn nicht konsumiert wird.
Konsum existiert, seit es die Menschheit gibt, dennGüter wurden schon immer verbraucht. Konsum wurde zudem auch durch Vorschriften[2] geregelt.
In derEthnologie werden alle sozialen Einheiten einer Gesellschaft, in denen Konsum stattfindet, alsKonsumgemeinschaft bezeichnet. Das sind in erster Linie die Haushalte, zudem Clans, Dorfgemeinschaften, Zweckverbünde. Der gemeinsame Konsum, der über den Haushalt hinausgeht, bekräftigt den sozialen Zusammenhalt der Gruppe.[3]
EineKonsumgesellschaft (bei welcher derKonsum an sich individualisiert und wichtiger als die soziale Komponente ist) entwickelte sich erstmals imEngland des 15. Jahrhunderts, als unter anderem die Entstehung neuer Drucktechnologien und des Baumwollhandels den Konsum erheblich anwachsen ließen. Eine Konsumgesellschaft ist dadurch gekennzeichnet, dass die Befriedigung möglichst vielerBedürfnisse nur durch Konsum gegen entsprechende Bezahlung möglich ist.[4] Konsumenten kaufen nicht nur das, was sie zum Leben benötigen, sondern auch die „schönen“ Dinge des Lebens und Güter, die keinenNutzen stiften.
Im 18. Jahrhundert kaufte die Bevölkerung das, was sie nicht selbst herstellen konnte, auf Wochen- und Jahrmärkten. Es gab keine festenPreise, es wurde gehandelt. MitLuxusgütern wie feinen Gewürzen und erlesenen Stoffen pflegte zunächst nur derAdelPrestigekonsum. Im Laufe der Zeit emanzipierte sich dasBürgertum und damit wuchs dessenKaufkraft. Das menschliche Interesse entwickelte sich vomBedarf zumWunsch. Es wurde konsumiert, umetwas darzustellen. InEngland wuchs im frühen 18. Jahrhundert die Industrie und Arbeitsplätze wurden geschaffen. Aufgrund des damit verbundenen Anstiegs desEinkommens des Bürgertums stieg die Massenverbrauchsgüternachfrage, wie zum Beispiel nach Bier, Tee, Seife und bedruckter Kleidung.Produktkataloge wurden ab 1744 erstmals durchBenjamin Franklins Bücherkatalog mit 600 Angeboten versandt.[5] Kataloge avancierten zum erfolgreichstenKommunikationsmittel für die Konsumgesellschaft und führten zu einer Steigerung der Konsumbedürfnisse. Bald zogen andere Zeitschriften nach. Neben Großbritannien wurden Frankreich, Deutschland und Holland von dieser Revolution beeinflusst.
Der US-amerikanische Unternehmer Aaron Montgomery Ward (1843–1913) präsentierte den ersten Versandkatalog im Jahre 1872 für sein Versandgeschäft inChicago. Er bestand aus einem einzigen Blatt mit den Angeboten und den Versandbedingungen.[6] EineInnovation Mitte des 19. Jahrhunderts war dieLitfaßsäule. Sie bot viel Platz fürWerbung und war ein wichtiges Mittel zurAbsatzförderung. Durch die Entwicklung der Werbung in Zeitungen, Zeitschriften und Schaufenstern wurde der Konsum stetig erhöht. Durch dieIndustrialisierung in Europa und Nordamerika entstanden komplexe Produktions-, Transport- und Informationsnetzwerke. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Konsumhäuser gebaut, die durch feste Preise gekennzeichnet waren. Durch das erhöhte Angebot wuchsen die Konsumentenwünsche und die Konsumlust.
DasWirtschaftswunder und der damit verbundene Massenkonsum begannen mit dem Wiederaufbau Deutschlands nach demZweiten Weltkrieg. Aus den oben genannten Luxusgütern wurde Massenware. Auch internationale Güter kamen in den 1950er Jahren auf den Markt und dieGlobalisierung des Konsums begann. In den 1960er Jahren boomte der Markt für Elektrogeräte, in den 1970er Jahren der Markt für Kunststoffmöbel, kostbare Rohstoffe und Energieträger. In den 1980er Jahren entwickelt sich eine Art Luxussucht. Reichtum und Schönheit erlangten mehr Bedeutung. DasWorld Wide Web entwickelt eine innovative Dimension des Konsums. Dadurch wurde es möglich, direkt beim Erzeuger in anderen Ländern zu bestellen. Konsum wurde zu einer Freizeitbeschäftigung vieler Menschen. „Der Bundesverband des Deutschen Versandhandels ging davon aus, dass die Verbraucher in Deutschland 2007 16,8 Milliarden Euro für Einkäufe im Internet ausgegeben haben – Tendenz steigend.“[7]
machenMedien auf die politischen Folgen bestimmtenKonsumverhaltens aufmerksam,
stellenKonsumenten das eigene Konsumverhalten in Frage oder verändert es (z. B.Veganismus),
versuchenUnternehmen ihre Produkte um eine politische Dimension zu ergänzen und aufzuwerten (Greenwashing-Kampagnen wie das Regenwald-Projekt der Bier-Brauerei Krombacher 2008[8]),
fordernNGOs zu einem bestimmten Konsum- oder Boykottverhalten auf (wie beimShell-Boykott, 1995) oder es
betonenwissenschaftliche Studien die Wirkung des Konsums auf denKlimawandel. Zum Beispiel weist dasWorldwatch Institute im BerichtZur Lage der Welt 2010 (State of the World Report 2010) darauf hin, dass der weltweite Konsum „Klimakiller Nummer Eins“ sei. Wenn alle Erdenbürger beispielsweise wie dieUS-Amerikaner leben würden, könnte der Planet nur rund 1,4 Milliarden Menschen ernähren.[9]
Karl Marx (1818–1883), bedeutender Philosoph und Kapitalismuskritiker, schreibt den produzierten Waren im Kapitalismus einenFetischcharakter zu.
Gesellschaftliche Kritik am Konsum entstand nicht erst mit den modernen, westlichen Marktwirtschaften im 20. Jahrhundert, bereits im 19. Jahrhundert entwickelte sich dieKapitalismuskritik, in dessen Rahmen auch der Konsum kritisiert wurde. Außerdem begleitet viele Gesellschaften und Kulturen seit Jahrhunderten die Kritik am Konsum – insbesondere in Auseinandersetzung mit religiösen oder ethischen Normen.
Insbesondere durch die Werbung inMassenmedien erhält die Aufforderung zum Konsum eine zentrale Aufmerksamkeit in marktwirtschaftlichenInformationsgesellschaften des 20. und 21. Jahrhunderts. Dies wird u. a. mit dem Begriff desKonsumterrors kritisiert.[10]
Ein Beispiel zur Darstellung dieser Beziehung ist der geschlosseneWirtschaftskreislauf ohne staatliche Aktivität.Privathaushalte erbringen für die UnternehmenArbeitsleistungen, mit denen die Unternehmen Güter produzieren. Diese werden von den Haushalten gekauft und konsumiert. Mit Hilfe der konsumierten Güter wird es den Haushalten ermöglicht, weitere Arbeitsleistungen zu erbringen und den Unternehmen weiter zu produzieren und Umsatz zu generieren, womit sie die Arbeitsleistungen wiederum mitEinkommen () vergüten können. Mit Hilfe dessen können die Haushalte wiederum die Konsumausgaben an die Unternehmen zahlen. Die vereinfachten Darstellung geht davon aus, dass die Haushalte nichts von ihren Einkommen sparen. Somit geben sie wieder alles zum Kauf von Konsumgütern aus und zahlen dafür Konsumausgaben (). Somit lässt sich das gesamteBruttoinlandsprodukt oder das gesamte Einkommen aller an der Wirtschaft Beteiligten () alsAddition von privaten Konsumausgaben () undInvestitionsausgaben () darstellen:
Das vorherige Modell kann um die Möglichkeit des Sparens, aber ohne Staat erweitert werden. Der Teil des Einkommens, der nicht für den Konsumgüterkauf ausgegeben wird, heißtErsparnis (). Dann entspricht das Haushaltseinkommen der Summe der Konsumausgaben und der Ersparnis:
.
Damit es zu einemgesamtwirtschaftlichen Gleichgewicht kommt, müssen die Ersparnisse, also die Differenz zwischen Einkommen und Konsum gleich den Ausgaben für die Investitionen sein:
Weiterhin entspricht im Gleichgewicht die Produktion () der Güternachfrage (). Die gesamtwirtschaftliche Güternachfrage lässt sich durch die Addition von Konsum, Investition,Staatsausgaben () und demAußenbeitrag zum BIP () berechnen. Da es in einergeschlossenen Volkswirtschaft keinen Außenbeitrag gibt, gilt
.
Somit lässt sich die Güternachfrage mit der folgendenIdentitätsgleichung darstellen:
.
Die Nachfrage nach Gütern durch die Haushalte () hängt vom Konsum und somit vom Einkommen ab. Gleichgewicht stellt sich aber nur ein, wenn und somit gilt[11]:
Der Zweck jedesWirtschaftens besteht darin, die Bedürfnisse zu befriedigen. Die privaten Haushalte werden also mit denKonsumgütern versorgt, die sie nachfragen. Die Nachfrage nach einem Gut im Vergleich zu einem anderen regelt sich durch den Preis.[12] Weiterhin wird die Nachfrage durch den Nutzen, den die Güter stiften, den Bedürfnissen der Menschen und dem Einkommen, das den Haushalten zur Verfügung steht, beeinflusst. Folglich hängt der Konsum der privaten Haushalte ebenfalls von den oben genannten Faktoren ab. Bei steigendem Preis eines Gutes und/oder bei sinkenden Einkommen sinkt grundsätzlich die Nachfrage der Haushalte.
DieNachfragetheorie zielt nicht nur auf die Steigerung des Konsums als eigentliche Determinante des Wirtschaftswachstums ab, sondern allgemein auf eine ausgeglichene und angemessene Nachfrage nach Konsum- und Investitionsgütern. DieKaufkrafttheorie ist in diesem Sinne als eine Theorie zu sehen, wonach sich ein angemessenesWirtschaftswachstum bei einer ausgeglichenenEinkommensverteilung ergibt.
Private Konsumausgaben (Privater Verbrauch); hierzu gehören alle Waren- und Dienstleistungskäufe derPrivathaushalte (Privathaushalte der Unternehmer, Arbeitnehmer, Rentner, Arbeitslosen) und der selbständigen Einzelunternehmungen wie Gastwirte, Freiberufler im Inland. So gehören langlebige Güter, wie Möbel und Fahrzeuge zu den Konsumgütern. Generell werden nach derESVG Immobilienkäufe in der Verwendungsrechnung des BIP zu denInvestitionsausgaben gerechnet.
Konsumausgaben privaterOrganisationen, wie beispielsweise Kirchen, Gewerkschaften.
Staatliche Konsumausgaben (Staatsverbrauch); hierzu gehören alle Dienstleistungen, die der Staat nicht auf dem Markt anbietet. Alle laufenden Kosten wie die Gehaltszahlungen für Lehrer und Beamte gelten als staatlicher Konsum.
Eva Illouz:Der Konsum der Romantik: Liebe und die kulturellen Widersprüche des Kapitalismus (Originaltitel:Consuming the Romantic Utopia, übersetzt von Andreas Wirthensohn). Campus, Frankfurt am Main 2003,ISBN 3-593-37201-0 (=Frankfurter Beiträge zur Soziologie und Sozialphilosophie, Band 4); als Taschenbuch: Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft Band 1858, Frankfurt am Main 2007,ISBN 978-3-518-29458-1.
Renate Neubäumer, Brigitte Hewel u. a.:Volkswirtschaftslehre: Grundlagen der Volkswirtschaftstheorie und Volkswirtschaftspolitik. Gabler, Wiesbaden, 2. Auflage.
Diedrich Saalfeld:Wandlungen der bäuerlichen Konsumgewohnheiten vom Mittelalter zur Neuzeit. In: Irmgard Bitsch,Trude Ehlert,Xenja von Ertzdorff (Hrsg.):Essen und Trinken in Mittelalter und Neuzeit. Vorträge eines interdisziplinären Symposions vom 10.–13. Juni 1987 an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Sigmaringen 1987, S. 59–76.
Rolf Walter (Hrsg.)Wirtschaftswissenschaften: Eine Einführung. Schöningh, Paderborn 1997.
Wolfgang Wüst (Hrsg.)Regionale Konsumgeschichte. Vom Mittelalter bis zur Moderne (= Franconia 7. Beihefte zum Jahrbuch für fränkische Landesforschung), Erlangen 2015,ISBN 978-3-940049-19-3.
Birger P. Priddat:Economics of Persuasion. Ökonomie zwischen Markt, Kommunikation und Überredung. Metropolis, Marburg 2015.
Claudius Torp:Wachstum, Sicherheit, Moral - Politische Legitimationen des Konsums im 20. Jahrhundert. Wallstein, Göttingen 2012,ISBN 978-3-8353-1040-7.
Carl Tillessen:Konsum, Warum wir kaufen, was wir nicht brauchen. HarperCollins, 2021,ISBN 978-3-95967-395-2.
↑Jörg Jarnut:Konsumvorschriften im Früh- und Hochmittelalter. In:Trude Ehlert (Hrsg.):Haushalt und Familie in Mittelalter und früher Neuzeit. Vorträge eines interdisziplinären Symposions vom 6.–9. Juni 1990 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Mit einem Register von Ralf Nelles. Thorbecke, Sigmaringen 1991,ISBN 3-7995-4156-X, S. 119–128.
↑Dieter Haller, Bernd Rodekohr:Dtv-Atlas Ethnologie. 2. Auflage, dtv, München 2010, S. 157.
↑Dieter Haller, Bernd Rodekohr:Dtv-Atlas Ethnologie. 2. Auflage. dtv, München 2010, S. 157.
↑Bernhard Pötter:Greenwashing mit Krombacher: Die Ökospur der Kronkorken. In:Die Tageszeitung: taz. 22. August 2012,ISSN0931-9085 (taz.de [abgerufen am 13. Oktober 2020]).